| Eine sehr anspruchsvolle Radtour in 7 Tagesetappen über 450 km durch die Südalpen (Frankreich und Italien), Tagesetappen zwischen 34 und 92 Kilometern. Es werden 16 Pässe überquert, von denen 15 höher als 2000 m sind. | |
| 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag 5. Tag 6. Tag 7. Tag | |
|
Streckenabschnitt |
Meeres- |
Entfernung |
Tages- |
Gesamt- |
|---|---|---|---|---|
| Guillestre- Col de l'Ange-Gardien (FR-05-1347) Col de l'Ange-Gardien - Château Queyras Château Queyras - Ville-Vielle Ville-Vielle - Molines-en-Queyras Molines-en-Queyras - Fongillarde Fongillarde - Col d'Agnel (FR-05-2744) Col d'Agnel - Casteldelfino Casteldelfino - Sampeyre (1. Tagesetappe) |
1049 |
16,0 |
16,0 |
16,0 |
| Sampeyre - Santa Anna
Santa Anna - Colle di Sampeyre (IT-CN-2284) Colle di Sampeyre - Elva Elva - Ponte Marmora (2. Tagesetappe) |
971 |
6,0 |
6,0 |
81,5 |
|
Ponte Marmora - Vernetti |
944 |
5,0 |
5,0 |
115,5 |
| Demonte -
Perolar Perolar - Pratalungo Pratalungo - Abzw. Col de la Lombarde Abzw. C. Lomb. - Col de la Lombarde (FR-06-2350a) Col de la Lombarde - Isola 2000 Isola 2000 - Isola Isola - St Étienne-de-Tinée (4. Tagesetappe) |
790 |
4,5 |
4,5 |
162,0 |
| St Étienne-de-Tinée
- Pont Haut Pont Haut - le Pra le PrA - Bousiéyas Bousiéyas - Camp des Fourches Camp des Fourches - Col des Fourches (FR-06-2261b) Col des Fourches - Camp des Fourches Camp des Fourches - Col de Raspaillon (FR-04-2513) Col de Raspaillon - Col de la Bonette (FR-04-2715) Col de la Bonette - Cime de la Bonette Cime de la Bonette - Col de la Bonette Col de la Bonette - Abri Abri - Faux Col de Restefond (FR-04-2639) Faux Col de Restefond - Abri Abri - Caserne de Restefond Caserne de Restefond - Chalet Halte 2000 Chalet Halte 2000 - Lans Lans - Jausiers Jausiers - Barcelonette (5. Tagesetappe) |
1144 |
4,5 |
4,5 |
230,5 |
|
Barcelonette - carrefour D902/D908 |
1120 |
3,0 |
3,0 |
288,5 |
| Colmars - Les Meyfreds Les Meyfreds - carrefour D908/D426 carrefour D908/D426 - le Détroit le Détroit - Allos Allos - carrefour D908/D26 carrefour D908/D26 - la Foux la Foux - la Foux-d'Allos la Foux-d'Allos - Col d'Allos (FR-04-2244) Col d'Allos - tournante tournante - Télésiege Les Agnelier Télésiege Les Agnelier - la Malune la Malune - Pont du Fau Pont du Fau - carrefour D902/D908 carrefour D902/D908 - Barcelonette Barcelonette - Jausiers Jausiers - Les Gleizolles Les Gleizolles - St Paul St Paul - Melezen Melezen - Col de Vars (FR-04-2108) Col de Vars - Les Claux Les Claux - Ste. Marie Ste. Marie - carrefour Val d'Écreins carrefour Val d'Écreins - Guillestre (7. Tagesetappe) |
1246 |
2,0 |
2,0 |
366,0 |
Zeitraum
Die Radtour wurde vom 17. Juli bis 23. Juli 2005 bei sehr schönem Wetter durchgeführt.
Teilnehmer:
Hubert Becker
Uschi Becker
Jürgen Giesecke
Allgemeine Hinweise
Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäcks sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.
Überblick
Diese Radtour ist keine Spazierfahrt, 12.500 Höhenmeter sind auf 450 Kilometern zu absolvieren! Ausreichendes Training und Kondition sind für einen unproblematischen Tourenverlauf notwendige Voraussetzung. Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, dass die beschriebene Tour ist.
Empfohlenes Kartenmaterial: Michelin Regional No. 523 und 527, Maßstab 1:200.000, Michelin Local No. 333 und 334, Maßstab 1:150.000, IGN TOP100 No. 54, 60 und 61 Maßstab 1:100.000, Instituto Geografica Central (IGC): Carti dei sentieri e dei rifugi No. 6 und 7, Maßstab 1:50.000.
Anreise (16.07.2005)
Die Anreise erfolgte mit dem eigenen Fahrzeug von München. Die Entfernung München - Guillestre beträgt je nach Route zwischen 750 und 860 Kilometer. Die kürzeste Route verläuft über Lindau, Chur, San Bernadino-Tunnel, Bellinzona, Mailand, Turin, Susa, Col de Montgenèvre und Briançon. Von Briançon geht es weiter durch das Durance-Tal bis zur Vauban-Festung Mont-Dauphin, dann sind es noch vier Kilometer bis Guillestre.
Guillestre, der florierende Marktort am Rande des Queyras, bietet sich als schöne Etappe auf der Route des Grandes Alpes zwischen dem Col d'Izoard und dem Col de Vars an. Für uns ist er diesmal Start- und Zielort. Der Parc régional du Queyras, den wir am nächsten Tag durchfahren, hat in Guillestre seinen Verwaltungssitz.
Beschreibung der Tour
Bei schönem Wetter starten wir. Von Guillestre geht es über die D 902 auf den Pfaden der Route des Grandes Alpes in nordöstlicher Richtung direkt in das enge Tal des Guil, dieser Abschnitt nennt sich Combe du Queyras. Wir fahren in den Parc Naturel Régional du Queyras (regionaler Naturpark Queyras) hinein. Die Combe du Queyras zwischen Guillestre und Château-Queyras ist eine enge und malerische Schlucht, durch die D902 verläuft. Bevor wir jedoch richtig in die Gänge kommen, haben wir erst einmal eine Reifenpanne. Beim Aufziehen neuer Reifen ein paar Tage zuvor war wohl der Schlauch eingeklemmt worden.
Das
Queyras ist kulturell und historisch eine eigenständige Region, was auch
durch die Abgeschiedenheit bedingt ist. Ganzjährig ist das Queyras nur
über die Combe du Queyras zu erreichen, im Sommer kann man auch über
den Col d'Izoard und den Col d'Agnel (italienische Grenze) fahren.
Das Queyras besteht aus zwei Gebieten: das Haut-Queyras im Osten,
charakteristisch sind die aufgefalteten Sedimentschichten aus Schiefer, und
das Bas-Queyras im Westen, hier überwiegt Kalkgestein.
Ursprünglich war das Queyras durch ligurisch-keltische Stämme besiedelt. Im Mittelalter schlossen sich sieben Gemeinden des Kantons Aiguilles zu einen Schutzbund zusammen, sie waren bis ins 18. Jahrhundert weitgehend unabhängig. Von den Religionskriegen blieb aber auch diese abgeschiedene Region nicht verschont. Ab 1560 breitete sich der Protestantismus im Queyras aus; 1587 wurde das Fort Queyras von einem Hugenottenheer eingenommen damit waren die Protestanten in dieser Region in der Mehrheit. 1685 nach Aufhebung des Edikts von Nantes mußten viele Familien in die Schweiz oder nach Deutschland fliehen.
Außergewöhnlich ist auch das Klima des Queyras: Fast das ganze Jahr über ist der Himmel strahlend blau, Nebel ist so gut wie unbekannt, Regen im Sommer eine Seltenheit , doch wegen der Hochgebirgslage wird es nie wirklich heiß. Nicht verwunderlich für diese Region, wie aber auch im Gebiet von Briançon, in denen rund 300 Sonnentage zu verzeichnen sind, ist die große Zahl der Sonnenuhren. Sechs Monate im Jahr herrschen ausgezeichnete Schneeverhältnisse.
Die Festung thront über dem Dorf Château-Queyras auf einem hoch aufragenden Felsen. Der Felsen, eines der eindrucksvollsten Landschaftsbilder des Queyras, versperrt fast völlig den Weg durchs Tal des Guil; der schmale Durchgang ist gerade ausreichend für die Straße. 1692 wurde Fort Queyras von Vauban nach Westen hin verstärkt.
Von
Château-Queyras bis Vieille-Ville ist die Steigung nur mäßig,
danach nimmt sie wieder zu, nach Molines-en-Queyras deutlich. Jetzt ist
endgültig Schluß mit lustig. Die Steigung beträgt durchschnittlich
7,5 Prozent. Um Fongillarde herum wird es wieder etwas flacher (ca. 4
Prozent). Danach folgt der Schlußanstig zum Col d'Agnel (Colle
dell'Agnello), die Steigung liegt durchgehend über 8 Prozent, kurze
Rampen mit 10 % sind eingestreut.
Das Flicken des Fahrradschlauches am Morgen war scheinbar nicht richtig erfolgreich. Der Luftdruck im Hinterreifen hatte stark nachgelassen. Zweimal Aufpumpen auf der Auffahrt und einmal Pumpen bei der Abfahrt. Am Abend wird ein neuer Schlauch eingezogen!
Der Col d'Agnel verbindet das französische Guiltal mit dem italienischen Varaitatal, mit seiner Höhe von 2744 m ist er der dritthöchste Straßenpaß in den Alpen. Etwa acht Kilometer vor der Paßhöhe beginnt mit einer ersten Steilstufe der Schlußanstieg an. Bei meistens 8-10 Prozent führt die Straße weiter geradeaus am Fluß entlang. Dabei sieht der Anstieg wesentlich weniger steil aus als er tatsächlich ist. Erschwerend kommt zusätzlich hinzu, daß der Anstieg recht unregelmäßig ist und mehrfach kurzfristig deutlich über 10 % zu überwinden sind. Erst oberhalb von 2400 m werden zweimal je zwei Serpentinen zur Bewältigung zusätzlicher Höhe zu Hilfe gezogen.
Auf
der Paßhöhe bietet sich ein weiter Blick talauswärts nach Westen
- im Hintergrund sind sogar die schneebedeckten Gipfel des Ecrins-Massiv
zu erkennen. Im Osten erhebt sich der Monte Viso mit seinen 3841 m. Bei
gutem Wetter ist der Ausblick von hier überwältigend.
Die Ostrampe des Col d'Agnel ist zweigeteilt. Die oberen 10 Kilometer weisen eine durchschnittliche Steigung - in unserem Fall Gefälle - von ca. 10 % auf. Danach gibt es einige kurze Abschnitte bis zu 15 %. Auf den folgenden Kilometern ab Casteldelfino - ca. 10 km von Sampeyre entfernt und auf 1290 m gelegen - wird es flach. Es ist eine rasante Abfahrt, nur unterbrochen vom Aufpumpen des Hinterreifens.
Es sind viele Leute rechts und links von der Straße auf den Almen und sonstigen Grünflächen. Man genießt am Sonntagnachmittag das schöne Wetter in den Bergen. Weiter unten am Lago di Castello ist es richtig voll. Wild parkende Auto verengen die für den fließenden Verkehr zur Verfügung stehende Fläche.
Sampeyre ist das heutige Tagesziel. Nach strammen 75,13 Kilometern und 1761 Höhenmetern ist es erreicht. Sampeyre ist mit 1300 Einwohnern der Hauptort des Varaita-Tals. Sampeyre lebt von der Landwirtschaft und vom Tourismus. Noch überwiegen die sommerlichen Aktivitäten, wie Bergwandern und Radfahren, jedoch der Wintersport ist im Vormarsch: Langlauf, Schneeschuhwandern u. ä.
Mit etwas Mühe finden wir ein Hotel, d. h. wir müssen in zwei verschieden Hotels übernachten, weil jedes nur noch ein freies Zimmer hat. Die beiden Hotels liegen glücklicherweise nicht weit auseinander. Das Abendessen können wir aber gemeinsam verbringen. Nach dem anstrengenden Tag gehen wir früh zu Bett.
2. Tag (Tabelle)
(Seitenanfang)
18.07.2005
Beim Befestigen des Gepäcks an unseren Fahrrädern werden wir durch einen kurzen, leichten Regenschauer überrascht. Regen war laut Wetterbericht nicht angesagt. Der Regen hört noch vor dem Losfahren auf.
Nach
Überqueren des Flusses Varaita beginnt die Auffahrt zum Colle
di Sampeyre. Nach der anstrengenden Etappe vom Vortag lassen wir es langsam
angehen. Auf einer kleinen, ruhigen Straße geht es durch den Wald konstant
bergauf. Die Steigung ist gleichmäßig und beträgt gut 8 Prozent.
Dann zieht sich der Himmel schnell zu und es beginnt regnen. Wir machen unser
Gepäck regenfest und fahren langsam weiter. Dann steht ein Schild neben
der Straße, das auf das Rifugio Meira-Garneri hinweist, das sich ca. 300
m von der Straße entfernt befindet. Wir beschließen dort einzukehren.
In der chic eingerichteten Hütte erfahren wir, das dieser Neubau erst am
Vortag mit einer großen Fete eingeweiht wurde.
Wir entscheiden uns für eine leckere Pasta. Dann warten wir, bis der Regen aufhört. Nach ca. 1,5 Stunden ist es dann soweit und wir brechen auf. Die Regenüberzieher lassen wir vorsichtshalber auf den Gepäcktaschen.
Bald
ist die Paßhöhe erreicht. Der Colle di Sampeyre (2284m) bildet
einen Übergang vom Varaita- zum Mairatal. Der Blick von der Paßhöhe
ist eher unspektakulär. Den nördlichen Ausgangspunkt bildet der Ort Sampeyre
(971m), der südliche liegt knapp einen km östlich von Ponte Marmora auf
949 m Höhe. In Stroppo, ca. 3 km östlich von Ponte Marmora, liegt der
Ausgangspunkt einer Alternativstrecke zur Südrampe, die über Cucchiales
führend ca. 5 km unterhalb des Passes auf die Südrampe trifft.
Beeindruckender
als die Nordrampe ist die Südabfahrt durch die Elva-Schlucht. Nach 4,5
Kilometern Abfahrt geht es nach rechts ab in den Ort Elva (1637 m). In
dem verschlafenen Nest ist keine Menschenseele zu sehen. Das einzige Geschäft
und die Bar sind geschlossen. Die berühmte Kirche im Ort ist verschlossen.
Sie besitzt mit ihren Chorraumfresken einen der bedeutendsten Kunstschätze des
westlichen Piemont.
Zaghaft kommt die Sonne wieder zwischen den Wolken hervor. Vor uns liegt eine Traumabfahrt. Jetzt kommt der landschaftlich schönste Abschnitt der heutigen Tagesetappe: die Elva-Schlucht. Die rasante Abfahrt wird immer wieder durch Fotostops unterbrochen. Wir genießen die grandiosen Tiefblicke. Kilometer um Kilometer lassen wir es auf dem in den Fels gehauenen Sträßlein krachen. Von Meter zu Meter wird es wärmer. Nach einigen Serpentinen erreichen wir die Schlucht.
Die Straße ist in den Hang geschlagen. Von rustikaler Schönheit sind die vielen kurzen, durch unverkleideten Fels führenden Tunnel. Die meisten haben eine Länge von unter 10 m und die längeren haben in regelmäßigen Abständen auf der linken Seite Öffnungen zur Schlucht, die ausreichend Tageslicht hindurch lassen. Dieser Streckenabschnitt hat eine Länge von gut 5 km.
Bei Ponte della Cheina biegen wir auf die Talstraße des Mairatals ein, auf der wir ca. einen Kilometer bis Ponte Marmora fahren. Wir lassen es für heute gut sein und beendigen die Etappe nach 34,15 Kilometern und 1327 Höhenmetern.
Am Abzweig in Richtung Colle d'Esischie liegt das kleine »Ristorante - Affittacamere« La Gentil Locanda. Wir kehren hier ein und beendigen die heutige Etappe. Auf der schattigen Terrasse genießen wir erst einmal ein Zielbier". Die Zimmer im La Gentil Locanda sind einfach und rustikal eingerichtet. Das Bad ist über den Gang erreichbar.
Beim Abendessen im angenehm eingerichteten Speisesaal staunen wir nicht schlecht. Zunächst sind wir allein im Speisesaal, später kommen noch einige weitere Gäste. Die Küche ist hervorragend, bodenständig und piemontesisch. Eine solche Weinauswahl hätten wir hier nicht vermutet.
3. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 19.07.2005
Heute
sind es ein paar Höhenmeter mehr als gestern. War gestern nur die Abfahrt
durch die Elva-Schlucht ein landschaftliches Highlight, so ist die gesamte
heutige Tagestour.
Die Steigung beginnt gleich am Hotel. In Vernetti, dem nächsten Ort, wird es vorübergehend etwas flacher. Die jetzt schmale Straße schlängelt sich erst durch Wälder, dann über Almen hinauf zum Colle d'Esischie. Dieser ist nach 20 Kilometern erreicht.
Jetzt geht es auf einer Kammstraße weiter zum Colle dei Morti. Zunächst liegt aber 50 m rechts der Straße der Colle del Vallonetto. Bald sind wir am Colle dei Morti, auch Colle Fauniera oder Col Cuneo angelangt. Letztere Bezeichnung steht auf dem 2004 aufgestellten Denkmal für Marco Pantini. Dieses häßliche Denkmal verschandelt die Paßhöhe. Während es bei der Auffahrt zum Colle d'Esischie und dortselbst sehr ruhig war, ist hier schon etwas mehr los. Circa ein Dutzend Autos stehen auf der Paßhöhe herum. Sie müssen wohl aus dem Val Grana oder von Demonte über das Val Cavera hinaufgekommen sein. Der Blick ringsherum ist phantastisch, insbesondere nach Osten in das Val Cavera.
Bis zum Abzweig zum Colle Valcavera geht es nur leicht bergab. Der Colle Valcavera liegt ein paar Meter westlich von unserer Route; diesen Paß mitzunehmen, lassen wir uns nicht entgehen.
Es folgt eine Abfahrt vom Feinsten. Ausgebremst werden wir kurzzeitig durch eine Kuhherde, die die Straße hinuntergetrieben wird. Nach 23 Kilometern ist der Spaß dann vorbei. Wir sind in Demonte im Sturatal angekommen. Die Tagesstatistik zeigt 46,97 Kilometer und 1483 Höhenmeter.
Im Albergo Moderno hat man noch freie Zimmer. Es ist heiß unterm Tal, das Thermometer zeigt etwas über 30° C. Eine Dusche kühlt uns kurzzeitig ab.
Dann schauen wir uns ein wenig um in Demonte. Sehr störend ist der starke Durchgangsverkehr zum Colle della Maddalena (Col de Larche). Dieser knapp 2000 m hohe Grenzpaß zwischen Italien und Frankreich kann auch vom Schwerverkehr befahren werden. So donnert ein Vierzigtonner nach dem anderen durch Demonte. Das Schwerverkehrsaufkommen ist zur Zeit höher als sonst, weil der weiter nördlich gelegene Tunnel de Fréjus nach einem Brand noch gesperrt ist.
Wegen der Hitze und wegen des Lärms ziehen wir es vor, in unserem Hotel im Speisesaal das Abendessen einzunehmen.
4. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 20.07.2005
Wir
verlassen Demonte in südliche Richtung und überqueren den Fluß Stura
di Demonte. Dann geht es auf der rechten Flußseite talaufwärts bis Vinadio.
Die Stadt liegt auf der anderen Seite des Flusses. Vor der Stadt liegt die Festung
„Forte Albertino“, sie wurde zur Zeit von Carlo Alberto di Savoia zur Verteidigung
der Grenze zwischen Piemont und Frankreich errichtet.
Wir biegen jetzt links ab auf die Straße zum Col de la Lombarde. Die nächsten zwei Kilometer sind heftig, die Steigung beträgt gut 12 Prozent, zwölf kurz hintereinander liegende Kehren sind zu überwinden. Dann wird es etwas flacher. Das dauert aber nur zwei Kilometer, dann ist die Steigung schon wieder in den zweistelligen Bereich. Der Col de la Lombarde (auch Colle della Lombarda) ist ein 44 km langer Grenzpaß der Seealpen. Er verbindet die Täler der Stura di Demonte auf italienischer und der Tinée auf französischer Seite. Beide Auffahrten weisen beträchtliche Höhenunterschiede und 36 Kehren auf.
Nach
dem Abzweig von der Straße zum Santuario di Sant'Anna kommt das steilste
Stück (14 % Maximalsteigung) der Auffahrt zum Col de la Lombarde. Die
letzten 6 km der insgesamt 24 km langen Auffahrt verlaufen auf einer Art Hochplateau
und bereiten deshalb geringere Schwierigkeiten.
Die Abfahrt auf französischer Seite ist eine Vorzeigestrecke. Auf dem hochalpinen, schmalen Sträßchen erreicht man nach 3 km die Retortenstadt Isola 2000, eine der vielen Bausünden in den französischen Alpen. Dann ändern sich die Straßenverhältnisse abrupt. Um den Massen an Touristen im Winter ein einfaches Erreichen des Skigebiets zu ermöglichen, ist eine wahre Autobahn angelegt worden. Kunstvoll übereinander gelegte Kehren, überbreite, teilweise getrennte Fahrbahnen und 11 % Gefälle bringen unheimlich viel Fahrspaß bis Isola (871 m). Am Ortseingang steht der romanische Turm einer Kirche, die bei einer Überschwemmung durch die Guerche zerstört wurde. Die Rundbogen- und die Zwillingsfenster mit Figurenkapitellen zeugen von lombardischem Einfluß.
In Isola lassen wir uns vor einer Bar zu einem nichtalkoholischen Getränk nieder. Der schwierigste Teil der heutigen Etappe ist geschafft. Vor uns liegen noch ca. 15 Kilometer mit mäßiger Steigung bis St. Etienne-de-Tinée. Der Wind ist uns bei dieser Auffahrt gnädig, und hat sein Pusten eingestellt. Von einer früheren Tour wissen wir, daß er er auch kräftig talabwärts wehen kann. Ohne nennenswerte Steilstufen gewinnt die Straße bei durchschnittlich knapp 2% auf den folgenden Kilometern nur langsam an Höhe. Etwa 4 km vor St. Etienne wechselt die Straße auf die linke Flußseite. Bis etwa 6 % steigt die Straße etwa 2 km lang bis zur Seilbahnstation nach Auron an. Auf der restlichen Strecke nach St. Etienne und zu der am Ortseingang gelegenen Brücke verlieren wir auf der einzigen nennenswerten Abfahrt der gesamten Strecke etwa 60 m Höhe. Nach 68,98 Kilometern und 1887 Höhenmetern ist das Tagesziel geschafft.
In St. Étienne-de-Tinée beginnt der Kampf um das letzte Hotelzimmer. Die sog. Biker, die mit dem Motor und mit dem PS-Kampfstil, sind déjà installés. Die Muskelbiker kämpfen um die letzten Hotelzimmer. Wir haben Glück und finden eine passende Unterkunft.
5. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 21.07.2005
Heute
steht das Dach der Tour auf dem Programm:, der Col de la Bonette und
die Schleife um den Cime de la Bonette. Die Route de la Bonette
verbindet das Tinée- mit dem Ubaye-Tal im Norden. Die Route
war von strategischer Bedeutung, vielfach wurde sie militärisch genutzt.
Vor dem 2. Weltkrieg wurden zur Sicherung der Grenze zum faschistischen Italien
zahlreiche Bunker und Befestigungsanlagen errichtet. Die heutige Straße
wurde in den Jahren 1963 und 1964 ausgebaut, sie ist die höchste Alpenstraße
Frankreichs und führt durch einen Teil des Nationalparks Mercantour.
Bis Pont-Haut auf 1350 m ist die Steigung mit durchschnittlich 5 Prozent eher mäßig. Wir biegen hier nach rechts ab. Jetzt nimmt die Steigung deutlich zu. Nach der Einmündung des Flüßchens Vence in die Tinée liegen die ersten beiden Kehren auf dem Anstieg zum Paß.
Kurz
danach staunen wir nicht schlecht, ein erster Fußgänger überholt
uns im Laufen. Dann folgen jede Menge Läufer mit Begleitfahrzeugen. Es
ist die Tour de France en Courant, die jährlich seit 1986 veranstaltet
wird. Von den verschiedenen Mannschaften muß stets ein Mitglied laufen,
die anderen fahren im Begleitfahrzeug mit. Dann wird gewechselt. Es ist schon
bemerkenswert, wie schnell diese Läufer unterwegs sind. Nach ca. 10 Minuten
haben wir die Straße wieder für uns. Autos und Motorräder sind
glücklicherweise nur wenige unterwegs.
Bis Bousiéyas verläuft die Straße kurvenarm am Fluß entlang. Im Refuge de Bousiéyas, das direkt neben der Straße liegt, wollen wir ein erfrischendes Getränk zu uns nehmen. Das Lokal ist leider geschlossen. Nach kurzer Verschnaufpause fahren wir weiter. Es beginnt ein grandioser Serpentinenanstieg, wir sind jetzt im steilsten Abschnitt dieser Auffahrt. Nach der zweiten Kehre verstellen die Häuser nicht mehr den Blick nach oben, der weitere Streckenverlauf am Hang läßt sich bis in schwindelerregende Höhen erahnen. Nach etwa 6 km erreichen wir in 2250 m Höhe das obere Ende des Hangs. Es bietet sich ein phantastischer Ausblick sowohl zurück ins Tal als auch voraus auf den Paß sowie die noch zurückzulegende Strecke.
Wenn wir schon einmal hier oben sind, müssen wir alle Pässe, die sich in der Umgebung befinden, mitnehmen. Ca. 250 m rechts von der Straße befindet sich auf 2261 m Höhe der unbefestigte Col des Fourches. Ein kurzes Stück können wir noch mit den beladenen Rädern fahren, dann müssen wir schieben. Der Ausblick vom Paß ist nach allen Seiten atemberaubend, insbesondere in den weiten Talkessel von Salso Moreno, nicht weit von der italienischen Grenze entfernt. Ganz in der Nähe des Passes befindet sich ein Bunker, Zeugnis der kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa. Zurück auf der Straße passieren wir das Camp des Fourches, eine Kaserne für die Truppen, die die Befestigungsanlagen nutzen.
Die
Richtung des ursprünglichen Anstieges durchs Tal fortsetzend, windet sich jetzt
die Straße knapp unterhalb des Kammes den Hang entlang. Fast unbemerkt passieren
wir den Col de Raspaillon, auch Col des Granges Communes genannt.
Es sind hierbei auf knapp 7 km Strecke, das Ziel direkt vor Augen, nochmals
400 Höhenmeter zu überwinden, bevor wir nach insgesamt 25 km ab St. Etienne
den Col de la Bonette
erreichen.
Direkt am Col de la Bonette (2715 m) beginnt die etwa 2 km lange Panoramaschleife um den 2860 m hohen Berggipfel Cime de la Bonette. Diese Schleife ist als Einbahnstraße im Gegenuhrzeigersinn zu befahren, d. h. auf der dem bisherigen Anstieg abgewandten Seite des Berges hinauf zum Aussichtspunkt und auf der zuvor sichtbaren Seite zurück zum Paß. Die Weiterfahrt vom Paß zum Aussichtspunkt auf 2802 m ist wesentlich steiler als die gesamte bisherige Strecke. Die Steigung beträgt auf etwa 700 m Länge dauerhaft 10-13 %. Oben angekommen sollte man bei gutem Wetter sich den Blick vom Gipfel nicht entgehen lassen, der zu Fuß in wenigen Minuten zu erreichen ist. Dort wird auf einer Orientierungstafel die Umgebung beschrieben.
Auf diesem höchsten Punkt, begegnen wir weiteren Radlern, darunter auch eine Gruppe Deutscher, die die Route des Grandes Alpes von Norden nach Süden durchfährt. Wir haben diesen Parcours bereits vor einigen Jahren absolviert (siehe Route des Grandes Alpes).
Die Straße verläßt jetzt die karge Paßhöhe, fällt mäßig ab bis zum Abzweig nach rechts zum alten Paß, dem Col de Restefond (2680 m). Die Straße war seit alters von strategischer Bedeutung, Kaiser Napoléon III. ließ sie 1860 ausbauen. Häufig liest man die Bezeichnung "Col de Restefond/la Bonette". Zwischen Col de la Bonette und dem Abzweig zum Col de Restefond verläuft die Trasse, wie bereits erwähnt, relativ flach. Dies gilt nur für die Nordseite. Die Verbindung von le Restefond und dem Col de Raspaillon (2513 m) über den Col de Restefond (2680 m) war die kürzeste Wegstrecke, auf der Südseite war sie aber sehr steil und damit für den motorisierten Verkehr ungeeignet. Mountainbikes könnten diesen Pfad heute noch befahren; es ist jedoch bei Strafe verboten, da der Paß im Naturschutzpark Mercantour liegt. Im übrigen gibt es auch eine "legale" Mountainbikeverbindung über den (falschen) Faux Col de Restefond mit 2656 m Höhe zum Col de la Cayolle. Die Paßhöhe liegt nur unweit der Straße.
Zwischen
dem Col de la Bonette und le Restefond und wimmelt es geradezu
von Bunkern und Geschützstellungen. Die teilweise verfallenen Gebäude der Kaserne
werden zur Zeit restauriert. Sie gehört wie das Camp des Fourches
und den sonstigen Militäranlagen zur Maginot-Linie, die man vor dem Zweiten
Weltkrieg in den 20er und 30er Jahren errichtet hatte, um einen Angriff aus
den faschistischen Nachbarländern Italien und Deutschland abwehren zu können.
Die ersten vier Gebäude der dieser Kaserne wurden bereits zwischen 1901
und 1906 erbaut, 1912 und 1913 wurden weitere sieben Gebäude hinzugefügt.
Ab der Caserne de Restefond fällt die Straße ohne nennenswerte Änderung im Gefälle nach Jausiers ab. Unterhalb der Caserne de Restefond liegt in einer Art Gebirgsmulde in 2.322 m Höhe ein kleiner See, der Lac des Eissaupres. Zwischendurch kann man sich, wenn geöffnet, am Gasthof HALTE2000 eine Erfrischung genehmigen. Nach 23 Kilometern Abfahrt erreichen wir Jausiers.
Jausiers ist der Geburtsort der Arnaud-Brüder, die im 19. Jahrhundert eine Auswanderungswelle nach Mexiko auslösten. Viele Bauten zeugen vom Erfolg der Auswanderer in der Neuen Welt: Neben der Villa Morélia und der Villa Manon fällt besonders das Château des Magnans (an der Route de la Bonette) auf, ein recht exzentrisches Bauwerk im neogotischen Stil, das Anfang des 20. Jahrhunderts von einem Schweizer Architekten realisiert wurde. Die Kirche (18. Jahrhundert) beeindruckt durch ihr schönes geschnitztes Holzportal und das Barockdekor aus dem 17. Jahrhundert, besonders interessant ist der mit Schädel- und Knochenskulpturen geschmückte Totenaltar; ein weiteres reich verziertes Retabel befindet sich hinter dem Hochaltar. Das Tonnengewölbe des einschiffigen Langhauses besteht aus behauenen Tuffsteinblöcken.
Von Jausiers sind es noch 8 Kilometer auf der breiten, gut ausgebauten D900 nach Barcelonnette. Die Straße fällt leicht ab, Gelegenheit für einen Schlußspurt. Das Ziel markiert das Ende einer 59,20 km langen Etappe mit 1617 Höhenmetern.
Auch Barcelonnette ist bekannt für die sogenannten "Villas mexicaines". Viele Auswanderer aus Barcelonnette und Umgebung suchten im 19. Jahrhundert wirtschaftlichen Erfolg in Mexiko, einige kamen zu Reichtum. Nach ihrer Heimkehr nach Barcelonnette erbauten sie sich dort und in anderen Gemeinden des Ubaye-Tals prachtvolle Villen.
Die Entstehung von Barcelonnette geht auf das Jahr 1231 zurück, als der Graf von Barcelona und Provence, Raimond Bérenger, die Bastidenstadt Barcelone gründete (Barcelonnette nannte sie sich erst fünf Jahrhunderte später). Ab 1388 gehörte die Stadt wie das gesamte Ubaye zu Savoyen. Mit dem Frieden von Utrecht im Jahre 1713 fiel Barcelonnette im Tausch gegen einen Teil der Dauphiné an Frankreich, was dem Maréchal de Berwick zu verdanken war, der als Feldherr die strategische Bedeutung des Tals um Barcelonnette erkannt hatte und in diesem Sinne auf Ludwig XIV. einwirkte. Die Stadt hat also eine bewegte Vergangenheit.
Im Grand Hotel, mitten in der Stadt am Place Manual gelegen, finden wir eine Bleibe für die Nacht. Das Hotel verfügt über eine Fahrradgarage, in der wir unsere Räder an die dafür vorgesehenen Haken hängen.
In der Stadt findet gerade das »Festival des enfants du jazz « statt. Bei einem kalten Bier hören wir den Open-Air Jazzdarbietungen zu. Später genießen wir das Dîner im Freien.
6. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 22.07.2005
Bei
strahlendem Sonnenschein verlassen wir Barcelonnette in westlicher Richtung.
Wir überqueren den Fluß Ubaye, dann geht es südlich des
Flusses weiter bis zum Abzweig in Richtung Col d'Allos. Hier werden wir
am Folgetag wieder ankommen. Jetzt beginnt allmählich der Anstieg zum Col
de la Cayolle. In der von uns befahrenen Nord-Süd-Richtung ist der Col
de la Cayolle landschaftlich am schönsten. Hinter Uvernet-Fours kommen
wir in die Gorges du Bachelard. Unten in der Schlucht folgen wir dem
Lauf der Bachelard auf einer teilweise einspurigen mit Ausweichungen
versehenen Straße. Nach 20 km hat man Bayasse erreicht, jetzt führt
die Straße gen Süden.
Die restlichen ca 10 Kilometer bis zur Paßhöhe führen durch Lärchenwälder und ausgedehnte Wiesenmatten und weisen max. 10 % Steigung auf. Vom Paß bietet sich lediglich nach Süden eine lohnende Aussicht über das Tal des Var hinweg. Ein niederländischer Radkollege ist so freundlich und macht ein "Paßfoto" von uns.
Die Abfahrt auf der nunmehr als D2202 bezeichneten Straße ist technisch anspruchsvoll, sie weist einige Serpentinen auf, maximal 10 % steil und an mehreren Stellen sehr wellig. Hinzu kommen noch einige enge und unbeleuchtete Tunnels. In Estenc kehren wir zum Mittagessen ein. Auf der Terrasse des Relais de la Cayolle haben wir vorzüglich gespeist. Das einzig störende ist der teilweise böige Wind, der vom Mittelmeer her weht. Wir müssen alles festhalten, was nicht fest mit dem Tisch verbunden ist. Als wir nach der Mahlzeit wieder die Räder besteigen wollen, werden wir von einem französischen Ehepaar angesprochen. Sie können es nicht begreifen, daß man mit Gepäck diese Bergstraßen befahren kann und insbesondere als Frau. Wir sagen ihnen: "Übung macht den Meister!" Dann starten wir. Noch 14 Kilometer Abfahrt liegen vor uns. Vor Entraunes erwartet uns ein technisch anspruchsvoller Streckenabschnitt. Ab Entraunes wird es merklich flacher, gegen den Wind müssen wir trotz Gefälle noch treten. In St. Martin-d'Entraunes ist die Abfahrt beendet.
Inmitten
des Ortes geht es rechts ab, eine 180° Kehre, zum Col des Champs. Der
Col des Champs (2087 m) verbindet auf seiner 29 km langen Scheitelstrecke
St. Martin-d'Entraunes (1009 m) im Osten mit Colmars (1269 m)
im Westen. Diese schmale Paßstraße ist landschaftlich ein Traum. Bis kurz vor
dem kleinen Ort Chapelle St.-Jean bleibt die Steigung deutlich unter
10 Prozent. Es folgt eine kurze Rampe mit mehr als 10 Prozent. Die von uns befahrene
Ostauffahrt ist inhomogen bezüglich der Steigung, es ist nicht einfach,
seinen Tritt zu finden. Der Verkehr auf dieser Paßstraße ist sehr
gering. Ab St. Martin-d'Entraunes gibt es einige Serpentinen, nach Chapelle
St.- Jean ist es weniger kurvenreich. Etwas später wird es wieder abwechslungsreich,
eine Serie von Kehren sind zu überwinden. Bald ist auch schon die Paßhöhe
zu erahnen. Es folgen noch ein paar Kehren, dann ist der höchste Punkt der Straße
erreicht. Ein letzter Blick zurück auf das Var-Tal, dann sind wir auf
der flachen Paßhöhe.
Laut
Karte ist der Paß 2045 m hoch, das Paßschild zeigt hingegen 2087 m, die
Straße führt etwas oberhalb der eigentlichen Paßhöhe vorbei. Hier oben bietet
nun auch erstmals der Blick nach rechts (also Süden) eine Aussicht, und was
für eine, noch einmal fast 700 m hoch ragen die bizarren Felsen der Frema-Gipfel
empor. Auf der nördliche Seite blinken die Schieferflächen des Adroit
des Muletiers in der Abendsonne. Die Paßhöhe ist eine sehr schöne
und weitläufige Almlandschaft, die umliegenden Berge sind dagegen sehr schroff
und steil.
Es ist bereits deutlich nach 18 Uhr, es folgt eine eindringliche Bitte an unseren Vielfotografen, die Abfahrt zügig anzugehen. Wir haben in Colmars kein Hotelzimmer vorgebucht. Es ist Freitagabend, folglich sind am Beginn des Wochenendes deutlich mehr Menschen unterwegs und belegen die Hotelzimmer. Wir sollten nicht allzu spät in Colmars ankommen, insbesondere auch wegen des Abendessens, es ist ja bekannt, wie begrenzt die Essenszeiten in Restaurants in der französischen Provinz sind. Die Bitten um beschleunigte Abfahrt finden kaum Gehör: "Wer weiß, wann ich noch einmal hierher kommen werde?"
Die
Abfahrt ist ein Traum, insbesondere die ersten Kilometer bieten ungeahnte Ausblicke.
Danach tauchen wir in einen dichten Nadelwald ein, es wird hierdurch schon etwas
dunkel. Die dunklen Brillengläser müssen gegen neutrale gewechselt
werden. Mehrfach warten wir auf unseren Vielfotografen. Kurz vor 20 Uhr erreichen
wir Colmars.
Der kleine Stadt Colmars, von einer Stadtmauer umschlossen und von zwei Forts bewacht, hat nur 300 Einwohnern und liegt in 1250 m Höhe in einer wunderschönen Gebirgs- und Waldlandschaft am Westrand des Nationalparks Mercantour. Der Name des Ortes geht auf einen dem römischen Kriegsgott Mars geweihten Tempel auf einer Anhöhe (collis Martis) zurück. Am Fuß der Anhöhe entwickelte sich die befestigte Stadt, der im 14. Jahrhundert - nach der Annexion des Oberlaufs des Verdon durch Savoyen - als Grenzstadt große strategische Bedeutung zufiel. Zu dieser Zeit hatte Colmars auch unter den Schandtaten des Vicomte de Turenne zu leiden (Pas heureux comme les Vicomtains?), der zehn Jahre lang Angst und Schrecken in der Gegend verbreitete. (Anm.: Turenne liegt im Département Corrèze an der Grenze zum Périgord, siehe auch »Durch das Gebiet der Herren von Turenne«).
1528 ließ Franz I. die Befestigungsmauern verstärken. So entstand die von Vierecktürmen flankierte Stadtmauer. Als 1690 der Krieg zwischen Frankreich und Savoyen ausbrach, wurde Colmars erfolglos belagert. Um vor weiteren Bedrohungen sicher zu sein, betraute man Vauban, den Festungsbaumeister Ludwigs XIV., mit der Verbesserung der Befestigungen. Vauban errichtete die beiden Forts, die über Grabenwehre mit der Stadt verbunden wurden, und ließ die Stadttore ausbauen.
Wir haben eine Unterkunft gefunden, obwohl wir sehr spät dran sind. Ein Abendessen gibt es auch. Nach 79.5 Kilometern und und 2181 Höhenmetern können wir die Fahrräder in die Garage stellen.
7. Tag (Tabelle) (Seitenanfang) 23 .07.2005
Das Wetter ist gut, der Wind hat sich wieder gelegt. Wir verlassen Colmars durch das Vernon-Tal in Richtung Norden. Der erste Streckenabschnitt ist relativ flach. Der Col d'Allos ist eine Alternativroute zum parallel gelegenen Col de la Cayolle, über den wir am Vortag hergekommen sind. Jetzt geht es zurück nach Barcelonnette.
Die
Südseite zum Col d'Allos ist relativ unspektakulär. Nach La
Foux d'Allos beginnt der erste steilere Abschnitt mit einigen Serpentinen.
Nach sieben Kilometern ist die Paßhöhe des Col d'Allos erreicht. Die
Nordseite des Passes ist phantastisch, die Straße klebt nahezu an einer senkrechten
Felswand. Man kann nach einigen Kilometern im Osten die Straße zum Col de
la Cayolle erkennen, sie liegt weit unterhalb.
Wir passieren Barcelonnette und Jausiers und folgen dem Ubaye-Tal aufwärts bis Fort de la-Roche-Croix. Nach links geht es jetzt in Richtung St. Paul. Bis dorthin hält sich die Steigung in Grenzen. Dann wird es aber heftig. Gewitterwolken drohen, südlich von uns wird der Himmel dunkelblau bis schwarz. Wir bleiben, bis auf ein paar Spritzer, von der Dusche von oben verschont.
Nach dem Paßbier auf dem Col de Vars - drei kleine Dosen - haben wir die gleiche Diskussion wie vortags, die Abfahrt sollte zügig erfolgen. Das Zimmer in Guillestre ist zwar reserviert, insofern müssen wir uns keine Sorgen machen, der Tisch für das Abendessen ist für 20 Uhr vorbestellt, d.h. um diese Uhrzeit müssen wir auch da sein.Unseren Vielfotografen stört das nur wenig bei der Abfahrt. Für mehrere Dutzend Fotos reißt er das gesteckte Zeitziel.
Dusche und Umkleide im Galopp. So können wir unseren reservierten Tisch retten.
Auf der Rückfahrt im Auto passieren wir den Col du Galibier (den kennen wir bereits kennen) und den Col du Mont Cenis (zur Inspektion, neu für uns ) und fahren zurück nach München.
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| Stand: 16. März 2012 |
Copyright©: Hubert Becker,
2005
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