Pyrenäen-Radtour - 3. Etappe

Im dichten Nebel bezwingen wir das Dach der Pyrenäen.


Streckenverlauf
Streckenabschnitt

Meeres-
höhe

Entfernung
[km]

Tagesstrecke
[km]

Gesamtstrecke
[km]

Argelès-Gazost - Villelongue
Villelongue - Luz-St. Sauveur
Luz-St. Sauveur - Barèges
Barèges - Col du Tourmalet (FR-65-2115c)
Col du Tourmalet - la Mongie
la Mongie - Ste. Marie-de-Campan
Ste. Marie-de-Campan - Payolle
Payolle - Col d'Aspin (FR-65-1489)
Col d'Aspin - Arreau

462
480
711
1231
2115
1740
845
1080
1489

6,5
9,5
8,0
11,0
4,7
12,5
6,8
6,0
12,8

6,5
16,0
24,0
35,0
39,7
52,2
59,0
65,0
77,8

228,6
238,1
246,1
257,1
261,8
274,3
281,1
287,1
299,9

Kartenausschnitt


3. Etappe

Höhenplan 3. Tag
Anmerkung: Zwischen den Kilometerangaben in Tabelle und Diagramm besteht eine Differenz, die darauf beruht, daß in der Tabelle Planzahlen und im Diagramm gemessene Kilometer angegeben sind. Diese Mehrkilometer sind durch zusätzliche Wege von/zu Hotels, Restaurants, Parkplätzen u. ä. entstanden. Die gemessenen Werte wurden mit dem CICLOMaster CM 414 ALTI M der Fa. CicloSport® erhoben.

Bevor wir starten können, muß erst einmal Monikas Speichenbruch behoben werden, der sich auf den letzten Kilometern des Vortages ereignet hatte. Von der Oberstadt  können wir es kurz bergab laufen lassen. Einen Kilometer später sind wir auf dem Grund des Tales der Gave de Pau angelangt. Auf der Trasse einer aufgelassenen Eisenbahnstrecke - jetzt als Radweg ausgebaut - radeln wir bis Pierrefitte-Nestalas. Sonntag ist Fahrradtag in Frankreich! Zahlreiche Mitradler überholen uns oder kommen uns entgegen. Wir kommen nicht so richtig auf Touren! Dienst nach Vorschrift oder Konditionsschwäche, wer weiß es? In Pierrefitte-Nestalas fahren wir eine unfreiwillige Ortsrunde, bevor wir auf die Straße in Richtung Luz-St. Sauveur gelangen. Durch die Gorge de Luz verläuft die Straße mit einer leichten Steigung in Richtung Süden. Das Peleton teilt sich kurzzeitig in zwei Gruppen. Die Spitzengruppe wird bald durch einen Handy-Notruf zurückgeordert: ein zweiter Speichenbruch muß repariert werden. Die gebrochene Speiche ist offensichtlich am Vortag mitgeschädigt worden. Nach einer Verzögerung von einer halben Stunde können wir weiter fahren.

Für alle, die diesen Bericht über eine 8-tägige Pyrenäen-Radtour nicht von Anfang lesen, der Hinweis: Die ursprüngliche Etappeneinteilung, die weiterhin als optimal angesehen wird, konnte aus verschiedenen Gründen nicht eingehalten werden.

Info-Tafel TourmaletDie beiden Ortsteile Luz und St-Sauveur liegen sich beiderseits des Gave de Pau in einer malerischen Gebirgslandschaft gegenüber. Von der kriegerischen Vergangenheit des Tales zeugt die Burgruine Ste-Marie oberhalb von Luz. Nun beginnt der Anstieg zum Col du Tourmalet, der Paß ist im allgemeinen von November bis Juni eingeschneit. Nach ca. sieben Kilometern ist Barèges, der älteste Skiort in den Pyrenäen, erreicht. Mittlerweile ist es bereits nach ein Uhr. Mit Glück finden wir noch ein Restaurant, in dem wir zu Mittag essen können. Die festen Mittagszeiten in Frankreich gilt es zu respektieren, ansonsten gerät man leicht in Gefahr, mit leerem Magen weiter zu fahren.

Aufstieg zum TourmaletGestärkt fahren wir weiter. Die Straße durchquert nun die trostlose Landschaft des kleinen Escoubous-Tals, wo sich ein Bächlein durch steiniges Weideland schlängelt. Hinter der Brücke über die Gaubie tauchen wir wieder in die Wolken ein. Leider ist die grandiose Landschaft, in der wir uns befinden, nur schemenhaft zu erkennen. Von den höheren Bergmassiven des Pic de Néouvielle und des Pic du Midi de Bigorre wissen wir nur aus diversen Reiseführern. Der Verkehr ist heute, am Tag des Finales der Fußballweltmeisterschaft, besonders schwach. Nach dem letzten besonders steilen Kilometer ist die 2115 m hohe Paßhöhe erreicht. Durch den Nebel verirren sich einige Sonnenstrahlen, die Wolkendecke über uns dürfte nicht mehr allzu hoch sein.

Le Géant du TourmaletLeider lichtet sich der Nebel nicht, im Gegenteil, der eiskalte Wind treibt immer dichtere Schwaden über den Paß. Der überlebensgroße Radfahrer »Le Géant du Tourmalet«, geschaffen zum Andenken an die erste Tour de France über den Tourmalet im Jahr 1910, hebt sich nur schemenhaft von der Umgebung ab. Wir schlüpfen rasch in trockene Trikots, darunter winddichte T-Shirts, darüber Regenbekleidung und lange Überhosen. Vor der Abfahrt in Richtung La Mongie lassen wir uns dann für das übliche "Passfoto" ablichten. Jetzt nichts wie weg von diesem ungemütlichen Ort!

PassfotoLangsam rollen wir an. Je weiter wir fahren, desto feuchter und kälter wird es. Die Finger sind trotz Handschuhe klamm, durch das stetige Bremsen werden sie darüber hinaus noch steif und schmerzen zunehmend. In La Mongie müssen wir erst einmal anhalten und unsere Hände durch Fingerübungen wieder beweglich machen. Schneller als 25 km/h trauen wir uns wegen der schlechten Sicht nicht zu fahren, das Übersehen einer Kurve wäre lebensgefährlich. So bremsen wir uns weiter durch die Nebelnässen zu Tal.

Pic de Midi de BigorreIn Ste. Marie-de-Campan sind wir komplett steif gefroren. Zähneklappernd beschließen wir, für heute Schluß zu machen. Das hiesige Hotel ist am Sonntag leider geschlossen. Direkt an der Kreuzung der D918 und der D935 liegt eine Gîte d'Étappe. »Enlevez les chaussures (Schuhe aus)!« heißt es wenig charmant, als wir das Etablissement betreten. Ergeben folgen wir dem Diktat. Die Zimmer sind in Ordnung, Dusche, Toilette auf der Etage. In Ermanglung einer Alternative bleiben wir. Eine individuelle Pizza in der nahen Pizzeria ziehen dem kollektiven Abendessen im Haus vor. In der Pizzeria sind wir dann die einzigen Gäste. 

Col d'AspinDer erste Blick in der Frühe  ist noch vernebelt, es ist jedoch heller als am Vortage. Nach dem Frühstück reißt der Himmel auf, zum ersten Mal erleben wir einen blauen Himmel über den umgebenden Bergen. Die Räder sind rasch bepackt, mit erheblich besserer Stimmung gehen wir den Col d'Aspin an. Gemächlich steigt die Straße, dem Lauf der Adour de Payolle folgend. In Payolle eröffnet sich uns ein freier Blick auf den Pic du Midi de Bigorre.

Viecherei am AspinJetzt beginnt der eigentliche Anstieg zum Paß. Der 1489 m hohe Col d'Aspin ist im Vergleich zum Tourmalet ein Zwerg. Der Anstieg ist auch nicht besonders steil. Wir genießen das sonnige Wetter und kurbeln kontinuierlich in Richtung Paßhöhe. Hier müssen wir uns einen Weg durch die Rinderherde bahnen. Die Rindviecher stehen ungeniert auf der Straße, sch... diese voll und kümmern sich nur wenig um den Verkehr.

Zum ersten Mal auf dieser Radtour erleben wir einen Paß in der Sonne. Südlich des Passes erhebt sich der Pic de l'Arbizon, dahinter der Monte Perdido. Der Pic du Midi de Bigorre ist bereits wieder in Wolken verhüllt. Erste Wolkenfetzen ziehen dann auch wieder über den Paß. Wir haben aber Glück, das Wetter bleibt heute sonnig.

Abfahrt vom AspinAuf der kurvenreichen Straße rauschen wir bergab in Richtung Arreau, das wir eigentlich schon am Vortag erreicht haben wollten. Diese steile Abfahrt führt innerhalb von 12,5 km von 1.489 m auf 704 m hinunter. Zwischendurch durchqueren wir einige kleinere Wolken, die rasch weiter ziehen, und es bietet sich aber auch ein großartiger Blick auf das Tal der Neste d'Aure.

Markthalle und Rathaus von ArreauDas kleine Städtchen Arreau (1200 Einwohner) mit seinen Schieferdächern liegt auf dem Höhenrücken in schöner Lage am Zusammenfluß von Neste d'Aure und Neste de Louron. Sehenswert sind die Mairie, ein schiefer gedecktes Fachwerkhaus über der offenen Markthalle, und ein mit Holzschnitzereien dekoriertes Haus auf der gegenüberliegenden Seite der Hauptstraße.

Im Ort kaufen wir erst einmal für ein Picknick ein. In den zahlreichen Geschäften entlang der Hauptstraße herrscht geschäftiges Treiben. Nach der Einkaufstour wandern Geflügelterrine, Käse, Obst, ... in diverse Packtaschen. Einkaufen macht hungrig! Jetzt müssen wir noch einen geeigneten Picknickplatz finden.
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Stand: 27. Oktoberi 2011

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