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| Eine anspruchsvolle Radtour in 8 Tagesetappen über insgesamt 480 km durch das nordwestliche Korsika, Tagesetappen zwischen 50 und 90 Kilometern. | |||
| 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag 5. Tag 6. Tag 7. Tag 8. Tag | |||
Streckenabschnitt |
Meeres- |
Entfernung |
Tages- |
Gesamt- |
|---|---|---|---|---|
| Aéroport Bastia-Poretta
- Bastia Bastia - Pietranera Pietranera - Miomo Miomo - Lavasina Lavasina - Erbalunga Erbalunga - Marine de Sisco Marine de Sisco - Marine de Pietracorbara Marine de Pietracorbara - Porticciolo Porticciolo - Santa Severa Santa Severa - Marine de Meria Marine de Meria - Macinaggio Macinaggio - 2. Abzw. nach Bettolacce 2. Abzw. nach Bettolacce - Col St-Nicolas Col St-Nicolas - Botticella Botticella - Col de la Serra Col de la Serra - Camera Camera - Port de Centuri (1. Tagesetappe) |
5 |
27,5 |
27,5 |
27,5 |
| Port de Centuri - Baragogna Baragogna - Ciocce Ciocce - Minerviu Minerviu - Abzw. Marina di Giottani Abzw. Marina di Giottani - Marinca Marinca - Abro Abro - Abzw. Albo Abzw. Albo - Nonza Nonza - Scoligliu di Farinole Scoligliu di Farinole - Abzw. Cardeto Abzw. Cardeto - St-Florent (2. Tagesetappe) |
5 |
5,0 |
5,0 |
89,0 |
| St-Florent - Abzw. D62 Abzw. D62 - Casta Casta - Bocca di Vezzu Bocca di Vezzu - Stele Stele - Lozari Lozari - Île Rousse Île Rousse - D513 - Fogata Fogata - D313 - Bocca di Carbonja Bocca di Carbonja - Citadelle Citadelle - Porto di Sant'Ambrogio Porto di Sant'Ambrogio - Abzw. Cateri Abzw. Cateri - San Petru San Petru - Campo Raffaelli Campo Raffaelli - Calvi (3. Tagesetappe) |
10 |
5,0 |
5,0 |
150,0 |
| Calvi - D80b - Abzw. La Ravellata Abzw. La Ravellata - Punta di Cantaleli Punta di Cantaleli - Bocca Serria Bocca Serria - l'Argentella l'Argentella - Bocca Bassa Bocca Bassa - Abzw. Galéria Abzw .Galéria - u Fangu u Fangu - Bocca a Palmerella Bocca a Palmerella - Bocca a Croce Bocca a Croce - Partinello Partinello - Capu Paolu Capu Paolu - Abzw. Serriera Abzw. Serriera - Porto (4. Tagesetappe) |
30 |
4,0 |
4,0 |
220,0 |
| Porto - le Pont de Porto le Pont de Porto - Piana Piana - Bocca di San Martinu Bocca di San Martinu - Golfe di Chiumi Golfe di Chiumi - Cargèse Cargèse - Grotte de Molendinu Grotte de Molendinu - Punta di Trio Punta di Trio - Sagone (5. Tagesetappe) |
20 |
1,0 |
1,0 |
297,0 |
| Sagone - Col St-Antoine Col St-Antoine - Chapelle St. Roch Chapelle St. Roch - Col de Sevi Col de Sevi - Cristinacce Cristinacce - Abzw. Evisa Abzw. Evisa - Village de Vacances d'Aitone Village de Vacances - Col de Vergio Col de Vergio - Albertacce Albertacce - Calacuccia (6. Tagesetappe) |
20 |
13,0 |
13,0 |
359,0 |
| Calacuccia - Ponte Castirla Ponte Castirla - San Michele San Michele - Bocca d'Ominanda Bocca d'Ominanda - Corte Corte - Gorges de la Restonica Gorges de la Restonica - Corte (7. Tagesetappe) |
830 |
15,0 |
15,0 |
429,0 |
| Corte - Botru Botru - Santo-Pietro-di-Venaco Santo-Pietro-di-Venaco - Venaco Venaco - Pont du Vecchio Pont du Vecchio - Vivario Vivario - Abzw. Col de Sorba Abzw. Col de Sorba - Vizzavona (Gare) Zugfahrt von Vizzavona nach Biguglia (8. Tagesetappe) |
396 |
2,5 |
2,5 |
464,5 |
| Biguglia - Aéroport Bastia-Poretta über Plage de la Marana |
|
22,5 |
22,5 |
519,0 |
Zeitraum
Die Radtour wurde vom 21. Mai bis 29. Mai 2000 bei schönem Wetter durchgeführt.
Teilnehmer:
Hubert Becker
Uschi Becker
Allgemeine Hinweise
Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäcks sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.
Anreise
Die Anreise von München nach Bastia erfolgte mit dem Flugzeug mit Zwischenstop in Nizza. Es gibt zwar im Frühjahr 2000 samstags eine wöchentliche direkte Flugverbindung zwischen München und Bastia, laut Auskunft der Lufthansa ist ein Fahrradtransport jedoch wegen der Größe des Fluggerätes nicht möglich. Bis Nizza ist der Fahrradtransport bei rechtzeitiger Anmeldung kein Problem. Air France und Compagnie Corse Méditerranée betreiben die Strecke Nizza - Bastia im Code-Sharing Verfahren. Tatsächlich durchgeführt wird der Flug von der Compagnie Corse Méditerranée. Auch hier ist es ratsam, die Mitnahme von Fahrädern rechtzeitig anzumelden und bestätigen zu lassen.
Air France verlangt lt. Vertretung in München, daß die Fahrräder verpackt sind. Für Rennräder und Bikes ist das kein größeres Problem, denn hier gibt es handelsübliche Flugtaschen und -koffer. Bei Reiserädern mit ihrem "Drumherum" bleibt nur ein Transportkarton, wenn man nicht das Fahrrad in seine Einzelteile zerlegen will. Wir besorgen uns bei unserem Radlhändler derartige Kartons, bei Air France kann diese auch beziehen. Zum Transport müssen Lenker und Pedale ummontiert werden. Das ist eine Angelegenheit von Minuten. Anschließend werden die Karton gut verklebt.
Mit der Bestätigung der Fahräder auf allen vier Flügen (hin und zurück) treten wir gut gelaunt und erwartungsvoll die Reise an. Für einen normalen Pkw oder Kombi sind zwei in Kartons verpackte Räder ein Problem, nicht für einen Van! Doch hier reicht der Platz schließlich nur für Fahrer und Beifahrer, die dritte Person muß irgendwie nicht ganz legal und auch nicht unbedingt bequem im Auto untergebracht werden. Das Problem wird pragmatisch angepackt und wir gelangen wohlbehalten zum Münchner Flughafen.
Ein bißchen Aufsehen erzeugt man schon auf einem Airport, wenn mit einem solch sperrigen Gepäck auftritt! Die Prozedur des Check-In ist dementsprechend länger. Endlich sind wir das Gepäck los, und wir gönnen uns ein Gläschen in der Lounge. Der Flug verläuft problemlos. In Nizza haben wir gewolltermaßen 5 Stunden Aufenthalt, die wir zu einem Stadtbummel nutzen.
Zurückgekehrt auf den Flughafen von Nizza sehen wir, wie unsere Radkartons zum Flieger gebracht werden. Beim Einstieg jedoch wird uns mitgeteilt, daß die Fahrräder keinen Platz im Flugzeug gefunden haben und daß sie mit der nächsten Maschine ca. 3 Stunden später nach Korsika fliegen werden. Begründung: Zuviel Gepäck der Passagiere des voll ausgebuchten Flugs! In Bastia sehen wir zu unserer Überraschung, daß im Flugzeug nicht nur Gepäck sondern auch jede Menge Fracht verstaut war. Hierdurch verärgert beschweren wir uns bei der Fluggesellschaft und reklamieren, daß uns die Fahrräder zur Weiterfahrt zu unserem Hotel (ca. 22 km entfernt) fehlen. Bei der Air France in Bastia hat man ein Einsehen. Unterbrochen durch einen Bombenalarm, ausgelöst durch ein besitzerlos herumstehendes Gepäckstück, das kurzerhand in einem armierten Behälter zur Detonnation gebracht wird, kommen schließlich zu einer Vereinbarung über den kostenlosen Transport unserer Räder zum Hotel.
Gegen 22 Uhr klingelt im Hotelzimmer das Telefon. Unsere Räder seien wohlbehalten angekommen, doch es finde sich kein Taxi, in das die Kartons hineinpaßten. Wir vereinbaren, daß uns auf Kosten der Fluggesellschaft am nächsten Morgen ein Taxi vom Hotel zum Flughafen fährt, um unsere Räder in Empfang zu nehmen.
Das Taxi steht pünktlich um 8 Uhr vor dem Hotel. Am Flughafen ist noch gähnende Leere. Wir müssen erst nach jemendem suchen, der uns unsere Räder aushändigen kann. Glücklicherweise können wir die leeren Kartons in einem Abstellraum der Airline bis zu unserem Rückflug abstellen.
Beim Auspacken der Fahrräder bemerken wir, daß die Halterung für die Lenkertasche eines Rades während des Transport beschädigt und dadurch unbrauchbar geworden ist. Kurzerhand wird ein diesbezügliches Protokoll aufgesetzt.
Korsika
Die alten Griechen nannten die Insel Kalliste, »die Schöne«. Daraus entstand der heutige Slogan der Tourismuswerbung: »Ile de Beaute«, Insel der Schönheit. Sie macht ihrem Namen alle Ehre: Stille Buchten, weite Strände, rauhe Gebirge mit über fünfzig 2000er und tiefe Schluchten.
Korsika ist die viertgrößte Insel im Mittelmeer. Mit dem 2710 Meter hohen Monte Cinto wird sie auch das "Gebirge im Mittelmeer" genannt. Aus diesem Grund trifft man auf Korsika das im westlichen Mittelmeer übliche Klima mit trockenen, heißen Sommern und milden, regenreichen Wintern nur bis auf eine Höhe von ca. 500 m an. Oberhalb einer Übergangszone, die bis ca. 1000 m reicht, herrscht ein alpines Klima mit Schnee im Winter und relativ regenreichen Sommern.
Im Altertum trieben sich zeitweise die Phönizier und Lybier auf Korsika herum. Kurzzeitig entdeckten die Griechen die Insel, und wenn auch als Verbannungsort für unbequeme Philosophen (Senica hat auf Korsika einige Jahre verbringen müssen). Später setzen sich, wie überall im Mittelmeer die Römer auf der Insel fest. Im Landesinneren widersetzen sich die Korsen der römischen Obrigkeit, wie anschaulich bei "Asterix auf Korsika" nachzulesen ist. Nach zwei Jahrhunderten Byzantinischer Herrschaft verleibt Pippin die Insel dem Frankenreich ein, um sie bald darauf an den hl. Stuhl zu verschenken. Im 11. Jahrhundert wird Pisa die Verwaltung übertragen. Im 13. Jahrhundert gerät Korsika unter die Oberhoheit Genuas. Diese Herrschaft hält ca. 500 Jahre an. In der Mitte des 18. Jahrhundert erheben sich die Korsen unter der Führung von Pasquale Paoli gegen ihre Herren. Die Genuesen werden zwar abgeschüttelt, aus der Revolte gehen die Franzosen als die neuen Besitzer Korsikas hervor. Somit sind wir in der Neuzeit.
Geographisch kann man Korsika in fünf Regionen aufgliedern:
Empfohlenes Kartenmaterial: Michelin Karte No 90 Maßstab 1 : 200.000 oder IGN (Institut Geographique National) Serie Verte No 73 Maßstab 1 : 100.000
Beschreibung der Tour
1. Tag
(Tabelle)
(Seitenanfang)
Auf geht's! Als Erstes müssen wir unser Gepäck im Hotel in Biguglia abholen. Wir wählen die Route vom Flughafen über die schmale Landzunge zwischen Meer und Lac de Biguglia. Nach zwei Kilometern passieren wir die Kirche Santa-Maria-Assunta, auch La Canonica genannt. Sie ist kulturhistorisch die bedeutenste pisanische Kirche Korsikas. An gleicher Stelle stand bereits eine frühchristliche Kirche aus dem 4. Jahrhundert, von der nur noch ein paar Fundamentreste erhalten sind. Neben der kleinen Straße zwischen Meer und See gibt es sogar einen beschilderten Radweg, eine Seltenheit für Korsika. Wir teilen uns die Piste mit Joggern und, je näher wir an Bastia kommen, mit Inline-Skatern. Nach und nach erwacht das Leben am frühen Sonntagmorgen.
Am Hotel wird das Gepäck aufgeladen. Vollbepackt starten wir in Richtung Bastia. Übrigens, die vielbefahrene N193, eine der wenigen vierspurigen Straßenabschnitte Korsika, empfiehlt sich keinesfalls zum Radfahren. Korsische Autofahrer lassen sich hier von Radfahrer nicht davon abhalten, nebeneinander und mit hoher Geschwindigkeit dahin zu brausen. Es gibt eine kleine Ortsverbindungsstraße westlich der N193, die ab Biguglia über leichte Hügel nach Bastia führt.
Als
Radfahrer muß man aufpassen, daß man in Bastia nicht in
den Tunnel unter der Zitadelle zum Neuen Hafen hineinfährt. Anstatt
geht es hinauf zur Zitadelle, in deren Befestigungsmauern als
städtebauliche Maßnahme ein neues Wohnviertel entstanden ist.
Nach einer kurzen Abfahrt erreicht man den Alten Hafen. Hier besticht besonders
der Kontrast zwischen sauberen Luxus-Yachten und den angeschmuddelten
Häusern rund um das Hafenbecken. Wir können
Bastia
städtebaulich nicht viel abgewinnen und verhalten uns so wie die meisten
der Korsika-Reisenden, die hier mit der Fähre ankommen: Schnell weg!
Schnell wandelt sich das Bild, die Häuser links und rechts neben der Straße an der Ostküste des Cap Corse werden weniger, die Bebauungslücken dementsprechend größer. Nördlich von Pietranera verschwindet der städtische Siedlungscharakter gänzlich.
Die Straße folgt der Küstenlinie und weist nur wenige Höhenmeter auf. Auf dem Meer herrscht reger Verkehr, die Fähren von und nach Bastia hinterlassen ihre Spuren auf dem ansonsten ziehmlich ruhigen Mittelmeer. Wir radeln mit flotten Tempo dahin. Kleinere Buchten mit Fischerei- bzw. Yachthäfen und Felsvorsprünge wechseln einander ab. Erbalunga ist der bekannteste Ort in diesem Abschnitt der Ostküste. Unweit der Marina de Sisco halten wir zu einer mittäglichen Pause an. Wir hatten am Sonntag keine Gelegenheit, Einzukäufe für ein Picknick zu tätigen, und kehren in ein kleines Restaurant ein direkt am Meer, das Meeresrauschen ist unsere Tafelmusik. Aus einem äußerlich unscheinbaren, eingeschossigen Bau - wir erwarten eigentlich nur, satt zu werden - begrüßt uns die 'Patronin' mit der Speisekarte: ein Menu mit drei Gängen für 90 FF ist unsere Wahl, wir werden sie später nicht bereuen. Die Miesmuscheln sind beim Servieren sorgfältig mit einem Teller abgedeckt, so daß wir sie schön heiß genießen können. Auf das Hauptgericht Rotbarbenfilet (franz. Rouget; engl. Red Snappers) am Reisring folgt ein Käseteller mit korsischen Käsen, dazu schmeckt ein Rosé aus dem Anbaugebiet 'Patrimonio'.
Gut gestärkt
sind wir weiterhin flott unterwegs. In Macinaggio ist endgültig
Schluß mit der Flachfahrerei. Insgesamt 400 Höhenmeter über
zwei 'Cols', zwei kleinere Pässe liegen vor uns, die ersten richtigen
Höhenmeter auf Korsika! Am Ende der letzten Steigung können wir
vom Col de la Serra bereits unser Etappenziel unten am Meer erblicken:
Port de Centuri.
Die in einer Einbuchtung gelegene Marina Centuri zählt zu den
interessantesten Fischerhäfen am Cap und ist der einzige Naturhafen
an der oft stürmischen Westküste. Wir übernachten im Hôtel
Le Vieux Moulin, das etwas oberhalb des Hafens gelegen ist. Es ist ein Hotel
- ehemaliger Olivari-Palast eines auf die Antillen ausgewanderten Abenteurers
- mit persönlicher Note und korsischem Charme. Die ruhig gelegenen Zimmer
weisen mehrheitlich zum Hafen. Von einem romantischen Salon im ersten Stock
geht es in unser Zimmer. Das Abendessen nehmen wir auf der Terrasse ein.
2. Tag
(Tabelle)
(Seitenanfang)
Die heutige Tagesetappe, eine der kürzeren auf unseren Korsika-Trip, führt an der Westküste des Cap Corse südwärts nach St. Florent. Es ist ein ständiges Auf und Ab entlang einer der schönsten Mittelmeerküsten. An manchen exponierten Stellen können wir erahnen, wie sehr der Wind dem Radler diese Tour vermiesen kann. Bei uns es ist heute ziehmlich windstill.
Zunächst radeln
wir steil bergauf zur Hauptstraße, die wir bei Baragogna erreichen.
Von 200 Meter Höhe haben wir einen herrlichen Ausblick auf die
sonnendurchflutete Westküste des Cap Corse. Wir werden vergleichbare
Postkartenansichten noch mehrmals an diesem Tag genießen können.
Im Gegensatz zur Ostküste des Cap Corse bietet der Streckenverlauf
viele Steigungen und anschließende Abfahrten.
In Minerviu kaufen wir ein für ein zünftiges Radler-Picknick. Einige Kilometer weiter in Marinca finden wir eine gemütliche Parkbank, auf der wir uns zur mittäglichen Rast niederlassen und allen Proviant verspeisen. Auf den nächsten Kilometern geht es zur Abwechslung wieder bergab, vorbei an den abbruchreifen Fabrikgebäuden einer stillgelegten Asbestmine. Ein Schandflecken in dieser grandiosen Landschaft! Irgendwann hat jede Abfahrt ein Ende, und es geht unweigerlich wieder berauf. Nonza liegt vor uns. Spektakulär auf einer 200 m steil zum Meer hinabfallenden Felsnase thront ein eckiger pisanischer Wehr- und Wachturm. Dahinter einige Häuser, die um den Platz an der Kirche Sainte-Julie gruppiert sind. Die Legende um den tapferen Hauptmann Cassella braucht hier nicht erzählt zu werden, sie kann in jedem Reiseführer nachgeschlagen werden.
Die folgende
Abfahrt endet in der Bucht von Negru. Auch hier wieder ein genuesischer
Turm, der früher räuberische Besucher vor den Anlanden abschrecken
sollte. Der schöne, ruhige Kiesstrand in der Bucht lädt zum Baden
ein. Allerdings ist um diese Jahreszeit das Meer noch etwas frisch.
Nach der Marine de Farinole verläßt die Straße die Küste und führt über den 76 m hohen Paß Col de San Bernadino ins Landesinnere. Kurz nach dem Paß erreichen wir einen Kreisverkehr, den ersten nach zwei Tagen Fahrt. Wir treffen hier auf die D81, die von Bastia nach St. Florent führt, und erreichen nach 5 Kilometern St. Florent, mit seinen langen, zum Teil feinsandigen Stränden und seinem beliebten und belebten Yachthafen.
Unser Hotel, das 'Dolce Notte', liegt an der D81 ca. einen halben Kilometer vor dem Ortszentrum; es ist aber dennoch ruhig gelegen. Ein gepflegter Parkplatz und Garten liegt zwischen Straße und Gebäude. Alle Zimmer haben eine Terasse oder einen Balkon mit direktem Blick auf die Bucht von St. Florent. Einwirklich empfehlenswertes Haus!
Nachdem
wir uns frisch gemascht haben, machen wir uns auf den Weg in den Ort, der
zu früheren Zeit durch eine genuesische Zitalle gesichert war. Der
Burgkomplex dominiert noch heute den Ort. An der Hafenpromenade herrscht
ein reges Treiben. Die Restaurants bereiten sich auf die Abendessengäste
vor. In den kleinen Gassen hinter der Hafenpromenade bemerken wir einige
nette, kleine Geschäfte. Im Restaurant Marinuccia genießen wir
auf einer Terasse direkt über dem Wasser ein vorzügliches Abendessen
und wenig später den Sonnenuntergang über der Bucht.
Zurück in unserem Hotel beenden wir den Tag auf unserer Terasse überm Meer. Die kurzen Wellen schlagen rhythmisch auf den Kies auf, ein beruhigendes Umgebungsgeräusch!.
3. Tag (Tabelle) (Seitenanfang)
Endlich finden wir ein Geschäft, in dem wir einen Rucksack kaufen können, um die Lenkertasche (zur Erinnerung: die Halterung am Lenker war auf dem Flug beschädigt worden und somit unbrauchbar) einigermaßen bequem transportieren zu können.
Wir verlassen St. Florent in südwestlicher Richtung auf der D81. Nachdem wir das Flüßchen Aliso überquert haben geht es kontinuierlich aufwärts. Eine karge Landschaft liegt vor uns: Le Désert des Agriates. Der Ausdruck »Wüste« erscheint etwas zu hart für diese Gegend. Es ist in der Tat eine Geröllwüste, zu dieser Jahreszeit aber erstaunlich grün, ein Felsenmeer über dem Mittelmeer.
Die kurvenreiche Straße zieht sich. Vom Bocca di Vezzu geht es steil hinab in Richtung Balagne, dieser wunderbaren Hügellandschaft im Nordwesten Korsikas. Nach 6 Kilometern mündet die D6 auf die D81 ein, zumindest nach der Straßennummernsystematik, tatsächlich ist es genau umgekehrt. Egal, ab jetzt gibt es wieder mehr motorisierten Verkehr, der sich wegen der großzügigen Neutrassierung zudem noch im höheren Geschwindigkeitbereich abspielt.
In der Bucht von Lozari finden wir ein schattiges Plätzchen am Strand, wo wir uns zum Picknick niederlassen. Nach einer ausgiebigen Mittagspause geht es weiter in Richtung Île Rousse.
Île Rousse, von Pasquale Paoli als Kunkurrenzhafen zu Calvi gegründet, ist heute nach Calvi der wichtigste Fremdenverkehrsort der Balagne. Dank der Fährverbindungen nach Marseille, Toulon, Nizza und Genua ist Île Rousse schnell vom Festland aus zu erreichen. Den Namen verdankt die Stadt dem roten Granitfelsen der vorgelagerten Insel La Pietra. Von weitem sehen wir schon ein weißes Fährschiff an der Mole liegen, die die Insel mit dem Festland verbindet. Wir fahren mit unseren Räder ins Zentrum. Das Leben in Île Rousse ist von der Siesta noch nicht erwacht. Nach einem Espresso setzen wir unsere Fahrt in Richtung Calvi fort.
Wieder auf der Hauptstraße überholt uns ein Auto nach dem anderen, der Güterverkehr nervt ziemlich. Bei Citadelle können wir für ca. 2 Kilometer die N197 verlassen. In einem Café an einem weiten Sandstrand genehmigen wir uns eine Erfrischung. Die Micheline, ein kleiner straßenbahnähnlicher Zug fahrt vorbei. Mit ihm, und nur mit ihm, gelangt man an die schönsten Badestrände der Balagne.
Auf geht's, die letzten Kilometer nach Calvi müssen bewältigt werden. Zunächst steigt die Straße auf ca: 200 m ü. NN, bei Lumio bietet sich uns ein erster Blick in die Bucht von Calvi. In flotter Fahrt geht es hinunter. Vor dem Camp Raffalli stehen Legionäre der Fremdenlegion in schmucken Uniformen mit übergrößen Epauletten Wache. Am Flughafen Calvi-Ste-Catherine startet gerade ein Turboprop-Maschine und nimmt Kurs nach Norden auf das Meer zu..
Das Hotel "Christophe Colomb" in Calvi ist schnell gefunden, es liegt direkt am Platz vor der mächtigen Zitadelle. Es ist nach eigenem Bekunden das älteste Hotel der Stadt, so sieht es auch aus. Unsere Reservierung per Fax war angekommen, aber sie wurde dann aus unerklärlichen Gründen wieder annuliert. Ein Zimmer bekommen wir trotzdem, das letzte. Unsere Räder können wir in einem Vorratsraum unterstellen. Nach einer Dusche sind wir rasch umgezogen und begeben uns auf den Weg in die Altstadt. Bei einem Bier am Yachthafen beobachten wir, wie die Luxus-Yacht eines reichen alten Playboys anlegt. Die Crew gibt sich alle Mühe beim Anlegemanöver, erst beim dritten Versuch ist das Schiff am vorgesehenen Platz. Nachdem alles vertäut ist, geht der alternde Millionär mit einer jungen Blondine von Bord und verschwindet im Getümmel der Altstadt.
Im Restaurant "Île de Beauté" lassen wir mit einem empfehlenswerten Abendessen den Tag ausklingen.
4. Tag (Tabelle) (Seitenanfang)
Beim
Frühstück im Hotel lärmt rings um uns herum eine Reisegruppe.
Wir beeilen uns, dem lauten Treiben zu entkommen, und sind bald auf dem Weg
nach Porto. Wir nehmen die weniger befahrene Küstenstraße
D81b. Das Wetter ist an diesem Morgen noch nicht so schön wie an den
vergangenen Tagen. Der Himmel ist wolkenverhangen grau. Es windet teilweise
recht stark. Doch bald glitzern erste vereinzelte Sonnenstrahlen im
grün-blauen Meer. Gegen 11 Uhr ist der Himmel wieder überwiegend
blau.
Es ist ein ständiges Auf und Ab entlang der steilen Felsküste. Großartige, doch über den Landweg kaum erreichbare Buchten liegen unter uns. Die Blicke über das Meer und die Macchia sind spektakulär. Kurz vor dem kleinen Paß "Bocca Serria" wendet sich die Straße von Meer ab, für einige Kilometer haben wir keinen Meerblick Bei dem kleinen Ort l'Argentella gelangen wir an einen ausgedehnten Kiesstrand. Nach einem weiteren Anstieg auf den Bocca Bassa erreichen wir die Bucht von Galéria. Hier mündet der Fluß Fangu in Meer. Nachdem wir den Fluß überquert haben, beginnt der Anstieg zum 408 Meter hohen Bocca a Palmarella. Auf halbem Weg machen wir erst einmal eine Mittagsrast und verspeisen unsere Garnelen, die eigentlich für den Vortag gedacht waren, da aber noch nicht richtig aufgetaut waren.
Gut gestärkt setzen
wir unseren Anstieg fort. Nach einigen mühevollen Kilometern in der
Nachmittagshitze erreichen wir die Paßhöhe, wo wir uns am Kiosk
ein kaltes, erfrischendes Getränk gönnen. Wir haben von hier einen
grandiosen Ausblick auf die Bucht von Girolata, ein Ort der nur zu
Fuß oder mit dem Schiff zu erreichen ist. Hier oben auf der
Paßhöhe herrscht reges Treiben, ein Bus hat seine Passagiere
ausgekippt, überall tummeln sich die Pauschaltouristen. Auf eine rasante
Abfahrt folgt ein kurzer Anstieg zum Bocca a Croce. Von hier kann
man sowohl in die Bucht von Girolata schauen wie auch in den
großartigen Golf von Porto.
Die Farbe der Felsen, die aus dem Meer ragen, ändert sich immer deutlicher von ocker-grau zu rot. Nach 20 weiteren kurvenreichen Kilometern liegt der rote Felsen von Porto mit seinem genuesischen Turm vor uns. Noch schnell ein paar Fotos in der Nachmittagssonne und dann geht es hinunter in den Ort. Unser Hotel liegt direkt am kleinen Yachthafen, von unserer Terrasse haben wir einen wunderbaren Blick auf den 1294 Meter honen Capu d'Ortu. Ein ruhiger Abend folgt auf diesen abwechselungsreichen Tag.
5. Tag (Tabelle) (Seitenanfang)
Ein
herrlicher Morgen erleichtert uns das Aufstehen. Nach dem Frühstück
sind schnell die Räder 'gesattelt'. In einem Supermarkt wollem wir rasch
etwas Proviant kaufen. Da klingelt das Handy. Irgendein Dödel aus dem
Büro meint, eine Pipifax-Entscheidung nicht allein treffen zu können!
Mit ein paar Minuten Verzögerung kommen wir dann zu unserem Proviant.
Nun machen wir uns an den 11 Kilometer langen Anstieg durch die Calanche nach Piana. Daß die Calanche ein beliebtes Touristenziel ist, spüren wir an einem verstärkten Busverkehr; aber auch Pkw sind in nicht allzu geringer Anzahl unterwegs. Langsam strampeln wir durch den 'Forêt Communale de Piana' bergauf. Wir kommen an einen schattigen Parkplatz. Viele Menschen schnüren Bergstiefel, schultern Rucksäcke, bringen die Wanderstöcke auf die richtige Länge oder bereiten sich anderweitig auf eine Bergwanderung vor. Kurz danach endet der Wald. Vor uns liegt ein zerklüftetes Felsengebirge, das bis ins Meer hinunter reicht.
Les
calanche (korsische Pluralform von calanca : 'fjordartike Bucht') ragen
bis zu 500 m hoch aus dem Meer hinauf. Der gelblich rote, oft sogar ziegelrote
Granit bildet bizarre Formen, in die mit viel Phantasie viele Tiere oder
Fabelwesen hineingedeutet werden können. Ein Fleckerlteppich aus rotem
Granit und grüne Macchia liegt vor und unter uns. Wir kommen nur noch
hundertmeterweise voran, immer wieder wird der Fotoapparat aus dem Rucksack
hervorgekramt. Lästig, dieses Ab und Auf des Rucksacks, mit einer
Lenkertasche wäre es viel einfacher! Etwas weiter oben wieder ein
ungewollter Stop: ein Touristenbus wendet. Augenscheinlich wenden alle
Touristenbusse hier. Das Wendemanöver verlangt vom Busfahrer
Millimeterarbeit ab. Auf die restlichen Verkehrsteilnehmer wird nur wenig
Rücksicht genommen, auf Radler schon gar nicht.
Nach einer kleinen Abfahrt gelangen wir nach Piana. Im Ort gibt es einige Hotels und Fereienwohnungen, die zu einem längeren Aufenthalt in der überaus reizvollen Gegend einladen. Vom Massentourismus ist Piana, zumindet zu dieser Jahreszeit verschont - die Busse wenden ja vorher. Wir genehmigen uns in einem kleinen Café einen munter machenden Espresso. In der nächsten Boulangerie kaufen wir noch ein frisches Baguette, dann geht es weiter.
Nach einem bißchen Ab und Auf folgt vom Bocca di San Martinu eine lange Abfahrt bis zur Bucht von Chiuni. Es ist Mittagszeit. Der ausgedehnte Sandstrand bietet keinen Schatten. Auf einem verwahrlost ausschauenden Grundstück mit einem schrottreifen Wohnwagen als Domizil, finden wir unter einer Pinie ein schattiges Plätzchen zum Picknick, das wir ausgiebig genießen. Als wir unsere Sachen zusammenräumen, fährt ein Auto mit zwei jungen Frauen und einer Schar von Kindern vor; sie betrachten offensichtlich diesen Schrotthaufen von Wohnwagen als ihr Eigentum. Den Hinweis, daß dieser Ort 'privé' sei, können sich die Damen nicht verkneifen. Aber wir sind eh schon im Aufbruch und verlassen das schattige Plätzchen mit einem freundlichen 'bon après-midi'.
Bis Cargèse sind es ungefähr zehn Kilometer, hier bekommen wir unseren Espresso. Zwei tätowierte, schwäbelnde Motorradfahrer beklagen die miserable französische Gastfreundschaft. Wir versuchen, nicht zuzuhören, es gelingt angesichts der Lautstärke ihrer Unterhaltung nicht ganz.
Vor uns liegen noch 13 Kilometer traumhafte Küstenstraße bis Sagone. Flache Sand- und Kiesstrände und Steilküstenabschnitte wechseln sich ab, die Neigung der Hänge ist im Verlaufe des Nachmittags jedoch merklich geringer geworden. Sagone, das ist zunächst ein langer Sandstrand mit einigen Hotels direkt am Meer und auch auf der anderen Seite der Hauptstraße in einer Ebene, die das Flüßchen Sagone aufgeschwemmt hat. Es folgt eine Straßenkreuzung, mit ein paar Häusern herum. Dann ist wieder Ortsende.
Unser Hotel, das U Libbiu ist ein freundliches Familienhotel, es liegt in der Ebene, ca. 300 m vom Strand. Wir verbringen den späten Nachmittag am Swimmingpool. Am Abend finden wir ein gemütliches Restaurant am östlichen Ende des langen Sandstrandes, auf dessen Terasse wir genüßlich speisen.
6. Tag (Tabelle) (Seitenanfang)
Heute geht's zur Sache! Der höchste Straßenpaß Korsikas liegt vor uns. Wir wollen früh aufbrechen, dementsprechend sind wir aufgestanden. Die Besitzerin unseres Hotels fragt uns beim Begleichen der Rechnung nach unserem Tagesziel. Hätten wir nur Ajaccio angegeben! Es hätte uns wertvolle Zeit des Erklärens erspart. Warum fahrt man freiwillig mit dem Fahrrad ins Gerbirge? Mehrmals erkundigt sich die Dame, ob die weibliche Radfahrerin das auch wirklich freiwillig mache. Ein bißchen Proviant bräuchten wir doch, um die Strapazen zu überstehen. Nach langem Reden kommen wir endlich los.
Die ersten sechs Kilometer steigt die Straße, die am Flüßchen Sagone entlang verläuft, nur sachte. Dann beträgt die Steigung bis zum Col St-Antoine duchschnittlich sieben Prozent. Dann kommt ein besonders steiles Stück mit einer Neigung von knapp 20 %. Hier sind wir mit unserer Übersetzung am Ende der Möglichkeiten. Wir machen mehrmals kurz Halt, um zu verschnaufen. Es ist mittlerweile ganz schön heiß geworden, und wir kommen kräftig ins Schwitzen. Lästige Fliegenschwärme umkreisen unsere Köpfe. Die letzten zwei Kilometer zum Col de Sevi werden dann in der prallen Sonne noch anstrengend. Endlich sind wir oben am 1100 Meter hohen Paß.
Der nächste Ort ist Cristinacce, dort wollen wir Mittag machen. In schneller Fahrt lassen wir es die nächsten 7 Kilometer hinunterlaufen. Cristinacce erscheint wie ausgestorben, kein Mensch ist zu sehen, ein Möglichkeit zum Mittagessen schon zweimal nicht. Wir müssen notgedrungen weiterfahren und hoffen, in Evisa Mittag machen zu können. Evisa liegt zwar nicht auf unserem Weg, aber die vier Kilometer Umweg würden wir angesichts der knurrenden Mägen inkauf nehmen. Plötzlich taucht vor uns an einem Campingplatz ein Restaurant auf. Ein leckerer großer gemischter Salat ist das Richtige für hungrige Radler.
Nach einem
weiteren Kilometer Wegstrecke kommen wir auf die Straße von
Porto zum Col de Vergio. Die nächsten zehn Kilometer bis
zur Paßhöhe lassen sich mit einer durchschnittlichen Steigung
von fünf Prozent recht gut fahren. Einzig störend ist der wieder
stärkere Verkehr, vor allem Busverkehr. Am Col de Vergio angekommen,
wimmelt es von busfahrenden Pauschaltouristen, die an einem Verkaufsstand
'Produkte der Region' kaufen oder die freilaufenden Schweine füttern.
Wir wechseln unsere feuchten Trikots und ziehen darüber noch die Windjacken.
Der Himmel hat sich mittlerweile zugezogen, hoffentlich bleibt es trocken.
Jetzt liegen 26 Kilometer Abfahrt vor uns. Mit einer Geschwindigkeit zwischen 30 und 40 km/h gut es zu Tal; das Gefälle ist angenehm, wir müssen nicht sehr häufig bremsen. Zunächst kommen wir durch Castellu di Vergio, eine Ansammlung von Übernachtungsmöglichkeiten und ein paar Skilifte. Jetzt geht es in den Forêt Domaniale de Valdu Niellu. In Albertacce wird die Abfahrt kurz durch eine leichte gegensteigung unterbrochen, dann sind es noch fünf Kilometer bis Calacuccia, unserem Tagesziel. In Calacuccia empfiehlt es sich, ein Hotel fest zu reservieren, da zum einen das Angebot nicht besonders groß ist - das einzig empfehlenswerte Hotel ist das Aqua Viva -, zum anderen gibt es hier viele Wanderer, die ein Dach über dem Kopf suchen. In der Abendsonne sitzen wir auf unserem Balkon und schauen zum Monte Cinto hinüber, mit 2706 Meter der höchste Berg Korsikas. Etwas später finden wir im Ort ein kleines Restaurant, in dem wir unser verdientes Abendessen einnehmen.
7. Tag (Tabelle) (Seitenanfang)
Fragend
blicken wir zum Himmel: Wie wird das Wetter heute? Die höheren Berggipfel
sind von den Wolken verdeckt, von Zeit zu Zeit kommt über uns die Sonne
kurz durch die Wolkendecke.
Die
heutige Etappe bis Corte ist nur knapp 30 Kilometer lang. Wir erwarten,
daß wir gegen Mittag in Corte sind. Kurz nach Calacucia beginnt
eine wilde, zerklüftete Schlucht, die Scala di Santa Regina.
Der Fluß Golo gräbt sich tief in die Granitfelsen ein.
Die Schlucht ist teilweise so schmal, daß die Straße nicht auf
der Sohle, sondern in einiger Höhe an den Felsen entlang geführt
wird. Plötzlich müssen wir bremsen, eine Rinderherde läuft
auf der Straße. Nicht nur die Schweine sondern auch die Rinder laufen
frei in Korsika's Bergwelt herum. Man muß hinter jeder Kurve mit Tieren
rechnen. Nach 15 Kilometern durch die Schlucht ist Ponte Castirla
erreicht. Jetzt ist Schluß mit bergab!
Recht unvermittelt steigt die Straße nach San Michele steil an. Auf der kleinen D18 strampeln wir hoch zum Bocca d'Ominanda, ca. 300 Höhenmeter sind von Castirla zu bewältigen. Nach weiteren 5,5 Kilometern sind wir in Corte angelangt.
Die Festungsstadt Corte gilt als Pflichtetappe auf jeder Korsikatour. Corte ist der ideale Ausgangsort für Bergwanderungen. Der Ort ist nicht nur geographischer Mittelpunkt Korsikas, sondern auch das Symbol seiner bewegten Geschichte. Pasquale Paoli machte Corte für vierzehn Jahre zur Hauptstadt eines freien Korsikas und gründete 1764 eine Universität, die seit ihrer Neugründung 1981 seinen Namen trägt: Università di Corsica Pasquale Paoli. Mehr als 2000 Studenten, ca. ein Drittel der Einwohner dre Stadt, studieren in Corte in der verschiedensten Fachrichtungen.
»Corte
ist ein Binnenstädtchen von einer nicht minder imposanten Lage, als
die korsischen Seestädte haben. Das Panorama der braunen Berge, in deren
Mitte sie liegt, die Zitadelle auf einem unersteiglich schroffen Felsenriff,
geben der Stadt eine männliche und bronzene Physiognomie. Von allen
Seiten erheben sich Berge in mannigfachsten Formen. Nach Norden hin sind
sie niedriger und meist kuppelförmige Höhen, die bebuscht oder
mit Getreidefeldern bedeckt sind. Es sind dies die letzten Absenkungen der
Bergreihe, die die Wasserscheide zwischen dem Golo und dem Tavignanoflusse
bilden und zwei Täler trennen, das Hirtental Niolo und das Tavignanotal.
An der Öffnung des letzteren, wo der Tavignano mit der Restonica
zusammenströmt, liegt Corte. Drei hohe und ganz mit Felsen gepanzerte
Berge beherrschen den Eingang in dieses Gebirgstal; beide Flüsse haben
sich durch tiefe Schluchten ihre Wege gebahnt und rauschen über
Trümmergestein ineinander. Die Zitadelle steht auf einem schwarzen,
ganz schroffen, zackigen Felsen, der über dem Flusse Tavignano aufsteigt.
Mauern, Türme, die alte Stadt, die sie umschließt, alles sieht
schwarz, verwittert, grauenvoll wüst aus und von unablässigem Kampf
zerhauen. Öfter als Belgrad ist dieses Schloß von Corte bestürmt
und verteidigt worden. Man zeigt hier noch die Schießscharte in der
Mauer, aus der die Genuesen den jungen Sohn des korsischen Anführers
Gaffori heraushingen, um den Vater vom Sturm abzuhalten.« (Gregorovius:
Korsika, 1854)
Seit Gregorovius Zeiten mag sich manches verändert haben, ganz unrecht hat er allerdings nicht: auf der felsigen Bergspitze thront nach wie vor die Zitadelle. Der obere Stadtteil im Schatten der Feste präsentiert sich als Gassengewirr zwischen alten, hohen Behausungen; weiter unten dehnt sich die modernere, nicht so malerische, aber ungemein lebhafte Neustadt aus. Von wilden Schluchten durchschnittene Berge, an deren Grund klare, durchsichtige Gebirgsbäche, umschließen Corte kranzförmig.
Wir suchen uns ein Hotel und verstauen unser Gepäck. Den nachmittäglichen Ausflug durch das Restonica-Tal - 10 Kilometer hin und das gleiche zurück - verkneifen wir uns im Hinblick auf die unsichere Wetterlage. Stattdessen bummeln wir ein wenig durch die Stadt und besichtigen die Zitadelle. Hier ist u.a. das korsische Geschichtsmuseum untergebracht. Wohlgemerkt, die korsische Geschicht wird durch die Brille des französischen Nationalstaates dargestellt.
Am Bahnhof von Corte wird noch einmal der dort aushängende Zugfahrplan mit den vorher im Internet eingeholten Information verglichen, um für die morgige Zugfahrt von Vizzavona nach Bastia sicher zu gehen.
Am Abend reißt der Himmel auf und die Sonne kommt hervor. Es wird sogar so schön, daß wir am Place Paoli unter freiem Himmel unser Abendessen einnehmen können. Wieder im Hotel haben wir etwas Schwierigkeiten einzuschlafen, in der Schule gegenüber feiert die Schülerschaft ein lärmendes Fest.
8. Tag (Tabelle) (Seitenanfang)
Am heutigen letzten Tag der Korsika-Rundfahrt stehen nur
rund 35 Kilometer auf dem Programm. Es geht hinauf zum
Vizzavonapaß, der höchste Punkt auf der wichtigen
Straßenverbindung von
Bastia
nach Ajaccio. Wir hatten viel Verkehr erwartet, der aber
glücklicherweise nicht eintrat. Auf einer kleinen Nebenstraße
verlassen wir Corte und fahren hinauf nach Botru, wo wir auf
die N193 treffen. Dieser folgen wir hinauf nach San-Pietro-di-Venaco,
wo wir einen herrlichen Blick in das Vecchiu- und Tavignano-Tal
genießen. Über eine kleine Nebenstraße fahren hinunter nach
Venaco, wo wir etwas Proviant für ein Picknick kaufen. Weiter
geht es durch das Tal des Vecchiu bis zur Pont du Vecchiu, einer 100
Meter hohen und 140 Meter langen Brücke des Eiffelturmkonstrukteurs
Gustave Eiffel.
Es folgt
der letzte Anstieg auf unserer Korsika-Rundfahrt hinauf in Richtung Col
de Vizzavona. In Vivario, dem nächsten Ort, genehmigen wir
uns noch eine kleine Erfrischung. Die nächsten vier Kilometer fahren
wir im dierekten Sonnenschein bis uns dann der Forêt Domaniale
de Vizzavona angenehmen Schatten spendet. Kurz unterhalb des Passes zweigt
eine kleine Straße zum Bahnhof von Vizzavona ab. An einem schattigen
Plätzchen in der Nähe des Bahnhofes machen wir unser Picknick.
Am heutigen Sonntag fahren nur zwei Züge von Ajaccio nach Bastia, einer am Vormittag und der zweite am späten Nachmittag. Jetzt heißt es warten, bis unser Zug kommt. Es herrscht eine etwas seltsame Stimmung am Bahnhof. Ungefähr halbstündlich treffen Leute ein, zumeist Wanderer mit großen Rucksäcken. Sie lassen sich rund um den Bahnhof nieder, sie essen, lesen, schlafen oder diskutieren. Bis zur Ankunft des Zuges ist die Zahl der Wartenden auf ca. 20 angestiegen. Mit 20 Minuten Verspätung erscheint der Zug an der Tunnelöffnung vor der Bahnhofseinfahrt.
Mit einiger Mühe verstauen wir unsere
Räder im Zug, dann beginnt die abenteuerliche Fahrt in teilweise
schwindelerregender Höhe und auf ausgefahrenen Gleisen. Für die
Räder haben wir im übrigen 4 FF mehr bezahlt als für uns selbst.
Der Lokführer hat auf der Strecke bis Corte mächtig zu tun.
Zumeist muß er bremsen, damit der Zug auf der Talfahrt nicht zu schnell
wird. Da wir aber Verspätung haben, wird nach Gefällestrecken
und nach Gleisbögen jede Gelegenheit zur Beschleunigung auf die
zulässige Geschwindigkeit genutzt. In Corte leert sich der Zug,
viele Fahrgäste sind Studenten, die am Sonntagabend von der
Wochenendaufenthalt daheim in die Universitätsstadt zurückkehren.
In Ponte Leccia wartet schon der Anschlußzug nach Calvi. Eine
Gruppe (dicker) Amerikaner müht sich beim Umsteigen mit ihrem umfangreichen
Gepäck ab. Dann geht es in rasanter Fahrt durch das Tal des Golo
in Richtung Ostküste. Bei Casamozza verlassen wir den Golo
und setzen die Fahrt in nördlicher Richtung fort.
Wir steigen in Biguglia aus und sind nach wenigen Kilometern in unserem Hotel, wo wir freundlich begrüßt werden. Mit einem gepflegten Abendessen beschließen wir den Tag.
Rückfahrt
Wir müssen früh aufstehen. Die Abflugszeit ist 10:20 Uhr. Für den Weg zum Flughafen beötigen wir ca. eine Stunde. Zudem sind die Räder in die Kartons zu verstauen. Beim Packen müssen wir daran denken, welche Dinge wir am Flughafen benötigen und was in die zusätzliche Reisetasche umzupacken ist. Ein schnelles Frühstück, dann brechen wir in Richtung Flughafen auf. Wir nehmen den gleichen Weg wie bei der Ankunft.
Am Gepäckausgabeschalter ist (noch) niemand. Wir melden uns am Air France Schalter, dort informiert man eine zuständige Mitarbeiterin, die uns unsere Kartons aushändigt. Nach einer halben Stunden ist alles abflugbereit verstaut. Bei der Aufgabe der Fahrräder sagt man uns, daß die Kartons zu groß für das Fluggerät seien und daß diese leider nicht transportiert werden könnten. Dem Einwand, die Fahrräder seien in den gleichen Kartons und mit dem gleichen Fluggerät auf die Insel gekommen, wird nicht so recht geglaubt. Der herbeigerufene Lademeister vermißt mit einem Dreißig-Zentimeter-Lineal die Fahrradkartons und kommt zu dem Ergebnis, daß diese 5 cm unter dem Ladehöchstmaß liegen und daß die Räder somit mitgenommen werden können. Also doch!
Wir versichern uns vor dem Flugzeug, daß unsere Räder auch wirklich verladen wurden. Dann starten wir in Richtung Nizza. Nach einem gut einstündigen Aufenthalt dort fliegen wir weiter nach München. In der Gepäckhalle werden uns unsere Räder gebracht, wir können sie vor dem übrigen Gepäck in Empfang nehmen. Für die Rückfahrt zu unserer Wohnung haben wir an einem Montagnachmittag leider niemanden, der uns fährt. Der Versuch, ein Auto zu mieten, scheitert, weil keine Mietwagenfirma am Flughafen Transporter vermietet. Also bleibt uns nichts anderes übrig als unsere Räder auszupacken. Die Karton entsorgen wir in einem Altpapiercontainer. Mit der S-Bahn können wir nicht fahren, weil in München zwischen 16 und 18 Uhr ein Fahrradmitnahmeverbot gilt. Bei kühlem regnerischen Wetter radeln wir die 40 Kilometer nach München bis zu unserer Wohnung.
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| Stand: 14. September 2009 |
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