| Eine Tour durch die österreichischen Alpen (Bundesländer: Salzburg, Steiermark, Kärnten) in 8 Tagesetappen über 631 km und 11755 Höhenmetern. Ein bißchen sind wir auch durch Italien gefahren. Tagesetappen zwischen 45 und 111 Kilometern. | |
| 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag 5. Tag 6. Tag 7. Tag 8. Tag | |
|
Streckenabschnitt |
Meeres- |
Entfernung |
Tages- |
Gesamt- |
|---|---|---|---|---|
| Salzburg Hbf - Abzw. Guggenthal Abzw. Guggenthal - Salzburgring Salzburgring - Abzw. Ebenau Abzw. Ebenau - Ebenau Ebenau - Strub Strub - Lettengraben Lettengraben - Faistenau Faistenau - Höfern Höfern - Abzw. Perfalleck Abzw. Perfalleck - Perfalleck (AT-5-0822) Perfalleck - Perfall Perfall - Brunn am Fuschlsee Brunn am Fuschlsee - Fuschl am See Fuschl am See - Einsiedl Einsiedl - Sankt Gilgen Sankt Gilgen - Sankt Wolfgang (Schiff) Sankt Wolfgang - Strobl (1. Tagesetappe) |
423 |
6,4 |
6,4 |
6,4 |
| Strobl
- Weißenbach Weißenbach - Brücke ü. Weißenbach Brücke ü. Weißenbach - Braunalm Braunalm - Welser Hütte Welser Hütte - Lienbachsattel (AT-5-1304) Lienbachsattel - Thalgau Thalgau - Lammerer Lammerer - Schattau Schattau - Paß Gschütt (AT-4-0957) Paß Gschütt - Gosau Gosau - Gosauzwang Gosauzwang - Hallstatt Hallstatt - Lahn Lahn - Winkl Winkl - Obertraun Obertraun - Hst. Koppenbrüllerhöhle Hst. Koppenbrüllerhöhle - Koppenpaß (AT-4-0690) Koppenpaß - Bad Aussee Bad Aussee - Anger Anger - Radling Radling - Radlingpaß (AT-6-0853) Radlingpaß - Äußere Kainisch Äußere Kainisch - Pichl Pichl - Knoppen Knoppen - Obersdorf Obersdorf - Bad Mitterndorf (2. Tagesetappe) |
540 |
2,0 |
2,0 |
51,0 |
|
Bad Mitterndorf - Neuhofen |
802 |
1,2 |
1,2 |
147,9 |
|
Staumauer Salza-Talsperre für den Verkehr gesperrt.
| ||||
|
Bartleck - Abzw. Bad Heilbrunn |
773 |
2,2 |
7,4 |
153,1 |
| Tamsweg -
Reiterau Reiterau - Mörtelsdorf Mörtelsdorf - Unternberg Unternberg - St. Michael im Lungau St. Michael im Lungau - Katschberghöhe (AT-2-1641) Katschberghöhe - Mühlbach Mühlbach - Rennweg Rennweg - Kremsbrücke Kremsbrücke - Grünsangerl Grünsangerl - Innerkrems (4. Tagesetappe) |
1022 |
2,4 |
2,4 |
258,5 |
| Innerkrems
- Nockalmhof Nockalmhof - Heiligenbachalm Heiligenbachalm - Eisentalhöhe (AT-2-2042) Eisentalhöhe - Wh. Karlbad Wh. Karlbad - Sacklhütte Sacklhütte - Grundalm Grundalm - Schiestelscharte (AT-2-2027) Schiestelscharte - Mautstelle Mautstelle - Einm. B95 Einm. B95 - Ebene Reichenau Ebene Reichenau - Patergassen Patergassen - Zirkitzen Zirkitzen - Bad Kleinkirchheim Bad Kleinkirchheim - Radentheim Radentheim - Döbriach Döbriach - Döbriach-Glanz (Millstätter See) (5. Tagesetappe) |
1480 |
2,6 |
2,6 |
303,1 |
| Döbriach-Glanz
- Glanz Glanz - Breitwies Breitwies - Laas Laas - Feistritz a. d. Drau Feistritz a. d. Drau - Pöllan Pöllan - Auf der Eben (AT-2-0951) Auf der Eben - Kreuzen Kreuzen - Windische Höhe (AT-2-1110) Windische Höhe - St. Stefan a. d. Gail St. Stefan a. d. Gail - Görtschach Görtschach - Dellach Dellach - Mellach Mellach - Egg Egg - Neudorf Neudorf - Hermagor Hermagor - Jenig Jenig - Waidegg Waidegg - Kirchbach Kirchbach - Stranig Stranig - Goderschach Goderschach - Gundersheim Gundersheim - Obernölbing Obernölbing - Weidenburg Weidenburg - Würmlach Würmlach - Mauthen (6. Tagesetappe) |
598 |
2,7 |
2,7 |
364,6 |
| Mauthen -
Gf. Plöckenhaus Gf. Plöckenhaus - Plöckenpass (AT-2-1357b) Plöckenpass - Timau Timau - Cleulis Cleulis - Paluzza Paluzza - Abzw. Sutrio Abzw. Sutrio - Cercivento-di-Sopra Cercivento-di-Sopra - Abzw. Zovello Abzw. Zovello - Sella Valcalda (IT-UD-0958) Sella Valcalda - Povolaro Povolaro - Comeglians Comeglians - Abzw. Potossera Abzw. Potossera - Prato Carnico Prato Carnico - Pièria Pièria - Pesàriis Pesàriis - Cuesta-di-Sotto Cuesta-di-Sotto - Pradibosco Pradibosco - Pian di Casa Pian di Casa - Forcella Lavardet (IT-BL-1541) Forcella Lavardet - Sella di Razzo (IT-BL-1757) Sella di Razzo - Sella Ciampigotto (IT-BL-1791) Sella Ciampigotto - Vigo-di-Cadore (7. Tagesetappe) |
709 |
11,0 |
11,2 |
456,1 |
| Vigo-di-Cadore
- Tre Ponti Tre Ponti - Auronzo-di-Cadore Auronzo-di-Cadore - Case Orsolina Case Orsolina - Einm. Valle Marzón Einm. Valle Marzón - Casa San Marco Casa San Marco - Hotel Cristallo Hotel Cristallo - Abzw. Tre Croci Abzw. Tre Croci - Passo Tre Croci (IT-BL-1805) Passo Tre Croci - Cortina d'Ampezzo Cortina d'Ampezzo - Castello Sant Umberto C. Sant Umberto - Passo di Cimabanche (IT-BZ-1529) Passo di Cimabanche - Schluderbach Schluderbach - Toblach Toblach - Toblacher Sattel (IT-BZ-1209) Toblacher Sattel - Innichen Innichen - Grenze IT/AT Grenze IT/AT - Sillian (8. Tagesetappe) |
955 |
4,0 |
4,0 |
541,5 |
Zeitraum
Die Radtour wurde vom 23. August bis 30. Augusti 2006 bei gemischtem Wetter durchgeführt.
Teilnehmer:
Hubert Becker
Uschi Becker
Allgemeine Hinweise
Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäcks sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.
Überblick
Diese Radtour ist keine Spazierfahrt, 7.000 Höhenmeter sind auf 283 Kilometern zu absolvieren! Ausreichendes Training und Kondition sind für einen unproblematischen Tourenverlauf notwendige Voraussetzung. Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, dass die beschriebene Tour ist.
Empfohlenes Kartenmaterial: Generalkarte (Pocket) Österreich Nr. 4; Amap, digitale Karte von Österreich (Ost und West), Maßstäbe 1:50.000 und 1:500.000, digitales Geländemodell, Herausgeber: Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen.
Anreise (23.08.2006)
Die Anreise erfolgte mit dem Zug von München nach Salzburg. Die Entfernung München - Salzburg beträgt 145 Kilometer, die Fahrzeit von München Hbf nach Salzburg Hbf rund zwei Stunden.
Beschreibung der Tour
Der Sommer 2006 begann Mitte Juni mit der Fußballweltmeisterschaft und
er verabschiedete sich Ende Juli. Der August war sehr naß. Wir haben es
dennoch gewagt, eine Fahrradtour durch Österreich zu unternehmen. Im Salzkammergut,
für seinen Schnürlregen bekannt, soll die Tour beginnen. Auf der Zugfahrt
nach Salzburg regnet es noch ein wenig. In Salzburg ist es trocken,
der Himmel ist wolkig mit überwiegendem Sonnenschein.
Bald haben wir Salzburg hinter uns gelassen. Relativ starker Verkehr um uns herum, von unten aus dem Tal erschallt der Motorenlärm vom Salzburgring. Nach einigen wenigen Kilometern können wir die Bundesstraße B158 verlassen und radeln auf wenig befahrenen Straßen in südöstlicher Richtung. Faistenau ist der einzige größere Ort auf der Strecke. Die Fahrt durch Strubklamm ist ein erstes landschaftliches Highlight, es ist die Klamm des Almbaches, der im Hintersee entspringt, durch das Wiestal fließt und bei Hallein die Salzach erreicht. Im Gasthof Strubklamm kehren wir zum Mittagessen ein.
Von
Faistenau fahren wir weiter in östlicher Richtung. Hinter der Kurzmühle
biegen wir nach links. Es folgt ein kurzer, steiler Anstieg zum Perfalleck.
Dann geht es hinunter zum Fuschlsee, der erste See, an dem wir auf unserer
Tour vorbeifahren.
Fuschl am See ist ein beliebter Urlaubsort im Salzkammergut, die Hoteldichte ist hoch. Am Mühlbach entlang fahren wir auf der Wolfgangsee-Bundesstraße in Richtung St. Gilgen. Von Pöllach haben wir einen prächtigen Ausblick auf den Wolfgangsee. In St. Gilgen, der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl machte hier regelmäßig Urlaub, nehmen wir das Schiff nach St. Wolfgang. Wir wollen an der schöneren Ostseite des Sees entlang fahren, zwischen St. Gilgen und Falkenstein gibt es jedoch keine Fahrstraße, deshalb das Schiff. St. Wolfgang, hier steht das berühmte Hotel Weißes Rößl (Singspiel in drei Akten von Ralph Benatzky), verlassen wir das Schiff. In Sichtweite des Hotels lassen wir uns zu Kaffee und Kuchen nieder und genießen den Ausblick auf den See; natürlich gehört Lästern über die vorbeiflanierenden Urlauber dazu.
Die letzten Kilometer nach Strobl sind rasch absolviert. Im Hotel Kirchenwirt finden wir eine Bleibe für die Nacht. Das Hotel liegt direkt am See. Die Temperatur am Abend ist angenehm, so daß wir auf der Terrasse zu Abend essen können.
Die Tagesstatistik: 49 Kilometer, 809 Höhenmeter und mit einem Geschwindigkeitsschnitt von 15,5 km/h.
Bei
schönem Wetter brechen wir in Strobl auf. Heute sind ein paar Höhenmeter
mehr zu überwinden als am Vortag. Zunächst geht es am Weißenbach
entlang, die Steigung ist nur mäßig. Kurz nach der Fellneralm
steht auf die Straße geschrieben: "Jetzt ist Schluß mit lustig!"
Die Steigung nimmt deutlich zu. Kurz vor Erreichen der Postalm entdecke ich
in der Rückentasche des Radtrikots den Zimmerschlüssel des Hotels.
Hinunterfahren nach Strobl wollte ich auch nicht. Wir rufen im Hotel
an und beratschlagen, was zu tun sei. Der Schlüssel solle im Lienbachhof
auf der Postalm abgegeben werden, die Wirtin fahre ja Mittags immer hinunter
nach Strobl, um einzukaufen. Gesagt, getan.
Die Postalm ist das größte zusammenhängende Almengebiet Österreichs. Bis zu 2000 Rinder, Pferde und Schafe weiden jährlich im Sommer auf dem Hochplateau. Auf etwa 1200 m Höhe biegt man links in Richtung Abtenau ab und nach einer kurzen Abfahrt hat man das Postalmgebiet erreicht. Man fährt vorbei an der Welser Hütte und am Lienbachhof, wie wir den Hotelschlüssel abgeben. Schon steigt die Straße wieder an, nach ca. vier Kilometern hat man den Lienbachsattel (1304 m) erreicht. Hier bietet sich ein erster schöner Ausblick auf das Dachsteinmassiv. Ein Paßschild markiert die höchste Stelle auf der mautpflichtigen Postalmstraße.
Auf
der ca. elf Kilometer langen Abfahrt kommt Freude auf. Immer wieder hat man
phantastische Ausblicke auf das nördliche Dachsteinmassiv und das
Lämmertal. Im Bereich der Sallawand reiht sich eine Kehre
an die andere. Hinter Thalgau biegen wir nach links in das Lammertal
ab. Die Lammer ist ein Nebenfluß der Salzach, sie entspringt
am Jochriedel in 1720 m Höhe, sie fließt zunächst in
östlicher Richtung und macht einen großen Bogen um das Tennengebirge,
ab Lammerer fließt sie dann in westlicher Richtung der Salzach
zu. Wir fahren flußauf bis Lammerer, hier folgen wir dann dem Flußlauf
des Rußbachs. Bald ist der Paß Gschütt erklommen,
ein landschaftlich eher mäßiger Übergang.
Auf der nachfolgenden Abfahrt nach Gosau kann man es rauschen lassen. Die Straße ist wenig kurvenreich und von guter Oberflächenbeschaffenheit. Am Gosaubach entlang geht es weiter hinunter nach Gosauzwang am Hallstätter See. Das Tal wird immer enger, fast tausend Meter türmen sich die Berge links und rechts auf. Plötzlich ändert sich das Szenario. Der Hallstätter See zeigt sich in seiner vollen Schönheit, er ist sechs Kilometer lang und zwei Kilometer breit und wird von der Traun durchflossen. Nach wenige Kilometern haben wir einen ersten schönen Blick auf den bekannten Ort Hallstatt. Zusammen mit dem Dachstein und dem Inneren Salzkammergut gehört er zum UNESCO-Welterbe. Auf dem schmalen Uferstreifen zwischen den steil aufragenden Bergen drängen sich die Häuser dicht aneinander, teilweise sind sie sogar auf Pfählen gegründet.
Hallstatt konnte man bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nur mit dem Schiff oder auf schmalen Saumpfaden erreichen. Erst 1890 wurde eine Straße nach Hallstatt entlang des Westufers gebaut, streckenweise wurdest sie in den Fels gesprengt. Bereits am 23. Oktober 1877 wurde die Salzkammergutbahn auf dem Streckenabschnitt Attnang-Puchheim bis Stainach-Irdning in Betrieb genommen. Sie verläuft am östlichen Ufer des Hallstätter Sees. Von der Haltestelle Hallstatt ist der Ort Hallstatt per Schiff zu erreichen. In der frühgeschichtlich bedeutenden Gemeinde Hallstatt siedelten nachweislich schon vor über 4000 Jahren die Kelten. Seit den Funden in einem größeren Gräberfeld oberhalb des Ortes wird ein Zeitabschnitt der älteren Eisenzeit (ca. 800 bis 400 v. Chr.) als Hallstattzeit bezeichnet. Hallstatt erlangte 1311 Marktrechte, was den Ausdruck seiner wirtschaftliche Bedeutung widerspiegelte. Die Salzgewinnung war jahrhundertelang die wichtigste Einnahmequelle des Ortes, eine Soleleitung brachte seit Beginn des 17. Jahrhunderts das Salz nach Ebensee am Traunsee.
Wir
rollen nach Hallstatt ein; um den kleinen Markplatz drängen sich
viele Gasthöfe und Cafés. Wir lassen uns dort zum Mittagessen nieder.
Es sind viele Menschen auf den Kleinen Straßen und dem Marktplatz unterwegs.
Man merkt, daß Hallstatt ein beliebter Touristenort ist. Die Anziehungspunkte
sind die Landschaft, der Hallstätter See, die Dachstein-Bergwelt,
die Dachstein-Höhlen und nicht zuletzt die Kunstdenkmäler von Hallstatt,
das Museum und das Bergwerk. Nach dem Mittagessen besuchen wir noch die spätgotische
Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Dann schieben wir unsere Fahrräder bis zum
Ortsausgang.
Am Südufer des Hallstätter Sees passieren wir nacheinander die kleinen Orte Lahn, Winkl und Obertraun. Die Himmel zieht sich langsam zu. Hoffentlich bleibt es trocken. Nach der Traunbrücke bei Koppenwinkel beginnt die Steigung zum Koppenpaß. Ein riesengroßes Schild zeigt an, daß der 690 m hohe Paß offen ist. Der Anstieg ist steil, aber so steil, wie das nebenstehende Verkehrsschild anzeigt, ist er doch nicht. 27 Prozent mißt er keinesfalls, allenfalls knapp 20 Prozent.
Es
beginnt zu regnen, glücklicherweise nur leicht, nach einer Viertelstunde
hört der Regen wieder auf. Die Straße verweilt auf ca. vier Kilometern
in knapp 700 m Höhe. Zum Bahnhof-Bad Aussee, der außerhalb
von Bad Aussee liegt, kommt man auf einer kurzen Abfahrt von 50 Höhenmetern.
Wir fahren in das Ortszentrum von Bad Aussee, denn wir wollen nicht über
die vielbefahren B145 zu unserem Tagesziel Bad Mitterndorf fahren sonder
über eine kleine ruhige Straße nördlich der Bundesstraße.
St. Leonardt, Gschößl, Knoppen und Obersdorf,
so heißen die Dörfer auf dieser Route. Dazwischen liegt noch der
Radlingpaß mit 853 m Höhe.
Gegen 18 Uhr erreichen wir Bad Mitterndorf. Es gibt eine Reihe von Hotels im Ort. Wir können uns nicht so richtig entscheiden und fahren mehrfach zwischen den Hotels hin und her. Der wieder einsetzende Regen erleichtert die Entscheidung, wir wählen das Hotel, vor dem wir gerade stehen, es ist das Hotel Post, ein angenehmes Haus. Wir können unsere Fahrräder in der Hotelgarage abstellen. Schnell das Gepäck abgenommen und ab ins Zimmer zum Duschen, die haben wir nach knapp 96 Kilometern, 1764 Höhenmeter und einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 15,0 km/h verdient.
Der Spaziergang durch den Ort fällt wegen des Regens aus, aber wir ja auch schon genug mit den Fahrrädern in Bad Mitterndorf gefahren. Das Nachtour-Bier genehmigen wir uns in der Gaststube des Hotels. Wir unterhalten uns mit den Wirtsleuten, sie wollen detailliert wissen, wie unsere Tourpläne ausschauen.
Das Abendessen im Restaurants des Hauses genießen wir bei einem guten Glas Wein. Die Speisekarte ist ansprechend und klein gehalten. Ca 15 verschiedene Gerichte von der Vor- über die Haupt- zur Nachspeise werden angeboten. Der Service ist dezent und freundlich.
Nach dem Abendessen gehen wir noch ein paar Schritte nach draußen, wir verlassen aber nicht den durch die Balkone vor dem Regen geschützten Bereich vor dem Hotel. Es regnet weiter kräftig. Wir ahnen nichts Gutes für den nächsten Tag, zudem der Wetterbericht für ganz Mitteleuropa Regen angesagt hat.
Wir gehen bald zu Bett. Der Regen prasselt fast die ganze Nacht mit unverminderter Heftigkeit auf die Erde herunter. Wenn es morgen Früh weiter so regnet, werden wir wohl einen Ruhetag einlegen. Bei Regen anzukommen, das kann nicht immer vermeiden; aber bei Regen zu starten, das ist deprimierend.
3. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 25.08.2006
Die Befürchtungen des Vorabends sind glücklicherweise nicht eingetroffen. Die Sonne scheint, einige Wolken sind am Himmel. Unser plan ist, durch das Salza-Tal über eine kleine Straße zunächst nach Tipschern und dann weiter über Berg nach Öblarn im Ennstal zu fahren. Wir erreichen den Salza-Stausee. Erst hier steht ein Hinweis- und Verbotsschild, daß bei der Salza-Talsperrenmauer die Straße nicht passierbar ist. Dies gelte auch für Radfahrer. Das Schild kommt ein wenig spät! Wir kehren um und fahren dann über die B145 nach Irdning im Ennstal. Über eine kleine, wenig befahrene Straße erreichen wir Öblarn. Es ist ein Umweg von 21,5 km, der nicht eingeplant ist.
Bis
Stein a. d. Enns fahren wir rechts der Enns auf einer nur mäßig
befahrenen Straße. In Stein kaufen für ein Picknick ein. Das
Wetter ist gut, deshalb entscheiden wir uns für ein Picknick.
In Stein steigt die Straße in Richtung Sölkpaß abrupt an. Nach Großsölk verflacht sich der Anstieg. Der Sonnenschein verflacht sich auch. Dunkle Wolken ziehen auf, hoffentlich bleibt es trocken. In Mößna machen wir eine Pause für das Picknick. Einzelne Regentropfen fallen, aber im Großen und Ganzen bleibt es trocken. So auch auf dem weiteren Abschnitt bis zum Sölkpaß.
Bisher war der Anstieg eher verhalten, die Steigung nimmt nur in bißchen zu. Von Mößna sind es noch knapp 800 Höhenmeter bis zur Paßhöhe und daß auf 11,5 Kilometern Streckenlänge. Das dicke Ende kommt zum Schluß, von der Erzherzog-Johann-Hütte sind es noch drei Kilometer bis zum Sölkpaß, die Höhendifferenz beträgt 330 m, das sind 11 Prozent Steigung durchschnittlich. Auf der Paßhöhe befindet sich eine kleine Kapelle. Von der obersten Kehre auf der Nordseite kann man noch einen alten Saumpfad aus dem Mittelalter erkennen, auf diesem transportierten schon die Römer ihre Güter, dies steht außer Zweifel.
So steil, wie es bergauf geht, ist auch die Südrampe auf ihrem oberen Teil. Dann verflacht sich das Gefälle ein wenig, das heißt aber nicht, daß man unterstützend treten muß, sondern daß man etwas weniger bremsen muß. Bei Schöder ist das Tal des Schöderbachs erreicht. Es folgt ein kurzer Anstieg zum Übergang ins Tal des Ranterbachs. Ab jetzt geht es kontinuierliche bergauf, der Scheitelpunkt mit 1237 m Höhe liegt an des Landesgrenze zwischen der Steiermark und Salzburg (Kein Paß im Sinne der Definition des Club des Cent Cols). Auch auf diesem Übergang befindet sich eine kleine Kapelle. Von nun an geht's bergab. Nach ca. zehn Kilometern ist Tamsweg erreicht. Insgesamt sind wir heute 111,4 Kilometer, 1753 Höhenmeter mit einem Schnitt 15,4 km/h gefahren.
Tamsweg im Lungau hat eine sehr lange, belegbare Geschichte, erst von den Slawen, ca. 100 Jahre später von den Bajuwaren besiedelt. Als Taemswich wurde der Ort um etwa 1156 n. Chr. erstmals urkundlich erwähnt.
Im Hotel Gambswirt finden wir eine angenehme Unterkunft. Man ist dort sehr aufmerksam und zuvorkommend. Die Frage, ob es einen Münzwaschsalon in Tamsweg gibt, wird verneint. Auf die Gegenfrage, warum wir einen solchen brauchen, bietet man uns an, die zu waschende Radlwäsche abzugeben, und man versichert uns, bis 9 Uhr am nächsten Morgen sei sie sicherlich trocken und wir können sie wieder mitnehmen. Das Versprechen wurde eingehalten, wir können uns nicht erinnern, daß dieser Service separat auf der Rechnung gestanden hätte. Wir verbleiben zum Abendessen im Hotel und gehen zeitig schlafen. Am nächsten Tag sind 90 Kilometer und erstmals über 2000 Höhenmeter geplant.
4. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 26.08.2006
Der
Himmel ist ähnlich verhangen wie am Vortag, die Bewölkung ist etwas
dichter und die Wettervorhersage verheißt nichts Gutes. Als wir in Tamsweg
starten ist alles noch im grünen Bereich, die Straße ist trocken,
vereinzelte Tropfen stören nicht. Auf unserer Straße über Mörtelsdorf,
Unternberg und Moosham nach St. Michael im Lungau kommen
wir zügig voran. Dort angekommen, erleben wir eine unangenehme Überraschung,
am Katschbergtunnel sowie am Tauerntunnel in Zuge der Tauernautobahn
ist Blockabfertigung angeordnet, mehrere Stunden Wartezeit für die
Autofahrer sind zu ertragen. Viele versuchen, dem zu entgehen und stehen jetzt
im Stau auf der Katschberg-Bundesstraße. Wir wissen nicht, wer
schneller vorankommt, die Autofahrer oder wir? Es stinkt nach Abgasen. Einige
frustrierte Autofahrer versperren uns absichtlich den Weg, wenn wir legalerweise
rechts an stehenden Autos vorbeifahren wollen. Der Aufstieg zum Katschberg
war das schlimmste Erlebnis, das ich in meiner langjährigen Karriere als
Tourenfahrer erlebt habe. Insbesondere sind uns viele Holländer und Fahrer
mit Kennzeichen aus den neuen Bundesländern als wenig kooperativ aufgefallen.
Hinzu kommt noch der Dauerregen, zwar nicht besonders heftig, aber spürbar.
Auf der Paßhöhe Katschberg ändern sich die Verhältnisse. Wir sind eindeutig schneller als die Autofahrer und überholen links, wenn der Gegenverkehr es zuläßt. Der Ort Kremsbrücke ist rasch erreicht. Wir kehren zum Mittagessen ein. Ein bißchen Abtrocknen - Regen hatte auf der Abfahrt etwas nachgelassen, jedoch nicht aufgehört -, ein wenig Aufwärmen von Außen und von Innen tut jetzt gut. Wir verweilen etwas länger und beschließen, angesichts des Regens heute nur noch bis Innerkrems zu fahren und die Nockbergstraße morgen zu machen.
Die ca 10 Kilometer und 200 Höhenmeter absolvieren wir locker im Regen. Aber der Spaß ist für heute dahin. Im Hotel Schihof kümmert man sich um uns. Hotel, Service, Preis/Leistung im Großen und Ganzen o.k. Aber seitdem wird uns mindestens zweimal im Jahr Werbepost zugeschickt. (Passiert einem auch bei SNCF - französische Staatsbahn -, wenn man einmal per Internet gebucht hat, dann hat man mindesten dreimal in der Woche eine E-Mail von der SNCF). Das ist eine fragliche Art und Weise der Kundenbindung!
Tagesstatistik: 44,6 Kilometer, 1152 Höhenmeter bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,3 km/h. Wir wollen den Tag schnell vergessen.
5. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 27.08.2006
Beim
Aufstehen ist der Himmel wolkenverhangen, aber es scheint trocken zu sein. Als
wir zum Frühstück hinunter gehen regnet es leicht. Was wird uns heute
wettertechnisch erwarten. Welche fahrradtechnischen Herausforderungen uns erwarten,
wissen wir. Zwei Pässe oberhalb von 2000 Metern stehen auf dem Programm,
die einzigen auf dieser Tour. Dazu das grandiose Panorama auf der Nockalmstraße,
eine reine Touristenroute, die 1981 nach mehrjähriger Bauzeit als Mautstraße
für den Verkehr freigegeben wurde. Sie wird von der Großglockner Hochalpenstraßen
AG bewirtschaftet.
Auf einer Länge von etwas mehr als 34 Kilometern führt die Straße in 52 Kehren durch den Naturpark Nockalm im sanften Hochgebirge mit dem größten Fichten- und Zirbenbestand der Ostalpen. Das unverwechselbares Erscheinungsbild der sanften, runden Berge, die "Nocken", zählen zu den erdgeschichtlichen Raritäten und sind einmalig im gesamten Alpenraum.
Wir befestigen das Gepäck auf den Rädern los geht's. Wir passieren nach wenigen hundert Metern die Mautstelle, für Fahrradfahrer ist das Befahren der Mautstraße kostenlos. Es geht gleich richtig zur Sache, 11% Steigung sind angesagt, nach ca. fünf Kilometern wird es flacher. Nach weiteren drei Kilometern ist die Eisentalhöhe erreicht, der höchste Punkt der Nockalmstraße. Hier lohnt eine Pause, um den Ausblick über die einzigartigen Nockberge zu genießen, wenn das Wetter mitspielt. In der Höhe des Nockalmhofes hatte es wieder zu regnen begonnen, nicht heftig, aber stetig. Die Wolken hängen tief, so daß die höheren Gipfel verhangen sind.
Es
folgt eine längere Abfahrt bis zur Sacklhütte. Zunächst liegt
das Karlbad an der Strecke, es ist ein altes Bauernbad in Kärnten, das
als letztes seiner Art in den Ostalpen gilt. Wir statten diesem Bad einen Besuch
ab, zum Baden ist uns aber nicht zumute, denn wir sind bereits reichlich naß.
Der Regen ist merklich stärker geworden. Bei der Sacklhütte
stellen wir uns einige Zeit im Wartehäuschen des Postbusses unter, es regnet
in Strömen. Als der Regen etwas nachläßt, gehen wir die letzten
sieben Kilometer Anstieg zur Schiestelscharte an.
Bis zum Erreichen der Paßhöhe regnet es mäßig, aber kontinuierlich. Unsere Regenkleidung ist gut, aber diese Wassermengen machen auch dieses Gewebe wenig atmungsfähig, so daß zur Nässe von außen die eigene durch Schwitzen versuchte hinzukommt. Zehn Kehren liegen auf dem Abschnitt von der Sacklhütte zur Schiestelscharte, die Steigung beträgt durchschnittlich sieben Prozent.
Das
vor uns liegende Restprogramm des Tages besteht fast ausschließlich aus
Abfahrt, nur vor Bad Kleinkirchheim ist noch einmal ein Anstieg von knapp
100 Höhenmetern zu bewältigen. Insgesamt liegen noch 40 Kilometer
vor uns bis zum Millstätter See, unserem Tagesziel im hoffentlich
sonnigen Kärnten. Ansonsten müßten wir den Tourismusverband
wegen irreführender Werbung verklagen.
Der Regen hat aufgehört, die Sonne spitzt sogar ab und an hervor. Wir bereiten uns für die Abfahrt vor und ziehen wieder die volle Regenmontur an. Zum einen ist die Straßenoberfläche noch naß, zum anderen weiß man bei diesem launischen Wetter nicht, wann der nächste Regenguß bevorsteht. Zudem ist die Regenkleidung bei der Abfahrt weniger störend als beim Anstieg.
Wir
sind abfahrbereit. Der Himmel ist aufgelockert, die Wolkenuntergrenze angestiegen,
so daß erstmals an diesem Tag den Ausblick auf die "Nocken"
genießen können. Ca. 1,5 Kilometer und 130 Höhenmeter unterhalb
der Schiestelscharte liegt links neben der Straße ein kleiner Bergsee.
Hier machen wir unseren ersten Fotostop. Wir müssen die Impressionen nachholen,
die uns am Vormittag mangels Sicht entgangen sind. Immer wieder halten wir an,
um uns umzusehen und um Fotos zu machen.
Nach einigen weiteren Kilometern haben wir die Mautstelle erreicht und verlassen wieder den Naturpark Nockberge. Etwas weiter unten haben wir einen ersten Blick auf den furchterregenden Anstieg zur Turracher Höhe, der mit bis zu 23 Prozent steil ist. Kurz vor Ebene Reichenau biegen wir auf die B95 ein. Jetzt wird es deutlich flacher. Durch das Gurktal fahren wir bis Patergassen, wo wir nach recht in Richtung Bad Kleinkirchheim abbiegen.
In
Zirkitzen, kurz vor Bad Kleinkirchheim, sehen wir, wie sich eine
schwarze Wolkenwand vor uns auftürmt. Wir beeilen uns, so schnell wie möglich
Bad Kleinkirchheim zu erreichen, dort können wir mit einer Unterstellmöglichkeit
rechnen. Die ersten Tropfen fallen schon, als wir dort ankommen. In einer kleinen
Einkaufspassage finden wir Unterschlupf, dann prasselt ein gewaltiger Gewitterregen
herunter. Nach einer halben Stunde ist der Spuk zu Ende. Wir warten noch ein
wenig, denn auf den Straßen steht zentimeterhoch das Wasser.
Als wir aufbrechen, sticht die Sonne so richtig, die Straßen dampfen. Ein Regenbogen umspannt den Himmel. Auf der neun Kilometer langen Abfahrt nach Radentheim müssen wir höllisch aufpassen, die Straße ist sehr rutschig. Danach ist die Straßenoberfläche weitgehend abgetrocknet. Die restlichen Kilometer bis Döbriach-Glanz sind reine Formsache.
Die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit hier am Ostende des Millstätter Sees gestaltet sich in einfach. Die meisten Beherbungsbetriebe vermieten nur an Wochengäste. In einer kleinen Frühstückpension direkt am See kommen wir schließlich unter, keine schlechte Bleibe. Nach der ausgiebigen Dusche erkunden wir den Ort und die Seepromenade. Was für ein Unterschied zur Landschaft, in der wir noch am frühen Vormittag waren!
Die Sonne versinkt langsam über dem Westende des Millstätter Sees. Die Temperatur reicht aus, um mit einem übergezogenen Pullover oder einer Weste auf der Terrasse im Freien zu speisen.
Für die Tagesstatistik: 61,2 Kilometer, 1180 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,8 km/h.
6. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 28.08.2006
Heute scheint
zur Abwechslung mal wieder die Sonne. Wir beeilen uns aufzubrechen. Nach ein
paar hundert Meter steigt die Straße steil an. Bis Breitwies sind
etwas über 200 Höhenmeter zu überwinden. Die gewonnenen Höhenmeter
werden sofort wieder vernichtet. Bei Freistritz a. d. Drau überqueren
wir die Drau. Die Drau (slawisch drava) entspringt am Nordhang
des Neunerkogels oberhalb des Toblacher Feldes im Pustertal
in Südtirol. Der Toblacher Sattel stellt eine bedeutende Wasserscheide
dar, denn die Quellen am Westhang des Neunerkogels fließen in die Rienz
und damit weiter in die Adria. Die Drau fließt in Richtung Osten
und ist mit einer Länge von 749 km der viertlängste Nebenfluß der Donau.
Wir werden am letzten Tag unserer Tour wieder die dort noch junge Drau
passieren..
Hinter Freistritz beginnt die zweite nennenswerte Steigung des Tages, bis Pöllan sind schon 100 Höhenmeter geschafft. Bis zur Paßhöhe Auf der Eben sind es dann ca. fünf Kilometer. Auf der Paßhöhe stehen einige Häuser und ein hübsches Kirchlein. Nach einer kurzen Abfahrt folgt der Schlußanstieg auf die Windische Höhe. Am heutigen Tag müßte man diesen Sattel umbenennen in "Windige Höhe". Das strahlende Blau des Himmels vom Morgen hat sich in ein Grau verwandelt.
Wir kehren im Alpengasthof Windische Höhe zum Mittagessen ein. Es ist nicht viel los an einem Montagmittag.
Der Himmel hat sich nicht verändert, es tröpfelt ab und zu, aber nicht wirklich störend. Nach fast neun Kilometern Abfahrt haben wir das Gailtal erreicht. Die Gail entspringt unterhalb des Tilliacher Jochs in Osttirol und durchfließt das Tilliacher Tal, das Lesachtal und das Gailtal. Sie mündet bei Maria Gail in die Drau. Der Fluß ist 122 km lang. Wir werden auf dem Rest der heutigen Tagesetappe der Gail flußaufwärts folgen.
Wir fahren auf einer kleinen Straße über Dellach, Mellach und Egg nach Hermagor. Dann geht es auf der B111 weiter bis Kirchbach. Hier überqueren wir die Gail und folgen einer kleinen Straße bis Mauthen. Jetzt müssen wir das Tempo verschärfen, um nicht richtig naß zu werden. Nachdem wir an unserer Unterkunft angekommen sind, beginnt es heftig zu regnen.
Später in Mauthen erfahren wir, dass es auch einen Radweg entlang des Gailflusses gibt. Einen Wegweiser hierhin haben wir nicht gesehen. Auf unseren Karten war der Radweg auch nicht dargestellt. Es war aber nicht so schlimm, dass wir diesen Radweg nicht gefunden hatten; die Strecke, die wir ab Hermagor gefahren sind, war auch sehr verkehrsarm. Für die Tagesstatistik: 83,7 Kilometer, 1272 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,2 km/h.
Ausgerüstet mit einem geliehenen Schirm der Pension gehen wir zum Abendessen. Zur Abwechslung gibt es heute Abend mal Pizza.
7. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 29.08.2006
Am
Vorabend sind wir bei strömendem Regen in die Pension zurückgekommen.
Jetzt am Morgen ist keine Wolke mehr zu sehen, nur ein paar Dunstschwaden hängen
herum. Wir beeilen uns mit dem Frühstück, denn eine anspruchsvolle
Tagesetappe steht uns bevor. Wir verlassen auf der B110 Mauthen in südlicher
Richtung. Gleich nach dem Ortsende steigt die Straße mit ca. 11 Prozent
steil an. Die Straße verläuft weitestgehend im Wald, ab und an bieten
herrliche Ausblicke ins Tal. Dann wird es wesentlicher flacher, es sind sogar
einige verlorene Höhenmeter drin. Der schöne Teil des Anstiegs ist damit
Ende.
Es folgt eine 13 Prozent steile Rampe, die weitestgehend in einer Galerie verläuft. Nach ein paar Kehren erreicht man den Gasthof Plöckenhaus. Dann kommt man bei immer noch starker Steigung in einen zumindest beleuchteten Tunnel, ca. einen Kilometer vor der Paßhöhe kann man nach links auf die alte Straße abzweigen. Gute Luft und Sonne haben uns wieder! Der Plöckenpaß (Passo Monte Croce Carnico) ist bezwungen. Der Name Plöckenpaß ist noch recht jung, im Mittelalter wurde er noch „Monte Crucis“ genannt, zu deutsch Kreuzberg, was noch heute im italienischen Namen „Monte Croce Carnico“ enthalten ist.
Die
Römer haben im 4. Jahrhundert den bestehenden Saumweg ausgebaut und auch
rege genutzt, was urkundlich erwähnt. Auch im gesamten Mittelalter wurde
des Paß genutzt. Ende des 19. Jahrhunderts baute man die Plockenpaßstraße
weiter aus. Im Ersten Weltkrieg lag der Plöckenpaß an der österreichisch-italienischen
Front, viele Befestigungsanlagen wurden an beiden Seiten gebaut, zum Teil existieren
diese noch heute. Aufgrund der umfangreichen Zerstörungen die Kämpfe am
Plöckenpaß war dieser nach dem Krieg unpassierbar. Erst seit 1938
ist die italienische Auffahrt wieder voll hergerichtet, zum Teil völlig neu
gebaut. Auf der österreichischen Seite waren die Arbeiten wenig später beendet.
Ob ein 7,8 km langer Plöckenpaß-Basistunnel gebaut wird, kann
derzeit wegen erheblicher Widerstände aus der Bevölkerung nicht vorhergesagt
werden.
Die
Inschrift auf dem Felsbrocken auf der österreichischen Seite des Passes
beschreibt welche österreichischen Militärs wann und wie am Ausbau
der Auffahrt von Mauthen bis zur "Reichsgrenze" beteiligt waren.
Der letzte Satz dieser Inschrift "Möge er (der Paß; Anm. des
Verfassers) dem friedlichen Verkehre der Nachbarländer dienen" klingt
eher zynisch.
Auf der Paßhöhe befindet sich noch ein Gasthaus, das Ristorante Al Valico; es ist nur im Sommer geöffnet. Für uns ist es zu einer Einkehr noch zu früh. Wir streifen die Windjacken über und los geht's. Die Auffahrt von der italienischen Seite ist die schönere der beiden Zufahrten. Nach einem kurzen Tunnel folgen in kurzen Abständen zehn Kehren, die zum Teil als Tunnel und Galerie oder als Brücke ausgebildet sind. Wir halten mehrfach an, um Photos zu machen. Der obere Teil der Südrampe gehört sicherlich mit zu den schönsten Paßstrecken der Alpen.
Bei
Timau ist es kurzfristig flach, danach geht es wieder steil bergab. Kurz
nach Paluzza verlassen wir die SS52 und biegen nach rechts in die SS465
ab. Es folgt der Aufstieg zum Sella Valcalda. Der Giro d'Italia hat auch
schon mehrfach über diesen Paß geführt, zuletzt 2010.
Bei Comeglians haben wir den nächsten Talpunkt der heutigen Etappe erreicht. In einem Ristorante in einem alten Gemäuer kehren wir zum Mittagessen ein. Das Essen war regionstypisch und einfach, aber gut; Pasta, etwas ähnliches wie ein Goulasch und Dolce. Nach dem Espresso gehen wir wieder ans Tageswerk. Die Hälfte der Tagesstrecke ist schon absolviert, aber die Mehrzahl der Höhenmeter liegt noch für uns.
Nach
ein paar hundert Meter beginnt der lange Anstieg von rund dreißig Kilometern.
Im nächstgrößeren Ort, in Prato Carnico, befindet sich
ein Kirche mit einem schiefen Turm. Danach passieren wir noch ein paar kleinere
Weiler, und dann wird es einsam. Die Steigung nimmt zu, der Wind auch. An einigen
exponierten Stellen haben wir mit heftigem Gegenwind zu kämpfen. Der Himmel
hat sich auch wieder zugegzogen. Bis auf vereinzelte Tropfen bleibt es trocken.
Bis zum ersten Paß, der Forcella Lavardet, sind es von Comeglianz
aus ca. 23 Kilometer.
Die Straße wird jetzt schmaler, es ist fast kein Auto unterwegs. Wir biegen nach ca. drei Kilometer nach links zum Sella di Razzo ab. Ein kurzer ungefähr 600 Meter langer Stich und wir sind auf der Paßhöhe. Wir müssen wieder zurück auf die SP619. Nach weiteren drei Kilometern haben wir mit 1791 s.l.m. den höchsten Punkt für heute, den Sella Ciampigotto, erreicht.
Es
ist empfindlich kalt geworden. Wir ziehen über die Windjacke noch die Regenjacke
an. Auch die Beinlinge werden jetzt benötigt. Dann machen wir uns auf die
ungefähr 14 Kilometer lange Abfahrt nach Vigo di Cadore. Winterhandschuhe
haben wir nicht dabei, so daß wir unten mit steifen Fingern ankommen.
In der kleinen Pension, in der wir Unterkunft finden, gibt es kein Essen. Nach dem Duschen streifen wir durch den kleinen Ort. Außer einenm Call-a-Pizza-Laden finden wir kein Ristorante oder ähnliche, wo wir etwas zu Essen bekämen. Dann kommen wir an einem großen Haus vorbei, "Pensione", "Bar" steht an der Hauswand angeschrieben. Unter dem Giebel steht in großen Lettern "Giannina" Auf der Terrasse räumt ein Mann die Tische und Stühle zusammen. Wir gehen etwas weiter an der Straßenseite entlang und sehen durch ein offenes Fenster in eine Restaurantküche. Wir kehren um und fragen fragen den Mann, ob wir etwas zu essen bekommen könnten. "Naturalemete" war die Antwort. Er führt uns in die Bar und sagen den beiden anwesenden Frauen, daß wir essen möchten. Sie sagen, daß in zehn Minuten der Tisch im Speisesaal gedeckt sein wird. Wir sollen solange in der Bar einen Drink zu uns nehmen. Nach der angesagten kommen wir in den Speisesaal, ein Tisch war stilvoll für uns gedeckt. Anstelle der Speisekarte, sagt man uns, was wir zu essen haben können. Es war ein vorzügliches Abendessen. Anschließend unterhalten wir uns in der mit den Wirtsleuten und ein paar einheimischen Gästen. Sie sind vor allem neugierig, unsere Radtour betreffend.
Die Tagesstatistik: 93,3 Kilometer, 2435 Höhenmeter bei einem Geschwindigkeitsschnitt von 13,2 km/h.
8. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 30.08.2006
Strahlend
blauer Himmel, als wir den ersten Blick durch das Fenster werfen. Nach dem Frühstück,
beim bepacken der Räder, merken wir, daß es empfindlich kalt ist,
maximal 10° C hat es. Wir starten mit den Windjacken. Zunächst habe
wir noch eine kurze Abfahrt. Dann wird es uns schon warm werden auf dem langen
Aufstieg zum Passo Tre Croce.
Die nächsten 20 Kilometer geht es noch gemütlich bergauf. Auronzo di Cadore, der einzig größere Ort vor Cortina d'Ampezzo, wirkt noch etwas verschlafen. Auronzo, wie es auch kurz genannt wird, liegt im Tal des Flusses Ansiei, der hier seit den 1930er Jahren zum Lago di Santa Caterina aufgestaut ist. Auronzo ist ein liebenswerter Ort, der Verfasser hat hier auf einer früheren Radtour übernachtet.
Nach Casa Orsolina wird es einsam, nur noch vereinzelt einige Privathäuser an der Straße. Irgendwann (s. Tabelle) biegen wir nach links zum Passo Tre Croci ab. Nach 200 Höhenmetern ist die Paßhöhe erreicht. Dort oben verschnaufen wir ein bißchen, und bereiten uns für die Abfahrt nach Cortina d'Ampezzo vor. Weiße Flocken segeln vom blauen Himmel herunter, bei der Kälte sind einige Kondensatstropfen zu Schneeflocken mutiert.
In Cortina d'Ampezzo genehmigen wir uns zum Mittagessen ein Pizza. Wir ziehen es vor, im Inneren des Lokals zu speisen; die Temperatur außen ist lausig. Wir diskutieren beim Essen, ob wir Richtung Brixen abfahren sollen oder in Richtung Österreich nach Sillian. Wir entscheiden für Sillian. Die Österreichische Bundesbahn ist fahrradfreundlich, Fahrräder können in fast allen Zügen mitgenommen werden. Die FS ( Ferrovie dello Stato Italiane), sie nennt sich heute auch gerne Trenitalia nennt, ist bezüglich der Fahrradmitnahme sehr restriktiv.
Wir
müssen weiter, noch ungefähr 50 Kilometer liegen vor uns. Auf etwas
über 300 Höhenmetern zieht sich die stark befahrenen SS51 hinauf zum
Passo di Cimabanche (auch Gemärkpaß), er liegt auf der Grenze
zwischen den Provinzen Belluno und Bolzano/Bozen. Nach kurzer
Abfahrt erreichen wir Schluderbach, das sind nur ein paar Häuser.
Jetzt fahren wir durch das Höhlensteintal in Richtung Dobbiaco/Toblach.
Markantester Punkt an der Strecke ist das Hotel »Drei Zinnenblick«,
von dem man ein phantastischen Blick auf die Drei Zinnen hat.
Die
Strecke durch das Höhlensteintal ist schnell absolviert. Vor Erreichen
von Dobbiaco/Toblach können wir bereits in Neutoblach auf
den Radweg ausweichen. Wir erreichen die Italienisch/Österreichische Staatsgrenze
fast ausschließlich auf separaten Radwegen entlang der Drau.
Im österreichischen Drautal, im Bezirk Lienz aber auch im benachbarten Bezirk Spittal, bemüht sich Radtouristen anzuziehen; die Zielgruppe ist eher Familiengruppen, die eine Strecke mit leichtem Gefälle abseits des motorisierten Verkehrs abfahren können.
In Sillian haben wir etwas Mühe, ein Hotelzimmer zu bekommen. In einem Hotel will man uns kein Zimmer geben, weil man am nächsten Tag eine Busgruppe erwarte und alle Zimmer brauche, man habe keine Zeit nach unserer Abreise das Zimmer herzurichten. Zwei weitere Hotels sind ausgebucht. Wir finden eine Bleibe in einer kleinen Frühstückspension. Auf das Frühstück müssen wir aber verzichten, weil unser Zug am Folgetag schon um 6 Uhr in der Früh Sillian verläßt.
So kaufen wir noch etwas Proviant für die Zugfahrt. Später gehen wir noch Essen.
Die Tagesstatistik: 94,3 Kilometer, 1390 Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit 15,7 km/h.
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| Stand: 27. März 2012 |
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2006
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