| Eine Rundfahrt um den Mont Blanc in 7 Tagesetappen über 500 km. Tagesetappen zwischen 49 und 126 Kilometern. | |
| 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag 5. Tag 6. Tag Ruhetag 7. Tag | |
|
Streckenabschnitt |
Meeres- |
Entfernung |
Tages- |
Gesamt- |
|---|---|---|---|---|
|
Aigle - Monthey |
426 |
11,3 |
11,3 |
11,3 |
|
le Biot - le pont de Gys |
822 |
2,7 |
2,7 |
64,1 |
|
St-Pierre-en-Faucigny - St-Pierre |
474 |
2,1 |
2,1 |
137,3 |
| Col de Saint-Jean-de-Sixt
- la Clusaz la Clusaz - les Converses les Converses - Col de la Croix Fry (FR-74-1467) Col de la Croix Fry - Villard-dessus Villard-dessus - Chamossière Chamossière - les Clefs les Clefs - le Cropt le Cropt - Col du Marais (FR-74-0833) Col du Marais - Serraval Serraval - le Villard le Villard - le Bouchet le Bouchet - Col de l'Epine (FR-74-0947) Col de l'Epine - Marlens Marlens - Faverges (4. Tagesetappe) |
956 |
2,1 |
2,1 |
194,7 |
|
Faverges - Verchères |
540 |
1,9 |
1,9 |
243,3 |
| La Lachère
- Moûtiers Moûtiers - Pomblière Pomblière - Abzw. les Pleines Abzw. les Pleines - Centron Centron- Villette Villette - Aime Aime - gegenüber von Bellentre gegenüber von Bellentre - Pont des Raves Pont des Raves - Bourg-St-Maurice Bourg-St-Maurice - Séez Séez - La Rosière La Rosière - Col du Petit-St-Bernard (FR-73-2188) Col du Petit-St-Bernard - la Thuile la Thuile - Pré-St-Didier Pré-St-Didier - Morgex Morgex - la Salle la Salle - Avise Avise - Villeneuve Villeneuve - Aosta (6. Tagesetappe) |
470 |
8,3 |
8,3 |
298,7 |
| Aosta - Arpuilles Arpuilles - Excenex Excenex - Tercinod Tercinod - Gignod Gignod - Echevennoz Echevennoz - Etroubles Etroubles - S. Oyen S. Oyen - St Rémi en Bosses St Rémi en Bosses - Prad'Arc Prad'Arc - Col du Grand-St-Bernard (CH-VS-2469a) Col du Grand-St-Bernard - Bourg-St-Bernard Bourg-St-Bernard - Bourg-St-Pierre Bourg-St-Pierre - Liddes Liddes - Orsières Orsières - Sembrancher Sembrancher - Martigny (7. Tagesetappe) |
596 |
6,7 |
6,7 |
423,7 |
Zeitraum
Die Radtour wurde vom 17. bis 24. Juli 2010 bei sehr heißem Wetter durchgeführt.
Teilnehmer:
Hubert Becker
Allgemeine Hinweise
Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäcks sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.
Überblick
Diese Radtour ist keine Spazierfahrt, ca. 10400 Höhenmeter sind auf 500 Kilometern zu absolvieren! Ausreichendes Training und Kondition sind für einen unproblematischen Tourenverlauf notwendige Voraussetzung. Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, dass die beschriebene Tour ist.
Empfohlenes Kartenmaterial: Die Generalkarte Schweiz westlicher Teil (1:200.000) vom Mair-Dumont-Verlag, Michelin-Strassenkarte Départments France Nr. 318 Ain, Haute-Savoie (1:150.000), Michelin-Strassenkarte Départments France Nr. 333 Isère, Savoie (1:150.000), IGN TOP 100 Nr. 45 Anecy - Lausanne (1:100.000), IGN TOP 100 Nr. 53 Grenoble - Mont-Blanc (1:100.000), Kümmerly+Frey Aostatal - Piemont (1:200.000), Instituto Geografice Centrale Carta dei sentieri e dei rifugi Nr. 4 "Massiccio del Monte Bianco" (1:50.000).
Anreise (16.07.2010)
Die Anreise nach Aigle erfolgte mit der Bahn. Bahnfahren und Fahrradmitnahme bringt in der Schweiz keinerlei Probleme mit sich, in Deutschland und in Frankreich ist es schon erheblich schwieriger, nur in den Regionalzügen ist die Fahrradmitnahme in der Regel problemlos. In den Fernzüge ist die Fahrradmitnahme, wenn überhaupt möglich, reservierungspflichtig.
Eine Woche vor der geplanten Abreise mußte ich erfahren, daß ich die Fahrradtour allein unternehmen müsse. Also plane ich An- und Abreise mit der Bahn. Die Fahrplanauskunft der DB im Internet ist gut bedienbar und prezise, auch kann man bei Suchen einer Verbindung die Option "Fahrradmitnahme" setzen und bekommt nur Verbindungen angezeigt, bei denen das Rad mitgeführt werden kann. Allerdings steigt die Anzahl der Umsteigeaufenthalte drastisch.
Von München gibt es vielen Jahren eine Zugverbindung nach Lausanne mit nur einem Umsteigeaufenthalt in St. Gallen. Dieser EC kann aber nur sechs Fahrräder mitnehmen, die Plätze waren schon ausgebucht. Als Alternative kommt die auf dem folgendem Reisplan dargestellte Verbindung infrage, und das heißt viermal umsteigen.
Für die Rückfahrt bekomme ich die gewünschte Verbindung mit nur einem Umsteigeaufenthalt. Internationale Verbindungen mit Fahrradmitnahme konnte man in 2010 nicht online buchen. Dem DB Reise Service (Nummer im Internet) habe ich mein Reisevorhaben geschildert, eine Stunde später rief ein sehr kompetenter DB-Mitarbeiter zurück, dessen Spezialgebiet es ist, internationale Reisen mit Fahrradmitnahme zu organisieren. Innerhalb weniger Minuten war die Reise gebucht, das Ticket kann ich mir dann am Automaten am Bahnhof mit der Kreditkarte ziehen, mit der ich bezahlt hatte. Der Preis ist auch akzeptabel, 128 EUR plus 20 EUR für das Fahrrad. So gut so schön.
Nachdem mich mein Büro am Tag der Abreise mehrfach durch Anrufe vom Packen abgehalten hat, komme ich sehr spät am Münchner Hauptbahnhof an. Im Reisezentrum bitte ich einen Mitarbeiter, mir am Automaten behilflich zu sein, da ich schon mehrfach nach Softwareumstellungen mit der Menüführung am Bildschirm nicht so schnell klar gekommen war. Dieser Mitarbeiter besteht darauf, dass die Kreditkartennummer über die Tastatur einzugeben sei. Nach zwei vergeblichen, vertippten Versuchen reißt mir die Geduld. Ich stecke die Karte in den Automaten, es werden vier Belege gedruckt und fallen in den Ausgabeschacht. Die Belege und das Fahrrad geschnappt, renne ich zum Bahnsteig. Ich erwische den Zug in letzter Sekunde. Mit meinem Rad stehe ich dann im letzten Wagen des Zuges.
Der Schaffner kommt zur Fahrkartenkontrolle. Ich gebe ihm die vier Belege. Es sagt, dass keine Fahrkarte dabei sei, es seien nur Reservierungen und eine Quittung für die Kreditkartenzahlung, er komme später wieder vorbei. In Augsburg wechsle ich in den Wagen mit Fahrradabteil. Bis Ulm kommt der Schaffner nicht mehr vorbei, wahrscheinlich scheut er die Komplikationen.
Der IC 199 von Münster nach Innsbruck hält auf seinem Kurs 40 Mal, also an jeder Milchkanne. In dem heißen Sommer 2010 funktioniert die Klimaanlage nicht zufriedenstellend, es ist aber gerade noch zu ertragen. Irgendwann kommt die Schaffnerin zur Fahrkartenkontrolle. Ich reiche ihr die vier Belege. Ich bekomme wieder dieselbe Aussage wie vom Schaffnerkollegen. Sie sagt mir aber, ich solle in Friedrichshafen noch einmal zum Automaten gehen. Wir haben dort 14 Minuten Aufenthalt und der Zug steht auf Gleis 1 direkt am Bahnhofsgebäude. Ich verlasse in Friedrichshafen den Zug und begebe mich zum Fahrkartenautomaten. Ich stecke die Kreditkarte in den dafür vorgesehen Schlitz, schon rattert der Automat los und druckt vier Belege. Dann kommt die Frage, ob ich weitere Belege drucken lassen wolle. Ich bejahe und weitere vier Dokumente werden angefertigt. Wieder die Frage, ob ich weitere Belege drucken lassen wolle...
Zum Schluß habe ich insgesamt 17 Belege:
Ich wollte nur eine Rückfahrte nach Lausanne kaufen, nicht aber die ganze Bahn. Die weitere Fahrt verläuft ohne Probleme. Ich steige nur schon in Lindau statt in Bregenz um, weil man in Lindau ebenerdig (ohne Treppen) umsteigen kann, Treppen sind mit einem vollbepackten Rad nicht lustig.
Kurz nach 21 Uhr erreiche ich Lausanne. Bevor ich ein Hotel suche, ziehe ich mir erst einmal die Fahrkarten für die morgendliche, kurze Fahrt nach Aigle. Einige hundert Meter vom Bahnhof entfernt finde ich ein kleines Hotel und einen Abstellplatz für mein Fahrrad. Auf der Freischankfläche vor dem Hotel esse ich zu Abend und genehmige hierzu ein Bier. Soviel zur Anreise mit der Bahn.
Beschreibung der Tour
In
der Früh ein schweizer (suisse-romande) Frühstück und dann ab
in den Zug nach Aigle. Lausanne - Aigle sind ca . 45 Kilometer,
mit dem Zug eine schöne Strecke entlang des Genfer Sees. Aigle
war erzwungenermaßen Endpunkt unserer Radtour ims vergangenen Jahr (s.
Querpaß). Die heutige erste Etappe ist quasi in weiten Bereichen das Nachholen
des Verpaßten im Vorjahr.
Von Aigle nach Monthey geht es ohne nennenswerte Steigung durch das Rhône-Tal. Angekommen in Monthey bemerke ich, daß ich keine kleinen Gästehandtücher dabei habe, um mir unterwegs den Schweiß bei Auffahrten abwischen zu können. Vergebenssuch ich nach einem Wäschegeschäft, einige paar mehr hundert Meter in Monthey gehen auf das Entfernungskonto. Neben der Auffahrt zum Pas de Morgins über die Nationalstraße 201 gibt es noch einen Schleichweg. Die Auffahrt aus Monthey ist trotz Navi - man hätte sie besser programmieren müssen - nicht leicht zu finden. Jetzt geht es bergauf!
In Troistorrents
mache ich bereits Mittagspause. Der Wirt vom "Guillaume Tell" gibt
sich alle Mühe, den Gast zufrieden zu stellen. Nur 20 Kilometer geschafft
und schon Mittagspause! Wo soll das hinführen?
Weiter geht's. Nach der Hitze der vergangenen Tage, ist die Temperatur mit ca. 20° C verhältnismäßig moderat. Der Himmel hat sich zugezogen und es beginnt zu regnen; nur leicht, aber die Luftfeuchte erschwert den weiteren Anstieg. In Morgins ist Flohmarkt (marché aux puces), das übliche, viel Tand und viele Leute. Von Morgins sind es nur noch wenige Kilometer bis zur Paßhöhe, die auch gleichsam die Grenze zwischen der Schweiz und der Europäischen Gemeinschaft darstellt. Kein Grenzer ist zu sehen, die Franzosen wittern kein Ungemach aus der Schweiz. Was umgekehrt los ist kann ich nicht sehen, die vielen Euros, die über auch solche kleinen Grenzübergänge in die Schweiz wandern kann man nicht sehen, geschweige zählen.
Die Abfahrt in den ersten Ort nach der Grenze ist easy. Dann in Châtel öffnet Petrus sämtliche Himmelsschleusen. Ich kann mich gerade noch in einer Galerie vor einigen Geschäften in Sicherheit bringen; zufälligerweise ist es ein Sportgeschäft, das auch Fahrräder im Programm hat. Mein Fahrrad interessiert den Inhaber, er erkundigt sich genauestens nach dem Hersteller des Rahmens. Hallo Herr Pallesen, vielleicht ist er bei Ihnen schon vorstellig geworden.
Nach ca. einer halben Stunde hört der Starkregen auf und ich kann auf regennasser Straße weiterfahren. La Chapelle-d'Abondance wird im Geschwindigkeitsrausch durchrollt. In Abondance halte ich an und lege mir die Karten für den Rest des Tages. Das ursprüngliche Tagesziel Ramble ist weit davon entfernt, erreicht zu werden. Über den Col du Corbier muß ich aber noch hinüber, dann nehme ich die nächste annehmbare Übernachtungsmöglichkeit. Das Hôtel du Tulleil in Le Biot ist Dorfkneipe, eine der wenigen Übernachtungsmöglichkeiten in der näheren Umgebung und Kochen können sie dort auch einigermaßen gut.
Die Tagesstatistik : 61,4 Kilometer, 1431 Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit
von 12,8 km/h.
2. Tag (Tabelle)
(Seitenanfang)
18.07.2010
Beim
Frühstück beschwert sich der Hotelbesitzer bei mir, einem Nichtfranzosen,
über die neuen französischen Nummernschilder, auf denen die Herkunft
der Fahrzeuge nicht mehr direkt zu identifizieren ist. Die französische
Regierung habe erklärt, daß dies EU-Vorgaben seien. Dies ist keine
politische Seite und so will ich das nicht weiter kommentieren.
Nach wenigen Kilometern Abfahrt will ich nach links abbiegen. Ich könnte schon, nur da steht ein dickes Schild, daß die Fahrt zu meinem nächsten Zwischenziel aufgrund einer Baustelle unterbrochen ist. Was nun? Ich studiere die Karten. Die Alternative ist ca. 12 Kilometer bis zum Genfer See hinunter zu fahren und dann am anderen Ufer der Dranse wieder hinauf zu klettern. Keine Lust auf diese Umleitung. Ich warte an der Weggablung bis ein geeigneter Ansprechpartner vorbei kommt. Ein kleiner Lieferwagen mit Aufschrift einer Firma aus la Vernaz kommt die Straße heruntergefahren, muß Vorfahrt achten und deswegen halten. Ich spreche den Fahrer wegen der Baustelle an. Er sagt mir, es seien einige wenige hundert Meter schieben und tragen, dann sei das Hindernis überwunden.
Ich wage das Abenteuer. Zusammen mit einem französischen Paar auf Rennrädern, die aus der Region kommen und mit denen ich schon auf den zurückliegenden Kilometer diskutiert habe, gehe ich die Baustelle an. Kein Problem mit einem Rennrad. Einige Kies- und Erdhaufen, dann geht es hinab zu einem mit Geotextilien gesicherten Einschnitt und anschließend wieder hinauf auf die Straße. Ich nehme mein Fahrrad ohne Gepäck auf die Schultern und überbrücke die Baustelle das Rad tragend. Als ich zurück gehe, um das Gepäck (les sacoches) nachzuholen, kommen andere Rennradler mir entgegen: »Ce sont tes sacoches?« Die drei Radler haben diese neben ihren Rädern mitgenommen. Merci! C'est la fraternisation entre les cyclistes en France!
Auf der nachfolgenden Abfahrt kann ich noch mithalten, dann sind »compagnons« weitaus schneller, sei es drum, wegen der Fitneß, des Alters oder auch nur des leichteren Rads.
In Lullin vor einem Café treffe ich einige Radler wieder. Wir kommen ins Gespräch. Sie wollen auch den Col du Feu fahren. Sie erkundigen sich eingehend nach meiner Radtour, sie sind beeindruckt, daß man so etwas mit Gepäck unternimmt. Zum Bezahlen gehe ich ins Café hinein. An der Hinterwand des Lokal hängen viele Autogrammkarten von mehr oder weniger bekannten Promis. Mir fällt eine Karte von François Deguelt auf, der 2008 in Lullin aufgetreten ist. François Deguelt hatte 1965 einen großen Hit in Frankreich: "Le ciel, le soleil et la mer".
Der Col du Feu ist ein harter Brocken. Einer der Rennradler, die zuvor mit mir vor dem Café gesessen hatten, kommt mir entgegengefahren. »Trop dur!« ruft er im Vorbeifahren. Nach drei Kilometern ist die Paßhöhe erreicht. In Richtung Vauverdanne steigt die Straße aber noch weiter an, bei la Pagne ist eine weitere Paßhöhe erreicht, die aber keinen Namen hat. Bald folgt der nächste Anstieg zum Col des Arces. In le Vernay biege ich nach rechts auf die D12 ein. Langsam zieht sich die Straße zum Col de Cou hinauf, von dem man nach Norden einen schönen Ausblick hat, bis auf den Genfer See kann man schauen. Auf der Paßhöhe befindet sich ein kleines Restaurant mit dem sinnigen Namen »Arrêtons Nous Ici« (halten wir hier an). Ich folge dieser Aufforderung und esse einen köstlichen Salade savoyarde.
Auf der D12 geht es einen Kilometer zurück, dann biege scharf nach rechts in die D40 ein. Bis Habère-Lullin geht es nun bergab. In Villard beginnt der Anstieg zum Col du Perret. Auf der nachfolgenden Abfahrt nach Viuz-en-Sallaz kann es richtig schön laufen lassen. Jetzt will ich noch einen fünften Paß fahren, den Col du Reyret. Auf der nördlichen Seite sind ungefähr die letzten 600 Meter unbefestigt, auf der Südrampe sollen es genau so viele sein. Die unbefestigt Strecke muß ich komplett schieben, um nicht eine Reifenpanne zu riskieren. Auf der Südseite kann ich nur einen kleinen, steilen Trampelpfad entdecken, zu gefährlich mit einem bepackten Fahrrad. Ich drehe um und fahre über St-Jean-de-Tholome und Faucigny nach Bonneville.
In Bonneville gibt es laut GPS-Gerät drei Hotels, zwei waren geschlossen und das dritte complet (ausgebucht). Ich rufe im ca. drei Kilometer entfernten Hotel Mont-Blanc an und frage nach einem freien Zimmer. Geht in Ordnung, sagt man mir und ich mache mich auf den Weg. Das Mont Blanc ist ein modernes Haus mit Konferenzräumen, ein typisches Geschäftshotel mit allem Konfort. Es liegt direkt neben der Autobahn, zum Glück habe ich ein Zimmer zur anderen Seite.
Die Tagesstatistik : 73,8 Kilometer, 1471 Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,5 km/h.
3. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 19.07.2010
Ich
könnte jetzt des Nationalstraße 203 nach La Roche-sur-Foron
nehmen, aber auf der fährt mir zu viel Schwerverkehr. Deswegen wähle
ich eine Nebenstrecke, die erheblich ruhiger ist dafür aber auch gebirgiger.
Ich fahre nach Süden in den Ortskern von St. Pierre. Es ist Montag,
mein Büro arbeitet wieder und hat Rückfragen. Ich muß erst zwanzig
Minuten telefonieren, bevor ich weiterfahren kann.
Es ist ein kurzer Anstieg hinauf nach St-Laurent, dann geht es auf dem flachen Höhenzug weiter. Die Sonne brennt schon jetzt kräftig, die 25-Grad-Marke ist bereits überschritten. Es wird gegen Mittag noch bestimmt die 30-Grad-Marke überschritten werden. La Roche-sur-Foron, ein hübscher kleiner Ort im Haute-Savoie erwacht gerade, als ich ankomme. Die Tische werden für »le déjeuner« präpariert. Ich genehmige mir ein kleines Erfrischungsgetränk und beobachte das Treiben am Hauptplatz des Ortes.
Angesichts der Hitze fällt die Entscheidung für die Weiterfahrt etwas schwer. In voller Sonne, ohne jeglichen Schatten muß ich die nächsten 400 Höhenmeter absolvieren. Ich befinde mich in den Voralpen de Haute-Savoie, die Bergkulisse im Süden ist grandios; aber dort muß ich erst hinkommen. In Thorons-Glières möchte ich Mittagspause machen. In einem Restaurant, wo noch viele Leute beim Essen sitzen, sagt man mir, daß der Service für Mittag beendet sei. Einige Gäste wollen mir beistehen und protestieren, aber gegen die starren französischen Essenszeiten kann man nichts machen. La Grande Nation schlägt zu. Einige hundert Meter weiter in einer Bar/Restaurant/Hotel hat man mehr Einfühlsamkeitsvermögen und bereitet mir eine kalte Platte vom Feinsten zu. Merci.
Die
Auffahrt zum Col des Glières verlangt - auch angesichts der hohen
Temperaturen - alle Kräfte, ungefähr 800 Höhenmeter sind zu überwinden.
Oben ist man in einem etwa drei Kilometern langen Hochtal, dem Plateau des
Glières, angelangt, das sich als Zentrum des nordischen Skilaufs
präsentiert. Von der Paßhöhe bis zum Wirtshaus Chez la Jode
ist der Weg nicht asphaltiert, die Strecke ist jedoch mit einem Tourenrad (Reifenbreite
30 mm) gut zu fahren.
Die Abfahrt hinunter nach le Petit-Bornand-les-Glières ist eng und sehr steil. Man muß nicht bis le Petit-Bornand fahren, in l'Essert hält man sich rechts und kommt bei chez Lotu auf die D12. Dieser folge ich bis St-Jean-de-Sixt, im Ort befindet sich ein gleichnamiger Paß der Col de St-Jean-de-Sixt.
Im Hotel Les Aravis finde ich eine Bleibe für die Nacht, das Hotel wird von einem radsportbegeisterten schottischen Paar geführt, das sich gleich für mein Fahrrad interessiert. Zum Abendessen gehe ich ein Restaurant auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Die Tagesstatistik: 57 Kilometer, 1615 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 10,7 km/h.
4. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 20.07.2010
Le
Col de la Croix Fry ist mein erstes Tagesziel, keine große Herausforderung.
Aber dann zum Col de Plan Bois, da wird es richtig steil. Ich habe diesen
Abstecher, wie auch den zum Col des Essérieux, der easy ist, aus diesem
Reisebericht ausgeblendet. Das interessiert nur die Mitglieder des Club des
Cent Cols.
In le Cropt, kurz vor den Col du Marais, liegt ein schönes Wirtshaus, es lädt zu Mittag ein. Es kommt jeder dran, wann er dran ist, das heißt, immer schön der Reihe nach. Die Kapazität von Service und Küche ist begrenzt, man ist aber freundlich, sogar herzlich. Ich bin der letzte, der bezahlen darf, einen Digestif zur Rechnung schlage ich aus, ich muß ja noch ein paar Kilometer fahren.
Der Col du Marais ist schnell absolviert. In Serraval mache ich kurz den Abstecher zum Col des Essérieux. Dann geht es in Richtung Col de l'Epine. Die Höhe des Passes ist bekannt, aber er ist noch nicht erreicht, obwohl ich schon über dieser Höhe bin. Das passiert mir nicht zum ersten Mal, aber heute bei dieser Hitze nervt es besonders.
Nach dem Col de l'Epine folgt eine lange Abfahrt, in der Nähe von Marlens ist sie zu Ende. Über eine aufgelassene Eisenbahnstrecke wurde eine piste cyclable errichtet, dieser folge ich bis kurz vor Faverge und dann in den Ort hinein. Im Hôtel de Genève finde ich eine gute Unterkunft. Die sauberen Radtrikots gehen langsam zur Neige. Im Hotel gibt man mir Auskunft, wo sich ein Münzwaschsalon befindet. Anschließend habe ich nun wieder alles sauber im "Schrank".
Das Essen im Hotel ist exquisit, es wird bei dem lauen Sommerabend auf der Terrasse serviert.
Die Tagesstatistik: 49 Kilometer, 1250 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,7 km/h.
5. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 21.07.2010
Die
Hitze hat nicht nachgelassen. Langsam gehe ich den Anstieg zum Col de Tamié
an. Zur Hitze und zur Steigung kommt noch ein spurbarer Gegenwind hinzu. So
benötige ich für die rund 350 Höhenmeter 1:40 h.
Ungefähr 1,5 Kilometer vor der Paßhöhe liegt rechts am Hang das Zisterzienserkloster Abbaye de Tamié. Auf einen Besuch dieses 900 Jahre alten Kloster verzichte ich. Die Mönche der Abtei stellen einen dem Roblechon ähnlichen Käse her, der den Namen Abbaye de Tamié trägt. Vom Col de Tamié geht es nach links zum etwas höher liegenden Collet de Tamié ab. Dann beginnt die Abfahrt hinunter nach Albertville.
In der Fußgängerzone, vor einem Bistro lasse ich mich im Schatten einer Jalousie zum Mittagessen nieder. Ich bin schon mit dem Essen fertig, als zwei Radler ihre bepackten Räder an mir vorbei durch die Fußgänger schieben. Gepacktaschen vorne und hinten, soweit ist alles normal, aber auf den hinteren Gepäcktaschen waren noch zwei Plastikstühle gestapelt. Das hatte ich bis dahin noch nicht gesehen.
Ich sehe mir nach dem Essen bei einer Tasse Espresso noch einmal die Routenplanung der Tour an und beschließe, die ursprüngliche Planung um zwei Tage zu verkürzen. Die Route über den Col de la Madeleine ins Arc-Tal und dan über den Col du Mont Cenis ins Susa-Tal (Italien) wird ausgelassen. Anstelle will ich über den Col du Petit Saint Bernard direkt ins Aosta-Tal fahren. Die Strecke von Moûtiers nach Bourg St. Maurice will ich mit dem Zug fahren, um die langen Tunneldurchfahrten zu vermeiden.
Auf einer kleinen Straße rechts des Flusses Isère verlasse ich Albertville. Von der nahe gelegenen vierspurigen N90 dringt der Verkehrslärm herüber. Auf meinem Weg, der D990, ist wenig Verkehr. Später wechselt die Straße auf die andere Seite der Isère und der N90, es folgt eine kurze kräftige Steigung. An der Abzweigung zum Col de la Madeleine kommt etwas Wehmut auf, dieser Paß (HC - hors catégorie) fehlt noch auf meiner Liste. Ich bin jedoch hinter meiner ursprünglichen Zeitplanung weit zurück, die Vernunft muß siegen.
Wenig später finde ich ich La Lechère-les-Bains in einem riesigen Kurhotel eine Bleibe. Ein Bahnhof ist auch in der Nähe, die Abfahrtszeit für den Folgetag habe ich per Internet ausfindig gemacht.
Die Tagesstatistik: 49 Kilometer, 600 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,0 km/h.
6. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 22.07.2010
Der
Tag beginnt mit einer Enttäuschung; an dem SNCF-Haltepunkt La Lechère
hängt eine Notiz, daß in der vergangenen und in der aktuellen Woche
nur ein sehr eingeschränkter Schienenverkehr stattfindet, ansonsten Schienenersatzverkehr
mit Bussen. Ich fahre mit dem Fahrrad auf einer Nebenstrecke nach Moûtiers;
am dortigen Bahnhof bestätigt man mir den Schienenersatzverkehr, aber auch,
daß die Busse keine Fahrräder transportieren. Ich muß also
die stark befahrene N90 nach Bourg-St-Maurice fahren.
Bis kurz vor Pomblière ist die N90 noch zweistreifig, dann wird zu einer autobahnähnlichen vierstreifigen Straße erweitert. Ich fahre durch die Ortschaft und komme erst am Abzweig nach les Pleines wieder auf die N90. Dann folgt der schlimmste Streckenabschnitt, erst geht es durch den 1619 m langen Tunnel du Siaix. Dieser 10,60 m breite Tunnel verfügt neben den zwei Richtungsfahrstreifen von je 3,50 m Breite über jeweils 1,50 m breite Fahrradstreifen. Der Lärm und die heftigen Luftbewegungen bei Vorbeifahrt von Lkw machen die Durchfahrt durch den Tunnel zu alllem anderen als ein Vergnügen. Dem Tunnel folgt die ca. zwei Kilometer lange Pont de Centron, der Verkehr bleibt unverändert stark, der böige Wind auf der Brücke fordert volle Konzentration beim Fahren. Unangenehm, alles unangenehm, deswegen wollte ich ja Zug fahren.
Ungefähr
500 m nach Ende der Brücke geht links eine kleine Straße ab, sie
führt nach Villette. Nach der Ortsdurchfahrt ist wieder Schluß
mit der Ruhe, es geht weiter auf der N90. Aber nicht mehr lange. Nach ungefähr
zwei Kilometern folgt der Abzweig nach Aime. Sehenswert in Aime
ist die Basilika Saint-Martin aus dem 11. Jahrhundert.
Die Tortur auf der N90 hat jetzt ein Ende. Über die D990 gelangt man zu einem Radweg entlang der Isère, den man sich mit Fußgängern teilen muß. Ruhig geht es weiter flußaufwärts. Der Radweg endet bei der Pont des Raves (Wildwasser-Zentrum) kurz vor Bourg-St-Maurice.
In
Bourg-St-Maurice mache ich erst einmal Mittagspause, Körner anfuttern
für den Anstieg zum Col du Petit-St-Bernard. Der Anstieg zu diesem
Paß ist lang aber nicht besonders steil, ich kenne ihn aus einer frühreren
Tour. Nach ca. drei Stunden bin ich oben. Von jetzt an geht es im Prinzip nur
noch bergab. Mit diesem Gedanken streife ich mir das Wind-Blouson über
und rausche hinunter ins Aosta-Tal.
Bis la Thuile bremsen noch einige Baustellen, die Lichtzeichen geregelt sind. Längere Wartezeiten müssen inkauf genommen werden. Dann geht es ungehindert hinunter, die Kehrenabfolge vor Pré-St-Didier ist ein wahrer Genuß. Dann endet der Abfahrtsrausch.
Der
Verkehr auf der SS26 ist mäßig stark. Die parallel verlaufende Autobahn
nimmt einen Großteil der Fern- und Schwerverkehrs auf. Je näher min
sich Aosta, der Provinzhauptstadt nähert, desto stärker wird
der Verkehr. Die westlichen Vororte von Aosta sind ein architektonischer
Graus, der Grundriß der Altstadt wurde von den Römern angelegt. Aosta
war die wichtigste Garnisonsstadt der Römer in den Westalpen, sie wurde
durch Augustus unter dem Namen Augusta Praetoria aus einem bestehenden
Legionslager heraus gegründet und diente als Sicherung der Route über
den Großen und Kleinen St. Bernhardpaß.
Im Hotel Roma, sehr nah an der Altstadt, finde ich eine angenehme Bleibe. In einem kleinen Restaurant in der Altstadt genieße ich ein gutes Abendessen in angenehmen Ambiente. Auf dem Rückweg zum Hotel beginnt es, heftig zu regnen. Durch die Verkürzung der Gesamtroute habe ich noch einen Reservetag, vielleicht nütze ich ihn morgen zur Besichtigung von Aosta.
Die Tagesstatistik: 127 Kilometer, 2010 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 18,8 km/h.
Ruhetag (Besichtigung von Aosta/Aoste)
Um
acht Uhr am Morgen regnet es noch. Grund genug, um sich noch einmal im Bett
umzudrehen. Beim nächsten Blick aus dem Hotelfenster war von Regen nichts
mehr zu sehen, die Sonne blinzelt zaghaft aus den Wolken heraus, die Straßen
sind noch naß, aber von oben kommt nichts Neues nach.
Aosta/Aoste ist eine autonome Region mit Sonderstatut in Italien, das den Schutz der kulturellen und sprachlichen Minderheiten ausdrücklich vorsieht und gewährleistet. Hierunter ist besonders die Zweisprachlichkeit (Italienisch/Französisch) zu sehen, aber auch frankoprovenzalische und deutsche Mundarten fallen unter diesen Schutz. Muttersprachenunterricht wird ausdrücklich gefördert. Bei den französischen Touristen ist das Aostatal beliebt, hier kann man reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist, und kann auch noch vertlangen, daß man verstanden wird.
Der
Gedanke vom Vorabend wird wahrgemacht: Stadtbesichtigung ist angesagt. Vom Hotel
zur Porta Praetoria sind es nur wenige Meter, dann bin ich schon in der Altstadt.
Als erstes wende ich mich der romanischen Kirche Santi Pietro e Orso zu. Der
Glockenturm steht von der Kirche getrennt. Der mittelalterliche Kreuzgang und
die Krypta beeindrucken sehr. Der ursprüngliche romanische Bau der Kirche geht
auf das Jahr 1133 zurück
Weiter geht's! Alles nächstes komme ich zum Römischen Theater, von dem nur noch Reste stehen. Noch erhalten sind die südliche Fassade mit den übereinander liegenden Bogenfenstern, der untere Teil des Stufenhalbkreises für die Zuschauer und das Fundament der Mauer, die als Kulisse (Scaena) diente. Im Anfiteatro, nebenan, einer Bühne und einem Auditorium aus Stahl und Holz hatten am Vorvorabend Crosby, Stills & Nash ein Konzert gegeben. Schade, daß ich das verpaßt habe. Meine Frau hat mir von dem Konzert nach meiner Rückkunft in München berichtet; sie war am darauffolgenden Sonntag in München in deren Konzert und sie war sehr begeistert.
Vom
den Resten des Amphitheaters kann man nur auf die Grundrisse schließen,
es liegt innerhalb der römischen Mauern. Die ellyptische Arena mißt
86 Meter in Nord-Süd- und 73 Meter in Ost-West-Richtung. Heute sind nur
noch ein paar Steine am Boden zu sehen.
Weiter geht es zum Augustusbogen, leider heute Mittelpunkt eines ovalen Kreisverkehrs, um den wirklich viel Verkehr herumfährt. Der imposante Bogen, erbaut zu Ehren des Kaisers Augustus, ist ca. neun Meter hoch besteht und besteht aus nur einem Rundbogen. Seine quadratischen Stützpfeiler zieren Halbsäulen mit korinthischen Kapitellen. Jahrhundertelang fehlte ein Dach, so daß das Bauwerk mehr und mehr durch Wasser angegriffen und beschädigt wurde. Im Jahre 1716 wurde das Monument mit einem Schieferdach abgedeckt.
Die
Kathedrale Santa Maria Assunta wurde im 12. Jahrhundert erbaut und danach stark
verändert. Die neoklassizistische Fassade stammt aus dem Jahr 1848. Sehenswert
sind der Mosaikboden im Chor aus dem 12. Jahrhundert , das gotische Chorgestühl
(aus dem 15. Jahrhundert) und das Grabmal von Thomas II von Savoyen. Auch dier
Schatzkammer (Museo del Tesoro) ist einen Besuch wert, sie gibt eine wichtige
Gesamtschau der lokalen Kunst (13.-18. Jahrhundert). In zwei Vitrinen werden
die ältesten und kostbarsten Stücke der Sammlung präsentiert: eine ovale Kamee
aus dem 1. Jahrhundert und ein elfenbeinernes Diptychon (406 n. Chr.).
Nach so viel Kultur ist jetzt Zeit für das leibliche Wohl. In der Via Sant'Anselmo finde ich einen freien Platz auf der Freifläche eines kleinen Ristorantes. Das Essen ist gut, der Humor des Kellners ist gewöhnungsbedürftig.
Am frühen Nachmittag sind alle Wolken verschwunden. Ein bißchen Bummeln, ein wenig Shopping und schon ist es Abend. An das Abendessen habe ich keine ausgeprägte Erinnererung mehr. Der Wetterbericht für den Folgetag ist gut.
7. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 24.07.2010
Die
Strecke über den Col du Grand St. Bernard (italienisch: Colle
del Gran San Bernardo) ist eine vielbefahrene Transitstrecke. Der Paß
war schon zu Zeiten des römischen Reiches ein wichtiger Übergang, 1905 wurde
eine befahrbare Strasse fertiggestellt. 1964 wurde ein 5,85 km langer Tunnel
fertiggestellt, durch den der Großteil des Verkehrs rollt, die Scheitelstrecke
ist nur schwach befahren. Die gewählte Auffahrtsroute führt im ersten
Abschnitt ab Aosta über wenig befahrene Ortsverbindungsstraßen,
dafür sind ca. 100 verlorene Höhenmeter inkauf zu nehmen. Es bleiben
ca. zehn Kilometer auf der verkehrsreichen Straße, die jedoch, mit Ausnahme
des Abschnitts Etroubles - S. Oyen, recht breit ist.
Es ist nicht mehr so heiß wie in den vergangenen Tagen, ein frischer Wind drückt die Temperatur auf 22 bis 26 C. Bis Excenex steigt das kleine Sträßlein steil an, dann vermindert sich die Steigung, bevor es hinunter nach Gignod geht. Nach Gignod gäbe es noch eine weitere Variante zur Hauptstraße, auf der jedoch ca. 150 bis 250 zusätzliche Höhenmeter zu absolvieren sind. Sie führt über Ayez und Allein nach Etroubles. Angesichts des heute mäßigen Autoverkehrs bleibe ich auf der SS27.
In
Etroubles kehre ich zum Mittagessen ein. Zunächst lasse mich auf
der Terrasse des Restaurants nieder, verziehe mich dann aber wegen des frischen
Windes in die Gaststube. Die Spaghetti sind gut, das Ganze dauert aber.
Kurz hinter Etroubles ist eine kurze Rampe mit bis zu 10% zu absolvieren. Bald ist der Abzweig zum eigentlichen Paßübergang erreicht. Es wird sehr ruhig, ab und zu mal ein Auto mal ein Motorrad. Es ist ein Samstag und so wenige Motorradfahrer! Ich genieße die ungestörte Auffahrt. Nach ein paar Serpentinen ist das kleine Nest St Rémi en Bosses erreicht. Nach zwei weiteren Kehren unterquert man die Schnellstraße, die dann bald im Scheiteltunnel verschwindet.
Ich
folge dem Tal des Grand San Bernardo weiter, das wenig später in einem
Kessel endet. Jetzt wird die Landschaft immer beeindruckender, schroffe Felsen,
grüne Almwiesen und über allem schnell wechselnde Wolkenformationen.
Bei Prad'Arc sind die nächsten beiden Kehren zu durchfahren. Hier
wechselt die Fahrtrichtung von Nordwest auf Nordost. Die 2000-Meter-Marke ist
jetzt erreicht.
Der Wind hat zugenommen, die Temperatur ist auf 14° C gefallen. In der hochalpinen Landschaft kämpfe ich mich Meter um Meter nach oben. Beim Casa Cantoniera ist die 2200-Meter-Marke überschritten, nur noch ca. 250 Höhenmeter bis zur Paßhöhe. Die Temperatur fällt weiter, ich ziehe mir die Windjacke über.
Man
kann jetzt schon die Paßhöhe erahnen. Es folgen ein paar Kehren,
dann geht es hinein in eine Lawinengalerie. Einige hundert Meter weiter öffnet
sich nach einer Linkskurve der Blick zum Lago Gran San Bernardo. Oberhalb
des Sees ist durch die Wolken zeitweise das berühmte Hospiz zu erkennen.
Ich passiere die italienisch-schweizerische Grenze, die Zöllner lassen
mich ungehindert passieren. Ein paar hundert Meter geht es am See entlang, dann
sind noch einmal 10 Höhenmeter zu überwinden und die Paßhöhe
ist erreicht.
Brrrr... Nur noch 6° C und Nebeltreiben, das Wetter lädt nicht zum Verweilen ein. Schnell mache ich mich für die Abfahrt fertig und los geht's. Die ersten sechs Kilometer bis Bourg-St-Bernard sind ein Genuß. Es folgen ca. drei Kilometer in Lawinengalerien und Tunnels. Ich passiere als letzter die Ampel an einer einspurigen Baustelle, so fahre ich von Auto ungehindert durch die Galerien und Tunnels.
Der erste Halt wird erst in Sembrancher nach 31 Kilometer Abfahrt vor einer Ampel erzwungen. Weiter geht es ohne Stop bis Martigny, dem Etappenziel. Im Hotel de la Poste finde ich ein Zimmer, das Hotel liegt in der Nähe des Bahnhofs.
Ich genehmige mir eine heiße Dusche. In "Zivilkleidung" begebe ich mich zum Place Centrale, wo an diesem Abend Musikvorführungen stattfinden. Auf der Terrasse eines Restaurantsgenieße ich mein Abendessen bei fetziger Rockmusik.
Mein Zug
von Lausanne nach München fährt um 15:45 Uhr in Lausanne
ab. Von Martigny nach Lausanne fährt alle halbe Stunde ein
Zug. Ich habe also den ganzen Vormittag Zeit, um mir Martigny anzusehen.
Als erstes gehe ich zum Château de la Bâtiaz, einer mittelalterlichen Burg aus
dem 13. Jahrhundert. Man gelangt zu der Burg über eine Holzbrücke,
»Pont de la Bâtiaz«.
Im Musée et Chiens du St-Bernard werden Kunstgegenstände und Objekte gezeigt, die die Geschichte des Hospizes und des St.-Bernhard Passes geprägt haben. Es wird unter anderem der Film »François der Pilger« gezeigt, der speziell fürs Museum gedreht wurde. Ferner kann man eine Zuchtstation der berühmten Bernhardiner Hunde besuchen, die in den Zwingern und im Freigelände faul herumliegen, oder, wenn sie nicht gerade müde sind, vergnüglich herumtollen.
In der Nähe des Museums befindet sich ein römisches Amphitheater, dessen Ausmaße jedoch bescheiden sind. Nach soviel Kultur muß für das leibliche Wohl gesorgt werden. In einem der Restaurants am Place Centrale esse ich zu Mittag.
Ich hole das Fahrrad und das Gepäck vom Hotel ab und fahre die paar Meter zum Bahnhof. In Lausanne kaufe ich mir noch etwas Proviant für die lange Zugfahrt nach München. In St. Gallen muß ich noch einmal umsteigen. Der Zug nach München ist voll, gut, daß ich eine Platzreservierung habe.
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| Stand: 23. Januar 2012 |
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