Radtour München - Hameln

Das Team

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Die fast 800 Kilometer lange Fahrradtour führt von der Isarmetropole in die Rattenfängerstadt Hameln. Die Route orientiert sich größtenteils an Flußläufe. Es sind zwei Wasserscheiden zu überwinden: die europäische Wasserscheide zwischen Donau und Rhein sowie die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser.

Die Tagesetappen betragen zwischen 98 und 147 Kilometer.

1. Tag          2. Tag          3. Tag          4. Tag          5. Tag          6. Tag

Streckenabschnitt

Meeres-
höhe

Entfernung
[km]

Tages-
strecke
[km]

Gesamt-
strecke
[km]

München-Schwabing - Ampermoching
Ampermoching - Markt Indersdorf
Markt Indersdorf - Hilgertshausen
Hilgertshausen - Schiltberg
Schiltberg - Schrobenhausen
Schrobenhausen - Langenmosen
Langenmosen - Burgheim
Burgheim - Bertoldsheim
Bertoldsheim - Donauwörth
Donauwörth - Harburg
(1. Tagesetappe)

530
465
466
460
455
410
403
410
391
417

19,7
12,3
10,5
11,5
11,7
7,5
21,3
19,0
7,0
16,5

19,7
32,0
42,5
54,0
65,7
73,2
94,5
113,5
120,5
137,0

19,7
32,0
42,5
54,0
65,7
73,2
94,5
113,5
120,5
137,0

Harburg - Oettingen
Oettingen - Wassertrüdingen
Wassertrüdingen - Wilburgstetten
Wilburgstetten - Dinkelsbühl
Dinkelsbühl - Bergnerzell
Bergnerzell - Wörnitz
Wörnitz - Schillingsfürst
Schillingsfürst - Diebach
Diebach - Rothenburg ob. d. T.
Rothenburg ob. d. T. - Creglingen
Creglingen - Weikersheim
(2. Tagesetappe)

413
419
423
433
441
490
510
515
470
425
277

23,9
11,5
17,5
10,5
14,3
10,0
5,0
5,8
9,0
17,0
22,5

23,9
35,4
52,9
63,4
77,7
87,7
92,7
98,5
107,5
124,5
147,0

160,9
172,4
189,9
200,4
214,7
224,7
229,7
235,5
244,5
261,5
284,0

Weikersheim - Bad Mergentheim
Bad Mergentheim - Tauberbischofsheim
Tauberbischofsheim - Wertheim
Wertheim - Marktheidenfeld
Marktheidenfeld - Lohr
(3. Tagesetappe)

230
210
181
145
156

10,0
17,0
30,0
19,5
21,5

10,0
27,0
57,0
76,5
98,0

294,0
311,0
341,0
360,5
382,0

Lohr - Gemünden
Gemünden - Burgsinn
Burgsinn - Sinntal
Sinntal - Oberzell
Oberzell - Heubach
Heubach - Neuhof
Neuhof - Fulda
Fulda - Hutzdorf
Hutzdorf - Unterschwarz
Unterschwarz - Mengshausen
Mengshausen - Bad Hersfeld
(4. Tagesetappe)

162
165
187
270
314
495
275
257
220
212
207

13,0
12,0
23,0
7,0
9,0
13,0
14,0
23,5
11,0
7,5
13,0

13,0
25,0
48,0
55,0
64,0
77,0
91,0
114,5
125,5
133,0
146,0

395,0
407,0
430,0
437,0
446,0
459,0
473,0
496,5
507,5
515,0
528,0

Bad Hersfeld - Bebra
Bebra - Rotenburg a. d. F.
Rotenburg a. d. F. - Morschen
Morschen - Melsungen
Melsungen - Guxhagen
Guxhagen - Fuldabrück
Fuldabrück - Kassel
Kassel - Vellmar
Vellmar - Münden
(5. Tagesetappe)

209
205
187
175
180
155
140
145
135

17,5
9,5
13,5
10,5
11,0
8,5
9,0
12,0
18,5

17,5
27,0
40,5
51,0
62,0
70,5
79,5
91,5
110,0

545,5
555,0
568,5
579,0
590,0
598,5
607,5
619,5
638,0

Münden - Hemeln
Hemeln - Bursfelde
Bursfelde - Gieselwerder
Gieselwerder - Bodenfelde
Bodenfelde - Bad Karlshafen
Bad Karlshafen - Lauenförde
Lauenförde - Fürstenberg
Fürstenberg - Höxter
Höxter - Kloster Corvey
Kloster Corvey - Holzminden
Holzminden - Reileifzen
Reileifzen - Bodenwerder
Bodenwerder - Kirchohsen
Kirchohsen - Ohr
Ohr - Hameln
(6. Tagesetappe)

125
120
112
110
105
96
95
93
90
90
85
250
85
75
72

11,5
6,0
10,0
6,0
16,0
8,5
11,0
6,5
2,0
7,5
11,5
13,5
16,0
2,5
6,0

11,5
17,5
27,5
33,5
49,5
58,0
69,0
75,5
77,5
85,0
96,5
110,0
126,0
128,5
134,5

649,5
655,5
665,5
671,5
687,5
696,0
707,0
713,5
715,5
723,0
734,5
748,0
764,0
766,5
772,5

Beschreibung der Tour

Die Radtour wurde vom 19. bis 24. August 1990 bei gemischtem, typisch deutschem Wetter durchgeführt, .

Teilnehmer:

Hubert Becker
Uschi Schendel


1. Tag          (Tabelle)           (Seitenanfang)

Höhenplan 1. Tag

Die Sattel- und Lenkertaschen sind gepackt, die Fahrräder stehen im Fahrradkeller bereit. Der erste Blick aus dem Fenster sagt uns, der Start der Fahrradtour verschiebt sich auf unbestimmte Zeit, denn es regnet wie die Seuche.

Zwei Stunden später regnet es nur noch ganz leicht. Wir beschließen, jetzt aufzubrechen. Als das Gepäck auf den Rädern verstaut ist, zeigt die Uhr bereits auf 11.

Wir brechen auf. Es hat zu regnen aufgehört. Bald haben wir die Stadt München hinter uns gelassen und fahren in nordwestlicher Richtung zum ehemals eigenständige Dorf Feldmoching. Trotz der vielen Neubauten ist der alte dörfliche Kern noch gut zu erkennen. Weiter geht es an der olympischen Ruderregattastrecke von 1972 in Richtung Mooshäusl und Ampermoching. Diese Route kennen wir von den abendlichen Radtrainingsfahrten bereits im Schlaf. Erst hinter Markt Indersdorf befahren wir "radtouristisches" Neuland.

Auf und ab geht die Fahrt, das erste Teilstück bis zur Donau folgt keinem größeren Flußlauf.

In der Spargelstadt Schrobenhausen wollten wir ursprünglich Mittagspause machen. Aufgrund unserer Verspätung fahren wir weiter; erst in der Nähe von Dinkelshausen machen mir eine kurze Brotzeit, am Ufer eines kleinen Baches. Das Wetter ist wieder schön geworden, der Himmel ist typisch bayrisch: weiß-blau.

Oberhalb der Staustufe Bertoldsheim (zwischen Neuburg und Donauwörth) überqueren wir die Donau, die hier zu einem großen See aufgestaut ist. Jetzt sind es noch 14 Kilometer bis Donauwörth. Auf halber Strecke liegt Schloß Leitheim an der Straße, wir fahren vorbei.

Donauwörth, die alte Reichsstadt an der Mündung der Wörnitz in die Donau, 1030 erstmals urkundlich erwähnt, hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Zunächst war sie als Schwäbischwörth Reichslehen der Hohenstaufer, dann reichsfrei, dann bayerisches Pfandbesitz, dann wiederum reichsfrei; 1714 wurde Donauwörth endgültig bayerisch. Sehenswert sind in Donauwörth die Reichsstraße, Deutschordenhaus, Rathaus mit Glockenspiel und das Münster. (Stadtplan als PDF-File auf der Homepage Donauwörths verfügbar).

Wir fahren mit unseren Rädern von Osten über die Kapell-Straße in die Innenstadt. Links liegt das Deutschordenhaus, ein paar Meter weiter auf der Rechten Seite, das Rathaus. Wir fahren weiter auf der Reichs-Straße und Heilig-Kreuz-Straße, vor dem Fuggerhaus biegen wir nach rechts in die Pflegstraße.

Wir überqueren die Wörnitz und fahren bergauf in Richtung Riedlingen. Weiter geht es nach Wörnitzstein. Auf wenn auf dieser Straße ein paar Höhenmeter zu bewältigen sind, empfiehlt sich anstelle der die stark befahrenen Bundesstraße 25 diese Route zwischen Donauwörth und Harburg. Für die letzten Kilometer ab Ebermergen gibt es jedoch keine Alternative zur Bundesstraße.

Harburg ein Städtchen mit 6 000 Einwohner ist das Ziel der ersten Etappe. Harburg hat einen sehenswerten historischen Altstadtkern.

Ein Gasthof ist bald gefunden, das Zimmer ähnelt jedoch sehr Omas altem Schlafzimmer. Aber nach 140 Kilometern ist man nicht mehr so wählerisch.


2. Tag         (Tabelle)       (Seitenanfang)

Höhenplan 2. Tag

HarburgDie Harburg oberhalb der gleichnamigen Städtchen stammt aus dem 11./12. Jahrhundert. 1731 fiel die Harburg an die Linie der Fürsten Oettingen-Wallerstein, in deren Besitz sie sich noch heute befindet. Wir beschließen, angesichts der Länge der vor uns liegenden Strecke, auf eine Besichtigung zu verzichten.

Weiter geht es in nördlicher Richtung das Wörnitztal aufwärts nach Oettingen, einer kleinen Residenzstadt mit 5500 Einwohnern am nördlichen Rand des Ries-Kraters, eines in Europa einmaligen Meteoritenkraters von ca. 25 km Durchmesser. Die erste schriftliche Nennung des Ortes stammt aus dem 9. Jahrhundert. Im Jahre 1118 wurde die Stadt von Graf Otto mit Mauern befestigt und war seitdem Sitz der Grafen und späteren Fürsten von Oettingen. 1414 wurde die Stadt unter zwei herrschaftlichen Linien aufgeteilt. 1563 trat eine der beiden Linien zum evangelischen Glauben über, Oettingen stellte als bikonfessionelle Residenzstadt eine historische Besonderheit dar. Das historische Stadtbild von Oettingen wurde durch die Bautätigkeit in der Barockzeit geprägt. 1806 verlor Oettingen seine Stellung als Hauptstadt eines eigenen Fürstentums und wurde in das Königreich Bayern eingegliedert.

Dominierende Gebäude sind außer dem weithin sichtbaren St.-Jakobs-Turm das in den Jahren 1679 bis 1687 im Stil der Spätrenaissance erbaute fürstliche Schloß der Linie Oettingen-Spielberg sowie das Rathaus.

Auf der Fahrt nach Wassertrüdingen wird das Tal der Wörnitz etwas enger, im Westen liegen die Höhenrücken des Oettinger Forstes, im Osten der Wachtlerberg. Die Bundesluftwaffe hat an diesem Montag Großeinsatz, Tornados und F4-Phantom liefern sich Schein-Luftgefechte. Die Kampfjets verschwinden hinter einem Bergrücken um Sekunden später wieder aus dem Schatten eines anderen mit ohrenbetörende Lärm hervorzuschießen. In Wassertrüdingen ändert der Lauf der Wörnitz seine Richtung. Jetzt geht es flußaufwärts in Richtung Westen. Bei starkem Gegenwind kommen wir nur mühsam voran. Es ist die Warmfront eines Atlantiktiefs. Dinkelsbühl erreichen wir gegen ein Uhr mittags. In dieser touristischen Hochburg bereitet es uns keine Schwierigkeit, eine geeignete Gaststätte zu finden. Wir finden ein sonniges Plätzchen im Freien.

Kurz nachdem wir unsere Mahlzeit beendet haben, zieht sich der Himmel zu. Dunkle Wolken aus Westen verheißen nichts gutes. Gott sei Dank bläst uns jetzt der Wind nicht mehr frontal von vorn entgegen. Bis Wörnitz steigt die Straße ständig. Hier und in Schillingsfürst ereilen uns kräftige Regenschauer. Wir sind froh, daß wir jedes Mal noch die Ortschaft vor dem großen Guß erreicht haben.

Rothenburg o. d. TauberAuf regennasser Straße fahren wir wieder bergabwärts in Richtung Rothenburg ob der Tauber. Erste Bauten auf dem Gebiet des heutigen Rothenburg entstehen um die Jahrtausendwende. Nach dem Aussterben des Geschlechts der Grafen von Rothenburg im Jahre 1108 fällt deren Besitz einschließlich der Siedlung Rothenburg an das Reich. 1172 erhält Rothenburg die Stadtrechte. Rund hundert Jahre später wird Rothenburg freie Reichsstadt. Ein Erdbeben zerstört 1356 große Teile der Burganlagen. Im 30jährigen Krieg richten plündernde Horden in der Stadt schwere Schäden an. 1802 verliert Rothenburg seine Unabhängigkeit und fällt an Bayern.

Da wir diese berühmte Stadt bereits kennen, wurde sie bei der Routenplanung nicht als Etappenziel ausgewählt. Das sollte sich noch äußerst unangenehm rächen.

Liebliches TaubertalNichtsahnend radeln wir durch Rothenburg und folgen der Beschilderung zum Radweg "Liebliches Taubertal" . Das Wetter hat sich wieder gebessert. Bis Creglingen, unserem Etappenziel, sind es noch 25 Kilometer. Wir folgen immer der Beschilderung des Radweges. Rechtwinklige Abzweigungen zwingen uns ständig in die Bremsen. Nach einer guten Stunde erreichen wir Creglingen. Montags haben aber leider in diesem verträumten Nest alle Hotels geschlossen, und das im August! Wir versuchen unser Glück in der nächsten Ortschaft, die einzige Übernachtungsmöglichkeit ist überfüllt. Bei einer uns mitgeteilten Privatadresse meldet sich niemand.

Der nächst größere Ort ist Weikersheim. Von einer Telefonzelle aus werden die Hotels in Weikersheim angerufen, endlich ist ein freies Zimmer gefunden, das für uns bis 20.30 Uhr freigehalten wird. Die Alternative der Übernachtung unter freiem Himmel vor Augen radeln wir, was die Kondition nach 130 Kilometer zurückgelegter Tagesstrecke noch her gibt.

In den Deutschherren-Stuben angekommen, so heißt das Hotel, erkunden wir uns vorsorglich, bis zu welcher Uhrzeit das Abendessen serviert wird. 21.30 Uhr ist die Antwort. O.K., das reicht für die notwendige Dusche und fürs Umziehen. Müde und erschöpft fallen wir anschließend ins Bett.


3. Tag        (Tabelle)        (Seitenanfang)

Höhenplan 3. Tag

WeikersheimBei passablem Wetter, bedeckt und windig, aber trocken, starten wir nach einer kurzen Besichtigung der Außenanlagen des Schlosses, der ehemaligen Residenz der Fürsten von Hohenlohe. Die 22,5 zusätzlichen Kilometer vom Vortage kommen zu uns heute zugute.

Weiter geht es dem Radweg "Liebliches Taubertal" folgend bis Wertheim. Wir passieren Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim ohne uns weiter dort umzusehen.

Aua, mein Po!Von Wertheim fahren wir Main aufwärts. Die lange Vortagesetappe macht sich am Nachmittag wieder bemerkbar, die Kondition läßt stark nach. Wir beschließen, die heutige Wegstrecke weiter zu verkürzen und gehen in Lohr am Main auf Quartiersuche.

Hotel-Pension Bundschuh heißt das Domizil, in dem wir nächtigen. Nicht nur der Name des Hauses klingt witzig, auch der Chef des Hauses erweist sich als Komiker. Beim Frühstück baut er sich unerwartet vor uns auf und will wissen: "Wie hat Ihnen das Ei einer Lohrer Henne gemundet?" Auf eine spätere Frage, ob man noch etwas Kaffee haben könne, antwortet er mit ernster Miene und nach langer Kunstpause: "Habe ich schon jemals einem Gast einen Wunsch ausgeschlagen?" Weitere Sprüche sind in den Einzelheiten nicht mehr bekannt.


4. Tag               (Tabelle)            (Seitenanfang)

Höhenplan 4. Tag

Nach einem guten Frühstück, gespickt mit erfrischenden Komikeinlagen, verlassen wir Lohr in Richtung Gemünden. Die Schwächephase des Vortages ist überwunden. Die Strecke bis Gemünden ist schnell bewältigt. Jetzt folgen wir dem Flüßchen Sinn. Langsam, aber stetig geht es von nun an bergauf. In Burgsinn befindet sich drei kulturhistorisch wertvolle Zeugnisse: die Wasserburg mit einem Turm aus dem 10. Jahrhundert, das Frohnhofschloß im Renaissancestil (1607) und das "neue Schloß" aus dem Jahr 1620.

Die Höhenzüge der Rhön bewältigen wir mit Fassung und wiedergewonnener Kondition. Das Wetter droht 'mal wieder, es bleibt jedoch weitestgehend trocken. Nachdem die letzte Steigung überwunden ist, halten wir uns einem Picknicktisch zum Mittagessen.

Die anschließende Fahrt hinab ins Fliede- und weiter ins Fuldatal sowie der Gedanken daran, daß die letzte größere Steigung auf der gesamten Tour überwunden ist, steigert unseren Geschwindigkeits-Tagesschnitt gewaltig. Fulda, was macht man in dieser erzkatholischen Stadt mit einer Stunde Aufenthalt? Man besucht den Dom, wenn man ihn nicht schon kennt. Was sonst? Wir entschließen uns für ein kleines Bistro in der Innenstadt und schlürfen einen Espresso bzw. Cappuccino.

Wir können uns Zeit lassen, die Übernachtung in Bad Hersfeld ist bei Verwandten fest gebucht, diese sind bis 19 Uhr fest beschäftigt. Die Weiterfahrt ist entlang der Fulda geplant. Die (untergeordnete) Hauptstraße folgt jedoch nicht immer Fulda. Trotz Vorwarnung wird uns dies zum Verhängnis in der Nähe von Schlitz. Während der vorausfahrende Tourteilnehmer verabredungsgemäß nach rechts in Richtung Fuldatal abbiegt, fahrt der folgende geradeaus weiter nach Schlitz. Dieser Irrtum und die hieraus resultierende Such- bzw. Verfolgungsaktion kostet uns kostbare Zeit. Endlich haben wir uns wieder gefunden. (Anm.: 1990 gab es noch kein Handy!) Von der verbleibenden Strecke bis Bad Hersfeld gibt es nichts aufregendes zu berichten.


5. Tag             (Tabelle)                (Seitenanfang)

Höhenplan 5. Tag

Von Bad Hersfeld aus fahren wir in nordöstlicher Richtung an der Fulda entlang. Kurz vor Bebra, in das wir nicht hineinfahren, verlassen wir für ca. 10 Kilometer das Fuldatal und begeben ins hessische Bergland. In Rotenburg an der Fulda hat uns der Fluß wieder. Wir bleiben bis Melsungen am linken Fuldaufer.

Melsungen, an der Kreuzung dreier mittelalterlicher Handelsrouten gelegen, wurde erstmals 800 urkundlich erwähnt. Erste Besiedelungen gab es jedoch schon lange davor (9.-4. Jahrh. v. Chr.). Bereits Ende des 12. Jahrhundert hatte sich Melsungen zu einer kleinen Stadt entwickelt. Die Stadt war häufig Zankapfel der Fürsten weltlicher und kirchlicher Herkunft und daher oft Schauplatz kriegerischer Handlungen. Im Laufe seiner Entwicklung wechselte Melsungen mehrfach seinen Besitzer. Am längsten war es unter der Hoheit der hessischen Landgrafen.

Guxhagen liegt bereits im Einzugsbereich von Kassel. Bei Fuldabrück verfahren wir uns wegen einer Baustellenumleitung ganz gewaltig. Erst nach einer mehrere Kilometer währenden Irrfahrt gelangen wir wieder auf den richtigen Kurs.

Kassel, die ehemalige landgräfliche und später kurfürstliche Residenzstadt an der Fulda, hat heute über 200000 Einwohner. Kassel ist der regionale Mittelpunkt Nord-Hessens.

Von seiner "Schokoladenseite" zeigt sich Kassels mit der weltbekannten Wilhelmshöhe, Europas größtem Bergpark, in dem sich Kasseler Wahrzeichen befindet, der Herkules. In diesem wunderbar angelegten Park befinden sich neben dem Herkules auch das Schloß Wilhelmshöhe und die Löwenburg. Nicht zu vergessen sind die weltberühmten Wasserkünste.

Mit 125 ha ist die Karlsaue eine der größten barocken Parkanlagen Deutschlands. Die Karlsaue, in den Jahren 1670-1730 unter Landgraf Karl angelegt, fasziniert durch ihren jahrhundertealten Baumbestand, Teiche, ein klassizistisches Tempelchen auf der Schwaneninsel, viele seltene Gehölze und Pflanzen. Das im 18. Jh. erbaute Orangerie-Schloß bildet den optischen Abschluß dieser einmalig schönen Gartenanlage. Die ehemalige Sommerresidenz der hessischen Landgrafen beherbergt heute das Museum für Astronomie- und Technikgeschichte. Neben dem Orangerie-Schloß befindet sich das im Original erhaltene Marmorbad. Es gilt als eines der schönsten Beispiele italienischen Barocks.

Zu den wichtigen historischen Persönlichkeiten der Stadt gehören die Brüder Grimm, die zwischen 1812 und 1815 in Kassel wesentliche Teile ihrer weltberühmten Märchensammlung nach mündlichen Überlieferungen verfaßt haben.

Wir bleiben an der Fulda und durchqueren Kassel von Süden nach Norden. Zu den wichtigen historischen Persönlichkeiten der Stadt gehören die Brüder Grimm, die zwischen 1812 und 1815 in Kassel wesentliche Teile ihrer weltberühmten Märchensammlung nach mündlichen Überlieferungen verfaßt haben.

Wir bleiben an der Fulda und durchqueren Kassel von Süden nach Norden. Noch ca. 30 Kilometer sind es bis zu unserem Etappenziel Hann. Münden. Bei Vellmar wird das Fuldtal enger und die das Tal umgebenden Berge höher. Zwei hohe Eisenbahnbrücken führen nacheinander über das Tal, die der alten Bahnstrecke Kassel - Münden und die neue auf der Schnellfahrstecke Kassel - Göttingen.

Gegen 19.30 Uhr erreichen wir Hann. Münden, wo wir bei Freunden übernachten.


6. Tag             (Tabelle)                (Seitenanfang)

Höhenplan 6. Tag

Uschi in MündenDort, wo Werra und Fulda sich zur Weser vereinen, liegt Hann. Münden, ein Juwel des Fachwerks im Weserbergland. Neben seiner reizvollen Lage zwischen den Wald- und Flußlandschaften des Naturpark Münden, fasziniert hier vor allem das geschlossene mittelalterliche Stadtbild, in dem über 700 liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser aus 6 Jahrhunderten, Wehrtürme und Reste der Befestigungsmauer von Wohlstand und Bürgerstolz vergangener Zeiten zeugen. Münden wurde vom Welfenherzog Heinrich der Löwe gegründet. Zum Wohlstand und Reichtum der Stadt trug vor allem das Stapelrecht (Vorkaufsrecht) bei, welches die vorbeikommenden Händler und Kaufleute zwang, ihre Güter und Waren eine gewisse Zeit den Bürgern zum Kauf anzubieten.

Eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Stadt war Doktor Andreas Eisenbart. Ob Gallensteine oder Zahnschmerzen - der wohl skurrilste Wanderarzt des Mittelalters hielt für jeden die richtige Medizin bereit. Heute erinnern die Doktor-Eisenbart-Spiele zwischen Mai und August an (fast) jedem Sonntag vor dem historischen Rathaus an sein Wirken. Ein Besuch lohnt immer, sehenswert sind das Rathaus (Besichtigung der unteren Rathaushalle, Glockenspiel im Rathausgiebel), das Welfenschloß mit Museum (Fayence - Sammlung und Eberlein Werke), die St.-Blasius-Kirche, die St.-Aegidien-Kirche u.v.a. Die mehr als 600 alten Häuser Mündens sind katasterisiert .

Wie verlassen den historischen Kern über die ca. 670 Jahre alte steinerne Werra-Brücke in nördlicher Richtung. Wir bleiben am rechten Weserufer.

Die Weser war schon immer in ihrer ganzen Länge schiffbar. An den Furten entstanden Ortschaften, in denen der Handel blühte. Adelige Herren errichteten Burgen und Schlösser und leisteten nach der ottonischen und salischen Baukunst sowie der Norddeutschen Backsteingotik einen großen Beitrag zur abendländischen Architektur - die Weserrenaissance.

Der nächste Ort auf unserem Weg ist Hemeln. Danach erreichen wir das Kloster Bursfelde, das im 11. Jahrhundert gegründet wurde. Bei Bodenfelde setzten wir mit der Fähre über die Weser. Wir folgen der B80 bis Bad Karlshafen.

Karlshafen wurde 1699 durch den Landgrafen Carl zu Hessen erbaut. Die ersten Siedler waren Hugenotten. Heute ist Bad Karlshafen ein Kurort mit einer sprudelnden, heilkräftigen Sole, 1986 wurde ein 30 Meter langes und 8 Meter hohes Gradierwerk in Betrieb genommen.

CorveyNach dem Mittagessen setzten wir unsere Fahrt an der rechten Weserseite fort, wo wir bis Höxter bleiben. Am Kloster Corvey machen wir einen weiteren Halt.

Corvey, als Nova Corbeia 822 begründet, ist im Reich der Ottonen und Salier das bedeutendste Kloster des Herzogtums Sachsen und damit ein Ort von höchster politischer, wirtschaftlicher und kultureller Wichtigkeit. Die Benediktinerabtei Corvey war im frühen Mittelalter ein wichtiges geistiges und kulturelles Zentrum. Heute ist sie ein sehenswerter Klosterbau mit einer Bibliothek, an der unter anderen Hoffmann von Fallersleben gewirkt hat. 1803 wurde das Kloster säkularisiert. Von der alten karolingischen Abteikirche ist das Westwerk (873-885) erhalten.

Wir wechseln erneut auf das rechte Weserufer und fahren auf teilweise unbefestigten Radwegen weiter bis Reileifzen. Dort schneiden wir mit einer kurzen, knackigen Steigung (13%) den Weserbogen bei Polle ab und erreichen bald Bodenwerder. Jetzt sind es nur noch 15 Kilometer bis Hameln, das wir um 19.30 Uhr erreichen. Bei der anschließenden Abendtoillete entdecken wir, daß wir an diesem letzten Tag der Radtour ganz schön viel Sonne abbekommen haben.

Nach ein paar Tagen in Hameln werden wir von Verwandten mit dem Auto wieder nach München zurückgefahren.


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Stand: 14. September 2009

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