Oberhof Hademare - Burggut Hemeren - Haus Hemer

von Hermann-Josef Geismann

Am Fuße des 270 m hohen bewaldeten Kehlberges am Nordausgang unserer Stadt liegt Haus Hemer. Ein rechteckiger Bau mit quadratischem Turm, zweigeschossig mit hohem Walmdach, den dreigeschossigen Turm krönt eine Turmhaube.

Haus Hemer

Haus Hemer                                                                       Zeichnung: Hermann-Josef Geismann

Es ist ein schlichter Bau, der unserer Stadt den Namen gab.

Die Lage des Hauses Hemer wird durch zwei Wege und zwei Wasserläufe markant: einmal ist es die Straße, erbaut 1816/17, von Iserlohn nach Menden, heute Bundesstraße 7, und die Geitbecke, die noch 1829 als "Landstraße" bezeichnet wurde, und zum zweiten ist es der Hemerbach, fast parallel zur heutigen B 7 und wiederum die Geitbecke, identisch mit dem Wasserlauf, die das Grundstück von Haus Hemer mit einem ganzen Ensemble von Bauten begrenzt.

Wahrscheinlich war die am Fuße des Kehlberges vorbeilaufende Allee einmal die alte Straße Arnsberg - Hagen, die Schinkel 1806 auf seiner Reise nach Italien beschreibt.

Auf der vierten Seite wird das heutige Grundstück Haus Hemer von einem weiten Feld begrenzt, das bis Höcklingsen reicht.

Wir wissen nicht, seit wann das Grundstück bebaut war. Jedoch durch die erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1072 tritt es als Oberhof des Erzbistums Köln in die Geschichte ein. Erzbischof Anno II. von Köln hatte gerade die Gründung der Benediktinerabtei Grafschaft vollzogen und in der Urkunde u. a. den Oberhof Hademare, das heutige Haus Hemer, zur Versorgung des Klosters verfügt.

Es ist nicht bekannt, wie zu dieser Zeit die baulichen Anlagen ausgesehen haben.

Ausgrabungen südlich von Haus Hemer haben uns aber gezeigt, wie die St. Vitus-Kirche, die dem Hause oder seinem Besitzer eigen war, um 1072 ausgesehen hat; Es war eine bescheidene Dorfkirche aus Naturstein, romanisch, mit kleinen Fenstern, halbrundem Chor, schwerem, aber niedrigem Turm, Schiff, Turm und Kreuzchor mit steilen Dächern. Sie wurde 1803 wegen Baufälligkeit abgebrochen.

Vielleicht hat der Oberhof Hademare dieser dem heiligen Vitus geweihten Kirche in Gestalt und Form geglichen: eine niedrige Hofanlage aus Bruchsteinen mit Wehrtonnen und Wassergraben.

Fast 400 Jahre später taucht das Burggut wieder in Urkunden auf: 1452 wird es in der Ritterschaft des Herzogs von Kleve-Mark genannt, und zwar werden als Eigentümer die von Höcklinghausen verzeichnet. Sie stammen aus Höcklingsen bei Hemer und sind bis 1470 nachweisbar.

Ihr folgt Familie Albert von Böckenförde, genannt "Schüngel", aus dem gleichnamigen Dorf Böckenförde bei Lippstadt. Wann sie Haus Hemer erwarb oder von der weitläufig mit ihr verwandten Familie von Höcklinghausen erbte, ist nicht bekannt.

Jedenfalls verbriefte Herzog Johann von Kleve und Graf von der Mark am 10. Juni 1499 diesem Albert Schüngel die Fisch- und Wasserrechte am Hemerbach.

Nach seinem Tode um 1550 erbte sein Sohn Albert Haus Hemer. Dieser hatte eine Tochter Anna, die Johann Knipping aus der Soester Börde heiratete. Das Ehepaar verzichtete auf Haus Hemer und es fiel an Arndt Schüngel, einen Bruder von Annas Vater. Für diesen Vorgang wird das Jahr 1554 angegeben.

Arndt Schüngel hatte zwei Kinder: Maria und Konrad. Er setzte In seinem Testament vom 19. November 1572 seine Schwiegertochter Anna, Frau seines Sohnes Konrad, als Erbin von Haus Hemer ein, da sein Sohn nach seinem Studium geisteskrank geworden war.

Über diese Erbfolge gab es Prozesse. Das Haus fiel wieder an seine Nichte Anna zurück, die inzwischen mit Johann Rump in dritter Ehe verheiratet war. 1580 starb Anna. Johann Rump heiratete erneut, und zwar Margarete von Delwig. Wann Johann Rump starb, ist nicht bekannt. Verbrieft ist dagegen, daß vor Juli 1610 die Witwe des Johann Rump in zweiter Ehe den Kölnischen Hauptmann Johann von der Heese heiratete. Dieses Ehepaar erhielt vom Abt des Klosters Grafschaft, Gottschalk von Dael, am 23. Juli 1610 die Genehmigung, Haus Hemer an Dietrich Ovelacker, den Drosten zu Altena und Iserlohn und gleichzeitigen fürstlich-klevischen und märkischen Rat zu verkaufen.

Dietrich Ovelacker war es, der Haus Hemer in der jetzt noch erhaltenen Form baute. Die Wetterfahne, die heute noch vorhanden ist, zeigt für den Bau oder seine Fertigstellung das Jahr 1614 an.

Bei den jetzigen Renovierungsarbeiten glaubt der Verfasser nachweisen zu können, daß bereits vor 1614 an gleicher Stelle ein Burggut mit Wassergraben mit mehreren Türmen gestanden hat: Außenmauern im Kellergeschoß und Turmfundamente unter der Hofaußentreppe bis in eine Tiefe von 2,80 m deuten darauf hin.

Auch ist anzunehmen, daß der Bau Dietrich Ovelackers von 1614 kleinere Maueröffnungen mit steinernen Fensterkreuzen hatte, die später und jetzt sichtbar zu Gewänden für die heutigen Fenster umgearbeitet wurden.

Am 1. September 1633 starb Dietrich Ovelacker.

Haus Hemer erbte seine Witwe Elisabeth, geb. von Wachtendonk. Da die Ehe kinderlos war, fiel Haus Hemer an die Familie von Wachtendonk. Diese war bis 1664 Besitzer des Hauses, nachdem bereits 1658 ein Vertrag ausgehandelt war. In dieser Zeit verfügte der Große Kurfürst an die Besitzer des Hauses die Gerichtsbarkeit. Die Urkunde wurde im Jahre 1647 ausgefertigt.

Die Witwe Arnolds von Wachtendonk verkaufte mit Zustimmung ihrer Söhne das Haus an ihren Schwiegersohn Melchior von Brabeck. Nach seinem Tode 1680 lebte sein Bruder Johann Ernst von Brabeck, Domherr in Münster, zeitweise auf Haus Hemer. Er starb hier1690. 148 Jahre lang blieb Haus Hemer im Besitz der Familie von Brabeck. Carl Heinrich Löbbecke erwarb durch Kauf im Jahre 1812 Haus und Grund.

Dieser war der erste bürgerliche Besitzer des Hauses. Er stammte aus Braunschweig, war ein Abkomme der seit 1418 urkundlich nachweisbaren Familie Löbbecke aus Iserlohn. Diese Familie behielt Haus und Park in ihrem Besitz, bis sie es 1957 an die katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul verkaufte.

Abschließend sei zur Geschichte noch erwähnt, daß in der Zeit derer von Brabeck die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul in angrenzender Nachbarschaft von 1698 bis 1700 gebaut wurde. Bauherr war der im Jahre 1619 in Letmathe geborene Fürstbischof von Hildesheim, Jobst Edmund von Brabeck, der zu dieser Zelt auch Besitzer von Haus Hemer war. 1957 wurde somit ein sinnvoller Akt der Vereinigung der Grundstücke von Haus Hemer und der Kirche St. Peter und Paul vollzogen.

Es sei der Hinweis erlaubt, daß das Haus nach dem Zusammenbruch 1945 zunächst als Unterkunft für Flüchtlinge und danach als erste Begegnungsstätte der Evangelischen Akademie, heute in Iserlohn, diente.

Von 1958 bis 1980 nutzte die katholische Kirchengemeinde das Haus als Kinderheim. Mit Zustimmung des Erzbischöflichen Generalvikariats, des Landschaftsverbandes und anderer staatlichen Stellen faßte der Kirchenvorstand der Pfarrkirche St. Peter und Paul 1981 den Plan, das Haus auch weiterhin für gemeindeeigene Zwecke zu gebrauchen. Nach den Plänen soll in Erdgeschoß ein Kindergarten, im Obergeschoß ein Pfarrzentrum und im Kellergeschoß ein Jugendzentrum entstehen.

1982 wurde das Dach restauriert und mit Naturschiefer belegt.
1983 bekam das Haus neue Fenster.
1984 wurden die faulen Geschoßbalkendecken durch Betondecken ersetzt.
1985 erfolgte der Ausbau und die Erneuerung des Außenputzes.

Hemer, im September 1985

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Dieser Artikel ist weiterhin erschienen in:   Der Schlüssel 39 (1994) S. 104-106.


[Geschichtlicher Überblick von Hemer]

[Hubert Becker's Homepage]

[Jobst Edmund von Brabeck]

[Heinrich Schlier in Ispei]

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Stand: 14. Juli 2008

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