Radtour Bodensee - Genfer See (Querpass)

Col de la Croix

Übersichtskarte

Eine Fahrradtour vom Bodensee zum Genfer See in 7 Tagesetappen über 401 km. Tagesetappen zwischen 33 und 87 Kilometern.
1. Tag                2. Tag               3. Tag                4. Tag               5. Tag               6. Tag              7. Tag

Streckenabschnitt

Meeres-
höhe

Entfernung
[km]

Tages-
strecke
[km]

Gesamt-
strecke
[km]

Lindau - deutsch-österreichische Grenze
deutsch-österreichische Grenze - Bregenz
Bregenz - Bregenzer Ache
Bregenzer Ache - Hard
Hard - Rheinbrücke
Rheinbrücke - Höchst (A)
Höchst - Sankt Margrethen (CH)
Sankt Margrethen - Au
Au - Heerbrugg
Heerbrugg - Rebstein
Rebstein - Marbach
Marbach - Altstätten
(1. Tagesetappe)

380
385
389
403
394
401
400
403
404
405
427
456

5,4
4,2
3,2
1,7
2,9
3,3
1,4
3,4
2,6
3,6
1,4
2,8

5,4
9,6
12,8
14,5
17,4
20,7
22,1
25,5
28,1
31,7
33,1
35,9

5,4
9,6
12,8
14,5
17,4
20,7
22,1
25,5
28,1
31,7
33,1
35,9

Altstätten - Ruppenpass (CH-AI-1003)
Ruppenpass - Ober-Neuschwendi
Ober-Neuschwendi - Trogen
Trogen - Gfeld
Gfeld - Abzw. Teufen
Abzw. Teufen - Teufen
Teufen - Stein
Stein - Hundwil
Hundwil - Mühle
Mühle - Zürchersmühle
Zürchersmühle - Urnäsch
Urnäsch - Rossfall (Gasthaus)
Rossfall - Schwägalp Passhöhe (CH-AR-1278)
Schwägalp Passhöhe - Neu St. Johann
Neu St. Johann - Nesslau
(2. Tagesetappe)

455
1003
925
905
916
906
830
818
801
846
806
836
942
1278
772

9,1
3,5
1,1
0,7
1,4
6,5
4,2
5,5
1,7
3,7
1,7
4,9
6,2
10,6
0,6

9,1
12,6
13,7
14,4
15,8
22,3
26,5
29,6
31,3
35,0
36,7
41,6
47,8
58,4
59,0

45,0
48,5
49,6
50,3
51,7
58,2
62,4
65,5
67,2
70,9
72,6
77,5
83,7
94,3
94,9

Nesslau - Starkenbach
Starkenbach - Vorder Höhi (CH-SG-1537b)
Vorder Höhi - Amden
Amden - Weesen
Weesen - Näfels
Näfels - Netstal
Netstal - Riedern
Riedern - Klöntentaler See (Ost)
Klöntaler See (Ost) - Klöntaler See (West)
Klöntaler See (West) - Pragelpass (CH-SZ-1515)
Pragelpass - Muotathal
Muotathal - Ried
Ried - Schwyz
Schwyz - Ibach
Ibach - Brunnen
(3. Tagesetappe)

772
894
1536
930
441
447
464
477
855
856
1548
644
589
521
455

6,6
7,2
6,1
5,4
5,4
2,4
2,0
6,2
4,9
10,9
12,9
4,5
6,9
1,9
4,1

6,6
13,8
19,9
25,3
30,7
33,1
35,1
41,3
46,2
57,1
70,0
74,5
81,4
83,3
87,4

101,5
108,7
114,8
120,2
125,6
128,0
130,0
136,2
141,1
152,0
164,9
169,4
176,3
178,2
182,3

Brunnen - Buochs (Fähre)
Buochs - Stans-Süd
Stans-Süd - Dallenwil
Dallenwil - Wiesenberg
Wiesenberg - Ächerlipass (CH-NW-1398)
Ächerli-Pass - Wisserlen
Wisserlen - Kerns
Kerns - Sarnen
Sarnen - Giswil
Giswil - Glaubenbielenpass (CH-OW-1611) Glaubenbielenpass - Sörenberg
(4. Tagesetappe)

435
445
455
484
1022
1458
601
597
470
524
1611


4,0
3,8
5,0
5,9
8,6
1,6
2,9
10,6
(12,6)
(6,1)


4,0
7,8
12,8
18,7
27,3
28,9
31,8
42,4
(55,0)
(61,1)


186,3
190,1
195,1
201,0
209,6
211,2
214,1
224,7
(237,3)
(243,4)

Sörenberg - Flühli
Flühli - Schwändi
Schwändi - Hilferenpass (CH-LU-1290)
Hilferenpass - Einm. Straße nach Marbach
Einm. Straße nach Marbach - Marbach
Marbach - Wald
Wald - Schangnau
Schangnau - Emmebrücke
Emmebrücke - Abzw. Eggiwil
Abzw. Eggiwil - Schallenbergpass (CH-BE-1167)
Schallenbergpass - Schwarzenegg
Schwarzenegg - Unterlangenegg
Unterlangenegg - Kreuzweg
Kreuzweg - Steffisburg
Steffisburg - Thun
(5. Tagesetappe)

1155
908
1092
1298
847
886
994
937
861
1011
1167
924
897
846
605

9,1
2,4
5,7
6,9
2,0
3,1
1,5
1,5
3,6
2,2
9,5
1,0
1,9
5,0
1,9

9,1
11,5
17,2
24,1
26,1
29,2
30,7
32,2
35,8
38,0
47,5
48,5
50,4
55,4
57,3

233,8
236,2
241,9
248,8
250,8
253,9
255,4
256,9
260,5
262,7
272,2
273,2
275,1
280,1
282,0

Thun - Gwatt
Gwatt - Allmi
Allmi - Abzw. Wimmis
Abzw. Wimmis - Oye
Oye - Lattenbach
Lattenbach - Erlenbach im Simmental
Erlenbach - Ringoldingen
Ringoldingen - Därstetten
Därstetten - Boltingen
Boltingen - Abzw. Jaunpass
Abzw. Jaunpass - Zweisimmen
Zweisimmen - Saanenmöser (CH-BE-1281)
Saanenmöser - Saanen
Saanen - Gstaad
Gstaad - Feutersoey
Feutersoey - Gsteig
(6. Tagesetappe)

583
575
624
642
687
685
721
757
768
835
840
961
1281
1052
1150
1015

6,1
3,1
2,6
4,4
1,7
2,1
2,3
2,3
10,6
1,6
10,6
7,7
5,6
8,1
7,7
3,5

6,1
9,2
11,8
16,2
17,9
20,0
22,3
24,6
35,2
36,8
47,4
55,1
60,7
63,6
71,3
74,8

288,1
291,2
293,8
298,2
299,9
302,0
304,3
306,6
317,2
318,8
329,4
337,1
342,7
345,6
353,3
356,8

Gsteig - Col du Pillon (CH-VD-1546a)
Col du Pillon - Les Diablerets
Les Diablerets - Col de la Croix (CH-VD-1778)
Col de la Croix - Villars-sur-Ollon
Villars-sur-Ollon - Chesières
Chesières - Huémoz
Huémoz - Ollon
Ollon - Aigle
(7. Tagesetappe)

1186
1546
1183
1778
1279
1195
1031
515
475

7,4
4,8
9,4
7,5
1,5
1,9
6,7
5,1

7,4
12,2
21,6
29,1
30,6
32,5
39,2
44,3

364,2
369,0
378,4
385,9
387,4
389,3
396,0
401,1

Zeitraum

Die Radtour wurde vom 11. bis 18. Juli 2009 bei sehr gemischtem Wetter durchgeführt.

Teilnehmer:

Hubert Becker
Uschi Becker
Jürgen Giesecke

Allgemeine Hinweise

Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäcks sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.

Überblick

Diese Radtour ist keine Spazierfahrt, ca. 7800 Höhenmeter sind auf  400 Kilometern zu absolvieren! Ausreichendes Training und Kondition sind für einen unproblematischen Tourenverlauf notwendige Voraussetzung. Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, dass die beschriebene Tour kein kommerziell durchgeführtes Radreiseangebot ist.

Avant-Propos

Die Anregung zu dieser Fahrradtour kam von einem Reisebericht in »tour – Das Rennrad-Magazin«, Heft Mai 1997, S. 156-165 »Querpass«. So hat der Autor Dres Balmer damals die Fahrradtour vom Bodensee zum Genfer See genannt. Es sind seitdem zwölf Jahre vergangen, bis wir uns zu dieser Radtour aufmachen. Wir wollen von Lindau bis Genf fahren, dabei werden wir einige Varianten im Vergleich zu der von Dres Balmer beschriebenen Route fahren. Kurz vor unserem Tourbeginn hat dann der Werd Verlag ein gleichnamiges Buch herausgebracht: Dres Balmer: Querpass. Werd Verlag AG, Zürich 2009, ISBN 978-3-859932-613-2. Das Buch wurde unmittelbar vor unserer Abreise von München zugestellt. Im Zug oder am Abend wurden dann einige Anekdoten vorgelesen.

Übersicht Höhenplan

Empfohlenes Kartenmaterial:  Michelin-Regional Suisse Nr. 551 (1:200.000).

Anreise (11.07.2009)

Die Anreise nach Lindau mit der Bahn ist problemlos. Die Regionalbahnen (RB) und Regionalexpresse (RE) haben in der Regel ausreichend Fahrradstellplätze, im EC ist die Fahrradmitnahme reservierungspflichtig. Hat man eine Verbindung ohne Umsteigeaufenthalt, so beträgt die Fahrzeit drei Stunden, Umsteigeverbindung dauern zwischen 10 und 20 Minuten länger. An München fährt ca. jede Stunde ein Zug nach Lindau.

Wir fahren mit unseren Rädern von der Wohnung zum Bahnhof. Die kürzeste Verbindung verläuft durch das Gärtnerplatzviertel. Wir werden wegen einer Schwulen-Demo von der Polizei gestoppt und müssen Umwege fahren. Die Zeit am Bahnhof wird jetzt etwas knapp. Wir schaffen es dennoch, Fahrkarten zu kaufen, und erreichen in Ruhe unseren Zug.

Bis Lindau ist es tariflich am günstigsten, ein "Bayern-Ticket" und "Fahrrad-Tageskarten Bayern" zu kaufen.

Fahrtbelege

Der Zug kommt pünktlich in Lindau an.

Wir müssen unsere Räder über die Straßen der Insel schieben, wegen eines Volksfestes sind viele Menschen auf den Straßen, so dass wir nur langsam vorankommen.

Beschreibung der Tour


1. Tag          (Tabelle)           (Seitenanfang)          11.07.2009

Höhenplan 1.Tag

Lindau HafeneinfahrtAuf der Brücke von der Insel auf das Festland können wir unsere Velos besteigen und losradeln. Bis in die Innenstadt von Bregenz benutzen wir der Uferweg, den wir mit vielen anderen Radfahrern und Fußgänger teilen müssen. Wir müssen unsere Geschwindigkeit entsprechend anpassen. Über die Reutegasse gelangen wir auf die L202, auf ihr können wir die Bregenzer Ache überqueren. Weitere 500 m weiter biegen wir nach rechts in die Hofsteigstraße ein und befinden uns wieder in ruhigeren Gefilden.

Kurz vor der Brücke über den Rhein müssen wir dann erneut auf der L202 fahren und kommen nach Höchst und zum Grenzübergang zur Schweiz. Ich ermahne Uschi, freundlich zu den Schweizer Zöllnern zu sein und keine pampigen Antworten zu geben. Wir wollen die Grenze ja so schnell wie möglich passieren, was auch gelingt.

Zum Ausgleich stehen wir geschlagene zehn Minuten vor der Bahnschranke am Bahnhof von St. Margrethen.

Die restlichen 14 Kilometer bis Altstätten fahren wir auf der N13, der Verkehr hält sich in Grenzen. Im Hotel Untertor in Altstätten finden wir eine angenehme Bleibe. Es ist 19:30 Uhr, als wir ankommen. Schnell duschen, umziehen und noch ein paar Meter durch die historische Altstadt von Altstätten laufen.

Es ist kühl und windig heute Abend, draußen sitzen und zu Abend essen, können wir uns abschminken. Wir landen in der Pizzeria/Ristorante Elfi und genießen Pizza, Pasta und Vino.

Die Tagesstatistik : 35,9 Kilometer, 85 Höhenmeter, die Durchschnittsgeschwindigkeit wurde nicht gemessen.


2. Tag         (Tabelle)       (Seitenanfang)           12.07.2009

Höhenplan 2. Tag

Als wir nach dem Aufwachen am nächsten Morgen aus dem Fenster schauen, ist scheinbar alles in Ordnung. Der Himmel ist bedeckt , aber es ist trocken. Während des Frühstücks sehen wir nach draußen, es regnet.

Also starten wir in Regenjacken. Bei der Auffahrt zum Ruppenpass ist der leichte Regen nicht wirklich störend. Mit einer durchschnittlichen Steigung von etwas mehr als sechs Prozent kurbeln wir uns auf 1000 Meter Höhe hinauf. Bei der Abfahrt nach Trogen auf regennasser Fahrbahn lassen wir es vorsichtig angehen.

Trogen liegt im Kanton Appenzell Ausserrhoden (AR). Appenzell Ausserrhoden ist seit der Trennung von Appenzell Innerrhoden (AI) vor mehr als 400 Jahren ein eigenständiger Kanton; die Teilung erfolgte 1597 aus konfessionellen und wirtschaftlichen Gründen. In den 20 Gemeinden des Kantons leben knapp 53 000 Einwohner. Trogen war Hauptort des Kantons mit Sitz der Verwaltung und der Gerichte, der Richtplatz mit Galgen befand sich westlich von Trogen im heutigen Ortsteil Gfeld. Die kantonalen Justizbehörden und Polizeiorgane befinden sich noch heute in Trogen, der Verwaltungssitz wurde nach Herisau verlegt. Im Ort stehen einige sehr sehenswerte alte Häuser.

Im Appenzellerland, die Hügellandschaft zwischen Bodensee und Säntis, ticken die Uhren langsamer als anderswo. Die Landschaft ist von Weideland und Streusiedlungen geprägt. Die beiden Kantone Appenzell Ausserrhoden (evangelisch-reformiert) und Appenzell Innerrhoden (katholisch) sind vollständig vom Kanton St. Gallen umschlossen. Das bekannteste Produkt aus dem Appenzellerland ist der weltbekannte Appenzeller Käse, er muß mindesten drei Monate reifen.

Die knapp neun Kilometer nach Teufen lassen sich gut fahren, es hat mittlerweile aufgehört zu regnen. Auch Teufen weist eine Reihe von schönen alten Häusern auf. Es folgt eine Abfahrt ins Tal des Flusses Sitter, genauso steil, wie es bergab geht, steigt auf der anderen Seite des Tales die Straße wieder an. In Stein haben wir wieder in etwa die Höhe erreicht wie zuvor in Teufen.

Jürgen fotografiertIn Stein befindet sich eine große Schaukäserei. Die Geschichte des Appenzeller Käses begann vor über 700 Jahren, als ihn die Sennen noch auf der Alp herstellten und dem Kloster St. Gallen als Zehnten lieferten. Der Appenzeller Käse wird aus Rohmilch zubereitet, die die Kühe im Appenzellerland produzieren. Während der Reifung wird die Rinde mehrmals mit einer Kräutersulz aus verschiedenen Kräutern, Wurzeln und Blüten behandelt. Wir kaufen uns im Laden der Schaukäserei etwas Käse, im Laden nebenan etwas Wurst, Brot und Obst. Auf einer Parkbank picknicken wir.

Über Hundwil fahren wir nach Urnäsch, wo der Anstieg zur Schwägalp beginnt. Von weitem ist schon der Säntis zu sehen, der mit 2502 m ü. M. der höchste Berg im Alpstein ist. Von der Schwägalp führt eine Seilbahn hinauf zum Gipfel. Die knapp 1300 Meter hohe Passhöhe bildet die Grenze zwischen den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen.

Auf der zehn Kilometer langen Abfahrt nach Neu St. Johann können wir es laufen lassen, die Straßenbelag ist gut und die Kurven sind ausreichend großzügig ausgelegt. Nach 40 Minuten kommen wir in Toggenburg an. Toggenburg ist das Tal von Wil bis Wildhaus. Das erste Hotel in Neu St. Johann hat Betriebsferien, im Juli! Im Nachbarort Nesslau landen wir im Landgasthof Krone. Im Biergarten genehmigen wir uns erst einmal ein Aftertour-Bierchen. Dann geht es ab zum Duschen. Um 18 Uhr müssen wir spätestens zum Abendessen, denn am Sonntagabend schließt die Küche früher. Paniertes Schnitzel, Fitnessteller und gemischter Salat stehen auf dem Speiseplan.

Die Tagesstatistik : 59 Kilometer, 1378 Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,5 km/h.


3. Tag        (Tabelle)        (Seitenanfang)           13.07.2009

Höhenplan 3. Tag

Aufbruch in NesslauDas Wetter ist schön, der Himmel leicht bewölkt, die Temperatur liegt schon bei über 20° C. Nach einem rustikalen Frühstück bepacken wir unsere Fahrräder. Bis Starkenbach können wir uns warm fahren, die Steigung ist auf der N16 nur mäßig. In Starkenbach zweigt ein kleines Strässlein nach rechts ab, nach ca. 200 Metern beginnt der Anstieg zur Vorder Höhi.

quaeldich.de schreiben über die Vorder Höhi folgendes: "Die Vorder Höhi mit ihrem belanglosen Namen kennt man nicht als Pass. Man kann diesen Voralpenübergang, welcher von Weesen am Walensee nach Stein oder Wildhaus ins Toggenburg führt, jedoch als richtigen Pass bezeichnen. Dieses schmale Strässchen (Fahrverbot für Motorfahrzeuge) wurde, wie die Strasse über den Pragelpass, vom Militär gebaut, und es ist in der Landeskarte nicht oder als gesperrt eingezeichnet. Auf der Passhöhe gibt es außer Alp-Kuhställen und einem Brunnen inzwischen auch ein kleines Passschild..."

Vorder HöhiZunächst verläuft das Strässlein parallel zum Leistbach bis zu einer Höhe von 1040 Metern, dann folgen ein paar Kehren und man gelangt hinauf zu einem Hochmoor, Chaltgräben steht auf einem kleinen Schild, das vom Typ so ausschaut wie ein Passschild, gleiche Machart wie bei der Vorder Höhi. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zu dieser. Auf einer Bank zwischen den Kuhställen pausieren wir ein paar Minuten.

Die Abfahrt hinunter nach Amden kann man auch als Kuhfladenslalom bezeichnen, so übersät ist das kleine Strässlein mit den Exkrementen dieser Rindviecher. 1200 Höhenmeter werden bis Weesen am schönen Walensee vernichtet. In der Ortsmitte von Weesen kaufen wir uns gegrillte Hähnchen, die wir auf einer Parkbank am Ufer des Sees verspeisen.

Wir verlassen jetzt den Kanton St. Gallen und kommen nach Glarus, der Kanton gehört mit einer Größe von 685 qkm eher zu den kleineren. Die Fläche entspricht etwa dem Einzugsgebiet des Flusses Linth. Der Kanton Glarus ist neben Appenzell Innerrhoden einer der beiden Kantone, in denen eine Landsgemeinde auf kantonaler Ebene stattfindet, sie ist die höchste politische Instanz des Kantons. Die Landsgemeinde ist eine der ältesten und einfachsten Formen der direkten Demokratie, in Glarus versammelt man sich am ersten Sonntag im Mai unter freiem Himmel auf dem Zaunplatz. Die Wahlen und Abstimmungen erfolgen per Akklamation. Die Landsgemeinde wird vom Landammann geleitet, der sich während der Verhandlungen auf das Landesschwert stützt. Früher gab es die Landsgemeinde noch in einigen anderen Kantonen, sie ist mittlerweile durch »Urnenwahl« abgelöst.

Über Näfels fahren wir auf relativ ebenem Terrain nach Netstal, einem kleinen Ort kurz vor Glarus. Hinauf nach Riedern ist der Anstieg noch mäßig, aber dann geht es bis zum Klöntaler See kräftig zur Sache. Die Straße führt einige Kilometer durch den Wald, die steilsten Rampen sind gleich zu Beginn.

"Königliche Alpen, spiegelglatte Seen, wuchtige Felswände machen das Klöntal zu dem Naturerlebnis in der Schweiz." , so wird das Hochtal mit See auf der Internet-Seite »Klöntal - Just pur« beschrieben. Das können wir nur bestätigen, ein Fjord in der Schweiz.

Klöntaler SeeNach ungefähr fünf extrem flachen Kilometern entlang des Sees folgt die Auffahrt zum Pragelpass. Warum tun wir uns das an? Es ist zunächst nicht ganz so steil wie die Auffahrt zum Klöntaler See, dann nimmt die Steigung an Stärke zu. Die Auffahrt zum Pragelpass auf dieser (östlichen) ist für den motorisierten Verkehr limitiert, also sind wir ziemlich allein auf der Straße. Nach 24 Kilometern (von Netstal aus gerechnet) ist die Passhöhe erreicht, sie liegt auf 1548 m ü. M., andere Quellen geben die Höhe mit 1515 m an, eine schlichte Fehlinformation.

Der Pragelpass verbindet die Kantone Glarus und Schwyz, seine Ursprünge gehen auf strategische Überlegungen des schweizer Militärs zurück, bis in die 1960er Jahre war nur die Ostseite befahrbar. In den 1970er Jahren baute die schweizer Armee die Westseite des Passes aus, ab 1974 ist er für den motorisierten Verkehr durchgehend befahrbar, wenn auch mit zeitlichen Einschränkungen.

Die Bergkapelle auf dem Pragelpass, erbaut aus Natursteinen, taucht die Spätnachmittagsonne in warmen Farben, ringsherum das satte Grün saftiger Almwiesen.

Am PragelpassAuf der 12 Kilometer langen Abfahrt hinunter nach Hinterthal (Ortsteil von Muotathal) muss man stets auf der Hut sein, nur mit großer Vorsicht kann man auf der schmalen, kurvenreichen Straße an entgegenkommenden Fahrzeugen vorbeifahren. Zudem ist im unteren Teil die Strecke besonders steil (16 bis 18 % Gefälle). Ab Muotathal wird die Straße flacher und breiter; um eine Geschwindigkeit von 30 km/h beizubehalten, muss man schon mittreten. Auf der Höhe der Standseilbahn Schlattli-Stoos steigt die Straße noch einmal leicht an.

Wenige Kilometer weiter kommen wir nach Schwyz im gleichnamigen Kanton, der neben Uri und Unterwalden einer der drei Urkantone ist. Wir fahren nicht in die Ortsmitte hinein sondern biegen nach links in Richtung Ibach ab. Von dort gelangen wir auf direktem Weg nach Brunnen am Vierwaldstättersee, das politische Gemeinde Ingenbohl gehört.

Ein bißchen müssen wir noch im Ort hin und her fahren, bevor wir dann im Hotel Brunnerhof ein freies Zimmer gefunden haben. Das Hotel liegt direkt am See.

Nach dieser anstrengenden Tagesetappe brauchen wir erst einen Schoppen, oder Kübel, wie es in der Schweiz heisst. Auf der Terrasse des Hotel-Restaurant Ochsen finden wir einen freien Tisch. Weil wir so schön gemütlich sitzen, essen wir auch hier. Um 10 Uhr muss der Betrieb auf der Terrasse eingestellt werden, die Nachbarn haben das durchgesetzt. Wir gehen zurück zum Hotel, nach dem Duschen gehen wir gleich zu Bett.

Die Tagesstatistik: 87 Kilometer, 1981 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,5 km/h.


4. Tag               (Tabelle)            (Seitenanfang)           14.07.2009

Höhenplan 4. Tag

Anlegeplatz in BrunnenAm frühen Morgen werden wir durch ein heftiges Gewitter aufgeweckt, die Blitze zucken unaufhörlich, es donnert ununterbrochen. Das Gewitter zieht vorbei, beim Frühstück regnet es aber immer noch. Angesichts der Wetterlagen beschließen, mit dem Schiff nicht nur nach Treib überzusetzen sondern bis Buochs weiterzufahren. Im Regen laufen wir die paar Meter zum Kiosk der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) und kaufen Fahrkarten; 84 CHF kostet die Fahrt bis Buochs für drei Personen und drei Fahrräder.

Um 8:25 Uhr legt das Schiff in Brunnen ab, um 9:20 kommen wir in Buochs an. Es regnet immer noch, aber nicht mehr so stark. Im Westen wird es heller. Wir warten noch eine Viertelstunde und starten dann im Nieselregen. Am Ortsausgang von Buochs wechseln wir auf einen Radweg, der zwischen Autobahn und Militärflughafen entlang führt. In Höhe der Anschlußstelle Stans-Süd biegen wir in Richtung Süden ab. Bis Dallenwil bleibt es eben, der Regen hat aufgehört, letzte tiefhängende Wolkenfetzen ziehen noch durch das Tal der Engelberger Aa, später lockert die Bewölkung auf.

Auffahrt zum ÄchelipassIm Ortsteil Stettli geht es dann unmittelbar zur Sache, der Anstieg zum Ächerlipass hat begonnen. Entlang des Parkplatzes der Luftseilbahn Wirzweli ist es besonders steil. Wir entschärfen die 16-prozentige Steigung, in dem wir den fast leeren Parkplatz mitbenutzen und in Schlangenlinien den Berg hinauf kurbeln. Am Ende der scheinbar nicht enden wollenden Geraden geht es scharf nach rechts ab (s. Photo), die Steigung vermindert sich nur unwesentlich.

Mit durchschnittlich zwölf Prozent geht es weiter, die Straße ist jetzt so schmal, dass Schlangenlinien fahren nicht mehr möglich ist respektiv nicht viel bringt. Von der Streckenführung her gesehen sind die folgenden zwei Kilometer die schönsten, eine Kehre folgt auf die andere. Nach insgesamt vier Kilometern extremer Steigung ist der kleine Weiler Wiesenberg erreicht. Im Gasthaus Alpenhof machen wir Rast und erfrischen uns mit einem zuckerhaltigen Getränk, um den Blutzuckerspiegel wieder etwas anzuheben.

Auffahrt zum ÄchelipassAuf den nächsten drei Kilometern ist die Steigung mit durchschnittlich 8,5 Prozent etwas moderater. Wir passieren den Abzweig nach Wirzweli und kurbeln weiter in Richtung Ächerlipass, er müßte eigentlich »Ächzerli« heißen. Nach einer weiteren Kehre auf 1300 m Meereshöhe wird es wieder richtig steil, auf dem letzten Kilometer vor der Passhöhe flacht die Steigung ab.

Die Passhöhe liegt auf 1458 m, zuvor haben wir aber bereits die Grenze von Nidwalden nach Obwalden überquert. Dieser Pass hat dem Erzählen nach eine historische Bedeutung. Als Napoleon 1798 in die Schweiz einmarschierte, wurde er am Stanserhornmassiv gestoppt und fand keinen Übergang von Obwalden nach Nidwalden. Einige Bergler aus Obwalden sollen dann Napoleons Truppen den Weg über den Ächerlipass gezeigt haben.

Inzwischen ist das Wetter wieder recht schön, die Temperatur hier oben auf der Passhöhe liegt bei 22° C. Wir können mit leichtem Windblouson die Abfahrt hinunter nach Kerns starten. Unten im Tal ist es wieder lecker warm. Nach 2,5 Kilometern erreichen wir Sarnen (Bahnhof). Hier bekommen wir noch etwas zu essen, vorher hatten alle Restaurants bereits ihren Mittagsservice eingestellt. »MC One Gastro GmbH - Restaurant Bar«, so steht es auf der Rechnung, eine Mischung zwischen Fast Food und Restaurant, ist nicht wirklich unser bevorzugtes Etablissement, aber das Essen ist o.k. Wir beschließen, nur noch bis Giswil mit dem Fahrrad und dann mit dem Postbus über den Glaubenbielenpass nach Sörenberg zu fahren.

Velotransport am Heck des PostbussesAm Westufer der Sarner Sees fahren wir nun auf einer wenig befahrenen Straße über Wilen, Oberwiler und Grossteil nach Giswil. An der Bushaltestelle Giswil-Kirche warten wir auf den Postbus. Wir entfernen das Gepäck und alles sonstige, das während der Busfahrt sich von den Rädern lösen könnte. Wir warten ca. 20 Minuten bei Temperaturen um 28° C auf den Bus.

PostAuto Schweiz AG schreibt im Internet: »Gerne transportieren wir Ihr Fahrrad im Postauto, sofern genügend Platz im Fahrzeug vorhanden ist und die Fahrgäste nicht benachteiligt werden. ... Während der Sommersaison verkehren die Postautos in touristischen Gebieten mit Veloträgern am Fahrzeugheck. Das Velo muss vom Besitzer begleitet und selbst verladen werden sowie über einen gültigen Fahrausweis verfügen.«

Der Bus kommt, der Busfahrer steigt aus und wendet sich unseren Velos zu. Während wir das Gepäck verstauen, befestigt der Busfahrer die Fahrräder am Heck des Busses. Dann kaufen wir die Fahrkarten für Personen und Velos. Jetzt geht's los. Außer uns sitzen nur wenige Fahrgäste im Bus. Mit Geschwindigkeiten zwischen 30 und 50 km/h lenkt des Busfahrer das Gefährt sicher durch die Kurven, vor denen er stets das Signalhorn betätigt.

PostbusfahrscheineDie meisten Fahrgäste steigen an der Rothornbahn aus, es sind überwiegend Wanderer, die auf dem Parkplatz ihr Auto geparkt haben. Wenig später steigen wir in Sörenberg-Platz aus. Wir laden das Gepäck aus dem Bus, der Busfahrer reicht uns die Velos.

Sörenberg im Kanton Luzern ist ein Ferienort mit Winter- und Sommergästen und ist Ortsteil der Gemeinde Flüeli. Das Skigebiet verfügt über 15 Lifte und Bergbahnen, der höchste Punkt ist das Brienzer Rothorn mit 2350 m. Im Sommer bevölkern Wanderer und Mountainbiker den Ort.

Gleich neben der Bushaltestelle liegt ein Hapimag Resort mit 70 Appartements (Anm. 2010 wurde es an die Schweizer Reisekasse Reka verkauft). Wir mieten ein Appartement mit zwei Schlafzimmern. Abendessen gibt es nicht im Haus aber am nächsten Morgen Frühstück. Wir verstauen unsere Fahrräder im Skikeller. Nach der Dusche erkunden wir den Ort.

Im Uschi's Beizli - hat nichts mit unserer Uschi zu tun - sitzen wir zunächst beim Bier, später beim Essen. Es war ein lustiger Abend. Wir kommen auf der Terrasse mit der Besitzerin, aber auch mit anderen Gästen ins Gespräch. Uschi's Beizli gehört zum Hotel Cristal. Laut Rechnung haben wir gegessen: 1 Försterrösli, 1 Bauernbratwurst und 1 Küche. Ich weiss nicht, wer die Küche gegessen hat; es ist aber nicht bekannt, dass die Küche nicht bekömmlich war. Dazu hatten wir noch einige Kübel Bier und zwei Wein. Laut Rechnung verlassen wir früh Uschi's Beizli, das Rechnungsdatum ist 20:21 Uhr, also werden wir uns spätestens um 21 Uhr vom Acker gemacht haben. Es war auch ein anstrengender Tag!

Die Tagesstatistik: 42 Kilometer mit dem Fahrrad und 20 km mit dem Postbus, 1013 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,0 km/h.


5. Tag               (Tabelle)            (Seitenanfang)           15.07.2009

Höhenplan 5. Tag

Am HilferenpassWieder kracht und blitzt es in aller Frühe; der Regen prasselt gegen die Fensterfront, sie ist gegen Westen ausgerichtet, sie wird aber eigentlich durch einen ca. zwei Meter tiefen, überdachten Balkon geschützt. Es nutzt nichts, der Regen kommt fast waagerecht von Westen. Auf ca. 1100 Meter Höhe ist das Gewitter wesentlich heftiger als unten am Vierwaldstättersee. Ungefähr zwei Stunden toben Gewitter und Starkregen. Danach schlafen wir noch einmal kurz ein, bevor der Wecker klingelt.

Das Frühstück im Resort ist ansprechend, das kann man leider nicht vom Wetter sagen. Es regnet noch leicht als wir losfahren. Im Lebensmittelladen von Sörenberg kaufen wir noch etwas Proviant und dann fahren wir auf regennasser Straße hinunter nach Flühli. Das Wasser der Waldemme und deren Nebenflüssen ist reißend und durch den mitgeführten Schlamm braun.

Kartenausschnitt Hilferenpass, © swisstopoIn Flühli verlassen wir die Talstraße, jetzt geht es hinauf zum Hilferenpass. Die schmale Straße steigt unvermittelt steil an, die mittlere Steigung beträgt über zehn Prozent. Nach zwei Kilometern beginnt es wieder, stärker zu regnen. Wir können uns unter dem Vordach eines Hauses unterstellen. Nach ca. 20 Minuten fahren wir weiter. Es regnet jetzt nicht mehr und die Wolken lockern langsam auf.

Wir gelangen an eine Weggabel (Schwändiegg) mit vielen Wegweisen. Zum Hilferenpass geht es dem Wegweiser geradeaus weiter. Wir wissen, dass wir vor der Passhöhe unsere Fahrräder ein paar hundert Meter über eine feuchte Wiese schieben müssen, deshalb stört uns der Hinweis "Moorlandschaftspfad" auch nicht. Bis zum Wohnhaus Wilegg ist die Straße asphaltiert, dann wird es heftig. Der steile Weg ist stark verblockt und mit unseren bepackten Rädern absolut nicht fahrbar. Auch das Schieben erfordert die Mobilisierung der letzten Kräfte. Ein entgegenkommender Einheimischer fragt uns, wo wir hin wollen. Er sagt uns, dass wir am Schwändiegg nach rechts hätten abbiegen müssen in Richtung Finsterwald. (Siehe Kartenausschnitt rechts, der falsche Weg ist rot eingezeichnet, der richtige Weg ist schwarz eingetragen)

Wegweiser am SchwändieggWir schieben unsere Velos, immer beide Hände an den Bremshebeln, wieder bergab. Am Schwändiegg nutzen wir den Schwung aus, um uns die ersten Meter der Auffahrt zu erleichtern. 1,3 Kilometer ist die Auffahrt lang. Dann geht es nach links ab auf einen kleinen Pfad, nach einer scharfen Linkskurve ist es mit unseren Reiserädern nicht mehr möglich zu fahren, unser Mountainbiker stößt einen Juchzer aus und fährt mit seinem Bike los. Bevor wir auf die Moorwiese kommen, müssen wir erst ein Weidegatter öffnen und passieren. Jürgen steuert sein Bike sicher über die Moorwiese, ab und zu bricht das Hinterrad jedoch bedenklich aus.

Am Hilferenpass kommen wir wieder auf eine befestigte Straße. Die dort stehende Viehtränke nutzen wir zum Reinigen der Reifen und Felgen. Auf den ersten Metern der Abfahrt müssen die Felgen noch trocken gebremst werden, dann können wir die Geschwindigkeit steigern. Die rund sieben Kilometer lange Abfahrt ist schnell Geschichte. Kurz vor Marbach kaufen noch kalte Getränke, Brot, Wurst und Käse. Auf der Bank am Dorfbrunnen im schönen Marbach machen wir ein ausgedehntes Picknick.

Moorwiese Am HilferenpassDas Wetter ist wieder schön geworden, bei leichter Bewölkung und Temperaturen um 25° C machen wir uns an den zweiten Teil der Tagesetappe. Aus Marbach heraus steigt die Straße nach Wald an. Bald passieren wir die Kantonsgrenze zum Kanton Bern. Über Schangnau geht es hinunter zum Flüßchen Emme, gleich nach der Brücke müssen wir wieder bergan fahren. Es ist der letzte nennenswerte Anstieg für heute.

Bauernhaus an der SchallenbergstraßeAuf der Terrasse des Restaurants Gabelspitz direkt an der Schallenberg-Passhöhe bestellen wir uns Erfrischungsgetränke und genießen der schönen Ausblick. Es ist letzt kurz vor vier Uhr, da es bis Thun im Prinzip nur noch bergab geht, können wir schon eine knappe Stunde bleiben. Nach einiger Zeit kommen noch zwei Radler mit ihren bepackten Rädern an, sie gesellen sich zu uns und wir tauschen ein wenig unsere Erfahrungen und Reisepläne aus.

Nach 45 Minuten brechen wir auf. Wir passieren vier Kehren, dann wird die Straße flacher und ist weniger kurvenreich. Bei Oberlangenegg haben wir noch einen 50 Höhenmeter hohen Anstieg zu bewältigen, dann gibt es kein Halten mehr. Wir haben nicht mit den Straßenbauern gerechnet, bei Kreuzweg werden Asphaltierungsarbeiten durchgeführt. Der Verkehr wird wechselseitig an der Baustelle vorbeigeführt, das bedeutet für uns fünf Minuten Wartezeit.

Schallenber PasshöheZwischen Steffisburg und Thun wird der Verkehr stärker, die abendliche Verkehrsspitze macht sich bemerkbar. Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir zusammen bleiben und uns nicht verlieren. Bevor wir in die Innenstadt hineinkommen, schauen wir in die Hotelliste und beschließen, jedes Hotel auf der Wegstrecke zu begutachten und bei Gefallen nachzufragen.

Burg von ThunAm ersten Kreisverkehr sehen wir ein hübsches altes Haus, das Hotel Emmental. In dem 1898 erbauten Haus treffen schweizerische Gastlichkeit und trendiges Bargeschehen zusammen. Wir finden freie Zimmer und können auch die Fahrräder im Haus unterstellen. Auf der Terrasse vor dem Hotel genehmigen wir uns erst einmal ein Bierchen. Nach dem Duschen machen wir uns auf zu einem Stadtrundgang.

Der historische Stadtkern von Thun liegt nicht direkt am Thunersee sondern am Ausfluss der Aare aus dem See. Die Innenstadt besteht aus dem Schlossberg, der Unterstadt, der oberen Hauptgasse und dem Bälliz. Auf dem Schlossberg steht das Schloss und die Stadtkirche. Als Erbauer des Schlosses gelten die Herzögen von Zähringen, die 1090/91 die Herrschaft von den Herren von Thun übernahmen. Das Bälliz ist eine Insel in der Aare beim Abfluss aus dem Thunersee und gehört seit dem 14. Jahrhundert zur Stadt. Seit 1988 ist das Bälliz Fussgängerzone ist es die wichtigste Einkaufsgasse der Stadt. Sie ist auch eine beliebte Flaniermeile.

Burg von ThunThun ist die grösste Garnisonsstadt der Schweizer Armee. Wir hatten schon von der Hotelterrasse beobachtet, dass ständig Gruppen von Soldaten in der Stadt unterwegs sind. Es ist derzeit das alljährliche Treffen der jungen Rekruten in Thun; damit die Soldaten am Abend nicht gleich uns Wirtshaus gehen, hat sich die Armeeführung ein kulturelles Programm ausgedacht. Anhand eines Laufzettels müssen die Soldaten vorgeschriebene Dankmäler und Museen besuchen, auf dem Zettel wird der Besuch mit einem Stempel quittiert.

Thun hat viele schöne alte Gassen, durch die wir langsam schlendern. Später lassen wir uns in einer Pizzeria am Rathausquai nieder. Heute Abend ist Pasta und Pizza angesagt. Die Temperatur ist angenehm, man kann sich ohne Pullover draußen aufhalten. Jetzt ist wohl das offizielle Programm für die Rekruten zu Ende, sie stürmen in Scharen die Lokale. Die Terrasse unseres Restaurants ist bis auf den letzten Platz besetzt. Wir bleiben nach dem Essen noch einige Zeit sitzen, später machen wir uns den Weg in unser Hotel, wo in der Bar noch einige Gäste sitzen.

Die Tagesstatistik: 57 Kilometer, 1077 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,8 km/h.


6. Tag               (Tabelle)            (Seitenanfang)           16.07.2009

Höhenplan 6. Tag

Bahnhof ZweisimmenAm Morgen brezelt der Planet vom Himmel. Das Frühstück ist so, wie es das Hotelprospekt verspricht, einfach gut. Dann nach dem Packen fahren wir los, wir radeln durch die Innenstadt zum Südufer des Tunersees. Zunächst fahren wir zwischen Eisenbahngleisen und Aare bzw. Thunersee, bei Dürrenast kommen wir auf die N6, der wir bis Gwatt folgen.

Jetzt verlassen wir das Seeufer und fahren hinauf nach Allmi. Ein kurzer Stich und dann läßt die Steigung nach. Vorbei an Allmi kommen wir hinauf zu einer Brücke, die über die Simme nach Wimmis führt. Wir überqueren die Simme und folgen einem Fahrradweg, der parallel zur Eisenbahnlinie verläuft, bis Oye. Der Versuch scheitert, auf dieser Seite der Simme weiterzufahren. Wir kehren wieder zurück nach Oye und überqueren den Fluß. Ab Latterbach folgen wir jetzt der N11. Auf weitere Abenteuer auf kleinen Wegen lassen wir uns heute nicht mehr ein.

Zwischen Gstaad und GsteigEs ist bereits sehr heiß, die 25°C-Marke ist bereits überschritten. In Boltingen machen eine Pause und bestellen uns im Hotel/Restaurant kalte Erfrischungsgetränke. Irgendwie läuft es heute nicht so rund bei uns. Wir beschließen, auf den Jaunpass zu verzichten und über den Saanenmöser direkt nach Gstaad zu fahren. Wir nutzen die gewonnene Zeit, um zu Mittag zu essen. Uschi hat den Wunsch, den Rest der Strecke mit dem Zug zu fahren. Leider geht das nur bis Gstaad, da nach Gsteig keine Bahn fährt.

Wir schauen uns am Bahnhof Boltingen den Fahrplan an. Einen durchgehenden Zug von Boltingen nach Gstaad gibt es nicht, bis Zweisimmen verkehren Züge der SBB CFF FFS auf Normalspur, ab Zweisimmen Züge der der Montreux–Berner Oberland-Bahn (MOB) auf Meterspur. Uschi fährt bis Zweisimmen mit, dort besteigt sie den Zug nach Gstaad.

Bauernhaus in GsteigWir beiden Männer fahren in der Nachmittagshitze hinauf zum Saanenmöser, einem Pass mit ungewöhnlichen Namen (franz.: Col des Mosses de Gessenay). Ungefähr 300 Höhenmeter sind zu überwinden. Auf der Passhöhe sehen wir noch Uschis Zug aus dem Bahnhof ausfahren. Wir treffen ca. 10 Minuten nach Uschi in Gstaad ein. Gstaad ist ein mondäner Ferienort im Berner Oberland, die Millionärsdichte ist hier besonders hoch.

Wir machen uns an den letzten Tagesabschnitt nach Gsteig, ungefähr 11 Kilometer sind es bis dorthin. Wir folgen der Navi und kommen an einen Tunnel der Ortsumgehung, durch diesen wollen wir nicht fahren und kehren um. Durch den Ort fahren wir nach Süden und kommen bei Rütti auf die Hauptstraße, der wir dann bis Gsteig folgen.

Uschi und Jürgen in GsteigDort angekommen, fragen wir im Hotel Viktoria nach freien Zimmern nach. Wir sind erfolgreich. Der Mitarbeiter des Hauses, der uns empfängt, spricht nur französisch und das, obgleich wir uns noch im deutschsprachigen Gebiet der Schweiz befinden.

Nach dem Duschen genehmigen wir uns auf der Terrasse des Hotels ein Bierchen. Der französisch sprechende Mitarbeit entpuppt sich als der Kellner des Restaurants. Der Chef des Hauses stellt sich vor, er spricht Schwiizerdütsch. Er erzählt uns, dass sein Kellner schon seit vielen Jahren bei ihm arbeite, dass er recht gut Deutsch verstehe und dass er sich beharrlich weigere, Deutsch zu sprechen. Mit dieser Marotte muß man halt leben.

Wir reservieren für den Abend einen Tisch im Restaurant und machen jetzt einen Spaziergang durch den Ort, dessen Erscheinungsbild im krassen Gegensatz zu Gstaad steht. Schöne alte, mit Blumen geschmückte Holzhäuser prägen das Ortsbild. Sehr schön ist auch das Hotel Bären, das Gebäude steht steht unter Heimatschutz.

Später beim Abendessen im Hotel Viktoria zeigt unser französisch sprechender Kellner seine Qualitäten als Clown. Es ist ein sehr vergnüglicher Abend.

Die Tagesstatistik: 75 Kilometer, 1037 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,3 km/h.


7. Tag               (Tabelle)            (Seitenanfang)           17.07.2009

Höhenplan 7. Tag

Auffahrt zum Col du PillonUm fünf Uhr am Morgen werden wir durch Blitz und Donner geweckt, das dritte Mal auf dieser Radtour. Ungefähr eine Stunde zucken die Blitze, prasselt der Regen und krachen die Donnerschläge. Als wir später aufstehen, regnet es noch. Beim Frühstück regnet es auch noch kräftig. Wir warten noch zu. Gegen zehn Uhr läßt der Regen nach und wir machen uns fertig zur Abreise.

Wir bepacken unsere Räder bei leichtem Regen und starten. Gleich am Ortsausgang von Gsteig beginnt die Auffahrt zum Col du Pillon. Die Steigung hält sich in Grenzen, nach einer Stunde haben wir die Passhöhe erreicht. Es hat mittlerweile aufgehört zu regnen, die Straße ist aber noch nass. Über den Col du Pillon verläuft die Grenze zwischen den Kantonen Bern und Waadt (Vaud) und damit die deutsch-französische Sprachgrenze.

Am Col du PillonDie Abfahrt hinunter nach les Diablerets haben wir schnell absolviert. Die Sonne spitzt schon ab und zu mal durch die Wolken, die Straßen sind weitestgehend abgetrocknet. Wir trauen der Regenpause nicht und beginnen sofort mit dem Anstieg zum Col de la Croix, der ein Stück steiler ist als die vorherige Auffahrt.

Am Col de la Croix droht der Himmel schon wieder mit Regen. Wir machen noch schnell ein Passfoto, streifen die Regen-(Wind-)jacken über und beginnen mit der 20 Kilometer langen Abfahrt hinunter ins Rhônetal. Es wird zwar von Kilometer zu Kilometer wärmer, aber es bleibt stark bewölkt. Glücklicherweise ist es trocken, das entschärft die Abfahrt und schont die Bremsen.

Angesichts der launischen Wetterlage wollen wir nicht mehr über den Pas de Morgins nach Frankreich fahren sonder im Rhônetal bis zum Genfer See weiterfahren. Wir können dann später entscheiden, ob wir bis Genf auf der französischen Seite am Genfer See entlang fahren oder ob wir von Lausanne aus die Heimreise antreten.

Auf der N9 sehen wir vor Aigle eine schwarze Wolkenfront auf uns zukommen, die Kassiererin in einer Tankstelle, wo wir ein paar Kleinigkeiten einkaufen, sagt uns, dass eine Hagelfront vorhergesagt ist. Bei starkem Gegenwind kämpfen wir uns nach Aigle durch. Erste Regentropfen peitschen uns entgegen, als wir in der Innenstadt eintreffen. Das 1., 2. 3. Hotel ist ausgebucht, im Hôtel du Nord haben wir Erfolg. Wir schaffen es gerade noch, unsere Räder unterzubringen, da öffnet der Himmel sämtliche Schleusen.

Rechnung vom AbendessenUm 15:30 Uhr im Hotel anzukommen, das haben wir schon lange nicht mehr geschafft. Jetzt erst einmal eine heiße Dusche, dann sehen wir weiter. Es dauert etwas, bis drei Personen nacheinander duschen. Der Regen ist vom Wolkenbruch in Starkregen übergegangen. Ausgerüstet mit Schirmen des Hotels und in Zivilkleidung machen wir uns auf, ein bißchen die Innenstadt von Aigle zu erkunden. Bei diesem Regen macht es keinen Spaß, nach wenigen hundert Metern trieft schon das Wasser aus den Schuhen, wir landen im Red Ship Pub. Bei einem Bier verfolgen wir die Reportage über die heutige Etappe der Tour de France: Der deutsche Heinrich Haussler gewinnt die 13. Etappe der diesjährigen Tour, eine schwere Regenetappe von Vittel nach Colmar. Den Col du Platzerwasel hat der Verfasser dieses Berichts im Jahr 2006 auch bei wolkenbruchartigen Regenfällen erlebt.

Wir haben jetzt mächtigen Hunger, es regnet immer noch, daher laufen wir nur wenige Meter und landen im Restaurant des Alpes, bei einem Italiener. Wie immer, zwei Leute essen Pizza, einer Pasta; wir sind zufrieden, das Essen ist sehr gut, der Service betont freundlich. Die Stimmung ist angesichts des Wetters nicht so gut, wir wissen nicht, wie es weitergehen soll. Beim zweiten Glas Wein beraten wir, ob wir aufhören oder weitermachen sollen. Wir verschieben die Entscheidung auf diese Frage auf den nächsten Tag: mañana.

Um 21 Uhr ist es noch zu früh ins Bett zugehen. Wir hasten wieder hinüber zum Red Ship Pub. Der Laden ist voll. Die Musik ist aggressiver und lauter geworden, wir sind hier nicht mehr am richtigen Platz und verlassen bald wieder die Lokalität. Gegen 22 Uhr sind wir wieder im Hotel und gehen bald zu Bett. Es regnet weiter unaufhörlich.

Die Tagesstatistik: 44 Kilometer, 1014 Höhenmeter und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,1 km/h.


MartignyEs regnet weiterhin, der Wetterbericht für den heutigen Tag sagt Dauerregen voraus. Wir beschließen, unsere Radtour in Aigle zu beenden, den Genfer See haben wir mit dem Fahrrad nicht erreicht. Wir frühstücken in aller Ruhe und fahren dann im Regen die kurze Strecke zum Bahnhof.

Ausgerüstet mit vielen Belegen der SBB CFF FFS fahren wir gemeinsam mit unseren Rädern im Gepäckwagen des Nahverkehrszugs von Aigle nach Lausanne, die Tür vom Gepäckwagen zum Rest des Zuges ist verschlossen. Drei Personen können auf einem Beleg (Ticket) reisen, für die Fahrräder wird jeweils ein separater Beleg benötigt, der gleichzeitig Zollerklärung ist. Fahrradschmuggel in und aus der Schweiz ist offensichtlich ein schwerwiegendes Problem für die Eidgenossenschaft. Wir haben unsere Fahrkarten nur bis Lindau gekauft, ab Lindau werden werden wir wieder mit dem Bayern-Ticket der DB nach München fahren.

ZugfahrplanNach einer halbstündigen Fahrt erreichen wir Lausanne, die Hauptstadt der Korruption in der Schweiz, Sitz der FIFA und des IOC, da blattert es schon gewaltig. Wir haben nur fünf Minuten Umsteigeaufenthalt, deshalb haben wir unseren Reiseproviant bereits in Aigle besorgt.

Schweizer Züge sind pünktlich, der Service ist zuvorkommend. Man hilft uns beim Verladen der Velos, so heißen die zweirädrigen Gefährte im Velo-Land Schweiz. Bis St. Gallen können wir in diesem Zug sitzen bleiben, dann beginnt der Umsteigemarathon bis Lindau, Sankt Margaethen und Bregenz heißen die Umsteigestationen. Wenn es geht, bitte nicht in Bregenz umsteigen, denn hier muß man Treppen zu einer Gleisüberführung hochsteigen, mit bepackten Fahrrädern eine Tortur. Die Züge von Sankt Margrethen nach Bregenz halten in der Regel an jeder Milchkanne und man kann ohne Hindernisse den Zug wechseln.

Der Zug von Lindau nach München ist pünktlich. Wir sitzen im Steuerwagen direkt hinter dem Lokführer. Es sind nur wenige Fahrgäste im Zug, die Zugführerin kommt nach jedem Halt sehr rasch wieder zum Steuerwagen zurück und gesellt sich zum Lokführer. Die Beiden reden miteinander, worum es geht verstehen wir nicht und wir wollen es auch nicht wissen; wir rekapitulieren im Gespräch unsere Tour.

In Buchloe sagt die Zugführerin per Lautsprecher durch, der nächste Halt werde Geltendorf sein. Bei der Durchfahrt im Bahnhof von Geltendorf bemerkt der Lokführer, dass er den Halt verpennt hat. Er versucht für einige Sekunden zu bremsen, dann fährt er weiter. Dann kommt die Ansage von der Zugführerin, dass wegen eines technischen Problems der Halt in Geltendorf nicht möglich gewesen sei, Fahrgäste, die dort aussteigen wollten, sollen vom außerplanmäßigen Halt in Türkenfeld mit der S-Bahn wieder zurück nach Geltendorf fahren. Wir sind sicher, dass der Zug in München halten wird; München Hbf ist ein Kopfbahnhof.

Das ist das Ende einer Dienstfahrt mit dem Velo, der Bahn und dem Postbus.


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