Im dichten Nebel bezwingen wir das Dach der Pyrenäen.
| Streckenabschnitt |
Meeres- |
Entfernung |
Tagesstrecke |
Gesamtstrecke |
| Argelès-Gazost - Villelongue Villelongue - Luz-St. Sauveur Luz-St. Sauveur - Barèges Barèges - Col du Tourmalet Col du Tourmalet - la Mongie la Mongie - Ste. Marie-de-Campan Ste. Marie-de-Campan - Payolle Payolle - Col d'Aspin Col d'Aspin - Arreau |
462 |
6,5 |
6,5 |
228,6 |
| Anmerkung: | Zwischen den Kilometerangaben in Tabelle und Diagramm besteht eine Differenz, die darauf beruht, daß in der Tabelle Planzahlen und im Diagramm gemessene Kilometer angegeben sind. Diese Mehrkilometer sind durch zusätzliche Wege von/zu Hotels, Restaurants, Parkplätzen u. ä. entstanden. Die gemessenen Werte wurden mit dem CICLOMaster CM 414 ALTI M der Fa. CicloSport® erhoben. |
Bevor wir starten können, muß erst einmal Monikas Speichenbruch behoben werden, der sich auf den letzten Kilometern des Vortages ereignet hatte. Von der Oberstadt können wir es kurz bergab laufen lassen. Einen Kilometer später sind wir auf dem Grund des Tales der Gave de Pau angelangt. Auf der Trasse einer aufgelassenen Eisenbahnstrecke - jetzt als Radweg ausgebaut - radeln wir bis Pierrefitte-Nestalas. Sonntag ist Fahrradtag in Frankreich! Zahlreiche Mitradler überholen uns oder kommen uns entgegen. Wir kommen nicht so richtig auf Touren! Dienst nach Vorschrift oder Konditionsschwäche, wer weiß es? In Pierrefitte-Nestalas fahren wir eine unfreiwillige Ortsrunde, bevor wir auf die Straße in Richtung Luz-St. Sauveur gelangen. Durch die Gorge de Luz verläuft die Straße mit einer leichten Steigung in Richtung Süden. Das Peleton teilt sich kurzzeitig in zwei Gruppen. Die Spitzengruppe wird bald durch einen Handy-Notruf zurückgeordert: ein zweiter Speichenbruch muß repariert werden. Die gebrochene Speiche ist offensichtlich am Vortag mitgeschädigt worden. Nach einer Verzögerung von einer halben Stunde können wir weiter fahren.
Für alle, die diesen Bericht über eine 8-tägige Pyrenäen-Radtour nicht von Anfang lesen, der Hinweis: Die ursprüngliche Etappeneinteilung, die weiterhin als optimal angesehen wird, konnte aus verschiedenen Gründen nicht eingehalten werden.
Die
beiden Ortsteile Luz
und St-Sauveur liegen sich beiderseits des Gave de Pau
in einer malerischen Gebirgslandschaft gegenüber. Von der kriegerischen
Vergangenheit des Tales zeugt die Burgruine Ste-Marie oberhalb von
Luz. Nun beginnt der Anstieg zum Col du Tourmalet, der Paß
ist im allgemeinen von November bis Juni eingeschneit. Nach ca. sieben Kilometern
ist
Barèges,
der älteste Skiort in den Pyrenäen, erreicht. Mittlerweile ist
es bereits nach ein Uhr. Mit Glück finden wir noch ein Restaurant, in
dem wir zu Mittag essen können. Die festen Mittagszeiten in Frankreich
gilt es zu respektieren, ansonsten gerät man leicht in Gefahr, mit leerem
Magen weiter zu fahren.
Gestärkt
fahren wir weiter. Die Straße durchquert nun die trostlose Landschaft
des kleinen Escoubous-Tals, wo sich ein Bächlein durch steiniges
Weideland schlängelt. Hinter der Brücke über die Gaubie
tauchen wir wieder in die Wolken ein. Leider ist die grandiose Landschaft,
in der wir uns befinden, nur schemenhaft zu erkennen. Von den höheren
Bergmassiven des Pic de Néouvielle und des Pic du Midi de
Bigorre wissen wir nur aus diversen Reiseführern. Der Verkehr ist
heute, am Tag des Finales der Fußballweltmeisterschaft, besonders schwach.
Nach dem letzten besonders steilen Kilometer ist die 2115 m hohe
Paßhöhe erreicht. Durch den Nebel verirren sich einige Sonnenstrahlen,
die Wolkendecke über uns dürfte nicht mehr allzu hoch sein.
Leider
lichtet sich der Nebel nicht, im Gegenteil, der eiskalte Wind treibt immer
dichtere Schwaden über den Paß. Der überlebensgroße
Radfahrer »Le Géant du Tourmalet«, geschaffen zum Andenken
an die erste Tour de France über den Tourmalet im Jahr
1910, hebt sich nur schemenhaft von der Umgebung ab. Wir schlüpfen rasch
in trockene Trikots, darunter winddichte T-Shirts, darüber Regenbekleidung
und lange Überhosen. Vor der Abfahrt in Richtung La Mongie lassen
wir uns dann für das übliche "Passfoto" ablichten. Jetzt nichts
wie weg von diesem ungemütlichen Ort!
Langsam rollen wir
an. Je weiter wir fahren, desto feuchter und kälter wird es. Die Finger
sind trotz Handschuhe klamm, durch das stetige Bremsen werden sie darüber
hinaus noch steif und schmerzen zunehmend. In La Mongie müssen
wir erst einmal anhalten und unsere Hände durch Fingerübungen wieder
beweglich machen. Schneller als 25 km/h trauen wir uns wegen der schlechten
Sicht nicht zu fahren, das Übersehen einer Kurve wäre
lebensgefährlich. So bremsen wir uns weiter durch die Nebelnässen
zu Tal.
In
Ste. Marie-de-Campan sind wir komplett steif gefroren.
Zähneklappernd beschließen wir, für heute Schluß zu
machen. Das hiesige Hotel ist am Sonntag leider geschlossen. Direkt an der
Kreuzung der D918 und der D935 liegt eine Gîte d'Étappe.
»Enlevez les chaussures (Schuhe aus)!« heißt es wenig charmant,
als wir das Etablissement betreten. Ergeben folgen wir dem Diktat. Die Zimmer
sind in Ordnung, Dusche, Toilette auf der Etage. In Ermanglung einer Alternative
bleiben wir. Eine individuelle Pizza in der nahen Pizzeria ziehen dem kollektiven
Abendessen im Haus vor. In der Pizzeria sind wir dann die einzigen
Gäste.
Der erste Blick
in der Frühe ist noch vernebelt, es ist jedoch heller als am Vortage.
Nach dem Frühstück reißt der Himmel auf, zum ersten Mal erleben
wir einen blauen Himmel über den umgebenden Bergen. Die Räder sind
rasch bepackt, mit erheblich besserer Stimmung gehen wir den Col d'Aspin
an. Gemächlich steigt die Straße, dem Lauf der Adour de
Payolle folgend. In Payolle eröffnet sich uns ein freier
Blick auf den Pic du Midi de Bigorre.
Jetzt
beginnt der eigentliche Anstieg zum Paß. Der 1489 m Col d'Aspin
ist im Vergleich zum Tourmalet ein Zwerg. Der Anstieg ist auch nicht
besonders steil. Wir genießen das sonnige Wetter und kurbeln kontinuierlich
in Richtung Paßhöhe. Hier müssen wir uns einen Weg durch
die Rinderherde bahnen. Die Rindviecher stehen ungeniert auf der Straße,
sch... diese voll und kümmern sich nur wenig um den Verkehr.
Zum ersten Mal auf dieser Radtour erleben wir einen Paß in der Sonne. Südlich des Passes erhebt sich der Pic de l'Arbizon, dahinter der Monte Perdido. Der Pic du Midi de Bigorre ist bereits wieder in Wolken verhüllt. Erste Wolkenfetzen ziehen dann auch wieder über den Paß. Wir haben aber Glück, das Wetter bleibt heute sonnig.
Auf der
kurvenreichen Straße rauschen wir bergab in Richtung Arreau,
das wir eigentlich schon am Vortag erreicht haben wollten. Diese steile Abfahrt
führt innerhalb von 12,5 km von 1.489 m auf 704 m hinunter.
Zwischendurch durchqueren wir einige kleinere Wolken, die rasch weiter ziehen,
und es bietet sich aber auch ein großartiger Blick auf das Tal der
Neste d'Aure.
Das
kleine Städtchen Arreau (1200 Einwohner) mit seinen
Schieferdächern liegt auf dem Höhenrücken in schöner
Lage am Zusammenfluß von Neste d'Aure und Neste de Louron.
Sehenswert sind die Mairie, ein schiefer gedecktes Fachwerkhaus über
der offenen Markthalle, und ein mit Holzschnitzereien dekoriertes Haus auf
der gegenüberliegenden Seite der Hauptstraße.
Im Ort kaufen wir erst einmal für ein Picknick ein. In den zahlreichen Geschäften entlang der Hauptstraße herrscht geschäftiges Treiben. Nach der Einkaufstour wandern Geflügelterrine, Käse, Obst, ... in diverse Packtaschen. Einkaufen macht hungrig! Jetzt müssen wir noch einen geeigneten Picknickplatz finden.
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| Stand: 3. Juni 2005 |
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