| Eine Rundfahrt in Andalusien in 11 Tagesetappen über 874 km. Tagesetappen zwischen 46 und 101 Kilometern. | |
| 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag 1. Ruhetag 5. Tag 6. Tag 7. Tag 8. Tag 2. Ruhetag 9. Tag 10. Tag 11. Tag | |
|
Streckenabschnitt |
Meeres- |
Entfernung |
Tages- |
Gesamt- |
|---|---|---|---|---|
|
Malaga - Rincón de la Victoria |
8 |
13,9 |
13,9 |
25,1 |
|
Nerja - Maro |
28 |
5,7 |
5,7 |
71,4 |
|
Salobreña - Motril |
27 |
7,0 |
7,0 |
118,5 |
| Juviles -
Alcutar Alcutar - GR421/A4126 GR421/A4126 - Mecina Bombarón Mecina Bombarón - Yegen Yegen - Válor Válor - Mecina Alfahar Mecina Alfahar - Mairena Mairena - Laroles Laroles - Puerto de la Ragua (ES-AL-2039) Puerto de la Ragua - La Calahorra La Calahorra - Alquife/San Antonio Alquife/San Antonio - Lanteira Lanteira - Jerez de Marquesado Jerez de Marquesado - Abzw. Cogollos-de-Guadix Abzw. Cogollos-de-Guadix - Guadix (4. Tagesetappe) |
1290 |
6,0 |
6,0 |
189,6 |
|
Guadix - Purullena |
998 |
10,5 |
10,5 |
289,4 |
| Granada -
Cenes de la Vega Cenes de la Vega - Los Pozuelos Los Pozuelos - Collado de la Sabinas (ES-GR-2180) Collado de la Sabinas - Collado de las Sabinillas (ES-GR-2035) Collado de las Sabinillas -Cenes de la Vega Cenes de la Vega - Granada (6. Tagesetappe) |
698 |
17,7 |
17,7 |
361,3 |
| Granada -
Canto Grande Canto Grande - Santa Fé Santa Fé - Chimeneas Chimeneas - Ventas de Huelma Ventas de Huelma - Ochichar Ochichar - Cacín Cacín - A338/A7123 A338/A7123 - Alhama-de-Granada Alhama-de-Granada - Puerto del Navazo (ES-GR-1116) Puerto del Navazo - La Alcaicería La Alcaicería - Ventas de Zafarraya (7. Tagesetappe) |
698 |
7,4 |
7,4 |
427,3 |
| Ventas
de Zafarraya - Puerto
de Zafarraya (ES-GR-0915) Puerto de Zafarraya - Periana Periana - Las Monjas Las Monjas - Puerto Sabar (ES-MA-0598) Puerto Sabar - Riogordo Riogordo - Colmenar Colmenar - Moriscos Moriscos - Puerto de las Pedrizas (ES-MA-0780b) Puerto de las Pedrizas - Kreisverkehr Kreisverkehr - Puerto de las Pedrizas Puerto de las Pedrizas - las Pilas las Pilas - Puerto de Barco () Puerto de Barco - Villanueva de la Concepción Villanueva de la Concepción - Boca del Asno Boca del Asno - Abzw. A343 Abzw. A343 - Antequera (8. Tagesetappe) |
908 |
0,1 |
0,1 |
501,9 |
| Antequera
- Abzw. A343 Abzw. A343 - Abzw. MA437 Abzw. MA437 - Valle de Abdalajís Valle de Abdalajís - Las Angosturas Las Angoraturas - El Chorro El Chorro - Desfiladero de los Gaitanes Desfiladero de los Gaitanes - El Chorro El Chorro - Puerto de las Atalayas (ES-MA-0396) Puerto de las Atalayas - Ardales Ardales - El Burgo El Burgo - Mirador del Guarda Forestal Mirador del Guarda Forestal - Puerto del Viento (ES-MA-1190) Puerto del Viento - Puerto de los Ladrones (ES-MA-0850) Puerto de los Ladrones - Ronda (9. Tagesetappe) |
539 |
2,6 |
2,6 |
579,9 |
| Ronda -
Puerto de Encinas Borrachas () Puerto de Encinas Borrachas - Atajate Atajate - Benadalid Benadalid - Alagtocín Alagtocín - Ponte Rio Genal Ponte Rio Genal - Jubrique Jubrique - Puerto de Peñas Blancas (ES-MA-0990) Puerto de Peñas Blancas - Estepona (10. Tagesetappe) |
749 |
12,1 |
12,1 |
682,6 |
| Estepona
- la Voladilla la Voladilla - Benamare Benamare - San Pedro-de-Alcantara (Playa) San Pedro-de-Alcantara (Playa) - Puerto Banus Puerto Banus - Marbella Marbella - Elviria Elviria - Calahonda Calahonda - Chaparral Chaparral - Fuengirola Fuengirola - Torremolinos Torremolinos - Malaga (11. Tagesetappe) |
11 |
8,1 |
8,1 |
756,9 |
Zeitraum
Die Radtour wurde vom 26. April bis 10. Mai 2008 bei überwiegend schönem Wetter durchgeführt.
Teilnehmer:
Hubert Becker
Uschi Becker
Jürgen Giesecke
Allgemeine Hinweise
Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäcks sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.
Überblick
Diese Radtour ist keine Spazierfahrt, ca. 14600 Höhenmeter sind auf 862 Kilometern zu absolvieren! Ausreichendes Training und Kondition sind für einen unproblematischen Tourenverlauf notwendige Voraussetzung. Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, dass die beschriebene Tour ist.
Empfohlenes Kartenmaterial: Michelin-Strassenkarte No. 124 »Costa del Sol«. Daneben gibt es auf der Homepage des Instituto Geografico National die Möglichkeit, Karten im Maßstab 1:50000 als PDF-Dateien herunter zu laden. Die Karten haben sehr unterschiedliche Ausgabedaten, von den 30-Jahren bis ins 1. Jahrzehnt dieses Jahrhunderts. Daneben gibt es im Internet digitale Karten, die beliebig skalierbar sind (http://sigpac.mapa.es/fega/visor/).
Anreise (26.04.2008)
LH4526 München - Malaga, ab MUC 10:45 Uhr, startet pünktlich. Zuvor sind wir noch ein wenig beim Preparieren der Fahrräder ins Schwitzen gekommen. Wie bereits in den Vorjahren haben wir unsere Räder nicht in Transportkartons sondern in Transportsäcke verpackt. Zum Transport müssen Lenker und Pedale um- bzw abmontiert werden. Das ist eine Angelegenheit von Minuten. Über die Rahmenteile (Ober-, Unter- und Sattelrohr sowie Sitz- und Kettenstreben) und die Gabel werden Rohrschalen gestülpt, diese sind im Baumarkt (Wärmedämmung für Heizungs- und Heißwasserrohre) für verschiedenen Rohrdurchmesser erhältlich. Anschließend werden die Räder rückwärts in die Säcke geschoben. Die Säcke werden zum Schluß zugeklebt. Wir hoffen, daß die Räder unbeschädigt ankommen. In der Regel war das bisher auf Direktflügen auch immer der Fall.
Ungefähr drei Stunden dauert der Flug nach Malaga. Auf unser Gepäck und unsere Fahrräder müssen wir nach der Ankunft am Zielflughafen nicht lange warten. Eine gute halbe Stunde dauert es, bis unsere Räder fahrbereit sind und das Gepäck aufgeladen ist. Mit dem Verpackungsmaterial über den Satteltaschen schauen die Bikes etwas unprofessionell aus. Das Hotel in Malaga ist vorgebucht für zwei Nächte, die erste und letzte auf unserer Tour. Die 11,2 Kilometer vom Flughafen zum Hotel sind schnell absolviert.
Das Hotel Sur liegt sehr zentral in Malaga, es ist ein kleines Haus, unsere Fahrräder können wir im Hotel für 3 Euro pro Rad unterstellen. Wir beziehen unser Dreibettzimmer und geben das Verpackungsmaterial zur Aufbewahrung ab. Dann gilt es Malaga zu besichtigen.
Dank
des Mittelmeerklimas und der Montes de Málaga im Norden wird Stadt das
ganze Jahr über von einem außergewöhnlich warmen Klima verwöhnt. Die bewegte
Geschichte dieser Metropole hat in ihren historischen Vierteln vielseitige Spuren
hinterlassen. Malaga besitzt einen stark frequentierten Handelshafen
und ist einer der Hauptstützpunkte für die Küstenschiffahrt Spaniens.
Im späten 8. oder frühen 7. Jahrhundert v. Chr. errichteten die Phönizier hier ihren Handelsstützpunkt Malaca. Später kamen die Griechen und dann die Karthager, gegen Ende des 3. Jahrhundert v. Chr. wurde Malaga von den Römern erobert, im 1. Jahrhundert n. Chr. erhielt es das römische Stadtrecht. Während der Völkerwanderung war es dann Schauplatz erbitterter Machtkämpfe zwischen rivalisierenden Germanenstämmen.
Nach der Eroberung durch die Mauren in den Jahren 714-716 unterstand die Stadt zunächst dem Kalifat Córdoba später geriet es in den Hoheitsbereich des Königreichs Granada. Im 11. Jahrhundert wurde die Alcazaba gebaut. Nach der Herrschaft der Almoraviden und anschließend der Almohaden kam Malaga unter die Rechtsprechung der Nasriden. Die Stadt stieg empor zum Haupthafen dessen Königreichs. Jussuf I. erneuerte und erweiterte im 14. Jahrhundert die Festung auf dem Gibralfaro.
Nach
harten Kämpfen gelang es den Katholischen Königen, die Stadt im August 1487
zu erobern. Unter der Herrschaft Philipps II. erfolgte im 16. Jahrhundert beträchtlicher
wirtschaftlicher Aufschwung.
Die Festung (Alcazaba) auf einem Hügel über der Stadt zählt zu den bedeutendsten erhaltenen maurischen Wehrbauten Spaniens. Ein Treppenweg führt ab der Calle Alcazabilla zur Burg hinauf. Von hieraus hat man einen schönen Blick auf die gesamte Anlage. Von den Zinnen genießt man herrliche Ausblicke auf die Stadt und den Hafen. Die Ruine des römischen Theaters liegt am Fuß der Alcazaba. Mehrere Sitzreihen des Zuschauerraums sind noch erhalten.
Mit dem Bau der Kathedrale wurde im 16. Jahrhundert begonnen, sie wurde erst im 18. Jahrhundert vollendet, was die Stilmischung des Bauwerks erklärt. Im Grundriß ist das Gotteshaus gotisch, insgesamt überwiegt der Renaissancestil, doch an Gewölben und Fassaden sind schon barocke Elemente zu finden.
Das Picasso-Museum und dem Geburtshaus Picassos befinden sich in der Innenstadt von Malaga. Das Museum zeigt Picasso-Werke aus den Privatsammlungen von Christine und Bernard-Ruiz Picasso, der Schwiegertochter und des Enkels Pablo Picassos. Ölgemälde, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Keramik aus allen Schaffensperioden werden in chronologischer Abfolge präsentiert und spiegeln die Vielseitigkeit des in Málaga geborenen Künstlers wider.
Nach unserem Besichtigungsrundgang sind wir ein wenig unterbiert, dem mit ein paar Bierchen abgeholfen wird. Das spätere Abendessen beschließt den langen Tag. Müde sinken wir in die Betten.
Beschreibung der Tour
Die
Übernachtung ist ohne Frühstück, das Hotel verfügt über
keine Restaurationsmöglichkeit. Wir gehen nur ein paar Meter und finden
ein Lokal, in dem wir frühstücken können. Nach werden die Räder
bepackt und auf geht's.
Die ersten Kilometer sind nicht besonders erlebnisreich. Es herrscht trotz oder gerade wegen des Sonntags reger Verkehr, die östliche Vororte von Malaga sind stark industrialisiert. Erst nach Rincón de la Victoria beruhigt sich der Verkehr und der Blick aufs Meer ist öfter frei. In Torre del Mar kaufen wir Proviant für ein Picknick ein. Dieser ausgedehnte Küstenort verfügt über eine attraktive und ausgedehnte Uferpromenade, die zum Verweilen und Flanieren einlädt. Kurz nach Torre finden wir dann auch einen hübschen Picknickplatz, wo wir ganz gemütlich verweilen. Zwei Drittel des Tagespensums sind bereits absolviert, wir können uns Zeit lassen.
Nerja
ist ein Ort mit außergewöhnlicher Lage am Meer. Eine Übernachtung
in diesem Kleinod an der Costa del Sol darf man sich nicht entgehen lassen.
Auf den nächsten knapp 20 Kilometern wird es leicht hügeliger. Gegen
16 Uhr ist Nerja erreicht. Wir übernachten im Hotel
Jimesol, ein modernes Haus mit allem Komfort. Später machen wir uns
auf den Weg, um die Sehenswürdigkeiten von Nerja zu erkunden. Das
ist vor allem der Balcón de Europa. Dieser großartige Aussichtspunkt
im historischen Zentrum wurde am Standort einer früheren Burg errichtet. Es
handelt sich um einen großen, über dem Meer liegenden Platz mit Blumenbeeten
und einer von Palmen gesäumten Promenade. Von hier bieten sich herrliche Ausblicke
auf die felsige Küste und die kleinen Badebuchten. Bei klarem Wetter soll man
sogar bis nach Afrika blicken können; diese Aussage halte ich angesichts
von einer Entfernung von über 200 Kilometern für übertrieben.
In einem kleinen Lokal an der Steilküste genießen wir den Blick aus das Meer und die abwechslungsreiche Küstenlinie. Später landen wir auf der Terrasse eines Restaurants hoch über dem Meer, dessen Rauschen uns beim Abendessen begleitet.
Die Tagesstatistik : 54,50 Kilometer, 261 Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit
von 18,0 km/h bei einer Fahrzeit (ohne Pausen) von drei Stunden.
2. Tag (Tabelle)
(Seitenanfang)
28.04.2008
In den etwa
fünf Kilometer von der Stadt Nerja, nördlich von Maro, entfernten
Höhlen wurden Zeugnisse von menschlicher Besiedlung aus der Altsteinzeit gefunden.
In der Cueva de Nerja, eine riesige Tropfsteinhöhle, die 1959 durch spielende
Kinder entdeckt wurde, finden heute mehrere Veranstaltungen statt, darunter
auch klassische Konzerte. Wir verkneifen uns den Besuch der Tropfsteinhöhle,
weil wir bereits früher dort waren.
An dem Aquädukt (span.: Acueducto del Águila) ca. vier Kilometer östlich der Stadt fahren waren in optimaler Photoentfernung vorbei. Jetzt wird es dann zum ersten Mal auf dieser Tour etwas gebirgig. Die erste Anhöhe ist der Mirador del Cerro Gordo, 230 m über dem Meeresspiegel.
Von
dort folgt eine rasante Abfahrt zum langen Strand von la Herradura. Hier
kaufen wir ein bißchen Proviant ein. Bei einem Kaffee lassen wir unsere
Blicke über Küste und Meer schweifen. Wir haben Zeit. Die ersten beiden
Etappen sind Genußabschnitte an der schöneren Seite der Costa
del Sol. Morgen wird es in die Berge gehen, da ist dann schon mehr Anstrengung
gefragt.
Nach einem weitern Kap kommen wir nach Almuñécar, dem Hauptort der Costa Tropical, einem Teilabschnitt der Costa del Sol. Bedingt ist das Klima der Costa Tropical durch die Sierra Nevada, das Gebirge hält insbesondere im Winter die kalten Nordwinde ab, die Winde aus Nordafrika hingegen erreichen die Costa Tropical ohne Hindernisse. Es ist daher möglich, ganzjährig Ananas, Avocados, Bananen, Datteln, Zuckerrohr und andere subtropische Früchte zu ernten. Ich erkenne Almuñécar nicht wieder, ich war zum letzten Mal 1974 in der Stadt, in den vergangenen 34 Jahren hat sich viel verändert. In einem kleinen Park von Almuñécar machen wir Halt zu einem Picknick. Meine beiden Begleiter nutzen anschließend die Zeit zu einem ca. halbstündigen Nickerchen.
Wir
müssen hinauf zu stärker befahrenen N340, die Autobahn A7 ist in 2008
auf diesem Abschnitt noch im Bau. Die ungefähr zehn Kilometer sind nach
dem Motto "Augen zu und durch" schnell absolviert. Vor uns liegt ein
andalusisches Kleinod, Salobreña, die weiß getünchten
Häuser schmiegen an den Berg. Auf einem Felsen oberhalb des Ortes thront
eine sehenswerte maurische Burg. Salobreña war früher umgeben von weiten
Zuckerrohrfeldern; diese wurden und werden durch zahlreiche neue Hotels und
Wohnkomplexe ersetzt.
Quartiersuche, Duschen und Umziehen sind schnell geschafft. Aber wir sind zu spät für eine Besichtigung der Burg. Jetzt werden wir für unser Trödeln bestraft. Schon der Fußweg hinauf zur Burg und der phantastische Ausblick versöhnen uns. Die Festung, welche sich auf der Spitze des Felsen findet, diente zur Zeit der maurischen Herrschaft als Sommerresidenz des Granadischen Hofes. Unter den Katholischen Königen diente sie dann als Gefängnis für gefangengenommene Mauren.
Irgendwie
können wir uns nicht entscheiden, wo wir zu Abend essen sollen. Die Auswahl
an geöffneten Lokalen ist nicht groß an diesem Montagabend, am Vortag
war ein großes Fest in Salobreña, die Einheimischen sind müde
und müssen ausschlafen. Die Auswahl ist aber zu groß für uns
an diesem Abend. Dreimal gehen wir auf und ab im Ortskern, konsultieren aushängende
Speisekarten, dann entscheiden wir uns. In dem Restaurant, in dem wir schließlich
landen, werden wir gut bedient, aber wir sitzen zunächst allein in dem
großen Saal, später ist noch ein weiterer Tisch bestzt. Wir sind
aber dann dennoch mit dem Essen und dem Service zufrieden.
Der Weg zu unserem Hotel ist nicht weit. Wir gehen früh zu Bett. Am Folgetag wird die Etappe erheblich anstrengender werden, denn es geht dann von der Küste weg hinauf in die Berge. Das Meer werden wir dann erst wieder am vorletzten Tag unserer Andalusienrundfahrt sehen. Wie schon im Vorjahr in Sardinien ist die Tour geprägt durch Abwechslung zwischen Küste und Gebirge, hingegen in Sardinien war die unmittelbare Folge von Küsten- und Gebirgsabschnitten häufiger.
Die Tagesstatistik : 45,8 Kilometer, 759 Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,3 km/h.
3. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 29.04.2008
Wir
nehmen nicht die Hauptstraße in Richtung Granada, sondern fahren
hinüber nach Motril. Diese Industriestadt ist nicht besonders sehenswert,
aber wir können hier einkaufen. Das Einkaufen kostet Zeit, denn die Schlangen
an der Kasse sind enorm. Ausgerüstet mit Proviant für zwei Tage fahren
wir auf einer wenig befahrenen Straße in die Berge. Es geht hinauf zum
Túnel de la Gorgoracha, eigentlich ein Paß. Es folgt die
Abfahrt hinunter nach Vélez de Benaudalla.
Vélez de Benaudalla hat ein reiches historisches Erbe und viele Sehenswürdigkeiten zu bieten, darunter eine Moschee und eine perfekt erhaltene Festung, deren Bau von den katholischen Königen angeordnet wurde. Ein blühende Nasridengarten, der seit mehr als 500 Jahren zu einem Bauernhof gehört, sowie die Iglesia parroquial de Nuestra Señora del Rosario sind weitere Ziele.
Kurz nach dem Ortsausgang geht es dann auf der A346 hinauf in die Berge. Nervig ist der ist der Baustellenverkehr, der mit Kies oder mit Asphalt beladen ist. Die Fahrer sind gegenüber Radlern sehr vorsichtig, aber es nervt, wenn ein Lkw mit ca. 10 km/h mehrere hundert Meter hinter einem herfährt. Wir halten öfters an und fordern per Handzeichen die Lkw-Fahrer auf, zu passieren.
Vor Torvizcón passieren wir den Puerto Jubily (ES-GR-0560 ). In der Ortsmitte von Torvizcón befindet sich ein kleiner Park, der zu einem Picknick einlädt. Gegenüber dem Park befindet sich eine kleine Bar, hier wollen wir erst einmal ein Erfrischungsgetränk zu uns nehmen. Zu den Getränken werden reichlich Tapas serviert. Zu einer zweiten Runde Getränke werden wieder Tapas gereicht. Wir sind bereits jetzt satt und beschließen, auf das Picknick zu verzichten.
Unsere
Weiterfahrt wird durch Barrieren gestopt, Straßenbaustelle, daher auch
die vielen Lkw. Wir wollen trotzdem weiterfahren. Ein "Aufpasser"
hindert uns an der Weiterfahrt, er meint, auch Fahrräder können die
Baustelle nicht passieren. Wir müssen auf die andere Talseite des Guadalfeo,
d. h. einige verlorene Höhenmeter und dann ein langer Anstieg.
Wir beschließen, oben auf der Alpujarra die erste annehmbare Übernachtungsmöglichkeit wahrzunehmen. Beim Vorbeifahren sehen wir in Juviles links von der Straße, etwas rückwärtig versetzt, eine kleine Bar-Pension »Tino«. Anhalten und zurück, dort werden auch Zimmer vermietet, die erstaunlich annehmbar sind.
Die Bar ist das Kommunikationszentrum des Ortes. Zum Bier und zu anderen Getränken werden wiederum reichlich Tapas serviert. Nach einem anstrengenden Tag mit unerwarteter Routenänderung sind wir jetzt im Warmen der Bar und beobachten das Dorfleben in einem der noch abgeschiedensten Landstriche Andalusiens. Derzeit ist die Alpujarra den Bewohnern, Wanderern und einzelnen Radtouristen bekannt, wie lange noch, bis auch hier der organisierte Massentourismus Einzug hält. Ach ja, die Fahrräder, um die hat sich der Wirt bereits gekümmert und sie sicher untergestellt, diskreter Service ohne viel Worte. Zu Abendessen können wir hier nicht, es gibt keine Küche für warmes Essen.
Später gehen wir noch zu Fuß durch die Ortschaft. Hier gibt es wie in den meisten anderen Orten der Alpujarras große Lagerhäuser, wo die Serrano-Schinken reifen. Hier oben in der kühlen Höhenluft reifen die Schinken langsamer, was dem Geschmack zugutekommt. Wir finden dann noch ein Restaurant, das von jungen Tschechen betrieben wird. Man zaubert dort für uns ein Abendessen, auf Gäste war man an diesem Abend nicht vorbereitet.
Die Tagesstatistik: 72 Kilometer, 2085 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 11,3 km/h.
4. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 30.04.2008
Das Frühstück
in der Bar-Pension »Tino« ist super. Wir werden gefragt, was wir
wollen, und es wird alles gebracht, Schinken bis zum Abwinken. Und das für
einen moderaten Preis. Es ist noch etwas frisch, als wir die Räder bepacken;
schließlich liegt Juviles auf ca. 1300 Meter Meereshöhe.
Die wunderschöne Landschaft der Alpujarra mit den weißen Dörfern, den schroffen Felshängen und den herrlich grünen Tälern muß man einfach mögen. Die Dörfer der Alpujarra ähneln sich, ein kleiner Dorfkern, viele Lagerhallen zum Reifen der Schinken. Ein Großteil des in ganz Spanien erzeugten Schinkens reift hier.
Auf die Alpujarra, in diese einsame Bergwelt, sind viele Nasriden geflohen, als Granada 1492 nach langer Belagerung von den Katholischen Königen zurückerobert wurde.Auch der letzte nasridische Emir Muhammad XII., genannt „Boabdil“, hatte sich dort nach seiner Kapitulation kurzzeitig aufgehalten, bevor er endgültig nach Fès in Marokko ging. Von der 1492 proklamierten religiösen Toleranz war wenig zu spüren, so kam es immer wieder zu Unruhen und Aufständen. Unter Philipp II. verschärfte sich die Unterdrückung der islamischen Bevölkerung: Verbot des Islams, Zwangskonvertierungen und das Verbot der arabischen Muttersprache. 1568 kam es unter der Führung von Don Fernando de Valor, der später unter dem Namen Abén Humeya bekannt wurde, zu einem Aufstand, dem »Moriskenaufstand«, der blutig niedergeschlagen wurde.
Bis
Laroles geht es an der Südflanke der Sierra Nevada ständig
auf und ab. Kein Wolke stört den Planeten. der heftig auf uns herabbrennt.
Wir kommen trotzem auf den gut ausgebauten (dank EU-Zuschüssen) und wenig
befahrenen Straßen voran. In einem der Dörfer tanken wir noch frisches
und kühles Wasser für unser Picknick, zu dem wir uns in Laroles
niederlassen.
Rund 900 Meter Auffahrt zum Puerto de la Ragua liegen vor uns. Wir haben Glück, daß längere Streckenabschnitte im Schatten liegen;. eine typische Gebirgsvegetation mit höheren Nadelbäumen, vor allem Kiefern, breitet sich aus. Bis zur Paßhöhe passiert man nur noch vereinzelte Gebäude, Ortschaften gibt es auf dieser, der westlichen Seite des Tals des Rio Bayarcal nicht. Auf der an deren Seite liegt gut für sichtbar der Ort Bayarcal. Zunächst sie sieben Kehren zu überwinden, dann zieht sich die Straße mit ziehmlich gleichmäßiger Steigung am Hang hinauf. Nach einer Rechts-Links-Kurvenfolge flacht die Steigung auf den letzten 100 Metern ab.
Oben
auf der Paßhöhe ein Rifugio, das aber geschlossen ist und ein größerer
Parkplatz. Wanderer kommen von den Bergen herunter. Das Wintersportgebiet "Puerto
de la Ragua" ist für Nordische Disziplinen im Skisport, für
Ski- und Schneeschuhwandern bekannt. Der alpine Skisport auf der Sierra Nevada
findet in Pradollano oberhalb von Granada statt.
Nach kurzem Aufenthalt starten wir die Abfahrt. Sie ist landschaftlich interressanter als die Südrampe, man hat relativ bald einen Blick auf Calahorra und das Castillo de la Calahorra. Die Auswahl eines passenden Photos für diesen Reisebricht fiel schwer angesichts der verschiedenen Perspektiven, aus denen das Castillo photographiert wurde.
La Calahorra war der Herrschaftssitz von Don Rodrigo de Mendoza, Markgraf von Zenete. Von hier aus kontrollierte er nicht nur seine Ländereien, sondern auch den Durchgang in die Alpujarras und zur mediterranen Küste über Puerto de La Ragua. Wir gönnen uns eine kurze Pause in einer Bar bei einem Kaffee oder anderen Getränk. Die Höhenmeter sind weitestgehend bewältigt. Von La Calahorra bis Alquife/San Antonio verläuft die Straße schnurgerade nach Westen. Nennenswerte Steigungen gibt es nicht, aber der Wind pustet uns kräftig entgegen. In Jerez del Marquesado ändert sich unsere Fahrtrichtung auf Nord-Nord-Ost. Ab jetzt haben wir leicht unterstützenden Seitenwind von links. Eintönig, langweilig und ohne jeglichen Kurven bewegen wir uns auf den nächsten ca. zehn Kilometern. Der motorisierte Verkehr nimmt von Kilometer zu Kilometer zu. Wir nähern uns Guadix, außerdem ist am nächsten Tag Feiertag.
In Guadix habe wir eine feste Vorstellung, wo wir übernachten wollen. Dazu erst eine kurze Beschreibung der Stadt, die eine Stadt ohne genaue Grenzen zu sein scheint, umrahmt von den Lößhügeln, eine geheimnisvolle Stadt, die ihr Wesen unter der Erde verbirgt, das nur hier und da in Form eines weiß gekalkten Schornsteins offenbar wird. Der französische Geograph Jean Sermet konstatiert: »Guadix ist eine Stadt, die man nicht beschreiben sollte; man sollte sie sehen«. Es gibt drei klar abgegrenzte Bereiche: der obere, wo die Höhlen liegen, den mittelalterlichen, barocken und die Renaissancezone, und das neue Guadix. Genau in die Lößhügeln gibt es ein Hotel, das bestehende Wohnungen zu Hotelzimmern umgewandelt hat.
Dank Navi finden wir ohne größere Schwierigkeiten die Hotelanlage »Hotel Cuevas Abuelo Ventura«. Die Anlage wirkt wie ausgestorben, auf Klingeln und Rufen meldet sich mit etwas Verzögerung ein 13-14 Jahre altes Mädchen. Wir tragen unseren Übernachtungswunsch vor. Trotz unseres schlechten Spanisch versteht es, was wir wollen und zückt ihr Mobiltelefon. Verbunden mit der Mutter, die beim Einkaufen ist, erhalten wir die Bestätigung, daß wir übernachten können. Eine halbe Stunde müssen wir uns noch gedulden, dann kommt die Mutter und die Chefin der Anlage. Wir bekommen unsere Höhlen zugewiesen. Unser Verlangen nach einem Abendessen, wird verhalten aufgenommen. Man müsse erst schauen, was man anbieten könne. Es wurde ein gutes Dîner in perfektem Höhlen-Ambiente. Zunächst waren wir zu dritt in der geräumigen Speise-Höhle, es kamen dann noch andere Gäste. Später haben wir uns spanisch-englisch gemischt über alles Mögliche unterhalten. Es war ein rundum gelungener Abend.
Die Tagesstatistik: 85 Kilometer, 1924 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,8 km/h.
5. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 01.05.2008
Auch
heute ist das Frühstück sehr reichhaltig und nach unseren Wünschen
zusammengestellt.Wir verlassen unsere Luxushöhlen und fahren durch etwas
ärmlichere Bereiche mit Höhlenwohnungen. Diese einzigartige Wohnform
wird durch den tonhaltigen Boden ermöglich. Die Tonerde ist leicht zu bearbeiten
und wird an der Luft schnell hart. Dadurch werden die Höhlenwände wasserundurchlässig
und wirken wärmedämmend; sie halten die Temperatur im Höhleninneren
ganzjährig auf 18°C. Im Sommer ist es in den Höhlen trotz großer
Hitze angenehm kühl, während es im Winter gemütlich warm bleibt. In Guadix gibt
es ungefähr 2000 Höhlenwohnungen, im Umland gibt es noch weitere.
In der Innenstadt besichtigen wir die barocke Basilika. Wegen des gerade zelebrierten Hochamts gehen wir nur einzeln in die Kirche und verschaffen uns von ganz hinten einen Überblick über den Innenraum. Vor der Kirche stehen viele Männer herum und warten bis die Predigt beendet ist oder bis ihre Frauen nach der Messe aus der Kirche kommen. Das erinnert uns an manche Beobachtungen in Dörfern im bayerischen Oberland. Die barocke Front der Kirche ist besonders beeindruckend und eigentlich in dieser Form in Andalusien nur selten zu sehen. Die Barockisierung beschränkt sich hier in der Regel auf den Innenraum.
Auf
der A92 verlassen wir Guadix in Richtung Purullena. Die Straße
von Guadix nach Purullena führt durch eine schöne Tuffsteinlandschaft
mit interessanten »Höhlenwohnungen und -villen«. Dann biegen
wir nach links in eine wenig befahrene Straße in Richtung Los Baños
ab. Weiter geht's nach La Peza. Vorher geht es noch hinunter zum Embalso
de Francisco Abellán, einem verzweigten Stausee. Die Straße
ist richtig in die Tonerde hineingefräst (s. Photo).
Ab La Peza sind wir als Radfahrere nicht mehr allein unterwegs. Am Feiertag (1. Mai) nutzen viele Rennradler die Gelegenheit zu einem Tagestrip über den Collado de los Blancares de las Ramblas, ein sehr langer Name für einen Paß. Auf dem Paßschild klebt ein Abziehbild vom Club des Cent Cols. Dann lassen wir uns von der Schwerkraft hinunterrollen zur Embalse de (Stausee). Kurz vor Quéntar lädt eine Terasse vor einem Restaurant zu Mittag ein, den wir ausgiebig verbringen.
Bis
Granada sind es nur noch ca. 20 Kilometer, und es geht überwiegend
bergab. Wir haben alle Zeit der Welt und rollen gemütlich in das Weltkuturerbe
Granada ein.
Großstädte sind bis auf wenige Ausnahmen, diese Ausnahmen gibt es in Spanien nicht, radfahrerunfreundlich. So kämpfen wir uns bis in die Innenstadt von Granada durch. Jetzt beginnt die Quartiersuche. Auf der in der Reiseplanung vorbereiteten Hotelliste sind 20 Etablissements gelistet.
In dem von uns bevorzugten Hotel in Granada teilt man uns nur knapp mit, daß das Hotel vollkommen ausgebucht sei, im nächsten Hotel die gleiche Aussage, im dritten weist man uns darauf hin, daß Feria in Granada sei und daß ganz Granada ausgebucht sei. Wir sind erst einmal sehr ernüchtert. Jetzt gibt es keine Präferenzen mehr, in jedem Haus wird nachgefragt. Inmitten der Fußgängerzone finden wir eine kleine Pen sion, die noch wegen der nicht vollendeten Renovierungsarbeiten kräftig nach Farbe riecht. Ein 4-Bett-Zimmer ist noch frei. Wir schlagen zu. In einem Atrium können wir unsere Fahrräder abstellen. Wir sind jetzt mitten im Geschehen. Für den Autor ist es der dritte Aufenthalt in der Stadt, nach 1974 und 1995 jetzt 2008.
Wenige hundert Meter von unserer Pension finden wir, d.h. die beiden Männer eine kleine Bar an der Fußgängerzone, unsere Frau braucht noch ein wenig länger, bis sie ihre Haare gebändigt hat. Dann komm sie nach. Wir sind schon bei der zweiten Tapa. Dann begeben wir uns noch ein bißchen in den Trubel der Fiesta landen irgendwo, nicht mehr in Erinnerung, zum Abendessen.
Die Tagesstatistik: 65 Kilometer, 812 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,6 km/h.
1. Ruhetag (Besichtigung von Granada)
Heute
ist Besichtigungstour in Granada angesagt. Zunächst gehen wir zur
Kathedrale. Der Bau der Kathedrale inmitten des arabischen Stadtkerns begann
1518 und dauerte beinahe zwei Jahrhunderte Die Kathedrale hat fünf Schiffe von
beeindruckender Weite und Höhe, 13 Seitenkapellen und einen Chorumgang. Die
reich ornamentierte Capilla Mayor ist als Rotunde gestaltet und wirkt über
zwei Geschosse sehr hoch.
Dies ist ein Radreisebericht, daher ist die Beschreibung der Kulturdenkmäler Granadas auf ein Minimum beschränkt, diesbezügliche Reiseführer und Bildbände gibt es zuhauf.
Die
Schlangen vor der »Real Capilla de Granada" inklusive »Cripta
y Museo de los Reyes Católicos« halten sich in Grenzen. Wir können
in aller Ruhe alles ansehen. Zwei der drei Reiseteilnehmer sind nicht zum ersten
Mal hier. Die Kathedrale hat fünf Schiffe von beeindruckender Weite und Höhe,
13 Seitenkapellen und einen Chorumgang. Kolossale quadratische Pfeiler mit vorgelegten
Halbsäulen streben von erhöhten Postamenten nach oben und stützen weit vorkragende
Gesimse, wodurch der Raum noch höher erscheint.
Die reich ornamentierte Capilla Mayor ist als Rotunde gestaltet und wirkt durch die zwei Geschosse umfassenden gigantischen Säulen sehr hoch. Über den Rundbögen, durch die sich die Capilla zum Chorumgang öffnet, sollten ursprünglich die königlichen Grabmäler untergebracht werden, die dafür vorgesehenen Grabnischen wurden jedoch später mit Gemälden von Kirchenvätern abgeschlossen. Den oberen Bereich des bis zu 46 m hohen Gewölbes zieren Gemälde von Alonso Cano mit Szenen aus dem Leben Marias. Man beachte den Silbertabernakel im Altarraum.
. Die Katholischen Könige ließen diese Grabkapelle errichten, um in jener Stadt ihre letzte Ruhestätte zu finden, in der sie so viel Ruhm und Macht aufgehäuft hatten. Der Bau begann 1506 und wurde 15 Jahre später vollendet. Er ist ein wahres Prunkstück der isabellinischen Gotik, von der stilistischen Einheit wie auch der Vielfalt der Ornamentik her. Als Architekt gilt Enrique Egas.
Wir wissen bereits vor unserer Abreise, daß wir die Alhambra nicht besichtigen können, denn es gibt dort strenge Restriktionen. Eintrittskarten müssen im Voraus bestellt werden. Sie gelten nur am angegebenen Tag in einem engen Zeitfenster. Für uns ist es kein Beinbruch, denn wir waren jeweils vorher auf der Alhambra. Schade ist es dennoch. Die Qalatal-Hamrá oder "Rote Festung" genannte Palastburg gehört zu den eindrucksvollsten Kulturdenkmälern der Welt und ist gleichzeitig das schönste erhaltene Beispiel arabischer Palastbaukunst. Die orientalische Pracht der Alhambra, ihre ausgefeilte Architektur und das Zusammenspiel von Licht, Wasser und Grün in den Gartenanlagen entsprechen dem im Koran zitierten Paradies Allahs. Die kunstvolle Ausschmückung der Fassaden überrascht und steht im Gegensatz zu den oft einfachen Baumaterialien. Die Paläste sind um drei Innenhöfe Goldener Salon (Cuarto Dorado), Myrtenhof (Patio de los Arrayanes) und Löwenhof (Patio de los Leones) angeordnet. Auf schmalen Gängen und durch Passagen kommt man von einem Hof zum anderen und ist begeistert von der Schönheit und Grazie der Bauwerke dieses märchenhaften Palasts.
Wir
haben Zeit und treten uns die Füße rund, es ist fast so anstrengend
wie radfahren. Wir laufen in Ruhe durch Granada und finden auch einige
Ecken und Winkel, die noch nicht übermäßig touristisch erschlossen
sind.
Von dem Hügel nördlich der Alhambra, es ist das Viertel »El Albaicín«, ein "In"-Viertel haben wir einen prächtigen Ausblick auf die Alhambra. Wir lassen uns in ein Straßencafé nieder und genießen den Ausblick und das bunte Treiben. Was für eine Stadt! Die Mauren wußten schon, warum sie sich hier niedergelassen und diesen Ort zu ihrer Hauptstadt ernannt hatten.
El Albaicín, das vielleicht typischste Viertel von Granada, ist nach dem Hügel benannt, auf dem es liegt, und ist der Ort, von dem aus man den herrlichsten Ausblick auf die Alhambra genießt, im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada. An dieser Stelle wurde einstmals die erste Maurenfestung Granadas errichtet, von der heute nur noch ein paar Mauerzüge erhalten sind. Das malerische Gassenlabyrinth führt zu so mancher stattlichen Villa (carmen), zu lauschigen Plätzen und Straßenecken, und von so manchem Haus blättert der Putz. Man sollte diesen Stadtteil unbedingt zu Fuß durchstreifen, um den ganzen Zauber dieses reizvollen Ortes einfangen zu können.
Der Abend beginnt wieder an der kleinen Bar in der Fußgängerzone, der Chef erinnert sich an uns, wir sind quasi schon Stammgäste. Die Wahl eines Restaurants zum Abendessen gestaltet sich nicht so einfach, alles ist wegen der Fiesta ausgebucht. Letztendlich sind wir doch einigermaßen zufriedenstellend untergekommen.
Später landen wir im Puerta del Carmen, einem der angesehensten Lokalitäten im Herzen (corazón) Granadas.
6. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 03.05.2008
Heute
wollen wir ohne Gepäck in die Sierra Nevada fahren. Mal sehen, wie hoch
wir kommen. Die Ausfahrt aus Granada gestaltet sich schwierig, irgendwie habe
ich die Navi falsch programmiert, oder die Navi-Infos waren nicht vollständig.
Wir wollten über Huérto-Vega, Bario-de-la-Vega und
Monachil aus Granada herausfahren. Irgendwie haben wir trotz Navi
den richtigen Weg nicht gefunden. Heute weiß ich, daß wir den Puerto
del Muerto verpaßt haben. Wir sind letztendlich die A395 hinaufgeradelt,
eine mit EU-Mittel ausgebaute Straße hinauf ins Skigebiet der Sierra
Nevada.
Wir kommen hinauf nach Pradollano. Weiter in Richtung Pico Veleta ist die Straße wegen des Schnees noch gesperrt. Wir kehren über den Collada de las Sabinas und über den Collado de las Sabinillas um und fahren wieder zurück nach Granada.
Unten sind wir schnell; den großen Umzug anläßlich der Feria mit Folklore- und Reiter-Gruppen haben wir verpaßt. Man kann nur eines am Tag machen. Die Folklore-Gruppen sind als Einzelpersonen noch mächtig in der Stadt unterwegs.
Wir
wohnen ja mitten in der Stadt. Nach dem Duschen und Umziehen sind wir sofort
wieder unterwegs. Die Fotos, die wir schießen, sind sehr interessant,
können aber ungefragt aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes
nicht ins Netz gestellt werden. Als erstes besuchen wir in die kleine Bar in
der Fußgängerzone. Nach Bier und Tapas geht's weiter. Fast alle Leute
sind in Tracht unterweges, ein farbenprächtiges Schauspiel. Auch schon
kleine Kinder sind fein herausgeputzt.
Ganz Granada ist auf den Beinen, es ist schwierig, freie Plätze zum Essen zu bekommen. Wir reservieren dann in einem Restaurant für zehn Uhr einen Tisch. Wir müssen noch zwei Stunden überbrücken. Auf einer Bühne vor dem Rathaus tanzen junge Mädchen in bunter Tracht Flamenco, die etwas älteren tanzen etwas dezenter vor der Bühne.
Am
gegenüberliegenden Ende des Platzes ist ein bunter, mit Blumen geschmückter
Altar aufgebaut. Religiöse Momente und ausgelassene profanes Feier liegen
in Andalusien eng beieinander. Wir hatten das einige Jahre zuvor in der
Semana Santa (Karwoche) erlebt. Man steht Abends in einer Bar bei Cerveza oder
Sherry und Tapas, wenn eine Prozession vorbeikommt bekreuzigt man sich und ist
ein paar Sekunden andächtig, dann wendet man sich wieder den irdischen
Gelüsten zu.
Jetzt ist die Zeit für unser Abendessen gekommen. Das Restaurant leert sich langsam, der Service läßt minütlich in seiner Qualität nach, das ist aber nicht verwunderlich nach drei Tagen Feria. Beim Zahlen, auf das wir recht lange warten müssen, werden wir ungeduuldig und drohen, ohne zu zahlen das Lokal zu verlassen. Das wirkt!
Wir gehen noch auf einen Absacker in das Puerta del Carmen, wo wir bereits am Vortag waren. Hier tobt der Bär! Wir erkämpfen uns im hinteren Bereich einen Platz an der Bar. Hier werden kunstvolle Nachspeisen zubereitet, es ist schon ein Genuß, bei der Zubereitung zuzuschauen. Zufrieden mit dem Tag und dem Abend gehen wir in unsere kleine Pension.
Die Tagesstatistik: 76 Kilometer, 1788 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,6 km/h.
7. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 04.05.2008
Heute
verlassen wir nach drei Tagen Granada. Das ist nicht so einfach. Irgendwie
hat die Navi mit Granada Probleme oder ich habe Probleme mit der Navi.
Wir haben jedenfalls Granada in westlicher Richtung verlassen, soweit
so gut. Die Navi aktualisiert, rechnet neu, wir sind anscheinend immer auf der
richten Route. In Santa Fé, nicht in Amerika, aber westlich von
Granada, kommt mir das ganze "Spanisch" vor. Ich hole die große
Karte aus dem Gepäck und muß feststellen, daß wir eine Ausfallstraße
zu weit nördlich erwischt haben.
Im Zentrum von Santa Fé lassen wir uns vor einem Café nieder; es werden frische Churros in der Friteuse gebacken, sie schmecken köstlich. Zwei Radler mit Gepäck kommen an, es sind Deutsche, schnell sind wir im Gespräch. Die Beiden haben ihre Tour in Sevilla begonnen und sind seid am dritten Tag auf geliehenen Rädern unterwegs. Im Hotel in Sevilla hatte man ihnen gesagt, sie können ihre Fahrräder bedenkenlos vor dem Hotel über Nacht auf der Straße parken. Am Morgen fanden sie nur noch die durchgeschnittenen Stahlseile vor, mit denen sie ihre Räder an einen Laternenmast angeschlossen hatten. Soviel zum Thema Diebstahlsicherheit. Dann haben sie sich in Sevilla die Leihräder besorgt.
Südlich des Flughafens von Granada (westlich von Santa Fé) fahren wir dann auf einer untergeordneten Straße in Richtung Chimeneas. Spätestens in Alhama de Granada werden wir wieder auf der ursprünglich geplanten Route sein. Bis dahin ist aber noch ein Stück Wegstrecke. Olivenhaine soweit das Auge sehen kann, auch das ist Andalusien. Die kargen, kalkreichen Böden geben nicht viel mehr her. Richtung Norden (Cordoba) ist das Zentrum dieser Monokultur.
Wir sind bereits in Ventas de Huelma wieder auf der ursprünglich geplanten Route. Auf der Strecke über Ochichar nach Cacín ist die erste größere Steigung des Tages zu überwinden. Wir haben dazu noch einen kräftigen Westwind. In Cacín machen wir erst einmal Mittag, es gibt Fleisch von Holzkohlegrill, dazu Salat.
Gestärkt gehen wir die nächste Steigung an, gute 300 Höhenmeter gilt es zu überwinden. Dann rauschen wir hinunter nach Alhama de Granada. Der Ort liegt im äußersten Südwesten der Provinz Granada an den Ufer des Rio Alhama. Schon die Römer haben die heißen Quellen im Ort genutzt. Die Mauren gaben der Siedlung ihren Namen Al-Hamma. 1492 wurden Alhama de Granada von den christlichen Truppen eingenommen, was die Mauren angesichts der von ihnen sehr geliebten Thermalquellen besonders schmerzlich war. 1884 wurde Alhama teilweise durch ein starkes Erdbeben zerstört, unter König Alfonso XII. wurde der Wiederaufbau eingeleitet.
Ein letzter Anstieg zum einzigen Paß des Tages dem Puerto del Navazo (ES-GR-1116), nach eigenen Aufzeichnungen liegt er rund 20 Meter höher, was mit der Angabe in der Karte im Maßstab 1:25000 übereinstimmt Nach 82 Kilometern ist Ventas de Zafarraya erreicht.
Im Hostal Aqui Te Quiero Ver, einem schlichtem Haus, übernachten wir. Die Fahrräder können wir auf der umschlossenen Veranda abstellen. Nach dem Duschen suchen wir die Bar auf, das Fernsehgerät läuft, einige Einheimische sitzen am Tresen und an den Tischen. Später wird die Gaststube des Restaurants geöffnet, das sich nach und nach füllt. Es gibt ein rustikalischen andalusisches Essen, Einzelheiten sind nicht mehr in Erinnerung, nur so viel, daß der Wirt uns nach dem Essen einen Kräuerlikor (Licor Orujo Hierbas) kredenzt, auf den er mächtig stolz ist.
Die Tagesstatistik: 82 Kilometer, 1238 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,4 km/h.
8. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 05.05.2008
Der
Aufbruch erfolgt mit Verzögerung, der Reifen von Jürgens Vorderrad
ist platt. Jürgen wechselt den Schlauch aus und wir können starten.
Nach 100 Metern haben wir unseren ersten Paß erreicht, den Puerto (de
Boquete) de Zafarraya (ES-GR-0915). Wir wechseln jetzt auf einen nicht befestigten
Weg, es ist eine alte Eisenbahnstrecke, die in den 1960er Jahren aufgelassen
wurde. Ungefähr zehn Kilometer fahren wir auf dieser Trasse, dann erreichen
wir Periana. Wir fassen etwas Proviant nach.
Das Dorf Periana ist der gesellschaftliche und wirtschaftliche Mittelpunkt der Gegend. Die meistent der weiß getünchten Häuser besteht aus einem oder zwei Stockwerken. Im Ort gibt es neben Schulen und gemeindzentrum einige Läden, Supermärkte, Banken und Restaurants. Durch das große Erdbeben von 1884 wurde Periana praktisch komplett zerstört. Die Pfarrkirche San Isidro wurde im Mudejar Stil wieder aufgebaut, darüber hinaus gibt es keine älteren und historischen Bauten mehr aus der Zeit vor dem Erdbeben.
Der steife Westwind vom Vortag hat nachgelassen, wir kommen gut voran. Nach dem Puerto Sabar (ES-MA-0598) folgt eine Abfahrt hinunter nach Riogordo in das Tal des Rio de la Cueva, nach dessen Überquerung steigt die Straße wieder unvermittelt an, in Colmenar ist das Schlimmste geschafft.
Bis
zum Puerto de las Pedrizas (ES-MA-0780b) ist es ein ständiges Auf
und Ab, dem wir uns unterziehen müssen. Über den Puerto de las
Pedrizas führen drei Straßen, u. a. die vierstreifige Autovia
de Malaga östlich und westlich davon untergeordnete Straßen. Wir
fahren zunächst auf der östlichen Seite über den Paß, nördlich
des Passes überqueren wir die Autobahn und fahren auf der westlichen Seite
wieder zurück. Dann geht es hinunter in den kleinen Weiler Las Pilas;
nach dem nächsten Anstieg sind wir am Puerto del Barco, der etwas
südlich der Straße liegt. Hier machen wir Mittagsrast bei einem Picknick.
Die Strecke bis Villanueva de la Concepción zieht sich. Dann wir es noch einmal richtig steil. Jürgen will es dann wirklich wissen und fährt hinauf zum Centro de Visitantes im Parque Natural de El Torcal auf 1220 Meter über dem Meeresspiegel. Wir fahren schon langsam vor bis Antequera und warten am Platz vor der Kirche Iglesia de San Sebastián auf unseren Gipfelstürmer.
Im Hotel Castilla finden wir ein Dreibettzimmer. Das Hotel befindet sich Calle Infante Don Fernando im Herzen der Stadt. Raus aus dem Radklamotten, duschen und suchen wir einen Münzwaschsalon auf, um ein paar Radtrikots zu waschen. Jürgen muß noch seinen Fahrradschlauch flicken.
Dann machen wir eine erste Erkundungstour zu Fuß durch Antequera. Wir suchen recht bald ein Restaurant zum Abendessen auf. Heute gehen wir früh zu Bett.
Die Tagesstatistik: 75,5 Kilometer, 1465 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,9 km/h.
2. Ruhetag (Besichtigung von Antequera)
Antequera
war schon bei den Römern als Antikaria bekannt. Nach der Eroberung durch Ferdinand
von Aragonien im Jahr 1410 erlebte die Stadt vom 16. bis 18. Jahrhundert eine
Glanzzeit, von der heute noch viele Kirchen, Klöster und Paläste zeugen.
Wir beginnen unser Besichtigungsprogramm mit dem Besuch der Iglesia de San Sebastian. Das Hauptportal dieser im 16. Jahrhundert errichteten Kirche ist ein hervorragens Beispiel für den ornamentalen Bau- und Dekorationsstil in Spanien zur Zeit der Spätgotik und Frührenaissance. Es wurde im 18. Jahrhundert mit einem schlanken vierstöckigen Türmchen gekrönt, das zum Wahrzeichen von Antequera geworden ist. Das Kircheninnere birgt neben vielen alten Kunstwerken die Virgen de la Esperanza (15. Jahrhundert) und Gemälde des manieristischen Malers Antonio Mohedano.
Dann gehen wir hoch zur Alcazaba, der Weg dorthin bietet wunderschöne Ausblicke über die wild zerklüftete Sierra del Torcal. Die Stiftskirche Colegiata de Santa María steht auf der Plaza de los Escribanos am Fuß der Festungsgärten. Das Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert ist ein schönes Beispiel für die noch gotische Elemente einschließende Frührenaissance. Nebenan sind die 1988 freigelegten Überreste römischer Thermen zu sehen.
Am
Nachmittag laufen wir dann hinaus zu dem Dolmen Viera und Menga. Riesige Steinquader
wurden aus dem nahen Steinbruch von Vera Cruz herantransportiert, um diesen
ersten von Menschen errichteten Bauten ihre Form zu geben. Die Dolmen von Menga
sind die ältesten ihrer Art in Europa.
Weitere bemerkenswerte Gebäude sind das Convento de la Santísima Trinidad und die Capilla-Tribuna de la Cruz Blanca.
Neben dem sehenswerten Rathaus (Palacio Municipal), es war ein ehemaliges Franziskanerkloster, befindet sich das Convento de Nuestra Señora de los Remedios. Die der Schutzpatronin von Antequera geweihte, im 17. Jahrhundert erbaute Kirche hat einen kreuzförmigen Grundriß mit zwei Seitenkapellen. Auf dem Hochaltar steht ein vergoldetes Retabel, das vielleicht schönste der Stadt.
Jetzt qualmen langsam die Füße, am Plaza San Sebastian lassen wir uns bei einem Bierchen nieder und beobachten die Passanten. Eine Tagesstatistik gibt es heute nicht, die Navi zum Aufzeichnung unseres Rundgangs hatten wir nicht dabei gehabt.
9. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 07.05.2008
Der Streckenabschnitt
bis Valle de Abdalajís ist rasch absolviert. Die Gegend ist schon sehr
lange bewohnt, zahlreiche prähistorische Stätten, an denen Steinäxte, Gebrauchsgegenstände
aus Feuerstein und Keramiken gefunden wurden, beweisen dies. Man weiß
heute aufgrund vieler Funde, daß sich an der Stelle des heutigen Dorfes früher
die römische Stadt Nescania befunden haben muß. 25 bei Ausgrabungen gefundene
Schrifttafeln geben Aufschluß über das gesellschaftliche Leben der
Stadt zu jener Zeit. Die römische Stadt wurde bei der Invasion durch die Vandalen
im 4. Jahrhundert völlig zerstört.
Am Bahnhof von El Chorro legen wir erst einmal eine Pause ein. Zum Desfiladero de los Gaitanes können wir noch ein kurzen Stück fahre, die letzten Meter müssen wir dann zu Fuß absolvieren. Dann geht es wieder zurück nach El Chorro, wir überqueren die Staumauer des Embalse de la Encantada und fahren an der westlichen Seite des Stausees entlang.
Von dieser Seite hat man einen noch besseren Einblick in die Schlucht. Man konnte die Schlucht auf einem beeindruckendem Wanderweg durchquere, zu dem auch Teile des traditionellen und schwindelerregenden Paseo del Rey (Weg des Königs) gehören, da einst der König auf einem Besuch hier entlang wanderte, wurde der Weg so genannt. Die meisten Abschnitte sind heute aber wegen Steinschlag- bzw. Einsturzgefahr gesperrt. Die Schlucht ist sehr beeindruckend.
Dann
biegt die Straße nach links ab und steigt zum Puerto de las Atalayas
an. Nach einigen hundert Metern liegt auf der rechten Straßenseite die
Ermita de Nuestra Señora de Villaverde. Sie ist eines der beachtlichsten
Bauwerke in der Gegend. Auf den Grundmauern eines arabischen Gotteshauses wurden
nach und nach bei Umbauarbeiten neue Elemente hinzugefügt.
Nach vier Kilometern sind wir oben am Paß, von hier aus haben wir einen schönen Ausblick auf einen weiteren Stausee, der Embalse del Conde de Guadalhorce. Wir fahren hoch über dem Ufer am Stausee entlang, bald sind wir in Ardales. In einem Park in Ortsmitte machen wir Mittagspause. Im örtlichen Lebensmittelgeschäft kaufen wir noch Getränke und etwas Obst ein. Zu Beginn ist es noch ziemlich laut, die Schule ist gerade aus und die Kinder besteigend lärmend die Schulbusse oder gehen zu Fuß nach Hause.
Unser
Weg nach Ronda führt durch den Ort El Burgo, er liegt am Rio del Burgo
und stellt eins der Tore zur Gebirgswelt von Ronda dar. Über den
Puerto del Viente geht es jetzt hinüber nach Ronda, gute 500
Höhenmeter sind dabei zu überwinden. Auf dem Paßschild ist eine
Höhe von 1190 m vermerkt, tatsächlich sind es aber nur 1070 Meter.
Jetzt geht es bis Ronda im Prinzip nur bergab, was dann auch bewahrheitet. Wir passieren noch einen kleinen Paß, den Puerto de los Ladrones. Wir kommen in den abendlichen Berufsverkehr und sind bald in Ronda.
Das Hotel El Tajo liegt in der Fußgängerzone mitten in der Stadt Ronda. Es ist schon 19:30 Uhr, als wir im Hotel eintreffen; wir bringen unser Gepäck auf das Zimmer und parken unsere Fahrräder. Dann genehmigen wir uns das verdiente Bierchen in einer Bar neben dem Hotel. Einer nach dem anderen geht dann ins Hotel, um sich zu duschen und umzuziehen.
Später genehmigen wir ein etwas gehobeneres Abendessen, wir gehen ins Restaurante Pedro Romero. Es hat sich gelohnt. Als wir nach dem Essen das Restaurant verlassen, regnet es leicht, das erste Mal während unseres Andalusienaufenthalts. Hoffentlich hört der Regen bis morgen früh wieder auf!
Die Tagesstatistik: 93 Kilometer, 1891 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,4 km/h.
10. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 08.05.2008
Es nieselt immer noch leicht, der Himmel ist bedeckt. Wir fahren zunächst zur Brücke, dieses Meisterwerk der Architektur wurde zwischen 1751 und 1793 über der Tajo-Schlucht errichtet. Von der Brücke überschaut man in schwindelnder Höhe das Tal des Rio Guadiaro und die Sierra de Grazalema.
Ronda thront zwischen grünen Tälern mitten in der Serrania de Ronda spektakulär auf einem Felsplateau und bietet großartige Ausblicke auf die steile Tajo-Schlucht, die der Rio Guadalevin gegraben hat und die die Stadt in zwei Teile teilt. Diese eindrucksvolle Lage und die abenteuerlichen Geschichten von heldenhaften Bandoleros machten die Stadt im 19. Jahrhundert zu einem Mekka für romantische Schriftsteller. Auf ihren Spuren wandeln heute Jahr für Jahr Zehntausende von Touristen.
Dann fahren
wir hinüber in die maurische Altstadt, La Ciudad. Durch die Puerta
de Almocabar verlassen wir Ronda wieder.
Meine Reisepartner haben jetzt den Eindruck, von Ronda geht es direkt nur hinunter auf Meereshöhe. In Alagtocín, bevor wir abtauchen ins Tal des Rio Genal, machen wir in einem Landgasthof Mittagspause. Meine Beschreibungen über den weiteren Höhenverlauf bis Estepona werden eher als Erfindung als als Tatsache angesehen. Schnell sind wir unten auf der Brücke über den Rio Genal. Dann zieht es sich, in Jubrique haben wir erst einen Teiletappensieg. Meine Mitfahrer hätten doch besser in ihre vor der Reise verteilten Unterlagen schauen sollen.
Es
wird feuchter, je näher wir der Küste kommen, werden die Wassertropfen
fülliger. Jetzt sind die Regenjacken angesagt. Der Puerto de Peñas Blancas
ist der letzte Paß auf unserer Fahrt. Jetzt haben wir vollen Mittelmeereinfluß,
das Tröpfeln geht in Regen über..
Von Höhenmeter zu Höhenmeter wird der Regen wärmer. Wir durchfahren noch eine kurze Nebelschicht, dann sind wir unten an der Costa del Sol, dort, wo Millionen Urlauber aus Nordeuropa Urlaub machen.
Die Art der Hotels, die hier angeboten werden, unterscheiden sich generell von denen im Landesinneren. Private Sonnenbalkons und -terrassen werden hoch angepriesen. Es sind halt hier überwiegend die Überwinterterer und die Sonnenhungrigen aus weniger lichtbevorzugten Gegenden, die nach den Zimmern Nachfragen. Im Hotel Altamarina finden wir Quertier.
Der Regen läßt bald nach, so daß wir ohne Regenschirm in die Altstadt von Estepona gehen können. Estepona hat ja im Gegensatz zu manchen anderen Ferienort an der Costa del Sol noch eine gewachsene Altstadt. Wir werden fündig, für unsres leibliches Wohl ist gesorgt; wir sind wieder auf Normalnull angekommen..
Die Tagesstatistik: 78 Kilometer, 1569 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,6 km/h.
11. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 09.05.2008
Heute geht
es immer an der wunderschönen Costa del Sol entlang, wo Millionen
Mittel- und Nordeuropäer Urlaub machen, aber auch arabische Potentaten
verschanzen sich hier in hektargrößen Grundstücken mit meterhohen
Mauern. Hier durchzuradeln, kann man nicht als Glückserlebnis bezeichnen.
Aber alles der Reihe nach. Die N340, die an der Küste entlangführt, ist stark befahren, sowohl mit Personen- wie auch mit Güterverkehr. Die parallel verlaufende Autobahn kostet ja Geld. Mehrfache Versuche, in die Orte hineinzufahren und dem starken Verkehr auszuweichen, endeten prompt an der Ortsausfahrt; spätestens dann, waren wir wieder auf der N340.
Nachträglich muß ich feststellen, es gibt auch andere Routen von Ronda durch das Gebirge hinunter nach Malaga, die für Radfahrer besser geeignet sind. Die Fahrt von Estepona nach Malaga ist selbst für hartgesottene Radfahrer, wie wir es sind oder waren, eine Zumutung.
Es gibt wohl schöne Strandabschnitte in diesem Bereich der Costa del Sol (s. Photo), aber Radfahren muß man hier nicht unbedingt.
Wir sind froh, unbeschadet in Malaga in unserem Hotel anzukommen.
Heute Abend in Malaga lassen wir unseren Urlaub in Andalusien mit dem Besuch in einigen Tapas-Bars ausklingen.
Die Tagesstatistik: 101 Kilometer, 704 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 17,5 km/h.
14:45 Uhr ist Abflugzeit; wir habe also alle Ruhe der Welt. Unsere Sachen sind schnell zusammengepackt. Wir achten darauf, daß alles Werkzeug, Tools etc. in den Satteltaschen landen und nicht im Handgepäck.
Gegen Mittag brechen wir zum Flughafen auf, die zwölf Kilometer sind schnell absolviert. Jetzt heißt es, unsere Räder transportfähig zu machen. Wir haben dabei Routine und können bald die Fahrräder am Sperrgepäckschalter abgeben. Jetzt müssen wir nur noch nach München fliegen.
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| Stand: 17. Januar 2012 |
Copyright©: Hubert Becker,
2008
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