Radtour in Südfrankreich

Das Team

Übersichtskarte Frankreich

Übersichtskarte der Tour

Eine abwechslungsreiche Radtour durch das zentrale Südfrankreich über insgesamt 630 km, 7 Tagesetappen zwischen 72 und 120 Kilometer.
1. Tag          2. Tag          3. Tag          4. Tag          5. Tag          6. Tag         7. Tag

Streckenabschnitt

Meeres-
höhe

Entfernung
[km]

Tages-
strecke
[km]

Gesamt-
strecke
[km]

Pont St Esprit - St. Just (N86)
St. Just (N86) - St. Martin d'Ardèche
St. Martin d'Ardèche - Le Grand Bevédère
Le Grand Bevédère - Grotte de la Madeleine
Grotte de la Madeleine - Chames
Chames - Pont d'Arc
Pont d'Arc - Vallon Pont d'Arc
Vallon Pont d'Arc - La Ramade
La Ramade - les Tessiers
les Tessiers - Chandolas
Chandolas - La Rouveyrolle
La Rouveyrolle - carrefour D252/D901
carrefour D252/D901 - les Vans
(1. Tagesetappe)

46
60
70
196
268
98
110
111
116
114
127
118
230

6,0
4,0
7,2
9,4
14,6
1,2
5,0
7,1
4,9
4,7
4,0
5,3
5,1

6,0
10,0
17,2
26,6
41,2
42,4
47,4
54,5
59,4
64,1
68,3
73,6
78,7

6,0
10,0
17,2
26,6
41,2
42,4
47,4
54,5
59,4
64,1
68,3
73,6
78,7

les Vans - Folcheran
Folcheran - Departementsgrenze
Departementsgrenze - Col du Mas de l'Ayre (FR-30-0846)
Col du Mas de l'Ayre - Villefort
Villefort - Lac de Villefort
Lac de Villefort - Castanet
Castanet - Château du Champs
Château du Champs - Villes-Hautes
Villes-Hautes - Col des Tribes (FR-48-1131 )
Col des Tribes - le Bleymard
le Bleymard - Bagnols-les-Bains
Bagnols-les-Bains - Ste. Hélène
Ste. Hélène - Col de la Tourette (FR-48-0844)
Col de la Tourette - Badaroux
Badaroux - Mende
(2. Tagesetappe)

180
421
720
846
640
609
616
760
936
1131
1069
919
840
844
802

6,2
9,0
5,0
8,2
1,5
3,5
7,7
8,8
4,5
2,6
9,4
6,2
4,3
3,1
6,1

6,2
15,2
20,2
28,4
29,9
33,4
41,1
49,9
54,4
57,0
66,4
72,6
76,9
80,0
86,2

84,9
93,9
98,9
107,1
108,6
112,1
119,8
128,6
133,1
135,7
145,1
151,3
155,6
158,7
164,8

Mende - Balsièges
Balsièges - Barjac
Barjac - Romardiès
Romardiès - La Mothe
La Mothe - St. Laurent d'Olt
St. Laurent d'Olt - La Galinière
La Galinière - La Resse
La Resse - St.-Saturnin-de-Lenne
St.-Saturnin-de-Lenne - St.-Martin-de-Lenne
St.-Martin-de-Lenne - Coussergues
Coussergues - Palmas
Palmas - Laissac
Laissac - Abzw. Montrozier
Abzw. Montrozier - Canabols
Canabols - Rodez
(3. Tagesetappe)

734
680
660
640
536
521
500
490
636
614
590
577
591
570
560

6,7
6,2
6,8
14,2
9,0
1,5
0,7
7,6
5,5
8,6
4,5
2,6
7,9
8,5
9,3

6,7
12,9
19,7
33,9
42,9
44,4
45,1
52,7
58,2
66,8
71,3
73,9
81,8
90,3
99,6

171,5
177,7
184,5
198,7
207,7
209,2
209,9
217,5
223,0
231,6
236,1
238,7
246,6
255,1
264,4

Rodez - Flavin
Flavin - Le-Pont-de-la-Capelle-Viaur
Le-Pont-de-la-Capelle-Viaur - Carbasse
Carbasse - Arvieu
Arvieu - Moncouzac
Moncouzac - Villefranche-de-Panat
Villefranche-de-Panat - la Besse
la Besse - D510 - Réservoir de St. Aman
Réservoir de St. Aman - Costecalde
Costecalde - Ayssenes
Ayssenes - Brücke über den Tarn (bei Verdalle)
Brücke -
- Pinet
Pinet -
         - La Nauq
La Nauq - Brücke (nach St. Rome du Tarn)
Brücke - Candas
Candas - Comprénac
Comprénac - Peyre
Peyre - Millau
(4. Tagesetappe)

625
648
567
781
710
825
718
762
735
729
375
296
390
325
470
321
353
381
357
357

9,6
5,6
3,5
8,5
6,9
9,6
1,0
4,3
0,5
5,4
1,8
1,6
1,9
3,4
3,5
3,9
5,9
4,4
5,0
8,6

9,6
15,2
18,7
27,2
34,1
43,7
44,7
49,0
49,5
54,9
56,7
58,3
60,2
63,6
67,1
71,0
76,9
81,3
86,3
94,9

274,0
279,6
283,1
291,6
298,5
308,1
309,1
313,4
313,9
319,3
321,1
322,7
324,6
328,0
331,5
335,4
341,3
345,7
350,7
359,3

Millau - Paulhe
Paulhe - la Cresse
la Cresse - le Rozier
le Rozier - les Vignes
les Vignes - la Malène
la Malène -Ste. Enimie
Ste. Enimie - Ispagnac
Ispagnac - Florac
(5. Tagesetappe)

365
380
413
408
410
440
462
523

7,7
4,0
9,4
10,8
11,5
13,2
17,5
9,4

7,7
11,7
21,1
31,9
43,4
56,6
74,1
83,5

367,0
371,0
380,4
391,2
402,7
415,9
433,4
442,8

Florac - le Mazel
le Mazel - St.-Laurent-de-Trèves
St.-Laurent-de-Trèves - Col du Rey (FR-48-0987)
Col du Rey - Col des Faïsses (FR-48-1018)
Col des Faïsses - Col de Solpérière
(FR-48-1010)
Col de Salpérière - L'Hospitalet
L'Hospitalet - La Borie
La Borie  - le Pompidou
le Pompidou - Malatavern
Malatavern - Le Castanier
Le Castanier - St.-Roman-de-Tousque
St.-Roman-de-Tousque - Col de l'Exil (FR-48-0705)
Col de l'Exil - Le Vernet
 Le Vernet
 - Col de St. Pierre (FR-30-0596 )
Col de St. Pierre - Les Deux Chemin
Les Deux Chemins - St. Jean-du-Gard
St. Jean-du-Gard - Pont de Salinde
Pont de Salinde - Anduze
(6. Tagesetappe)

540
626
841
987
1018
1010
1042
1014
768
830
788
618
705
650
597
203
191
151

5,3
4,0
2,1
1,5
1,2
1,4
3,8
3,1
1,8
6,5
4,3
1,6
3,1
3,1
7,2
2,6
6,6
7,6

5,3
9,3
11,4
12,9
14,1
15,5
19,3
22,4
24,2
30,7
35,0
36,6
39,7
42,8
50,0
57,6
64,2
71,8

448,1
452,1
454,2
455,7
456,9
458,3
462,1
465,2
467,0
473,5
477,8
479,4
482,5
485,6
492,8
495,4
502,0
509,6

Anduze - la Madeleine
la Madeleine - Lézan
Lézan - St. Jean-de-Serres
St. Jean-de-Serres - Lédignan
Lédignan - Les Baraquettes
Les Baraquettes - Nozières
Nozières - Moussac
Moussac - St. Chaptes
St. Chaptes - Ste. Anastasie
Ste. Anastasie - Sanilhac
Sanilhac - Collias
Collias - Pont du Gard
Pont du Gard - Remoulins
Remoulins - Rochefort-du-Gard
Rochefort-du-Gard - Roquemaure
Roquemaure - Caderousse
Caderousse - St. Étienne-des-Sorts
St. Étienne-des-Sorts - St. Georges
St. Georges - Pont St. Esprit
(7. Tagesetappe)

131
128
129
125
155
128
93
87
74
119
125
110
30
27
109
109
28
25
30
35

3,3
4,7
3,1
3,1
4,1
5,9
4,1
4,9
8,3
6,5
4,7
9,6
1,3
11,9
12,7
7,8
15,9
4,3
6,5

3,3
8,0
11,1
14,2
18,3
24,2
28,3
33,2
41,5
48,0
52,7
59,5
62,5
74,5
86,5
93,5
108,5
112,5
119,5

512,9
517,6
520,7
523,8
527,9
533,8
537,9
542,8
551,1
557,6
562,3
571,9
573,2
585,1
597,8
605,6
621,5
625,8
632,3

Beschreibung der Tour

Die Radtour wurde vom 30. Mai 1999 bis 5. Juni 1999 bei durchwegs guter und warmer Witterung durchgeführt, vor zwei nachmittäglichen Sommergewittern unterwegs fanden wir Unterschlupf.

Teilnehmer:

Hubert Becker
Uschi Becker
Monika Blaimer
Kurt Hasselmayer

Allgemeine Hinweise

Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäck sollte sich nach dem Stauraum und des Tragevermögens jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.

Anreise

Die ca. 1000 Kilometer lange Anreise von München nach Pont St. Esprit erfolgt mit dem Pkw, da sich eine Bahnfahrt mit Fahrrädern von Deutschland nach Frankreich praktisch nicht durchführen läßt. Im Gegensatz zu den 80er Jahren ist die Mitnahme von Fahrrädern im grenzüberschreitenden Bahnverkehr derzeit so gut wie unmöglich. Lediglich in nachgeordneten Zuggattungen ist die Mitnahme von Fahrrädern erlaubt.

Grundsätzlich bieten sich zwei Varianten für die Anreise an:

Bei der Ausfahrt Bollène verlassen wir die Autobahn und orientieren uns in Richtung auf das 10 km entfernte Pont St. Esprit.

Der Ort Pont St. Esprit verdankt seine Existenz der berühmten Brücke über den Rhône (erbaut 1265 bis 1309). Die Brücke ist ca. 1000 m, sie besitzt 25 Bögen, von denen 19 alt sind. An beiden Enden besitzt sie Befestigungsanlagen. Von der Brücke hat man einen hübschen Blick auf Pont-St-Ésprit.

Eine Fußgängerzone reicht von der Rue des Minimes in der Nähe der Rhônebrücke bis zu Rue St-Jacques im Süden des Ortskerns. Von der «Terrasse» am Place St-Pierre genießt man eine gute Aussicht auf die Brücke. Nördlich der Brücke sind die Reste einer Zitadelle zu sehen. Leider verfällt der Ortskern von Pont St. Esprit zusehens. Eine ausdrückliche Hotelempfehlung in Pont St. Esprit gibt es nicht.

Die Regionen

Das Gebiet, durch das die Fahrradtour führt, wird im Osten durch die Rhône begrenzt. Im Norden bieten die Flüsse Lot und Aveyron einen natürlichen Weg durch das Gebirge des Zentralmassivs und durch die Hochebenen (Causses). Der westlichste Punkt auf der Fahrt ist Rodez, die alte Hauptstadt des Rouergues. Der Rückweg nach Osten folgt im wesentlichen den Flußläufen des Tarn und des Gardon (Gard).

Frankreich ist in 23 geographische Regionen aufgeteilt, drei hiervon werden wir durchfahren:

Unter den vorstehenden Links werden weiterführende Informationen zu den einzelnen Departements angeboten.


1. Tag          (Tabelle)           (Seitenanfang)         30.05.1999

Höhenplan 1. Tag

Wo soll's denn hingehen? Wir verlassen Pont-St.Esprit auf der N66 in Richtung Norden. Nach 6 Kilometern, in St. Just, können wir die an einem Sonntag nicht so stark frequentierte Nationalstraße verlassen und biegen nach links in die kleine D290 ein. Dieser folgen wir bis Vallon Pont d'Arc. Bis wir aber dort angelangen, fahren wir durch eine außergewöhnliche Landschaft: die Ardèche-Schlucht oder «Gorge de l'Ardèche». Um genauer zu sein, wir fahren nicht unten am Wasser entlang - hier gibt es keinen durchgehend befahrbaren Weg - vielmehr führt die Straße an der nördlichen Abbruchkante der Schlucht entlang und führt von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt.

Kurz hinter St. Martin-d'Ardèche, das wir nach weiteren 4 Kilometern links liegen lassen, beginnt der landschaftlich äußerst interessante Abschnitt. Der Fluß schlängelt sich auf 30 km in zahlreichen Mäandern, unterbrochen durch einige Stromschnellen, durch den bis zu 400 m hohen Gebirgszug. Die Höhe der aufragenden Felsen beträgt bis zu 300 m.

Gorges de l'Ardèche Belvédère du Ranc-Pointu heißt erste Aussichtspunkt, den wir nach einem Aufstieg von ca. 120 Höhenmetern erreichen. Hier haben wir bei tiefblauem Himmel eine hervorragende Aussicht über die letzte Flußschleife der Ardèche, bevor diese in die Rhône mündet.

Die Grotte de St-Marcel, 4 km weiter, wurde 1938 durch einen Jäger entdeckt. Sie kann von 10-18 Uhr besichtigt werden, Dauer ca. 1 Stunde. Natürlich fehlt hierbei das in Frankreich so beliebte Spektakel «son et lumière» nicht. Wir fahren trotz der Kühle der Grotte, die an diesem heißen Tag eine willkommene Abkühlung brächte, vorbei und begeben uns auf den nächsten Kilometern auf eine schweißtreibende Berg- und Talfahrt. Ein Hinweisschild auf eine Hexenbegegnungstätte (oder so etwas ähnliches)  läßt einen ketzerischen Spruch (Wo ist Gaby?) und angesichts der Kühle des Besenfluges Neid aufkommen.

Jetzt entfernen wir uns für einige Kilometer etwas von der Abbruchkante, der nächste Höhepunkt heißt Belvédère de la La Haute Corniche. Es folgt ein Aussichtspunkt auf den anderen. Einige Kilometer weiter kommen wir an der Grotte de la Madeleine mit gleichnamigem Belvédère vorbei. Auch hier wird wieder «son et lumière» angeboten.

Es folgt noch eine Reihe weiterer "Balkone", von denen die bekanntesten nachfolgend aufgeführt sind: Belvédère de Gournier, Belvédère d'Autridge, Belvédère de Gand, Belvédère du Serre de Tourre.

Nun lassen wir es hinunterlaufen zum Fluß. Ein nichts Gutes verheißendes Geräusch von Kurts Hinterrad zwingt uns zum Halt. Eine Speiche hat die höhere Geschwindigkeit in der Mittagshitze nicht vertragen. Routiniert ist die Speiche in 20 Minuten gewechselt. Es sollte nicht die letzte sein.

Pont d'ArcVor uns liegt der Pont-d'Arc, eine natürliche Brücke über die Ardèche. Der Fluß hat sich hier seinen Weg mit einer Öffnung von 34 m Höhe und 59 m Breite durch den Felsen gebahnt. Als Restaurant bietet sich die Auberge du Pont d'Arc an, mit Blick auf den Pont d'Arc. Es bieten sich aber auch noch eine Reihe anderer Gelegenheiten zum Essen an.

Bei der Weiterfahrt nach Vallon Pont d'Arc passieren wir die Ruinen des alten Vallon. Sehenswert sind in Vallon Pont d'Arc die Tapisserien im Rathaus aus dem 17. Jahrhundert, die in bemerkenswert frischen Farben Episoden aus dem biblischen Jerusalem wiedergeben. Die Gegend war früher ein Zentrum der Seidenraupenzucht. In der Umgebung bei Les Mazes ist heute die Zuchtfarm Magnanerie zu besichtigen. Wir ziehen es jedoch vor, erneut eine Speiche zu wechseln, offensichtlich war diese zuvor in Mitleidenschaft gezogen worden.

Auf der D 579 fahren wir weiter bis kurz vor Bevennes und biegen nach links in die D111 ein. Bei Sampzon überqueren wir die Ardèche und gelangen zur alten Bastide de Sampzon. Der Ort liegt auf einem Felsen ca. 200 m über dem Fluß. Von hier genießt man einen herrlichen Rundblick über das gesamte Tal.

Nun verlassen wir die Ardèche und folgen dem Flüßchen Chassezac, eine Flachetappe bis La-Croisée-de-Jalès. In Berrias genehmigen wir uns noch eine Erfrischung. Auf der D202 und später auf der D901 durch den Bois de Païolive erreichen wir les Vans.

Die Gegend um les Vans vereinigt kontrastreich die Sonne des Midi mit den Bergen der Cevennen, die hier bis zu 1000 m hoch sind. Die verschiedensten Gesteinsarten finden sich hier: brauner Schiefer, heller Kalkstein, Buntsandstein und Granit. Der Mensch hat seine Dörfer und Häuser liebevoll in das Landschaftsbild eingepaßt.

Windgeschützt liegt les Vans am Fuß Serre de Barre. Die Stadt hat mit seinen hellen Häusern alles zum Bezaubern der Besucher. Der zentrale Place Ollier mit seinen Straßencafés ist ein geeigneter Ausgangspunkt zu einem Bummel durch die Stadt.

Relaxen am PoolIn der Stadt tobten Reformation und Gegenreformation in der für die Gegend besonderen Heftigkeit. Ab 1517 eroberte die Reformation les Vans; die Bewohner konvertierten 1563 zum Protestantismus unter der Führung von Claude de Roure. Die Kirche wurde zerstört und durch ein evangelisches Gotteshaus ersetzt. Nach der Einnahme von Privas durch Ludwig XIII im Jahr 1629 feierte man im gleichen Haus wieder katholische Messen. Schließlich wurde 1664 das Gebäude zerstört und unter Claude de Roure, einem Neffe des zuvor genannten, durch eine neue Kirche ersetzt.

Aux Vans gibt es zwei empfehlenswerte Hotels, das «Carmel», ein ehemaliges Kloster in zentraler Lage und das «Mas de l'Espaïre», 5 km südöstlich vor dem Ort, an der D901. Mas de l'Espaïre ist so ruhig gelegen, daß sogar die nächtlichen Vögel das Schlafbefinden stören können. Eine Vorbuchung wird für beide Hotels empfohlen.

Obwohl wir Unterkünfte im Ortszentrum vorziehen, sind wir vom Mas de l'Espaïre sehr angetan und genießen die Annehmlichkeiten des Hauses: nach ein paar Bahnen in Swimmingpool ruhen wir noch ein wenig in der warmen Abendsonne. Das Abendessen auf der Terrasse genießen wir richtig.


2. Tag         (Tabelle)       (Seitenanfang)         31.05.1999

Höhenplan 2. Tag

Heute geht's zum ersten Mal auf dieser Tour richtig in die Berge. Das Wetter ist bedeckt, so daß uns der Zwei-Fronten-Krieg gegen Berge und Sonne erspart bleibt. Zunächst müssen wir noch die letzten 5 Kilometer der Vortagesetappe bis les Vans hinter uns bringen. Mit Ausblick auf die Gorges de Chassezac lassen wir es in Ort hinunterlaufen. Der Vorschlag ein Lied anzustimmen - es stehen zur Auswahl: «Alle Speichen sind noch da...» oder «Zehn kleine Speichen» - kommt nicht gut an. Die Strafe für den frechen Joke folgt unverzüglich. Eine kleine Reißzwecke durchsticht den Hinterreifen, Sabotage? Der Schlauch ist rasch geflickt.

Im Ort werden noch Getränke eingekauft. Den Proviant für das Pique-nique wollen wir erst in Villefort besorgen, um das zusätzliche Gewicht nicht über die Berge fahren zu müssen.

Wir verlassen les Vans auf der D901 in Richtung Villefort. Links über uns sehen wir Naves, ein kleines Dorf, das seinen mittelalterlichen Charakter weitestgehend bewahrt hat. Die Straße windet sich beständig nach oben, wir kommen ganz schön ins Schwitzen. Am Col du Mas de l'Ayre, den wir nach 16 Kilometern erreichen, sind wir auf einer von Höhe von 846 m. ü. NN angelangt. Auf den nächsten 7 Kilometern hinab nach Villefort können wir uns vom Anstieg erholen.

Der am Ausgang des Phalère-Tals gelegene Marktflecken Villefort bietet Wassersportmöglichkeiten auf seinem See und ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen oder Fahrten in die Cevennen, ins Bas Vivarais und zum Mont Lozère. Wir haben Glück, als wir um 12.30 ankommen, will der Lebensmittelhändler gerade seinen Laden schließen. Hastig kaufen wir ein: Hühnchenschenkel, Pastete, Käse, Tomaten, nur Baguette bekommen wir keines. Auch die beiden Bäckereien, an denen wir noch vorbeiradeln, haben schon geschlossen.

Château de ChampBis zum Stausee geht es noch ein bißchen bergauf, dann überqueren wir diesen auf einer 400 m langen Brücke. Am nördlichen Ufer fahren wir weiter bis Castanet, links liegt das gleichnamige Schloß, das auf einer Halbinsel am Seeufer steht. Es wird von drei auf der Höhe des Dachs gekappten Rundtürmen flankiert. Das 1578 aus Granit erbaute Renaissanceschloß weist noch zahlreiche Merkmale der mittelalterlichen Burgen auf. Im Inneren ist der Renaissancestil an den Kaminen und den im französischen Stil gestalteten Decken zu erkennen. Im letzten Stock mit dem schönen Dachstuhl befinden sich zwei Ausstellungsräume, die zeitgenössischen Künstlern gewidmet sind.

Nach einigen Kilometern erreichen wir die einstige Festung Altier. Unterhalb der Straße sieht man rechts die Türme des Château de Champ. Die Landschaft wird wilder und kahler. Auf einem umgestürzten Baumstamm lassen wir uns zum Pique-nique nieder.

Am Col des TribesDie Straße windet sich im spärlich bewaldeten Tal des Flüßchens Altier hoch zum Col des Tribes (1131 ü. NN). Jetzt ist der anstrengenste Teil unser heutigen  Etappe geschafft. Der erste "größere" Ort nach der Paßhöhe ist Le Bleymard (1069 m ü. NN). Dieser liegt am Lot, der wenige Kilometer oberhalb in den Bergen entspringt. In einer kleinen Bar am Straßenrand genehmigen wir uns ein Bierchen, um den faden Geschmack unseres Gebräus in den Fahrradflaschen wegzuspülen.

In flotter Fahrt geht es weiter. Das Tal verengt sich jetzt. Die Ruine des Château du Tournel erhebt sich stolz auf einem Höhenrücken, den wir in einem Tunnel durchqueren. Einige Kilometer weiter liegt das Heilbad Bagnols les Bains (912 m ü. NN). Die vier Thermalquellen von Bagnols wurden bereits von den Römern gefaßt. So soll das achteckige Becken, in dem ihr Wasser zusammenfließt, noch aus dieser Zeit stammen. Über St. Hélène und Badaroux erreichen wir unser Tagesziel Mende.

Mende ist mit ca. 11 000 Einwohnern der Hauptort und die Hauptstadt des Lozère, das am dünnsten besiedelte Departement Frankreichs (78000 Einwohner). Innerhalb seines Boulevardrings sieht Mende aus wie ein ländlicher Marktflecken. Die große und eindrucksvolle Kathedrale dominiert die Stadt. Die schmalen, gewundenen Gassen sind mit alten, teilweise sehenswerten Häusern gesäumt. Der Sitz der Préfecture hat in den letzten Jahren zu einer gewissen wirtschaftlichen Entwicklung von Mende geführt.

Die Ursprünge von Mende gehen bis auf die Römerzeit zurück, es standen bereits einige schöne Villen am rechten Ufer des Lot. Im 3. Jh. flüchtete der Missionar St. Privat vor den Barbaren in eine Höhle am Mont Mimat nahe der Stadt. Er wurde jedoch gefangengenommen und getötet. Die Höhle und die Krypta, in der man ihn begraben hatte, wurden zur vielbesuchten Wallfahrtsstätte, um die sich im Laufe der Zeit die Stadt entwickelte.

In der Weihnachtsnacht des Jahres 1579, als alle Einwohner in der Christmette versammelt waren, griff Kapitän Merle, ein fanatischer Hugenotte, den Ort an und eroberte ihn. Eine Rückerorberung durch die Katholiken mißlang wenig später, doch durch einen Komplott in den eigenen Reihen wurde er in einer Abwesenheit entmachtet. Merle eroberte Mende jedoch wieder zurück und wurde von Heinrich IV. zum Gouverneur der Stadt ernannt.

Die im 14. Jahrhundert erbaute Kathedrale hatte mehrere Vorgängerbauten, die Glockentürme stammen aus dem frühen 16. Jahrhundert. Die Westfassade mit ihrer Vorhalle aus dem Jahr 1900 wird von den zwei Glockentürmen eingerahmt. Der linke «Glockenturm des Bischofs» (Clocher de l'Évêque) weist im deutlichen Kontrast zum «Glockenturm der Kanoniker (Clocher des Chanoines) oben eine Säulenreihe auf, die der italienischen Renaissance nachempfunden. Man betritt die dreischiffige Kathedrale durch die Seitenportale. Beiderseits des Hauptaltars stehen große, aus Holz geschnitzte Kandelaber aus dem 16. Jahrhundert. Die Schnitzereien des Chorgestühls beiderseits des Bischofsstuhls stammen aus dem späten 17. Jahrhundert. In einer Seitenkapelle in der Nähe der Sakristei steht die im 11. Jahrhundert geschaffene Schwarze Madonna, die angeblich von den Kreuzfahrern aus dem Orient mitgebracht wurde. Unter dem Langhaus befinden sich das Grab und die Krypta des hl. Privat. Mit der 20 Tonnen schweren sog. "Non Pareille" besaß Mende einstmals die größte Glocke der Christenheit, sie wurde jedoch 1579 von den Gefolgsleuten Merles zerstört. Heute ist nur noch der riesige, 2.15 m hohe Klöppel erhalten.

Die Pont Notre-Dame aus dem 13. Jahrhundert konnte wegen ihres großen Hauptbogens den häufigen Hochwassern des Lot standhalten.

Unser Hotel liegt am Boulevardring, es vermittelt den sterilen Einheitscharme einer amerikanischen Provinz-Hotelkette, ansonsten ist es o.k. Nach dem Duschen besichtigen wir die Kathedrale. Sonst gibt es nicht viel zu sehen. Das Abendessen ist gut und reichlich, offensichtlich wurden die Portionen angesichts der wenigen Gäste (7 !) vergrößert.


3. Tag        (Tabelle)        (Seitenanfang)         01.06.1999

Höhenplan 3. Tag

Die Sonne scheint bereits früh ins Hotelzimmer, keine Wolke ist am Himmel auszumachen. Nach dem Frühstück kaufen wir noch Wasser und fahren los. Angesichts der Hitze wollen wir zum Mittagessen einkehren.

Heute haben wir mit ca. 100 Kilometern die zweitlängste Etappe zu bewältigen, die Höhenmeter halten sich in erträgliche Grenzen. Auf den ersten 51 km folgen wir dem Flußlauf des Lot. Bis La Mothe fahren wir größtenteils auf der N88, in Teilabschnitten können wir auf kleinere Straßen und Wege ausweichen. Der Verkehr hält sich erstaunlicherweise in Grenzen.

Über dem Dorf Balsièges erheben sich im Süden die schroffen Felswände hinauf zum Causse de Sauveterre. Einer der hiesigen Kalkfelsen hat wegen seiner Form den Beinamen «Lion de Balsiège» erhalten. Über Barjac und Chanac geht es weiter, immer leicht bergab bis La Mothe in der Nähe von la Canourgue. Wir biegen nach rechts in die D988 ab und fahren unter der neu erbauten Autobahn A75 durch. Nach gut acht Kilometern gelangen wir nach St. Laurent-d'Olt. Der kleine Ort liegt auf einem Felsrücken in einer Flußschleife. Der kurze Anstieg hinauf nach St. Laurent hat eine Steigung von ca. 20 %. Von der Terrasse des Restaurants bietet sich ein hervorragender Überblick über das Lot-Tal. Wir ziehen es angesichts der Außentemperatur vor, drinnen zu speisen.

Nach einiger Zeit erscheint eine junge Frau in Jeans-Latzhose. Sie bejaht unsere Frage, ob es etwas zu essen gebe. Nach ein paar Minuten kommt sie wieder und deckt einen Tisch. Wenig später bringt sie je eine Karaffe Wein und Wasser sowie Brot. Dann beginnt das Menu: Crudité, Assiette de Charcuterie, Fois de Porc, Fromage, Flan, Café; alles für 59 FF (Wein und Café separat).

Überschwemmung im BushäuschenHinter St. Laurent-d'Olt verlassen wir das Lot-Tal und fahren hinauf auf den Causse de Sévérac. Nach einem Kilometer legen wir uns erst einmal unter einem schattigen Baum ins Gras. Gegen 14.30 Uhr brechen wir wieder auf. In Coussergues wird an einer Bar einer kurzer Stop eingelegt. Es beginnt zu donnern, bald darauf regnet es leicht. Unter einem bedrohlichen Himmel  radeln wir weiter. Vorsorglich ziehen wir die Regenjacken an. In Palmas überqueren wir den Aveyron und in Laissac hat uns die N88 wieder. Der Regen wird stärker. In Bartholène können wir uns vor dem Gewitterguß gerade noch in ein Bushäuschen retten. Nach ein paar Minuten muß wir auf die Bänke steigen, das Wasser steigt unaufhörlich im Bushäuschen. Eine Viertelstunde später ist der ärgste Regen vorbei. Wie trockenen Fußes aus dem Bushäuschen kommen? Vorsichtig auf der Hacke in die Fluten, und dann einen großen Satz in Freie. Wir ziehen uns die wasserdichten Überschuhe an. Auf den nächsten Kilometern schleudert uns jedes überholende Fahrzeug eine nasse Ladung entgegen, besonders unangenehm sind die Lkw. Kurz vor Rodez sind die Straßen wieder weitgehend abgetrocknet.

Rodez, die alte Hauptstadt der Rouergue, liegt stolz auf einem Hügel 120 m hoch über dem Bett des Aveyron. Die urwüchsige Altstadt läßt sich auf einem Rundgang von der Place des Armes aus bequem entdecken. Das mittelalterliche Rodez stand im Zeichen der Rivalität zwischen den Grafen der Rouergue, die den Bourg beherrschten, und den Bischöfen, denen die Cité untertan war. Diese beiden aneinander angrenzenden Viertel waren durch hohe Befestigungsanlagen voneinander getrennt, und ihre Rivalität führte mehrere Jahrhunderte lang zu fast unaufhörlichen Kämpfen zwischen ihren Einwohnern. Zwei kleine Plätze inmitten gewundener Gäßchen tragen heute noch diese beiden Namen. Als Heinrich IV französischer König wurde, vereinigte er die Grafschaft Rodez mit der Krone; die Bischöfe nutzten diese Gelegenheit und integrierten die Grafenkrone in ihr Wappen.

Um die Kathedrale erstreckt sich das alte Stadtviertel «Cité», das einst das Territorium der Bischöfe war. Es hat einige alte Häuser und Stadtpaläste aufzuweisen. Vom Hof des bischöflichen Palastes an der Nordseite der Kathedrale bietet sich der schönste Blick auf den Glockenturm. Nördlich des bischöflichen Palais stehen die beiden Türme Tour Corbières und Tour Raynalde, die zusammen mit 28 anderen ehemals die Stadtmauer befestigten.

Die Maisons d'Armagnac, de l'Annonciation, Benoît und Molinier stehen an und rund um die Place du Bourg. Eine bedeutende prähistorische Sammlung, der Kunstwerke aus dem Mittelalter angeschlossen sind, befindet sich im Musée Fenaille inmitten des Altstadtkerns, ein Museum moderner Kunst ist ebenfalls vorhanden. Die den Kern elliptisch umkreisenden Boulevards gewähren von ihren «Squares» beglückende Ausblicke in die Ferne und das Tal des Aveyron.

Mit dem Hotel «La Tour Maje» haben wir eine gute Wahl getroffen. Wir werden freundlich empfangen. Später erkundigt sich der Hotelier vorsichtig, ob die E-Mail mit der Bestätigung der Reservierung angekommen sei. Er ist beruhigt und zugleich peinlich berührt, als ihm versichert wird, daß die elektronische Post gleich acht Mal, wenn auch in unterschiedlichen Bearbeitungszuständen, ihren Adressaten erreicht hat. Er erklärt, daß er noch übe, und verspricht Besserung.

Gegen 21 Uhr finden wir uns Restaurant «Le Chapon» ein. Kein Gast ist weit und breit zu sehen. Wir gehen trotzdem hinein. Ein befrackter Ober tritt uns entgegen. Unsere Frage, ob die Küche schon geschlossen sei, verneint er und bietet uns einen Tisch an. Es folgt ein großartiges Menu. Zufrieden kehren wir gegen 23 Uhr ins Hotel zurück,


4. Tag               (Tabelle)            (Seitenanfang)         02.06.1999

Höhenplan 4. Tag

Bevor wir losfahren, besuchen wir noch den Dom, diese mächtig und wehrhaft zum Himmel ragende Bischofskirche. Mit dem Bau der aus rotem Sandstein errichteten Kathedrale wurde 1277 begonnen, ein Jahr nach dem Einsturz von Chor und Glockenturm des Vorgängerbaus, im 15. Jahrhundert wurde der gesamte Bau vollendet. Der herrliche freistehende Glockenturm im Style flamboyant der Hochgotik, der auf einem massiven Turm des 14. Jahrhunderts ruht, ist fast neunzig Meter hoch, wobei sich der ganze Verzierungsreichtum auf die obere Hälfte beschränkt: Der untere Teil des Gotteshauses wirkt wie eine uneinnehmbare Burg mit Schießscharten, Türmchen und ausgeschrägten Fensteröffnungen.

Ins Innere gelangt man seitlich über einen südlichen und nördlichen Eingang. Hier kommt die Dominanz der Gotik in der vertikalen Aufgliederung des Chors, in der Leichtigkeit der kaum mit Simswerk versehenen Pfeiler des Langhauses und der Höhe der großen Arkaden zum Ausdruck. Die Schönheit des großen Langhauses erkennt man am besten, wenn man sich hinter den Altar stellt. In der dritten Kapelle rechts bewundert man zwölf Statuen, die Sibyllen darstellen, sowie den prächtigen Hochaltar aus der Renaissance. Im linken Querhausarm sieht man ein wunderschön geschnitztes Orgelgehäuse aus dem 17. Jahrhundert.

In südlicher Richtung verlassen wir auf der D62 Rodez.  Zunächst geht es steil hinab bis le Monastère. Langsam zieht sich die Straße wieder auf die Hochebene hinauf. In Flavin kaufen wir Proviant für das mittägliche Pique-nique. Bei la Capelle-Viaur überqueren wir den Fluß Viaur, der sich in die Hochebene eingegraben hat. Die Abfahrt ist zu rasant für eine von Kurts Speichen, Nr. 3 auf dieser Fahrt. Arvieu und Villefranche-de-Panat heißen die nächsten "größeren" Orte. Villefranche wurde als eine Bastide von den Grafen von Rodez gegründet, der Ort liegt am Südufer eines gleichnamigen Stausees. Am Seeufer finden wir einen angenehmen Picknickplatz. Das Wetter ist heute unentschlossen, soll es regnen oder soll die Bewölkung aufreißen? Der Wind treibt die Wolken aus wechselnden Richtungen vor sich her. Jedenfalls verbringen wir unsere Mittagsrast ohne Regen.

Bei Besse, ca. einen Kilometer südlich von Villefranche, biegen wir nach links in die D510 ein. Der Himmel hat sich inzwischen bedenklich zugezogen. Es grummelt und donnert bereits in der Ferne. Nach ein paar Kilometern passieren wir einen weiteren, jedoch wesentlich kleineren Stausee, «Reservoir de St. Aman». Die ersten Regentropfen fallen. Vorsorglich legen wir die "große Regenmontur" an: Goretex-Hose und -Jacke sowie Überschuhe. Bald prasselt der Regen auf uns nieder, zum Glück steht uns in Costecalde eine Garage offen, in der wir Unterschlupf finden. Der Besitzer der Garage hat uns wohl kommen sehen und gesellt sich neugierig zu uns. Nach einem kleinen Plausch zieht er sich wieder in sein Haus zurück. Das Gewitter dauert nicht lang, die Sonne scheint bereits, bevor der Regen endet. Nun geht es in langen Windungen steil hinunter zum Tarn, den wir bei Verdalle erreichen. Die nasse Straße dampft im Sonnenschein.

Nach den erarbeiteten Tourinformationen sollte es nun ohne große Steigungen in der Nähe des Flusses bis Millau weitergehen. Doch auf Karten ist nicht immer Verlaß. In unserem Fall gab die Karte No 58 des Institut Geographique National (Maßstab 1:100000) den Streckenverlauf nur allzu ungenau wieder (Kartenausschnitt). Zwei, schier endlos scheinende Steigungen mit zusammen ca. 430 Höhenmetern, die aus der Karte nicht zu erkennen waren, verzögern unsere Ankunft am Zielort beträchtlich. Erst in der Nähe von Viala-du-Tarn entspricht die Karte wieder dem wahren Streckenverlauf.

St-Rome-du-TarnDie nächstgrößere Ortschaft ist St. Rome-de-Tarn. Die Geschichte von Saint-Rome-de-Tarn reicht bis auf das 5. Jahrhundert zurück. Im 10. Jahrhundert errichteten die Einwohner zum Schutz gegen Angreifer eine Befestigungsanlage, von der nur noch ein paar Tore existieren, ebenso wie die Überreste einer Brücke aus dem 11. Jahrhundert. Während der Religionskriege weitgehend zerstört, wurde der Ort im 16. Jahrhundert nach und nach wieder aufgebaut. In der Umgebung wird etwas Wein angebaut, Obstbäume säumen den Weg.

Die restlichen 22 Kilometer bis Millau radeln wir immer in Flußnähe.

Millau liegt am Zusammenfluß von Tarn und Dourbie in einem fruchtbaren, grünen Tal. Im Umkreis von 100 km Durchmesser ist es mit seinen 25 000 Einwohnern der zentrale Ort im südliche Departement Aveyron. Millau ist ein geschäftige Stadt mit guten Einkaufsmöglichkeiten und mit einem hohen Anteil an Durchgangsverkehr, den hoffentlich die zukünftige A75 vermindern wird, die ca. 5 km westlich von Millau in Nord-Süd-Richtung über Europa's höchste Brücke vorbeigeführt wird.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. war der Ort Condatomagus, der Vorgänger von Millau, eines der großen Zentren der Herstellung von Tonwaren im römischen Reich, zahlreiche Ausgrabungen in der Umgebung von Millau belegen dies. Zur Herstellung von Keramik waren alle Voraussetzungen gegeben: guter Ton, reichlich Wasser und riesige Holzvorkommen aus den Wäldern der Causses.

Bereits aus dem 12. Jahrhundert ist überliefert, daß Millau ein Zentrum den Handschuhfabikration war. Die intensive Schafzucht in der Gegend der Causses zur Käseproduktion brachte eine Großzahl von Lämmern hervor, die geschlachtet werden mußten. So hat sich ganz selbstverständlich die Lederverarbeitung entwickelt. Millau wurde schon sehr früh zum Fabrikationszentrum für Handschuhe aus Lammleder. Als die Handschuhe nach dem 2. Weltkrieg aus der Mode kamen, hat die Lederindustrie von Millau ihr Angebot erweitert und beliefert seitdem auch die Bekleidungsindustrie, die Schuh-, Lederwaren- und Möbelindustrie.

Der Place du Maréchal-Foch ist mit seinen von zylindrischen Säulen gestützten Arkaden (12.-16. Jahrh.) der malerischste Teil des alten Millau. Das im Hôtel de Pégayrolles untergebrachte städtische Museum zeigt Exponate der regionalen Paläontologie, Archäologie und Mineralogie sowie der Leder- und Handschuhindustrie.

Die Kirche Notre-Dame-de-l'Espinasse besaß früher einen Dorn der Heiligen Krone, daher ihr Name. Im Mittelalter war das ursprünglich romanische Gotteshaus ein bedeutender Wallfahrtsort. Es wurde 1582 teilweise zerstört und im 17. Jahrhundert wieder aufgebaut. Der gotische Beffroi (Viereckturm) an der Rue Droite ist ein Relikt des ehemaligen Rathauses, später diente er als Gefängnis.

Hotel und Abendessen waren durchschnittlich.


5. Tag             (Tabelle)                (Seitenanfang)         03.06.1999

Höhenplan 5. Tag

Nach Frühstück, Speichen und Proviant fassen verlassen wir Millau. Wir fahren über die Tarnbrücke und radeln weiter am linken Ufer des Tarn. Ab Paulhe wird das Tal allmählich enger. Wir bleiben weiter auf dem kleinen Sträßlein links des Tarn. Überall lachen rote Kirschen von den Bäumen. Die Mädel können nicht widerstehen,  für einige Zeit sind sie unter einem Kirschbaum verschwunden.  La Cresse ist die nächste Ortschaft. Das wundervolle Nest Peyreleau klebt an den Felsen, die zur Causse Noir emporragen. Wir überqueren den Tarn und kommen nach le Rozier, der Ort liegt am Zusammenfluß von Tarn und Jonte, an Fuß der Steilwände zu den Grands Causses de Sauveterre, Causse Noir und Causse Méjean.

Hier beginnt die eigentliche Tarn-Schlucht «Gorges du Tarn». Von jetzt ab gibt es nur noch die eine Straße am rechten Ufer. Es folgt eine großartige Landschaft mit unzähligen Burgen, malerischen Dörfern und Aussichtspunkten. Zuerst erscheint rechts der vom Causse Méjean abgetrennte, riesige Felsen Rocher de Cinglegros. Am rechten Ufer rücken die Steilwände des Causse de Sauveterre vom Tarn ab und bilden den Cirque de St-Marcellin.

In les Vignes biegt die erste Straße nach links ab, auf, auf in die Höhen des Causses de Sauveterre. Hier könnte man ca. 400 m hinauf fahren und nach weiteren 5 km auf der Hochebene vom Point Sublime einen herrlichen Rundblick über die Tarn-Schlucht genießen. Man könnte.... Auf der anderen Hangseite ginge es hinauf zur Ruine des Château de Blanquefort. Es ginge...

Angesichts der 500 bis 600 Höhenmeter bis hinauf auf die Aussichtspunkte sind diese Abstecher schweißtreibend und zeitraubend. Wir beschließen, erst einmal eine Erfrischung zu uns zu nehmen und verweilen auf einer Terasse oberhalb des Tarn.

Am Pas de Souci verschwindet der Tarn unter riesigen Felsblöcken. Sie bilden ein wahres Felsenmeer, das durch zwei Zusammenbrüche (in der Landessprache "soussitch") entstanden ist. Der letzte ist vermutlich auf das Erdbeben von 580 zurückzuführen. Der Legende nach soll der von der heiligen Énimie verfolgte Teufel an der Felswand über dem Tarn von einem Felsen zum nächsten geflohen sein. Als er der Heiligen zu entkommen drohte, rief diese die Felsen zu Hilfe. Ein riesiger Felsrutsch stürzte sich mit voller Wucht auf Satan. Dieser schlüpfte geschwind in eine Spalte im Flußbett und kehrte reichlich mitgenommen in die Hölle zurück.

Dann kommt man am Fuß des Cirque des Baumes vorbei. Der Roc des Hourtous überragt die schmalste Stelle des Cañons. Von dort hätte man einen überwältigenden Blick auf die Tarn-Schlucht. Man hätte.... Nun passiert die Straße die Felsenge Les Détroits. Der Felsdurchbruch bietet mit seinen farbenprächtigen Wänden, die nur einen schmalen Spalt für den Fluß freilassen, einen herrlichen Anblick. Ein Aussichtspunkt links bietet einen schönen Blick auf diese schmalste Stelle der Schlucht.

Ein schöner Picknickplatz  im kühlen Schatten lädt zur mittäglichen Rast ein. Der Tisch ist schnell gedeckt. Radieschen, Melone mit Schinken, Terrine de Forrestière, Fromage und Wein. Herz, was willst du mehr!

La Malène, der nächste Ort, liegt am Schnittpunkt der über den Causse de Sauveterre und den Causse Méjean führenden Straße und war schon immer Durchgangsort. Einst überquerten hier im Frühjahr und Herbst die auf die Almen getriebenen, riesigen Herden den Tarn. Im 12. Jahrhundert erbauten die Barone von Montesquieu in La Malène eine erste Burg. Zu besichtigen gibt es eine romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert, eine von alten Häusern gesäumte Gasse, sowie daß zum Hotel umgebaute Schloß aus dem 16. Jahrhundert.

Gorges du TarnIm 19. Jahrhundert waren die getreidelten Barken das erste Verkehrsmittel in der Tarn-Schlucht. Jeder Ort hatte seine eigenen Schiffer, die die von Pferden gezogenen Barken zum Nachbarort beförderten.

Ein paar Kilometer weiter sieht man am gegenüberliegenden Ufer die Burgruine von Haute-Rive. Unterhalb liegt ein Dorf, mit alten, traditionellen Häuser aus grauen und goldfarbenen Steinen.

Ste. ÉnemieChâteau de la Caze in romantischer Lage direkt am Ufer des Tarn stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist heute Hotel-Restaurant. Es wurde zur Zeit Karls VIII von an François Alamand, dem ehemaligen Prior von Ste-Enimie, erbaut. Monika prüfte die Menu-Karte und befand sie für gut. Nun steigt die Straße leicht an. Wir passieren einen kurzen Tunnel und sehen am linken Ufer das hübsche Dorf St-Chély liegen, eine kleine Brücke führt über den Fluß. Der Ort hat sein ursprüngliches Gepräge weitgehend bewahrt: romanische Kirche mit hübschem quadratischen Glockenturm, Backofen auf dem Dorfplatz, alte Häuser (Türen und Schornsteine aus der Renaissance).

Der kleine Marktflecken Ste-Enimie wurde terrassenförmig an einer engen Stelle der Gorges du Tarn in einer Biegung des Flusses angelegt. Er gilt als einer der schönsten Orte Frankreichs. An dieser Stelle ist die Schlucht 500 bis 600 m tief und 1,8 km breit. Steil ragen die Felsen über den grünen Grund der Schlucht auf. An den Böschungsmauern erkennt man, daß die Menschen hier im Laufe der Jahrhunderte große Anstrengungen vollbracht haben, um an den schroffen Hängen der Tarn-Schlucht Terrassen anzulegen, wo sie Wein, Mandel-, Nuß-, Kirsch- und Pfirsichbäume angebaut haben. Heute liegen infolge der Landflucht mehr und mehr Flächen brach, die Wein- und Obstgärten sind heute weitgehend verschwunden.

Die heilige Énimie, nach der der Ort benannt ist, war eine merowingische Prinzessin, Tochter Clothars II und Schwester König Dagoberts. Sie war von vollendeter Schönheit. Alle machten ihr den Hof, sie aber wies selbst die schmeichelhaftesten Heiratsanträge zurück. Sie wollte ihr Leben Gott weihen, der König verlobte sie aber dennoch mit einem seiner adeligen Günstlinge. Kurze Zeit später wurde Enimie von der Lepra heimgesucht, ihr Verlobter löste daraufhin die Verlobung. Alle Heilmittel blieben wirkungslos.

Eines Tages erschien Enimie ein Engel und gebot ihr, nach Gévaudan zu gehen, wo sie dank einer Quelle ihre einstige Schönheit zurückerhielte. Nach einer mehrtägigen anstrengenden Reise kam sie mit ihrer Eskorte in ein tiefes, unberührtes Tal. Hirten zeigten ihr den Weg zur Quelle von Burle. Die Prinzessin begab sich unverzüglich in das wundertätige Wasser, worauf sofort alle Male ihrer Krankheit verschwanden. Voller Freude über ihre wundersame Heilung trat sie den Rückweg an. Nach Verlassen des Tals überzog jedoch die Lepra ihren Körper erneut. Enimie kehrte daraufhin zur Quelle zurück, wo sich das gleiche Wunder wiederholte. Doch sobald sie erneut versuchte, den Ort zu verlassen, kehrte die Krankheit zurück. Endlich verstand Enimie den Willen Gottes und blieb in Burle.

Von da an lebte sie in einer Höhle, vollbrachte gute Taten, ließ ein Kloster für Frauen errichten und bekämpfte den Teufel, der versuchte, ihr Werk zu zerstören, indem er die soeben erbauten Mauern wieder einstürzen ließ. Es gelang ihr, ihn zu vertreiben. Der hl. Hilarius, Bischof von Mende, besuchte die Königstochter in Burle. Er weihte sie zur Äbtissin des neuen Klosters. Énimie starb um das Jahr 628. Sie wurde in der Höhle, in der sie als Einsiedlerin gelebt hatte, in einem Silberschrein begraben. Der Ort wurde zu einem vielbesuchten Wallfahrtsziel, an dem sich Wunder häuften.

Am Fuß des Felsens, wo einst das Kloster stand, befindet sich heute das kleine Dorf. Bis zur Französischen Revolution war der Ort ein bedeutender Markt. Heute verhilft der Tourismus zu neuem Aufschwung.

Es empfiehlt sich ein Spaziergang durch die schmalen Gassen des Dorfes. Vom ehemaligen Kloster sind ein ehemaliger romanischer Kapitelsaal und die Krypta erhalten. Um das Kloster herum stehen noch die Ruinen alter Befestigungsanlagen. Der Place au Beurre liegt im Zentrum des Dorfes und wird von einem hübschen alten Haus gesäumt. Im Kornhaus wird ein altes Weizenmaß aufbewahrt. Die ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche ist im Laufe der Zeit häufig verändert worden. Sehenswert sind die schöne Halbkuppel der Apsis und die Steinfigur der hl. Anna aus dem 14. Jahrhundert. Der Tarn kann sich in Ste. Enimie bei starken Regenfällen gefährlich aufstauen. In der Kirche weist eine Markierung in der Nähe des Weihwasserbeckens auf den am 29. September 1900 erreichten höchsten Wasserstand hin, der damals bis zum Altar reichte.

Weiter geht es zum Château de Prades, das zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaut wurde. Die Burg erhebt sich auf einem Felssporn über dem Tarn. Ihr kam die Aufgabe zu, den Zugang zur Schlucht und damit die Abtei von Ste. Enimie zu schützen. Anfangs befand sich die Burg im Besitz der Bischöfe von Mende, von 1280 bis zur Französischen Revolution gehörte sie den Fürsten und Prioren der Abtei von Ste-Énimie. 1581 widerstand sie erfolgreich den Angriffen der protestantischen Truppen des Kapitäns Merle.

Ungefähr einen Kilometer weiter kann von der Straße aus Castelbouc in malerischer Lage am linken Tarn-Ufer liegen sehen. Die Burgruine von Castelbouc steht auf einem 60 m hohen schroffen Felsen über einem kleinen Dorf, dessen Häuser sich an die Felswand schmiegen. Weitere erlebnisreiche Kilometer liegen vor uns. Wir passieren Château Charbonnières und den Ort Montbrun, der erhaben über dem linken Tarn-Ufer liegt. Als nächstes sieht man am rechten Ufer das Schloß von Rocheblave (16. Jahrh.), das an seinen Pechnasen zu erkennen ist und von der Ruine eines Herrenhauses aus dem 12. Jahrhundert sowie einer Felsnadel aus Kalkstein überragt wird.

Papst Urban V, der aus Grizac im Departement Lozère stammte, ließ die gotische Tarn-Brücke von Quézac bauen. Er wollte es den Pilgern ermöglichen, auf diesem Weg die von ihm in Quézac errichtete Wallfahrtskirche zu erreichen. Die Brücke wurde in den Religionskriegen zerstört und zu Beginn des 17. Jahrhunderts vom Bischof von Mende originalgetreu wieder aufgebaut. Eine von alten Häusern gesäumte schmale Straße führt zur Kirche von Quézac.

In Ispagnac endet der Fahrt durch die Tarn-Schlucht. Der Ort ist seit jeher für sein besonders mildes Klima bekannt. Dieser «Jardin de Lozère» zog einst die Adeligen der Gegend an, er ist heute ein beliebtes Sommerferienziel. Die Kirche von Ispagnac aus dem 11. und 12. Jahrhundert besitzt ein romanisches Portal mit einem darüberliegenden Rundfenster. Das dreischiffigen Kirchenbau mit einer Kuppel über der Vierung und einem darüberliegenden achteckigen Glockenturm ist sehenswert.

Nach Ispagnac macht der Tarn plötzlich einen scharfen Knick, jetzt führt die Straße hinauf nach Florac, unserem Tagesziel. Florac liegt zwischen Gorges du Tarn und Parc Nationale des Cevennes. Nach Westen hin erstreckt der Causse Méjean. Wieder zieht plötzlich ein Gewitter auf. Mit verschärftem Tempo kommen wir abgesehen von einigen Regentropfen trocken an. Kaum im Hotel, entlädt sich das Gewitter. Es geht in einen die ganze Nacht andauernden Landregen über.

Es gibt mehrere Versionen, woher der Name Florac stammt. Am glaubwürdigsten ist jene, wonach ein Römer namens «Florus» hier ein Anwesen gehabt haben soll. Der Namenszusatz «Acum» wurde häufig dem Namen des Besitzer zugefügt, wo soviel bedeutet "Ort des ...", "Besitz des ...". Aus «Florus Acum» wurde Florac.

Im 5. Jahrhundert wurde die Region durch einen Mönche aus der Abtei von St. Gilles im Gard christianisiert. In Florac wurde eine Pfarrei gegründet und eine erste Kirche gebaut. Im 9. Jahrhundert errichtet man eine erste Burg auf dem Felsen Ste Lucie oberhalb von Florac, von dem heute nur noch wenig Reste erhalten sind. 1215 wurde das Gebiet von Florac Raymond d'Anduze zuerkannt, er wurde Baron von Florac.

Seit dem 12. Jahrhundert besteht Florac als kleine Stadt. Die Häuser gruppieren sich um Kirche und Schloß. Die Stadt ist von einem Graben umgeben. Aufgrund ihrer Durchgangslage entwickelte sich Florac zu einem Handelsplatz, vor allem für Holz, Maultiere, Tuchwaren und Salz. Am 20. September 1291 kauften sich die Einwohner von Florac für 400 Pfunds von ihrem Herren, dem Baron de Florac, frei.

Nach dem Hundertjährigen Krieg machten vagabundierende Banden die Gegend unsicher. Eine Bande von über 1000 Männern überfiel Florac 1363 und brannte sie nieder. Die vor dem Überfall leider noch nicht fertiggestellen Befestigungsanlagen wurden im darauffolgenden Jahr mit Unterstützung von Papst Urbain V vollendet.

Wie überall in den Cevennen erreichte die Reformation auch Florac. Die große Mehrheit der Einwohner von Florac traten zum protestantischen Glauben über. Die Kirche wurde zerstört und durch ein protestantisches Gotteshaus ersetzt. Von 1564 bis 1598 tobte in den Cevennen ein blutiger Religionskrieg. Mit der Proklamation des Ediktes von Nantes durch Heinrich IV im Jahr 1598 wurde der Krieg beendet. Das Edikt gewährte den Protestanten die Glaubensfreiheit. Nach dem Tod Heinrichs begann unter Ludwig XIII die Gegenreformation. Jetzt wiederholten sich die Ereignisse, jedoch entgegensetzt: die evangelische Kirche wurde zerstört und die katholische wieder aufgebaut. 1646 wurde eine neue evangelische Kirche geweiht, Florac hatte zu dieser Zeit 1175 Protestanten und 211 Katholiken. 1685 widerrief Ludwig XIV das Edikt von Nantes. Protestantische Gottesdienste wurden untersagt.

1689 brach der Cévenol-Aufstand aus, einige hundert bewaffnete Cévenols griffen unter Führung von François Vivent Florac an, wo königliche Dragoner stationiert waren. Die Attacke mißlang, aber sie kündigte einen bewaffneten Aufstand an, dem Krieg der «Camisards», der Weißhemden, getragen ohne Uniformjacke. Der Austand dauerte bis 1705 und wurde von der französischen Zentralmacht aufs blutigste niedergeschlagen. François Vivent wurde im übrigen 1692 in einer Grotte in der Nähe von Anduze überrascht und getötet.

Nach der Französischen Revolution wurde das Gévaudan 1790 zum Departement «Lozère». Auch in Florac wütete die Guillotine.

Die Gegend um Florac war stets landwirtschaftlich geprägt, dazu gehörte auch die Seidenraupenzucht, die zu einem gewissen Wohlstand beitrug. Aufgrund von Krankheiten, die die Seidenraupen befielen, und wegen der zunehmenden Bedeutung synthetischer Fasern kam es zu einem Niedergang der Seidenraupenzucht. Eine erste Welle der Landflucht erfaßte die Gegend. Die industrielle Revolution, obwohl sie die Gegend nicht direkt betraf, trug zur weiteren Entvölkerung bei. 1947 gab es nur noch 1452 Einwohner in Florac, heute sind es wieder 2065. Florac ist nach wie vor ein Handelsort, Tourismus und Dienstleistungen sind hinzugekommen. Seit 1970 ist Florac der Sitz der Verwaltung des Cevennen-Nationalparks.

Zu erwähnen bleibt für diesen wunderschönen Tag noch das Hotel, in dem wir in Florac übernachten: «Gorges du Tarn», ein unscheinbarer Bau von außen, moderne, freundliche, zweckmäßige Zimmer und eine sehr bemerkenswerte Küche. Das gewählte Menu war raffiniert und überragend.

Kurz vor 6 Uhr am Morgen schreckt uns Feueralarm aus dem Bett. Gott sei Dank ein Fehlalarm! Wir schaffen es nur mühevoll, bis zu unserer regulären Aufstehenszeit um 7.15 Uhr wieder einzuschlafen.


6. Tag             (Tabelle)                (Seitenanfang)         04.06.1999

Höhenplan 6. Tag

Es nieselt noch, als wir die Taschen an den Fahrrädern festmachen. Keine übermäßige Eile treibt uns. Das liegt zum einen am Wetter, andererseits sind heute nur 72 Kilometer zu bewältigen. Im Ort kaufen wir erst einmal ein. Der örtliche Supermarché ist neben einem Einkaufs- auch ein Kommunikationszentrum. Florac gefällt uns.

Bevor es los geht, erst einmal einige Infos über die großartige Landschaft, die vor uns liegt.

Die Region der Causses-Cevennes umfaßt den Südosten des Zentralmassifs. Es ist eine Zone des Übergangs von der mediterranen Landschaft des Bas Languedoc zur Gebirgsregion des Plateau Central. Die Landschaft ist gekennzeichnet durch tiefe Täler und steile Bergkämme. Im Westen liegen die großen Kalkebenen der Causses, in die die Flüsse tiefe Schluchten geschnitten haben. In den Cevennen gibt es zwei große Granitmassive: Mont Lozère im Norden und Mont Aigoual im Süden. Die Cevennen sind im früheren Paläozoikum (Kambrium) vor ca. 500 bis 300 Millionen Jahren entstanden.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs das Bewußtsein, die großen Landschaften der Causses und der Cévennes zu schützen. So entstand die ursprüngliche Idee zur Schaffung eines Nationalparks, bereits 1913 ein Vorschlag von E. A. Martel und dem "Verein Cévenol". Am 2. September 1970 wurde dann der Nationalpark gegründet. Er umfaßt eine außergewöhnliche Landschaft, die wegen seiner ökologischen Qualität, seines kulturellen Reichtums und seiner historischen Eigenschaften staatlich schützenswert ist. Der Nationalpark teilt sich zwei Zonen: Einer Kernzone mit 91 279 Hektar, die unbedingten Schutz genießt, und einer erweiterten Zone mit 229 726 Hektar, die auch Gemeindegebiete mit einbezieht. Der Park liegt in einer Höhenzone von 378 bis 1 699 Meter (Sommet de Finiels). Jährlich besuchen 800.000 Menschen den Park.

Tierisches unterwegsWir verlassen Florac auf der D907 und folgen der Höhenstraße «Corniche des Cevennes», die Florac mit St-Jean-du-Gard verbindet. Sie wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts für die Truppen Ludwigs XIV zur Bekämpfung der Protestanten in die Cevennen gebaut. Die Straße führt zunächst durch das Tarnon-Tal am Fuß der Steilhänge des Causse Mèjean hinauf nach St.-Laurent-de-Trèves. Den Park der Dinosaurier sparen wir uns. Das Wetter ist bergfreundlich, lediglich der Wind ist zu kühl und kommt zudem aus wechselnden Richtungen. Weiter geht's über den Col du Rey (992 ü. NN) auf das Kalkplateau des Can de l'Hospitalet hinauf, einer rauhen, mit Felsen übersäten Heidelandschaft. Von dem auf beiden Seiten steil abfallenden Col des Faïsses bietet sich ein schöner Blick auf die Cevennen. Wir durchqueren den Ort l'Hospitalet. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf den Mont Lozère, das Städtchen Barre-des-Cévennes, das Vallée Française und den Mont Aigoual.

pique-niqueBei le Pompidou wechselt die Gesteinsart vom Kalk zu Schiefer. Mit dem Bau der alten Kirche von Saint Flour du Pompidou wurde im 12. Jahrhundert begonnen, in den folgenden Jahrhunderten bis in das 16. wurde weiter fleißig an- und umgebaut. Von 1960 bis 1992 wurde die Kirche grundlegend restauriert.

Auf einem Höhenrücken durch Kastanienwälder und über magere Wiesen fahren wir weiter, oberhalb des Vallée Française entlang, bis St-Roman-de-Tousque, einem von Wiesen und Kastanien umgebenen, kleinen Ort. Die Straße steigt zunächst steil an und wechselt den Südhang des Höhenrückens, auf dem Col de l'Exil wechselt wir wieder zurück. Dieser Streckenabschnitt bietet herrliche Blicke auf die Cevennen und den Mont Lozère. Die Zeit ist reif für ein Pique-nique.

Auf dem Col de St-Pierre beginnt die malerische, kurvenreiche Abfahrt nach St.-Jean-du-Gard.

Saint-Jean-du-Gardam Fuße der Cevennen ist eine südfranzösische Kleinstadt inmitten eines Landstrichs mit protestantischer Tradition. Es ist ein großes Dorf, das stark durch die Hugenotten geprägt wurde.

In St.-Jean-du-Gard beginnt eine Eisenbahnlinie, die bis Anduze mit Dampflokomotiven betrieben wird.

Jetzt geht es weiter durch das Tal des Gardon de St.-Jean nach Anduze. Das malerische Städtchen liegt in einem grünen Tal, eingerahmt von nur spärlich bewachsenen Hügelkuppen. Eine enge, tiefe Schlucht, Porte des Cévennes, bildet den Zugang zu den Tälern des Gardon de St-Jean und des Gardon de Mialet. Auch Anduze hat eine lange protestantische Tradition. 1579 waren die Stadt fast vollständig zum kalvinistischen Glauben übergetreten, sie wurde zum Sitz der Generalversammlung der Protestanten des Bas-Languedoc. Nach 1622 wurde Anduze zum Zentrum des Widerstands gegen die Gegenreformation. Die Stadtmauer wurden durch Vorwerke verstärkt und auf den Anhöhen wurden Forts errichtet. Nach dem Fall von Alès wurden alle protestantischen Festungen geschleift, so auch in Anduze.

Die schmalen, gewundenen Gassen, wie die Rue Bouquerie sind sehenswert. Durch das Tor neben der Burg gelangt man zum Place Couverte (überdachter Platz) mit dem ehemaligen Kornspeicher und einem merkwürdig anmutenden Brunnen in Form einer Pagode. Die glasierten Ziegel dieses Brunnens wurden 1649 speziell dafür von Keramikern aus Anduze gefertigt. Der auf dem langgestreckten Platz der ehemaligen Burg stehende Uhrturm datiert von 1320.

Gegen 17 Uhr ist unser Hotel erreicht. Wir nutzen die Zeit und das schöne Wetter zu einem Aufenthalt am Hotelpool. Vom Abendessen ist am stärksten in Erinnerung geblieben, daß die Nachbarn der umgebenden Tische mehr an ein Altenheim als an ein Ferienhotel erinnerten.


7. Tag             (Tabelle)                (Seitenanfang)         06.06.1999

Höhenplan 7. Tag

Am heutigen letzten Tag steht die längste Etappe auf dem Tourplan. Berge? Fehlanzeige! Kurz nach Anduze öffnet sich das Tal. Wir erreichen die Ebenen des Languedoc. Wir folgen bis la Madeleine dem Gardon/Gard. Dann passieren wir den reizenden kleinen Ort Lézan. Jetzt steigt die Straße etwas an. Bei Moussac überqueren wir den Gard, der kurz zuvor durch den Zusammenfluß von Gardon d'Anduze und Gardon d'Alès entstanden ist. Es folgt eine landschaftlich schöne Wegstrecke. Die Straßen werden jetzt enger, St. Chaptes und Ste. Anastasie heißen die folgenden Ortschaften.

Pont du GardCollias liegt vier Kilometer vom Pont du Gard entfernt, direkt am Ufer des Gard. Collias ist ein Zentrum für Wassersport: Kanu, Kajak... Im Ort gibt es noch einige Überreste aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Wir haben um 12.30 Uhr wieder Glück beim Lebensmittelhändler, der für uns sein Geschäft noch ein paar Minuten länger offen hält. Rasch ist das notwendigste für ein Pique-nique eingekauft. Unweit des Ladens findet sich ein schattiger Tisch mit Bänken, an dem wir uns niederlassen.

Pont du Gard dieses majestätische Bauwerk aus der Römerzeit, wurde errichtet, um Nîmes mit Trinkwasser zu versorgen. Wir wissen ja noch aus der Schule: «Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam, qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur.», so schrieb Caesar über Gallien. Nîmes, früher Nemausus, war eine wichtige Stadt in Gallia Narbonniensis. Das Aquädukt ist Bestandteil einer 50 Kilometer langen Leitung von Uzès nach Nîmes. Es wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. erbaut und ist 360 m lang. Der Wasserkanal verläuft in 48 m Höhe über dem Flußbett und ist damit das höchste Aquädukt, das aus der römischen Epoche bekannt ist. Die zweite der drei Etagen wurde bis ins 18. Jahrhundert als Brücke über den Gard benutzt, heute ist sie für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt.

Über die D981 fahren wir nach Remoulins, weiter geht's auf der stark befahrenen N100 in Richtung Avignon. Es folgt eine langgezogene Steigung, die einzige für heute. Auf der D976 erreichen wir Rochefort-du-Gard. Weinberge säumen den Weg. Tavel lassen wir links liegen und erreichen bei Roquemaure den Rhône, den wir anschließend überqueren. Über den Ort Caderousse radeln wir zur gleichnamigen Staustufe. Hier fahren wir wieder zurück auf das rechte Rhône-Ufer. Über St.-Étienne-des-Sorts und St Georges kommen wir wieder in Pont-St-Ésprit, unserem Ausgangsort an. Rund 630 Kilometer liegen hinter uns.

Am nächsten Tag treten wir die Rückreise nach München an.


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Stand: 02. September 2013

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