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| Eine Radtour quer durch Süddeutschland über 667 Kilometer. Die Tagesetappen betragen zwischen 105 und 156 Kilometer. Die Tour beginnt und endet in München. Durch das oberbayerische Voralpenland geht es nach Füssen. Nach der Fahrt durch das Allgäu erreichen wir den Bodensee. Mit dem Rheinfall bei Schaffhausen ist der westlichste Punkt der Rundfahrt erreicht. Nur 30 Kilometer weiter nördlich fließt die Donau, der wir ostwärts bis kurz vor Ulm folgen. Ab Laupheim geht es schnurstracks nach Osten bis München. | |
| 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag 5. Tag | |
Streckenabschnitt |
Meeres- |
Entfernung |
Tages- |
Gesamt- |
|---|---|---|---|---|
| München-Schwabing
- Mü-Fürstenried Mü-Fürstenried - Wangen Wangen - Percha Percha -Berg Berg - Ammerland Ammerland - Ambach Ambach - Sankt Heinrich Sankt Heinrich - Schechen Schechen - Staltach Staltach - Iffeldorf Iffeldorf - Antdorf Antdorf - Habach Habach - Murnau Murnau - Bad Kohlgrub Bad Kohlgrub - Saulgrub Saulgrub - Altenau Altenau - Unternogg Unternogg - Hausen Hausen -Schwarzenbach Schwarzenbach - Wieskirche Wieskirche - Resle Resle - Schwaighof Schwaighof - Trauchgau Trauchgau - Halblech Halblech - Schwangau Schwangau - Füssen (1. Tagesetappe) |
525 |
12,0 |
12,0 |
12,0 |
| Füssen - Pfronten-Weisbach Pfronten-Weisbach - Nesselwang Nesselwang - Wertach Wertach - Kranzegg Kranzegg - Rettenberg Rettenberg - Immenstadt Immenstadt - Thalkirchdorf Thalkirchdorf - Zell Buflings Zell Buflings - Simmerberg Simmerberg - Weiler Weiler - Scheidegg Scheidegg - Sigmarszell Sigmarszell - Lindau am Bodensee Lindau am Bodensee - Wasserburg Wasserburg - Langenargen Langenargen - Friedrichshafen Friedrichshafen - Immenstaad Immenstaad - Meersburg (2. Tagesetappe) |
808 |
12,0 |
12,0 |
138,0 |
| Meersburg - Konstanz Konstanz - Steckborn Steckborn - Stein am Rhein Stein am Rhein - Obergailingen Obergailingen - Gailingen Gailingen - Schaffhausen Schaffhausen - Rheinfall Rheinfall - Schaffhausen Schaffhausen - Bargen Bargen - Kommingen Kommingen - Riedöschingen Riedöschingen - Geisingen (Hausen) Geisingen - Immendingen (3. Tagesetappe) |
444
|
4,0
|
4,0
|
265,0
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| Immendingen - Tuttlingen Tuttlingen - Fridingen Fridingen - Beuron Beuron - Thiergarten Thiergarten - Sigmaringen Sigmaringen - Mengen Mengen - Riedlingen Riedlingen - Obermarchtal Obermarchtal - Munderkingen Munderkingen - Ehingen Ehingen - Risstissen Risstissen - Laupheim (4. Tagesetappe) |
655
|
9,0
|
9,0
|
375,0
|
| Laupheim - Rot Rot - Schwendi Schwendi - Gutenzell Gutenzell - - Kirchberg a. d. Iller Kirchberg - Kellmütz Kellmütz - Weiler - Babenhausen Babenhausen - Kirchhaslach Kirchhaslach - - Breitenbrunn Breitenbrunn - Mörgen Mörgen - Tussenhausen Tussenhausen - Türkheim Türkheim - Dillishausen - Igling Igling - Kaufering Kaufering - Weil - Schwabhausen Schwabhausen - Eresing - Türkenfeld Türkenfeld - Pleitmannswang - Grafrath Grafrath - Mauern - Gilching Gilching - Germering Germering - München-Aubing München-Aubing - München-Schwabing (5. Tagesetappe) |
528
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6,5
|
6,5
|
517,5
|
Beschreibung der Tour
Die Radtour wurde vom 1. bis 5. Juni 1994 bei sehr unterschiedlichem Wetter durchgeführt, .
Teilnehmer:
Hubert Becker
Uschi Becker
Monika Blaimer
Kurt Hasselmayer
Berufliche Zwänge bringen die Planung der Radtour durcheinander. Ein wichtiger Termin am heutigen Mittwoch zwingt zur Umdisposition. Da wir den ersten Streckenabschnitt bereits früher einmal gefahren sind, beschließen wir, diesen ausfallen zu lassen und statt dessen am Abend mit dem Zug nach Füssen zu fahren.
Nachfolgend wird dennoch der Streckenverlauf den ersten Tagesetappe kurz beschrieben.
Von München-Sendling führt der Weg über die Kreisstraße parallel zur Autobahn München-Garmisch, kontinuierlich ansteigend, nach Wangen. In einer rasanten Abfahrt erreicht man Percha am Starnberger See. Nach links geht es über Kempfenhausen hinauf nach Berg. Jetzt gelangt man zur Seeuferstraße, die teilweise für den motorisierten Durchgangsverkehr gesperrt ist. Mit Fußgängern ist zu rechnen, insbesondere an Wochenenden. Über Ammerland und Ambach erreicht man St. Heinrich. Kurz vor dem Ortseingang in Seeshaupt heißt es nach links in Richtung Schechen abbiegen. Kurz danach passiert man Iffeldorf an den Osterseen. Über Habbach geht es weiter nach Murnau.
Südlich des Staffelsees steigt die Straße bis Bad Kohlgrub stetig an. Ab Saulgrub folgt man ein kurzes Stück der B23 in Richtung Oberammergau. Dann geht es rechts nach Altenau und weiter nach Hausen und Schildschwaig ab. Ab der Wieskirche folgt man dem König-Ludwig-Radweg in Richtung Trauchgau. Teils auf der B17, teils auf einem parallel verlaufenden Radweg erreicht man Schwangau. In Sichtweite der Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau folgen wir der B17 und überqueren in Füssen den Lech.
Füssen, Grenzstadt am Lech, geht zurück auf eine Klostergründung des hl. Magnus (St. Mang). Gegen Ende des 12.Jahrhunderts erhielt Füssen Stadtrechte. Es unterstand seit 1313 den Augsburger Bischöfen, die sich mit den Hohen Schloß eine Sommerresidenz schufen. 1802 kam Füssen an Bayern. Die Wittelsbacher nahmen Füssen und Umgebung regelrecht in Familienbesitz. Der spätere König Maximilian II. ließ zwischen 1832 und 1936 Schloß Hohenschwangau im englischen Tudorstil errichten. König Ludwig II. ließ 1869-86 auf einem mächtigen Felsen in 965 m Höhe sein Traumschloß Neuschwanstein erbauen. Die der Warthburg nachempfundene Burganlage wurde 1886 nach dem Tod des Königs nicht mehr vollendet.
Soweit die kurze Beschreibung der Route von München nach Füssen, die wir leider an diesem Tag nicht mit dem Fahrrad zurücklegen konnten.
Spät am Abend kommt unser Zug in Füssen an. Nach einer Brotzeit geht wir zeitig schlafen.
Die strahlende Morgensonne bescheint unsere Vorbereitungen zum Aufbruch. Nachdem die Gepäcktaschen sicher an den Rädern befestigt sind, können wir in Richtung Weißensee und Pfronten starten. Pfronten, ein Konglomerat verschiedener ehemals selbständiger Gemeinden, erreichen wir auf der B 310, über die B309 geht es weiter nach Nesselwang. Dies ist kein angenehm zu fahrender Streckenabschnitt, der Autoverkehr vom derzeitigen Autobahnende de A7 bei Oy in Richtung Reutte und Fernpaß und in umgekehrter Richtung ist schier unerträglich. Nicht nur für uns Radfahrer sondern insbesondere für die Anlieger, die auf Transparenten einen sofortigen Weiterbau der Autobahn fordern. Seit Jahren werden die Verwaltungsgerichte von grünen Traumtänzern bemüht, die bislang mit Erfolg einen Baustopp durchgedrückt haben.
In Nesselwang biegen wir nach Südwesten in Richtung Wertach ab. Rechts der Grüntensee, links die Berge, ein herrliches Landschaftsbild! Es ist heiß, sehr heiß. Eine drückende Schwüle kommt auf. Ab Wertach geht's bergauf. In Kranzegg ist der Anstieg geschafft. Es folgt eine rasante Abfahrt ins Illertal. Immenstadt präsentiert sich träge in der Mittagshitze. Es sind nur wenige Leute auf der Straße. Der Alpsee lädt zu einem Bad ein, dazu reicht uns jedoch leider die Zeit nicht. Kurz vor Oberstaufen biegen wir von der Bundesstraße 308 nach rechts in Richtung Kalzhofen und Buflings ab. In einem Gasthof mit Wirtsgarten lassen wir uns zum Mittagessen nieder.
Über Simmerberg und Weiler erreichen wir Scheidegg. Die nächsten 6 Kilometer bis Sigmarszell führen über österreichisches Staatsgebiet. Am Grenzübergang beliebt ein deutscher Zöllner zu scherzen. Auf die Frage, warum wir nicht weiterführen, antworten wir, daß wir auf unsere Frauen warten, deren Papiere wir bei uns haben. Die Beamten könnten ja vielleicht auf die Idee kommen, Monika und Uschi ohne Ausweisdokumente nicht über die Grenze zu lassen. Was uns das Wert sei, fragt einer der beiden Beamten. Es muß uns wohl gründlich mißverstanden haben.
Wieder zurück auf deutschem Boden biegen wir bei Sigmarszell in die B 308 ein. Nach ungefähr drei Kilometern gebietet uns das Verkehrszeichen 331, die Bundesstraße zu verlassen und eine parallel verlaufende untergeordnete Straße zu benutzten. Das Verkehrszeichen, obwohl noch einmal wiederholt, hindert Monika nicht daran, auf der Kfz-Straße weiter zu fahren. "Wo ist Monika?" Diese Frage wird uns in den nächsten zwei Stunden beschäftigen. Wir schwärmen aus, um Monika zu suchen. Auf getrennten Wegen fahren wir nach Lindau. An der Brücke zur Insel treffen wir uns wieder. Monika ist nicht aufgetaucht. Mit dem Taxi fahren wir den Weg zurück, vergebens. Die Nachfrage bei der Polizei ist auch ergebnislos. Wir müssen weiter, es sind noch ca. 35 km bis Meersburg. Wir rufen im Hotel in Meersburg an, vielleicht meldet sich Monika dort. Volltreffer! Monika hatte bereits angerufen, und sie läßt uns ausrichten, daß sie bereits auf dem Weg nach Meersburg sei.
Wir müssen auf eine Besichtigung von Lindau verzichten. Auf dem Bodensee-Radweg fahren wir westwärts. Zumeist in Sichweite des Bodensees verläuft dieser abseits der großen Straßen. Der 538 km2 große Bodensee ist Grenzgewässer zwischen Deutschland, Schweiz und Österreich. Von Bregenz bis zu einer Linie Meersburg-Konstanz erstreckt sich der Obersee, nordwestlich hieran anschließend der Überlinger See. In Konstanz verengt sich der See auf Flußbreite, ab der Rheinbrücke in Konstanz bis Stein am Rhein weitet sich der Fluß wieder zum Untersee auf.
Der Radverkehr nimmt nach Lindau deutlich zu. Wir müssen uns beeilen, die Suche hat uns viel Zeit gekostet. In Friedrichshafen werden die Wasservorräte aufgefüllt. Die Weiterfahrt ist ein Wettlauf mit dem Wetter. Schwarze Wolken sind aufgezogen. Blitze zucken über dem See. Die Warnleuchten der Sturmwarnung blinken rund um das "Schwäbische Meer". Es tröpfelt, der Wind frischt auf. Gerade rechtzeitig vor dem großen Regen erreichen wir das Hotel in Meersburg. Monika kommt uns frischt geduscht im kleinen Schwarzen entgegen. Die Stimmung ist gewittrig. Draußen blitzt uns kracht es, Fluten kommen vom Himmel. Nach gut einer Stunde ist der Spuk vorbei. Wir machen uns auf ins Städtchen, um ein Lokal für das Abendessen zu suchen. In den meisten Gaststätten ist die Küche bereits geschlossen. Schließlich finden wir einen Italiener, bei dem wir mit Pizza und Vino Hunger und Durst stillen.
Meersburg liegt malerisch an einem steilen Uferhang. Das Alte Schloß, die Meersburg, ist ein mit vier Rundtürmen bewehrter Bau, der 1508 erbaut , zwischen 1526 und 1803 Residenz der Konstanzer Bischöfe war. 1838 wurde die Burg von Joseph von Laßberg gekauft, einem Schwager der westfälischen Dichterin Anette von Droste-Hülshoff, die hier ihre letzten Jahre verbrachte.
Wir schieben unsere Fahrräder durch die Meersburger
Altstadt hinunter zum See. Das Wetter hat sich noch nicht so richtig entschieden,
wie es werden soll. Noch ist es frisch und wolkenverhangen. Auf der Fähre
nach Konstanz bläst ein kühler Wind. Von Staad fahren wir durch
die Neustadt in Richtung Rheinbrücke.
Konstanz entwickelte
sich aus einem Römerlager und wurde 590 zum Bistum erhoben. Von 1192
bis 1548 war Konstanz freie Reichsstadt. Bekannt wurde die Stadt durch das
Reformkonzil, das 1414-18 abgehalten wurde. Auf diesem Konzil wurde die
Verurteilung des böhmischen Reformators Jan Hus beschlossen, der als
Ketzer auf dem Scheiterhaufen sterben mußte. 1417 fand hier auch die
einzige Papstwahl auf deutschem Boden statt.
Das Münster Unserer Lieben Frau ist wohl das imposanteste Bauwerk der ehemaligen Bischofsstadt, ursprünglich eine 1052-89 erbaute romanische Säulenbasilika, vom 76 m hohen Münsterturm genießt man einen herrlichen Rundblick über das Bodenseegebiet. Das Konzilgebäude, im Jahre 1388 als Kaufhaus bzw. Lagerhaus für den Italienhandel errichtet, erhielt seinen Namen durch die Papstwahl 1417 während des Konstanzer Konzils. Heute dient es als Konzerthaus und Tagungsgebäude.
In der Alstadt ist Wochenmarkt. Es ist fast kein Durchkommen. Die Räder schiebend, schlendern wir an den Marktständen vorbei. An der Grenze zur Schweiz bleibt uns die für Schweizer Zöllner übliche Fragen nicht erspart, ob wir etwas zu verzollen haben. Wir radeln am Südufer des See in Richtung Steckborn. Das Wetter hat sich gebessert, weiß-blau präsentiert sich der Himmel. Störend ist nur der steife Westwind, der unsere Geschwindigkeit erheblich mindert.
Bald passieren wir den Wegweiser zum ehemaligen Schloß Arenenberg , das 1550 vom damaligen Konstanzer Bürgermeister errichteten wurde. Der spätere Kaiser Napoleon III. verbrachte hier seine Kindheits- und Jugendjahre. Heute ist Arenenburg Bonaparte-Museum.
In Stein
am Rhein wechseln wir auf das rechte Rheinufer. Das alte Fischerdorf
Stein erhielt kurz nach der Verlegung des einstigen Benediktinerklosters
St. Georgen in den Jahren bis 1007 von Hohentwiel nach Stein das Marktrecht
und wurde zur Stadt erhoben. Die ehemalige Klosterkirche ist heute Stadtkirche.
1457 erwarb die Bürgerschaft der Stadt Stein durch Kauf die Reichsfreiheit
und ihre Unabhängigkeit. 1459 schloss Stein mit den Städten
Zürich und Schaffhausen auf die Dauer von 25 Jahren ein Schutz- und
Trutzbündnis, 1469 begab sich die Bürgerschaft freiwillig unter
Schutz und Schirm der Stadt Zürich. 1539 wurde das Rathaus, 1596 wurde
der Marktbrunnen mit dem "Aydgenossen" auf der Brunnensäule errichtet.
1803 Stein wurde Schaffhausen zugeteilt.
Bekannt ist Stein durch seine mit wertvollen Fassadenmalereien geschmückten Häuser an der Südseite des Rathausplatzes. Ihr heutiges Bild erhielten sie in der Zeit vom 16. bis 20. Jahrhundert. Die Straßenrestaurants laden zum beschaulichen Verweilen ein.
Rechtsrheinisch fahren wir weiter. Ab Hemishofen folgen wir einem schmalen Waldweg hinauf und überqueren die grüne Grenze nach Deutschland. Das deutsche Gailingen liegt gegenüber dem schweizerischen Diessenhofen, mit dem es durch eine hölzerne, überdachte Brücke verbunden ist. Nach ca. 2 Kilometern erreichen wir erneut einen Grenzübergang: wir fahren in das schweizerische Zollanschlußgebiet Büsingen. Hier wird auf deutschem Boden mit schweizer Fränkli bezahlt.
Die alte Rheinfallstadt
Schaffhausen
gehört mit ihren Erkerstrassen zu den städtebaulich interessantesten
und gepflegtesten Städten aus dem Mittelalter. Die alles überragende
Festung Munot, wurde im 16 Jahrhundert von den Bürgern erbaut. Die
eigentliche Altstadt mit seinen engen Straßen und Gassen hat
sich durch die Jahrhunderte erhalten und wird weiter sorgfältig betreut.
Schaffhausen bekam im Jahre 1045 das Stadtrecht. 1415 wurde es freie Reichsstadt.
Schaffhausen verbündete sich 1454 vorerst auf 25 Jahre, 1479 auf weitere
25 Jahre mit den acht alten eidgenössischen Orten und schloß sich
1501 endgültig der Eidgenossenschaft an.
Der berühmte
Rheinfall
stromabwärts bei Neuhausen ist während der letzten Eiszeit vor
etwa 14.000 bis 17.000 Jahren entstanden. Der 24 m hohe und 150 m breite
Waserfall des Rheins führt je nach Jahreszeit zwischen 104 bis 1070
m3 Wasser. Der Rheinfall ist der größte Wasserfall
Europas.
Nach so vielen Besichtigungstagespunkten müssen wir jetzt wieder ans Fahrradfahren denken. Wir fahren zurück nach Schaffhausen, dann dem Flußchen Durach folgend nach Norden. Meter um Meter zieht sich die Straße bergaufwärts. Bei Oberbargen verlassen wir endgültig die Schweiz. Noch ein paar Kilometer geht es bergauf. In Kommingen haben wir die Europäische Wasserscheide erreicht. Über Riedöschingen geht es hinunter ins Tal der Aitrach, einem Nebenflüßchen der Donau, die wir bei Hausen erreichen. Jetzt sind es nur noch 6 Kilometer bis Immendingen, unserem Tagesziel.
Der wolkenverhangene Himmel verheißt nichts gutes; es ist aber gottlob trocken. Nach einem schnellen Fühstück, angesichts der 145 Kilometer, die vor uns liegen, brechen wir auf. Schon nach kurzer Distanz begegnen wir einem Naturphänomen, der Donauversinkung. Bei der Immendinger Ziegelhütte versinkt das Wasser der Donau in regenschwachen Perioden durch die wasserdurchlässigen Schichten des weißen Jura, und fließt gen Rhein. Im 12 km entfernten Aachtopf, Deutschlands größter Quelle, tritt es mit 10000 l/s wieder zutage. Man kann dann oft trockenen Fußes über die Kiesbänke und die teilweise mit Gras bewachsenen Flächen des leeren Flußbettes gehen; führt die Donau wieder mehr Wasser, so kommt auch wieder ursprüngliches Donauwasser im Schwarzen Meer an.
Der nächste Ort ist Möhringen, das mittlerweile
zu Tuttlingen eingemeindet
wurde. Wir haten uns nicht länger in Tuttlingen auf und fahrewn auf
dem gut ausgebauten Radweg weiter an Mühlheim vorbei, das hoch über
dem Donautal liegt. Bei Friedingen gibt es eine weitere Donauversinkung,
das Wasser fließt ebenfalls dem Aachtopf zu. Jetzt folgt ein landschaftlich
besonders reizvoller Abschnitt. In eng gewundenen Flußschleifen
schlängelt sich die Donau bis
Beuron. Die
Erzabtei Beuron
St. Martin wurde 1077 als Augustiner Chorherrenstift gegründet, 1802
wurde sie säkularisiert und kam in den Besitz des Fürstenhauses
Hohenzollern-Sigmaringen, seit 1863 ist sie als Benediktinerkloster
wiederbesiedelt. Die Klosterkirche ist ganztägig geöffnet und kann
ausserhalb der Gottesdienste besichtigt werden.
Die hoch über der Donau liegende Burg Wildenstein wurde um das Jahr 1000 erbaut. Besitzer der heute als Jugendherberge genutzten Burg waren u.a. die Grafen von Zimmern, die in Thiergarten einen Wildpark anlegten, von dem der Ort seinen heutigen Namen ableitet. Thiergarten wurde erstmals urkundlich 1275 als eigene Pfarrei geführt. Ein besonderes Kleinod ist die kleinste dreischiffige Basilika nördlich der Alpen.
Von weitem sieht man schon die Silhouette des Hohenzollernschlosses in Sigmaringen. Erhaben steht es auf einem riesigen Felsblock und ist Residenz derer von Hohenzollern. Sehenswert ist neben dem Schloß auch die historische Altstadt Sigmaringens. Der Markplatz mit seinem markanten Rathaus, zahlreiche historische Gassen mit ihren Fachwerkhäusern und den stolzen Bürgerhäusern lohnen einen Besuch. Wir machen hier Mittagsrast. Drinnen oder draußen ist hier die Frage angesichts der dohenden Wolken. Wir entschließen uns für draußen, so haben wir unsere Räder besser im Auge.
Nach Sigmaringen wird das Donautal wieder weiter. Das Wetter ist gemischt, Sonne und Wolken wechseln in schneller Abfolge. Der Wind hat aufgefrischt, es ist fühlbar kälter geworden. Aprilwetter im Juni. Scheer, Mengen, Riedlingen, Munderkingen heißen die nächsten Orte, die wir passieren. Riedlingen hat eine gut erhaltene Altstadt mit mittelalterlichen Wehranlagen, Gassen und Bauten. Der alte Ort Munderkingen (erste schriftliche Erwähnung 792, Stadtgründung um 1230) wurde um 1280 von Rudolf von Habsburg erworben. Die Habsburger gewährten der Stadt zahlreiche Privilegien, ein Grund für den Wohlstand der Munderkinger Bürger. Seit dem Jahre 1806 gehört Munderkingen zu Württemberg.
Ehingen liegt heute zum bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken. Früher gehörte es zum preußischen Fürstentum Ansbach. Durch die Rheinbundakte von 1806 fiel der Ort an Bayern. Hinter Ehingen verlassen wir das Donautal und fahren über Risstissen nach Laupheim. Wir übernachten im «Rothen Ochsen», ein kleines, aber feines Haus mit bemerkenswerter Küche.
Ein erster Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes.
Es regnet in Strömen. Ändern können wir das Wetter nicht,
aber verdrängen können wir es bis nach dem Frühstück.
Leider zeigt sich auch jetzt der Himmel unverändert. Der Aufbruch erfolgt
in Regenkleidung. Es sind noch lange 156 Kilometer bis München. Die
Route verläuft in einer Berg- und Talbahn schnurstracks nach Osten.
Von oben prasselt der Regen unaufhörlich. Die Brillengläser
müssen alle paar hundert Meter abgewischt werden. Warum gibt es keine
Radbrillen mit eingebautem Scheibenwischer? Es ist kalt. Jedes Auto schleudert
uns seine Wasserfahnen entgegen.
In Pfaffenhausen nördlich von Mindelheim geben wir
auf. Wir beschließen, unsere Fahrradtour mit dem Zug zu beenden. In
Mindelheim und Buchloe müssen wir umsteigen. Nah bei unseren Rädern
nehmen wir auf Klappsitzen im Gepäckraum Platz. Mit einer Wurstsemmel
und einer Dose Bier gestärkt erreichen wir am Nachmittag den Münchener
Hauptbahnhof. Der Regen hat mittlerweile aufgehört. Auf dem schnellsten
Weg fahren wir nach Hause, wo wir uns in der Badewanne mit einem heißen
Bad aufwärmen. Am Abend zeigt sich die Sonne, leider zu spät für
unsere Fahrradtour. Deutschland bietet viel für Radwanderer, nur das
Wetter.... Daran muß die Regierung noch arbeiten, oder? Wie sang damals
Rudi Carell: «Wann wird es wieder richtig Sommer? ..... schuld daran
ist nur die SPD»
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| Stand: 14. September 2009 |
Copyright©: Hubert Becker, 1994
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