| Eine Pässerunde durch die Dolomiten in 4 Tagesetappen über 329 km. Tagesetappen zwischen 78 und 92 Kilometern. | |
| 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag | |
|
Streckenabschnitt |
Meeres- |
Entfernung |
Tages- |
Gesamt- |
|---|---|---|---|---|
| Predazzo
- Bellamonte Bellamonte - Panevéggio Panevéeggio - Passo di Rolle (IT-TN-1988) Passo di Rolle - San Martino di Castrozza San Martino di Castrozza - Tonadico Tonadico - Passo Céreda (IT-TN-1346) Passo Céreda - Mis Mis - Don Don - Forcella Aurine (IT-BL-1296) Forcella Aurine - Agordo (1. Tagesetappe) |
1018 |
5,9 |
5,9 |
5,9 |
| Agordo
- La Valle Agordina La Valle Agordina - Passo Duran (IT-BL-1601) Passo Duran - Dont Dont - Forno di Zoldo Forno di Zoldo - Passo Cibiana (IT-BL-1534) Passo Cibiana - Cibiana di Cadore Cibiana di Cadore - Venas di Cadore Venas di Cadore - Tai di Cadore Tai di Cadore - Pieve di Cadore Pieve di Cadore - Calalzo di Cadore Calalzo di Cadore - Domegge di Cadore Domegge di Cadore - Lozzo di Cadore Lozzo di Cadore - Auronzo di Cadore (2. Tagesetappe) |
616 |
3,6 |
3,6 |
83,7 |
|
Auronzo di Cadore - Cella |
863 |
0,6 |
0,6 |
159,3 |
| Cortina d'Ampezzo
- Pocol Pocol - Passo di Giau (IT-BL-2236) Passo di Giau - Selva di Cadore Selva di Cadore - Colle S. Lucia Colle S. Lucia - Racava Racava - Caprile Caprile - Alleghe Alleghe - Cencenighe Cencenighe - Falcade Falcade - Abzw. Passo di Valles Abzw. Valles - Pso. di S. Pellegrino (IT-TN-1947) Passo di S. Pellegrino - Moena Moena - Predazzo (4. Tagesetappe) |
1230 |
6,2 |
6,2 |
243,2 |
Zeitraum
Die Radtour wurde vom 26. Mai bis 29. Mai 2005 bei überwiegend schönem Wetter durchgeführt.
Teilnehmer:
Hubert Becker
Allgemeine Hinweise
Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäcks sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.
Überblick
Diese Radtour ist keine Spazierfahrt, ca. 8050 Höhenmeter sind auf 329 Kilometern zu absolvieren! Ausreichendes Training und Kondition sind für einen unproblematischen Tourenverlauf notwendige Voraussetzung. Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, dass die beschriebene Tour ist.
Empfohlenes Kartenmaterial: Die Generalkarte Südtirol-Dolomiten-Trentino (1:200.000), freytag&berndt WKS 5 "Grödner Tal - Val Gardena" (1:50.000), freytag&berndt WKS 7 "Überetsch - Südtiroler Unterland - Oltradige - Bassa Atesina" (1:50.000), freytag&berndt WKS 14 "Trento - Lagorai - Fleimstal - Val di Fiemme" (1:50.000), freytag&berndt WKS 15 "Pale di San Martino - Agordo - Belluno" (1:50.000).
Anreise (25.05.2005)
Die Anreise erfolgte mit dem eigenen Fahrzeug von München. Die Entfernung München - Predazzo beträgt 298 Kilometer. Die kürzeste Route verläuft über Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck, Brenner, Brixen, Bozen und Mezzolombardo. Zumeist ist die Strecke über Kufstein nach Innsbruck die schnellere.
Predazzo (deutsch: Pardatsch) ist ein italienischer Wintersportort im Val di Fiemme (Fleimstal) im Trentino. Predazzo gehörte bis 1919 zur gefürsteten Grafschaft Tirol und somit zu Österreich-Ungarn. Bis zum ersten Weltkrieg war Predazzo eine Garnison der k.u.k. Armee.
Die Anreise verläuft ohne besondere Vorkommnisse und ohne Stau. Ich finde Unterkunft im Sport Hotel Sass Maor, dort kann ich das Auto für die nächsten vier Tage in der Hotelgarage unterstellen.
Beschreibung der Tour
Bei strahlend blauen Himmel verlasse ich Predazzo auf der SS50 in Richtung
Passo di Rolle. Gut ausgeruht, geht es auf den ersten Kilometern bis
Bellamonte recht flott voran. Danach wird es sogar noch flotter, die
Steigung hat nachgelassen, am Lago di Panevéggio fällt die
Straße sogar leicht ab. Nach dem Abzweig zum Passo di Valles (s.
Dolomitenrundfahrt IV) beginnt dann der finale Anstieg
zum Paß. Es ist heiß, am Cima della Vezzana und Cimon
della Pala bilden sich erste Quellwolken. Es besteht die Gefahr, daß
sich am späten Nachmittag oder frühen Abend Sommergewitter entwickeln.
Aber bis dahin ist noch Zeit. Bald ist die Paßhöhe erreicht.
Auf der Paßhöhe ist noch nicht viel los. Meine Freunde, die motorisierten Biker, sitzen noch beim Frühstück oder bei einer ersten (2., 3. ...) Zigarette. Das imposante Dolomitenmassiv von Pale di San Martino gehört zu dem schönsten, was die Dolomiten zu bieten haben. Im ganzen Gebiet um Primiero und San Martino di Castrozza bis zu den Pässen Rolle und Valles bildet das Massiv eine unvergesslichen Anblick, alles gehört zum Naturpark Paneveggio Pale di San Martino. Die Berge, Felsnadeln, Schluchten und Kare sind entstanden in einem tropischen Meer und durch Korallenriffe, die hier vor 250 Mio. Jahren zu finden waren.
Die
Abfahrt nach San Martino di Castrozza ist kurzweilig und flott. San
Martino di Castrozza ist ein beliebter Wintersportort, der nur wenig außerhalb
von Italien bekannt ist. San Martino ist ein ansprechender Ort, elegant
und doch ungezwungen. Arthur Schnitzler schrieb in seinem Roman "Fräulein Else"
zu Beginn des 20. Jh.: "Die Luft von San Martino ist prickelnd wie der
Champagner", und Richard Strauss hatte sich hier für seine "Alpensymphonie"
inspirieren lassen.
San
Martino ist nur ein Durchgangsort auf der Abfahrt, es geht noch weitere
ca. 700 Höhenmeter bergab bis Tonadico. Vor dem nächsten Anstieg
ist erst einmal Mittagspause angesagt. Eine Pasta gibt Kraft für den rund
650 m hohen Anstieg zum Passo Céreda. Mit seinen 1364 s.l.m. ist dieser
Paß nicht besonders hoch, aber die Steigung, die teilweise deutlich über
zehn Prozent hinausgeht, ist nicht zu verachten. Bei der Abfahrt vom Passo
Céreda verlasse ich das Trentino, es geht hinein nach Venezien
in die Provinz Belluno. Hier verläuft mal nicht die Grenze auf einem
Gebirgskamm sondern in einer Senke, etwas untypisch.
Es folgt die Auffahrt zur Forcella Aurine, am Anfang recht steil, dann flacher werdend. Nach Süden sind die Berge deutlich flacher, man merkt daß die Alpen sich langsam in die Poebene ausmünden. Nach Norden erstreckt sich das südlichste Gebirgsmassiv der Dolomiten. Die Paßhöhe der Forcella Aurine liegt im Wald und ist unspektakulär. Aber dann geht es gewaltig bergab.
700
Höhenmeter werden bis Agordo vernichtet. Agordo ist eine
Stadt schon tief in Italien. Kein tiroler Baustil ist hier mehr zu erkennen.
Agordo bietet seinen Besuchern gleich drei bekannte Attraktionen: die
Pfarrkirche des Orts (Santa Maria Nascente), eine venezianische Villa (Villa
Crotta de Manzoni) und das Brillenmuseum des weltbekannten Brillenerzeugers
Luxottica.
Ich bin relativ früh (ca. 15 Uhr) in Agordo und kann in aller Ruhe durch die kleinen Gassen des reizenden Orts schlendern. Siamo in Italia! Zwischen 16 und 17 Uhr öffnen die Geschäfte wieder. Es ist um 17 Uhr immer noch heiß. Mit knapp über 600 m Meereshöhe ist Agordo der tiefste Punkt auf der Rundfahrt.
Die Auswahl von Restaurants ist groß. In der Nähe der venezianischen Villa finde ich Platz auf der Terrasse eines Restaurants. Ich hatte noch eine Unterhaltung mit einigen Italienern, worum es darin gegangen ist, ist nicht mehr im Gedächtnis. Es ist für diesen Reisebericht auch ohne Belang.
Die Tagesstatistik verzeichnet 80 Kilometer, 1850 Höhenmeter, bei einer
Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,0 km/h.
2. Tag (Tabelle)
(Seitenanfang)
27.05.2005
Der
Planet strahlt am Morgen. Das Leben erwacht in dem Städtchen, die ersten
Mopeds und Motorroller knattern durch die Gassen. Unsere südlichen Nachbarn
sind doch ein bißchen lauter. Das Frühstück im Hotel ist typisch
italienisch, also minimalistisch.
Auf geht's! Als ich um 9 Uhr starte, ist es schon lecker warm. Noch in Agordo geht es steil hinauf. Keine Zeit zum Einfahren, bis La Valle Agordina sind schon 200 Höhenmeter absolviert. Die Steigung pendelt sich um die zehn Prozent ein, einzelne Rampen gehen bis an die 14 Prozent, der Passo Duran ist ein harter Brocken. Er hat zwar nur eine Höhe von 1600 Metern, aber von Agordo sind es knapp 1000 m harter Aufstieg.
Wie soll
man diesen Paß beschreiben? Die Zeitschrift tour beschreibt den
Paß in der Ausgabe 10/2011 wie folgt: "Dolomiten - da denkt man meist
an die berühmten Pässe der Sella Runde, vielleicht noch an die nahegelegenen
Anstiege zum Passo die Giau und Fedaia. Dabei liegen dort noch
einige reizvolle Pässe mehr - und schwierige dazu! Etwa der der Passo
Duran in den Belluneser Dolomiten, ein steiler Übergang, der das Städchen
Agordo ... mit mit dem Val di Zoldo verbindet..."
Die Straße ist nach La Valle Agordina nicht besonders breit der Verkehr hält sich auch in Grenzen, bis auf meine Motorradfreunde, die nach und nach in die Puschen kommen. Der Duran ist schon ein harter Brocken, warum tut man sich das an? Ein paar Tage vor meiner Überquerung ist der Giro d'Italia über den Paß gesaust, die Straßenoberfläche ist in Abschnitten voll bemalt, die Namen von Teams und einzelner Fahrer sind auf die Straße geschrieben, sie sollen so angespornt werden. Nur meinen Namen sehe ich nicht, aber ich fahre auch außer Konkurrenz.
Die ersten Motorräder sind auch schon unterwegs, jetzt ist es Schluß mit der Ruhe in den Bergen. Mehrfach passieren Motorradgruppen mit bis zu einem Dutzend Fahrern in beiden Richtungen. Sie kommen aus ganz Europa, mehrheitlich aber aus Deutschland. Alle nutzen das durch den Feiertag am Donnerstag verlängerte Wochenende aus.
Nach 2:25 Stunden Gesamtfahrzeit habe ich die Paßhöhe erreicht. Es schaut so aus, daß hier ein organisiertes Motorradtreffen stattfindet; aber die Motorradfahrer machen nur eine Pause und genießen die Schönheit der Landschaft. Schräg gegenüber vom Gasthof an der Paßhöhe steht eine kleine Kapelle in einem interessanten Baustil. Vor der Kapelle ist im Freien ein Altar aufgebaut. Wahrscheinlich werden hier oben des öfteren Bergmessen zelebriert.
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Für eine Mittagspause ist es noch zu früh. Ich fahre nach kurzem Aufenthalt weiter. Die Gradiente auf dieser nord-östlichen Seite ist weniger steil als die auf der Süd-West-Seite; lediglich die ersten 500 Meter von Dont nach Foppa sind sehr steil. Die Abfahrt ist noch nicht zu Ende; es geht noch etwas weiter bergab bis Forno di Zoldo.
Bevor
ich nun den Anstieg zur Forcella Cibiana angehe, müssen erst einige
Kalorien her. Eine Portion Pasta in einem kleinen Restaurant in Forno di
Zoldo ist da das Richtige. Die Spaghetti Carbonara sind köstlich. Ein
alkoholfreies Bier dazu rundet die Mahlzeit ab. Im Schatten sitzend, gesättigt
und zufrieden, da fällt es nicht leicht, sich wieder auf das Fahrrad zu
begeben und den nächsten schweren Paß anzugehen.
Auf den ersten zwei Kilometern hält sich die Steigung durchschnittlich 4 Prozent in Grenzen, dann folgt eine 500 Meter lange 12 prozentige Rampe. Danach nimmt die Steigung merklich ab, Aber dann ab Kilometer fünf geht es wieder in den zweistelligen Bereich. Ab dem Ristorante Cornigian steigt es mit ca. acht Prozent einigermaßen gleichmäßig bis zur Paßhöhe auf 1530 m.
Als ich die Paßhöhe erreiche, kommen von der anderen Seite vier Rennradler in kurzen Abständen an. Als der letzte von ihnen vom Rad absteigt, beschimpfen drei den vierten, dieser muß offensichtlich die Tour geplant haben. "Völlig überzogen!", "Wahnsinnig!" sind die harmlosesten Äußerungen, andere sind nicht druckreif. Die vier sind am Vormittag in Cortina d'Ampezzo gestartet und wollen heute auch wieder dorthin. Zwischen ihrem aktuellen Standort und Cortina liegen noch rund 55 Kilometer, zwei Pässe: Passo Staulanza und Passo di Giau und ca. 1800 Höhenmeter. Jetzt überlegen die Vier, ob sie die Runde wie geplant absolvieren oder ob sie umkehren und auf der gleichen Route wieder zurückfahren. Ich warte das Ende der Diskussion nicht und fahre ab. Überholt hat mich an diesem Tag keiner von Ihnen.
Die
Abfahrt ist rasant. Cibiana di Cadore ist rasch erreicht. Kein Halt,
weiterlaufen lassen! Dann ist bei Ponte la Chiusa die Talsohle erreicht.
Es folgt ein kurzer, aber kräftiger Aufstieg nach Venas die Cadore.
Bei der kurzen Auffahrt brennen die Oberschenkel. Ich befinde mich nun auf der
SS51, die auf dem linke Hochufer über dem Fluß Boite verläuft,
der Verkehr ist mäßig bis stark. Ein Ort folgt auf den anderen. Bei
Valle di Cadore verlasse ich das Tal der Boite und komme hinüber
ins Tal der Piave, das bei Pieve di Cadore erreicht wird.
Pieve di Cadore ist eine Stadt mit rund 4000 Einwohnern. Die Stadt ist Geburtsort von Tizian, dessen mutmaßliches Geburtshaus besichtigt werden kann, ein steinernes Haus aus dem 15. Jahrhundert, stark verändert durch eine um 1900 angebrachte hölzerne Außentreppe und Balkon. Es beinhaltet ein kleines Museum mit Erinnerungsstücken (Handschriften, Drucke und Reproduktionen). der Palazzo Comunale steht an der Piazza Tiziano mit Monumentalstatue des Künstlers.
Auf
Pieve folgt Calalzo di Cadore, die Straße heißt jetzt
SS51bis. Der Ort ist Endstation der lokalen Eisenbahn von Belluno.
Bis 1967 verlief die Eisenbahn von Calalzo weiter bis Toblach.
Über Domegge di Cadore und Lozzo di Cadore fahre ich weiter
nach Auronzo di Cadore. Auronzo liegt im Tal des Flusses Ansiei,
der hier seit den 1930er Jahren zum Lago di Santa Caterina aufgestaut
wird.
Mehrfach war Auronzo di Cadore schon Etappenziel des Giro d'Italia, zuletzt 1973, durchgefahren ist das Peloton schon weit öfter. Für mich ist in Auronzo heute Schluß. Im Hotel Aurora finde ich Unterkunft. Es ist später Nachmittag, ich kann zu Fuß einen Streifzug durch Auronzo unternehmen. Ein netter, gastfreundlicher Ort, umgeben von einer prächtigen Kulisse, viele Kneipen und Restaurants, Läden zum Shoppen, das ist es aber auch.
Wo zu Abend essen, die Auswahl ist diesmal groß. Aber die meisten Restaurants bieten nur Plätze im Inneren an, angesichts des Wetters ein Vergehen. Zweimal laufe ich den Ort rauf und runter, bevor ich mich entscheiden kann. Dann bin ich im Restaurant meines Hotels gelandet. Später habe ich dann noch ein interessantes Lokal gefunden, wo sich dann auch sehr schnell Gespräche mit anderen Besuchern entwickelt haben.
Heute war wieder einmal ein "Zweitausender", d. h. mehr als 2000 Höhenmetern, die Statistik: 78,6 Kilometer, 2043 Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,5 km/h.
3. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 28.05.2005
Jetzt
muß ich erst einmal 500 Meter zurück fahren, d. h. in die Richtung,
von der ich am Vortag gekommen bin. Dann geht es aber gleich mächtig zur
Sache, rund 600 stramme Höhenmeter stehen an. Der Passo di Sant'Antonio,
auch Passo del Zovo genannt, liegt südöstlich vom Kreuzbergpass
an der SS532. Mit einer Höhe von 1489 m zählt er nicht zu den höchsten
Pässen der Dolomiten, aber insbesondere die Süd-West-Auffahrt
hat es in sich. Der Paß ist in der Regel nur schwach frequentiert. Bis
zum Abzweig nach Danta fällt die Steigung nicht unter acht Prozent,
danach ist es etwas flacher. Außer einem Gasthaus und dem Paßschild gibt
es nichts zu sehen auf der Paßhöhe. Der Passo di Sant'Antonio
hat in der Regel Wintersperre von November bis März. Die Orte San Stefano
di Cadore, Comelico Superiore und Pádola sind über
einen vier Kilometer langen Tunnel zu erreichen, dessen westlich Einfahrt bei
Fienili Tarlisse liegt.
Die Nordwestrampe von Pádola ist insgesamt etwas flacher, sie enthält aber zwei kurze Steilabschnitte. Die 4,5 Kilometer bis Pádola sind schnell absolviert, der Streckenverlauf ist ziemlich gerade. Pádola eine Fraktion der Gemeinde Comelico Superiore. Ein paar Skilifte gibt es hier, in Thermalbädern kann man sich entspannen. Dies gilt besonders für dass benachbarte Thermalzentrum Valgrande besichtigen, wo Schwefelwasser verwendet wird, das aus einer Quelle am Fuße vom Cima Bagni entspringt.
In
Pádola beginnt der Aufstieg zum Kreuzbergpaß (italienisch:
Passo Monte Croce di Comelico), der insgesamt nicht so steil ist wie
der vorherige zum Passo di Sant'Antonio. 10,5 Kilometer sind es bis zur
Paßhöhe, zunächst zieht sich die Straße ziemlich gestreckt
hin, es folgen ein paar Kehren und dann ist man schon fast oben. Auf der breiten
Paßhöhe befinden sich ein großes Hotel und zwei weitere Häuser.
Es ist Zeit für die Mittagspause, auf der Hotelterrasse lasse ich mich
zum Mittagessen nieder.
Ungefähr 15 Kilometer lang ist die Abfahrt bis Innichen (italienisch: Candido). Ohne anzuhalten passiere ich Sexten (Sesto), jetzt wird die Abfahrt so flach, daß man noch zusätzlich pedalieren muß, um ein angemessene Geschwindigkeit beizubehalten.
Innichen
liegt im Drautal, es ist der letzte größere Ort vor der Grenze
zu Österreich. Die Drau ist hier noch ganz jung, sie entspringt
einige Kilometer westlich von Innichen. Zwischen Innichen und
Toblach (Dobbiaco) liegt der seltsamste Paß Südtirols,
der Toblacher Sattel (italienisch: Sella di Dobbiaco) - Kode Club
des Cent Cols: IT-BZ-1209 -, dessen Überfahrt man kaum merkt, weil er so
flach ist.
Durch das Drautal führt ein durchgehender Radweg, der Drauradweg, er führt vom Ursprung der Drau im Toblacher Feld in Italien 366 km entlang des gleichnamigen Flusses durch Osttirol und Kärnten bis nach Maribor in Slowenien. Ich benutze diesen Radweg bis Toblach. Hier biege ich auf die die Höhlensteintalstraße (SS51) ein und folge dem Fluß Rienz flußaufwärts. Der Anstieg ist mit knapp zwei Prozent eher moderat. Störend bemerkbar macht sich ein immer stärker aufkommender Wind. Es sieht nach Gewitter aus, schwarze Wolken ziehen von Westen her auf. Zwischen dem Drei Zinnenblick und Schluderbach kommen einige Regentropfen herunter. Glücklicherweise ziehen die Gewitterwolken nach Südwesten ab, im Folgenden bleibt es trocken.
Ab
Schluderbach geht es wieder ans Klettern, auf der SS48bis fahre
ich hinauf zum Misurinasee (Lago di Misurina), einem der schönstgelegenen
Seen in den Dolomiten. Der 1.756 m hoch gelegene natürliche See
ist vom Südwesten von Cortina d’Ampezzo ist umgeben von dem Monte
Cristallo und den Felsmassiven der Drei Zinnen (Tre Cime),
dem Monte Piana, der Cadini-Gruppe. Am Nordufer liegt, nur durch
die Uferstraße vom See getrennt, einzigartig das Grand Hotel Misurina mit herrlichem
Blick auf die herumstehenden Berge.
So ganz eindeutig ist der Himmel nicht. Gibt es ein Gewitter oder nicht? Schnell weiter, um nach Möglichkeit trocken in Cortina d'Ampezzo anzukommen. Nach einer kurzen Abfahrt biege ich nach rechts in Richtung Passo Tre Croci ab. Die Auffahrt ist nicht besonders lang und schwierig. Der Wind hat wieder aufgefrischt. Eine paar kurze Blicke in die Umgebung, der Ausblick vom Passo Tre Croci ist wegen des umgebenden Waldes nicht besonders spektakulär, nördlich des Passes liegt der Monte Cristallo (3.216 m), südlich der Sorapiss (3.205 m).
Schnell
die Windjacke übergestreift und los geht's. Auf der letzten Abfahrt für
heute muß ich wegen des böigen Winds aufpassen, nicht aus der Bahn
geschubst zu werden. Es bleibt aber trocken. Im Concordia
Park Hotel, das direkt an der Straße vom Passo Tre Croci liegt,
komme ich unter.
Cortina d’Ampezzo (ladinisch: Anpëz oder Anpezo, deutsch: Hayden) liegt auf einer Höhe von 1.211 m und bildet das größte besiedelte Zentrum der Dolomitenladiner. Cortina ist ein renommiertes Wintersportzentrum und war Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1956. Ende des 19. Jahrhunderts erlebte Cortina eine Blütezeit. Von Bergbegeisterten, dem österreichisch-ungarischen Adel und dem gehobenen Bürgertum Frankreichs und Englands entdeckt, entwickelte sich der Ort unter maßgeblicher Förderung des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins bald zum begehrten Fremdenverkehrszentrum. Sowohl im Sommer als auch im Winter wurde Cortina zu einem noblen Ferienort
Ein Gewitter tobt über dem Tofana-Massiv. Ein Blitz folgt dem anderen, es donnert ununterbrochen. Von der überdachten Hotelterrasse läßt sich das Spektakel gut beobachten. Ein kurzzeitiger Regenschauer ist alles, was wir hier vom Gewitter direkt mitbekommen. Erst nach 10 Uhr verstummt das Gewitter.
Das Restaurant ist innen und auf der Terrasse gut besucht. Es sind viele Motorradfahrer hier, bei Abstellen des Fahrrades in der Hotelgarage habe ich jede Menge Maschinen gesehen. Am Samstag Abend besuchen das Restaurant aber auch viel Einheimische. Später an der Bar unterhalte ich mich noch mit einigen Bikern. Wir hoffe alle, daß es am nächsten Tag nicht regnen wird.
Die Tagesstatistik: 78 Kilometer, 1777 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,2 Kilometern.
4. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 29.05.2005
Die
Gewitter haben sich völlig verzogen, die Sonne brezelt vom Himmel. Die
Ortsdurchfahrt von Cortina d'Ampezzo ist kurz, noch im Ort geht es hinauf
in Richtung Pocol. Hier zweigt die Straße zum Passo di Giau
von der Großen Dolomitenstraße ab, die über den Passo di
Falzárego führt. Nach einer kurzen, leichten Abfahrt bis zum
Falzáregobach beginnt der eigentliche Aufstieg zum Passo di Falzárego.
Auch wenn die Auffahrt auf der Ampezzaner Seite anspruchsvoll und steil
ist, so ist er doch angenehmer als auf Agordino-Seite. Die Straße
ist breit und gut asphaltiert, im unteren Teil windet sie sich durch Nadelwald
im oberen Teil über Alpenwiesen. Der Passo di Giau zählt zu den
schönsten Übergängen der Alpen.
Am Kilometer 6 weist ein gelbes Schild auf die "Muraglia di Giau" hin, die den Einwohnern des Cadore im Auftrag der Republik Venedig und des Österreichischen Kaiserreichs zwischen 1752 und 1753 errichtet wurde, um die Grenze zum Ampezzano zu markieren und um die nicht enden wollenden Streitigkeiten über den Verlauf der Grenze zwischen den beiden Staaten ein Ende zu setzen.
Die Paßhöhe des Giau ist lange bevor man sie erreicht sichtbar. Rechts thront der zackige Nuvolaustock mit seinen knapp 2.600 Metern, links steht die mehr als 2.700 Meter hohe Felskette der Croda da Lago. Von der Paßhöhe aus hat man einen unbeschreiblichen Panoramablick über die Dolomiten: im Westen der Sellastock, im Südwesten die vergletscherte Marmolada, im Süden Monte Civetta und Monte Pelmo, im Osten Monte Cristallo und im Norden die Tofana Gruppe.
Für
die Abfahrt ziehe ich nur eine dünne Windjacke an. Dann beginnt eine wundervolle
Abfahrt, auf der 29 numerierte Kehren liegen. Vor Selva di Cadore ist
Schluß mit der rauschenden Fahrt. Ich biege nach rechts in Richtung Colle
S. Lucia ab. Unvermittelt geht es wieder bergauf. Auch nach der Ortsdurchfahrt
von Colle S. Lucia steigt die Straße weiter an. Erst am Belvedere,
einem Balkon oberhalb von Caprile im Cordèvole-Tal, man
hat dort einen herrlichen Ausblick, geht es wieder bergab. In Caprile
mache ich erst einmal Mittagspause. Ich kenne das Restaurant schon von einer
früheren Tour.
Alleghe liegt im Tal des Cordèvole am gleichnamigen See, der am 11. Januar 1771 durch einen Erdrutsch am nahe gelegenen Monte Forca entstanden ist. Er begrub die Ortschaften Marin, Riete und Fusine unter sich. Das Geröll staute den Wasserlauf innerhalb nur weniger Tage eine Tiefe von 18 Metern auf, der See hat eine Länge von 1500 m. Zwischen Alleghe und Cencenighe fällt die Straße ein wenig steiler ab.
In Cencenighe biege ich nach rechts auf die SS345 in Richtung Falcade ab. Einen längeren Straßentunnel kann man mit dem Fahrrad auf der alten Straße umfahren, es besteht Steinschlaggefahr. Bis Falcade sind 400 Höhenmeter zu überwinden. Einige Kilometer hinter Falcade zweigt die Straße zum Passo di Valles ab. Ab hier wird die Straße, die ab Falcade nur noch wenig befahren ist, deutlich schmaler und der wirklich harte Teil der Strecke beginnt, in mehreren Kehren mit Steigungen jenseits von 15% zieht sich die Straße nach oben. Ab dem Rifugio Flora Alpina läßt die Steigung deutlich nach.
Auf der recht flachen Paßhöhe steht eine kleine Kirche. Seinen Namen bekam der Passo di San Pellegrino von den Mönchen des Ordens ‚San Pellegrino‘, die 1358 auf der Paßhöhe ein Hospiz gründeten, und die Kirche erbauen ließen. Hospiz und Kirche wurden im Ersten Weltkrieg zerstört, sind aber heute wiedererrichtet.
Die 11,5 Kilometer lange Abfahrt nach Moena ist bezüglich des Gefälles ungleichmäßig und kommt bis auf den letzten Kilometer vor Moena ohne eine einzige Kehre aus. Moena liegt an der Grenze zwischen Val di Fiemme und Val di Fassa und ist der größte bewohnte Ort des letzteren Tals.
Die restlichen elf Kilometer bis Predazzo sind schnell absolviert. Im Hotel kann ich duschen und mich umziehen. Dann esse ich zu Abend. Beim Essen notiere ich die Daten des Tages: 92 Kilometer, 2375 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,76 Kilometern.
Es wird spät werden, bis ich in München ankomme.
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| Stand: 25. Januar 2012 |
Copyright©: Hubert Becker,
2005
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