Radtour Prag - Berlin

Mittagspause

Overall map

Eine Radtour in 5 Tagesetappen über insgesamt 483 km zumeist den großen Flußläufen von Moldau und Elbe folgend, Tagesetappen zwischen 67 und 130 Kilometer.
1. Tag          2. Tag          3. Tag          4. Tag          5. Tag
Teilstrecke Entfernung Summe
Tageskilometer
Summe
Gesamt
Prag-Melnik
Melnik-Litomerice
Litomerice- Terezin/Theresienstadt
(1. Tagesetappe)

43,0
37,0
20,4

43,0
80,0
100,4

43,0
80,0
100,4

Terezin/Theresienstadt - Usti nad Labem/Außig
Usti nad Labem - Decin
Decin - Schmilka/Grenze
Schmilka/Grenze-Postelwitz-Bad Schandau
Bad Schandau-Königstein
(2. Tagesetappe)

16,6
24,0
19,0
9,0
6,0

16,6
40,6
59,6
68,6
74,6

117,0
141,0
160,0
169,0
175,0

Königstein-Rathen
Rathen-Pötscha
Pötscha-Struppen
Prina-Mügeln-Zschachwitz
Zschachwitz-Dresden (Stadtmitte)
Dresden (Stadtmitte)-Radebeul
Radebeul - Meißen
(3. Tagesetappe)

6,5
4,0
5,5
10,5
13,0
11,5
15,4

6,5
10,5
16,0
27,5
40,5
52,0
67,4

181,5
185,5
191,0
202,5
215,5
227,0
242,4

Meißen-Kleinzadel
Kleinzadel-Merschwitz
Merschwitz-Lessa
Lessa-Kreinitz
Kreinitz-Mühlberg
Mühlberg-Arzberg
Arzberg-Torgau
Torgau-Zwethau
Zwethau-Dautzschen
Dautzschen-Prettin
Prettin-Axien-Mauken
Mauken-Kleindröben-Klöden
Klöden-Schützberg-B187
B187-Wittenberg
(4. Tagesetappe)

7,5
7,0
8,6
9,0
7,5
14,5
13,0
6,4
7,0
7,5
11,5
5,7
8,5
16,5

7,5
14,5
23,1
32,1
39,6
54,1
67,1
73,5
80,5
88,0
99,5
105,2
113,7
130,2

249,9
256,9
265,5
274,5
282,0
296,5
309,5
315,9
322,9
330,4
341,9
347,6
356,1
372,6

Wittenberg-Straach-Niemegk
Niemegk-Gömnigk
Gömnigk-Borkwalde-Klaistrow
Klaistrow-Flottstelle-Caputh
Caputh-Geltow (West) -Eiche
Eiche-Potsdam
Potsdam-Grunewald
(5. Tagesetappe)

27,0
15,5
14,7
13,9
9,9
8,4
21,0

27,0
42,5
57,2
71,1
81,0
89,5
110,4

399,6
415,1
429,8
443,7
453,6
462,0
483,0

Beschreibung der Tour

Die Radtour wurde vom 21. bis 26. Mai 1991 bei gemischter, mitteleuropäischer Witterung durchgeführt.

Teilnehmer:

Hubert Becker
Monika Blaimer
Kurt Hasselmayer
Uschi Schendel

Hinweis:

Auf eine Darstellung eines Höhenplans kann bei dieser Radtour verzichtet werden. Die Höhenlage von Prag beträgt in Moldanähe ca. 190 m ü. NN, die mittlere Höhenlage von Berlin ca. 50 m ü. NN.

Vorgeschichte:

1968 gab es uns kurzes Zeitfenster, das viele damals für einen Prag-Besuch genutzt haben. Am 21. August 1968 schlugen die Truppen des Warschauer Paktes das aufkeimende Pflänzchen des "Prages Frühlings" nieder. Eine Reise nach Prag entrückte fortan in den Bereich von staatlicher Überadministration und somit in die Nähe von politischerWillkur und persönlicher Bespitzelung.

Die friedliche Revolution von 1989, ausgehend von Polen und Ungarn, ermutigt und geduldet durch Gorbatschows Politik der Perestroika, schlug über auf die DDR und die Tschechoslowakei. Spätestens 1991, d. h. einige Monate nach der Wiedervereinigung Deutschlands, war die Zeit reif, Landschaft und Leute hautnah kennen zu lernen. Die durch das Verkehrsmittel Fahrrad vorgegebene Reisegeschwindigkeit und die Tatsache, daß keine Blechhülle Reisende und Gastgeber trennt, waren beste Voraussetzungen für einen hautnahen Kontakt. Die Ansprüche an gewohnte touristische Ansprüche (z. B. Übernachtungskomfort und Küche) mußten dahinter zurückgestellt werden.

Die in diesem Reisebericht wiedergegebenen Eindrücke sind eng begrenzt auf das Jahr 1991 und somit unwiederbringlich. Vieles von dem Beschriebenen gibt es mittlerweile in dieser Art und Weise nicht mehr. Geblieben ist die Schönheit der Landschaft und Natur zwischen Moldau und Spree.

Anreise:

Obwohl es direkte Zugverbindungen zwischen München und Prag gibt, ist es 1991 nicht möglich, Fahrräder im gleichen Zug mitzuführen. Sie müssen vielmehr mindestens 3 Tage vorher bei der Bahn zum Transport aufgegeben werden. Diesen Fortschritt haben wir mittlerweile im "alten" Westeuropa im Zeichen von ICE, IC und EC geerbt.

Pünktlich um 14.12 Uhr verläßt der D389 aus Zürich kommend den Münchner Hauptbahnhof in Richtung Prag. Die Bahnroute führt über Landshut, Regensburg, Schwandorf, Furth im Wald und Pilsen. Zum Picknick im Zug packen Kurt und Monika Reiseweingläser vom Feinsten aus, ein solches Glas, in dieser Formschönheit und mit diesen kompakten Abmessungen, ward seitdem nicht mehr käuflich gesehen.

Die Grenzformalitäten sind mittlerweile sehr locker, nur der Reisepaß ist ein unabdingbares Muß. Bis Pilsen quält sich der Zug durch den Bayerischen bzw. Böhmer Wald. Dann steigt auf der elektrifizierten, zweigleisigen Strecke das Zugtempo beträchtlich.

Unterkünfte:

Unterkünfte westlichen Standards sind in den "Wendeländern" zum absoluten Luxusobjekt mutiert. Das Fehlen jeglicher Mittelklasse bei Hotelunterkünften wird von einigen Leuten genutzt und ausgenutzt.

In Prag wurde uns per Zeitungsinserat in einer großen süddeutschen Zeitung ein Privatquatier offeriert, daß wir mangels Ortskenntnis nützen. Ein ehrliches und faires Angebot, wie sich in Prag herausstellen sollte. Wir haben Glück, von vielen unfairen Angeboten wurde uns auch berichtet.

Aktuelle Informationen über Tschechien.

Prag (Die goldene Stadt):

Ankunft in Prag gegen 21.30 Uhr. Unsere Unterkunft im Stadtzentrum von Prag erreichen wir zu Fuß, unsere Vermieterin hatte uns vorab telefonisch vor den zum Teil kriminellen Machenschaften Prager Taxifahrer gewarnt, Goldgräberstimmung! Schnell wird das Appartement in Augenschein und in Beschlag genommen. Vom Hunger getrieben, beeilen wir uns, schnellstmöglich in eines der vielgepriesenen Gaststätten Prags zu gelangen. Essen, zu dieser Tageszeit! Man mache gleich Feierabend, das Personal sei sowieso schon länger gebieben, so werden wir im ersten Lokal belehrt, U ... heißt es. Es hatte gemäß unseren Unterlagen einen guten Ruf. Im zweiten das gleiche Lamentieren, im dritten, ....... So landen wir in einer Hotelbar "westlichen Standards". Etwas Eßbares! Außer ein paar Chips und einem mickrigen Sandwich gibt es nichts mehr. Die paar Kalorien, die wir noch brauchen, konsumieren wir in Bier. Auch hier müssen wir uns beeilen, denn nach 11 Uhr, durch gutes Zureden nach 11.30 Uhr, gibt es nichts mehr. Beim Begleichen der Rechnung merken wir, daß der Nachtzuschlag in Prag gewaltig ist.

Wir kehren zurück in unser Quartier. Müde sinken wir in die Betten, eine Diskussion über deren Zuteilung gibt es nicht mehr.

Am nächsten Morgen schauen wir uns unsere Unterkunft erst einmal richtig an. Herzlich und ehrlich gemeint ist unser Zuhause, aber zusammengeschustert. Zwei Zimmer mit Telefon, Radio, Kühlschrank und Kaffeautomat, genau so, wie uns die Wohnung auf einem photokopierten Prospekt der Vermieterin beschrieben wurde, fanden wir es vor, etwas Geschirr, eine Dusche und 5 Betten waren auch noch da.

Jetzt wollen wir erst einmal Prag besichtigen, zwei volle Tage haben wir  uns hierfür Zeit genommen. Die Hauptstadt der Tschechoslowakei ist eine der reizvollsten Städte Europas mit einer langen und wechselvollen Geschichte.

Die  Prager Burg, der Hradschin ist seit dem 9. Jahrhundert von einigen kürzeren Unterbrechungen abgesehen, das machtpolitische Zentrum Prags und Böhmens. Heute residiert hier der Präsident der Tschechischen Republik. Auf einem Areal von 800 auf 200 Meter Größe hinterließen zahlreiche Könige und Kaiser bauliche und architektonische Spuren. Das bedeutenste Bauwerk ist der mächtige St. Veitsdom, die größte Kirche Prags, Meisterwerk einer gotischen Kathedrale, mit deren Bau 1344 im Auftrag Kaiser Karl IV. begonnen wurde. Mehrere romanische Vorgängerbauten hatten an dieser Stelle bereits gestanden. Dem Prager Dom ging es ähnlich wie dem Kölner Dom, erst knapp 600 Jahre später sollte dieses monumentale Gotteshaus vollendet werden.

Der Königspalast diente bis zum Ende des 16. Jahrhundert als Herrschersitz. Aus dem 15. Jahrhundert stammt der prunkvolle, 63 m lange, 16 m breite und 13 meter hohe Vladislavsaal,  der von Benedikt Ried 1493-1502 für König Vladislav Jagiello erbaut wurde. Der Statthaltersaal der Böhmischen Kanzlei war am 23. Mai 1618 Schauplatz eines geschichtsträchtigen Ereignisses, des sog. Zweiten Prager Fenstersturzes, Ausgangspunkt des Aufstandes gegen die Habsburger und des 30 jährigen Krieges.

Kaiser Karl IV. machte Prag zur seiner Residenz und zur Hauptstadt des Deutschen Reiches. Bereits seit 973 Bischofssitz wurde Prag 1344 zum Erzbistum erhoben. 1348 erfolgte die Gründung der ersten deutschen Universität, zugleich der ersten Universität nördlich der Alpen. Am Ende der Regierungszeit Karls IV. dürften ca. 1500 Studenten die Stadt bevölkert haben. In Prag studierten unter anderem Leute aus Polen, Ungarn, Schweden zusammen mit Bayern und Sachsen, nur die wenigsten von ihnen kamen aus Böhmen und Mähren. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts lebten zwischen 40 000 und 80 000 Menschen in Prag. Die Burg brachte es mit sich, daß ein großer Teil der städtischen Bevölkerung seinen Lebensunterhalt mit Tätigkeiten für den Herrschersitz verdiente, als Hofbeamte, Kammerdiener und -zofen, Musikanten, Kellermeister, Köche, Wach- und Stallpersonal  u.v.a.m. Hinzu kamen Adel und Geistlichkeit samt Personal, die die Nähe des Hofes suchten oder vom König nach Prag gerufen wurden. So sollen zur Zeit Karls IV. (1316-1378) mehrere tausend Geistliche Prag bevölkert haben. Sie waren in jener Zeit die einzigen, die über ein breites Allgemeinwissen verfügten und lesen und schreiben konnten  (Prager Kanzleisprache).

Neben zahlreichen Bediensteten hatten sich auch Handwerker und Händler aus ganz Europa in Prag niedergelassen. Die in der Stadt verstreuten Märkte waren auf besondere Warengruppen spezialisiert und trugen entsprechende Namen, die sich bis in die Neuzeit erhielten: Obstmarkt, Kohlenmarkt, Viehmarkt. Mit der Gründung der Neustadt wurden die Vieh- und Roßmärkte dorthin verlagert sowie die wegen ihres Gestankes ungeliebten lederverarbeitenden Betriebe wie Gerber, Pergamenthersteller oder Buchbinder.

Wie jede andere Großstadt aller Zeiten zog natürlich auch die Gestrandeten der Gesellschaft an: Bettler, Prostituierte, Gauner und Betrüger. Mit dem 'internationalen' studentischen Leben veränderte sich das städtische Alltagsleben. Klagen über ausgelassenes studentisches Leben und die 'Sittenlosigkeit' der jungen Leute häuften sich. Die studierende Jugend schien ausgiebig die Prager Kneipen und auch Bordelle besucht zu haben, Studenten fielen durch ungebührliche 'Späße' und Lieder in der Öffentlichkeit auf. Zum Alltag im 14. Jahrhundert zählten periodisch wiederkehrende Katastrophen wie Überschwemmungen, Großbrände, Hungersnöte und Pestepidemien. Bis zu 20 % der Bevölkerung fielen dem 'Schwarzen Tod' bisweilen zum Opfer.

Prag steht für vieles: Mittelalter und Musik, Kafka und Mozart, Reformation und Kommunismus, Bier und Knödel mit Schweinebraten, allem begegnet man bei einem Rundgang durch die Prager Altstatdt. Die Route führt vom Platz der Republik hinauf zur Burg. Dominantes Gebäude am Platz der Republik ist das Repräsentationshaus mit einer bemerkenswerten Jugendstilfassade. Aus dem königlichen Prag des 15. Jahrhunderts stammt der angrenzende Pulverturm, einst Teil der Altstädter Befestigungsanlage.

PragDurch die Fußgängerzone Celetna gelangen wir nach wenigen hundert Metern zum architektonisch eindrucksvollsten Platz der Stadt, dem Altstädter Ring. Rund um das Jan-Hus-Denkmal , das 1915 anläßlich des 500. Todestages des bedeutenden tschechischen Reformators Jan Hus (1369-1415) fertiggestellt wurde, zeugen Fassaden aus unterschiedlichsten Jahrhunderten die lange Geschichte Prags: das 'Haus Zur Steinernen Glocke',  der barocke Goltz-Kinsky-Palast, die Teynkirche und das Altstädter Rathaus mit der aus dem 15. Jahrhundert stammende Rathausuhr. Der Bau des Rathauses geht auf König Johann von Luxemburg zurück, der 1338 den Prager Bürgern die Erlaubnis zu dessen Errichtung gab.

Bereits im 12. Jahrhundert standen am heutigen Altstädter Ring Holz- und Steinbauten, bereits damals wurde hier Markt abgehalten, lag hier der Mittelpunkt des öffentlichen Lebens. Heute bildet der Altstädter Ring wieder so etwas wie ein Zentrum der Stadt, das Touristen aus aller Welt zusammenführt, so ist auch an diesem Pfingstwochenende die Stadt voll von Touristen.

Das enge Gässchen, das sich vom Kleinen Ring bis zur Karlsbrücke hinzieht, läßt bis heute die mittelalterliche Struktur der Stadt erkennen. Die Gasse war Teil des Krönungsweges vom ehemaligen Königspalast neben dem Pulverturm bis hinauf zur Burg. Läden und Restaurants beherrschen heute eine der touristischen Hauptstrecken mit zahlreichen sehenswerten Gebäuden, darunter das mächtige Clam-Gallas-Palais, das sehenswerte Renaissancehaus 'Zum goldenen Brunnen' und das riesige Areal des Clementinums. Im Haus Nr. 4 wohnte Anfang des 17. Jh. für einige Jahre der berühmte Astronom Johannes Kepler.

Die Karlsbrücke ist ähnlich wie die Burg so etwas wie ein Wahrzeichen Prags. Kaum ein Besucher versäumt es, über sie zu bummeln. 1357 wurde ihr Grundstein an der Stelle der Vorgängerbrücke gelegt, der Judithbrücke, die einem Hochwasser zum Opfer gefallen war. Jahrhundertelang bildete sie den einzigen befestigten Brückenschlag über die Moldau. Die 30 Brückenfiguren stammen aus dem 17./18. Jahrhundert , mittlerweile wurden die meisten Originale durch Kopien ersetzt. Der Brückenturm am rechten Moldauufer wurde erst unter König Wenzel I. vollendet. Er wurde weniger zu Verteidigungszwecken sondern vielmehr als symbolisches Bauwerk für die kaiserliche Macht errichtet. Durch den für die damalige Zeit ungewöhnlich großen Torbogen zog denn auch die Krönungsprozession zur Burg hinauf. Die Plastiken des Turms zeigen Karl IV. und Wenzel I., die zehn Wappen stehen für diejenigen Länder, die Karl IV. als römischen Kaiser anerkannten.

Die häufig auch Goldmachergäßchen genannte malerische Gasse entwickelte sich zu einem Touristenmagneten, nicht zuletzt aufgrund des Mythos, daß hier unter Aufsicht Rudolfs II. Alchimisten mit dem Zeile gewirkt haben sollen, künstliches Gold zu erzeugen. Auch wenn das nicht der historischen Wirklichkeit entspricht - es tut dem Ruf keinen Abbruch. Heute befinden sich in den winzigen Häuschen Souvenirläden und profitieren von dem gewaltigen Touristenstrom aus aller Welt.

Ansonsten fällt bei den Rundgängen durch Prag auf, daß die alte Bausubstanz aus der Gründer- und Jugendstilzeit nur wenig Zerstörungen im Krieg erlitten hatte, die 40 Jahre des real existierenden Sozialismus hatte den Häusern mehr geschadet. Die Vielzahl der Baugerüste zeigt, daß man jetzt bemüht ist, die Jahrzehnte langen Unterlassungen wieder aufzuholen, einige Jugendstilhäuser zeigen sich bereits hervorragend restauriert.

Geldwechsel ist in diesen Tagen im Mai 1991 ein Abenteuer. Nicht nur, daß die Kurse in den zahlreichen Wechselstuben Prags erheblich differieren. Man muß immer mit starker Beharrlichkeit die sonstigen Gebühren und Provisionen erfragen, die vor allem bei vermeintlich günstigen Kursen in besonders hohem Maße aufgeschlagen werden. Trickbetrug beim privaten Geldwechsel ist an der Tagesordnung.

Das Preisniveau Prags und in noch höherem Maße der übrigen Tschechoslowakei ist fast paradisisch. Ein viergängiges Abendessen im Interconti Hotel, einem der vornehmsten Adressen Prags, kostet für vier Personen inklusive aller Getränke 128 US$. Ansonsten ist ein gutes Abendessen für 20 DM  pro Person einschließlich Getränke zu bekommen.

Am Abend des zweiten Tages in Prag holen wir unsere Räder am Hauptbahnhof ab, sie haben den Transport unbeschadet überstanden. Wir können die Räder sicher im Keller unserer Vermieterin für die Nacht abstellen.


1. Tag          (Tabelle)       (Seitenanfang)

Der rosarote PanzerIm Hausdurchgang werden die Taschen gesattelt, eine letzte Zustandsüberprüfung der  Fahrräder, und auf geht's. Leider ist das Wetter nicht so gut wie in den vergangen beiden Tagen. Es ist grau in grau, und es nieselt ein wenig.

Bald taucht vor uns das sowjetische Kriegsdenkmal auf. Der Kampfpanzer aus dem zweiten Weltkrieg ist wiederum komplett rosarot angestrichen. Einige Tage zuvor war das Denkmal aus Protest gegen die UdSSR schon einmal mit rosaroter Farbe übertüncht, die Staatsorgane hatten sorgsam die Farbe wieder entfernt. Später erfahren wir, daß der Panzer vom Sockel entfernt wurde, um zukünfteig weitere derartige 'Malaktionen' zu unterbinden.

Map 1st dayWir überqueren die Moldau und fahren hinauf zum Hradschin. Wir fahren vorbei an der deutschen Botschaft, die zwei Jahre zuvor Schauplatz einer gewaltigen Massenflucht war. Mit ein bißchen Glück finden wir den richtigen Weg hinaus aus der Stadt. Die Straßenzustand verschlechtert sich nach Verlassen der Stadt fühlbar. Nach einigen Kilometern tritt eine erste Panne auf. An einem Fahrrad hatte sich durch das Rütteln ein Rücklicht gelockert. Die Reparatur gestaltet sich bedingt durch das Gepäck etwas langwieriger.

Bei Melnik erreichen wir die Elbe. Die naßkalte Witterung drückt ein wenig die Stimmung. Nach einem ungemütlichen Picknick haben wir immer noch einen Kohlegeschmack auf der Zunge, den wir auch mit viel Wasser nicht herunterspülen können. Die Abgase aus den Kohlekraftwerken werden uns die ganze Fahrt, auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR begleiten. Die hochnebelartige Bewölkung liegt wie ein Glocke über der ungesunden Luft am Boden.

Von außergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten ist auf diesem Streckenabschnitt nicht zu berichten. Am späten Nachmittag ist Terezin erreicht, das unter dem deutschen Namen Theresienstadt mit seinem gleichnamigen Konzentrationslager eine traurige Berühmtheit erlangt hat. Wir fragen uns nach einer Übernachtungsmöglichkeit durch. Man will uns auf einen Camingplatz schicken, was wir aber nicht wollen; wir sind auch nicht für Camping ausgerüstet. Bald finden wir ein 'Hotel'. Wie wir später erfahren, ist es das erste Haus am Platze. Die Zimmer sind ca. 5 x 2 m groß. Die Stahlrohrbetten sind hintereinander angeordnet, aus den Rohren rieselt der Rost. Zu den Gemeinschaftstoiletten und -duschen gelangt man über den gefliesten Flur. Alles ähnelt militärischen Manschaftsunterkünften. Der Mann an der Rezeption strahlt sozialistische Gleichgültigkeit aus. Die Frage nach einer Alternative wird mit Achselzucken beantwortet. Angesichts der Ungewißheit, etwas Besseres zu finden, beschließen wir zu bleiben.

Mit uns an der Rezeption steht ein weiterer Deutscher, der zuvor aus einem vollbesetzten Kleinbus gestiegen ist. Er will sich im Gegensatz zu uns nach Alternativen umsehen. Später kehrt er und seine Jugendradmannschaft zurück, das Etablissement sei in der Tat das Beste im Umkreis.

Wir finden eine nette Wirtschaft in der Nähe, wo wir unseren Hunger und Durst stillen. Bei der Rückkunft im Hotel schlägt uns das pulsierende Leben entgegen. Der Schuppen ist mittlerweile ausverkauft. Wo man hinschaut, sieht man Rennräder. Wir erfahren, daß in den nächsten Tagen in Theresienstadt die Jugendweltmeisterschaften im Straßenvierer stattfinden. Mit dem Mechaniker der deutschen Mannschaft entwickelt sich bald ein Fachgespräch über die neuesten technischen Raffinessen bei Rennmaschinen. Es ist bereits nach 10 Uhr. Sobald einer der jugendlichen Aktiven mit einem Vorwand im Gang erscheint, wird er postwendend vom Trainer wieder ins Bett geschickt.


2. Tag          (Tabelle)       (Seitenanfang)

Am nächsten Morgen das gleiche Bild, alles voller Rennräder und jugendlicher Fahrer. Ein letztes Trainingsrennen ist heute angesagt. Bevor wir das Hotel verlassen können, müssen wir erst einmal hinüber nach Litomerice (Leitmeritz) fahren, um Geld zu tauschen. In Terezin selbst gibt es keine Bank.

Map 2nd dayLitomerice hat einen historischen Marktplatz  mit Häusern in vielfältigen Baustilen: z. B. das "Haus zum Schwarzen Adler" mit seiner Sgrafitti-Fassade, sowie ein um 1560 von A. Balli erbautes Bürgerhaus und das "Kelch-Haus" . Am Marktplatz finden wir eine Bank zum Geldwechseln.

Wieder zurück in Terezin können wir unsere Rechnung begleichen. In der selben Wirtschaft wie am Vorabend finden wir uns zum Früstück ein. So gestärkt brechen wir in Richtung Usti nad Labem (Außig) auf. Das Wetter ist gut. Die Straße folgt dem Lauf der Elbe. Gegen Mittag erreichen wir Usti, eine Industriestadt mit ca. 100000 Einwohner. Obwohl Usti nad Labem über eine längere Geschichte verfügt, gibt es in der Stadt keine nenenswerten Sehenswürdigkeiten. Die rasche Industrialisierung und die Bombardements gegen Ende des zweiten Weltkriegs haben die historische Bausubstanz weitgehend zerstört. Unterhalb des schroffen Felsens, auf dem die Burg Schreckenstein thront, ist die größte Staustufe an der Elbe angelegt (Inbetriebnahme 1930, Stauhöhe 9,63 m, Stauvolumen 18,8 Mill. m3).

Ein paar Kilometer weiter finden wir eine Wirtschaft mit Wirtsgarten direkt am Elbufer. Wir stärken uns mit Schweinsbraten, Schnitzel, Knödeln, .... und einer halben Bier für jeden (s. Foto), das alles für lächerliche 100 Kronen (ca. 6 DM). Wir möchten gern noch ein bißchen sitzen bleiben, aber die Zeit drängt. Der größte Teil der heutigen Etappe liegt noch vor uns.

Das Tal der Elbe wird bis Decin allmählich enger. An den Hängen stehen zahlreiche Buchenwaldungen. Wir nähern uns dem Elbsandsteingebirge. Der schönste Streckenabschnitt liegt zwischen Decin und der deutsch-tschechischen Grenze.

Am Grenzübergang bei Schmilka erreichen wir deutschen Boden. Der Freistaat Sachsen hat rasch von seinem Vorbild, dem Freistaat Bayern, gelernt und sein Staatswappen unmittelbar neben dem Hoheitszeichen der Bundesrepublik Deutschland aufgestellt. Auch die Fernsehfritzen aus Sachsen haben schnell die Arroganz ihrer Kollegen aus den alten Bundesländern angenommen. Ohne Rücksicht auf ihre Kunden, die Fernsehzuschauer, meinen einige von ihnen, wenn sie auf der Bildfläche erscheinen, haben alle anderen diese zu verlassen oder zumindenst sei absoluter Vortritt zu gewähren.

Unterhalb der Schrammsteine fahren wir auf der B172 nach Bad Schandau. Die Stadt ist einer der größten Kurorte in der Sächsischen Schweiz. Sie besitzt bereits seit dem 14. Jahrhundert Stadtrechte. 1730 begann mit der Entdeckung einer eisenhaltigen Quelle, der Badebetrieb. Mit dem Bau eines ersten Badehauses entwickelte sich ab 1799 der Fremdenverkehr zunehmend.

Links der Elbe geht es weiter nach Königstein, unserem Tagesziel. Wir hatten uns bereits in München eine Adresse einer Übernachtungsmöglichkeit notiert, das Haus liegt abere ziehmlich weit ober am Berg. Um einen vergeblichen Anstieg zu vermeiden, wollen wir zunächst dort anrufen, ob es noch freie Zimmer gibt. Die einzige Telefonzelle in Königstein läßt sich aber nur mit DDR-Geld füttern (1991!), über das wir nicht verfügen. So radeln wir auf der Suche nach einer Unterkunft durch Königstein. In einem ehemaligen kombinatseigenem Erholungsheim kommen wir unter. Zwei hintereinander liegende Zimmer mit nach Bohnerwachs riechendem DDR-Charme im 3. Stock bieten uns ein Dach überm Kopf. Die Fahrräder dürfen wir wohlwollend im Treppenhaus unterm Dach abstellen.

Königstein ist vor allem berühmt durch die oberhalb liegende Festung Königstein, die erstmalig 1241 urkundlich erwähnt wurde. Sie diente als Grenzbefestigung zu Böhmen. Mit dem Bau der Festung, die nie erobert wurde, wurde 1589 begonnen, beendet wurde sie im 19. Jahrhundert. Durch die hohen, unüberwindbaren Mauern, dem stark gesicherten Zugang und das uneingeschränkte Schuß- und Sichtfeld in alle Richtungen boten die besten Voraussetzung für die Uneinnehmbarkeit bis in das 20. Jahrhundert. Weil den schwedischen Truppen im 30-jährigen Krieg die Einnahme der Festung trotz heftiger Angriffe und langandauernder Belagerung nicht gelang, zerstörten sie die unterhalb gelegene Stadt bis auf die Grundmauern.

Die Festung diente auch als sächsisches Staatsgefängnis, dort saßen prominente sächsische Politiker, Offiziere, Adelige und Aufständische als Gefangene ein, aber auch der Erfinder des Meißner Porzellans Johann Friedrich Böttger, der dort auf Befehl von August des Starken künstliches Gold herstellen sollte. Johann Friedrich Böttger erfand nicht das Gold, dafür aber das europäische Porzellan. Die Porzellanmanufaktur Meißen entstand dank dieser Erfindung.

Wir konnten uns nach der langen Radfahrt nicht mehr dazu entschließen, zur Festung hinaufzufahren, zumal diese bereits geschlossen war.


3. Tag          (Tabelle)       (Seitenanfang)

Am frühen Morgen werden wir geweckt durch das Gezetere ein Hausmitbewohnerin, die als Werktätige um 6 Uhr morgens das Haus verlassen muß und sich durch die Fahrräder der Wessis eingeengt fühlt. Wir schlafen für eine Stunde wieder ein.

Map 3rd dayNach einer behelfsmäßigen Dusche machen wir uns reisefertig. Wir tragen die Räder und das Gepäck wieder die drei Stockwerke hinunter. Das Wetter schaut nicht gut aus, der Himmel ist wolkenverhangen.

ElberadwegVon Königstein führt der Elberadweg am linken Elbufer entlang bis Pirna. Am rechten Elbufer liegt Kurort Rathen, oberhalb des Ortes ein wenig elbabwärts liegt die Bastei, eines der bekanntesten Naturdenkmäler Deutschlands. Die Bastei ist der herausragende Aussichtspunkt der Felskante entlang der Elbe, 193 m über dem Fluß. Von dort genießt man einen unverwechselbaren und großartigen Ausblick. Über etwas felsige Wege gelangt man über die Basteibrücke zur Felsenburg. Die1850/51 erbaute Steinbrücke ist 76,5 m lang und überquert die Mardertelle und eine Verbindung zwischen der Felsenburg Neurathen und der Bastei in einer Höhe von 165 m über den Elbspiegel.

In einem Seitental hinter Rathen liegt die berühmte Felsenbühne. In diesem Naturtheater in malerischer Lage wurden im Jahre 1938 die ersten Karl-May-Spiele der Welt mit "Der Schatz im Silbersee" ins Leben gerufen. Diese wird heute Tradition fortgeführt, es stehen aber auch Stücke auf dem Programm, u. a. von Carl-Maria Weber und Shakespeare.

In Pirna fallen uns zwei Dinge besonders auf, die von Braunkohleabgasen schwarz geräucherten Bürgerhäuser am historische Marktplatz und ein Getränkemarkt, in dem wir uns Nachschub besorgen. So viele verschiedene Biersorten hatten wir bis dato noch in keinem Getränkemarkt in den alten Bundesländern gesehen. Der Besitzer war stolz auf die Errungenschaft der Wiedervereinigung. Bei Pirna verläßt die Elbe das enge, steilwandige Tal des Elbsandsteingebirges.

Es beginnt zu regnen. Der Schauer ist glücklicherweise nur von kurzer Dauer. Wir erreichen das am rechten Elbufer gelegene Schloß Pillnitz. Das Schloß mit seinem Park war einst ein Geschenk August des Starken an seine Mätresse, der Gräfin Cosel. Hauptbestandteil bilden das sogenannte Berg- und Wasserpalais. Am Wasserpalais gibt es eine Freitreppe in die Elbe hinein. Pillnitz gehört mit zu den Höhepunkten sächsischer Schloß- und Gartenbaubaukunst.

Erneut regnet es. Wir beschließen, die heutige Etappe bis Meißen zu verlängern. Auf eine Besichtigung von Dresden verzichten wir angesichts der Witterungsverhältnisse. Hinein in die Regenkleidung samt wasserdichten Überschuhen und durch. Wir durchfahren auf kürzestem Wege Dresden. Starkregen und Sprühfahnen behindern die Sicht. Kurz vor Meißen endet der Regen, der Himmel reißt auf, die Sonne bescheint das dampfende Kleinsteinpflaster. Erschöpft erreichen wir Meißen. Auf die Frage nach dem Weg zum Hotel "Goldener Löwe" verweist man uns erneut auf einen Campingplatz, das sei doch viel billiger.

Im Goldenen Löwen ist noch eine "Suite" für uns frei, ein Vierbettzimmer mit Toilette und Dusche auf dem Gang. Über die für das Zimmer verlangten 80 DM pro Nacht kann man nicht meckern. Wir beschließen, im Hotelrestaurant zu Abend zu essen. Ein fataler Beschluß! Schweinefilet, Feinschmecker Art heißt das Zauberwort, das allen im Gedächtnis haften bleiben wird. Auf drei Scheiben Schweinefilet sind folgende Delikatessen angerichtet: auf der 1. Dosenchampignon 3. Wahl, Marke Gargantua, auf der 2. Dosenhundefutter und auf der 3. eine rote Paprikagrütze, sollte wohl so etwas wie Soljanka sein. Lediglich das Fleisch war genießbar. Unsere Beschwerden wurden mit Achselzucken quittiert. Mit ein paar Bierchen im Ratskeller haben wir den schlechten Geschmack weggespült.


Ruhetag

Das Wetter hatte sich gebessert. Mit dem Zug fahren zurück nach Dresden.

ZwingerZunächst waren wir geschockt von den unglaublichen Häuserkästen am Bahnhofsvorplatz und von der Menge der Hütchenspieler, bei denen man mit einem Hunderter sein "Glück" versuchen kann. Geschockt sind wir aber auch über die vielen Menschen, die diesem Betrug auf den Leim gehen und über die Polizei, die allzu großzügig über das verbotenene Glückspiel hinwegsieht.

Im Stadtzentrum, an der Südostseite des Altmarktes, ist beinahe jedes zweite Haus eingerüstet. Der zweite Wiederaufbau Dresdens ist voll im Gange. Eine Baustelle ist auch das Residenzschloß, das vom 13. Jahrhundert bis 1918 war Wohn- und Regierungssitz der sächsischen Landesfürsten war.

Dresden war seit dem 15. Jahrhundert Residenz der sächsischen Herzöge, Kurfürsten und später Könige. Zunächst siedelten hier Germanen, die im 6. Jahrhundert westwärts zogen. Ihnen folgten von Böhmen aus Slawen, die das Dorf Drezdany gründeten. Anfang des 10. Jahrhunderts eroberten deutsche Heere unter König Heinrich I. die slawischen Gebiete zwischen Saale und Elbe. Zentrum ihrer Macht wurde die 929 gegründete Burg Meißen. Im 12. Jahrhundert ließen die Meißner Markgrafen auf einer Erhöhung am Elbufer eine Burg errichten, um den viel benutzten Elbübergang nahe des sorbischen Dorfes Drezdany zu schützten. 1206 wurde Dresden erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 1485 wurde der Besitz der Meißner Herzöge aus dem Hause Wettin unter den Söhnen Herzogs Friedrich II. aufgeteilt. Die albertinische Linie der Wettiner wählte Dresden zu ihrer Residenz.

Unter Herzog Georg dem Bärtigen erreichte Dresden seine erste Blüte. Der albertinische Hof gehörte zu den wichtigsten Gegnern der Reformation. Nach dem Tod Herzog Georgs führten dessen Nachfolger jedoch auch hier die Reformation ein. Als Ergebnis des Schmalkaldischen Krieges erhielten die albertinischen Fürsten 1547 die Kurwürde und Dresden wurde so zur Hauptstadt des bedeutendsten protestantischen Landes. Die Stadt erlebte eine schnelle bauliche Entwicklung: Kursachsen beteiligte sich ab 1620 abwechselnd auf kaiserlicher und schwedischer Seite an den Kampfhandlungen des Dreißigjährigen Kriegs. Obwohl die Stadt selbst nicht erobert wurde, führte der Krieg zusammen mit Hunger und Pest zu einem wirtschaftlichen Niedergang. Es gelang jedoch in den folgenden Jahrzehnten, an den alten Glanz anzuknüpfen. Der Große Garten als höfisches Festgelände wurde angelegt, erste barocke Prunkbauten errichtet und mit dem Wirken von Heinrich Schütz erreichte das musikalische Leben der Stadt einen Höhepunkt.

Im Jahre 1697 konvertierte August der Starke auf dem Weg zur polnischen Königskrone zum Katholizismus. Als Kurfürst Friedrich August I., genannt »der Starke«, die polnische Königskrone erwarb, rückte Dresden zur Hauptstadt von europäischer Bedeutung auf. Das Stadtbild wandelte sich umfassend, Dresden wurde zur Barockstadt. Durch seinem Sohn August III wurde 1738/54 die katholische Hofkirche erbaut.

Die Ruine der Frauenkirche auf dem Neumarkt ist Mahnmal für die sinnlose Zerstörung Dresdens am Ende des Zweiten Weltkrieges, sie ist ein Symbol für Versöhnung und Toleranz. Zukünftig sollen die Trümmer wieder zusammengefügt werden. Die Frauenkirche stellt den Höhepunkt des barocken protestantischen Kirchenbaus dar. Ihre glockenförmige und gleichsam schwebende Sandsteinkuppel ist ein Novum der damaligen Baukunst. Sie war bis zu ihrer Zerstörung weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadtsilhouette.

Neben der Hof und der Frauenkirche ist die Kreuzkirche ein weiterer historischer Kirchenbau Dresdens. Den Namen verdankt sie einer Kreuzreliquie aus dem 14. Jahrhundert. Mehrfach zerstört fand sie 1764/92 ihre heutige klassizistische Gestalt. Die Kreuzkirche ist Heimstatt des Kreuzchores. Vor der Kirche befindet sich zur Weihnachtszeit der traditionelle Dresdner Striezelmarkt.

Im August 1756 besetzten preußische Truppen die Hauptstadt Sachsens, dessen Herrscher nach Warschau geflohen waren. Dresden wurde in den folgenden Jahren mehrfach belagert, ganze Stadtteile wurden durch Brände und preußischen Beschuß zerstört. Von den Folgen erholte sich die Stadt nur sehr langsam.

In der nachnapoleonischen Zeit bestimmte nicht mehr der königliche Hof allein die Dresdner Stadtentwicklung, viele Industriebetriebe entstanden. Nach 1850 wuchs die Stadt rasch. In den Jahren 1838/41 schuf Semper am Theaterplatz sein erstes Opernhaus, das jedoch schon 1869 abbrannte. 1871/78 entstand der heutige zweite Bau der Semperoper. Im Stil italienischer Hochrenaissance ist sie Höhepunkt der Theaterarchitektur des 19. Jahrhunderts. Ihrer besondere Akustik und die üppige Innenausstattung sind von Weltgeltung. Nach der Vernichtung im Zweiten Weltkrieg wurde die Oper zwischen 1977 und 1985 in originalgetreuer Form wiederaufgebaut. Leider zeigt sie 1991 bereits wieder deutliche Zerstörungen, die auf die verheerenden Umweltbedingungen der durch Braunkohlekraftwerke geprägten Energiepolitik der ehemaligen DDR zurückzuführen sind. Die Sandsteinfassade ist bereits wieder stark schwarz eingefärbt.

Gleiches gilt für den berühmten Dresdener "Zwinger". Die Putten auf den Dachterassen gleichen Abbildern von Negerzwergstämmen. Der 1709/32 durch Pöppelmann und Permoser errichtete Zwinger gilt als überragendes Bauwerk barocke Architektur. Das Kronentor mit der vergoldeten Haube ist als eines der Dresdner Wahrzeichen in aller Welt bekannt. Der Zwinger wurde wie vieles andere in Dresden durch das sinnlose Bombardement der Royal Air Force im Februar 1945 zerstört. Als eines der Vorzeigeobjekte der ehemaligen DDR wurde er mit Präferenz wieder aufgebaut

Die Brühlsche Terasse ist in gleißenden Licht getaucht, die Sonne sticht. Das verheißt wettermäßig nichts Gutes. Der »Balkon Europas«, berühmt für seinen herrlichen Blick auf das Elbtal, entstand auf einem Teil der alten Stadtbefestigung am Altstädter Elbufer. Graf Brühl bekam sie einst vom Kurfürsten geschenkt.  Seit 1814 ist das Gelände auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Wir promenieren einmal auf und ab und verziehen uns vor dem nächsten größeren Regenguß wieder zurück in Richtung Bahnhof.

MeißenAm späten Nachmittag erreichen wir wieder Meißen, um Minuten zu spät genug, um in die Porzelanmanufaktur eingelassen zu werden. Wir nützen die Zeit, um uns andere Sehenswürdigkeiten Meißens anzuschauen.

Wie zuvor erwähnt beginnt die Stadtgeschichte Meißens im Jahr 929 mit der Gründung der Burg Misni. Das Fürstengeschlecht der Wettiner, das 1089 mit der Mark Meißen belehnt wurden, begründete die Geschichte Sachsens im Mittelalter. Die Burg und der Bischofssitz waren Ziel und Ausgangspunkt zugleich reisender Kaufleute und sorgten für die Entstehung eines Handelsplatzes. Mit der Erbauung der spätgotischen Albrechtsburg ab 1471 erreichte Meißen seinen historischen Höhepunkt. Mit der Teilung der wittinsches Besitztümer 1485 began der Abschwung Meißens. Nachdem Dresden endgültig Regierungssitz des sächsischen Hofes wurde, waren die Wettiner nur noch sehr selten in Meißen anwesend.

Der Dom zu Meißen ist die Bischofskirche der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Der Dom gilt als einer der stilreinsten Bauwerke deutscher Gotik. Sein Bau wurde um 1260 auf den Fundamenten eines romanischen Vorgängers begonnen und im wesentlichen bis 1410 vollendet. Die Westtürme fielen 1413 einem Sturm zum Opfer und wurden nach dem Neubau 1547 erneut durch Blitzschlag zerstört. Erst in den Jahren 1902 bis 1908 wurde das Bauwerk mit der nochmaligen Ergänzung der Domtürme im neugotischen Stil vervollständigt. Das Altarbild stammt aus der Werkstatt Lucas Cranachs. Die überlebensgroßen Stifterfiguren im Hohen Chor sind im 13. Jahrhundert von Meistern der sogenannten Naumburger Werkstatt geschaffen worden. In der dem Dom vorgelagerten Fürstenkapelle befindet sich eine der berühmtesten Begräbnisstätten der Wettiner.

Die weltberühmte Meissner Porzelanmanufaktur wurde 1710 im Schloß Meißen gegründet. Sie war die erste in Europa gegründete Manufaktur und für die Entwicklung des europäischen Porzellans maßstabsetzend. Über 150 Jahre blieb die Produktion des "weißen Goldes" in den historischen Gemäuern.1863 wurde sie in die heutige Fabrik ausgelagert.  Die VEB Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen, heute GmbH, war einer der wichtigsten Devisenbringer der ehemaligen DDR.

Das spätgotische Rathaus ist das imposanteste Gebäude am Markt neben den schönen restaurierten Bürgerhäusern aus der Renaissancezeit. Bereits in alter Schönheit zu bewundern ist das 13.000 m2 große Dach. Eine besondere Zierde sind die drei Zwerchhäuser im Dachbereich. Das Meißner Rathaus gilt als das älteste seiner Art im sächsischen Raum.

Von den Restaurants in Meißen haben wir immer noch die Nase voll. Wir decken uns in verschiedenen Geschäften für ein kaltes Abendessen ein, das wir in unserer 'Suite' bei einem Glas Meißener Wein einnehmen. Der Wein ist gut, bleibt abzuwarten, ob er sich mit diesem horrenden Preis in der EU etablieren kann.


4. Tag           (Tabelle)       (Seitenanfang)

Map 4th dayDer Blick aus dem Fenster zeigt auch heute wieder einen wolkenverhangenen Himmel, es ist aber trocken. Wir beeilen uns, auf die Räder zu kommen. Mit 130 Kilometern liegt die längste Tagesetappe vor uns. Wir verlassen Meißen rechts der Elbe in nordwestlicher Richtung. Schon bald, in der Nähe von Kleinzadel, beginnt es zu regnen. Ein mäßiger, aber beständiger Landregen wird uns fast den ganzen Tag begleiten. Hinzu kommt der ständige Braunkohlestaub, der uns in der Nase und auf der Zunge liegt.

Ein Gasthof, an dem wir vorbeiradeln, preist in großen Lettern seine Vorzüge an: Schwimmbad und Sauna. Wie gerne würden wir das Fahrrad mit einer Sauna tauschen. Wir müssen weiter. Auf untergeordneten Straßen radeln wir ohne große Vorkommnisse bis in die Gegend von Torgau. Wir sind naß bis auf die Haut. Die Körperfeuchtigkeit gelangt einfach nicht mehr durch die Regenhaut nach außen. Für die nächste Tour muß bessere Regenkleidung her. Angesichts des Wetters verzichten wir, nach Torgau auf die andere Elbseite hinüberzufahren.

StrassenverhaeltnisseBei der Mittagspause in einem kleinen Gasthof versuchen wir unsere nassen Sachen so gut es geht zu trocknen. Nach dem Essen müssen wir widerstrebend die halbtrockenen Klamotten wieder anziehen. Der Regen hört für kurze Zeit auf, dafür wird aber die Straße schlechter. In Prettin werden wir durch einen Speichenbruch aufgehalten. Mitten im Ort beheben wir die Panne. "DDR und Speiche bricht, aber uns're Neugier nicht!", so kommt uns das Verhalten der Dorfbewohner vor. Hinter jedem Fenster stehen Leute und beobachten uns. Wenn man rasch von den Arbeit hochschaut, sieht man Köpfe verschwinden und die Vorhänge sich bewegen. "Was machen vier bunt-bekleidete Wessis am heiligen Samstagnachmittag in unserem Ort?", bei dieser Frage besiegt die Neugier die Zurückhaltung. Nach ca. 20 Minuten lassen wir die neugierigen Bewohner wieder unter sich. Wir fahren weiter, zum Teil auf sandigen Wegen, bis wir in der Nähe von Elster die B187 nach Witteberg erreichen. Die letzten 16 Kilomter zur Lutherstadt fahren wir im Starkregen, jetzt macht es auch nichts mehr aus, wir sind durch und durch naß.

Wir finden Unterkunft im "Wittenberger Hof". Als wir uns an der Rezeption genauestens registrieren lassen müssen, kommen zwei ältere Damen die Treppe hinunter. Ihre Aussprache läßt auf Deutsch-Amerikanerinnen schließen. Sie sind, wie sich später herausstellt, daß erste Mal nach ihrer Emigration im 3. Reich wieder in Deutschland und besuchen ihre Heimatstadt Wittenberg. Die Damen beschweren sich in höflicher Form über die überheizten Zimmer. Der Herr an der Rezeption erklärt ihnen, daß die alte Dampfheizung des Hotels wegen Festrostung der Heizkörperventile nicht mehr zu regeln sei. Man solle halt die Fenster öffnen. Auf den Einwand hin, daß diese sich nicht öffnen ließen, erklärt man den beiden, daß das Hotel eh in 14 Tagen geschlossen werde und daß man nichts machen könne. Gott sei Dank lassen sich unsere Fenster öffnen.

DDR-SouvenirNach dem wir uns der nassen Kleidung entledigt und geduscht haben, machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Das Hotelrestaurant sagt uns nicht besonders zu, und nach den Erfahrungen in Meißen schauen wir uns erst einmal um. Gegen 20.30 Uhr haben wir estwas passendes gefunden. Als wir eintreten, bedeutet uns man, daß die Küche bereits geschlossen sei. Nicht mehr ganz so wählerisch versuchen wir es noch in weiteren 3 bis 4 Gaststätten, so auch in unserem Hotel. Überall ist die Küche bereits dicht. Und das an einem Samstagabend!

Noch einmal durchstreifen wir die Stadt. In einem kirchlichen Vereinslokal werden wir fündig. Das Essen ist gut, das Lokal ist bis gegen Mitternacht gut besucht.


5. Tag          (Tabelle)       (Seitenanfang)

Am Morgen scheint die Sonne, was unsere Stimmung beträchtlich hebt. Zunächst steht eine Rundfahrt bzw. ein Rundgang durch die Lutherstadt Wittenberg auf dem Programm. Als 1180 Burgwardium erstsmals urkundlich erwähnt, bekam Wittenberg 1293 durch den Askanier Herzog Albrecht II das Stadtrecht verliehen. Nach Austerben der Askanier im Jahre 1422 wurden die Wettiner vom Kaiser als Landesherren eingesetzt.

Von 1486-1525 residierte der Kurfürst Friedrich der Weise in Wittenberg  und verhalf der Stadt zu überregionaler Bedeutung. In dieser Zeit wurden eine zweite Elbbrücke und das Schloß nebst Schloßkirche neu bzw. wiedererbaut. 1502 wurde die Universität Wittenberg gegründet. Martin Luther, der 1508 nach Wittenberg kam, wurde 1512 Theologieprofessor. Als markantes Datum ist der 31.0ktober 1517 in die Geschichte eingegangen, an dem Luther seine 95 Thesen an das "Schwarze Brett" der Universität,  der hölzernen Tür der Schloßkirche anschlug, um die Diskussions über den Zustand der Kirche anzuregen. Dies markierte den Beginn der Reformation in Deutschland. Ein Jahr später wurde Melanchthon zum Professor in Wittenberg berufen.1534 druckte der Buchdrucker Hans Lufft die 1. Ausgabe der Bibelübersetzung Luthers in Wittenberg. 1537 wurde der Maler Lucas Cranach d. Ä. zum ersten Mal Bürgermeister der Stadt. 1547, nach dem Schmalkaldischen Krieg und der Gefangennahme des Kurfürsten Johann Friedrich hört Wittenberg auf Residenz zu sein.

Während des Siebenjährigen Krieges wurde 1760 die Stadt durch Preußen belagert. Das Schloß und die Schloßkirche erlitten schwere Schäden. 1815 wurde Wittenberg preußisch. An die Stelle der verbrannten Holztür ließ König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen eine Bronzetür mit den lateinischen 95 Thesen setzen. Darüber sieht man ein Gemälde, das rechts Luther mit der deutschen Bibel, links Melanchthon mit der Augsburger Konfession und im Hintergrund Wittenberg zeigt.

WittenbergDie wichtigsten historischen Baudenkmäler Wittenbergs befinden sich am Marktplatz oder in dessen Nähe. Den Mittelpunkt des Marktplatzes bildet das schöne Renaissancerathaus, das bis heute im wesentlichen sein äußeres Erscheinungsbild bewahren konnte. Über der östlichen Seite des Marktplatzes erheben sich die Türme der Stadtkirche "Sankt Marien". Sie bilden mit den geschlossenen Häuserfronten um den Marktplatz und dessen Rathaus eines der schönsten historischen Ensembles Deutschlands. Die wesentlichen Bauabschnitte der Stadtkirche stammen aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. Aus dem Ende des 13. Jahrhunderts sind drei Joche einer zweischiffigen Hallenkirche erhalten, die den nach Osten glatt abschließenden Chorteil des heutigen Baues bilden. Der Altar stammt von Lucas Cranach d. Ä.

Das Lutherhaus am östlichen Ende der historischen Altstadt wurde 1504 - 1507 mit Unterstützung des Kurfürsten als Kloster für etwa 40 Augustiner-Eremiten erbaut. Als Martin Luther im Jahre 1508 das erste Mal nach Wittenberg kam, war dieses Gebäude fast fertiggestellt. Er lebte zunächst in einer der Mönchszellen unter dem Dach. Nach der Auflösung des Klosters blieb Martin Luther hier wohnen, später bekam er vom Kurfürsten das ganze Haus geschenkt, das er dann mit seiner Frau, Katharina von Bora, und seinen 6 Kindern bewohnte.

Der 1506 erbaute Cranachhof in der Schloßstraße 1 war Wohn- und Wirkungsstätte L. Cranachs d. Ä. von 1513 bis 1550. Der 1530 - 40 erbaute Cranachhof am Markt 4 ist Geburtshaus von Lucas Cranach d. J.

Map 5th dayDie konzentriert reingezogene Kultur können wir jetzt nur noch durch verstärktes Fahrradfahren wieder abreagieren. Wir verlassen Wittenberg in nordwestlicher Richtung. Ab Straach geht es hinein in die Hügel des Hohen Fläming, einstmals durch die Eiszeit entstanden und geformt. Er wurde vor über 800 Jahren durch die Flamen besiedelt, denen dieser Landstrich auch seinen Namen verdankt. Schon Theodor Fontane wußte die Schönheit des Flämings zu rühmen. Herrliche Wälder, versteckt gelegene Bauerndörfer mit interessanten Kirchen, saftige Wiesen und unberührte Naturschutzgebiete in buntem Wechsel laden zu einem Besuch ein. 

Hinter Niemegk überqueren wir die Autobahn Nürnberg-Berlin. An einem Picknickplatz in der Nähe von Borkwalde stärken wir uns mit den Köstlichkeiten aus einer nahen Imbißstube. Bald unterqueren wir dem Berliner Autobahnring. Irgendwo in der Nähe von Caputh müssen wir einmal wieder unsere Karte befragen. Ein Rentner, der den bis vor Zweijahresfrist noch ungewohnten sonntäglichen Ausflugsverkehr beobachtet, beeindruckt uns durch seine überragende Lauschfähigkeit. Über eine Distanz von 20 Meter versteht er das zwischen unseren über die Karte zusammensteckenden Köpfen Gesprochene, obwohl der Straßenlärm zwischen ihm und uns brauste und zudem der Wind aus seiner Richtung weht. Die Stasi läßt herzlich grüßen!

Wir finden unseren Weg in Richtung Potsdam. Durch den westlichen Eingang gelangen wir in den Schloßpark von Sanssouci. Die Räder dürfen wir mitnehmen, wir müssen sie aber schieben. 1745 begann Friedrich der Große mit der Anlage von Schloß Sanssouci und dem es umgebenden Schloßpark. Das im Rokoko-Stil errichtete Sans Souci »Ohne Sorge« wurde vom Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsorff entworfen. Die Mitte des Schlosses wird durch zwei repräsentative Säle betont, die Wohnräume des Königs und die Gästezimmer schließen sich seitlich an. Zu seinen Füßen ließ der "Alte Fritz" einen terrassierten Weinberg anlegen.

In Sanssouci versammelte Friedrich der Große bedeutende Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts, darunter Francois Marie Arouet genannt Voltaire. Als Anekdote wird der folgende Schriftwechsel ziwschen Friedrich II. und Voltaire zitiert (Auflösung am Seitenende):

Friedrich der Große:  Friedrich der Graße an Voltaire

Voltaires Antwort:      Voltaire an den König

SanssouciAls erstes kommen wir auf unserem Weg durch den Schloßpark zum Neuen Palais. Es soll den Sieg und die Glorie Preußens nach Ende des siebenjährigen Krieges zum Ausdruck bringen. Der 1763 begonnene und bis 1769 vollendete Bau diente Friedrich dem Großen vor allem als Gästeschloß für fürstliche Besucher. Im Südflügel des Neuen Palais ließ Friedrich der Große ein Theater einrichten.

Die über 300 Meter lange Neue Orangerie wurde 1851-1864 im Auftrag von König Friedrich Wilhelm IV. als repräsentatives Gästeschloß errichtet. Zwischen den beiden Orangerieflügeln, die der Überwinterung der exotischen Pflanzen dienten, erhebt sich der monumentale Mittelbau, von dessen Türmen sich ein herrlicher Ausblick auf die Potsdamer Kulturlandschaft bietet.

Am östlichen Ausgang des Schloßparks durch wir unsere Räder wieder besteigen. Wir unternehmen eine kleine Rundtour durch die Potsdamer Innenstadt.

Potsdam, die Residenz- und Garnisonstadt von Preußens Könige wurde am 3. Juli 993 Potsdam zum ersten Mal urkundlich erwähnt: Der dreizehnjährige Kaiser Otto III. schenkte seiner Tante, der Äbtissin Mathilde von Quedlinburg, den Ort "Poztupimi" - "Unter den Eichen". Es entstand eine Burganlage, die den Havelübergang sichern sollte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erwählte Kurfürst Friedrich Wilhelm Potsdam zu seiner zweiten Residenz neben Berlin. Er ließ ein repräsentatives Stadtschloß errichten. Seinen Ausbau zur Garnisonstadt verdankt Potsdam dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. Friedrich der Große wandelte Potsdam in eine repräsentative Residenzstadt um. Die Schöpfungen seiner Zeit bestimmen noch heute das Bild und den Charakter der Stadt. Er baute u. a. das Stadtschloß weiter aus. König Friedrich Wilhelm IV. ließ zwischen 1826 und 1862 durch Schinkel und Lenné eine Vielzahl prächtiger Anlagen gestalten: Schloß Charlottenhof, die Orangerie, die Anlage des Pfingstberges, die Friedenskirche und andere.

Im zweiten Weltkrieg wurden das Stadtschloß, die Garnisonkirche und die Bürgerhäuser um den alten Markt wurden schwer beschädigt. Dem Stadtschloß erging es wie dem Berliner Stadtschloß, es wurde in den 50er Jahren durch das SED-Regime gesprengt. Im Juli 1945 fand im Schloß Cecilienhof die Potsdamer Konferenz der Siegermächte statt. Truman, Churchill und Stalin verabschiedeten das Potsdamer Abkommen und beschloßen damit die europäische Nachkriegsordnung und die Teilung Deutschlands.

Glienicker BrückeWir fahren durch das Holländische Viertel. König Friedrich Wilhelm I. hatte es als Quartier für die angeworbenen Einwanderer aus den Niederlanden errichten lassen. Zwischen 1732 und 1742 entstand die 134 Traufen- und Giebelhäuse unter der Leitung des holländischen Zimmermeisters Jan Boumann. Trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und nachfolgendem Verfall sind heute 128 von den einstmals 134 Häusern erhalten. Ein Großteil wurde bereits liebevoll restauriert.

Über die Brücke, über die früher nur Spione ausgetauscht wurden, fahren wir nach Berlin hinein. Ab der Glienicker Brücke folgen wird der König-Straße bis zum Kronprinzessinen Weg. Durch die Parklandschaft "Krumme Lanke" gelangen wir zu unserem Quartier bei Bekannten in Grunewald. Eine knapp 500 Kilometer lange Fahrradtour liegt hinter uns.


Berlin:

Wir haben nun zwei Tage Zeit für einen Besuch Berlins. Der Schwerpunkt unserer Besichtigungen konzentriert sich naturgemäß auf Berlin-Mitte, das früher fast unerreichbar im Ostteil der Stadt lag.

Berlin, die alte und neue Hauptstadt Deutschlands, ist seit knapp einem Jahr nicht mehr geteilt. Berlins Ursprünge liegen am Ende des 12. Jahrhunderts. Die Stadt entwickelte sich aus den zwei Siedlungen Berlin und Cölln zu beiden Seiten der Spree im heutigen Bezirk Mitte. Die beiden Städte bildeten 1307 eine Union.

Die ab 1411 in der Mark Brandenburg regierenden Hohenzollern errichteten ihr Residenzschloß auf der Spreeinsel und machten Berlin zur Hauptstadt der Mark. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Einwohnerzahl Berlins halbiert. Der Große Kurfürst holte in Frankreich verfolgte Hugenotten in die Mark. Ungefähr 6000 von ihnen kamen ab 1685 nach Berlin. 1709 wurden Berlin und Cölln auf Befehl des preußischen Königs Friedrich I. zur Residenzstadt Berlin vereinigt. Unter der Regentschaft Friedrichs II. (1740-1786) wurde Preußen zu einer europäischen Großmacht. Damit wuchs auch die Bedeutung seiner Hauptstadt. Mit der Gründung des Deutschen Reiches in Versailles 1871 wurden der preußische König Wilhelm I. Kaiser von Deutschland, der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck Reichskanzler und Berlin die Hauptstadt Deutschlands.

Nach der militärischen Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg wurde Kaiser Wilhelm II. am 9. November 1918 zum Rücktritt gezwungen, noch am gleichen Tage wurde die Republik ausgerufen. 1920 schloß sich Berlin mit zahlreichen umliegenden Städten und Gemeinden zu "Groß-Berlin" zusammen. 3,8 Mio. Einwohner lebten in der neuen Stadt, deren Ausdehnung sich im wesentlichen bis heute erhalten hat.

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten begann. Am 1. September 1939 begann das von Adolf Hitler geführte nationalsozialistische Deutschland von Berlin aus den Zweiten Weltkrieg. Am 8. Mai 1945 endete dieser hier mit der bedingungslosen Kapitulation im Hauptquartier der sowjetischen Besatzungstruppen in Berlin-Karlshorst.

Der Krieg hatte Berlin schwer getroffen. Über 600.000 Wohnungen waren völlig zerstört. Von der Vorkriegs evölkerung von 4,3 Mio. Menschen lebten nur noch 2,8 Mio. in der Ruinenstadt. Deutschland wurde von den Siegermächten USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich besetzt. Berlin erhielt eine besondere Viermächteverwaltung. Der nach 1945 aufkommende "Kalte Krieg" erschwerte jedoch die Zusammenarbeit immer mehr. 1948 versuchte die Sowjetunion durch eine Blockade West-Berlins, die Westalliierten zum Abzug aus der Stadt zu zwingen und ganz Berlin ihrer Besatzungszone einzugliedern. Die Westmächte antworteten mit einer Luftbrücke, mit der sie die Stadt über ein Jahr aus der Luft versorgten.

1949 wurden die beiden deutschen Staaten, die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik, gegründet. In West-Berlin blieb der Sonderstatus der alliierten Oberhoheit bis 1990 gewahrt. Als es nicht gelang, die wachsenden Flüchtlingsströme aus der DDR über West-Berlin in die Bundesrepublik einzudämmen, ließ die SED-Führung am 13. August 1961 eine Mauer quer durch Berlin bauen. Über 100 Menschen starben von 1961 bis 1989 bei Fluchtversuchen.

Am 9. November 1989 wurde völlig unerwartet die Mauer geöffnet. Noch in der Nacht zum 10. November besuchten Zehntausende von Ost-Berlinern West-Berlin. Am 3. Oktober 1990 wurde mit einem Staatsakt in Berlin die Vereinigung Deutschlands vollzogen. Hiermit endete auch die Teilung Berlins.

Brandenburger Tor 1988
Das Brandenburger Tor 1988

Brandenburger Tor 1991
Das Brandenburger Tor 1991

Brandenburger Tor 1999
Das Brandenburger Tor 1999

Wir beginnen unseren Rundgang Brandenburger Tor. Das Tor ist ein Symbol für die Einheit Deutschlands. Ursprünglich war das Brandenburger Tor tatsächlich ein echtes Stadttor, das mit dem Wachstum der Stadt in deren Mitte rutschte, und später auf deren Grenzlinie zwischen Ost- und Westberlin. Nach der Wiedervereinigung Berlins wurde beschlossen, am Pariser Platz östlich des Barndenburger Tors die Vorkriegsbebauung wieder herzustellen. Noch ist alles eine große Baustelle, oder dort, wo mit dem Bau erst noch begonnen wird, hat sich ein "Russenmarkt" etabliert, hier wird alles, was aus der zerfallenen Sowjetunion herausgeschafft werden kann, in harte DM umgesetzt: Uniformen, Orden, Nachsichtgläser, Waffen, .....

"Unter den Linden" setzen wir den Rundgang fort. Bereits im 17. Jahrhundert war die ca. 1 km lange Verbindung zwischen Schloß und Tiergarten in eine von Linden und Nußbäumen umsäumte Allee. Von den prachtvollen Bürgerhäusern, Adelspalais und Staatsgebäuden sind heute nur noch wenige erhalten. In der Nähe des Brandenburger Tors finden sich zahlreiche diplomatische Vertretungen, so u. a. die russische, die französische und die britische Botschaft.

Die Friedrichstraße ist Baustelle total.

Wir gehen weiter in Richtung Gendarmenmarkt, der zu den schönsten Plätzen Berlins zählt. Der Deutsche Dom, der Französische Dom und das Konzerthaus Berlin (das frühere Schauspielhaus am Gendarmenmarkt) bilden ein bauliches Ensemble, das die strenge Rasterordnung der sie umgebenden Blöcke wiederholt. Benannt ist der Platz nach der Hauptwache und den Ställen des Regiments Gendarmes, die sich von 1736 bis 1773 an dieser Stelle befanden.  Der Deutsche Dom wurde 1701-08 nach Plänen von Martin Grünberg durch Giovanni Simonetti errichtet. In ihm wurden während der Revolution 1848 die Märzgefallenen aufgebahrt. Der Französische Dom am Gendarmenmarkt wurde 1701-05 von Jean Cayart und nach dessen Tod von Abraham Quesnay anch Vorbild des 1624 erbauten und 1658 zerstörten hugenottischen "Tempel von Charenton" bei Paris gebaut. Die "Französische Kirche auf der Friedrichstadt" war ehemals Gotteshaus für rund 5000 Hugenotten, die im 17 Jahrhundert nach Berlin gekommen waren.

Über die Französiche Straße gelangen wir zur St. Hedwigs-Kathedrale, die 1747-1773 von J. Boumann nach Entwurf Friedrichs des Großen errichtet wurde. Vorbild war das Pantheon in Rom. Die Geschichte der Kathedrale spiegelt die Geschichte der Katholiken in Brandenburg wieder. Um 1710 zählte Berlin 100000 Einwohner, davon waren 800 katholisch, Berlin war seit der Regierung Kurfürst Joachim II reformatorisch-lutherisch geworden. Unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. verbesserte sich die Situation der Katholiken. Vor allem um die Gunst des katholischen Adels im besiegten Schlesien zu bekommen, gewährte Friedrich den Bau eines "großen" Gotteshauses für einen freien und ungehinderten Gottesdienst. 1943 wurde das Gebäude komplett zerstört. 1963 wurde das Haus von außen  und 1970 das Kircheninnere renoviert. Weltberühmt ist der Chor der St.- Hedwigs-Kathedrale, allerdings nur der westliche Teil, der nach der Teilung von 1961 die Konzertsäle der Welt füllte.

Nur ein paar Meter weiter liegt die Staatsoper Unter den Linden, sie ist neben der Deutschen Oper und der Komischen Oper eines der drei Opernhäuser Berlins. Im Krieg schwer beschädigt, wurde es 1955 wiederröffnet. Der Ursprungsbau der Staatsoper entstand 1741-43 nach den Entwürfen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff und des Kronprinzen Friedrich, der spätere König Friedrich II. Er war das erste königliche Theatergebäude Deutschlands, das räumlich aus dem Schloßkomplex herausgelöst wurde. Bei einer Rekonstruktion 1983-86 wurde das Bauwerk komplett erneuert, wobei eine eine Modernisierung der gesamten technischen Ausstattung und eine sorgfältige Rekonstruktion des Interieurs erfolgte.

Gegenüber der Staatsoper, liegt  an der Straße Unter den Linden die Humboldt Universität. Vorbei an der Neuen Wache gelangen wir auf die Spree-Insel. Auf ihr liegt in südlicher Richtund das ehemalige Staatsratsgebäude und der asbestverseuchte Palast der Republik aus der DDR-Zeit. Das Staatsratsgebäude wurde am Ort des gesprengten Stadtschlosses errichtet. Nördlich befindet sich der  Berliner Dom und der Museumsteil mit dem Pergamonmuseum und der Nationalgalerie.

Dem 1894-1905 unter Kaiser Wilhelm II. erbauten Berliner Dom gingen zwei Vorgängerbauten voraus, die 1297 gegründete gotische Dominikanerkirche, 1747 nach deren Abriß ein neuer, barocker Dom nach Plänen von Johann Boumann  (d. Ä.), der 1822 durch Karl Friedrich Schinkel im klassizistischen Stil umgebaut wurde. Schinkels Kirchenbau wurde 1893 abgerissen, Kaiser Wilhelm II. setzte gegen massive Kritik den Neubau des Doms in seiner heutigen Form der mit vier Ecktürmen umgebenen, reich dekorierten zentralen und 74 m hohen Kuppel durch. Der Berliner Dom war die Hof- und Grabkirche der Hohenzollern. Im II. Weltkrieg wurde das Gebäude stark beschädigt. Ab 1975 wird der Dom restauriert, das Ende der Bauarbeiten ist für 1993 vorgesehen.

Vorbei am "Roten Rathaus" laufen wir weiter bis zum archtektonisch total mißratenen Alexanderplatz. In der Buslinie 100 gönnen wir unseren Füßen ein wenig Pause vom Pflastertreten und fahren in den Westteil zurück. Am 1884-94 erbauten Reichtagsgebäude steigen wir aus. Hier wird nach dessen Umbau in einigen Jahren der Deutsche Bundestag tagen.

Durch den nördlichen Teil des Tiergartens, einem im 17. Jahrhundert vor den Toren der Stadt angelegten Wildgehege für die kurfürstliche Jagd, kommen wir an der Kongreßhalle vorbei, die von den Berlinern ihrer Dachform wegen "Schwangere Auster" genannt wird. Am Spreeufer entlang erreichen wir Schloß Bellevue, den Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten. Mit der S-Bahn fahren wir von der Station Bellevue zur Station Savigninplatz in Charlottenburg.

Es schließt sich ein längerer Abend in verschiedenen Gaststätten in dieser Gegend an.

Am zweiten Tag besichtigen wir einige Sehenswürdigkeiten im Westen, hierunter Schloß Charlottenburg,  Kurfürstendamm, Wittenbergplatz, KaDeWe, Breitscheidplatz, Philharmonie...

Rückfahrt

Für die Rückfahrt mit dem Zug nach München bekommen wir leider keine Liegewagenplätze mehr. So müssen wir in den üblichen 6er-Abteilen Platz nehmen. Unsere Hoffnung, daß die restlichen beiden Plätze frei bleiben können, wird am Bahnhof Wannsee zerschlagen. Hier steigt ein Werktätigen-Ehepaar samt diverser Bierdosen und Schnapsflasche zu. Die beiden fahren zum ersten Mal in den Urlaub nach Bayern. Bei Bier und Schnaps erklärt uns der Mann, man habe zwar derzeit  in den meisten Bereichen im Osten noch einen kleinen Rückstand zum Westen, aber spätestens in vier bis fünf Jahren werde man den Westen wirtschaftlich überholen. Wir fragen uns, ob der Mann durch den Alkoholkonsum oder durch Helmut Kohls flotte Sprüche von "....blühenden Landschaften" so besoffen oder ob er einfach naiv ist.


Auflösung des Briefwechsels zwischen Friedrich dem Großen und Voltaire:
Friedrich der Große:  Venez souper à Sanssouci  (Kommen Sie zum Abendessen nach Sanssouci!)
Voltaire:                    Oui, j'ai grand apettit.         (Ja, ich habe großen Appetit.)
[Zurück zu Sanssouci]


Seitenanfang
zurück (Fahrradtouren)
Hubert Becker's Homepage
Stand: 26. Januar 2014

Free counter and web stats

Copyright©: Hubert Becker, 1994