Toskana Radrundtour

Das Team - einer fehlt

Tuscany Map

Eine anspruchsvolle Radtour in 6 Tagesetappen über insgesamt 480 km durch typische Toskana-Landschaften, Tagesetappen zwischen 58 und 104 Kilometer.
1. Tag          2. Tag          3. Tag          4. Tag          5. Tag          6. Tag

Streckenabschnitt

Meeres-
höhe

Entfernung
[km]

Tages-
strecke
[km]

Gesamt-
strecke
[km]

Massa Marittima - Ghirlanda
Ghirlanda - Casa Pàncoli
Casa Pàncoli - Prata
Prata - Gabellino
Gabellino -Montieri
Montieri - Montemurlo
Montemurlo - Travale
Travale - Pozzolino
Pozzolino - Montingégnoli
Montingégnoli - Casone
Casone - Mensano
Mensano - Casole d'Elsa
Casole d'Elsa - Monti
Monti - Torre di Montemicciololi
Torre di Montemicciololi - Podere la Serra
Podere la Serra - Monte-Terzi
Monte-Terzi - Roncolla
Roncolla - Volterra
(1. Tagesetappe)

380
305
410
490
400
704
795
770
610
710
400
350
417
380
300
360
450
310

2,0
7,0
3,0
4,0
10,0
1,5
4,5
2,0
5,5
6,0
7,0
6,0
1,5
9,5
4,0
4,5
2,5
4,0

2,0
9,0
12,0
16,0
26,0
27,5
32,0
34,0
39,5
45,5
52,5
58,5
60,0
69,5
73,5
78,0
80,5
84,5

2,0
9,0
12,0
16,0
26,0
27,5
32,0
34,0
39,5
45,5
52,5
58,5
60,0
69,5
73,5
78,0
80,5
84,5

Volterrra - Saline Volterra
Saline Volterra - Casino di Terra
Casino di Terra - San Martino
San Martino - Riparbella
Riparbella - Nocolino
Nocolino - Castellina Marittima
Castellina Marittima - Pomáia
Pomáia - Pástina
Pástina - Santa Luce
Santa Luce - Laura
Laura - Vicarello
Vicarello - Pisa
(2. Tagesetappe)

531
72
60
50
220
490
375
210
230
225
110
10

9,0
12,5
7,0
5,5
6,0
4,5
4,0
5,5
3,5
12,5
14,0
15,0

9,0
21,5
28,5
34,0
40,0
44,5
48,5
54,0
57,5
70,0
84,0
99,0

93,5
106,0
113,0
118,5
124,5
129,0
133,0
138,5
142,0
154,5
168,5
183,5

Pisa - San Giuliano
San Giuliano - Rígoli
Rígoli - Lucca
Lucca - Porcari
Porcari - Altopascio
Altopascio - Ponte di Masino
Ponte di Masino - Cerreto Guidi
Cerreto Guidi - Empoli
(3. Tagesetappe)

4
10
12
19
15
19
30
124

9,0
4,0
12,0
10,0
7,0
8,0
5,5
9,5

9,0
13,0
25,0
35,0
42,0
50,0
55,5
65,0

192,5
196,5
208,5
218,5
225,5
233,5
239,0
248,5

Empoli - Ortimino
Ortimino - Montespertoli
Montespertoli - Lucardo
Lucardo - Marcialla
Marcialla - Tavarnelle
Tavarnelle - San Donato
San Donato - Maria Morta
Maria Morta - Castellina
Castellina - Fonterútoli
Fonterútoli - Quercegrossa
Quercegrossa - Siena
(4. Tagesetappe)

26
110
257
350
310
378
418
620
578
420
510

11,0
4,0
5,5
3,5
4,0
6,5
9,0
2,0
4,5
5,0
15,0

11,0
15,0
20,5
24,0
28,0
34,5
43,5
45,5
50,0
55,0
70,0

259,5
263,5
269,0
272,5
276,5
283,0
292,0
294,0
298,5
303,5
318,5

Siena - Taverne d'Arbia
Taverne d'Arbia - Vescona
Vescona - Asciano
Asciano - Montecontieri
Montecontieri - Saltalfabbro
Saltalfabbro - Chiusure
Chiusure - San Giovanni d'Asso
San Giovanni d'Asso - Montisi
Montisi - Vale
Vale - Castelmúzio
Castelmúzio - Pienza
(5. Tagesetappe)

322
245
350
203
280
350
410
310
440
310
430

7,0
10,5
7,0
4,0
1,5
3,5
6,5
6,0
1,5
1,0
9,5

7,0
17,5
24,5
28,5
30,0
33,5
40,0
46,0
47,5
48,5
58,0

325,5
336,0
343,0
347,0
348,5
352,0
358,5
364,5
366,0
367,0
376,5

Pienza - San Quirico
San Quirico - Torrenieri
Torrenieri - Montalcino
Montalcino - Ragnáie
Ragnáie - S.Angelo in Colle
S.Angelo in Colle - Parmoletone
Parmoletone - Pagánico
Pagánico - Stazione Roccastrada
Stazione Roccastrada - Roccastrada
Roccastrada - Podere Campomarziale
Podere Campomarziale - Ribolla
Ribolla - Collácchia
Collácchia - Poggibano
Poggibano - Perolla
Perolla - Poggio al Montori
Poggio al Montori - Ghirlanda
Ghirlanda - Massa Marittima
(6. Tagesetappe)

491
409
250
567
650
444
143
65
180
475
80
90
95
130
180
360
305

9,0
6,5
10,5
3,0
6,5
9,0
13,0
9,0
5,5
8,5
6,0
2,5
5,0
3,0
2,0
3,0
2,0

9,0
15,5
26,0
29,0
35,5
44,5
57,5
66,5
72,0
80,5
86,5
89,0
94,0
97,0
99,0
102,0
104,0

385,5
392,0
402,5
405,5
412,0
421,0
434,0
443,0
448,5
457,0
463,0
465,5
470,5
473,5
475,5
478,5
480,5

Beschreibung der Tour

Die Radtour wurde vom 31. Mai 1998 bis 5. Juni 1998 bei heißer Witterung durchgeführt, lediglich am ersten Tag war es kühl und windig, und es tröpfelte ein wenig.

Teilnehmer:

Hubert Becker
Uschi Becker
Monika Blaimer
Kurt Hasselmayer

Allgemeine Hinweise

Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäck sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.

Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, daß die hier beschriebene Tour kein kommerziell durchgeführtes Radreiseangebot ist.

Anreise

Die Anreise von München nach Massa Marittima erfolgt mit dem Pkw, da sich eine Bahnfahrt mit Fahrrädern von Deutschland nach Italien praktisch nicht durchführen läßt. Im Gegensatz zu den 80er Jahren ist die Mitnahme von Fahrrädern im grenzüberschreitenden Bahnverkehr derzeit so gut wie unmöglich. Lediglich in InterRegio-Zügen  - sowie in den nachgeordneten Zuggattungen - ist die Mitnahme von Fahrrädern erlaubt.

Schon von weitem erkennt man Massa Marittima, auf einem ca. 400 m hohen, mit Oliven und Steineichen bewachsenen Berg gelegen und dominiert das fruchtbare Tal des Flusses "Pecora". In Serpentinen windet sich die Straße hinauf und läßt einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage erahnen. Massa Marittima ist ein kleines mittelalterliches Städtchen am Nordrand der Maremma mit Neu- und Altstadt. Massa Marittima liegt am Südrand der 'Colline Metallífere', den "metallisches" Bergen mit ehemals reichen Metallvorkommen. Es finden sich in Massa Marittima viele herausragende Beispiele romanischer Architektur.

Der aus dem 13. - 15. Jahrhundert stammende romanische Dom ist dem hl. Zerbonias geweiht, einem Heiligen aus dem 6. Jahrhundert. Eine Tafel über dem Portal gibt Auskunft über sein Leben. Sehenswert sind im Dom das Bronzerelief, Taufbecken und Reliquiar des Kirchenpatrons. Die sternförmige Piazza Garibaldi mit mehreren Palästen liegt im Zentrum, im Palazzo Pretorio, Gebäude aus dem 13. Jahrhundert,  befindet sich das Museo Archeologico und eine Pinakothek. Weiterhin umgeben der Palazzo Communale aus dem 14. Jahrhundert sowie Bisernios's Wohnhaus mit Turm den Platz.

Das Hotel "Il Sole" befindet sich unweit des Domes direkt am Corso. Die Durchfahrt über den Domvorplatz ist für Hotelgäste zum Be- und Entladen gestattet, Pkw-Garagen sind vorhanden. Der Ort klebt so am Berg, daß man im 3. Untergeschoß des Hotels noch eine tolle Aussicht auf die umgebende Landschaft der Maremma genießen kann.

1. Tag          (Tabelle)           (Seitenanfang)

Höhenplan 1. Tag

Am Morgen des 31. 5. 1998 geht's auf nach Volterra. Massa bietet wie die meisten Orte in der Toskana einen bequemen Start. Erst einmal geht es zwei Kilometer bergrunter. Aber bald windet sich die Straße wieder in die Berge hinauf. Prata thront wie eine trutzige Burg auf dem Berg, die Straße führt über eine hohe Talbrücke am Ort vorbei. Dann wieder hinunter in das romantische Tal des munter dahin plätschernden Flüßchens Merse. Die Flora am Wegesrand ist ein kleiner botanischer Garten. Wir sehen die ersten Pilzsucher, einer von ihnen zeigt stolz seinen Korb voller herrlicher Steinpilze. Und uns hatte man am Vorabend im Ristorante erzählt, die Saison für 'porcini' habe noch nicht begonnen. So ein Schmarrn!

Die nächste Steigung nach Montieri macht richtig Spaß, vor allem Monika. Sie ist noch nicht so ganz auf die Horizontale geeicht und hat das Gefühl, es gehe eher bergab als bergauf. Leider ist es nach Montieri aus mit Sonnenschein, der Himmel zieht sich zu. Weiter geht es rauf  und runter durch die 'Colline Metallífere", die eisen- und schwefelhaltigen Berge zwischen Massa und Volterra. Überall dampft es, in spiegelnd blanken Edelstahlrohren fließt heißes, schwefelhaltiges Wasser in die geothermischen Kraftwerke. Hier wird aus dem heißen Wasser elektrische Energie, Fernwärme und Schwefel erzeugt. Letzterer ist ein ständiger, leider nicht besonders angenehmer Wegbegleiter in der Nase.

Von Casole d'Elsa aus erkennt man bereits die 'Skyline' von San Gimignano. Da es bei Ankunft in Casole bereits 13.45 Uhr ist, finden wir nur die geschlossenen Türen der Trattoria vor. Nebenan in der Bar ist man dem Ansturm vier hungriger Radler nicht gewachsen, die letzten zwei mageren Sandwiches werden auf vier hungrige Mägen verteilt. Wenigstens kann der Durst gelöscht  werden. Die Abfahrt verzögert sich wegen einsetzenden Regens ein wenig.

In Torre di Montemicciololi erreichen wir die Hauptstraße von Colle di Val d'Elsa nach Volterra. Die Weiterfahrt auf der vielbefahrenen Straße zählt nicht zu den angenehmsten Etappen unserer Rundfahrt. Weithin sichtbar liegt Volterra, die "Hauptstadt des Alabasters", umgehen von hohen Mauerresten auf dem Berg. Der Anstieg nach Volterra erweist sich als recht knackig, jetzt macht sich das fehlende Mittagessen bemerkbar. Die Oberschenkel sind kraftlos geworden, ein kleiner Müsli-Riegel schafft wenigstens etwas Abhilfe.

Unser Hotel 'Nazionale' befindet sich im Zentrum der Etruskerstadt Volterra. Ein weiteres sehr empfehlenswertes Hotel - 'Villa Nencini' - liegt knapp außerhalb der Stadtmauern mit fantastischem Blick, an guten Tagen bis auf das Meer. Die Fahrräder können wir im Hotel abstellen. Nach einer belebenden Dusche machen wir unsere Runde durch den Ort.

Volterra - Porta all'ArcoStrenge mittelalterliche Paläste (z. B. der Palazzo dei Priori), die Gemäldegalerie, der romanische Dom aus dem 12. und 13. Jahrhundert mit Baptisterium und ein römisches Theater aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. sind besondere Sehenswürdigkeiten. Mächtig war ,,Volaterrae" einst als Mitglied des etruskischen Zwölfstädtebundes. Von der Blüte im 4. Jh. v. Chr. zeugt die reichhaltige Sammlung an Exponaten im Museo Etrusco Guarnacci. Auf dem höchsten Punkt von Volterra, auf  den Resten der etruskischen Akropolis steht die aus der Ära der Medici stammenden Fortezza, sie dient heute als Gefängnis, insbesondere für Lebenslängliche. Geologisch interessant die erodierenden Sandsteinklippen 'Le Balze' am Rande der Stadt.

Anschließend trinken wir dann das teuerste Bier(chen) auf der Reise getrunken, Lit. 6.000 für 0,2 Liter! Nach einem hervorragendem Abendessen im "Ombra della Sera" sind wir wieder mit der Welt versöhnt. In unserer Abwesenheit hatte sich eine Taube in die Dusche von Kurt und Monika verirrt und offenkundig das rettende Fenster nicht mehr gefunden. In seiner Panik be(sch...)kleckerte das Vieh das ganze Bad mitsamt der frisch gewaschenen Radltrikots.

2. Tag         (Tabelle)       (Seitenanfang)

Höhenplan 2. Tag

Auf StreckeDie heutige zweite Etappe führt uns nach nach Pisa. Sie ist 99 km lang und beginnt wie am Vortag mit einer langen Abfahrt, diesmal nur noch schöner und länger. In Saline di Volterra haben wir den Talgrund des Flüßchens Cécina erreicht. Wir beschließen, erst einmal richtig für ein mittägliches Picknick einzukaufen. Ein zweites Mal wollen wir den Nachmittag nicht mit leerem Magen bestreiten. Die Lebensmittel und Getränke werden auf die diversen Satteltaschen verteilt, die hierdurch weiter an Gewicht zunehmen. Einige Kilometer später werden wir durch eine Panne an die zusätzliche Last erinnert. Monika, vom Rennrad die Technik des Wiegeschritts gewohnt, steigt auf einer kurzen Steigung aus dem Sattel. "Peng" sagt die Speiche und verabschiedet sich. Unter sengender Sonne machen sich die beiden Männer an den Haveristen. Nach ca. 20 Minuten ist der Schaden behoben, der 'Pannensekt' läßt grüßen.

Bei San Martino verlassen wir das Cécina-Tal. Es folgt ein schweißtreibender 11 Kilometer langer Anstieg mit 440 Metern Höhenunterschied. Bei Castellina Marittima entschließen wir uns zu unserem Picknick.

Am Nachmittag geht es weiter auf und ab. Bei Vicarello erreichen wir die Arno-Ebene. Im abendlichen Berufsverkehr fahren wir nach Pisa hinein.

Unser Hotel, das Francesco, ist in Sichtweite des Schiefen Turms. Mit der Unterbringung der Räder haben wir etwas Probleme. Schließlich werden sie auf einer rückwärtigen Treppe untergebracht, mit den Diebstahlsicherungen werden sie am Treppengeländer unverrückbar festgebunden. Mit dem Duschen lassen wir uns relativ viel Zeit. Das rächt sich später, als wir feststellen müssen, daß wir den Einlaß in den Dom um 10 Minuten verpaßt haben.

Nach einer Besichtigungstour durch das alte Pisa finden wir in einer kleinen Gasse ein nettes Ristorante, wo wir unter freiem Himmel zu Abend essen.

3. Tag        (Tabelle)        (Seitenanfang)

Höhenplan 3. Tag

Den versäumten Dom-Besuch wollen wir am heutigen Morgen nachholen. Wieder haben wir Pech, wir sind eine Stunde zu früh. Wir vertrösten uns auf ein anderes Mal. Rasch sind die Jeans gegen die Radtrikots gewechselt und wir brechen auf in Richtung Lucca. Auf Umwegen erreichen wir schließlich die richtige Straße und fahren über Rigoli nach Lucca.

Die Stadt ist noch heute von einem 4,2 km langen  mittelalterlichen Mauerring mit schattiger Plantanenallee umgeben. Lucca ist römischcn Ursprungs (Gründung 180 v. Chr.), der schachbrettartige Straßenverlauf und der Umriß eines Amphitheaters (Piazza del Mercato) haben sich bis heute erhalten. Bedeutende Bauwerke sind die schlichte Basilika San Frediano aus dem 12. Jahrhundert, die Bürgerkirche San Michele in Foro mit säulengeschmückter Fassade und der Dom San Martino mit Portalreliefs von Nicola Pisano (um 1260) und reicher Innenausstattung.

Wir schieben unsere Räder durch die engen Gassen von Lucca. Es wimmelt nur so von Schuhgeschäften in dieser Stadt. Unser Weg führt uns vorbei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Gemütlich essen wir zu Mittag.

In der Mittagshitze brechen wir auf in Richtung Osten. Die Landschaft ist nicht besonders einladend und bietet nur wenig Abwechslung. Bei Cerreto Guidi gilt es noch ein kleine Anhöhe zu erklimmen. Wir regulieren hier unseren Wasserhaushalt. Die letzten zehn Kilometer bis Empoli sind bald geschafft. Die Stadt erweist sich als attraktiver als befürchtet. Nach ein paar Nachfragen ist das Hotel, das Tazza d'Oro, bald gefunden, es liegt inmitten der Fußgängerzone. Die Fahrräder werden in einem verschlossenen Hausgang abgestellt. Die Zimmer sind ordentlich, insgesamt hat das Haus auch schon bessere Tage gesehen.

Ein sehr gutes Abendessen im  "Il Galleone" versöhnt uns mit dem Tag.

4. Tag               (Tabelle)            (Seitenanfang)

Höhenplan 4. Tag

Nach dem Frühstück machen wir uns daran, für unser geplantes Picknick einzukaufen. Bald haben wir alles nötige gefunden. Die Gepäcktaschen werden auf die Räder geschnallt. Wir verlassen Empoli in südlicher Richtung, dem Lauf des Flüßchens Orme folgend. Kurz vor Ortimino, das wir rechts liegen lassen, erwartet uns der erste Anstieg.

MittagspauseVon Montespertoli führt die Straße in einem mehrfachen Auf und Ab nach Lucardo. Bei San Donato überqueren wir die Schnellstraße von Florenz nach Siena. Danach geht es aufwärts in das Gebiet des Chianti Classico. Bald finden wir uns auf einer komfortablen Picknickbank zum mittäglich Mahl ein. In der benachbarten Tankstelle können wir noch ein paar kühle Getränke kaufen.

DiskussionNach einer ausgedehnten Mittagspause fahren wir weiter bergauf nach Castellina in Chianti. Hier erreichen wir den höchsten Punkt der heutigen Tagesetappe. Das kleine Örtchen ist noch nicht aus seiner Siesta erwacht. Die meisten Geschäfte sind noch geschlossen, man trifft kaum Leute auf der Straße. Wir lassen es bald anrollen, ungefähr acht Kilometer geht es nun bergab. Noch eine größere Steigung ist vor Quercegrossa zu erklimmen. Der Rest bis Siena ist bald geschafft.

Siena erwatet uns in seinem vollen Glanz. Im Hotel Minerva werden wir bereits erwartet. Alle Teilnehmer der Radtour sind nicht zum erstem Mal in Siena, so beschließen wir ein touristisches Besuchprogramm, das sich auf die gemeinsamen Vorlieben beschränkt. Der Dom und der Piazza del Campo gehören natürlich dazu (Plan von Siena).

Siena ist für viele die schönste  Stadt in der Toskana: auf drei Hügeln am Rande der malerischen Crete Landschaft erbaut, mit steilen Gassen, das Tor zur stilleren Südtoskana. Unvergleichlich der zentrale, muschelförmige Piazza del Campo, wo der berühmte 'Palio delle Contrade' stattfindet. Siena ist ein selten gut erhaltenes Ensemble aus rotbraunem Backstein und gotischen Stilformen. Im Mittelalter war Siena eine Erzrivalin von Florenz, eine Hochburg der Ghibellinen , der Kaisertreuen, wohlhabend durch Handel und Geldgeschäfte.

Abendessen im Freien ist eine wichtige Vorgabe für die Wahl des Restaurants. Auf das empfohlene "Cane e Gatto" in der Via Pagliaresi trifft dieses Kriterium nicht zu. Am Piazza del Mercado unterhalb des Campo ist mit der "Trattoria Papei" bald ein geeignetes Restaurant gefunden. Zunächst sind wir etwas verwirrt: der Ober bringt uns eine deutsche Speisekarte. Es scheint auch alles ziehmlich touristisch zuzugehen. Im Laufe des Abends haben der Ober und wir uns gegenseitig aneinander gewöhnt. Das Essen ist etwas deftig, aber vorzüglich.

Wir beschließen, in der lauen Nacht noch etwas durch Siena zu laufen. An einer Bar in einer kleinen Gasse gibt Monika den ausständigen Pannensekt aus.

5. Tag             (Tabelle)                (Seitenanfang)

Höhenplan 5. Tag

Bis Taverne d'Arbia müssen wir uns durch den morgendlichen Berufsverkehr von Siena quälen. Dann folgen wir der wenig befahren alten 'Via Lauretana', der heutige SS438, hinauf in die 'Crete', einer toskanischen Postkartenlandschaft. Diese 'Crete Senesi' kennen nur wenige. Es ist Genuß für Auge und Gaumen. Kulinarisch ist diese Ecke der Toskana eine bemerkenswert, in Töpfen und auf Tellern gibt es alles, was die italienische Küche hervorgebracht hat. Die Crete sind ein wahres Paradies für Schlemmer. Wenn es ans Essen und Trinken geht, stehen die Crete-Toskaner ihren Provinzgenossen im Norden in nichts nach.

Crete SienesiDie Straße von Siena nach Asciano führt durch die bizarren Crete mit ihren fast kahlen Lehmhügeln, die wie große Ameisenhaufen aussehen, eine eigenwillige und barbarisch-wilden Dünenlandschaft. Sanfte Hügel in gedeckten Farben, je nach Jahreszeit grünlich, violett oder grau-ockerfarben, dahinter, in der Ferne das satte Grüne der Wälder des Monte Amiata und des Monte Cetona. Diese faszinierende Landschaft ist vergänglich, die geologischen Gegebenheiten und die ständige Erosion haben über die Jahrhunderte ihr Bild verändert, dennoch ist ihr Charakter gleich geblieben. Kaum ein Weinberg oder ein Olivenhain unterbricht die karge Landschaft. Die Blicke schweifen über die Hügel, über die sich mit Zypressen besäumten Feld- und Fahrwege zu den kleinen Farmen und 'betürmten' Schlößchen ziehen.

A long and winding roadFür kurze Zeit mußten wir unsere Blicke etwas weniger erbaulichem zuwenden, erneut zwang uns ein Speichenbruch zum Anhalten. Diesmal hatte Kurt das Schicksal ereilt. Die Satteltaschen entfernen, den Schnellspanner öffnen, mit dem Nut-Cracker die Zahnkranzkassette lösen, die Speiche ersetzen, leicht spannen, dies ist alles schon Routine. Jetzt muß nur noch das angespannte Rad an der Bremse zentriert werden, dann geht es weiter nach Asciano.

Asciano (200 m u. NN) ist eine mittelalterliche Stadt mit einer größtenteils intakten Befestigungsmauer aus dem Jahre 1351. Es beeindruckt die romanische Basilika Sant' Agata (13. Jh.) mit ihrer Architektur, ebenso die Kirche San Francesco. Die Stadt oberhalb des Flüßchens Ombrone ist etruskischen und römischen Ursprungs, was etruskische Necropolen aus der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. und das Grab des Molinello (ca. 7. bis 1. Jahrh. v. Chr) bezeugen. Die Hauptstraße, der Corso Matteotti, ist von schicken Geschäften und klassizistischen Palazzi gesäumt. Seit dem 9. Jahrhundert war Asciano Besitz der Grafen Cacciaconti-Scialenga, 1285  kam es in senesische Oberhoheit, die es bis 1554 hielten. Kunstliebhaber sollten das kleine "Museo di Arte Sacra" mit seiner wertvollen Sammlung an Malereien und Skulpturen aus dem 14. und 15. Jahrhundert nicht versäumen. Daneben gibt es ein Etruskisches Museum und das neue Cassioli-Museum mit Kunst des 19. Jahrhunderts.

Nach einem erfrischenden Getränk auf der Piazza beschließen wir, die heutige Etappe, so wie im vorliegenden Bericht angegeben, zu verkürzen und nicht wie ursprünglich geplant über Sinalunga und Montepulciano zu fahren. Jetzt haben wir Zeit für ein gepflegtes Mittagessen. Hinter einem kleinem unscheinbaren Eingang in der Hauptstraße finden wir ein geeignetes Lokal mit schönem Garten, 'La Mencia' ist wirklich empfehlenswert. Im schattigen Garten genießen wir die dargereichten kulinarischen Leckereien.

Über das Städtchen Asciano gelangt man zu der backsteinroten Abbazia di Monte Oliveto Maggiore, Bernardo Tolomeis einstiger Einsiedelei in der Wüste. Aus den bescheidenen Anfängen von 1313 entstand bald eines der wichtigsten Benediktinerklöster Italiens. Die Mönche machten den ertraglosen Kreideboden zu einer fruchtbaren Oase. Sind auch die großen Zeiten vergangen, so hat sich Monte Oliveto bis heute den Rang eines geistigen Zentrums bewahren können. Beachtlich ist auch die landwirtschaftliche Tätigkeit des Klosters, auf die die Benediktiner seit jeher stolz sind: Ständig wird Land aufgeforstet und kultiviert.

Eingebettet in die wilde, abgeschiedene Landschaft, strahlt die an Kunstschätzen reiche Klosteranlage Ruhe und Anmut aus. Sehenswert ist neben der Kirche vom Anfang des 15. Jahrhunderts mit der gotischen Fassade vor allem der Kreuzgang mit einem Freskenzyklus der Renaissancemaler Sodoma und Luca Signorelli von 1500. Die Szenen aus dem Leben des Hl. Benedikt bilden ein geschlossenes Werk der italienischen Renaissancemalerei.

Hier ein Tip für radreisende Kunstinteressierte: Mit buntem Radlertrikot und in kurzen Hosen erhält man keinen Zutritt zu den Führungen in das Innere der Klosteranlage. Da wir das Kloster bereits kennen, können wir ruhigen Gewissens daran vorbeiradeln.

Zur Abwechslung geht ein Stück abwärts nach Richtung San Giovanni d'Asso (310 m ü. NN), einem landwirtschaftlichen Zentrum mit erhaltenem historischen Zentrum. Unserer Frauen werfen einen sehnsüchtigen Blick auf die bereits von einer früheren Tour bekannten Feigenbäume entlang einer hohen Mauer, aber für frische Feigen ist es Anfang Juni noch zu früh.

Der Anstieg nach Montisi ist mühselig. Die gerade erklommenen Höhenmeter sind sind auf den nächsten zwei Kilometern wieder verloren. Ein erneuter Aufstieg nach Castelmuzio kostet uns das letzte Wasser. Die letzten Kilometer bis Pienza ziehen sich.

Die Käsestadt Pienza wurde ursprünglich Corsignano genannt. Enea Silvio Piccolomini, ein bedeutender Humanist und Philosoph, kam hier 1405 zur Welt, als die Stadt noch Corsignano hieß. Er wurde 1458 zum Papst gewählt und beschloß, Corsignano ein neues Gesicht zu geben und sich selbst zu Ehren Pienza zu nennen. Pius wollte seinen Geburtsort zu einer Musterstadt der Renaissance umgestalten. Das Zentrum von Pienza wurde während der Renaissance unter Papst Pius II. vollständig umgebaut. Das Vorhaben beschränkte sich auf wenige Bauten, die sich um die Piazza Pio II. gruppieren. Das stilreines Ensemble aus Dom (Hallenkirche), Adels- und Kardinalspalästen blieb unvollendet, weil Papst und Baumeister 1464 starben .

Der Baumeister Bernardo Rossellino erhielt 1459 den Auftrag, einen Dom, den Papstpalast sowie ein Rathaus zu errichten, was er binnen drei Jahre realisierte. Pius II. wünschte Buntglasfenster für den Dom, um den Einruck einer domus vitrea (wörtlich "Glashaus") zu schaffen. Sinnbild für die intellektuelle Erleuchtung das Geistes im Zeitalter das Humanismus. Rechts neben dem Dom erhebt sich der päpstliche Palast, der den Nachkommen Pius II. bis 1968 als Wohnsitz diente. In den öffentlich zugänglichen Räumen - darunter das Schlafzimmer und die Bibliothek Pius' II. - sind dessen persönliche Besitztümer ausgestellt. Um den Innenhof des Palazzo zieht sich ein Säulengang, während drei übereinanderliegende Loggien die Gartenfront prägen. Von dort bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die vulkanischen Hügel des Monte Amiata. Heute ist der östliche Teil des Doms gefährdet, weil der Boden darunter nachgegeben hat: Wände und Böden sind von Rissen überzogen.

Abseits des Zentrums ist Pienza ein ruhiges Provinzstädtchen. Viele Geschäfte halten Spezialitäten der Region bereit, unter anderem den Schafskäse Pecorino.

Wir steigen im Hotel Corsignano ab. US-Amerikaner dominieren das Hotel, irgendeine Sekte hat eine Toskanareise veranstaltet, und das Hotel dient als Headquarter. Frisch geduscht machen wir uns auf zu einem Bummel durch das Zentrum von Pienza. Ein Maß Bier, die eine Bar ausschenkt, ist Kurt zuviel. Er trinkt lieber zwei Halbe. Zum Abendessen finden wir uns in der Trattoria Dal Falco ein. Der fällige Pannensekt wird landschaftgemäß in Vino Nobile de Montepulciano umgewandelt.

6. Tag             (Tabelle)                (Seitenanfang)

Höhenplan 6. Tag

Beim Start es noch etwas frisch. In schneller Fahrt  lassen wir unsere Räder zur letzten Etappe von Pienza in Richtung San Quirico hinunterlaufen. Leider dauert es nicht lang, und die Längsneigung der Straße ändert sich zu unseren Ungunsten. Von San Quirico erleben wir die nächste Abfahrt, danach ist es erst einmal mit der bequemen Seite des Radreisens vorbei. 400 Höhenmeter gilt es nach Montalcino hinauf zu überwinden. Die Straße ist nicht sonderlich steil, jedoch macht sich langsam die Hitze bemerkbar.

Montalcino, ein hochgelegenen Städtchen mit imposanten Festungsmauern aus dem 14. Jahrhundert, ist eine Winzerstadt, wie man unschwer an Weinhandlungen erkennen kann. Brunello di Montalcino heißt die höchste Qualitätsstufe der hier erzeugten Weine. Schmale Straßen prägen das Stadtbild. Am höchsten Punkt erhebt sich die Fortezza (14. Jh.) mit ihren 1571 unter Cosimo I. errichteten Wehrgängen. Das Innere der Festung birgt eine alte Kriegsstandarte aus Siena. Sie erinnert daran, daß die Stadt Rebellen Zuflucht gewährte, nachdem Siena 1555 von den Florentinern erobert worden war. Zum Gedenken daran führen Fahnenträger aus Montalcino jedes Jahr die dem Palio von Siena vorausgehende Parade an.

Wir decken uns in der Stadt mit dem notwendigen Proviant für ein Picknick, vor allem aber mit viel Wasser ein. Der Planet brennt ohne Erbarmen vom Himmel.

Nach Montalcino zieht sich die Straße noch ein Stück den Berg hinauf.  Nun können wir uns bis Parmoletone wieder den kühlenden Fahrtwind ins Gesicht wehen lassen. Hier ist dann auch bald ein Picknickplätzchen im Schatten gefunden. Wir wollen eigentlich nicht so bald wieder auf unsere Räder aber wir müssen, es liegen noch rund 50 Kilometer vor uns. Bis Stazione Roccastrada bleibt es einigermaßen eben. Zwei größere Steigungen liegen bis Massa Marittima noch vor uns. Nach der ersten sind unsere Wasservorräte erschöpft. In der nächsten Bar wird wieder aufgetankt.

Ziehmlich ausgelaugt erreichen wir gegen 19.30 Massa. Ein vorzügliches Abendessen in der Taverna dal Vecchio Borgo versöhnt uns mit dem Tag, den wir anschließend bei einem Fläschchen Spumanti an der Bar vis-à-vis von unserem Hotel ausklingen lassen.

Am nächsten Tag treten wir die Rückreise nach München an.


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Stand: 07. November 2014

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