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| Eine anspruchsvolle Radtour in 8 Tagesetappen über insgesamt 549 km durch das südliche Korsika, Tagesetappen zwischen 40 und 109 Kilometern. | |||
| 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag 5. Tag 6. Tag 7. Tag 8. Tag | |||
Streckenabschnitt |
Meeres- |
Entfernung |
Tages- |
Gesamt- |
|---|---|---|---|---|
| Ajaccio - D503/N193 D503/N193 - N193/N196 N193/N196 - Bocca di a Seghia Bocca di a Seghia - N196/D55 N196/D55 - Porticcio Porticcio - D55/D555 D55/D555 - Cruciata Cruciata - Punta di Sette Neve Punta di Sette Neve - Cruciata Cruciata - Ancien Port de Chiavi Ancien Port de Chiavi - Abzw. Campestra Abzw. Campestra - D55/D55a D55/D55a - Col de Cortonu Col de Cortonu - Bocca di Gradello Bocca di Gradello - Bocca d'Arghellaju Bocca d'Arghellaju - Bocca di Chenova Bocca di Chenova - D55/D302 D55/D302 - Bocca d'Aja di Bastiano Bocca d'Aja di Bastiano - D55/D302 D55/D302 - Cognocoli-Monticchi Cognocoli-Monticchi - Pila-Canale Pila-Canale - Canale Canale - Calzola Calzola - Piattone (D457) Piattone (D457) - Filitosa Filitosa - D57/D157 D57/D157 - D157/N196 D157/N196 - Propiano (1. Tagesetappe) |
5 |
6,0 |
6,0 |
6,0 |
| Propriano - Col de Santa Julia Col de Santa Julia - Pont de Rena Bianca Pont de Rena Bianca - Portigliolo Portigliolo - Belvédère Belvédère - Foce di u Poggio Foce di u Poggio - Grossa Grossa - SP d'Alo Bisuje SP d'Alo Bisuje - Bocca di Biccelli Bocca di Biccelli - D21/D48 D21/D48 - D48/D487 D48/D487 - Bocca di Caporosso Bocca di Caporosso - Tizzano Tizzano - Bocca di Caporosso Bocca di Caporosso - D48/D487 D48/D487 - D21/D48 D21/D48 - Bocca Albitrina Bocca Albitrina - Sartène (2. Tagesetappe) |
5 |
1,5 |
1,5 |
101,5 |
| Sartène - Foce di Mezzo Foce di Mezzo - Bocca di Suara Bocca di Suara - Mola Mola - Iena Iena - Pont de l'Ortolo (1) Pont sur Ortolo (1) - Pont de l'Ortolo (2) Pont de l'Ortolo (2) - Seraggia Seraggia - Bocca di Curali Bocca di Curali - Bocca Roccapina Bocca Roccapina - Abzw. Monaciao Abzw. Monaciao - Pianotolli-Caldarello Pianotolli-Caldarello - Pont de Figari Pont de Figari - Col de la Testa Col de La Testa - Étang de Ventilegne Étang de Ventilegne - Bocca d'Arbia Bocca d'Arbia - Foce di Lera Foce di Lera - Col Saint-Roch Col Saint-Roch - Bonifacio (3. Tagesetappe) |
305 |
3,5 |
3,0 |
164,5 |
| Bonifacio - Col Saint-Roch Col Saint-Roch - Col de Parmentile Col de Parmentile - Bocca d'Aresia Bocca d'Aresia - Abzw. Precoggio Abzw. Precoggio - Bocca di l'Oru Bocca di l'Oru - Hameau de Palombaggia Hameau de Palombaggia - Plage de Palombaggia Plage de Palombaggia - Hameau de Palombaggia Hameau de Palombaggia - Foce Incesa Foce Incesa - Piccovagia Piccovagia - Col de Varra Col de Varra - N198 N198 - Porto Vecchio (4. Tagesetappe) |
64 |
1,0 |
1,0 |
221,5 |
| Porto Vecchio - Poretta Poretta - Marina di Fiori Marina di Fiori - D468 D468 - Abzw. D468a Abzw. D468a - San Ciprianu San Ciprianu - Foce Foce - Pinarellu Pinarellu - Ste Lucie-de-Porto-Vecchio Ste Lucie-de-Porto-Vecchio - Bocca di a Parata Bocca di a Parata - Fautea Fautea - Tarcu Tarcu - Col de Guardia Col de Guardia - Favone Favone - Cannella Cannella - Marina di Cala d'Oru Marina di Cala d'Oru - Solenzara (5. Tagesetappe) |
10 |
2,0 |
2,0 |
270,0 |
| Solenzara - Bocca di Larone Bocca di Larone - Fiume Fiume - Col de Bavella Col de Bavella - Foce di Furnu Foce di Furnu - Zonza Zonza - Rau de Criviscvia Rau de Criviscvia - Quenza Quenza - Rau di Codi Rau di Codi - Sorbollano Sorbollano - Serra-di-Scopamène Serra-di-Scopamène - Aullène (6. Tagesetappe) |
20 |
17,0 |
17,0 |
332,0 |
| Aullène - Col de La Vaccia Col de La Vaccia - Abzw. Olivese Abzw. Olivese - Abzw. D428 Abzw. D428 - Zicavo Zicavo - Cozzano Cozzano - Abzw. D28 Abzw. D28 - Col de Verde Col de Verde - Pont de Cassu Pont de Cassu - Ghisoni Ghisoni - Col de Scozzolatojo Col de Scozzolatojo - Col de Sorba Col de Sorba - Col de La Serra Col de La Serra - Col di Campo di Lupo Col di Campo di Lupo - Vizzavona (7. Tagesetappe) |
850 |
11,5 |
11,5 |
386,5 |
Vizzavona - Col de Vizzavona |
910 |
4,0 |
4,0 |
469,0 |
Zeitraum
Die Radtour wurde vom 20. Mai bis 31. Mai 2004 bei schönem Wetter durchgeführt.
Teilnehmer:
Hubert Becker
Uschi Becker
Allgemeine Hinweise
Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäcks sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.
Anreise (20.05.2004)
Die Anreise von München nach Ajaccio erfolgte mit dem Flugzeug mit Zwischenstop in Frankfurt und Marseille. Es gibt zwar im Frühjahr 2004 direkte Flugverbindungen zwischen München und Marseille, laut Auskunft der Lufthansa ist ein Fahrradtransport jedoch wegen der Größe des Fluggerätes nicht möglich. Air France und Compagnie Corse Méditerranée betreiben die Strecke Marseille - Ajaccio im Code-Sharing Verfahren. Tatsächlich durchgeführt wird der Flug von der Compagnie Corse Méditerranée. Auch hier ist es ratsam, die Mitnahme von Fahrrädern rechtzeitig anzumelden und bestätigen zu lassen.
Wie bereits im Vorjahr haben wir unsere Räder nicht in Transportkartons sondern in Transportsäcke verpackt. Zum Transport müssen Lenker und Pedale ummontiert werden. Das ist eine Angelegenheit von Minuten. Über die Rahmenteile (Ober-, Unter- und Sattelrohr sowie Sitz- und Kettenstreben) und die Gabel werden Rohrschalen gestülpt, diese sind im Baumarkt (Wärmedämmung für Heizungs- und Heißwasserrohre) für verschiedenen Rohrdurchmesser erhältlich. Anschließend werden die Räder rückwärts in die Säcke geschoben. Die Säcke werden zum Schluß zugeklebt.
Mit der Bestätigung der Fahrräder auf allen Flügen (hin und zurück) treten wir gut gelaunt und erwartungsvoll die Reise an. Die Fahrräder werden noch ganz normal in der S-Bahn beförder, erst am Flughafen werden sie in die Transportsäcke gesteckt.
Beim Umsteigen in Frankfurt werden wir Augenzeuge, wie unsere Räder von den dortigen Mitarbeitern des Gepäckservices malträtiert werden. Aus einem Meter Höhe werden sie einfach zu Boden fallen lassen. Gespannt nehmen wir in Ajaccio die Fahrräder in Empfang. Wie haben sie den Flug, bzw. das Ein-, Um- und Ausladen, überstanden? Lediglich ein Plastikbefestigungsteil am vorderen Schutzblech war gebrochen. Die geschäumten Rohrschalen und der Schaltwerksschutz hatten schlimmeres verhindert. Da in Ajaccio ein Ersatzteil nicht aufzutreiben war, mußte die Tour ohne vorderes Schutzblech durchgeführt werden.
In Ajaccio haben im Hôtel Spunta di Mare genächtigt, ca. 5 km in Richtung Ajaccio vom Flughafen entfernt. Ein ordentliches Hotel, das auch für unsere Räder einen Unterstellplatz hatte.
Korsika
Die alten Griechen nannten die Insel Kalliste, »die Schöne«. Daraus entstand der heutige Slogan der Tourismuswerbung: »Ile de Beaute«, Insel der Schönheit. Sie macht ihrem Namen alle Ehre: Stille Buchten, weite Strände, rauhe Gebirge mit über fünfzig 2000er und tiefe Schluchten.
Korsika ist die viertgrößte Insel im Mittelmeer. Mit dem 2710 Meter hohen Monte Cinto wird sie auch das "Gebirge im Mittelmeer" genannt. Aus diesem Grund trifft man auf Korsika das im westlichen Mittelmeer übliche Klima mit trockenen, heißen Sommern und milden, regenreichen Wintern nur bis auf eine Höhe von ca. 500 m an. Oberhalb einer Übergangszone, die bis ca. 1000 m reicht, herrscht ein alpines Klima mit Schnee im Winter und relativ regenreichen Sommern.
Im Altertum trieben sich zeitweise die Phönizier und Lybier auf Korsika herum. Kurzzeitig entdeckten die Griechen die Insel, und wenn auch als Verbannungsort für unbequeme Philosophen (Senica hat auf Korsika einige Jahre verbringen müssen). Später setzen sich, wie überall im Mittelmeer die Römer auf der Insel fest. Im Landesinneren widersetzen sich die Korsen der römischen Obrigkeit, wie anschaulich bei "Asterix auf Korsika" nachzulesen ist. Nach zwei Jahrhunderten Byzantinischer Herrschaft verleibt Pippin die Insel dem Frankenreich ein, um sie bald darauf an den hl. Stuhl zu verschenken. Im 11. Jahrhundert wird Pisa die Verwaltung übertragen. Im 13. Jahrhundert gerät Korsika unter die Oberhoheit Genuas. Diese Herrschaft hält ca. 500 Jahre an. In der Mitte des 18. Jahrhundert erheben sich die Korsen unter der Führung von Pasquale Paoli gegen ihre Herren. Die Genuesen werden zwar abgeschüttelt, aus der Revolte gehen die Franzosen als die neuen Besitzer Korsikas hervor. Somit sind wir in der Neuzeit.
Geographisch kann man Korsika in fünf Regionen aufgliedern:
Überblick
Diese Radtour ist keine Spazierfahrt! Ca. 9.000 Höhenmeter sind auf 550 Kilometern zu absolvieren. Ausreichendes Training und Kondition sind für einen unproblematischen Tourverlauf notwendige Voraussetzung. Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, dass die beschriebene Tour ist.
Empfohlenes Kartenmaterial: Michelin Karte No. 90 Maßstab 1 : 200.000, Michelin Régional No. 345 1:150.000 oder IGN (Institut Geographique National) Serie Verte No. 74 Maßstab 1 : 100.000
Beschreibung der Tour
1. Tag (Tabelle)
(Seitenanfang)
21.05.2004
Nach vergeblicher Suche nach einem Ersatzteil für die gebrochene Schutzblechbefestigung lassen wir das Schutzblech zusammen mit dem Verpackungsmaterial im Hotel, das wir für die letzten beiden Tage wieder gebucht haben. Die Route führt auf einer leider recht befahren Straße vorbei am Flughafen Campo dell'Oro heraus aus der Stadt. Wir passieren unseren ersten Paß (Col). Nicht besonders atemberauschend mit seinen 46 m ü. NN. Es werden noch einige Pässe folgen. Kurz nach dem Col de Seghia können wir dann die vielbefahrene Straße verlassen und biegen nach rechts in die D555, wenig später in die D55, ab. Der nächste Ort ist das malerisch gelegene Porticcio. Von hier haben wir einen schönen Blick zurück auf die Bucht von Ajaccio. Weiter geht es am Meer entlang bis zum Pointe de Sette Nave.
In Verghia
ist es Schluß mit lustig. Es beginnt der steile Anstieg in Richtung Coti-Chiavi.
Nach 8 Kilometern erreichen wir den 523 m hohen Col de Cortone, ein wenig
später passieren wir den Col de Gradello. "Col de Gradello",
"Col de Gradella", "Bocca di Gradello" oder
"Bocca di Gradeddu" - man nimmt es hier nicht so genau mit
der Schreibweise der Pässenamen. Grundsätzlich stammt der Begriff
"Col" aus dem Französischen und der Begriff "Bocca"
aus dem Korsischem.
Bocca d'Arghellaju und Bocca di Chenova sind zwei weitere Pässe, die wir innerhalb weniger Kilometer passieren. Zum Bocca d'Aja di Bastiano machen wir einen ein Kilometer langen Abstecher. Danach geht es mehr oder weniger kontinuierlich hinunter ins Tal des Flüßchens Taravo. Ab Calzola folgen wir dem kleinen Sträßchen D457 bis Filitosa.
Die prähistorische Ausgrabungsstätte Filitosa liegt etwas außerhalb des gleichnamigen Ortes. Sie wurde 1954 vom französischen Archäologen Roder Grosjean entdeckt. Grosjean grub und forschte hier bis zu seinem Tod im Jahr 1975. Rund 20 Menhir-Statuen sind entdeckt worden, von denen Filitosa V mit drei Metern Höhe die größte ist. Benannt sind die Menhire mit römischen Zahlen in der Reihenfolge der Entdeckung. Die Fundstätte ist mit einer megalithischen Mauer umfaßt.
Die Megalithiker,
so vermutet Grosjean, sind ein vorderasisches Seevolk, die sich nach einem gescheiterten
Versuch das alte Ägypten zu erobern auf Korsika niedergelassen hat. In
der Mitte von Filitosa befindet sich das Zentralmonument, in dessem Inneren
die Torreaner, die die Megalithiker abgelöst haben, ihre Opfergaben verbrannten.
Im Grabungsmuseum werden die verschiedenen Grabungsepochen erläutert. Filitosa
zählt wohl zu den ältesten Siedlungen auf Korsika. Insgesamt nimmt
der Besuch der mehrere Hektar großen Ausgrabungsstätte etwa eine
Stunde Zeit in Anspruch.
Die Zeit ruft! Es sind noch ca. 20 Kilometer bis Propriano, unserem Tagesziel. Ab Plage du Taravo fahren wir die Küste entlang. Noch einmal zieht es es sich steil hinauf bis zur Einmündung in die N196. Auf den letzten Kilometern herrscht Freitagabendverkehr, d. h. Stop-and-Go in Richtung Propriano. Wir mogeln uns durch die Autoschlange hindurch. Jetzt noch eine Bleibe für die Nacht und der gemütliche Teil des Tages kann beginnen. 1184 Höhenmeter sind es laut Radcomputer heute geworden.
Aus dem ersten Hotel dringt wenig mediterranes heraus. Ein deutscher Reisebus ist dort ausgekippt worden; sächsische und thüringische Laute dominieren. Einige kleinere Hotels sind bereits "complet". Wir kehren zum ersten Hotel zurück. Es ist noch ein Zimmer für uns frei. Die Räder können wir im Konferenzzentrum unterstellen. Nach der Dusche gehen wir am Speisesaal vorbei, in dem Massenandrang herrscht. Zu Fuß in die Stadt in Richtung Hafen, wo wir in einem Straßenlokal unser verdientes Bierchen genießen.
Gegen 9 Uhr abends ist der Speisesaal in unserem Hotel so gut wie leer. Wir
bekommen einen hervorragenden Platz an der Fensterfront in Richtung Meer. Das
Personal ist ganz für uns da. Mit einem sehr guten Abendmenü endet
der erste Tag unserer zweiten Korsikarundfahrt.
2. Tag (Tabelle)
(Seitenanfang)
22.05.2004
die eigentliche Tagesetappe von Propriano nach Sartène wäre nur ca. 30 Kilometer lang. Zusammen mit dem Abstecher zur einsamen Bucht von Tizzano erreichen wir rund 61 Kilometer. Propriano verlassen wir über eine Anhöhe (Col de Santa Julia) und erreichen außerhalb der Stadt die N196, der wir nur kurz bis zur Ponte de Rena Biance folgen. Dann biegen wir nach links in die D121 ab. Wir fahren am kleinen Flughafen von Propriano-Tavaria vorbei. Kurvenreich schlängelt sich die kleine Straße hinauf auf eine Terrasse in 160 m Höhe über dem Meer. Hier liegt der kleine Weiler Belvédère. Jetzt geht es weiter über einen kleinen fast nicht zu bemerkenden Paß (Foce di u Poggio). Grossa, der nächste Ort, ist schon ein bißchen größer. Viel gibt es hier auch nicht zu sehen. Hier gibt es zwar die Kirche San Giovanni Battista aus dem frühen 12. Jahrhundert. Sie wird jedoch seit dem 19. Jahrhundert landwirtschaftlich genutzt. Wie gesagt, zu sehen gibt es nicht viel.
In dieser Gegend gibt
es ziemlich viele Fundstätten von Hinkelsteinen (Menhiren). Im Vergleich
zu Filitosa sind sie jedoch klein und unbedeutend. Nach dem nächsten
Paß, Bocca die Bicelli, beginnt die Abfahrt in Richtung D48 (Sartène
- Tizzano). Wie bereits gesagt, könnten wir nach links in die D48
abbiegen und würden in kürzester Zeit Sartène erreichen.
Wir biegen aber nach rechts ab und fahren in Richtung Tizzano, dass wir
nach 17 Kilometern erreichen. Die Bucht von Tizzano liegt wunderschön
ruhig. Erste größere Bauvorhaben sind in der Realisierungsphase.
Wie lange noch wird diese Bucht noch so bleiben?
In einer kleinen Taverne direkt am Wasser essen wir zu Mittag: mit Fisch, gut aber relativ teuer. Anschließend verbringen wir eine gute Stunde am Strand, Seele baumeln lassen und Kräfte sammeln für die bevorstehenden Bergetappen. Es sind nur wenige Leute am Strand. Die Wassertemperatur liegt noch unter 20° C und nur wenige Leute wagen sich ins Meer.
Der Rückweg zurück ist bekannt. Kurz vor Sartène, an der Einmündung in die N196, überfahren wir noch den Bocca Albitrina. Vom Hôtel "les Roches" haben wir einen ausgezeichneten Ausblick auf das umgebende Bergland. Sartène ist vom Charakter korsisch geblieben: »la plus corse des villes corses«. Nicht direkt am Meer liegend hat die rund 6.000 Einwohner umfassende Stadt nicht viel mit Tourismus zu tun. Dem Boccia- oder (französisch) Boule-Spiel wird mitten in der Stadt nachgegangen. Der ausgiebige Passaggio der Leute am Abend erinnert an die lange von Italien beeinflußte Tradition.
3. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 23.05.2004
Die heutige Etappe ist mit Ausnahme des ersten Anstiegs relativ flach; 658 Höhenmeter hat der Fahrradcomputer berechnet. Um Sartène zu verlassen, wählen wir die kleine D50 und nicht die stärker befahrene N196 Über den Foce die Mezzo und den Bocca di Suara geht es hinunter ins Tal des kleinen Flüßchens Ortolo. Korsika ist insgesamt dünn besiedelt, aber hier haben wir auf den ersten 20 Kilometern nur ein halbes Dutzend Häuser gesehen. Ab Pont d'Ortolo folgen wir der N196.
Nach wenigen
Kilometern Fahrt haben wir wieder Meeresblick. Von der Bocca di Curali
kann man hinunter fahren in die Bucht Cala di Roccapina. Über die
Bucht mit einem feinen, flachen Sandstrand ragt das Felsmassiv »Lion
de Roccapina« (s. Foto nebenan). Auf dem langen Felsrücken thront
eine Felsformation, deren Form einen Löwen darstellen soll. Etwas Phantasie
braucht man zum Erkennen des steinernen Tieres schon.
Wir sind im südlichsten Teil Korsikas angekommen. Die N196 ist die einzige durchgehende Straße zwischen Küstenlinie und den Montagne di Cagna, die eine Höhe von 1300 Metern erreichen. Der nächste größere Ort ist Piantolli-Caldarello, ein Nest mit ca. 700 Einwohnern. Fluglärm verraten den etwas landeinwärts gelegenen Flughafen Figari-Sud-Corse. Es ist neben Bastia und Ajaccio der dritte Flughafen Korsikas, der regelmäßig von Marseille und Nizza sowie von Charterfliegern angeflogen wird. In der Bucht von Figari finden wir ein sonniges Plätzchen am Strand, wo wir uns zum Picknick niederlassen. Es ist recht windig, so dass die direkte Sonneneinstrahlung nicht unangenehm ist. Man muß aber trotzdem aufpassen, denn die UV-Intensität ist unvermindert groß. Nach einer ausgiebigen Mittagspause geht es weiter in Richtung Bonifacio.
Auf dem Weg
dorthin sind noch ein paar Cols zu nehmen, der Bocca d'Arbia ist mit
127 m ü. NN der höchste. Das Département Corse-du-Sud
ist dasjenige mit den meisten extrem niedrigen Pässen, der Col de Guardia
ist mit 19 m der niedrigste in ganz Frankreich. Auf den letzten Kilometern,
nach dem Bocca d'Arbia, ist die B198 langweilige, weil schnurgerade.
Noch ein Kreisverkehr, wir biegen nach rechts in Richtung Bonifacio ab.
Wo übernachten? Am Hafen oder in der Oberstadt? Wir fahren erst einmal
hinauf in die Oberstadt. Die Hotels dort sagen uns nicht besonders zu oder sind
bereits ausgebucht. Zurück zum Hafen. Wir landen im Hôtel du Roy d'Aragon,
ein gemütliches Mittelklassehotel. Wir werden hier zwei Nächte bleiben,
weil wir uns am folgenden Tag Bonifacio und Umgebung anschauen wollen.
Am Port de Plaisance (Yachthafen) reiht sich ein Hotel und Restaurant ans andere: Die Auswahl ist groß, die Preise im Vergleich zu den bisher besuchten Stätten Korsikas auch. Wir finden dennoch ein Restaurant, in dem Preis und Leistung zusammenpassen. Wir lassen den Abend gemütlich ausklingen. Am nächsten Morgen können wir ein bißchen länger schlafen..
Ruhetag 24.05.2004

Bonifacio
liegt strategisch günstig auf einer kleinen Halbinsel, hoch auf steilen
Klippen über dem Meer. Seinen Namen erhielt die Stadt von ihrem Gründer,
dem Grafen Bonifacio aus Lucca, der hier im Jahr 828 n. Chr. eine erste Befestigungsanlagen
zum Schutz gegen die Sarazenenüberfälle errichten ließ. Während
er pisanischen Herrschaft über Korsika (1077-1133) blieb Bonifacio weitgehend
unabhängig. Erst den Genuesen, die anschließend Korsika beherrschten,
gelang durch eine List die Einnahme von Bonifacio. 1420 belagerte der
König von Aragon Bonifacio, im gelang jedoch nicht die Einnahme. Die berühmte
Treppe, die über die Klippen hinauf in die Stadt führt, wird dem König
von Aragon zugerechnet, er soll bei der fünfmonatigen Belagerung in einer
einzigen Nacht die 187 Stufen in die Steilwand schlagen haben lassen, um die
Stadt zu bezwingen. Wahrscheinlich ist sie jedoch älter, den Namen »Treppe
des Königs von Aragon« trägt sie zu Unrecht. Die Bewohner hielten
der fünfmonatigen Belagerung stand, so behaupten andere - weil die
in die Steilküste gehauene Treppe die Wasserversorgung gewährleistet
hat.
Vom Port de Plaisance gelangt man über den Col Saint-Roch durch das Genuesertor (Porte de Gênes) in die Altstadt von Bonifacio. Die Stadt stellt sich als geschlossenes Ensemble dar, mit engen Gassen, teilweise Treppengassen, und schmalen Häusern. Ist der der Platz hier oben auf den Klippen sehr begrenzt. Ein paar Palais und die Kirche Sainte-Marie-Majeure sind sehenswert. Besonderen Reiz wegen seiner exponierten Lage hat jedoch die mächtige Bastion de l'Etendard, die bis 1983 von der Fremdenlegion genutzt wurde. Vor dem Eingang befindet sich ein pathetisches Monument, das die Legion 1963 aus Algerien mitgebracht hat. Seit 1984 ist die Bastion gegen Eintrittsgebühr für den Besucher geöffnet.

Beeindruckend
ist die Aussicht von der Spitze der Halbinsel über der Grotte Saint-Antoine:
links die Bucht, rechts das Meer und die steilen Klippen der korsischen Südküste,
die sich bis zum Capo Pertusato, dem südlichsten Punkt Korsikas
hinziehen. Am Horizont ist Sardinien zu erkennen. Die Überfahrt mit der
Fähre von Bonifacio nach Santa Teresa di Gallura dauert
ca. eine Stunde.
Empfehlenswert ist ein Bootsausflug mit einem der vielen Boote, die im Port de Plaisance angeboten werden. Man fahrt durch die Bucht, vorbei an den mächtigen Befestigungsanlagen, hinaus aufs Meer. Das Boot fährt dann hinein in die Sdraganato-Grotte (Drachengrotte), der Felsspalt, der sich über der Grotte öffnet, hat die Form einer Landkarte von Korsika. Dann fährt man den Klippen und der L'Escalier du Roi d'Aragon vorbei und passiert somit die gesamte Meeresfront von Bonifacio. Auf einigen Felsvorsprüngen in den Klippen stehen Jugendliche, um immer dann, wenn ein Boot vorbeikommt, aus 10 Meter Höhe ins Meer zu springen.
Am Nachmittag fahren wir dann mit dem Fahrrad zum Strand von Amanza, einfache Wegstrecke 8 Kilometer. An der gleichnamigen Bucht genießen wir das schöne Wetter.
4. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 25.05.2004
die
heutige Tagesetappe ist mit knapp 50 Kilometern eher als geruhsam zu bezeichnen.
Wir verlassen Bonifacio in nördlicher Richtung auf der N198. Wieder
sind ein paar Mini-Cols zu überqueren: Col de Parmentile (45 m),
Bocca d'Aresia (69 m) und Bocca dell' Oro (63 m). An der Punta
di l'Oro verlassen wir die N198 und folgen der kleinen D859. Kurz vor Piccovaggia
biegen wir nach rechts in eine kleine Stichstraße zum Meer ab, diese führt
uns direkt zum Page de Palombaggia.
Der Strand von Palombaggia ist einer der landschaftlich schönsten Strände Korsikas. Er ist von roten Felsen umgeben und wird von einem Kiefernwald geschützt. Nirgendwo sonst auf der sind die Strände so weiß und weich. Die kleinen, aus rotem Sandstein bestehen Felsvorsprünge gliedern den langen Strand in mehrere kleinere Abschnitte. Vor der Küste liegen die unbewohnten Îles Cerbicale, die zum Naturschutzgebiet erklärt wurden.
Bei einem ausgedehnten Picknick unter den Schatten spendenden Pinien am Strand vergeht die erste Hälfte des Nachmittags. Nach der ausgiebigen Pause fahren wir über die abwechslungsreiche D859 weiter in Richtung Porto-Vecchio. Zwei kleine Anstiege, Foce Incesa und Col de Varra, sind noch zu überwinden. 47,5 Kilometer und 527 Höhenmeter sind heute zusammengekommen.
In Porto-Vecchio, an der gleichnamigen Bucht gelegen, laufen seit einigen Jahren Fähren an, vornehmlich aus Civitavecchia und Neapel. Mit dem nach deutschen Besitzern lautenden Hotel Holzer haben wir gute Erfahrung gemacht.
Porto-Vecchio verblaßte lange Zeit im Schatten von Bonifacio. Erst seit der Trockenlegung der Sümpfe durch die amerikanischen Truppen 1944 expandierte die Stadt. Porto-Vecchio ist Zentrum der Salz- und Korkproduktion. Die Stadt wurde 1539 mit der Grundsteinlegung der Zitadelle von der genuesischen Bank des hl. Georg faktisch gegründet.
Auf dem Place de la République gönnen wir uns erst einmal ein Bierchen. Dann schlendern wir durch die kleinen Gassen und schauen uns die Auslagen der zahlreichen Geschäften und Boutiquen an. Ein ausgiebiges Abendessen schließt den Abend ab.
5. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 26.05.2004
Der
heutige Tag verspricht, heiß zu werden. Macht nichts, wir haben Zeit.
Die heutige Streckenlänge entspricht der von gestern, die Höhenmeter
sind mit 295 m noch etwas geringer als gestern. Heute ist der letzte dieser
'flachen' Tage. Auf dem Wochenmarkt am Hafen von Porto-Vecchio decken
wir uns mit Proviant ein. Was dort nicht zu bekommen ist, kaufen wir im nahe
gelegenen Supermarkt. Auf der D468 fahren rollen wir in Richtung Pinarellu.
Schnell ist die Bucht von Pinarellu erreicht.
Wir
suchen uns ein schattiges Plätzchen am Strand. Ein waagerechter Baumstamm
dient uns als Tisch und Sitz. Mit geübten Griffen sind die Austern rasch
geöffnet. Wir genießen die Wärme, das Meer und das Picknick.
Heute ist noch Urlaub, ab morgen ist Arbeit angesagt.
Wir müssen noch nicht weiter, aber wenn wir weiter hier so faulenzen, dann haben wir gar keine Lust mehr, aufs Rad zu steigen. Der Ort Pinarellu ist schnell abgehakt: Hotels, Ferienwohnungen, Campingplätze. Alles jedoch in phantastischer Umgebung. Es folgt ein Anstieg bis Ste-Lucie-de-Porto-Vecchio. Dann gibt es zur N198 keine Alternative mehr. Der Küstenabschnitt ab Fautea bis Solenzara zählt zu den Highlights auf Korsika. Zwei irre Pässe (Cols) sind auch noch zu bezwingen: Bocca di a Parata (27 m) und Col de Guardia (19 m). Bald ist Solenzara, das Etappenziel, erreicht
Solenzara, ein aufstrebendes Dorf, in dessen Name sole (Sonne) mitschwingt, hat einen hübschen Yachthafen. Der Ort liegt am Übergang zwischen der östlichen Ebene und der kristallenen Küste des Golfes von Porto-Vecchio. Er wird von Badegästen, die die langen flachen Sandstrände schätzen, gleichermaßen besucht wie von Wanderern, die durch die naheliegenden Berge streifen. Unser Hotel, La Solenzara, ist ein aufstrebendes Haus, oberhalb des Strandes gelegen, mit eigenem Swimming-Pool und gediegenem Garten. Das Gemäuer ist genuesisch und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Wir verbringen den späten Nachmittag am Swimmingpool.
Bei ausführlichen Telefonaten bezüglich der Unterkunft am nächsten Tag in Aullène verbreitet sich mehr und mehr die Ernüchterung, dass an unserem geplanten Etappenziel kein freies Hotelzimmer mehr zu ergattern ist. Die Nachfrage ergibt, dass auch alle bekannten Gîtes und sonstigen privaten Zimmer bereits belegt sind. Die Suche wurde in Richtung Zicavo erweitert, auch hier Fehlanzeige. Weiter als Zicavo wollten wir nicht fahren. Jetzt orientiert sich die Suche rückwärts: in Zonza werden wir fündig. Diese Lösung bedeutet, dass wir am nächsten Tag nur ca. 40 Kilometer zurücklegen werden, die restlichen geplanten 20 Kilometer müssen wir am übernächsten Tag zusätzlich zu den ohnehin schon anstehenden 90 Kilometern fahren müssen. Die Höhenpläne geben die tatsächlich am jeweiligen Tag gefahrenen Entfernungen, die Tabelle am Seitenanfang die Planung wieder.
Am Abend finden wir ein eigentümliches Restaurant am nördlichen Ende von Solenzara, das von Demoiselles fortgeschrittenen Alters geführt wird.
6. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 27.05.2004
Heute geht's zur Sache! der Col de Bavella liegt vor uns. Wir verlassen Solenzara auf der N198 in nördlicher Richtung. Kurz vor der Brücke über das Flüßchen La Solenzara biegen wir nach links in die D268 ab. Ab jetzt geht's bergauf, zunächst noch gemächlich. Am Ufer des Flusses, der sich durch sein Kiesbett schlängelt, haben sich zahlreiche Ausflügler niedergelassen.
Plötzlich stehen wir vor einer Straßensperre: Durchfahrt wegen Bauarbeiten verboten! Was ist los? Kommen wir mit dem Fahrrad trotzdem durch? Wir erkundigen uns bei Moterradfahrern, die den gesperrten Abschnitt befahren haben. Am Bocca di Larone sei eine Baustelle, die mit Zweirädern nach Absprache mit den Bauarbeitern jedoch passiert werden könne. Wir fahren weiter. Jetzt geht es richtig bergauf, auf circa fünf Kilometern sind ungefähr 450 Höhenmeter zu überwinden, was einer durchschnittlichen Steigung von 9 Prozent entspricht. Kurz vor der Paßhöhe erreichen wir dann die Baustelle. Es wird auf einer Länge von 30 Metern am einer Stützmauer gearbeitet, die die Straße nach unten sichern soll. Die Bauarbeiter winken uns durch, zwischen Betontransportfahrzeug und Böschung schieben wir unsere Räder durch die Baustelle.
Auf den nächsten drei Kilometern folgt eine Abfahrt, hundert schöne Höhenmeter sind wieder futsch! Fünf Kilometer weiter beginnt der Aufstieg zum Col de Bavella, oder auch Bocca di Bavedda, wie wie es auf dem Paßschild geschrieben ist. Neun Kilometer lang ist die Auffahrt, die durchschnittliche Steigung beträgt fast 8 Prozent.
Es beginnt leicht zu regnen. Der erste Regen seit wir auf Korsika sind. In der Auberge du Col de Bavella, kurz vor der Paßhöhe gelegen, nehmen wir einen Imbiss zu uns. Inzwischen regnet es stärker, wir sitzen glücklicherweise im trockenen. Nach einiger klingt der Regen ab und wir brechen auf.
Nach ein paar hundert Metern erreichen wir die Paßhöhe. Ein Bus hat seine Touristenladung ausgekippt. Die Franzosen bestaunen uns, als seien wir von einem anderen Stern. Offenbar kennen diese Leute das Radfahren in den Bergen nur von der Tour de France.
Auf einem Felsenhaufen steht eine kitschige, weiße Marienstatue. Sie ist das begehrteste Fotomotiv hier oben. Leider ist die Aussicht wegen der tief hängenden Wolken nicht so besonders. Von einem früheren Aufenthalt her weiß der Verfasser jedoch, wie schön die Umgebung des Passes ist. Nach dem üblichen Paßfoto machen wir uns an die Abfahrt. Immer wieder geraten wir in kurze Regenschauer. Bald ist Zonza, unser unfreiwilliges Etappenziel erreicht. Auf der heutigen, mit 40 Kilometern kurzen Etappe waren 1387 Höhenmeter zu bewältigen.
Im Hôtel L'Aiglon hatten wir am Vortag telefonisch reserviert. Das Hotel liegt mitten im Ort, die Zimmer ordentlich, das Restaurant ist liebevoll mit allerlei antiquarischem eingerichtet. In dem kleinen Ort, der auf knapp 800 m Höhe liegt, gibt es noch fünf weitere Hotels. Zonza, Kreuzung von vier Straßen, liegt im Bergrelief Alta Rocca, es ist umgeben von einer spektakulären Landschaft: von Kiefern und Kastanien bewaldete Hügel und die in den Himmel ragenden Bergspitzen des Bavella-Massivs.
7. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 28.05.2004
Heute haben eine lange Etappe mit drei längeren Anstiegen vor uns. Wir müssen
früh aufbrechen. Fertig gepackt stehen unsere Räder vor dem Hotel. Endlich macht das Restaurant des Hotels auf und wir können frühstücken.
In nordwestlicher Richtung verlassen wir Zonza auf der D420. Bis zur Brücke über den Rau de Criviscia geht's bergab. Es folgt ein Anstieg hinauf nach Quenza, von wo es sofort wieder hinunter geht. Bis Aullène sind dann noch einmal 200 Höhenmeter zu überwinden.
Der kleine Ort Aullène ist wie viele andere Gebirgsorte Korsikas stark von Bevölkerungsschwund betroffen. Gab es 1962 noch 334 Einwohner, so sind es heute nur noch ca. 130. Wir fahren am Hôtel de la Poste vorbei, das wir ursprünglich in unserer Reiseplanung als Etappenziel ausgesucht hatten. Es war aber ausgebucht, wie bereits erwähnt. Die Kanzel der Ortskirche soll sehenswert sein, angesichts des Tagesplans können wir für einen Besuch keine Zeit opfern. »Augen zu und durch!«
Es
folgt der Anstieg zum Col de La Vaccia. Er ist mit 11 Kilometern und
ungefähr vier Prozent durchschnittlicher Steigung ganz gut zu fahren Lediglich
die Lage nach Süden und die baumlose Umgebung heizen bei entspechenden
Witterungsbedingungen ein. Diese haben wir heute. Es ist heiter, fast wolkenlos,
Temperaturen um 25 ° C. Nach diesem kargen, steinigen Col folgt eine lange
Abfahrt hinunter nach Zicavo. Hier hätten wir die Möglichkeit,
gleich in westlicher Richtung nach Ajaccio abzubiegen. Angesichts der
Stimmung und der Witterungsbedingungen fahren wir in nördlicher Richtung
weiter, wie geplant.
In Cozzano machen wir Mittagsrast. Eine kleine Pizzeria mit Tischen am Straßenrand lädt zum Essen ein. Wir sitzen noch nicht lang, da treffen einige sog. Biker ein, die mit dem Motor am Fahrrad. Die Kisten hatten wir bereits bei der Abfahrt in Zonza gesehen, sie standen vor dem Nachbarhotel. Die Fahrer kommen, was unschwer am Dialekt zu erkennen ist, aus dem bayerischen Oberland, die Nummernschilder an den Kisten haben nicht die Unwahrheit gesagt. Ein paar Worte untereinander, die Welten sind doch zu unterschiedlich.
»Wir brechen zuerst auf. Wenig später etwas viel Motorenlärm und Gehupe, die Motorbiker passieren uns. Zum Col de Verde sind knapp 700 Höhenmeter zu absolvieren, es ist nicht besonders steil, aber es zieht sich über rund 13 Kilometer. Irgendwann ist auch dieser Col bezwungen. Jetzt sind wir für wenige Kilometer im Département Haute-Corse. Die Teilung Korsikas in zwei Départements wird zukünftig Geschichte sein. Die französische Nationalversammlung hat beschlossen, die erst 1975 eingeführte Teilung Korsikas in zwei Départements wieder rückgängig zu machen.
Kurvenreich
geht's hinunter nach Ghisoni. Wir fahren gar nicht richtig in den Ort
hinein, wir halten uns nach links in Richtung Col de Sorba, mit 1311
m ü. NN das Dach unserer Korsikatour. Im schattigen Wald steigt es doch
recht kräftig. Wir müssen schon die letzten Kraftreserven mobilisieren.
Auf der Abfahrt nach Norden in Richtung Vivario durchfahren wir eine
Mondlandschaft, der Hang ist vor einigen Jahren abgebrannt.
Wir fahren nicht ganz hinunter bis Vivario; am Col de La Serra biegen wir nach links ab in Richtung Vizzavona. Die nun vor uns liegende Strecke bis Vizzavona kennen wir schon von unserer ersten Korsikatour im Jahr 2000. Ein späterer Vergleich mit dem Kalender zeigt, dass wir diese Straße auf den Tag genau vier Jahre zuvor gefahren sind. Nur liegt dieses Mal wesentlich mehr Schnee in den Bergen.
Am Bahnhof von Vizzavona ist unser heutiges Ziel erreicht. 110 Kilometer und 2111 Höhenmeter sind geschafft.
Das Hotel Monte d'Oro ist sauber, aber einfach. Hier dominierenden Wanderer, die nach vielen Tagen in kärglichen Hütten mal etwas mehr Komfort haben wollen. Einige Wanderer bestätigen im Gespräch, dass in diesem Jahr für die Jahreszeit noch ungewöhnlich viel Schnee in den Bergen liegt und dass sie Probleme beim traversieren der Schneefelder hatten.
Nach diesem langen Tag auf dem Sattel gehen wir zufrieden ins Bett und schlafen uns für den nächsten, nicht minder schweren Tag aus. Möge das Wetter uns weiter gewogen sein.
8. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 29.05.2004
Am heutigen letzten Tag der Korsika-Rundfahrt sind noch einmal 84 Kilometer zu absolvieren. Zunächst geht es hinauf zum Vizzavonapaß, der höchste Punkt auf der wichtigen Straßenverbindung von Bastia nach Ajaccio. Der Verkehr ist am heutigen Samstag lebhaft. In Bayern und Baden-Württemberg haben die Pfingstferien begonnen. Die Passhöhe ist mit reichlich Passschildern bepflastert: Col de Vizzavona, Bocca di Vizzavona, Foce di Vizzavona. Dieser Übergang zwischen den beiden Zweitausendern Monte d'Oro und Monte Renoso war von alters her ein wichtiger Pass zwischen dem nordwestlicher Haute-Corse und südwestlichen Corse-du-Sud. Die Genueser errichteten am Pass ein Fort, um sich gegen Einfälle der Korsen aus den Bergen zu schützen. Die Abfahrt auf der Westseite nach Bocognano führt durch eine grandiose Landschaft.
In
Bocognano kaufen wir für ein Picknick ein. Aus der örtlichen
Bäckerei duftet es lecker nach Baguette. Nach weiteren sieben Kilometern
auf der N193 verlassen wir dieselbe und biegen nach links in Richtung Tavera
und Col de Scalella ab. Unvermittelt steigt die Straße steil an,
im zweistelligen Prozentbereich zieht es sich weiter bis Tavera. Wir haben keine
Hoffnung, dass die Steigung wesentlich flacher wird. Je weiter wir uns der Passhöhe
nähern, desto mehr trübt es sich ein. Wir verschieben unser Picknick
und machen uns unverzüglich an die Abfahrt nach Bastelica.
Hier
ist es schon wieder etwas freundlicher. Über den Col de Menta fahren
wir weiter zum Stausee von Tolla. Wir finden ein schönes Plätzchen
für unsere verspätete Mittagspause.
Noch ein letzter Pass, der Col de Mercujo, und dann geht's im Prinzip nur nur bergab bis Ajaccio. Bei Bastelicaccia, kurz vor Ajaccio, treffen wir wieder auf die vierspurige Hauptstraße N196. Hier unten am Meer scheint die Sonne und es schön warm. Kaum zu glauben, dass ein paar Kilometer in den Bergen dicke Wolken hingen. Bis zu unserem Hotel ist es nicht mehr weit.
Unsere Rundfahrt ist hiermit zu Ende. Der heutige Tag hat dann exakt 83,77 Kilometer und 1325 Höhenmeter gebracht. Insgesamt waren es 549 Kilometer und 8858 Höhenmeter.
Frisch geduscht machen wir uns zu Fuß auf den Weg ins Zentrum von Ajaccio. Wir lassen uns vor einer Bar nieder, um das Feierabendbierchen zu genießen. Dann geht's weiter. Das Zentrum ist voller Menschen. Was für ein Unterschied nach der Beschaulichkeit in den Bergen! Wir haben etwas Mühe ein Restaurant für das Abendessen zu finden, die Auswahl ist einfach zu groß. Der Rückweg ins Hotel zieht sich, es sind schätzungsweise drei Kilometer. Müde fallen wir ins Bett.
Reservetag 30.05.2004 Besichtigung von Ajaccio und Umgebung
Ajaccio
liegt an einer wunderschönen Bucht, die sich von den Iles Sanguiniers
bis zum Putte di a Castagna erstreckt. Wären da nicht diese Betonkästen,
die sich oberhalb der Altstadt am Hang entlang ziehen. Die Erinnerung an Napoléon
I. ist in seiner Heimatstadt überall präsent. Stellvertretend sei
hier nur das Bonaparte-Haus in einer kleinen Gasse in der Altstadt erwähnt.
Der kleine Tino Rossi Hafen mit seinen Fischerbooten ist von Palmen umgeben. Von mehreren Restaurants kann man das Treiben im Hafen beobachten. Im Großen Hafen der Admiralität liegt das Clubschiff Aida. Im Laufe des Tages werden wir noch zahlreiche Aida-Fahrräder sehen, mit denen die Clubschiffer Ajaccio und Umgebung besichtigen.
Wir haben uns auch entschlossen, Ajaccio mit unseren Rädern zu erkunden. In der Innenstadt fahren und schieben wir abwechselnd durch die kleinen Gassen und die Fußgängerbereiche. Am Markt wird noch etwas für ein Picknick eingekauft. Dann fahren die nördliche Bucht entlang bis zum Tour de la Parata. Dort lassen wir uns in Strandnähe nieder. Nach dem Picknick genießen wir die Sonne und lassen die Seele baumeln.
Am Abend gehen wir wieder zu Fuß in die Stadt. Wir kommen an der gleichen Bar wie am Vortag vorbei. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, wir genehmigen uns wieder ein Bierchen. Anschließend essen wir schön zu Abend. Den langen Weg zurück zum Hotel wollen wir jedoch nicht wieder zu Fuß absolvieren. Wir versuchen, ein Taxi zu bekommen. Fehlanzeige! Nirgendwo sehen wir ein Taxi. Ob Ajaccio wohl "taxifreie Zone" ist? Wir laufen. An der uns bekannten Bar fragen wir den Wirt bezüglich eines Taxis um Hilfe. Dieser bietet an, da er ohne gleich seine Bar zuschließt, uns mit seinem Wagen ins Hotel zu fahren. Bei Stammgästen, sagt er, muß man ja schließlich gastfreundlich sein. Wir bedanken uns für diesen tollen Service.
Rückfahrt
Wir müssen früh aufstehen. Die Abflugzeit ist um 07:00 Uhr. Für den Weg zum Flughafen benötigen wir ca. zehn Minuten. Zudem sind unsere Räder noch reisefertig zu machen und in den Plastiksäcken zu verstauen. Beim Packen müssen wir daran denken, welche Dinge wir am Flughafen benötigen und was in die zusätzliche Reisetasche umzupacken ist. Ohne Frühstück brechen wir in Richtung Flughafen auf. Wir nehmen den gleichen Weg wie bei der Ankunft.
Am Air France Schalter sagt man uns, daß man uns nicht bis München durchchecken könne, weil unsere Buchung von Marseille nach München papierlos (ETIX) sei und Air France auf diese Daten nicht zugreifen könne. Also werden wir nur bis Marseille eingecheckt. Unsere Räder werden problemlos abgefertigt. Wir müssen diese jedoch in Marseille wieder in Empfang nehmen.
In Marseille haben wir knapp fünf Stunden Aufenthalt. Dieser sollte dazu genutzt werden, um ins Zentrum von Marseille zu fahren. Doch dieser Plan zerschlägt sich, weil bei der Ankunft der Lufthansaschalter nicht geöffnet ist. Gegen Mittag soll er geöffnet werden. Uns bleibt nichts anderes übrig, als am Flughafen die Zeit totzuschlagen. Wieder geht es über Frankfurt, weil die Fluggeräte von Marseille nach München keine Räder mitnehmen können.
Gegen 17.00 Uhr sind wir dann wieder sicher in München. Bis wir unsere Räder in Empfang nehmen können und sie dann wieder fahrbereit sind vergeht noch ein bißchen Zeit, so dass wir nach 18:00 Uhr in der S-Bahn in Richtung Stadtmitte sind.
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