Pyrenäen-Radtour - 4. Etappe

Hier fuhr Jan Ullrich in die Büsche.


Streckenverlauf
Streckenabschnitt

Meeres-
höhe

Entfernung
[km]

Tagesstrecke
[km]

Gesamtstrecke
[km]

Arreau - Bordères-Louron
Bordères-Louron - Avajan
Avajan - Armenteule
Armenteule - Col de Peyresourde
Col de Peyresourde - Garin
Garin - St. Aventin
St. Aventin - Bagnères-de-Luchon
Bagnères-de-Luchon - Pont-de-Cazaux
Pont-de-Cazaux - Cierp-Gaud
Cierp-Gaud - St. Béat
St. Béat - Col de Menté
Col de Menté - Henne-Morte
Henne-Morte - Col de Portet d'Aspet
Col de Portet d'Aspet - Auguirein
Auguirein - Argein
Argein - Castillon-en-Couserans

700
800
905
940
1569
1085
913
627
580
500
510
1349
633
1069
630
540

5,0
3,0
4,0
7,5
7,4
2,4
5,2
8,5
6,0
5,0
9,3
11,2
4,5
7,7
7,0
4,5

5,0
8,0
12,0
19,5
26,9
29,3
34,5
43,0
49,0
54,0
63,3
74,5
79,0
86,7
93,7
98,2

304,9
307,9
311,9
319,4
326,8
329,2
334,4
342,9
348,9
353,9
363,2
374,4
378,9
386,6
393,6
398,1

Kartenausschnitt


4. Etappe

Höhenplan 4. Tag
Anmerkung: Zwischen den Kilometerangaben in Tabelle und Diagramm besteht eine Differenz, die darauf beruht, daß in der Tabelle Planzahlen und im Diagramm gemessene Kilometer angegeben sind. Die Minderkilometer sind dadurch entstanden, daß wir in Audressein, d. h. kurz vor Castillon  eingekehrt sind. Die gemessenen Werte wurden mit dem CICLOMaster CM 414 ALTI M der Fa. CicloSport® erhoben.

Col de PeyresourdeWir verlassen Arreau in Richtung Bordères-Louron. Am Ortseingang dieses Ortes finden wir einen hübschen Picknickplatz, Tische und Sitzgelegenheiten aus massiven behauenen Felsblöcken. Auch eine Art Diebstahlsicherung! Nach der Mahlzeit und anschließendem SMS-Verkehr können wir den nächsten Paß angehen: den Col de Peyresourde. Hier fuhr Jan Ullrich 2001 unfreiwillig in die Büsche. Damals hat die Tour den Paß jedoch in umgekehrter Richtung befahren.

Für alle, die diesen Bericht über eine 8-tägige Pyrenäen-Radtour nicht von Anfang lesen, der Hinweis: Die ursprüngliche Etappeneinteilung, die weiterhin als optimal angesehen wird, konnte aus verschiedenen Gründen nicht eingehalten werden.

Anstieg zum Col de PeyresourdeNahe Avajan beginnt der eigentliche Anstieg. In einer langgezogenen Linkskurve zieht sicht die Straße in südwestlicher Hanglage hinauf. Jetzt merken wir, daß Sonnenschein beim Pässefahren auch seine Nachteile hat. Die gute Stimmung wertet aber das vermehrte Schwitzen wieder auf, so daß insgesamt ein positiver Gesamteindruck in Erinnerung bleibt. Kurz vor der Paßhöhe überholen uns mit einigem Abstand untereinander zwei Rennradler. Oben angekommen, ein kurzer Plausch mit ihnen, sie warten noch auf einen dritten Kumpel, der ob seiner Leibesfülle nicht ganz so fit ist. Der fittere Teil dieser Amerikaner fährt noch weiter hinauf zur Skistation Peyragudes.

Auf der Paßhöhe vom PeyresourdeAn der Paßhöhe steht eine Gaststätte, die großartig ihre Spezialität »Crêpes« in allen Varianten anpreist: 3 Stück für 1 Euro! Das große Umkleiden entfällt, Gott sei Dank! Eine leichte Windjacke reicht für die Abfahrt. Auf der diesseitigen Ostrampe ist die Streckenführung kurvenreicher und damit interessanter als bei der jenseitigen Auffahrt.

Die Kehren vom PeyresourdeÜber eine Reihe von Kehren geht es hinab in das Tal des Larboust.  Nach der zweiten Kehre steigen wir mit Macht in die Bremsen. »Kurt« steht mit großen Lettern auf der Straße. Der Verfasser dieser Inschrift muß wohl bei seiner Sprühaktion gestört worden sein. Vollständig sollte der Text lauten: » Kurt, Du faule Sau, quäl Dich!« Wenig später passieren wir die kleine romanische Kapelle St. Pierre, die rechts der Straße auf einem Plateau steht.

Kurt ... Du faule Sau, quäl Dich!Nach Cazenaux-de-Larboust führt die inzwischen etwas schattige Straße am Bach Neste d'Oô entlang weiter hinunter nach Bagnères-de-Luchon.

Luchon oder Bagnères-de-Luchon liegt in etwa auf halber Strecke der Pyrenäen-Tour. Den belebten Kurort besuchen zahlreiche Touristen sowie seines vielfältigen Unterhaltungsangebots, der vielen Spazierwege sowie der Möglichkeiten zu Ausflügen und zum Bergsteigen. Es gibt hier zahlreiche Hotels und Restaurants.

Dem wiederholt vorgetragenen Wunsch nach Beendigung des kräfteraubenden Strampelns wird statt gegeben. Wir fahren die große Hauptstraße im Ort, die Allées d'Etigny, einmal rauf und runter, um die infrage kommenden Hotels von außen zu inspizieren. Wir entscheiden uns für das Bellevue. Dort treffen wir die Amerikaner vom Peyresourde wieder, sie logieren auch hier. 

Heute ist wieder einmal Waschtag, Kurt hat auch schon einen Münzwaschsalon erspäht. Bei einem Bier vertreiben wir uns die Zeit, bis die Wäsche sauber und trocken ist. Selten ist uns die Wahl des Restaurants so schwer gefallen wie hier in Luchon. Das Angebot ist ungewohnt groß. Später müssen wir jedoch konstatieren: Wir haben schon besser gespeist!

Beim morgendlichen Blick aus dem Fenster müssen wir feststellen, daß der Sonnenschein vom Vortag fehlt. Der Himmel ist grau verhangen, es ist aber trocken. Auf der kleinen D125c verlassen wir Bagnère-de-Luchon. Durch das Tal der Pique geht es in nördlicher Richtung nach Cierp-Gaud. In Antignac müssen wir dann auf die stärker befahrene D125 wechseln. In flotter Fahrt erreichen wir den kleinen Ort Cierp-Gaud. Hier ist gerade Markt. Angesichts der bevorstehenden Pässe verzichten wir auf den Einkauf für das Picknick, denn jedes Kilo hemmt die Geschwindigkeit auf dem Weg nach oben.

St. BéatDie D 44, die das hiesige Talbecken durchquert, führt an einem Marmorsteinbruch vorbei und nähert sich dann dem Engpaß von St-Béat. Der weiße oder graue Marmor von St-Béat wurde schon in der Römerzeit abgebaut und wurde unter anderem für die Wasserbecken und Statuen im Park von Versailles verwendet. Der ehemals befestigte Ort St-Béat, der »Schlüssel Frankreichs«, wie im Wappen erkennbar, bewachte den Übergang von Val d'Aran in die Gascogne. Die grauen Häuser stehen am Fuß der Schlucht entlang der Krümmungen des Gebirgsbachs. Von der Zitadelle auf dem rechten Ufer ist nur noch der Donjon (12. Jahrhundert) übriggeblieben, der heute als Uhrturm dient, sowie das Schloß und einige zinnenbewehrte Stücke der Befestigung (14. Jahrhundert).

Im Regen zum Col de MentéAm südlichen Ortsausgang biegt die kleine Straße zum Col de Menté ab. Kaum haben wir die ersten, sehr anstrengenden Höhenmeter absolviert, schon befinden wir uns wieder in den Nebelnässen. Wir durchqueren den kleinen Weiler Boutx. Der Nebel wird immer feuchter. Kehre für Kehre strampeln wir nach oben zur Paßhöhe. Nichts wie hinein ins trockene Restaurant! Wir sind die einzigen Gäste an diesem vernebelten Ort. Der Koch brutzelt für uns ein anständiges Mittagessen. Im Gastraum hängen viele Plakate von Schlittenhunde-Rennen, die den Besitzer des Restaurants bei der Weltmeisterschaft zeigen, daher der große Hundezwinger neben dem Haus.

Ankunft im NebelGut gestärkt brechen wir auf. Die Abfahrt auf der nassen Straße gehen wir vorsichtig an. Nach einigen Kilometern verlassen wir die unfreundlichen Nebelnässen. Im letzten Abschnitt durch das Tal des Ger ist noch eine kurze Gegensteigung zu bewältigen. Nahe des Weilers Henne-Morte  - wir übersetzen den Ortsnamen flapsig mit »totes Huhn«- biegen wir in die Straße zum Col de Portet d'Aspet ein.

Rein in die Klamotten, Raus aus ...Es geht gleich mächtig zur Sache. Der Paß liegt nur 1069 m hoch. Die anfängliche Steigung läßt weit mehr vermuten. Fabio Casartelli hat bei seinem tödlichen Sturz während der Tour de France 1995 den Grad des Gefälles wohl gewaltig unterschätzt. In diesem steilsten Abschnitt liegt das Mahnmal, das zu seinem Gedenken errichtet worden ist. Eine Gruppe Rennradler überholt uns. Trotz Dreifach-Kettenblatt vorne gehen fast alle aus dem Sattel. Straßenbauarbeiter präparieren Straße und Umgebung für das große Ereignis, das zwei Wochen nach unserer Vorbeifahrt dort stattfinden wird: die 12. Etappe der Tour 2002.

Col de Portet d'AspetDie Paßhöhe ist unspektakulär. Ein kleines Haus im Stil italienischer Straßenposten, mehr ist dort nicht. Östlich des Passes liegt die alte Provinz Couserans. Sie war zur Zeit des Feudalismus eng mit dem Comminges verbunden. Das »Land der 18 Täler« entspricht geographisch dem Becken des Salat-Oberlaufs mit St-Girons als Hauptort. Frische spendende Vegetation machen den Reiz dieses Landstrichs aus.

Die Abfahrt bis St. Lary ist steil. Dann folgen wir dem Lauf des Flüßchens la Bouigane. Hier enden fast alle Ortsnamen auf »ein«:,  Augirein, Illartein, Aucazein, Argein, Audressein..Die Straße führt jetzt das Lez-Tal flußaufwärts.

À propos Audressein: Hôtel - Restaurant L'Auberge d'Audressein verdient eine äußerst lobenswerte Erwähnung. Hier haben wir das beste Abendessen auf der gesamten Radtour genossen. Zuvor haben wir noch in der Dorfkneipe den neuesten Tratsch des Ortes mitbekommen. Das Dorf Audressein liegt in angenehmer Lage am Zusammenfluß von Bouigane und Lez. Die Wallfahrtskirche Notre-Dame-de-Tramezaygues (größtenteils aus dem 14. Jahrhundert) wird von einem durchbrochenen Dachreiter überragt. Der zentrale Portalvorbau ist mit Wandmalereien aus dem 15. Jahrh. verziert. Zurück zur Auberge, sie liegt an der D618 direkt an der Brücke über das Flüßchen Lez. Wer hier vorbei fährt, ist selbst schuld!

Castillon-en-Couserans, das eigentliche Etappenziel, liegt ca. 3 Kilometer flußaufwärts am Lez.
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Stand: 3. Juni 2005

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