Wie an- und abreisen: Flugzeug, Eisenbahn, Bus oder Auto? Von München sind es 1200 Kilometer bis Collioure, bis St.-Jean-de-Luz sind es sogar 1600 km.
Wir hatten uns für das Flugzeug entschieden. Die Lufthansa fliegt von München viermal täglich direkt nach Toulouse. Die Buchung war fast komplett, nur die Fahrräder mußten noch bestätigt werden, was nicht gelang. Die Erklärung: Im Fluggerät 'Canadair Regional Jet 100/200' transportiert die Deutsche Lufthansa unverständlicherweise keine Fahrräder. Andere Star Alliance Gesellschaften, z. B. United Airlines, nehmen sehr wohl Fahrräder im gleichen Fluggerät mit. Air France fliegt von München aus Toulouse nicht direkt an. Die meisten Verbindungen gehen über Paris, leider fast ausschließlich mit Transfer zwischen den Flughäfen Charles-de-Gaulle und Orly, der für eine Fahrradmitnahme nicht geeignet ist, es sei denn, man packt die Räder in Charles-de-Gaulle aus, fahrt auf diesen nach Orly und verpackt sie dort auf irgendeine Weise wieder für den nächsten Flug. Biarritz und Perpignan sind ebenfalls nur mit Umsteigeverbindungen zu erreichen, Perpignan ausschließlich über Orly. Bei der weiteren Recherche wurden wir beim Bayerischen Pilgerbüro fündig. Dieses organisiert u. a. Pilgerreisen nach Lourdes und fliegt mit der Chartergesellschaft AeroLoyd zweimal wöchentlich montags und donnerstags Lourdes an. Bei freien Plätzen werden auch Individualtouristen mitgenommen. Unsere Urlaubsplanung ist jedoch bereits mit den Arbeitgebern abgeschlossen, so daß diese Termine nicht in Frage kommen.
Bahnfahren ist von München aus keine Alternative. Die Fahrt von München nach St.-Jean-de-Luz dauert ca. 15 Stunden inklusive ein bis zwei Umsteigeaufenthalten. Mit Fahrradmitnahme erhöht sich die Fahrzeit auf ca. 40 Stunden, wobei 4 bzw. 8 Umsteigevorgänge zu bewältigen sind.
Nachdem wir in den letzten Jahren gute Erfahrungen mit Fahrradmitnahme in Bussen gemacht hatten, wird auch diese Möglichkeit in Erwägung gezogen. Die Fa. Natours fährt sowohl Perpignan als auch Bordeaux an, aber leider nicht von München. Ein weiterer Busunternehmer fährt zwar nach Perpignan, aber zu anderen Terminen. Die südliche Atlantikküste war von München per Bus (inkl. Fahrradmitnahme) nicht zu erreichen.
Angesichts dieser phantastischen Möglichkeiten entscheiden wir uns für die Autofahrt.
Freitags nach Büroschluß brechen wir auf. Wir kommen bis Fribourg in der Schweiz. Die erste unangenehme Überraschung auf dieser Reise: selbst eher mäßige Hotelzimmer sind unter 200 CHF nicht zu bekommen. Die Erklärung, es ist Expo im eidgenossischen Lande.
Nach einer sehr heißen Fahrt mit Außentemperaturen von 35 bis 38 °C - glücklicher weise haben wir eine Klimaanlage - und starkem Verkehrsaufkommen, erreichen wir gegen 19.30 Uhr St. Hilaire. Wo um alles in der Welt liegt St. Hilaire?
St. Hilaire liegt ca. 17 Kilometer südlich von Carcassone, der nächst größere Ort in der Nähe ist Limoux. Hier wird der Weißwein vielfach zum bekannten Schaumwein »Blanquette de Limoux« ausgebaut. In St. Hilaire selbst gibt es nur ein sehr einfaches Hotel, mehr Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten finden sich in Limoux oder in Carcassonne.
Erwähnenswert ist die Abtei von St. Hilaire, die in den letzten Jahren in mühevoller Detailarbeit restauriert worden ist.
Transfer
Die Entfernung von Carcassonne nach St. Jean-de-Luz beträgt ca. 470 Kilometer, von Collioure nach Carcassone sind es weitere 170 Kilometer. Will man die gesamte Radtour von Carcassonne aus mit dem Fahrrad bewältigen, so addiert die sich die abzustrampelnde Strecke auf 1400 km. Von Limoux sind es ca. 40 km weniger.
Da war doch noch etwas: Es gibt ja auch die Eisenbahn! Carcassonne hat einen ziemlich großen Bahnhof, an der Hauptstrecke von Narbonne nach Bordeaux gelegen. Einen Zug von Carcassonne nach Toulouse, dort umsteigen in Richtung Bayonne, das wär's.
Das Angebot jedoch ist trostlos. Auf dem Abschnitt Carcassonne - Toulouse verkehren noch mehr als ein halbes Dutzend Züge, in denen Fahrradmitnahme (begrenzt) erlaubt ist. Hier weisen die Internet-Fahrplanauskünfte von DB und SNCF unterschiedliche Zahlen aus. In der Anzahl der Züge mit Fahrradmitnahme ab Toulouse sind sich beide Eisenbahngesellschaften wieder einig: auf der Teilstrecke bis Tarbes sind es zwei, auf dem anderen Abschnitt bis Bayonne ist es nur ein Zug. Die Gesamtfahrzeit von Carcassonne bis Bayonne inklusive zweier Umsteigeaufenthalte beträgt somit ca. 36 Stunden. Wenn man sich beeilt, kann man das auch mit dem Fahrrad schaffen, rechnerisch ist das eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 13 Stundenkilometer.
Auf Grund der vorstehenden Erfahrungen entstand die Idee, die gesamte Strecke einschließlich der Transfers von Limoux nach St. Jean-de-Luz und von Collioure nach Limoux mit dem Fahrrad zu bewältigen. Insgesamt vier Tage wurden hierfür eingeplant.
| Streckenabschnitt |
Meeres- |
Entfernung |
Tagesstrecke |
Gesamtstrecke |
| Limoux - carrefour
D620/D626 carrefour D620/D626 - carrefour D626/D52 carrefour D626/D52 - Peyrefitte-du-Razès Peyrefitte-du-Razès - Caudeval Caudeval - Mirepoix Mirepoix - carrefour D625/D6 carrefour D625/D6 - Teilhet Teilhet - les Pujols les Pujols - Coussa Coussa - Varilhes Varilhes - Crampagna Crampagna - Sarguet Sarguet - Pas du Portel Pas du Portel - carrefour D1/D131 carrefour D1/D131 - le-Mas-d'Azil le-Mas-d'Azil - Maury Maury - Mérigon Mérigon - St. Croix-Volvestre St. Croix-Volvestre - Fabas Fabas - Cérizols Cérizols - Belbèze-en-Commings Belbèze-en-Commings - Montsaunes Montsaunes - Figarol Figarol - Pointis-Inard Pointis-Inard - Miramont-de-Comminges Miramont-de-Comminges - St. Gaudens Transfer 1. Tag |
165 |
6,5 |
6,5 |
6,5 |
| St. Gaudens -
Labarthe-Rivière Labarthe-Rivière - Pontis-de-Rivière Pontis-de-Rivière - Montréjeau Montréjeau - St. Laurent-de-Neste St. Laurent-de-Neste - la-Barthe-de-Neste la-Barthe-de-Neste - Capvern Capvern - Mauvezin Mauvezin - le Hailla le Hailla - Bagnères-de-Bigorre Bagnères-de-Bigorre - Ordizan Ordizan - Neuilh Neuilh - Juncalas Juncalas - Lourdes Lourdes - Montaut Montaut - Coarraze Coarraze - Bénéjacq Bénéjacq - Angaïs Angaïs - Pau Transfer 2. Tag |
340 |
3,5 |
3,5 |
162,5 |
| Pau - Jurançon Jurançon - Carrefour D2/D509 Carrefour D2/D509 - Pardies Pardies - Carrefour D33/D281 Carrefour D33/D281 - Mourenx Mourenx - Vielleségure Vielleségure - Camptort Camptort - Navarrenx Navarrenx - Bugnein Bugnein - Narp Narp - Sauveterre-de-Béarn Sauveterre-de-Béarn - Oreyte Oreyte - Labastide-Villefranche Labastide-Villefranche - Bidâche Bidâche - Bardos Bardos - Briscous Briscous - Bayonne Bayonne - Biarritz-Plage Biarritz-Plage - St. Jean-de-Luz Transfer 3. Tag |
212 |
2,5 |
2,5 |
288,0 |
Die Etappenlänge ist mit 159 Kilometer recht sportlich. Sie ist aber zu schaffen. Für uns kommen zu den 159 km noch ca. 30 weitere von St. Hilaire nach Limoux hinzu. Zudem hat der Plausch bei Rainhild, wo wir unser Auto für die Zeit der Radtour untergestellt haben, einige Zeit in Anspruch genommen. Mal sehen, wie weit wir heute kommen?
Die Sonne des Midi brennt auf uns herab. In Mirepoix machen wir kurz Rast. Einige Zeit später kommen erste Wolken, der Himmel zieht sich zu. Wir beschließen, die heutige Etappe in Foix zu beenden. Bei der Ankunft dort tröpfelt es leicht.
Am nächsten Morgen ist es immer noch bedeckt, aber
es regnet nicht. Wieder zurück auf unserer geplanten Strecke erreichen
wir bald den Pas du Portel, einen kleinen knackigen Paß, über
den wir auf die ruhige, verkehrsarme D1 gelangen. In le
Mas-d'Azil wird für das mittägliche Picknick eingekauft.
Auch hier hat der "T-Euro" zugeschlagen, ein Kilo Äpfel kostet im
Durchschnitt 4,50 !
Wenige hundert Meter nach dem Ort führt die Strecke durch die Grotte du Mas d'Azil, einer vom Flüßchen Arize ausgewaschenen Höhle von ca. 400 Meter Länge und durchschnittlich 50 Meter Breite. Die Straße verläuft neben dem Bach durch die Höhle hindurch. Eindrucksvoll!
Weiter geht
es auf der 'Milchstraße', »La Route du Lait«,
so verkündet es ein Plakat neben der Straße. Nein, wir heben nicht
ab in den Weltraum, das Plakat weist lediglich auf die intensive Weidewirtschaft
und die damit verbundene Milch- und Käseproduktion der Gegend hin. Dem
Verfasser ist es aber schon ein bißchen nach Abheben zumute, nach vielen
tausend Kilometern mit dem Reiserad Peugeot PX80 ist dies nun die erste
größere Tour mit dem neuen Randonneur der Fahrradmanufaktur
NORWID von Rudolf Pallesen.
Dieser Traum in Blau, stabil und dennoch leicht, wiegt fahrfertig ca. 13
kg, ohne Gepäck versteht sich. Dieses beträgt - so wie im Photo
abgebildet - ungefähr 17 Kilo. Eines sei noch abschließend zu
dem Fahrrad gesagt: Treten muß man dennoch selber.
Kurzweilig geht es weiter durch die hügelige Landschaft. In Ste-Croix-Volvestre wird erst einmal eine Mittagsrast eingelegt. Es folgt noch ein nennenswerter Anstieg mit ungefähr 100 Höhenmetern, dann fahren wir weiter über Fabas und Cérizols hinunter ins Tal der Garonne. Die letzten Kilometer bis St. Gaudens sind landschaftlich nicht besonders interessant.
Am Bahnhof in St. Gaudens überprüfen wir, ob die elektronische Fahrplanauskunftsdienste denn wirklich recht haben, daß es nur wenige Züge mit Fahrradmitnahme gibt. Laut Auskunft der Bahnmitarbeiterin hinterm Schalter soll es überhaupt keinen Zug mit Fahrradmitnahme geben. Um den ursprünglichen Zeitplan wieder einzuholen (wir sind einen Tag zurück), fragen wir im Ort nach einem Mietwagen. Europcar hat keinen Wagen für den nächsten Tag verfügbar, bei Avis sagt man uns, man vermiete nicht für eine Einwegfahrt. Wir müssen also mit dem Rad weiterfahren.
Heute werden wir einige Steckenabschnitte befahren, die in umgekehrter Richtung auch auf dem Programm der Tour de France 2002 stehen werden. Zunächst fahren wir an einer riesigen Fabrikanlage zur Herstellung von Spanplatten vorbei. Nach einigen Kilometern auf der stark befahrenen D8 können wir bei Martres-de-Rivière auf eine kleine, ruhige Nebenstraße ausweichen. Ab Montréjeau können wir einen ersten Teil des Streckenverlaufs der Tour 2002 kennenlernen. Wir werden noch einige weitere Abschnitte im Verlauf der Pyrenäen-Radtour befahren. Es muß an dieser Stelle klar gestellt werden, daß der Streckenverlauf unserer Radtour bereits vor Bekanntgabe der Streckendaten für die Tour de France 2002 festgelegt worden ist. Am Strand von Argelès-sur-Mer wurde das Grobkonzept für unsere Fahrradtour erarbeitet.
Nach der Garonne-Brücke in Montréjeau biegen wir nach links in die N117 ein. Über einen kurzen, heftigen Stich geht es hoch zum Stadtzentrum dieses reizenden, kleinen Städtchens. Am Ortsausgang dürfen wir den Abzweig in die ruhigere D638 nicht verpassen. Vorbei am Château de Valmirande radeln wir weiter nach Westen. Ab der Grenze zum Departement Hautes-Pyrénées ist die Straße als D938 ausgeschildert. In St. Laurent-de-Neste erschrickt uns zum ersten Mal ein Hund, der mit wütendem Gebell auf uns zugerast kommt. Lautes Geschrei vertreibt die Bestie.
Von Capvern bis Bagnères-de-Bigorre geht es stets auf und ab. Die Sonne kommt jetzt immer öfter zwischen den Wolken durch. Am Horizont erheben sich die Pyrenäen über dem Vorgebirge. Wir fahren am Château de Mavezin und an der Abtei Escaladieu vorbei. Gegen ein Uhr erreichen wir Bagnères-de-Bigorre, Zeit zum Mittagessen. Die Straßen und Plätze sind fast menschenleer, man sitzt am Fernsehgerät und verfolgt das WM-Fußballspiel Deutschland - Korea. Ein paar Rennradler brechen auf zu ihrer nachmittäglichen Tour in Richtung Süden. Welcher Paß steht auf dem Programm, der Tourmalet oder der Aspin?
Wir verlassen Bagnères-de-Bigorre in nördlicher Richtung. Auf der kleinen D26 fahren wir ab Trébons kontinuierlich bergauf. Die Straßenzustand ist schlecht. Viele Lastkraftwagen, beladen mit Baumaterial, überholen uns, leere Lkw kommen uns entgegen. Nach einigen Kilometern passieren wir eine Baustelle. Eine neue Oberflächenbehandlung wird durchgeführt. Bei dieser in Frankreich äußerst verbreiteten Instandhaltungsmaßnahme wird eine Bitumenemulsion auf die gekehrte Straßenoberfläche aufgespritzt, anschließend wird eine Splittschicht aufgebracht. Normalerweise wird das Verdichten der neuen Schicht dem Straßenverkehr überlassen. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 50 km/h mit dem Hinweis »gravillon« (Rollsplitt) ist üblich. Die Tankstellen in der Nähe haben in einer solchen Situation das Schild »Ici pare-brises« (Hier gibt's Windschutzscheiben) parat. Doch hier auf der kleinen D26 setzt man schwere Glattmantelwalzen ein, um die neue Schicht zu verdichten. Erst später wird uns klar, warum? Die Tour de France wird in zwei Wochen hier vorbeikommen.
Bald ist der höchste Punkt auf dieser landschaftlich schönen Strecke erreicht. Jetzt geht es hinab nach Lourdes. Wegen des Rollsplitts müssen wir äußerst vorsichtig und langsam fahren. Wir meiden das Zentrum der Wallfahrtsaktivitäten, wo sich die Grenzen zwischen wahrer Frömmigkeit und ausuferndem Kommerz verwischen. Aus der Ferne sehen wir den Aufmarsch der liturgischen Gewänder und die ihnen folgenden Massen.
Die weitere Strecke verläuft durch das Tal der Gave de Pau. Wir erreichen Pau, die ehemalige Hauptstadt des Béarn, am späten Nachmittag. Im ersten Hotel, das wir ansteuern, heißt es »L'hôtel est complet!«. Im nächsten die gleiche Antwort. Beim dritten Anlauf fragen wir, was denn besonderes in Pau los sei: ein Kongreß, heißt es. Man ist uns in diesem Hotel jedoch sehr behilflich und telefoniert nach freien Zimmern. Das Hotel, in dem wir dann landen, ist leider nicht die erste Wahl und liegt zudem außerhalb des Stadtzentrums.
Taxis sind in Pau offensichtlich Mangelware, so laufen wir den langen Weg vom Hotel in die Innenstadt. Der Stadtbummel entfällt wegen der fortgeschrittenen Zeit. Eine Meeresfrüchteplatte versöhnt uns mit dem Tag. Für den Rückweg lassen wir uns ein Taxi rufen, das nach einiger Wartezeit auch kommt.
»Le soleil brille!« Schon sehr früh durchflutet der Planet unser Hotelzimmer mit Sonnenlicht. Angesichts der Länge der heutigen Etappe sind wir bemüht, frühzeitig auf den Sattel zu kommen. Es gab jedoch einen kleinen zaghaften Versuch, auf einen Ruhetag hinzuwirken. Dieser wurde im Keim erstickt. Kurz vor dem Straßentunnel unter dem Parc National überholt uns ein Rennradfahrer. Einige Kilometer später an der D2, am südlichen Ufer der Gave de Pau steht dieser Rennradler und fragt uns, ob wir außer ihm noch einen anderen Rennradfahrer gesehen haben. Gestern, heute? Nein, in den letzten Minuten. Wir verneinen und fahren weiter.
Wir machen gutes Tempo. Nach kurzer Zeit stellen wir fest, daß wir Zuwachs bekommen haben. Zeitweilig führen wir einen Zug von bis zu acht Radlern an, auch unser verlorener Rennradfahrer hängt in unserem Windschatten. Mit der Zeit kommen wir ins Gespräch: Woher, wohin? Wer seid ihr? Bis Pardies radeln wir im Rudel, dann trennen sich unsere Wege. Hier ist auch die Flachstrecke in Flußnähe zu Ende.
Jetzt müssen wir mal wieder etwas für unsere Statistik der Höhenmeter machen. 3706 Höhenmeter Steigung werden es laut Höhenmesser bis St. Jean-de-Luz sein. In Navarrenx sind wir wieder in einem Flußtal angelangt, dem Gave d'Oloron. Navarrenx ist im übrigen ein hübsches Nest, fast vollständig umgeben mit einer Stadtmauer. Es ist Markt, Gelegenheit zum Einkaufen für das Picknick. Was der Markt nicht bietet, ergänzt die örtliche Geschäftswelt. Wir haben so ein bißchen das Gefühl wie Gott in Frankreich.
Ein paar Kilometer weiter finden wir Audaux einen hübschen Picknickplatz im Schatten der Schloßmauer. Gestärkt, aber auch nach der Mittagsrast etwas faul geworden, radeln wir weiter. Die nächsten Kilometer, obgleich im Flußtal gelegen, sind nicht mehr so flach wie zuvor.
Eine letzte größere Steigung überwinden wir nach Bidache, danach geht's definitiv hinunter in Richtung Meer(esspiegel). Bayonne und insbesondere Biarritz sind im abendlichen Berufsverkehr fast traumatisch für Radfahrer: Augen weit auf, bremsbereit und durch! In der späten Abendsonne kommen wir in St. Jean-de-Luz an. Das Hôtel de la Poste, in dem wir nächtigen, ist eine empfehlenswerte Adresse.
Der charmante Ort St. Jean-de-Luz nahe der spanischen Grenze war einmal ein kleines Fischer- und Piratennest. Im 19. Jahrhundert begann die Umwandlung zu einem eleganten Seebad. Die im Pyrenäenfrieden vereinbarte Heirat des französischen Königs mit der spanischen Infantin Maria Teresia fand am 9. Juni 1660 in St. Jean-de-Luz statt. Weil es nicht so verbaut ist wie andere Küstenorte, zieht das Städtchen an der Mündung der Nivelle mit seinem roten Fachwerk, dem Hafen und der schönen Strandpromenade viele Besucher an. Neben dem Tourismus spielt weiterhin der Fischfang eine große Rolle. Der Hafen liegt in der einzigen Bucht des Küstenabschnitts des Departements Landes zwischen Arcachon und Bidassoa. Er wird durch mächtige Deiche und einen Wellenbrecher vor der Brandung geschützt. Von den Kais kann man einen Blick auf die malerischen Boote, die alten Häuser und den Berg La Rhune werfen.
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| Stand: 3. Juni 2005 |
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