Radtour Rimini - Roma

Das Team Italy Map Eine anspruchsvolle Radtour in 5 Tagesetappen über insgesamt 439 km durch bergiges Gelände, Tagesetappen zwischen 59 und 107 Kilometer.
1. Tag          2. Tag          3. Tag          4. Tag          5. Tag

Streckenabschnitt

Meeres-
höhe

Entfernung
[km]

Tages-
strecke
[km]

Gesamt-
strecke
[km]

Rimini - Spadarolo
Spadarolo - Verúcchio
Verúcchio - San Marino
San Marino - M. Giardino
M. Giardino - Montelicciano
Montelicciano - Mercatino Conca
Mercatino Conca - Monte Altavéllio
Monte Altavéllio - Monte Osteriáccia
Monte Osteriáccia - Auditore
Auditore - Casinina
Casinina - Ca' Gallo
Ca' Gallo - Schieti
Schieti - Urbino
(1. Tagesetappe)

130
296
521
460
554
275
596
631
373
160
130
220
421

4,5
12,5
8,0
4,0
4,0
4,0
2,5
4,5
3,0
2,0
3,0
2,0
10,0

4,5
17,0
25,0
29,0
33,0
37,0
39,5
44,0
47,0
49,0
52,0
54,0
64,0

4,5
17,0
25,0
29,0
33,0
37,0
39,5
44,0
47,0
49,0
52,0
54,0
64,0

Urbino - Fossombrone
Fossombrone - San Ippólito
San Ippólito - Sorbolongo
Sorbolono - Barchi
Barchi - Mondávio
Mondávio - San Michele
San Michele - Corinaldo
Corinaldo - Val Névola
Val Névola - Passo di Ripe
Passo di Ripe - Casine
Casine - Ostra
Ostra - Belvedere Ostrense
Belvedere Ostrense - San Marcello
San Marcello - Jesi
(2. Tagesetappe)

118
246
359
319
280
100
203
80
50
47
188
251
231
97

17,5
8,0
4,0
3,5
4,0
4,0
5,0
4,0
5,0
3,0
3,0
6,0
4,5
8,0

17,5
25,5
29,5
33,0
37,0
41,0
46,0
50,0
55,0
58,0
61,0
67,0
71,5
79,5

81,5
89,5
93,5
97,0
101,0
105,0
110,0
114,0
119,0
122,0
125,0
131,0
135,5
143,5

Jesi - Vecchiarelli
Vecchiarelli - Abzweig n. Stáffolo
Abzweig n. Stáffolo - Val Musone
Val Musone - Cíngoli
Cíngoli -Mozzacatena
Mozzacatena - San Severino (Marche)
San Severino (Marche) - Castelraimondo
Castelraimondo - Camerino
Camerino - Múccia
Múccia - Pieve Torina
Pieve Torina - Sorti
Sorti - Passo di Fornaci
Passo di Fornaci - Visso
(3. Tagesetappe)

291
281
212
530
540
231
306
657
454
475
560
815
607

12,0
3,0
3,0
8,0
13,0
8,0
12,0
14,0
6,0
7,0
10,0
6,5
4,5

12,0
15,0
18,0
26,0
39,0
47,0
59,0
73,0
79,0
86,0
96,0
102,5
107,0

155,5
158,5
161,5
169,5
182,5
190,5
202,5
216,5
222,5
229,5
239,5
246,0
250,5

Visso - Ponte Nuovo
Ponte Nuovo - Pontechiúsita
Pontechiúsita - Triponzo
Triponzo - Castel San Felice
Castel San Felice - Ferentillo
Ferentillo - Arrone
Arrone - Forca del'Arrone
Forca del'Arrone - Mad. d. Luce
Mad. d. Luce - S. Nicola
S. Nicola - Rieti
(4. Tagesetappe)

530
456
420
320
260
220
509
379
370
405

7,0
7,0
8,0
12,0
16,0
5,0
8,0
6,0
9,0
16,0

7,0
14,0
22,0
34,0
50,0
55,0
63,0
69,0
78,0
94,0

257,5
264,5
272,5
284,5
300,5
305,5
313,5
319,5
328,5
344,5

Rieti - S. Giovanni Reatino
Rieti - Ornaro
Ornaro - Ost. Nuova
Ost. Nuova - Acquaviva
Acquaviva - Montelibretti
Montelibretti - Moricone
Moricone - Palombara
Palombara - Abzweig vor Marcellina
Marcellina -Tivoli
Tivoli - Ponte Lucano
Ponte Lucano - Ost. d. Osa
Ost. d. Osa - Roma (Via Prenestina)
(5. Tagesetappe)

420
607
396
218
132
200
372
230
232
47
97
40

7,5
4,5
5,5
12,5
2,0
5,5
7,5
5,0
11,5
3,0
11,5
18,5

7,5
12,0
17,5
30,0
32,0
37,5
45,0
50,0
61,5
64,5
76,0
94,5

352,0
356,5
362,0
374,5
376,5
382,0
389,5
394,5
406,5
409,5
421,0
439,0

Beschreibung der Tour

Die Radtour wurde vom 7. bis 11. Juni 1996 bei sehr heißer Witterung durchgeführt.

Teilnehmer:

Peter Baumann
Hubert Becker
Uschi Becker
Monika Blaimer
Kurt Hasselmayer
Gabi Hirche

Allgemeine Hinweise

Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäck sollte sich nach dem Stauraum und des Tragevermögens jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.

Anreise

Die Anreise erfolgt mit Privat-Pkw nach Rimini. Die erste Übernachtung ist im Hotel Della Porta in Santarcángelo di Romagna ca. 10 Kilometer nordwestlich von Rimini.

1. Tag          (Tabelle)           (Seitenanfang)

Höhenplan 1. Tag

Der Weg führt von Rimini (Santarcángelo) über Verúcchio und San Marino nach Urbino. Die genaue Fahrtroute ist der vorstehden Tabelle zu entnehmen. Die Länge der Etappe beträgt 64 km; es sind ca. 1.200 m an Steigungen zu überwinden. Nach einem ca. 25 km langen Aufstieg nach San Marino können wir in diesem Zwergstaat bei einer kleinen Mahlzeit die herrliche Aussicht auf die umliegende Landschaft und das Meer genießen.

Von San Marino geht es dann in einer Berg- und Talfahrt durch die Landschaft des Montefeltro nach Urbino, der ehemaligen Residenzstadt der Herzöge von Montefeltro. Endlos gedehnte Hügelrücken, aus denen in merkwürdiger Einsamkeit einzelne Berge herausragen, von Buschwerk und Alleen gesäumte Felder, nackte Kuppen, um die sich die breiten Gürtel der Äcker legen, durchzogen von Kieswegen, die über bizarre Linien die entferntesten Gehöfte an das Verkehrsnetz anschließen, und zu beiden Seiten liegen oft noch unbestellte oder verwilderte Parzellen, die wie Flicken auf den kultivierten Flächen sitzen.

UnterwegsDer Weg über die Provinz erlaubt die unmittelbare Begegnung mit der Landschaft. Zwischen Feldern und Weiden liegen große Flächen verkarstet, zwischen den Partien mit leichtem Unterholz sieht man wenig Vieh. Überall in den Marken konzentriert sich die Viehwirtschaft auf Kühe, Schweine und Schafe; Pferde und Ziegen sind kein wirtschaftlicher Faktor. Oft sehen die Grasnarben karg aus, ein schütterer Baumbestand durchsetzt die Felder. Man kann sich den Aufwand vorstellen, der nötig wäre, um durch Rodung die Ackerflächen zu bereinigen und für die Landmaschinen adäquate Bedingungen zu schaffen. Der ästhetische Reiz dieses Landstrichs beruht nicht zuletzt auf den Formen, die hier stehengeblieben sind, weil Großgrundbesitz oder das Geld zur Erschließung des Ackerlandes fehlt oder weil die Eigentümer die Gegend verlassen haben.

Das Montefeltro gehört zu den schwächstbesiedelten Gebieten in den Marken, es ist eine rechte Hinterlandregion, die heute vor allem durch ihren großen Namen und die Ruinen der Historie ihre Bedeutung im Geschichtsbewußtsein Italiens bewahrt.

Ganz gleich, von welcher Seite aus man sich Urbino nähert, die Stadt liegt immer verborgen und taucht nach allen Vorboten der Zersiedlung erst plötzlich auf der Anhöhe auf: Immer verblüfft ihre in Beige, Rot und Ziegelrot fast unisono gehaltene farbliche Präsenz, immer vermittelt auch ihre architektonische Kulisse dem, der eintritt, eine Atmosphäre, die ihn nicht wieder losläßt; so reizvoll, so übervoll mit herrlichen Perspektiven und Details ist diese Stadt.

Empfohlenes Hotel in Urbino:                         Hotel Raffaello

Urbino hat in seinem Stadtbild eine Homogenität der Farben, Formen und Stile bewahrt, die man in dieser Geschlossenheit weder in Florenz noch in Arezzo oder Pisa finden wird, sondern allenfalls in Siena, Venedig, Volterra oder Città di Castello. Gerade weil Urbino als ein gedrungener Baukörper in relativ kurzer Zeit errichtet und dann von der Gunst der Geschichte verlassen wurde, hat sich das alte Ambiente erhalten.

Besonders sehenswert in Urbino sind der herzogliche Palast (Palazzo Ducale), die Lage der von einer Stadtmauer vollständig umschlossenen Stadt und die engen mittelalterlichen Gassen. Den Dom von Urbino ließ Herzog Federico Montefeltro unmittelbar an den Palazzo Ducale heranbauen, durch Gänge waren die beiden Bauwerke direkt verbunden. Der Bau des Doms wurde zur gleichen Zeit begonnen wie der des Palazzo, aber erst wesentlich später beendet.

Ein weiteres bedeutendes Gebäude der Stadt ist das Geburtshaus Raffaels. Das noble Bürgerhaus aus dem 15. Jahrhundert wurde vor allem in seinem oberen Teil wieder in eine Form gebracht, die wohl der ursprünglichen entspricht. Der untere Teil beherbergte die Werkstätte der Schüler des Vaters, der ja immerhin einer der bestbeschäftigten Maler seiner Zeit war. Den Raum, in dem Raffael vermutlich am 6. April 1483 geboren wurde, hat ein nachfolgender Bewohner durch eine Inschrift bezeichnet. Das kleine Museum hält sich mit seinen Ausstellungsstücken notgedrungen vor allem an den Vater, an Kopien von Raffaels Werken oder ist an Arbeiten von Schülernachfolgern.

Die Stadt wurde auf zwei Hügeln erbaut. In der Mulde zwischen diesen beiden liegt das soziale Herz von Urbino: die Piazza della Repubblica, der Sammelplatz der Studenten, Kartenspieler und Zeitungsleser, der Platz, auf dem politische und kulturelle Veranstaltungen inszeniert werden und von dem aus strahlenförmig in alle Richtungen, Höhen- und Tiefengrade die Straßen auseinanderlaufen.

2. Tag         (Tabelle)       (Seitenanfang)

Höhenplan 2. Tag

Die Etappe des zweiten Tages ist 76 km lang und führt von Urbino über Corinaldo nach Jesi. Insgesamt ist dies ein eher gemäßigtes Programm. Die Höhenmeter halten sich mit ca. 500 m in erträglichen Grenzen.

Die kleine Stadt Fossombrone, deren Erscheinungsbild wie eine Symbolisierung ältester Herrschaftsverhältnisse aussieht, erstreckt sich vom Hügel abwärts in das an dieser Stelle geräumigen Metauro-Tal. In Mondavio haben sich Reste einer alten, den Kern umschließenden Stadtbefestigung erhalten. Ins Auge fällt vor allem die trutzige Rocca Roveresca mit ihren beiden polygonalen, konisch verbreiterten Bastionen, die noch heute die Stadteinfahrt beschirmen.

Corinaldo, die Stadt mit den besterhaltenen alten Stadtmauern in den ganzen Marken, wirkt aus der Ferne durch das rötliche Schimmern des Bausteins und die weißen Fensterfassungen wie ein Klein-Urbino, aber den massiven Wehrtürmen und Bastionen fehlt die Eleganz der urbinatischen Stadtvedute, sie weisen auf eine noch ältere Baugeschichte hin. Corinaldo bietet sich als Ort für die Mittagspause an, es liegt ungefähr auf der halben Strecke von Urbino nach Jesi, von dort aus sind es für die zweite Hälfte der Tagesetappe noch ca. 33 km.

Ostra Der nächstgrößere Ort auf unserem Weg ist Ostra, teilweise umgeben durch eine Stadtbefestigung aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Sie wird durch Türme verstärkt und sichert dem Ort heute vor allem sein mittelalterliches Erscheinungsbild. Man erkennt vor allem die Rückfront eines zinnenbewehrten Palazzo und in einigem Abstand einen zweiten Wehrturm. Die Kulisse steht ganz im Zeichen dieser beiden Akzente und der farblichen Einheit des Steins, die der Stadt ihr geschlossenes Gepräge gibt.

Weiter geht es nach Belvedere Ostrense, ein Städtchen mit einer Befestigung aus dem 15. Jahrhundert. und einzelnen baulichen Details, die auf eine illustre Vergangenheit schließen lassen: Man erkennt sie beispielsweise an den großen Kirchen, einem alten Uhrturm am Platz, an dem schönen, einfachen Palazzo Bernabucci oder der Kirche Santa Maria della Misericordia aus dem 14. Jahrhundert. Der Ort liegt dem antiken Ostra antica am nächsten. Diese ursprünglich zentrale Ortschaft, lag ehemals etwa sieben Kilometer hinter Serra de' Conti auf der Strecke nach Senigallia.

Das Land ringsum wird zum Meer hin immer großräumiger. Die Hügellinien vollziehen nun ganz sanfte Bewegungen, die schroffen Silhouetten der Steinbrüche und Kieshalden treten zurück, viele Einzelgehöfte liegen zwischen den weiten Getreidefeldern. Von Gebüsch und Bäumen gesäumt sind die Schotterwege, die ein filigranes Verkehrsnetz bilden, das die isolierten Anwesen miteinander verbindet. Einzelne der Bäume sind mitten in den Ackerflächen stehengeblieben. Wir kommen nach Jesi.

Iesi war in der Antike als »Aesis« bekannt, der gleiche Wortstamm klingt auch noch aus dem Flußnamen Esino. Von der römischen Anlage der Siedlung ist mit Sicherheit nur noch die Gegend des Forums auszumachen. Es lag unterhalb der heutigen Piazza Federico II. Grabungen an dieser Stelle und in der unmittelbaren Nähe brachten römische Skulpturen und Gegenstände ans Licht, die heute im Museo Civico ausgestellt sind. Bekannt ist ferner, daß die im 14. Jahrhundert hochgezogenen Stadtmauern auf römischem Ursprung aufbauen. Sie waren vor allem in dem Jahrzehnte währenden Krieg gegen Fabriano sowie in dem immer neu entflammten Kampf zwischen Guelfen und Ghibellinen zum Schutz der Stadt unentbehrlich. Heute gehören sie zu den besterhaltenen Befestigungsanlagen in ganz Italien.

3. Tag        (Tabelle)        (Seitenanfang)

Höhenplan 3. Tag

Am dritten Tag steht die Königsetappe über 107 km von Jesi nach Visso auf dem Programm. Hierbei sind ca. 1.200 Höhenmeter an Steigungen in 3 langen Anstiegen zu überwinden, dazwischen liegen 3 längere Abfahrten mit 200 m bzw. 300 m Höhenunterschied.

Man nähert sich Cingoli auf einem Weg, zu dessen Seiten sich abwechselnd Waldstücke, Viehweiden und wilde Wiesen ausbreiten. Der Ort wird wegen seiner exportierten Lage in 638 Meter Höhe der »Balkon der Marken« genannt und findet schon bei Plinius und anderen lateinischen Autoren lobende Erwähnung. Vier Kirchenkomplexe, auf unterschiedlichen Niveaus gelegen, bestimmen das Erscheinungsbild des Ortes. Der Corso liegt, zwischen Spielplätzen und Bocciabahnen, beinahe vor der Stadt; er wird durch eine bloße Allee gebildet, auf der man ohne die Begleitung der Geschäfte an Sommerabenden auf und ab geht. Ein zweiter, zu dieser Jahreszeit weniger frequentierter Corso fährt dagegen durch die Stadt hinauf zu einem mit Bäumen gesäumten Aussichtsplatz.

Eine weitere geschlossene mittelalterliche Stadtkulisse begegnet man weiter südlich in San Severino Marche. Castello, der alte Kern dieses Orts, liegt auf dem Monte Nero fast unbevölkert da und ist nur über eine gewundene Schotterstraße erreichbar; Borgo dagegen, die Unterstadt, zeigt sich wirtschaftlich betriebsam und unsentimental und hat indessen ein altes Zentrum, denn schon im 13. Jahrhundert entschloß sich eine Gruppe von Bürgern, Castello zu verlassen und sich im heutigen Borgo niederzulassen. Den Grund hierfür lieferten vor allem die Leineweber, die am Fluß leichtere Arbeitsbedingungen fanden. Von ihrem Handwerk ist heute allerdings nichts mehr übriggeblieben.

Weiter südlich, jedoch noch ein ganzes Stück nördlich aber bereits in Sichtweite der Sibillinischen Berge, liegt auf einer imposanten Erhebung das Städtchen Camerino. Sechshundert Meter hoch ist der Hügel, auf dem der Ort sich ausbreitet, und mit etwa 8000 Einwohnern ist dieser zur eigentlichen Hauptstadt des Hinterlandes geworden.

Folgt man der Straße in südlicher Richtung, so gelangt man Muccia. Nicht weit von hier erreicht man Visso, einen Knotenpunkt des Handels auf dieser Westseite der Sibillinischen Berge. Dazwischen liegt allerding der Passo di Fornaci. In den Läden von Visso werden zwar häufig Kupfergegenstände und charakteristische Stoffe angeboten, die tragenden Gewerbe aber sind die Wurst- und Käseproduktion. Außerdem werden hier Forellen verkauft, die zum Teil künstlich gehalten, zum Teil aber auch in den verschiedenen kleinen Flüßchen, die hier zum Torre Ussita zusammenfließen, geangelt werdent. Im Herbst sieht man die Einwohner der Gegend schließlich auch zur Pilzsuche ausschwärmen, und mit Schweinen, die am Halsband geführt werden, macht man die Fundorte der Trüffel ausfindig.

Die Landschaft in dieser Gegend, vor allem auf der Ostflanke des Gebirgszugs, zeigt starke Vegetation. Zwischen bewaldeten Hügelrücken öffnen sich einzelne Schafweiden, Mais- oder Sonnenblumenfelder. Hier und da springen aus den geduckten Hügelumrissen einzelne Felsnasen schroff hervor. Dort gedeiht nur Gestrüpp und verkrüppeltes Unterholz. Immer wieder stößt man auf kleine, durch und durch bäurische Ortschaften. Nicht selten werden diese von den Silhouetten verlassener Einzelgehöfte auf den Bergkämmen angekündigt. Im Spätherbst hat sich das Gesicht des Landes völlig verwandelt. Die Äcker verschwinden im Nebel, wie vernarbt liegt das Land; einzelne Weidestreifen wurden abgebrannt, manchmal schiebt sich ein verwahrlostes Unterholz oder ein halb gefallener Zaun in den Blick.

4. Tag               (Tabelle)            (Seitenanfang)

Höhenplan 4. Tag

Von Visso (Marken) aus geht über eine Wegstrecke von 55 Kilometern durch das Neratal stetig bergab. In einer flotten Fahrt werden wir diesen Abschnitt bis zum Mittag hinter uns gebracht haben. Hier im Herzen des ‘schwarzen’ Umbriens werden im Herbst die Trüffel ‘geerntet’, die überall in den Auslagen der Geschäfte zu bewundern sind. Zur Abwechslung werden wir zwischendurch ein paar Höhenmeter aus dem Tal hinauf zum frühmittelalterlichen Kloster San Pietro in Valle hinauffahren. Hier können wir die Kräfte für den zweiten Teil der Tagesetappe mobilisieren.

Abbazia di San Pietro in ValleDie Abbazia di San Pietro in Valle liegt an einem ölbaumbewachsenen Hang in herrlicher Aussichtslage über dem Neratal. Nach Beendigung der laufenden Restaurierungsarbeiten wird sie sicher eine, der schönsten und interessantesten Abteien Umbriens sein. Schon die Lage lohnt einen Ausflug hierher. Die großzügige, grasbewachsene Terrasse vor dem inneren Klosterhof läßt den Blick frei auf das wunderschöne Castello dello Umbrano, das bereits im 8. Jahrhundert zur Verteidigung eben dieser Abtei errichtet wurde, und dann das verlockend umbrische kleine Restaurant im Komplex (Ristorante dell'Abbazia) im wunderschönen Vorhof der Abtei mit umbrischer Küche in gemütlichem Ambiente. Die stark befestigte Abtei selbst ist ein architektonisches Kleinod, ausgestattet mit besten langobardischen Steinmetzarbeiten und vollkommen freskiert

Von Arrone im Neratal steigt dann die Straße über 300 Höhenmeter steil hinauf zum Forca del’Arrone. Über Madre di Luce geht es dann weiter zum Etappenziel nach Rieti, das wir nach insgesamt 94 km erreichen und das sich bereits in der Nordostecke Latiums befindet. Die Stadt liegt in der »Hochebene von Rieti«, der Conca Reatina; diese ist eine annähernd kreisrunde Fläche von 10-12 km Durchmesser, »welche auf der Höhe des Gebirgs wie das Wasser eines stillen Sees sich ausbreitet und rings von höherem Gebirge umschlossen ist«, wie 1804 der Architekt Karl Friedrich Schinkel notierte. Am Südrand der Ebene liegt Rieti, die alte Hauptstadt der Sabina; auf den Anhöhen ringsum stehen die vier Franziskanerklöster Greccio, Fonte Colombo, La Foresta und San Giacomo.

Rieti, die Provinzhauptstadt, hat ein teilweise mittelalterliches Zentrum mit einigen bemerkens- werten Gebäuden (vor allem der Dom, der Bischofspalast, mehrere Palazzi); seinen größten Reiz bildet aber die Lage vor dem Hintergrund des Gebirges. Es war ein bedeutendes Zentrum der Sabiner und der Römer. In der Völkerwanderungszeit und im frühen Mittelalter wurde die Stadt mehrfach zerstört, gewann dann ab dem 12. Jh. neuerlich an Bedeutung. Ab 1198 bestand in Rieti eine bürgerliche Selbstverwaltung (libero comune). Mehrfach hielten sich Päpste im Ort auf: Gregor IX. traf hier 1234 den Stauferkaiser Friedrich II.; Nikolaus IV. krönte Karl von Anjou; Bonifaz VIII. wurde 1298, während er eine Messe las, von einem Erdbeben überrascht und floh mit Meßgewändern und liturgischem Gerät über die Felder. Vorübergehend geriet Rieti ans Königreich Neapel, gehörte dann (ab 1354) zum Kirchenstaat. Seit 1923 zählt der Ort zu Latium.

5. Tag             (Tabelle)                (Seitenanfang)

Höhenplan 5. Tag

Tivoli  - Villa d'EsteAm fünften und letzten Tag dieser Radtour werden wir auf dieser wiederum 94 km langen Etappe überwiegend bergab fahren. Bis Tívoli sind jedoch auch drei Steigungsabschnitte mit jeweils ca. 200 Höhenmeter zu absolvieren. Als Ort für eine mittägliche Rast biete sich am besten Tívoli an. Von dort aus sind die letzten 30 Kilometer nach Rom ein Kinderspiel.

Zunächst geht es von Rieti einige Kilometer auf der SS 4 nach Süden in die Sabiner Berge. Der Raub der Sabinerinnen das ist wohl die erste Gedankenverbindung, die sich beim Stichwort »Sabiner Berge« einstellt. Die Episode aus der Frühzeit der römischen Geschichte spiegelt die alte Rivalität zwischen den Römern und dem benachbarten, seit je her als wild und kriegerisch beschriebenen Bergvolk der Sabiner. Die Römer, denen es an Hausfrauen und Geliebten mangelte, waren auf nichts Besseres verfallen, als sich bei ihren Nachbarn schadlos zu halten, indem sie deren Frauen entführten. Trotz des Affronts kam es dann zu einer gütlichen Einigung. Auch dieser Teil der Legende entspricht einer historischen Wahrheit: Römer und Sabiner lebten nach anfänglichen Kämpfen in friedlicher Koexistenz.

Rom - Engelsburg Einen ersten »berühmten Blick« von Tivoli genießt man - leider durch einige Neubauten etwas beeinträchtigt- mit dem Sibyllentempel, einem Rundtempel aus dem 1. Jh. v. Chr. und dem danebenstehenden, vermutlich etwas älteren Rechteckigen Tempel und den darunterliegenden Wasserfällen des Aniene. Beide - recht gut erhaltenen - Tempel gehören zu den meistgemalten und -gezeichneten Bauten Europas; kaum einer der nach Rom gereisten Künstler hat es sich nehmen lassen, die Wasserfälle des Aniene mit den darüberstehenden antiken Gebäuden abzubilden. Allerdings haben die Wasserfälle ihren alten Schwung verloren. In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhundert. ließ Papst Gregor XVI. den Aniene regulieren, um Tivoli vor den häufigen Überschwemmungen zu schützen. Damit verringerte er das Volumen der Wasserfälle, das zudem in diesem Jahrhundert nochmals reduziert wurde.

Tivoli war das latinische Dorf par excellence der Rom-Reisenden. Hierher kamen seit dem 18 Jahrhundert. die Landschaftsmaler, hierher fuhren (und fahren) die Rom-Besucher, wenn sie die Umgebung der Hauptstadt kennenlernen wollen. Tivoli dürfte der meistbesuchte Ort Latiums außerhalb Roms sein; sein Name und seine Kunstwerke (die Villa d'Este, die Villa Adriana, der Sibyllen-Tempel) sind weltbekannt.

In Roma haben wir im Hotel Duca d’Alba reserviert. Das Hotel liegt an einer Parallelstraße zur Via Cavour in der Nähe von Kollosseum und Forum Romanum.


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Stand: 10. August 2014

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