| Eine Pässerunde durch die brescianer und bergamasker Alpen in 4 Tagesetappen über 329 km. Tagesetappen zwischen 98 und 51 Kilometern. | |
| 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag | |
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Streckenabschnitt |
Meeres- |
Entfernung |
Tages- |
Gesamt- |
|---|---|---|---|---|
| Anfo - Bagolino Bagolino - Valle Dorizo Valle Dorizo - Gasthof Blumon Break Gasthof Blumon Break - Goletto Gaver (IT-BS-1795) Goletto Gaver - Goletto di Cadino (IT-BS-1943) G. di Cadino - Passo Croce Dominii (IT-BS-1892b ) Passo Croce Dominii - Degna Degna - Breno (1. Tagesetappe) |
475 |
9,4 |
9,4 |
9,4 |
| Breno
- Capo di Ponte Capo di Ponte - Cedégolo Cedégolo - Forno-Allione Forno-Allione - Paisco Paisco - Passo del Vivione (IT-BG-1828) Passo del Vivione - Schilpário Schilpário - Dezzo di Scalve Dezzo di Scalve - Passo della Presolana ( IT-BG-1297) Passo della Presolana - Castione della Presolana Castione della Presolana - Rovetta Rovetta - Conca Verde (IT-BG-0665) Conca Verde - Clusone (2. Tagesetappe) |
385 |
9,8 |
9,8 |
61,4 |
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Clusone - Ponte Nossa |
640 |
7,2 |
7,2 |
142,8 |
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Roncaglia - Piangaiano Rova Schiffahrt von Pisogne nach Iseo Iseo - Passo dei Tre Termini (IT-BS-0701a) |
372 |
3,0
12,7 |
3,0
31,9 |
236,5
265,4 |
Zeitraum
Die Radtour wurde vom 11. bis 14. Juni 2009 bei schönem Wetter durchgeführt.
Teilnehmer:
Hubert Becker
Allgemeine Hinweise
Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäcks sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.
Überblick
Diese Radtour ist keine Spazierfahrt, ca. 7.000 Höhenmeter sind auf 329 Kilometern zu absolvieren! Ausreichendes Training und Kondition sind für einen unproblematischen Tourenverlauf notwendige Voraussetzung. Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, dass die beschriebene Tour ist.
Empfohlenes Kartenmaterial: Die Generalkarte Lombardia (1:200.000), Kompass Wander-, Bike und Skitourenkarte Nr. 102 "Lago di Garda - Monte Baldo" (1:50.000), Kompass Wander-, Bike und Skitourenkarte Nr. 94 "Édolo - Aprica" (1:50.000), Kompass Wander-, Bike und Skitourenkarte Nr. 103 "Le Tre Valli Bresciane" (1:50.000), Kompass Wander-, Bike und Skitourenkarte Nr. 104 "Foppolo - Valle Seriana" (1:50.000), Kompass Wander-, Bike und Skitourenkarte Nr. 106 "Valtrompia" (1:50.000.
Anreise (10.06.2009)
Die Anreise erfolgte mit dem eigenen Fahrzeug von München. Die Entfernung München - Anfo beträgt 417 Kilometer. Die kürzeste Route verläuft über Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck, Brenner und Brixen. Zumeist ist die Strecke über Kufstein nach Innsbruck die schnellere.
Anfo liegt am Westufer des Lago d'Idro. Der See liegt ca. 20 Kilometer westlich des Gardasees und verläuft parallel zu diesem. Der See ist ungefähr 10 Kilometer lang und maximal einen Kilometer breit. Zu beiden Seiten ragen die Berge steil aus dem See hinauf. Anfo liegt ungefähr auf der Mitte des Westufers. Von Anfo führen zwei Straßen hinauf in die Berge, beide Routen treffen sich am Passo Croce Dominii.
Die Anreise verläuft ohne besondere Vorkommnisse und ohne Stau. Ungefähr vier Kilometer nördlich von Anfo liegt ein kleines Hotel oberhalb der Straße: Garden Grill. Das Grundstück um das Haus ist mit einem hohen Metallzaun umgeben, der auch den Parkplatz miteinschließt. Ich klingel am schon geschlossen Tor, auf einem Balkon des Hauses erscheint ein sehr freundlicher Mann und fragt nach meinem Begehren. Ich teile ihm mit, dass ich übernachten wolle. Er öffnet das Tor. Die Zimmer sind super, ich kann mir sogar eines aussuchen. Leider ist die Küche schon geschlossen, aber man gibt mir eine Adresse, wo ich noch zu Abend essen, das Ristorante ist nur ca. vier Kilometer entfernt.
Beschreibung der Tour

Beim
Frühstück lerne ich auch die Chefin des Hauses kennen. Chef, Chefin
und ich kommen ins Gespräch. Ich erkundige mich eingehend über den
Weg, weil ich im Internet Berichte gelesen habe, dass zwischen Passo della
Spina und dem Passo del Dosso Alto die Straße wegen eines Erdrutsches
seit 2003 nicht passierbar sei. Neueste Bericht im Netz besagen aber, dass ein
Tunnel gebaut worden sei, um den Erdrutsch zu umgehen, und dass der Tunnel mittlerweie
befahrbar sei.
Die Wirtsleute stoppen meine Erwartungen. Der Tunnel zwischen Passo della Spina und Passo del Dosso Alto sei noch nicht geöffnet und im weiteren Verlauf ist die Straße zwischen Passo di Maniva und Passo Croce Dominii wegen zahlreicher Grundlawinen im Winter 2008/2009 noch nicht passierbar. Ich bin sehr enttäuscht und muss umplanen.
Ich hatte so eine schöne Route mit vielen, vielen Pässen erarbeitet: Von Anfo hinauf zum Passo della Spina, dann weiter zum Passo di Maniva und schließlich über den Giogio della Bala zum Passo Croce Dominii. 17 Pässe stünden auf der Speisekarte:
|
- Cuca Chetoi (IT-BS-0911) dazu noch mit wenigen Metern bzw. wenigen hundert Metern von der Straße entfernt: - Passo del Maniva (IT-BS-1813) |
Anm.: Ein Jahr später sind wir dann die geplante Tour gefahren, der Tunnel zwischen Passo della Spina und Passo del Dosso Alto ist im Spätsommer 2009 dem Verkehr freigegeben worden; die Schäden zwischen Passo di Maniva und Passo Croce Dominii sind auch behoben. Im Magazin tour gibt es im Heft 06/2010 einen Bericht einen Bericht, aber ich persönlich würde diese Route nicht mit einem Rennrad fahren, dass habe ich Tour als Leserbrief mitgeteilt, der im Heft 07/2010 abgedruckt wurde.
Macht nichts, ich bin einfach zu früh dran, ich muß eine Entscheidung treffen und fahre jetzt über Bagolino und über den Goletto di Cadino zum Passo Croce Dominii. Das sind nur drei Pässe, die ich sammeln kann, besser als nichts. So lerne ich Bagolino kennen, ein ursprünglich gebliebener Ort in den brescianer Bergen. Vom Hotel in Anfo, das direkt am Abzweig nach Bagolino liegt, geht es los. Nach wenigen hundert Metern, welch ein schöner Blick über den See, so tief eingebettet zwischen den Bergen, man könnte meinen, es sei ein Fjord in Norwegen.
Von Bagolino zieht es sich mit unregelmäßiger Steigung Kilometer um Kilometer hinauf. Dann ist der Parco Adamello erreicht, mit dem eine kargere Almlandschaft einsetzt. Der Gasthof Blumon Break auf der linken Straßenseite lädt zur Mittagsrast ein, von dort öffnet sich ein grandioser Blick auf das Adamello-Massiv. Nach einer Linkskurve wird die Straße schmaler und steiler, es geht hinauf zum ersten Pass, dem Goletto Gaver. Dann folgt eine kurze Abfahrt, bevor es weiter hinauf geht. Bei der Auffahrt zum Goletto di Cadino muss ich vor einer Baustelle warten, ein Bagger räumt die letzten Reste einer abgegangenen Mure weg. Der höchste Punkt der heutigen Etappe ist der Goletto di Cadino, von dort kann man den Passo Croce Dominii bereits sehen. Das Gasthof auf der Passhöhe ist beliebtes "Bikertreff", dutzende Motorräder stehen dort.
Die Abfahrt nach Breno zählt zu den Genußabfahrten, landschaftlich abwechslungsreich, einige Kehren im oberen Bereich bei Bazena. Als ich gegen 16 Uhr in Breno ankomme, ist es richtig heiß. Im Hotel Ristorante Giardino finde ich ein Zimmer.
Oberhalb von Breno liegen auf einem Felsen die Reste der Burg von Breno. Mitten im Ort, auf einer Anhöhe, steht ein Haus im arabischen Stil. Hat sich ein arabischer Potentat hier niedergelassen? Nein, der Anwalt Gheza Maffeo hatte die Idee, ein Haus in orientalischem Stil im Herzen von Breno zu bauen. In den Jahren 1929 bis 1935 wurde die Villa errichtet. Das Eingangstor hat einen arabischen Bogen wird verziert von einem geometrischen Kufi-Skrip, zu beiden Seiten des Tors befinden sich je drei Säulen mit geschnitzten Verzierungen. Gheza war nie im Nahen Osten, doch er hatte gute Kenntnisse über die Architektur und Dekorationen der arabischen Welt.
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Nach einem Spaziergang durch den Ort, sitze ich später auf der Terrasse des Hotels beim Abendessen.
Die Tagesstatistik verzeichnet 52 Kilometer, 1584 Höhenmeter, bei einer
Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,5 km/h.
2. Tag (Tabelle)
(Seitenanfang)
12.06.2009
Am
Morgen ist es schon ganz schön heiß. Der Wetterbericht ist gut, auf
geht's. Die ersten 18 Kilometer durch das Val Camonica bis Forno Allione
sind wegen des Verkehrs etwas nervend. Dann wird es ruhig und anstrengend. Zuvor
genehmige ich mir noch ein kaltes Erfrischungsgetränk.
Nun beginnt der 1300 Höhenmeter lange Anstieg zum Passo del Vivione. Der Pass verbindet das Valle di Scalve in der Provinz Brescia mit dem Valle di Scalve in der Provinz Brescia. Es geht zunächst über einige Kehren in nördlicher Richtung am Talhang hinauf, nach zwei Kilometern folgt eine weitere Kehre, die Fahrtrichtung ist jetzt Südwesten. Die Steigung beträgt ca. sieben Prozent, sie wird jedoch immer wieder von kurzen Rampen bis maximal 12 % Steigung unterbrochen. Paisco ist der einzige Ort an der Auffahrt bei Kilometer 5,7. Kurz nach der Ortschaft fährt man in einen schattigen Wald hinein, bei den heutigen Temperaturen ein willkommener Schattenspender. Ungefähr einen Kilometer vor der Passhöhe endet der Nadelwald und die Straße zieht sich fast eben bis zur Passhöhe.
Die
Passhöhe kann trotz der Einsamkeit mit einer bewirtschafteten Hütte aufwarten,
dem Rifugio Vivione mit 6 Doppelzimmern. Auf dem Parkplatz stehen ca. zwei Dutzend
Motorräder herum. Die Motorradfahrer bevölkern die Terrasse des Rifugios.
Ich mache bei einem Erfrischungsgetränk eine 20-minütige Pause und
genieße den herrlichen Ausblick auf die Bergamasker Alpen. Von
himmlischer Ruhe kann man aber doch nicht sprechen, es stört der Motorenlärm
der ankommenden und abfahrenden Motorräder.
Die Straße führt in einer großen Linkskurve in das Tal des Fiume Dezzo. Nach vier Kilometern erreiche ich die erste Kehre, es folgen in kurzen Abständen weitere sechzehn. Dann rausche ich bei mäßigem Gefälle in den Ort Schilpario hinein. Der Ort ist wie ausgestorben, es ist Siestazeit.
Weiter geht es hinab bis Dezzo di Scalve, das auf 750 m Meereshöhe liegt. Die SS294 führt weiter dem Flüßchen Dezzo folgend nach Darfo Boario Therme im Val Camonica. Auf gleicher linken Seite biegt die SP59 ab, die über den Croce di Sálven (1108 m) nach Breno im Val Camonica führt. Ich biege nach rechts ab auf die SP56 zum Passo della Presolana. Unmittelbar nach dem Abzweig beginnt der Anstieg, der zunächst ca. etwa 5 bis 6 % Steigung aufweist. Die Straße schmiegt sich eng den Steilhang an und man hat tiefe Ausblicke in die Schlucht des Fiume Dezzo. Dann nimmt die Steigung merklich zu auf 9 bis 10 %, mehrere kurze Rampen mit bis zu 14 % Steigung stören den Fahrrhythmus. Über insgesamt neun Kehren schlängelt sich die Straße aufwärts und man erreicht ungefähr einen halben Kilometer vor der Passhöhe das Ortsschild von Presolana.
Beide Auffahrten
zum Passo della Presolana können nicht unterschiedlicher sein. An
der Ostauffahrt stehen nur wenige Häuser, die Westauffahrt bis kurz vor
der Passhöhe bebaut. Nach ungefähr sechs Kilometern erreiche ich die
ziemlich verbaute Ortschaft Castione della Presolana. Conca Verde,
so heißt eine kleine Einbuchtung kurz vor Clusone, ist der dritte
und letzte Pass für heute.
Ganz gemütlich fahre ich durch die Ortsmitte von Clusone und sehe mich nach einem Hotel um. Im Hotel Ristorante Europa finde ich ein freies Zimmer. Der Chef des Hauses bringt mein Fahrrad in Sicherheit.
Clusone (8.000 Einwohner) hat 1801 die Stadtrechte erhalten und liegt auf einer Seehöhe von 650 Metern. Clusone weist einige interessante Bauwerke auf, z. B. die Chiesa del Paradiso aus dem 15. Jahrhundert, Orologo Planatario Fanzage aus dem Jahr 1583, Palazzo Communale, Palazzo Carrara Spinelli, Basilica die Santa Maria Assunta, Oratori dei Disciplini mit seinen berühmten Wandfresken.
Nach dem Duschen schlendere ich noch ein wenig durch den Ort, um mir die eine oder andere Sehenswürdigkeit anzuschauen. Nach einem Bierchen kehre ich wieder zurück ins Hotel. Im Speisesaal sind nur wenige Tische besetzt. Der Service ist zuvorkommend, das Essen sehr gut. Der Chef des Hauses kommt immer wieder zu mir an den Tisch, um sich nach Details der Radtour zu erkundigen. Er selbst ist begeisterter Radfahrer. Später gesellt sich noch ein Mountainbiker dazu, der ziemlich spät von seiner heutigen Tour zurückgekommen ist.
Die Tagesstatistik: 84 Kilometer, 2138 Höhenmeter bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,0 km/h.
3. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 13.06.2009
Der
Tag verspricht, heiß zu werden, keine Wolke am Himmel und in der Früh
schon 22° C. Nach einem angenehmen Frühstück steht mein Fahrrad
schon vor der Hoteltür, der Chef hat es persönlich vorgeschoben. Er
läßt mich auch nicht aus den Augen, als ich die Gepäcktaschen
befestige. Die eine oder andere Frage bezüglich Streckenverlauf oder Fahrradtechnik
wird gestellt und beantwortet, wohlgemerkt, alles in Italienisch. Ich hoffe,
dass er mich verstanden hat.
Auf einer stark befahrenen SS671 geht es hinab nach Ponte Nossa. An einem Samstag und bei schönem Wetter sind auch schon die ersten Herden motorisierter Biker unterwegs, zu den deutschen rücksichtslosen Horden gesellen sich jetzt auch italienische Gesetzlose. Keine Geschwindigkeitsbeschränkung, kein Überholverbotsschild gilt für diese Outlaws. Rücksichtslos wird eingeheizt.
In
Ponte Nossa (siehe Schilderbaum) biege ich nach rechts ab zum Passo
di Zambla. Der ungefähr 800 Höhenmeter lange Aufstieg erweist
sich in der zunehmenden Hitze als zäh. Nach rund 14 Kilometern ist der
Passo di Zambla erreicht. Auf der Passhöhe Horden von Motorradfahrern
und ein paar Radler, darunter auch ein Tourenfahrer-Pärchen aus England.
Wir unterhalten uns artig und tauschen unsere Erfahrungen bezüglich Radtouren
aus. Die Beiden sind auch schon ganz schön herumgekommen.
Ich biege nach links in eine unbefestigte Straße ab in Richtung Passo della Crocetta, die Straße steigt kurz an, um dann in die Passmulde hinunter zu führen. Für meine Bereifung am Tourenrad ist diese Straße zu unbefestigt, um auf ihr weiter zu fahren. Ich kehre um und fahre zurück zum Passo di Zambla. In der Gegend des weltbekannten Wasser San Pelegrino geht es nun auf und ab, einige unbekannte Pässe können hier gepflückt werden, Oltre Il Colle ist der erste, La Forcella der nächste, dann mache ich einen ca. 3 Kilometer langen Abstecher zum Passo Crocetta; ich muß auf dem gleichen Weg wieder zurück fahren, um auf der Route zu bleiben.
Oberhalb
von Algua sehe an der Straße ich ein einladendes Ristorante, eine
Pizza Frutti di Mare muß es schon sein. Noch etwa zwei Kilometer geht
es bergab, dann biege ich nach links in Richtung Selvino ab. Ungefähr
450 Höhenmeter sind bis Selvino zu überwinden, das ist recht
anstrengend bei dieser Hitze.
Aber dann, es folgt eine Abfahrt hinunter nach Nembro vom Feinsten. Insgesamt 18 Kehren, erst 12 dann später noch einmal 6 sind zu durchfahren. Unten im Val Seriana beträgt am späten Nachmittag die Temeratur immer noch über 30° C. Auf der SS671 herrscht reger Verkehr, ich bin froh, dass ich diese Straße in Cene wieder verlassen kann. Bevor ich den letzten Anstieg des Tages in Angriff nehme, genehmige ich mir noch ein kaltes Erfrischungsgetränk.
Aus Cene heraus führt eine kurze steile Rampe, dann wird es etwas flacher, ich bin im Valle Rossa. Es wird wieder steiler und die Steigung hält bis zum Forcellino di Bianzano an. Ich bin ganz allein auf der Straße, kein Auto, kein Motorrad ist weit und breit zu sehen. Gegen 18:30 habe ich die Passhöhe erreicht.
Nach
einigen hundert Metern auf der Abfahrt kann man einen herrlichen Ausblick auf
den Lago di Endine genießen, der wunderschön in der Abendsonne
liegt. Wenige Minuten später bin ich unten auf der Uferstraße, der
SS42, und mache mich auf die Suche nach einem freien Hotelzimmer. Die ersten
beiden Hotels, in denen ich nachfrage sind bereits ausgebucht, im Albergo
La Romanella habe ich mehr Erfolg.
Schnell wird das Gepäck abgesattelt und das Fahrrad in der Garage verstaut. Ich bestelle einen Tisch auf der Terrasse, muß aber bis 21 Uhr warten, bis ein Tisch frei wird. Die Terrasse ist bis auf den letzten Platz ausgebucht, im Speisesaal sind noch viele freie Tische, aber dort will bei diesem Wetter niemand sitzen.
Ich kann nun in aller Ruhe duschen und mir Zivilkleidung anziehen. Dann überbrücke ich bei einem Bier an der Bar die Zeit, bis ein Tisch frei wird. Nach dem Abendessen an der Bar komme ich mit einigen Leuten ins Gespräch, es ist ein netter Abend.
Später notiere ich die Tagesstatistik: 98 Kilometer, 1799 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,0 km/h.
4. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 14.06.2009
Um
neun Uhr bin ich abfahrbereit vor dem Hotel La Romanella. Ich starte in Richtung
Lago d'Iseo. Auf der Straße sind schon recht viele Rennfahrer unterwegs,
an vielen Kreuzungen sammeln sie sich zur Sonntagsausfahrt. Bei Lóvere
erreiche ich den See. Es ist wohl ein Sonntagssport, in Gruppen um den See zu
fahren. Ich überquere den Fiume Oglio über die Ponte Barcotto
und fahre irrtümlicherweise nach Norden. Nach etwa einem Kilometer bemerke
ich den Fehler und kehre um.
In Pisogne fahre ich zur Anlegestelle der Seeschiffe und konsultiere den Fahrplan. In ungefähr einer halben Stunde fährt das nächste Schiff nach Iseo. Ich kaufe ein Ticket und habe dann noch Zeit für einen Espresso. Es sind viele Ausflügler in Pisogne unterwegs, auch das Schiff ist gut belegt. Auf dem Vordeck kann man es mit dem Fahrtwind in der Sonne gut aushalten.
Das
Schiff steuert fast alle Orte an beiden Ufern des Sees an, auch die Monte
Isola, die größte Insel in einem italienischen Binnengewässer, wird
angelaufen. Der See liegt wunderschön eingebettet in die hohen Bergen,
der Lago d’Iseo ist der viertgrößte der oberitalienischen Seen. Das Seebecken
wurde von den eiszeitlichen Gletschern des Val Camonica ausgehöhlt, der
Fluss Oglio speist den See. Wie fast alle oberitalienischen Seen ist
es eine landschaftliche Perle. Der See ist im Gegensatz zum Lago di Garda
oder Lago di Como bei deutschen Touristen noch weitgehend unbekannt geblieben.
Zwei kleinere Inseln, Isola di Loreto, nördlich der Monte Insola,
und Isola di San Paolo, südlich davon, befinden sich in Privatbesitz
der Familie Beretta, Waffenhersteller im nahen Gardone Val Trompia.
Immer wieder sehe ich auf der Uferstraße Gruppen von Rennradfahrern in bunten Trikots. Fuhren die Herren früher in schwarzen oder zumindest dunklen Radhosen, so muß man heute, wenn man mithalten will, in einer weißen Radhose fahren.
Nach fast zwei Stunden legt das Schiff in Iseo an, wo ich aussteige. Der Weg, bzw. die Wegweisung, heraus aus dem kleinen Ort ist etwas verwirrend, insbesondere ist der Knoten mit der Schnellstraße sehr unübersichtlich, auch hier fahre ich ein paar hundert Meter in falscher Richtung. Dann bin ich aber auf der Auffahrt zum Passo de Tre Termini. Auf der Hälfte der Wegstrecke hinauf zur Passhöhe liegt links in einer Kurve ein Restaurant, von dessen Terrasse man einen wunderschönen Blick über den See hat. Hier kehre ich zum Mittagessen ein.
Es
fällt schwer weiterzufahren, der Blick auf den See, gemütlich unter
einem Sonnenschirm sitzend, wissend, dass es noch ungefähr 70 Kilometer
bis zum Ziel. Letzteres ist aber auch ein Argument um loszufahren. Nach der
Linkskurve oberhalb des Restaurants ist der Blick auf den See verbaut. Jetzt
fällt mir auch auf, dass ich bei der gesamten Auffahrt bisher noch kaum
einen Rennradler gesehen habe, die Mehrzahl der gut gestilten Kameraden bleibt
in der Ebene unten am See. Bei Quaeldich.de
hat man andere Beobachtungen: "Für die Leute, die in der Nähe des Südufers
des Lago d’Iseo wohnen, scheint der Tre Términi ein beliebtes
Ziel zu sein. Dem Autor begegneten an einem späten Montagnachmittag im Juni
2007 dort eine Menge anderer Rennradfahrer, die nicht wie Touristen aus Germania
erschienen und offensichtlich ihre Feierabendrunden drehten." Wahrscheinlich
ist das Sonntags und Montags sehr unterschiedlich.
Die Passhöhe selbst in unspektakulär. Die Abfahrt hinunter ins Val Trompia ist im oberen Bereich bis Polavene noch abwechslungsreich, dann zieht es sich bis Ponte Zanano ziemlich gradlinig dahin. Im Val Trompia ist man schon sehr nah an der Großstadt Brescia, man merkt es an der Besiedelung und am Verkehr. In Sarezzo verlasse ich das Val Trompia und fahre hinauf nach Lumezzane. Hier befindet sich eine Fabrik, die fast alle europäischen Automobilhersteller mit Wasserpumpen beliefert. Das große Werk dominiert den Eindruck dieser Stadt mit rund 24.000 Einwohnern. In der Stadt, die sich an einem Südhang ausbreitet, sind rund 200 Höhenmeter zu überwinden, dann sind es noch ca. vier Kilometer bis zum Passo del Cavallo, der sich wenige Meter südlich der Straße befindet. Hier oben ist nichts mehr vom verstädterten Einflußbereich von Brescia zu spüren.
Eigentlich
dachte ich, jetzt geht es nur noch bergab. Doch weit gefehlt! Ab Sabbio Chiese
zieht sich die Straße mäßig, aber ständig hinauf zum Lago
d'Idro, kurze steilere Rampen sind eingestreut. In Vestone mache ich noch
eine kurze Rast, ein letztes zuckerhaltiges Erfrischungsgetränk soll meinen
Blutzuckerspiegel wieder anheben. Aus Vestone zieht sich sich die Straße
leicht steigend hinauf in Richtung Lavenone. Die Rampe vor Lavenone
ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, einmal, weil sie steil ist und
zum zweiten, weil ich sie im Verkehrsstau hinauf gefahren bin. In der Ortsmitte
befindet sich zum Zeitpunkt meiner Durchfahrt eine Baustelle, an der der Verkehr
wechselseitig vorbeigeführt wird.
Gegen 19:45 Uhr treffe ich im Garden Grill ein. Das Fahrrad und das Gepäck sind schnell im Auto verstaut. Die Wirtsleute erkundigen sich eingehend nach den Eindrücken und Erlebnissen der Tour. Ich halte mich etwas kurz in meinen Antworten und Schilderungen, ich muß weiter. Sie wollen mich überreden, über Nacht zu bleiben und am nächsten Morgen nach München zu fahren. Aber ich habe am nächsten Tag einen beruflichen Termin und will noch am heutigen Abend nach München fahren. Nach einer Platte mit Speck und Käse fahre ich los. Auf der Rückfahrt gibt es keine besonderen Vorkommnisse, obwohl an diesem Sonntag in Bayern die Pfingstferien zu Ende gehen. Die Rückreisewelle von Italien nach Bayern ist offensichtlich schon durch. Gegen ein Uhr komme ich Zuhause an.
Die Tagesstatistik: 95 Kilometer, 1126 Höhenmeter bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,3 km/h.
Nachtrag:
Wie
zu Beginn dieses Berichts beschrieben, wollte ich eigentlich von Anfo
hinauf zum Passo della Spina fahren und dann weiter zum Passo di Maniva
und schließlich über den Giogio della Bala zum Passo
Croce Dominii. Seit Ende August 2009 ist diese Strecke wieder durchgehend
befahrbar.
Im Juni 2010 fahren meine im Oktober 2010 plötzlich verstorbene Frau Uschi und ich wieder in die Gegend. Auf unserem Programm steht die vorstehend genannte Fahrt zum Passo Croce Dominii und dann zurück über den Goletto di Cadino und Goletto Gaver hinunter nach Bagolino und Anfo.
Zunächst
fahren wir am Vortag zum Einrollen von Iseo nach Pisogne am Westufer
des Lago d'Iseo entlang und zum Aufwärmen zum Colle San Zeno
hinauf. Wegen heftiger Gewitter in Richtung Osten (Val Trompia) kehren
wir auf der Passhöhe um und fahren auf gleichem Weg wieder zurück
nach Iseo.
Heute (4. Juni 2010) gehen wir die Traumrunde an, 18 Pässe auf einer Strecke von 76 Kilometern, davon 7 über 2000 m Höhe. Start in Anfo, d. h. wir parken unser Auto etwa einen Kilometer nördlich von Anfo auf einem öffentlichen Parkplatz. Einen Kilometer zum Einrollen, dann geht es nach oben. Wegen der Erfahrungen aus dem Vorjahr und den Berichten im Internet und von Radfreunden sind wir nicht mit Touren- oder Rennrädern unterwegs, sondern auf Mountainbikes. Auf dem Abschnitt zwischen Passo della Spina und Passo di Maniva sind einige Schotterstrecken zu durchfahren, ferner ist der letzte Abschnitt hinunter zum Passo Croce Dominii unbefestigt und wegen des Schmelzwassers auch zum Teil recht matschig.
In Anfo steigt die kleine wenig befahrene Straße unvermittelt an. Die Straße ist ist zwischen 3,50 und 4,00 Meter breit, Gegenverkehr ist nur im Schrittempo zu bewerkstelligen. Das ist gut für uns, die wenigen Motorradfahrer sind vorsichtig, da sie jederzeit unmittelbar mit Gegenverkehr rechnen müssen. Am Anfang der Straße gibt es noch einige Zufahrten zu Anwesen, dann wird es einsam.
Wir
fahren größtenteils durch den Wald bergauf. Die schmale, sehr verkehrsarme
Straße führt mit 9-10% in eine meist bewaldete, einsame Landschaft. Zu Beginn
gibt es nur wenige Kehren, später folgt eine richtige Kehrenkette und wir
kommen langsam aus der Waldzone heraus. Wir kämpfen uns Kilometer um Kilometer
hinauf, dank unserer Mountainbikeübersetzung ist es erträglich und
ohne Überbeanspruchung zu schaffen.
Der Pass Cuca Chetoi liegt ein paar Meter neben der Straße, wir schieben unsere Bikes hinüber und wieder zurück. Es folgt nun eine Serie von Kehren die sehr eng sind. Zwei Fahrzeuge passen kaum einmal gleichzeitig in diese engen Richtungswechsel, auch auf gerader Strecke können Fahrzeuge nicht immer aneinander vorbei fahren, das wissen auch einige Motorradfahrer, die uns überholen. Auf dieser Strecke muß man langsam fahren, sonst hängt man schnell auf einer Kühlerhaube. Am Cuca del Frinc ist das Schlimmste überstanden, bis zum Passo del Marè (zweiter Name: Passo Baremone) ist es noch ungefähr einen Kilometer. Kurz hinter diesem Pass befindet sich das Rifugio Rosa Baremo.
In dem Rifugio, d. h. auf der Terrasse lassen wir uns zum Mittagessen nieder. Der Wirt, ein lustiger Kauz, kommentiert unsere Pasta-Bestellung, die hätten wir uns auch verdient. Es dauert ein wenig lang, bis die Pasta dann serviert wird. Einige Mountainbiker sitzen am Nachbartisch und beraten über ihren weiteren Tourverlauf. Nach dem Essen füllen wir noch unsere Bidons auf und fahren dann weiter.
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Bis zum Passo della Spina ist die Steigung moderat, dann gibt es eine kurze Rampe hinauf zum neu erbauten Tunnel, durch den der Bereich des Erdrutsches umgangen wird. Die Straße ist jetzt nicht mehr asphaltiert, jedoch mit dem MTB gut zu befahren. Ab und zu ragen hangseitig einige größere Gesteinsbrocken auf die Fahrbahn. Nach dem Tunnel wird es noch schottriger, wir sind mit unseren Mountainbikes gut beraten.
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Nach einer kurzen Abfahrt geht es hinauf zum Passo del Dosso Alto (Pass der hohen Rückens), neben der geschotterten Piste sind ein paar Kölner Jecken mit ihren großvolumigen Motorrädern hängengeblieben, sie erkundigen sich nach dem Wegezustand auf der Weiterfahrt in der Richtung, aus der wir kommen. Wir raten ihnen zur Umkehr. Die Abfahrt zum Passo di Maniva säumen ein paar restliche Schneefelder.
Am Passo di Maniva kommen vier Straßen zusammen: die Auffahrten vom Val Trompia und von Bagolino sowie die Abfahrten vom Passo del Dosso Alto und vom Giogo di Bala. Die breite Passhöhe ist geprägt von einem großem Parkplatz und einigen Hotels und Restaurants.Vom Passo di Maniva geht es einige hundert Meter hinunter in Richtung Val Trompia bevor die Straße SS345 in Richtung Passo di Croce Dominii nach rechts abzweigt. Nach einem guten Kilometer versperrt uns eine Schranke die Weiterfahrt auf der Straße. Was nun? Da kommt eine Gruppe Mountainbiker die Straße hinuntergerauscht, sie heben ihre Bike über die Schranke und wollen weiterfahren. Wir fragen sie, woher sie kommen. Sie kommen daher, wohin wir wollen, und erklären uns, daß von der anderen Seite keinerlei Schranke existiert oder Verbot besteht und daß lediglich manchmal bis zur halben Straßenseite Schneewände auf die Straße ragen. Die Straße sei aber vollkommen problemlos passierbar. Wir heben unsere Bikes über die Schranke und machen uns an den letzten großen Anstieg des Tages, der im Gegensatz zur Auffahrt zum Passo del Marè ein Spaziergang ist.
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Die Wolken wabern um die höheren Gipfel, wir aber fahren unbehelligt von Wetterunbillen über den Kamm des Giogo di Bala. Irgendwann hört der Asphalt auf, und wir müssen auf der nassen, gesandeten Straße, die vom Schmelzwasser durchnäßt ist, sehr vorsichtig fahren. Dann kommen wir am Passo di Croce Dominii an. Die Abfahrt hinunter nach Bagolino ist ein Genuß. Dort treffen wir die Bikergruppe vom Passo di Maniva wieder, sie sitzen vor der örtlichen Bar und betrinken ihren fast abgeschlossenen Radtag. Später im Hotel treffen wir sie wieder, sie haben auch hier Quartier bezogen.
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| Stand: 15. Februar 2012 |
Copyright©: Hubert Becker,
2009
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