| Eine Pässerunde durch die Dolomiten in 3 Tagesetappen über 175 km. Tagesetappen zwischen 53 und 65 Kilometern. | |
| 1. Tag 2. Tag 3. Tag | |
|
Streckenabschnitt |
Meeres- |
Entfernung |
Tages- |
Gesamt- |
|---|---|---|---|---|
| Brixen/Bressanone
- Sant'Andrea Sant'Andrea - St. Jakob St. Jakob - St. Georg St. Georg - Berghotel Vallazza Berghotel Vallazza - Einm. SP163 Einm. SP163 - Halsl / Pso Rodella (IT-BZ-1863) Halsl / Pso Rodella - Brücke Schartenbach Brücke Schartenbach - Würzjoch (IT-BZ-1992) Würzjoch - Untermoi Untermoi - St. Martin i. Thurn St. Martin i. Thurn - Einm SS244 Einm SS244 - Pederoa Pederoa - Pedraces Pedraces - Stern Stern - Corvara (1. Tagesetappe) |
561 |
7,6 |
7,6 |
7,6 |
| Corvara
- Passo di Campolongo (IT-BL-1875) Passo di Campolongo - Arabba Arabba - Passo Pordoi (IT-BL-2239) Passo Pordoi - Abzweig Canazei Abzweig Canazei - Sella Joch (IT-BZ-2244) Sella Joch - Abzw. Wolkenstein Abzw. Wolkenstein - Grödner Joch (IT-BZ-2121) Grödner Joch - Abzw. Wolkenstein Abzw. Wolkenstein - Wolkenstein (2. Tagesetappe) |
1550 |
5,8 |
5,8 |
71,2 |
|
Wolkenstein - Santa Cristina |
1596 |
4,2 |
4,2 |
122,1 |
Zeitraum
Die Radtour wurde vom 6. Juni bis 8. Juni 2003 bei schönem Wetter durchgeführt.
Teilnehmer:
Hubert Becker
Uschi Becker
Allgemeine Hinweise
Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäcks sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.
Überblick
Diese Radtour ist keine Spazierfahrt, ca. 4.400 Höhenmeter sind auf 175 Kilometern zu absolvieren! Ausreichendes Training und Kondition sind für einen unproblematischen Tourenverlauf notwendige Voraussetzung. Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, dass die beschriebene Tour ist.
Empfohlenes Kartenmaterial: Die Generalkarte Südtirol-Dolomiten-Trentino (1:200.000), freytag&berndt WKS 1 "Bozen - Meran" (1:50.000), freytag&berndt WKS 3 "Pustertal - Bruneck - Drei Zinnen" (1:50.000), freytag&berndt WKS 4 "Sterzing - Jaufenpass - Brixen" (1:50.000), freytag&berndt WKS 5 "Grödner Tal" (1:50.000).
Anreise (05.06.2003)
Die Anreise erfolgte mit dem eigenen Fahrzeug von München. Die Entfernung München - Brixen beträgt 228 Kilometer. Die kürzeste Route verläuft über Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Brenner. Zumeist ist die Strecke über Kufstein nach Innsbruck die schnellere.
Brixen ( italienisch Bressanone) ist die älteste Stadt Tirols, mit ca. 21.000 Einwohnern ist Brixen die drittgrößte Stadt Südtirols. Brixen ist seit ca. 1000 n. Chr. Bischofssitz. Nach dem 1. Weltkrieg gehörten Teile des Bistums Brixen zu Österreich, in den deutschsprachigen Teilen des Bistums Trient wuchs der Wunsch, an das Bistum Brixen angegliedert zu werden. Der Bischofssitz wurde von Brixen nach Bozen verlegt. Das Domkapitel ist weiterhin in Brixen, der Bischof wohnt in Bozen, dessen ehemalige Propsteikirche (Maria Himmelfahrt) zur Konkathedrale erhoben wurde.
Der Dom ist die Hauptkirche von Brixen in Südtirol ist die größte Kirche in Brixen und eine der größten Kirchen in ganz Tirol. Zusammen mit der Brixener Hofburg, dem Pharmaziemuseum Brixen und dem Krippenmuseum Brixen ist der Brixener Dom eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Brixen im Eisacktal. Der Brixener Dom ist die ranghöchste Kirche in Südtirol und aufgrund seiner Geschichte und Bedeutung eine Besichtigung wert. Der erste Dom in Brixen wurde im Jahr 980 gebaut und später romanisch adaptiert. Nach einem Brand wurde der der Brixener Dom im Jahr 1745 im barocken Stil neu gebaut. Eine der Hauptsehenswürdigkeiten im Brixener Dom ist der mittelalterliche Kreuzgang, dessen Wände mit diversen Fresken mit religiösen Motiven bemalt sind. In der Mitte des quadratischen Kreuzgangs im Dom in Brixen befindet sich ein kleiner Garten. Der Kreuzgang ist direkt mit dem Dom verbunden.
In der Hofburg von Brixen im Eisacktal residierten seit dem 13. Jahrhundert die Brixener Fürstbischöfe. Zwischen 1595 und 1600 wurde die Brixener Hofburg durch den Hofbaumeister Giovanni Luchese in ein Renaissanceschloß umgebaut. Im Jahr 1710 wurde die Brixener Hofburg im barocken Stil umgestaltet. Seit 1973 residieren die Bischöfe in Bozen, die Hofburg wird seitdem als Diözesanmuseum genutzt.
Die Anreise verläuft ohne besondere Vorkommnisse und ohne Stau. Im Hotel Grüner Baum finden wir eine angenehme Unterkunft. Das Haus liegt in der Nähe der Altstadt. Wir können hier für die nächsten Tage und Nächte unser Auto abstellen.
Beschreibung der Tour
Wir verlassen Brixen im Eisacktal bei strahlendem Sonnenschein. Die Auffahrt
zum Würzjoch wird schweißtreibend und anstrengend werden.
Für die ersten Kilometer bis St. Georg bewahrheitet sich dich Vorhersage.
Dann schiebt sich eine milchige dünne Wolkenschicht zwischen Sonne und
Gebirge. Für die Kletterei zum Würzjoch ist das angenehm, der
Planet brennt nicht so erbarmungslos auf den Radler. Aber im Hochgebirge weiß
man nie, was sich aus solchen harmlos aussehenden Wolken entwickeln wird. Ein
paar wenige Tropfen bekommen wir auch ab, nicht der Rede wert.
Nach ca. 1700 Meter Aufstieg, unterbrochen von zwei kurzen Abfahrten, erreichen wir das Würzjoch (italienisch: Passo d'Erbe; ladinisch: Ju de Börz). Die Paßhöhe liegt knapp unter der 2000er Grenze, das Gasthaus liegt kanpp über 2000 Metern. Warum diese Differenzierung? Im Club des Cent Cols wird zwischen Pässen unter- und oberhalb von 2000 Metern unterschieden, für je 100 anerkannte Pässe benötigt man fünf über 2000 Meter Höhe; für viele Clubmitglieder ein Problem, nicht aber für uns. Ein Wort zu unseren Freunden, den motorisierten Bikern, die immer im rechten Unterarm Muskelkater vom Gasgeben bekommen: In 2003 war das Würzjoch bei diesen Zeitgenossen noch nicht bekannt. Unsere Auffahrt konnten wir weitgehend unbehelligt genießen.
Im
Würzjochhaus kehren wir zu einem Imbiß ein. Wir ziehen es vor, innen
zu sitzen; ohne Sonne ist es auf 2000 Metern Höhe zu gefährlich, mit
angeschwitzten Radlertrikots im Freien zu sitzen. Um den Peitlerkofel
auf der südlichen Flanke des Passes wabert immer wieder diese milchige
Suppe. Es wird vermutet, daß über das Würzjoch schon seit Urzeiten ein
Saumpfad führte, der das Eisacktal mit dem Gadertal verband. In
der Nähe des Joches befand sich der "Crep de la Scritüra", der "Fels mit der
Schrift", von dem es keinerlei Zeugnisse mehr gibt. Es könnte sich um eine römische
Weginschrift gehandelt haben.
Die Abfahrt bis Untermoi ist steil und rasant. Wir wollen es nicht, aber ca. 100 Höhenmeter müssen wir wieder bergauf fahren. Ab und zu tröpfelt es wieder, es sollen die letzten Spritzer auf unserer Rundfahrt sein. Das Gebiet ist bereits seit mehr als 2000 Jahren bewohnt. St. Martin in Thurn ist das kulturelle Zentrum des Gadertales. Im mittelalterlichen Schloss „Ciastel de Tor”, das über St. Martin in Thurn thront, ist seit Juni 2001 das Landesmuseum für die Kultur und Geschichte der Dolomitenladiner untergebracht.
Nach
wenigen hundert Metern vom Ortszentrum von St. Martin in Thurn erreichen
wir die SS244, der wir auf den nächsten 19 Kilometern folgen werden. Der
Verkehr ist ungleich stärker als auf der Würzjochstraße.
Zunächst ist das Tal eng, die Bergflanken an beiden Seiten des Tals sind
steil. Kurz vor Badia / Abtei müssen wir eine Rampe mit ein paar
Kehren hinter uns bringen, dann sind wir in Alta Badia angekommen. Badia,
Pedraces, La Vialla sind bekannte Wintersportorte. Sie sind mit
Liftanlagen mit dem Sella-Ronda-Ski-Zirkus verbunden.
Bis zu unserem Tagesziel Corvara ist es nicht mehr weit. Corvara, in einem weiten Talbecken gelegen, wird auch als “die Wiege des Tourismus in Alta Badia” bezeichnet. Hotels gibt es hier genügend, nur Anfang Juni sind die meisten geschlossen, die Wintersaison ist längst beendet, die Sommersaison beginnt Ende Juni. Wir finden ein geöffnetes Hotes an der Straße in Richtung Passo di Campolongo. Name und Anschrift dieses Hotels sind nicht mehr in den Unterlagen des Verfassers. Die Erinnerung ist heute noch positiv.
Auf der Terrasse vor dem Hotel unterhalten wir uns mit einem Ehepaar, das mit dem Motorrad unterwegs ist. GoldenWing heißt dieses Gerät, ein Sofa mit dem man sich durch die Gegend bewegt. Leute, die ein solches Ding im Wert eines Mittelklasseautos besitzen, fahren in aller Regel gesittet und gemütlich durch die Landschaft. Dann hält ein Taxi vor dem Hotel, ein Paar in Motorradkluft steigt aus, Freunde von unseren Gesprächspartnern, auch Motorradfahrer. Offensichtlich nicht so gesittet, es gab einen Unfall, bei dem der Fahrer (Mann) erheblich am Bein verletzt wurde, die Beifahrerin (Frau) ist geschickt nach hinten abgestiegen und hat nur die Ledermontur beschädigt. Man diskutiert anschließend den Rücktransport von Gerät und Menschen nach Norddeutschland. Hier klinken wir uns aus.
Das Hotel hat kein Restaurant oder zu dieser Jahreszeit ist es nicht geöffnet. In einer nahegelegenen Pizzaria stillen wir unseren Hunger.
Die Tagesstatistik verzeichnet 65 Kilometer, 2219 Höhenmeter, bei einer
Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,07 km/h.
2. Tag (Tabelle)
(Seitenanfang)
07.06.2003
Der
erste Blick aus dem Hotelzimmer am frühen Morgen vor der Aufstehzeit, es
sieht nicht richtig gut aus draußen . Tiefhängende Wolken liegen
über der Hochebene. Wieder ins warme Bett bis der Wecker klingelt. Der
Blick aus dem Hotelzimmer schaut jetzt schon bedeutend freundlicher aus, keine
Wolke mehr am Himmel. Der Sassongher leuchtet ockerfarben in der Morgensonne.
Dieser Blick erleichtert das Aufstehen wesentlich. Pässe, wir kommen!
Beim
Frühstück treffen wir unsere "Motorradfreunde" wieder. Der
Rücktransport von Mensch und Material ist organisiert. Die "Sofafahrer
mit Stereoanlage" setzen ihre Reise fort. Bei der Auffahrt zum Passo
di Campolongo überholen sie uns später. Der Passo di Campolongo
ist für sich genommen kein attraktiver Paß, ein paar Kehren gibt es auf
der Auffahrt von Corvara; das war es aber auch. Die Südrampe nach
Arabba ist etwas steiler.
Von Vorne: Heute steht die legendäre Sella-Umrundung auf dem Programm; vier, nein fünf Pässe, bis auf den Passo di Campolongo alle über 2000 m. Wir werden alle Pässe fahren, nur die Abfahrt vom Grödner Joch nach Corvara werden wir uns verkneifen.
Am Passo di Campolongo ist noch alles ruhig, die Hotels hier oben sind mehrheitlich saisonbedingt geschlossen. Ein übliches Paßfoto wird geschossen. Die Sella-Runde ist legendär, sowohl bei Radlern wie auch bei Skifahrern. Auf der Straße halten sich die Höhenmeter in Grenzen, man bleibt immer oberhalb von 1500 Metern, sofern man nicht nach Canazei abfährt. Die vortägige Etappe hatte uns mehr abverlangt, aber sie war insgesamt unspektakulärer.
Von
Arabba bis zum Passo Pordoi sind es 33 durchnummerierte Kehren.
Die Straße wurde um 1900 n. Chr. als Militärstraße gebaut;
auch hier verlief die Front im 1. Weltkrieg zwischen Österreich und Italien.
Viele der hohen Alpenpässe verdanken ihren Ausbau den Militärs. Im
1. Weltkrieg fanden erbitterten Stellungskriege dort statt, im 2. Weltkrieg
waren sie strategisch bedeutungslos. Heute werden sie vorwiegend touristisch
genutzt, auch eine Art "Schwerter zu Pflugscharen".
Im Nordwesten des Pordoijochs liegt der 3181 m hohe Langkofel, östlich befindet sich das Sella-Massiv mit der höchsten Felsspitze Piz Boè (3152 m). Das Pordoijoch liegt genau auf der Grenze zwischen Südtirol (Alto Adige) und dem Veneto und ist Teil der Strata Statale delle Dolomiti (SS48) zwischen Bozen und Cortina d’Ampezzo. Auf der Paßhöhe tobt der Tourismus: Seilbahnstation, einige Hotels, Andenkenläden und fliegende Händler.
Die
Ostauffahrt zum Passo Pordoi läßt sich gut fahren, die Durchschnittssteigung
beträgt 6,7 Prozent. Ein kurze Rampe geht an die 10 Prozent, ansonsten
bleibt die Gradiente unter 8 Prozent. Die zahlreichen Kehren machen die Auffahrt
kurzweilig.
Die rund sechs Kilometer lange Abfahrt bis zum Abzweig zum Sellajoch ist rasch absolviert, 400 Höhenmeter sind futsch. Die Auffahrt zum Passo Sella mit 7,2 Prozent Durchschnittssteigung weist bis auf eine kurze Rampe mit über zehn Prozent Steigung keine große Schwierigkeiten auf.
Der Himmel hat sich zugezogen, es tröpfelt ein wenig. Auf der Paßhöhe des Sellajochs ist es schon wieder trocken und die Sonne blinzelt ein wenig durch die Wolken. Das Sellajoch umgeben vom 3181 m hohen Langkofel (im Nordwesten) und dem 2974 m hohen zum Sella-Massiv gehörenden Piz Gralba im Osten. Im Süden wird das Marmolata-Massiv mit seinen Gletschern sichtbar. Die Paßstraße findet ihren Hochpunkt nicht am eigentlich tiefsten Punkt (2213 m) zwischen Sella-Gruppe und Langkofel nahe dem Rifugio Carlo Valentino und damit am eigentlichen Sellajoch. Das Rifugio Carlo Valentino war die älteste Hütte am Sellajoch. Am unter dem Namen Col de Toi bekannten Paßübergang steht heute das Paßschild mit der Höhenbezeichnung 2244 m. Auf dem Sellajoch verläuft die Grenze zwischen den Provinzen Alto Adige (Südtirol) und Trentino.
An
der Paßstraße direkt liegen Sellajochhaus und Albergo Maria Flora,
südöstlich der Straße befinden sich zahlreiche Hütten,
die vor allem im Winter von Skifahrern frequentiert werden. Vom Sellajochhaus
führt eine Stehgondelbahn in die Langkofelscharte (Toni-Demetz-Hütte);
dieser Lift kann nur im Sommer benutzt werden, früher war er auch im Winter
in Betrieb, zahlreiche Skiunfälle in der sehr steilen Rinne, darunter einige
tödliche, sind die Ursache für die Wintersperre. Wer heute von der
Langkofelscharte abfahren will, muß dorthin mit Fellen unter den
Ski aufsteigen. Im Skiurlaub hat der Verfasser einige Gruppen gesehen, die in
kurzen Kehren aufgestiegen sind, kurze Kehren deshalb, weil die Rinne recht
schmal ist.
Gute
300 Höhenmeter mißt die nun folgende Abfahrt vom Sellajoch.
Nach ungefähr sechs Kilometern gelangt man an den Abzweig zum Grödner
Joch (italienisch: Passo Gardena). Unvermittelr steigt die Straße
in Richtund Grödnerjoch an, nach 200 Höhenmetern ist ein"
Durchgangspaß" erreicht: Sella del Culac' (Kulatsch Sattel).
Leicht abfallend zieht sich die Straße entlang des Sellastocks.
Auf den letzten 2,5 Kilometern vor der Paßhöhe gelangt man über
einige Kehren auf eine Höhe von 2121 s.l.m. Es ist der dritte und letzte
Paß über 2000 Metern für heute. Das Grödnerjoch
bildet den Übergang vom Grödnertal ins Gadertal und
liegt vollständig in der Provinz Alto Adige (Südtirol).
Im Süden des Grödnerjochs erhebt sich der mächtige Sellastock, im Norden die Cirspitzen (ladinisch: Pizes de Cir, italienisch: Gruppo del Cir), deren höchste Erhebung mit 2592 m die Große Cirspitze ist. Auf der Paßhöhe das übliche Bild: ein Hotel mit Restaurant, ein Souvenierladen und ein paar Wirtschaftsgebäude. Von der Sonnenterasse des Hotel/Restaurant hat man einen herrlichem Blick ins Tal nach Corvara, wo wir am Morgen gestartet sind. Nach Sonnenterrasse ist uns aber nicht Zumute, ein kalter Wind treibt uns hinein in die Gaststube, wo wir mit einem Stück Torte den Zuckerspiegel im Blut wieder anheben.
Wir
fahren auf der Westrampe wieder zurück und biegen in der Nähe von
Plan de Gralba auf die SS242 in Richtung Wolkenstein in Gröden
(italienisch: Selva di Val Gardena) ab. Von Kilometer zu Kilometer Abfahrt
nimmt die Temperatur spürbar zu, das ist eigentlich normal, aber heute
haben wir das Gefühl, daß der Temperaturanstieg kräftiger ist.
Offensichtlich erleben wir einen Wetterumschwung. Nach wenigen Kilometern erreichen
wir Wolkenstein. Im Ort befinden sich jede Menge Hotels und Pensionen,
von denen - ähnlich wie in Corvara - nur wenige geöffnet sind.
Wir finden eine kleine Pension in Ortsmitte. Name und Anschrift dieser Pension
sind in den Unterlagen des Verfassers nicht mehr auffindbar.
Die Auswahl an geöffneten Restaurants ist nicht gerade üppig, wieder mal ist eine Pizzeria angesagt. In Wolkenstein (ca. 1600 m Meereshöhe) ist die Temperatur am Abend so angenehm, daß wir auf der Terrasse des Restaurants speisen können. Wir lassen beim Essen den Tag Revuepassieren, die berühmte Sellaronda auf der Straße haben wir heute absolviert, wir sind mächtig stolz. Wir hatten aber auch schon anstrengendere Tagesetappen. z. B. die vom Vortag. Einmalig ist die Dolomitenlandschaft: Sellastock, Langkofel, Marmolada... Was gibt es schöneres in den Alpen! Es ist unsere erste Dolomitenrunde, weitere werden folgen.
Die Tagesstatistik: 53 Kilometer, 1627 Höhenmeter bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,6 km/h.
3. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 08.06.2003
Als
wir in Wolkenstein starten, ist es schon lecker warm. Die Grödnertalstraße
bis St. Ulrich ist rasch abgefahren.Hier biegen wir nach links in Richtung
Kastelruth ab.Ein kleiner Paß liegt vor uns, der Panider Sattel.
Dann geht es hinunter nach Kastelruth. Hier essen wir zu Mittag. Angesichts
der Hitze, schon fast 30° C auf 1000 Meter Höhe, knicken wir unseren
Ausflug auf die Seiseralm. Wir waren schon dort oben, jedoch ohne Fahrrad.
Über Seis fahren wir hinab ins Eisacktal. Zum Schluß war es auf einem kleinen befestigten Weg so steil, daß man Angst haben mußte, nach vorne über den Lenker zu stürzen. Alles ist subjektiv, wir sind heil im Eisacktal angekommen. Heiß ist hier unten auf ca. 500 m Meereshöhe, der Fahrradcomputer registriert bis zu 37° C.
Auf der Strada Statale 12 dell’Abetone e del Brennero folgen wir der Eisack. Im Jahr 2011 sind bereits viele Abschnitte des Fahrradwegs auf der alten Eisenbahnstrecke freigegeben. In 2003 mußte man der SS12 folgen. In Chiusa/Klausen genehmigen wir uns einen Espresso, quasi als Dopingmittel, obwohl ja Coffein entgegensetzt wirkt. Von der Hitze ausgelaugt erreichen wir Brixen. Das Hotel steht noch und unser Auto ist auch noch da.
Nach dem Duschen machen wir uns auf zu einer Stadtbesichtigung. Bei der Ankunft ein paar Tage zuvor war hierzu keine Zeit.Wir lernen Brixen kennen, zuvor kannten wir die Hauptorte Bozen und Meran. Brixen ist autentischer geblieben. Dom und Kreuzgang sind bereits eingangs kurz beschrieben worden. Hier ist nicht der Platz für einen umfänglichen Kulturreiseführer, diese gibt es ausreichend im Netz und im Buchhandel.
Tirol
ist ein altes Kulturland, nördlich und südlich des Brenners.
In der Völkerwanderung erfolgte von Norden her die Einwanderung der westgermanischen
Bajuwaren (Baiern). Bis ins späte 12. Jahrhundert gehörte Tirol
zum Herzogtum Baiern. Danach verfiel der Einfluß Bayerns; schließlich
fiel Tirol an die Habsburger. Im österreichischen Kaisertum hieß
das Territorium Gefürstete Grafschaft Tirol. In den napoleonischen Kriegen
wurde Tirol dem Königreich Bayern zugesprochen. Durch die
ungeschickte bayerische Politik unter dem Grafen Maximilian von Montgelas kam
es zum Tiroler Volksaufstand, der von Andreas Hofer angeführt wurde. Nach
den Beschlüssen des Wiener Kongress wurde Tirol wieder österreichisch.
Im Friedensvertrag von St. Germain, 1919, kam das Gebiet südlich des Brenners an Italien. In den Londoner Geheimverträgen hatten die Alliierten dem Verlangen Italiens ungeachtet der viel weiter südlich verlaufenden deutsch-italienischen Sprachgrenze zugestimmt, daß die Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer die Nordgrenze Italiens bildet. Im östlichen Pustertal wurde die Teilung an der Wasserscheide nicht eingehalten, drei Gemeinden Toblach, Innichen und Sexten, deren Bäche zum Teil in die Drau münden, wurden Italien zugesprochen.
Die Faschisten Hitler und Mussolini beließen die Grenze am Brenner. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich nichts, die Teilung Tirols bleibt bestehen. Im 1. und 2. Autonomiestatut (1948 und 1972 ) konnte eine Autonomie für Südtirol erreicht werden (Gruber-De-Gasperi-Abkommen). Die nun „autonome Provinz“ hat umfassende Kompetenzen erhalten, und die Zwei- bzw. Dreisprachigkeit (Deutsch, Italienisch und Ladinisch) ist offiziell gesetzlich verankert.
Im ladinischsprachigen Gebiet um Cortina d’Ampezzo, das von den italienischen Faschisten jedoch der Provinz Belluno zwangsangeschlossen wurde. gibt es Bestrebungen, wieder nach Südtirol zurückzukehren. 2007 ergab eine Volksbefragung hierzu eine deutliche Mehrheit für die Wiederangliederung. Auch in anderen Gemeinden, die vor dem 1. Weltkrieg Teile des altösterreichischen Kronlandes waren, sind ähnlich Volksbefragungen positiv entschieden worden. Letztendlich wird das italienische Parlament über diese Neugliederungen entscheiden müssen.
Nach diesem kurzen geschichtlichen Diskurs wieder zum Tagesgeschehen. Das Abendessen genießen wir im Freien in einem Restaurant in de Fußgängerzone.
Später notieren wir die Tagesstatistik: 56 Kilometer, 545 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 17,0 km/h.
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| Stand: 16. Oktober 2011 |
Copyright©: Hubert Becker,
2005
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