| Eine Fahrt vom kärntener Mallnitz in die Hauptstadt Südtirols in 4 Tagesetappen über 309 km. Tagesetappen zwischen 59 und 100 Kilometern. | |
| 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag | |
|
Streckenabschnitt |
Meeres- |
Entfernung |
Tages- |
Gesamt- |
|---|---|---|---|---|
| Mallnitz
- Sonnseite Sonnseite - Obervellach Obervellach - Flattach Flattach - Außerfragrant Außerfragrant - Gößnitz Gößnitz - Wöllatratten Wöllatratten - Latzendorf Latzendorf - Lainach Lainach - Winklern Winklern - Iselsberg (AT-2-1209) Iselsberg - Lienz (1. Tagesetappe) |
1175 |
3,1 |
3,1 |
3,1 |
| Lienz
- Huben Huben - Dölach Dölach - Hopfgarten Hopfgarten - Zotten Zotten - Bruggen Bruggen - St. Jakob St. Jakob - Mariahilf Mariahilf - Erlsbach Erlsbach - Staller Sattel (AT-7-2052 / IT-BZ-2052) Staller Sattel - Antholz-Mittertal Antholz-Mittertal - Antholz-Niedertal Ant.-Niedertal - Bf. Olang Bf. Olang - Bad Bergfall Bad Bergfall - Außerberg Außerberg - Furkelsattel (IT-BZ-1759) Furkelsattel - St. Vigil (2. Tagesetappe) |
696 |
21,0 |
21,0 |
80,0 |
|
St. Vigil - Zwischenwasser |
1215 |
4,4 |
4,4 |
163,8 |
| Baita Dovich
- Passo di Fedaia (IT-BL-2054b) Passo di Fedaia - Rif. Castiglioni Rif. Castiglioni - Penia Penia - Canazei Canazei - Campitello di Fassa Campitello di Fassa - Mazzin Mazzin - Pozza di Fassa Pozza di Fassa - Vigo di Fassa Vigo di Fassa - Valonga Valonga - Karer Paß (IT-BZ-1768) Karer Paß - Abzw. SP Abzw. SP - Großbühler Dörfer Großbühler Dörfer - Nigerpaß (IT-BZ-1688) Nigerpaß - St. Zyprian St. Zyprian - Tiers Tiers - Blumau Blumau - Bozen (4. Tagesetappe) |
1573 |
5,1 |
5,1 |
233,3 |
Zeitraum
Die Radtour wurde vom 10. bis 13. Juni 2004 bei überwiegend schönem Wetter durchgeführt.
Teilnehmer:
Hubert Becker
Allgemeine Hinweise
Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäcks sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.
Überblick
Diese Radtour ist keine Spazierfahrt, ca. 8050 Höhenmeter sind auf 329 Kilometern zu absolvieren! Ausreichendes Training und Kondition sind für einen unproblematischen Tourenverlauf notwendige Voraussetzung. Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, dass die beschriebene Tour ist.
Empfohlenes Kartenmaterial: Die Generalkarte Österreich Nr. 4 Pocket (1:200.000), die Generalkarte Südtirol-Dolomiten-Trentino (1:200.000), Kompass Wanderkarte Nr. 47 (1:50.000), Kompass Wanderkarte Nr. 49 (1:50.000), freytag&berndt WKS 1 "Bozen - Meran" (1:50.000), freytag&berndt WKS 3 "Pustertal - Bruneck - Drei Zinnen" (1:50.000), freytag&berndt WKS 5 "Grödner Tal - Sella - Marmolada" (1:50.000).
Anreise (10.06.2004)
Die Anreise erfolgte mit dem Zug von München über Rosenheim, Salzburg und Bad Gastein. Die von München nach Salzburg verkehrenden Regionalbahnen/Regionalexpresse verfügen jeweils über Fahrradabteile, die Fahrradmitnahme ist kein Problem. In Österreich verkehren EC und O/I, hier ist die Fahradmitnahme nur nach vorheriger Reservierung möglich.
Der Wintersportort Mallnitz liegt am Südportal des Tauern-Eisenbahntunnnel (Länge: 8552 m). Neben normalen Personen- und Güterzügen verkehren durch den Tunnel auch Autoverladezüge. Mallnitz ist die südliche und Böckstein die nördliche Verladestelle.
Beschreibung der Tour
Das Zugbegleitpersonal ist beim Ausladen des Fahrrads behilflich, sogar die
Fahrradtaschen werden von einem Schaffner herausgetragen. Schnell ist das Rad
bepackt und los geht es. Nach einem Kilometer fahre ich über einen kleinen
Sattel und es folgt die Abfahrt ins Mölltal. Am Almstüberl
in Obervellach halte ich zum Mittagessen an. Auf dem Parkplatz stehen ein Dutzend
Motorräder mit Beiwagen, zumeist schon historische Fahrzeuge. Die Motorradfreunde
sitzen auf der Terrasse beim Essen, es sind auch einige Kinder dabei, die wohl
in den Beiwagen mitgefahren sind. Für mich ist auch noch ein Plätzchen
auf der Terrasse frei.
Ich folge der Beschilderung zum Glocknerradweg, der von Heiligenblut bis zur Mündung der Möll in die Drau führt. Der Radweg ist zwar noch nicht durchgehend asphaltiert, die nicht befestigten Passagen sind jedoch mit Tourenrädern befahrbar. Bei Flattach zeigt ein Wegweiser zum Naturdenkmal Ragaschlucht; ich fahre vorbei, weil ich bereits im Vorjahr dort war. Auf ca. 30 Kilometern steigt der Weg um 200 Höhenmetern an, das entspricht einer durchschnittlichen Steigung von 0,67 Prozent. Am Höhenprofil kann man erkennen, daß die Steigung nicht gleichmäßig verläuft.
Kurz
vor Winklern beginnt dann der Anstieg zum Iselsberg oder Iselsbergpaß.
Der Paß verbindet das Osttiroler Drautal mit dem Kärntner
Mölltal. Um die Bergwerke des Mölltales zu erreichen, gab es schon
zu Zeiten der Römer einen Weg über den Iselsberg. Über vier Kehren
geht es hinunter nach Debant und Lienz. Lienz ist voller Leute;
für die 56. Österreich-Rundfahrt der Radprofis war heute Lienz Etappenziel.
Das war mir bei meiner Planung nicht bekannt. Es wird schwer werden, ein Hotelzimmer
zu bekommen. In mindestens zehn Häusern hatte ich schon vergeblich nachgefragt;
insgeheim hatte ich mich auch schon entschlossen, weiterzufahren und im Iselstal
nach einer Unterkunft zu suchen. Ein letzter Versuch und ich habe ein Hotelzimmer.
Nach dem Duschen und Umziehen schaue ich mir ein bißchen die Stadt Lienz an. Das letzte Mal war ich hier 15 Jahre zuvor. Mit rund 12.000 Einwohnern ist Lienz die siebtgrößte Stadt Tirols. Lienz liegt zwischen der Isel im Norden und der Drau im Süden; östlich der Altstadt mündet die Isel in die Drau. Im Gemeindegebiet von Lienz führen fünf Brücken über die Isel und drei Brücken über die Drau. Lienz ist Hauptstadt des des Bezirks Osttirol, der zum Bundesland Tirol gehört. Der Bezirk hat seit der Abtrennung Südtirols von Österreich keine direkte Verbindung zum übrigen Tirol.
Die in voraugustischer Zeit gegründete Siedlung am Debantbach wurde unter Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) zum "Municipium Claudium Aguntum" erhoben. Im Bereich des späteren Tirols hat neben Tridentum (Trient) einzig Aguntum den Status einer Stadt erreicht. Die Ergebnisse von wissenschaftlichen Grabungen zeigen das Erscheinungsbild einer blühenden römischen Provinzstadt, die bis in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. in wirtschaftlicher und kultureller Blüte lebte. Ab dem 4. Jahrhundert residierte in Aguntum auch ein Bischof. Zur Auflassung der Siedlung Aguntum dürfte die Schlacht zwischen Bajuwaren und Slawen, die nach dem Bericht des langobardischen Geschichtsschreibers Paulus Diaconus um 610 bei Aguntum stattgefunden hat, entscheidend beigetragen haben. Nach der Niederlage der Bajuwaren wurde das Pustertal dem Herzogtum Baiern und der Lienzer Raum dem Herzogtum Kärnten zugeschlagen.
Gegen Ende des 12. Jahrhunderts errichteten die Görzer zwischen den Flüssen Isel und Drau ein "Burgum" mit dem Grundriss in Form eines nach Osten hin sich verjüngenden, langgezogenen Dreiecks. Diese Anlage entspricht mehr oder weniger dem heutigen Hauptplatz. Die rund 30 Häuser scheinen nicht in zwei geschlossenen Häuserzeilen entsprechend einer einheitlichen Planung entstanden zu sein, sondern dürften nach und nach errichtet worden sein. Das Burgum, auf das der Name "Lienz" von der Siedlung um St. Andrä überging, trug zunächst vermutlich eher ritterständischen Charakter. Der görzische Landadel, der auf den zahlreichen Burgen rund um Lienz saß, dürfte auch hier einen Sitz gehabt haben. Die Ansiedlung, immer mehr von Handelsleuten und Gewerbetreibenden durchsetzt, erhielt vom görzischen Grundherrn verschiedene Rechte wie Markt-, Stapel-, Niederlagsrecht und niedere Gerichtsbarkeit und wuchs so in den Status einer mittelalterlichen Stadt hinein. Der letzte Görzer, Leonhard von Görz, starb im Jahr 1500 auf Schloss Bruck. König bzw. Kaiser Maximilian I. war Universalerbe der Görzer. Die Landgerichte im Pustertal und die Herrschaft Lienz wurden mit der Grafschaft Tirol vereinigt. Lienz verlor seine zentrale Position als Residenzstadt.
Die Restaurants sind heute Abend gut gefüllt, nur mit Mühe bekomme ich einen Platz. Später beobachte ich bei einem Glas Wein das Treiben auf dem Hauptplatz.
Die Tagesstatistik verzeichnet 59 Kilometer, 657 Höhenmeter, bei einer
Durchschnittsgeschwindigkeit von 18,5 km/h.
2. Tag (Tabelle)
(Seitenanfang)
11.06.2004
Der
Himmel ist wolkenverhangen, aber es ist trocken, als ich starte. Bald befinde
ich mich auf dem Iseltalradweg, der vorbildlich ausgebaut ist. Die Strecke steigt
leicht an, bis Huben sind 170 Höhenmeter zu überwinden. Der
Radweg führt stets dicht am Fluß entlang, bei querenden Straßen
sind manchmal wenige Meter lange steile Rampen zu befahren. Das ist der einzige
Nachteil an diesem Radweg.
In Huben verlasse ich das Iseltal. Es geht steil bergan ins Defereggental. Rund 1200 Meter Aufstieg sind bis zum Staller Sattel (italienisch: Passo di Stalle)zu überwinden. Die Steigung verläuft nicht gleichmäßig, vor den Orten im Defereggental sind jeweils steilere Rampen zu befahren, in den Ortschaften ist es dann flacher. Man kommt nicht so richtig in einen Fahrrythmus. In St. Jakob genehmige ich mir erst einmal eine Verschnaufpause und ein Erfrischungsgetränk. 40 Prozent des heutigen Tagespensums sind absolviert.
In
Mariahilf beginnt dann der finale Anstieg zum Staller Sattel.
In Erlsbach gibt es noch einmal eine kurze Verschnaufpause, die Steigung läßt
hier etwas nach. Auf den nächsten 4,5 Kilometern wird es kurviger, und es gibt
sogar einige Kehren. Die Straße steigt hier recht konstant mit Werten zwischen
8 und 10 Prozent, selten gibt es Spitzen um 12 Prozent. Nach dem Passieren des
sehr schön gelegenen Obersees muß noch eine kurze Rampe mit 30
Höhenmetern überwunden werden, dann ist die Paßhöhe erreicht.
Die Paßhöhe liegt auf 2052 m an der Grenze zwischen Österreich und Italien. Der Staller Sattel ist nach dem Timmelsjoch der zweithöchste von acht Straßenübergängen zwischen Österreich und Italien. Auf der Paßhöhe stehen einige Motorradfahrer herum und ein paar Autos stehen vor einer roten Ampel und warten auf die Weiterfahrt nach Südtirol.
Die
in der Regel schwach befahrene Paßstraße ist nur in den Sommermonaten
von Mitte Mai bis Ende Oktober in der Zeit von 06:00 bis 22:15 Uhr geöffnet.
Zwischen Antholzer See und Paßhöhe besteht ein ampelgeregelter
Richtungsverkehr im 30-Minuten-Takt. Die Fahrt von der Paßhöhe in Richtung
Italien ist jeweils von der 1. bis zur 15. Minute, die Fahrt vom Antholzer
See (Italien) in Richtung Paßhöhe von der 30. bis zur 45. Minute der
Stunde freigegeben. Es besteht eine entsprechende Ampelregelung. Für Busse und
Wohnwagen ist die Strecke gesperrt.
Noch zwanzig Minuten, dann schaltet die Ampel auf grün. Nachdem nur wenige Fahrzeug vom Antholzer Tal hinaufgekommen sind, ist es unwahrscheinlich, daß noch weitere kommen. Ich fahre zwei Minuten vor der vollen Stunde los, um den Motorradfahrern zu entgehen. Erst hinter dem Untersee (Antholzer See), hier ist die Straße bereits wieder zweistreifig, überholen mich die ersten Motorradfahrer. 24 Kilometer lang ist die Abfahrt bis nach Olang im Pustertal. Es ist Zeit für eine Mittagspause, ein Teller Pasta soll helfen, den verbrauchten Kalorienvorrat wieder aufzufüllen.
Am Nachmittag
steht ein weiterer Paß, der Furkelpaß (Italienisch: Passo
di Furcia), auf dem Programm, er ist nicht so hoch wie der Staller Sattel,
die Auffahrt ist aber steiler. In Gassl entscheide ich mich für
eine kleine Straße, die am Furkelbach entlang führt. Kurz
vor Bad Bergfall geht es nach einer scharfen Rechtskurve steil hinauf
nach Außerberg, wo ich nach links in die Strada provinciale di
Passo Furcia einbiege. Die Hoffnung, daß die Steigung hier etwas nachläßt,
muß ich aufgeben. Sie hält nur leicht vermindert an bis zu Paßhöhe.
Für heute habe ich genug! Ich beschließe, nicht, wie ursprünglich geplant, bis Abtei zu fahren, sondern im nächsten Ort Schluß zu machen. In St. Vigil (italienisch: S. Vigilio) ist die heutige Etappe beendet. In einer Rechtskurve liegt das Hotel Condor, in dem ich Unterkunft finde. Nach dem Duschen nehme ich Platz auf der Hotelterrasse. Es sind viele Hotelgäste hier, die sich nach ihrem jeweiligen Tagesprogramm hier ein Glas gönnen. Schnell ergibt sich ein Gespräch mit anderen Gästen.
Die Küche des Hotels ist noch nicht geöffnet, das wird erst in einigen Tagen der Fall sein. So gehe ich mit meinen Gesprächspartnern in eine nahe gelegene Pizzeria. Als wir diese wieder verlassen, marschiert die örtliche Blaskapelle bei Marschmusik durch den Ort. Sie proben für eine Veranstaltung am kommenden Sonntag.
Später in der Hotelbar ist richtig Stimmung, neben Hotelgästen sind auch einige Einheimische da. In drei Sprachen unterhält man sich: deutsch, italienisch und ladinisch. Einige Leute schaffen es, mitten im Satz die Sprache zu wechseln.
Heute war wieder einmal ein "Zweitausender", d. h. mehr als 2000 Höhenmetern, die Statistik: 100,4 Kilometer, 2178 Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,1 km/h.
3. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 12.06.2004
In
der Frühe scheint die Sonne wieder, es hatte in der Nacht mal geregnet.
Nach dem Frühstück ist das Fahrrad schnell bepackt und auf geht's.
Nach rund vier Kilometern Abfahrt beginnt der erste Aufstieg des Tages. In Zwischenwasser
biege ich nach links auf die SS244 ein. Ich kenne diese Straße entlang
des Gadenbachs von der Vorjahrestour, sie mäßig bis stark befahren,
die Straßenbreite variiert erheblich. Vor Abtei / Badia
steigt die Straße über ein paar Kehren steil an als zuvor, dann wird
es wieder flacher. Vor Stern / La Villa erreiche ich die nächste
Rampe.
Am Albergo di Valparola beginnt der eigentliche Anstieg zum Passo di Valparola. Nach einer Rechtskurve bei Sarè verlasse ich das Tal. Einige hundert Meter weiter glaube ich meinen Augen nicht, ein Hubschrauber kommt mir entgegen. Ich hatte ihn schon weiter ober in den Kehren gesehen, so daß mein Fotoapparat aufnahmebereit ist, als der Hubschreiber mich auf einem Tieflader passiert. Kufen und Rotor samt Rotorblättern waren demontiert.
Früher
führte über den Passo di Valparola nur ein Saumpfad, der aus strategischen
Gründen durch eine ausgebaute Paßstraße ersetzt wurde. Der Paß ist
Teil der Dolomitenfront, auf der Paßhöhe liegt das alte österreichische
Sperrfort Tra i Sassi. Kurz vor der Paßhöhe, hinter dem Gasthaus
liegt dein kleiner See, der Lago di Valparola.
Nach nur einem guten Kilometer erreiche ich den Passo di Falzàrego. 1909 wurde die Paßstraße gebaut und damit der letzte Abschnitt der Großen Dolomitenstraße zwischen Bozen und Cortina d’Ampezzo vollendet. Im Norden wird die Paßhöhe von den Felstürmen des Lagazuoi Piccolo um über 600 m überragt, auf der Paßhöhe befindet sich ein Denkmal, das an die Gefallenen der kriegerischen Auseinandersetzungen im Ersten Weltkrieg erinnert, daneben ein Restaurant mit Souvenirladen und eine Seilbahnstation.
Es
ist kühl hier oben am Falzàrego, in der Bar genehmige ich
mir einen Espresso und bereite mich für die Abfahrt vor. Die Südrampe
nach Andraz weist insgesamt 17 Kehren auf, die teilweise gepflastert
sind, im oberen Teil befinden sich zwei Galerien und ein 50 m langer, unbeleuchteter
Tunnel. Landschaftlich ist diese Rampe ein echter Leckerbissen.
Von Meter zu Meter wird es wärmer, in Caprile brennt die Sonne vom fast wolkenlosen Himmel. Das Hotel/Ristorante La Montanina liegt an der Einmündung SS203 in die SS641, die schattige Terrasse lädt zum Einkehren ein. Weil gerade ein paar andere Gäste aufbrechen, habe ich Glück, einen Platz zu bekommen. Heute mal keine Pasta! Antipasti und Carni con contorni sind eine Alternative, schließlich habe ich noch gut 1000 Höhenmeter vor mir. Die Ostrampe des Passo di Fedaia ist ein harter Brocken, bis Canazei, meinem heutigen Etappenziel sind es noch 29 Kilometer.
Nach
einer Stunde mache ich mich wieder auf den Weg. Ich biege nach rechts auf die
SS 641 ab, der ich bis kurz vor Rocca Piètore folge. Hier kann
ich die Strada statale verlassen. Ich biege nach links in eine kleine Ortsstraße
ein, auf der ich ca. zwei Kilometer bleibe. Bei Bosco Verde komme ich
wieder auf die Hauptstraße. Beim Ortseingang von Sottogudo folgt
man nicht nach links der Strada statale, sondern man fährt geradeaus in
den Ort hinein. Bald kommt man zum Eingang in die Sottoguda-Schlucht,
die nur für Fußgänger und Fahrräder freigegeben ist. Die folgenden 2700 Meter
sind ein schmaler, asphaltierter Pfad durch eine ebenso schmale Schlucht mit
ihrem wildem Bach. Am Ende der Schlucht trifft man bei Malga Ciapela
wieder auf die Straße zum Passo di Fedaia.
Ganz unerwartet beginnt es zu regnen. Erst ganz leicht, dann öffnet der Himmel alle Schleusen. Es tobt ein Gewitter vom feinsten, in der Schlucht gibt es keine Unterstellmöglichkeit, erst in Malga Ciapela kann ich mich in einer Bauwerkstatt unterstellen. Sie wird von der Firma genutzt, die die neue Seilbahn hinauf zur Marmolada baut. Der Regen will einfach nicht nachlassen.
Nach
einer guten Stunde läßt der Regen etwas nach und ich fahre weiter.
Nach wenigen hundert Meter schüttet es erneut heftig. Es sind einige Hotels
und Restaurants an der Straße, alle geschlossen. Kein geeigneter Unterstand
ist zu finden. Dann auf der linken Straßenseite ein Hotel, vor dem geparkte
Autos stehen. Baita Dovich
heißt das Haus, ich frage nach einem Zimmer nach und habe Glück.
Ich bin triefnaß, das Fahrrad und meine nassen Kleidungsstücke kann
ich in den Heizungsraum zum Trocknen bringen.
Erst einmal eine heiße Dusche! Meine Kleidung ist in den Satteltaschen zum Glück trocken geblieben. In der gut geheizten Gaststube trinke ich anschließend einen heißen Tee. Draußen prasselt der Regen unaufhörlich. Wenn es so weiterregnet, wie soll ich dann am nächsten Tag meinen Zug in Bozen erreichen? Verschieben kann ich die Rückfahrt nicht, weil ich am ersten Arbeitstag der kommenden Woche einen wichtigen beruflichen Termin wahrzunehmen habe. Gegen 15 Uhr fährt der Zug in Bozen ab, um ihn sicher zu erreichen, plane ich am nächsten Tag um 8 Uhr loszufahren. 80 Kilometer in sieben Stunden, das müßte machbar sein.
Die Gaststube ist gut besucht, die meisten Gäste sind bei ihren jeweiligen Freizeitaktivitäten vom Gewitter und Dauerregen überrascht worden. Man unterhält sich in einer größeren Runde. Später essen wir zusammen zu Abend und sitzen anschließend noch bei einem Bier oder Wein zusammen.
Als wir gegen 23 Uhr zu Bett gehen, hat der Regen noch nicht nachgelassen geschweige denn aufgehört. Eine weitere Sorge ist, daß es auf der Paßhöhe des Fedaia schneien könnte. Dann nutzt der frühe Start am Morgen auch nichts mehr. Irgendwann in der Nacht hat es dann aufgehört zu regnen.
Die Tagesstatistik: 69 Kilometer, 1805 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,0 Kilometern.
4. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 13.06.2004
Um sieben Uhr ist Aufstehen. Alles ist im Heizungsraum schön trocken geworden, schnell sind die Sachen eingepackt bzw. angezogen. Nach einem Express-Frühstück sitze ich um acht Uhr auf dem Fahrrad. Zwei ° C zeigt das Thermometer. Eine lange Fahrradhose habe ich nicht eingepackt und so müssen die Beinlinge herhalten, brrr! Die knapp 500 Höhenmeter bis zur Paßhöhe des Passo di Fedaia sind in einer Stunde geschafft. Hier oben treffe ich meine Gesprächspartner vom Vorabend wieder, mit dem Auto ist man ungleich schneller.
Die erste Schwierigkeit für heute ist geschafft, ohne weiter Verzögerung passiere ich den Stausee am Fedaia. Die Eigenart dieses See ist, daß er an beiden Enden eine Staumauer aufweist. Das Wasser kann sowohl ins Fassatal wie auch ins Tal des Cordèvole geleitet werden. Am Rifugio E. Castiglioni halte ich nicht, ich stürze mich gleich in die Abfahrt hinunter nach Canazei. Ohne weiteren Halt fahre ich weiter bis Pozza di Fasso.
Jetzt
beginnt die Auffahrt zum Karer Paß. Die Temperatur ist soweit gestiegen,
daß ich mit kurzer Hose und Hemd fahren kann. Die rund 450 Höhenmeter
bis zur Paßhöhe sind gut zu fahren, die letzten drei Kilometer sind
fast eben. Um 11:30 Uhr komme ich am Karer Paß (italienisch: Passo
Costalunga) an. Jetzt ist mir klar, wenn kein Unfall passiert, werde ich
meinen Zug in Bozen sicher erreichen.
Auf der Strecke zum Nigerpaß (italienisch: Passo Nigra) ist noch ein kurzer Gegenanstieg zu bewältigen, ein weiterer liegt zwischen Tiers und Blumau, hier komme ich um 13:00 Uhr an. Jetzt kann ich in aller Ruhe zu Mittag essen. Ich lasse mich auf der Terrasse eines Gasthofes mit Blick auf das Eisacktal und Bozen nieder. Hier unten auf ca. 300 m Höhe ist es angenehm warm, ca. 25 ° C.
Am Hauptbahnhof in Bozen erfahre ich, daß in dem durchgehenden Zug nach München keine Fahrradmitnahme möglich ist. Für den Radtransport steht nur eine Verbindung mit viermal Umsteigen zur Verfügung: Brenner, Innsbruck, Kufstein und Rosenheim. Mit bleibt nichts anderes übrig, als für diese Verbindung ein Ticket zu kaufen. Hoffentlich muß ich beim Umsteigen mit dem bepackten Fahrrad nicht so viele Treppen überwinden.
Im Zug notiere ich die Daten des Tages: 81 Kilometer, 1032 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 18,6 Kilometern.
Gegen 21 Uhr komme ich in München an.
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| Stand: 30. Januar 2012 |
Copyright©: Hubert Becker,
2005
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