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2000 Jahre nachdem Hannibal mit seinen Elefanten die Alpen überquerte wollten zwei Münchner beweisen, daß das auch mit dem Fahrrad möglich ist. Es wurde eine anspruchsvolle Radtour in 5 Tagesetappen über insgesamt 491 km, die Tagesetappen betrugen zwischen 61 und 151 Kilometer. |
| 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag 5. Tag Leserzuschriften | ||
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München-Mitte - Mü-Thalkirchen Mü-Thalkirchen - Harlaching Harlaching - Grünwald Grünwald - Straßlach Straßlach - Mühltal Mühltal - Aumühle Aumühle - Puppling Puppling - Ascholding Ascholding - Bairawies Bairawies - Bad Tölz Bad Tölz - Wegscheid Wegscheid - Jachenau Jachenau - Walchensee Walchensee - Isarfälle Isarfälle -Wallgau Wallgau - Krün Krün - Mittenwald (Höhenweg) Mittenwald - Grenze (Leutaschtal) Grenze (Leutaschtal) - Unterkirchen Unterkirchen - Leutasch Leutasch - Platzl Platzl - Buchener Sattel Buchener Sattel - Telfs (1. Tagesetappe) |
525 521 560 640 550 560 570 605 620 656 680 760 802 920 868 875 913 960 1115 1140 1256 633 |
3,0 7,5 4,0 3,5 5,5 6,0 6,5 7,0 9,0 13,0 16,0 14,0 4,5 2,5 2,0 9,0 4,0 3,5 7,5 3,5 5,5 10,0 |
7,5 15,0 19,0 22,5 28,0 34,0 40,5 47,5 56,5 69,5 85,5 99,5 104,0 106,5 108,5 117,5 121,5 125,0 132,5 136,0 141,5 151,5 |
7,5 15,0 19,0 22,5 28,0 34,0 40,5 47,5 56,5 69,5 85,5 99,5 104,0 106,5 108,5 117,5 121,5 125,0 132,5 136,0 141,5 151,5 |
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Telfs - Stams Stams - Silz Silz - Arzl Arzl - Wenns Wenns - Pillerhöhe Pillerhöhe - Prutz Prutz - Pfunds (Nebenstraße) Pfunds - Grenze (Martina) Grenze (Martina) - Martina Martina - Ramosch Ramosch - Scuol/Schuls (2. Tagesetappe) |
645 655 880 982 1558 866 970 1010 1035 1175 |
5,0 4,5 6,0 9,0 10,5 17,0 4,0 9,0 10,5 8,0 |
14,0 18,5 24,5 33,5 44,0 61,0 65,0 74,0 84,5 93,5 |
165,5 170,0 176,0 185,0 195,5 212,5 216,5 225,5 236,0 244,0 |
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Scuol/Schuls - Tarasp Tarasp - Ardez Ardez - Lavin Lavin - Susch Susch - Zernez Zernez - Brail Brail - S-chanf S-chanf - Zuoz (Nebenstrecke) Zuoz - La Punt Chamues-ch (Nebenstrecke) La Punt - Samedan (Nebenstrecke) Samedan - St. Moritz (Nebenstrecke) St. Moritz - Silvaplana Silvaplana - Malojapaß Malojapaß - Casáccia Casáccia - Vicosoprano Vicosoprano - Castasegna (Grenze) Castasegna (Grenze) - Chiavenna (3. Tagesetappe) |
1190 1432 1512 1426 1461 1627 1657 1716 1687 1721 1822 1815 1815 1458 1067 697 |
7,0 6,0 3,0 6,0 7,0 6,0 2,5 4,0 6,0 5,0 6,0 10,5 5,0 6,5 7,0 10,5 |
9,0 15,0 18,0 24,0 31,0 37,0 39,5 43,5 49,5 54,5 60,5 71,0 76,0 80,5 87,5 98,0 |
253,0 269,0 262,0 268,0 275,0 281,0 283,5 287,5 293,5 298,5 304,5 315,0 320,0 326,5 333,5 343,0 |
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Chiavenna - Gordona Gordona - Novate Mezzola Novate Mezzola - Vercéia Vercéia - Nuova Olónio Nuova Olónio - Gera Lario Gera Lario - Gravedona Gravedona - Dongo Dongo - Rezzónico Rezzónico - Menággio Menággio - Cadenábbia Cadenábbia - Lenno (4. Tagesetappe) |
283 212 200 201 210 220 201 201 202 201 |
8,5 3,0 4,0 5,0 7,5 3,5 7,0 8,0 4,0 5,5 |
13,5 16,5 20,5 25,5 33,0 36,5 43,5 51,5 55,5 61,0 |
357,0 360,0 364,0 369,0 376,5 380,0 387,0 395,0 399,0 404,5 |
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Lenno - Argegno Argegno - Láglio Láglio - Cernobbio Cernobbio - Como Como - Muggio Muggio - Albate Albate - Capiago Capiago - Cantu Cantu - Lazzate Lazzate - Misinto Misinto - Saronno Saronno - Solaro Solaro - Cesate Cesate - Senago Senago - Bollate Bollate - Novate M. Novate M. - Milano (5. Tagesetappe) |
220 204 202 201 270 340 350 369 257 252 230 211 190 176 150 136 |
9,0 7,0 5,0 4,0 2,0 3,0 5,0 9,0 2,0 6,0 4,0 3,0 3,0 5,0 3,0 12,0 |
15,5 22,5 28,0 32,0 34,0 37,0 42,0 51,0 53,0 59,0 63,0 66,0 69,0 74,0 77,0 89,0 |
420,0 427,0 432,0 436,0 438,0 440,0 445,0 454,0 456,0 461,0 465,0 468,0 471,0 476,0 479,0 491,0 |
Beschreibung der Tour
Die Radtour wurde vom 16. bis 20. Juni 1988 bei gemischter Witterung durchgeführt.
Teilnehmer:
Hubert Becker
Hans Holzer
Allgemeine Hinweise
Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäcks sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.
1. Tag (Tabelle) (Seitenanfang)
Am 16. Juni 1988, 8 Uhr treffen sich zwei Männer mitten in München, um nach Mailand zu fahren. Nicht mit dem Auto, nicht per Bahn, auch nicht mit dem Flugzeug, sie wollen radeln, beide ausgerüstet mit baugleichen Reiserädern Peugeot PX80.
Kaum hat man sich begrüßt und überprüft, ob auch nichts vergessen wurde und ob das Gepäck richtig in den Sattel- und Lenkertaschen verstaut ist, gilt der nächste besorgte Blick dem grauen, wolkenverhangenen Himmel. Ob es heut wohl trocken bleibt? Nicht abwarten, heißt die Devise, sondern dem schlechten Wetter davonradeln.
Fünf Tage sind eingeplant für die 490 km lange Tour bis Mailand. Ein Tag ist für die Besichtigung von Mailand vorgesehen. Sollte sich eine Verzögerung durch eine größere Panne oder durch allzu schlechtes Wetter ereignen, so kann man diesen Tag als Reservetag nutzen.
Und los geht es in Richtung Süden. Schnell weg aus dem Münchner Straßenverkehr und dem allmorgendlichen Berufsverkehr. Durch den Flaucher geht es bis Thalkirchen, dann eine kurze kräftige Steigung hinauf den Tierparkberg und weiter am Isarhochufer bis Grünwald. Die paar Kilometer auf dem Fahrradweg neben der Staatsstraße bis Straßlach sind bald geschafft. Jetzt geht es wieder zur Isar hinunter. Der Mühltaler Berg mit bis zu 22% Gefälle sind ein erster Test für unsere Bremsen.
Bisher hat es noch nicht wirklich geregnet, die paar Tropfen am Flaucher waren nicht der Rede wert. Jetzt kommt sogar zwischen den Wolkenfetzen vereinzelt die Sonne durch. Wir folgen der für den allgemeinen Verkehr gesperrten Straße am Isarkanal bis Puppling. Ist in Ascholdung kommen wir wieder auf die stärker befahrene Staatsstraße nach Bad Tölz. Trotz des unbequemen Kopfsteinpflasters lassen wir uns die Fahrt hinunter durch die historische Marktstraße nicht nehmen. Nach der Isarbrücke geht es links weg in Richtung Lengries/Wegscheid. Auf dem kleinen Sträßchen immer munter auf und ab lassen wir Lengries auf der anderen Isarseite liegen und folgen den Wegweisern nach Wegscheid. Jetzt nach gut 2 1/2 Stunden Fahrt ist uns nach einer bayrischen Brotzeit zumute.
Der Wirt, nicht neugierig, aber möchte alles gern wissen, fragt nach Herkunft und Ziel der beiden Radler. Der Herkunftsort München wird mit einem anerkennenden Lächeln akzeptiert, beim Ziel Mailand fühlt er sich jedoch - gelinde ausgedrückt - "auf den Arm genommen".
Weiter geht es durch die wunderschöne Jachenau, der Jachen sprudelt rasch durch sein Flußbett, die Juniwiesen blühen in herrlicher Pracht. Die Steigung hinauf zum Walchensee ist rasch erklommen. An dessen Südufer geht der Weg weiter bis Einsiedeln. Der Himmel verheißt nichts Gutes. Aus dem ungleichförmigen Grau der Wolken tröpfelt es immer wieder. Hoffentlich wird es nicht schlimmer! In Krün ereilt uns dann ein kräftiger Schauer, dem wir uns durch Einkehr zum Mittagessen entziehen. Auf nassen Straßen folgen wird dem Isartaler Höhenweg bis zum Schmalensee kurz vor Mittenwald. In Mittenwald müssen wir den nächsten kräftigen Regenschauer abwarten, bevor wir uns auf den Weg oberhalb der Leutaschklamm in Richtung Österreich begeben können. Der alpenländische Operettensoldat an der Grenze bedeutet uns mit der ganzen Autorität seiner goldenen Kragenspiegel anzuhalten. Als wir ihm unsere Ausweise zeigen wollten, verzichtet er auf eine Kontrolle und gibt uns zu verstehen, daß wir weiterfahren können.
Die Sonne traut sich wieder hervor. Die zügige Fahrt durch das Leutaschtal bringt uns unserem Tagesziel Telfs ein gutes Stück näher. Noch eine kräftige Steigung ist zu überwinden, dann folgt die lange Abfahrt hinunter ins Inntal. Der erste Tag ist geschafft!
2. Tag (Tabelle) (Seitenanfang)
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Die Etappe des zweiten Tages ist 90 km lang und führt von Telfs
durch Inntal bis Imst, dann hinauf auf die Piller
Höhen. Diese Strecke ist zwar schweißtreibender als der Weg
über Landeck, dafür bleibt einem der stark befahrene
Straßenabschnitt hinter Landeck auf der
Reschenbundesstraße erspart. Oben auf den Piller Höhen
eröffnet sich ein wahrhaftig "Gacher Blick" hinab ins Inntal.
Unten in Prutz, es ging rasend schnell, fahren wir die Nebenstraße entlang. Irgendwo auf der Strecke bis Pfunds überholt uns ein Rennradler mit Banane, er muß noch bis Bormeo, Stilfser & Co. Kurz vor Pfunds verabschieden wir uns höflich in gegenseitiger Hochachtung. Ab Pfunds müssen wir leider auf der vielbefahrenen Straße fahren, es gibt keine Alternative. Die Schweizer Grenzstation in Martina passieren wir ganz in Freude auf unser Tagesziel Scuol/Schuls. Zu einem vernünftigen Abendessen kommt es wegen der aktuell laufenden Fußballeuropameisterschaften nicht mehr. |
3. Tag (Tabelle) (Seitenanfang)
Der dritte Tag steht ganz im Zeichen der Überquerung des Alpenhauptkammes. Zunächst geht es erst einmal kurz hinab nach Tarasp. Dann müssen wir wieder mühselig hinauf in Richtung Ardez. Das Unterengadin bietet eine hervorragende Kulisse für unsere Tour, leider müssen wir uns die Etappe mit allen motorisierten Zeitgenossen teilen, auch mit den knatternden Motorradfahrern, die das Wochenende zum lärmenden Ausflug in die Alpen nutzen. In Zernez gönnen wir uns einen Espresso.
Danach geht es in mehreren Anstiegen hinauf ins Oberengadin. Hier wird Hans mutig. Er mag einen vorausfahrenden Arsch nicht mehr sehen und gibt mit über knapp 30 km/h Gas. No chance! So schüttelt man seinen Verfolger nicht ab! Kurz nach Samedan meldet sich das Wetter wieder, ein Gebirgsgewitter ist angesagt. Unterstellen und Abwarten heißt die Devise. Lange dauert der heftige Schauer nicht. Wir können bald weiterfahren.
St.
Moritz passieren wir auf regennasser Fahrbahn. Bis
Maloja trocknet
die Fahrbahn nicht ab. Der Malojapaß ist der einzige
größere Alpenpaß, der nur über einen Anstieg verfügt,
die nördliche Paßflanke ist praktisch eben. Noch ein paar Fotos,
dann machen wir uns an die Abfahrt. Die ersten Kilometer sind besonders steil.
Jetzt müssen sich die Bremsen bewähren. Die Felgen werden ganz
schön heiß durch die Dauerbremsung. Der Abrieb von den
Bremsklötzen vermischt sich mit den Sprühfahnen von der nassen
Straße. Diese Schmier bleibt in den Satteltaschen hängen. Gut,
daß wir unsere Sachen noch einmal in Plastiktüten eingepackt haben.
Wie sich später herausstellt, wird dieser Schmier unsere Satteltaschen
für immer "zieren".
Die dreißig Kilometer bis Chiavenna mit einer Höhendifferenz von ca. 1500 Metern heben unseren Tagesschnitt ganz schön an. Die Ortschaften fliegen an uns vorbei: Casáccia, Barga, Vicosoprano, Stampa, Promotogno, Castasegna. An der Grenze müssen wir zum ersten Mal unsere Ausweise vorzeigen, wahrscheinlich machen wir auf die Beamten einen äußerst verwegenen Eindruck. Italien wird zuerst einmal mit einem Espresso begrüßt. Jetzt lassen wir unsere Räder genüßlich weiter rollen. Bis Chiavenna ist es nicht mehr weit.
Am Ortseingang von Chiavenna fehlt Hans. An einer passenden Stelle wird auf ihn gewartet. 5 Minuten, 10 Minuten, eine halbe Stunde..... Beunruhigt wird kehrt gemacht. Bald kommt Hans entgegengeradelt, er hatte nur ein wenig weiter oben angehalten und seinerseits gewartet. Den letzten Kilometer lassen wir uns nicht mehr aus den Augen. Wir haben schnell ein Hotel gefunden. Die Räder dürfen wir mit auf die Etage in die Besenkammer nehmen. Nach einer kurzen Verschnaufpause und einer ausgiebigen Dusche machen wir uns auf die Suche nach einem passenden "Italiener", bei dem wir nach Herzenslust zu Abend essen. Als wir gegen 22 Uhr das Ristorante verlassen, sind die Straßen voll. Die Leute zeigen sich auf dem Corso. Wir gehen auch noch ein paar Meter auf und ab. Dann beschließen wir, unsere Betten aufzusuchen. Es war ein langer und anstrengender Tag.
4. Tag (Tabelle) (Seitenanfang)
Der Morgen begegnet uns mit strahlendem Sonnenschein. Die heutige Tagesetappe ist mit 61 Kilometern die kürzeste der Tour. Nennenswerte Höhenunterschiede sind nicht zu überwinden. So lassen wir uns Zeit mit dem Aufstehen, Frühstücken und Packen. Gegen 11 Uhr besteigen wir unsere Räder und radeln gemütlich durch den weiten Talgrund in Richtung Gordona. Wir folgen dem Flußlauf der Mera und kommen bei Novate Mezzola wieder auf die Hauptstraße, die SS36. Am Ufer des Lago di Mezzola entlang geht es weiter nach Vercéia. Erst in Nuova Olònio können wir von der SS36 in Richtung Gera Lário abbiegen. Hier erreichen wir den Lago di Como, den Comer See.
Der Lago di Como ist wie die meisten oberitalienischen Seen glazialen Ursprungs, seine Oberfläche mißt 142 km2. Der See hat die Form eines auf dem Kopf stehenden Ypsilons. Im Norden wird er gespeist durch die Flüsse Mera und Adda. Letzterer fließt bei Lecco weiter in Richtung Süden. Der westliche Seearm, der sich bis Como erstreckt, hat keinen Ausfluß.
Im quirligen Verkehr zwischen Autos, Vespas und Fußgänger kommen wir nur langsam weiter. Der nächste größere Ort ist Gravedona. Dieser bedeutende Ort am nördlichen Teil des Comer Sees hat eine lange, traditionsreiche Geschichte. Die Kirche San Vicenzo wurde um 1050 erbaut, Santa Maria del Tiglio in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts.
In Dongo halten wir zum Mittagessen an. In dieser herrlichen Landschaft und bei schönem, warmen Wetter genießen wir die Mahlzeit auf einer Terrasse am See. Später radeln wir weiter über Menággio und Cadenabbia bis Lenno. Cadenabbia war in den 50er und 60er Jahren der traditionelle Urlaubsort des 1. Bundeskanzlers Konrad Adenauer, es liegt gegenüber von Bellággio. Hier teilt sich der Comer See in den Arm von Como und in den von Lecco. In Lenno finden wir Unterkunft in einem schönen, kleinen Hotel direkt am See.
5. Tag (Tabelle) (Seitenanfang)
Am fünften und letzten Tag dieser Radtour haben wir rund 90 Kilometer zu bewältigen. Zunächst geht es bis Como weiter am See entlang. Bei strahlendem Sonnenschein lassen wir uns Zeit. Schon bald nutzen wir ein herrliches, schattiges Plätzchen am Seeufer zu einem ausgedehnten Picknick. In Argegno nimmt der Verkehr auf der Uferstraße zu. Hier mündet eine größere Straße ein, die über die Berge vom Luganer See her führt. Vor Láglio teilt sich die Hauptverkehrsstraße, wir wählen die weniger befahrene Straße durch die Orte am Seeufer. Zwischen Moltásio und Cernobbio erreichen wir wieder die Hauptstraße, die SS340.
Die Berge rings herum werden immer flacher, erreichten sie im Norden bei Gera Lario noch Höhen von 2000 m, so sind jetzt die höheren Gipfel nur noch 1300 m hoch. Bei Como verlassen wir die Alpen. Der Verkehr kurz vor Como nimmt zu, wir biegen in stark frequentierte Straße ein, die von Chiasso aus der Schweiz herüber kommt.
Der alte Bischofssitz Como (seit dem 4. Jahrhundert) blickt auf eine lange Geschichte zurück. Nach den Römern hat die Stadt viele Herrschaftswechsel erlebt. Die bedeutende strategische Lage der Stadt konnte keinem Feldherrn entgehen. So war Como stets ein begehrtes Ziel für Eroberungen: zunächst die Hunnen, dann die Goten, später die Langobarden und die Franken unter Karl dem Großen. Im Mittelalter geriet die Lombardei und somit auch Como unter französischen Einfluß. Como war eine reiche Stadt, der Handel blühte. Die Webereien, die Seidenmanufakturen und Kurzwarenhersteller trugen das ihrige zum Reichtum der Stadt bei. Im 16. Jahrhundert geriet Como unter spanischen Einfluß. Dieser währte bis 1713. Ein Sohn der Stadt, der 1611 geborene Benedetto Odescalchi und spätere Papst Benedikt II., war einer der eifrigsten Widersacher gegen die Hegemoniepläne des französichen Königs Ludwig XIV. Durch die Verträge von Utrecht (1713) und Rastadt (1714) kam die Lombardei an die Österreicher. Nach den Wirren der Französischen Revolution und den Napoleonischen Kriegen war Como zunächst wieder österreichisch, seit 1866 gehört Como zum kurz zuvor politisch geeinigten Italien.
Die älteste Kirche Comos ist die Basilica di S. Carpoforo aus dem IV. Jahrhundert. Mit dem Bau des Domes wurde 1397 begonnen, die Kuppel wurde aber erst 1744 vollendet. Die Liste der Kirchen und der sehenswerten Palazzi in Como ist lang. Uns hat die Zeit nur zu einer kurzen Besichtigung des Domes gereicht. Auf dem Domplatz genehmigen wir uns noch einen Espresso und fahren weiter in Richtung Mailand. Die am Vormittag verbummelte Zeit müssen wir jetzt wieder hereinholen.
Südlich von Como sind noch ein paar Hügel zu überqueren. Bald wird die Landschaft aber wieder flacher. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit und der hohen Hotelpreise in Mailand beschließen wir, bereits vorher zu übernachten. In Saronno ist bald ein passendes Hotel gefunden. Das Abendessen nehmen wir im Freien ein. Später geben wir noch zwei Italienerinnen etwas Deutschunterricht.
Am nächsten Morgen starten wir früh in Richtung Mailand. Der Industriegürtel im Norden von Mailand ist landschaftlich nicht besonders schön. Mit Wehmut denken wir zurück an die schöne Gegend am Comer See.
In
Mailand
angekommen, fahren wir direkt zum Hauptbahnhof und geben unsere Räder
und unser Gepäck auf. Jetzt haben wir bis zum Abend Zeit, die
Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Wir beginnen mit dem weltberühmten
spätgotischen Dom, dessen Bau 1386 begonnen wurde. An der Mailänder
Scala wären wir fast vorbei gelaufen, das schlichte Gebäude fand
in unseren Augen kaum Beachtung. Das Castello von Milano hingegen
beeindruckt uns sehr. Just in dem Augenblick, als wir uns dem gewaltigen
Komplex nähern, wird der zweite Giro d'Italia de Donne (für Frauen)
gestartet.
Nach einigen weiteren Kirchenbesichtigungen kommen wir wieder zum Domplatz zurück. Die berühmte Galleria Vittorio Emmanuele erscheint stark renovierungsbedürftig. Jetzt schlendern wir durch die bekanntesten Einkaufsstraßen.
Des Laufens müde kehren wir zum Abendessen ein. Für italienische Verhältnisse etwas früh, aber unser Zug fährt kurz vor 21 Uhr. Deutschland spielt wieder einmal ein Europameisterschaftsspiel, gegen die Niederlande? Wir können beim Abendessen nur die ersten 20 Minuten anschauen. Später in Verona erfahren wir, daß Deutschland verloren hatte.
Pünktlich verläßt unser Zug Mailand. Wir machen es uns in
unserem Liegewagenabteil bequem. Leider sind ab Verona alle sechs Liegen
belegt und es wird etwas eng und stickig im Abteil. Dennoch kommen wir am
Morgen einigermaßen ausgeruht an. Eine schöne Fahrt ist zu Ende.
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| Stand: 14. September 2009 |
Copyright©: Hubert Becker, 1988
|
Man könnte glauben, der Klassiker sei in die Jahre gekommen. 12 Jahre nachdem wir die Tour unternommen haben, im Jahr 2000 folgende Zuschriften:
| Hallo,
aufgrund Ihrer Veröffentlichung bin ich am letzten Dienstag (15.08.2000),14.30 Uhr, am Hauptbahnhof München mit dem Bike nach Mailand gestartet und bin dort am Samstag (19.08.2000) um 12.00 Uhr eingetroffen. Im Gegensatz zu Ihnen hatte ich während der gesamten Fahrt hochsommerliches, heisses Wetter. Es war einfach fantastisch. Vielen Dank für diese tolle Anregung. Sollte Sie einmal eine Tour an der Mosel vorbei führen, scheuen Sie nicht den kleine Anstieg (250 Meter) nach Starkenburg, ich werde für Sie, als besonderes Dankeschön, stets eine Flasche Wein bereit halten. (Anschrift unter www.starkenburg-mosel.de -webmaster-) Mit den besten Grüßen Hans-Werner Franz |
Hallo Hubert Becker,
zunächst einmal ein großes Lob an ihre Homepage zur Radreise München-Mailand. Sie ist hervorragend recherchiert und dazu graphisch noch sehr ansprechend aufbereitet. Wahrscheinlich habe ich mich auch nicht zuletzt wegen der detaillierten Streckenbeschreibung auch auf den Weg nach Mailand gemacht. Eine kurze Beschreibung meiner Reiseerfahrung: Am Donnerstag, 24. August 2000, bin ich (23 Jahre, Student im oberbayerischen Eichstätt für Lehramt Gymnasium und Diplom-Theologie) in München aufgebrochen, um nach Mailand zu fahren. Leider mußte ich alleine diese "verrückte" Idee durchziehen, da keiner meiner Freunde bereit war, diesen Stress auf sich zu nehmen. (Einer hat sogar einen Kasten Bier verwettet, dass ich nie in Mailand ankomme) Zum Glück habe ich die technische Ausstattung sehr ernst genommen und statt meines alten Mountain-Bikes das meines Vaters (Scott Tacoma mit Shimanon Deore XT Schaltung) mit auf die Reise genommen. Ich hätte nie gedacht, dass eine robuste Bauweise des Rahmens und vor allem belastbare Bremsen so wichtig sind. Bei der Streckenführung habe ich mich an die Reihenfolge gehalten, die in ihrer Homepage angebeben ist. Vor allem die Angabe der Kilometer und Meereshöhe erleichtern schon im Vorfeld, die Schwierigkeiten abzuschätzen. Da ich allerdings alleine unterwegs war, konnte ich meinen eigenen Rhythmus fahren und konnte deswegen schon nach vier Tagen Mailand erreichen. Meine erste Übernachtung, übrigens kostenlos im Franziskanerkloster, war in Telfs (wie bei ihnen), am zweiten Tag hatte ich dann etwas Probleme mit der Streckenführung. Der Weg von Telfs nach Wenns war nicht, wie bei ihnen angegeben, 24,5 Km lang, sondern fast 60 km. Im nachhinein weiß ich auch nicht warum. Doch trotz dieses "Rückstands" konnte ich an diesem Tag dann nach bis nach Zernez fahren (150 km) und dort in einem sog. Matratzenlager übernachten. Bis ich aber am dritten Tag Italien erreichte hatte ich noch mit widrigen Verhältnissen zu kämpfen. aufgrund der frühmorgendlichen Abfahrt um 8.00 Uhr und der Meereshöhe von Zernez war es eiskalt, um die 10 Grad. Auf der Hochebene um St. Moritz kam dann auch noch Wind dazu. Hier kam zum erstenmal der Zeitpunkt, wo ich mir dachte, nur ein Verrückter fährt mit dem Fahrrad nach Mailand. Aber die Abfahrt auf dem Malojapaß entschädigte mich für diese Widrigkeiten. In Italien erwarteten mich 38 Grad. Welche Temperaturumstellung! Die Nacht verbrachte ich dann in der Jugendherberge von Gravedona am Comer See. In der Nacht hätte mich beinahe eine Gruppe deutscher Jugendlicher um den für Sportler so wichtigen Schlaf gebracht. Doch nichtsdestotrotz konnte ich am nächsten Tag zu meiner letzten Etappe aufbrechen, das Wetter war zum glück wolkig, so dass man angenehm fahren konnte. Um zwei Uhr bin ich dann nach nach vier Tagen Fahrt und insgesamt 540 Kilometern auf der "Piazza del Duomo" in Mailand eingefahren. Die äußeren Bedingungen für diese Fahrt waren optimal: angenehmes Wetter (keinen Tropfen Regen), keinerlei gesundheitliche Beschwerden, gute technische Ausstattung und nicht zuletzt eine hervorragend ausgearbeitete Streckenführung. In Mailand konnte ich dann für zwei Tage bei einer ital. Freundin bleiben, mit der ich dann noch für drei Tage ans Meer gefahren bin. Seit vergangenen Samstag nun bin ich wieder in diesem eiskalten Deutschland. Also auf zu nächsten Italienreise?! Nochmals vielen Dank für die Tourenkarte und viele Grüsse an ihren Radfahrerkollegen Andreas Graf |