Pässetour in den Zentralalpen

Das Team

Übersichtskarte

Eine Pässerunde durch die italienisch-schweizerischen Alpen in 4 Tagesetappen über 295 km. Tagesetappen zwischen 39 und 85 Kilometern.
1. Tag                2. Tag               3. Tag                4. Tag

Streckenabschnitt

Meeres-
höhe

Entfernung
[km]

Tages-
strecke
[km]

Gesamt-
strecke
[km]

Glurns - Lichtenberg
Lichtenberg - Prad
Prad - Ponte Stelvio
Ponte Stelvio - Gamagoi
Gamagoi - Trafoi
Trafoi - Stilfser Joch (IT-BZ-2758)*)
Stilfser Joch - Abzw. Umbrailpaß (CH-GR-2501)
Abzw. Umbrailpaß - Bormio
(1. Tagesetappe)

920
914
920
1110
1256
1543
2757
2490

4,2
4,3
3,9
2,7
4,2
16,4
3,1
18,8

4,2
8,5
12,4
15,1
19,3
35,7
38,9
57,7

4,2
8,5
12,4
15,1
19,3
35,7
38,9
57,7

Bormio - Abzw. SS28/SS301
Abzw. SS28/SS301 - Valdidentro
Valdidentro - Arnoga
Arnoga - Passo di Foscagno (IT-SO-2291)
Passo di Foscagno - Trepale
Trepale - Passo d'Eira (IT-SO-2204)
Passo d'Eira - Livigno
(2. Tagesetappe)

1220
1266
1350
1932
2291
2096
2204

1,7
7,2
8,4
5,9
5,2
1,7
8,7

1,7
8,9
17,3
23,2
28,4
30,1
38,8

59,4
66,6
75,0
80,9
86,1
87,8
96,5

Livigno - Tresenda
Tresenda - Campaccio
Campaccio- Forcola di Livigno (CH-GR-2315c)
Forcola di Livigno - Einm. Berninastraße
Einm. Berninastr. - Passo del Bernina (CH-GR-2307)
Passo del Bernina - Abzw. Moteratsch
Abzw. Moteratsch - Pontresina
Pontresina - Celerina
Celerina - Samedan
Samedan - Abzw. La Punt
Abzw. La Punt - La Punt
La Punt - A. Proliebas
A. Proliebas - Albulapass (CH-GR-2312)
Albulapass - Crap Alv
Crap Alv - Preda
Preda - Punt Ota
Punt Ota - Bergün
Bergün - Filisur
Filisur - Surava
Surava - Alvaneu
Alvaneu - Schmitten
Schmitten - Wiesen
Wiesen - Bärentritt
Bärentritt - Rotsch
Rotsch - Glaris
Glaris - Höfji
Höfji - Davos (Platz)
(3. Tagesetappe)

1805
1892
1902
2315
2054
2328
1880
1805
1720
1705
1687
1697
2030
2312
2026
1789
1646
1367
1032
968
1205
1280
1437
1240
1408
1477
1500

7,8
1,5
7,2
3,5
3,8
10,3
4,5
4,5
4,2
4,4
1,0
3,7
5,5
3,5
3,0
2,5
4,5
8,0
5,0
2,5
3,0
4,5
2,5
4,5
1,5
2,5
8,5

7,8
9,3
16,5
20,0
23,8
34,1
38,6
43,1
47,3
51,7
52,7
55,4
60,9
64,4
67,4
69,9
75,4
83,4
88,4
90,9
93,9
98,4
100,9
105,4
106,9
109,4
117,9

104,3
105,8
113,3
116,8
120,6
130,9
135,4
139,9
144,1
148,5
149,5
154,2
159,7
158,0
161,0
163,5
168,0
176,0
181,0
183,5
186,5
191,0
193,5
198,0
199,5
202,0
210,5

Davos (Platz) - Dörfji
Dörfji - Flüelapass (CH-GR-2383a)
Flüelapass -Susch
Susch - Zernez
Zernez - Punt la Drossa
Punt la Drossa - Ofenpass (CH-GR-2149b)
Ofenpass - Sta Maria
Sta Maria - Müstair
Müstair - Taufers
Taufers - Glurns
(4. Tagesetappe)
*)Kode des Club des Cent Cols

1560
1799
2383
1426
1472
1709
2149
1375
1280
1259
920

5,8
9,3
13,2
6,0
12,2
9,9
14,6
2,3
1,8
9,7

5,8
15,1
28,3
34,3
46,5
56,4
71,0
73,3
75,1
84,8

216,3
225,6
238,8
244,8
257,0
266,9
281,5
283,8
285,6
295,3

Zeitraum

Die Radtour wurde vom 15. Juni bis 18. Juni 2006 bei sehr gemischtem Wetter durchgeführt.

Teilnehmer:

Hubert Becker
Uschi Becker
Jürgen Giesecke

Allgemeine Hinweise

Jeder Teilnehmer ist für sein Gepäck selbst verantwortlich. Der Umfang des auf dem Rad mitzunehmenden Gepäcks sollte sich nach dem Stauraum und dem Tragevermögen jedes Teilnehmers bzw. Fahrrades richten. Grundsätzlich kann jeder mitnehmen, was er/sie für wichtig und richtig hält. Die technische Überprüfung des Radmaterials vor der Tour ist dringend angeraten. Der Umfang an Ersatzteilen und an Werkzeug sollte zwischen den Teilnehmern mit dem Ziel ausreichender Umfang und Vermeidung von Redundanzen abgesprochen werden.

Überblick

Diese Radtour ist keine Spazierfahrt, 7.000 Höhenmeter sind auf  283 Kilometern zu absolvieren! Ausreichendes Training und Kondition sind für einen unproblematischen Tourenverlauf notwendige Voraussetzung. Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, dass die beschriebene Tour kein kommerziell durchgeführtes Radreiseangebot ist.

Übersicht Höhenplan

Empfohlenes Kartenmaterial:  Karte Südtirol-Trentino (1:200.000) Michelin Nr. 354, Michelin Karte Schweiz Süd-Ost (1:200.000) Nr. 553. freytag&berndt WKS 6 "Ortleralpen, Martell, Val di Sole", Kompass No. 96 "Bormio - Livigno".

Anreise (14.06.2005)

Die Anreise erfolgte mit dem eigenen Fahrzeug von München. Die Entfernung München - Glurns (Glorenza) beträgt 230 Kilometer. Die kürzeste Route verläuft über Garmisch-Partenkirchen, Fernpass, Imst, Bellinzona, Landeck, Nauders, Mals (Malles).

Glurns (Glorenza), ist die mit knapp 900 Einwohnern kleinste Stadt der Provinz Bozen (Bolzano) ist vollkommen umgeben von einer Stadtmauer. Glurns ist eine der acht Städte Südtirols und die einzige Stadt im Vinschgau. Die erste urkundliche Erwähnung datiert von 1163. Ein phantastischer Ort, der für sich eine Reise wert ist.

Die Anreise verläuft mit Hindernissen. Kurz nach der Vorbeifahrt an der einzigen Tankstelle an der Autobahn A95 (München- Garmisch) leuchtet das Symbol "bitte tanken" auf. Etwas zu früh, um noch bis Österreich zu kommen, wo der Sprit ca. 20 Cent billiger ist. Wir verlassen die Autobahn an der Ausfahrt "Kochel/Murnau". Bis Kochel keine Tankstelle, am Walchensee auch nicht. Kurz vor Krün geht der Sprit aus, ca. 2 Kilometer vor der einzigen Tankstelle in der Umgebung. Mit dem Fahrrad ist es nicht allzu schwer, diese Tankstelle zu erreichen. Der Preisunterschied für Treibstoffe zwischen Deutschland und Österreich hat auf deutscher Seite ein großes Tankstellensterben verursacht, auf österreichischer Seite sind direkt hinter Grenze viele neue Großtankstellen entstanden.

Wir erreichen Glurns aber dennoch rechtzeitig. Im Hotel Post haben wir reserviert. Es bleibt noch ausreichend Zeit für das Abendessen, aber dann müssen wir in den Fernsehraum, das WM-Fußballspiel "Deutschland-Polen" steht an. Ein quälendes Match, erst in der letzten Minute fällt das erlösende Tor für Deutschland. Jetzt können wir beruhigt zu Bett gehen.

Beschreibung der Tour


1. Tag          (Tabelle)           (Seitenanfang)          15.06.2006

Höhenplan 1.Tag

Im Vinschgau Bei schönem Wetter starten wir. Von Glurns geht es erst einmal gemächlich durch das Vinschgau bis Sponding. Die Gegend ist sehr wasserreich, weshalb man es sich leisten kann, auch Wiesen zu bewässern. Ein paar Spritzer bekommen wir auch auf der Straße ab. In Sponding biegen wir nach rechts ab in Richtung Prad und damit in Richtung Stilfserjoch / Passo dello Stelvio, wie er auf italienisch heißt. Der Paß ist einer der reizvollsten Straßenpässe der Alpen, manche Leute behaupten, er sei der schönste von allen. 48 Kehren auf der östlichen Seite bis zu Paßhöhe. Wir wissen, was uns erwartet; wir haben diesen Giganten bereits vorher bezwungen.

Straße bei Gamagoi48 durchnumerierte Kehren liegen jetzt vor uns, die ersten zwei liegen zwischen Gomagoi und Trafoi. Das Stilfserjoch (ital. Passo dello Stelvio) ist mit 2.757 m der höchste Paß in Italien und nach dem Col de l'Iséran der zweithöchste asphaltierte Gebirgspaß der Alpen. Das Stilfserjoch verbindet Prad im Vinschgau (Südtirol/ Alto Adige) mit Bormio im Veltlin (Lombardei). Die ca. 50 km lange Straße über das Stilfserjoch wurde von 1820 bis 1826 vom österreichischen Kaiserreich gebaut, um die Lombardei, die damals zum Kaiserreich Österreich gehörte, schnellstmöglich mit dem zentralen Reichsgebiet zu verbinden. Im Ersten Weltkrieg verlief zwischen 1915 und 1917 über das Stilfserjoch die Italienfront. Aus dieser Zeit sind dort noch heute Überreste von Stellungsanlagen zu erkennen. Die Straßenführung wurde seit dem Bau kaum verändert. Auf der Westseite, ca. 3 Kilometer unterhalb der Paßhöhe, mündet auf 2.503 m die über den Umbrailpass kommende Straße von Santa Maria ein. Über den Umbrailpass verläuft die Grenze zur Schweiz. Dieser Umstand führte dazu, dass wenige Höhenmeter oberhalb des umstrittenen Stilfserjochs die Schweiz im Rahmen ihres bewaffneten Neutralitätsschutzauftrages Truppen auf diesem Gipfel der Dreisprachenspitze postieren mußte. Die schweizer Armee wachte mit einem beträchtlichen Personalaufwand darüber, daß die verfeindeten Österreicher und Italiener sich nicht auf ihrem Territorium bekriegten.

WarmfahrenAls "Königin der Passstraßen“ und „Höchster Rummelplatz Europas“ das Stilfserjoch häufig bezeichnet. Die klassische 48-Kehren-Auffahrt von Prad gehört zu den bekanntesten und prestigeträchtigsten Anstiegen der Alpen. Was macht das Stilfserjoch für den Radler so anziehend? Erst einmal die sportliche Herausforderung, dann die Tatsache, daß es sich um die zweithöchste Paßstraße in den Alpen handelt und drittens die landschaftlich einmalig schöne Lage! Seit einigen Jahren wird am ersten Samstag im September oder am letzten Samstag im August der Radtag Stilfserjoch veranstaltet, die Straße (von Trafoi bis Bormio) wird von morgens bis in den späten Nachmittag hinein für den motorisierten Verkehr gesperrt und ist allein den tausenden Radfahrern vorbehalten.

Die klassische Strecke von Prad (913 m) schlängelt sich am Sulden-Bach entlang, die Steigung hält sich in Grenzen, somit ist dieser Abschnitt zum Warmfahren geeignet. An der Ostrampe kann man in Gomagoi auf 1.260 m in das Suldental nach Sulden abzweigen, ein bekannter Wintersportort. Ab Gomagoi (1267 m) sind alle 48 Serpentinen abwärts numeriert und teilweise mit Höhenangaben versehen, was die Orientierung erleichtert. Bis Trafoi (1543 m) passieren wir die Kehren No. 48 und 47. Der bekannte Skiläufer Gustav Thöni wurde in Trafoi geboren. Der mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger begann hier seine Karriere. Der Familie Thöni gehört das Hotel Bella Vista in Trafoi, es liegt in der Nähe der Stilfserjochstraße.

Der Paß wird im Süden eingerahmt vom Ortler-Massiv mit dem Ortler (3905 m), der Vorderen Madatschspitze (3191 m) und dem Monte Scorluzzo (3094 m) als die bekanntesten Gipfeln. Majestätisch türmt sich der Ortler mit seinem mächtigen Gletscher auf. 1935 wurde das 135.000 Hektar umfassende Gebiet um die Ortler- und Cevedalegruppe zum Nationalpark Stilfser Joch erklärt, um Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. Die Landschaft in eisigen Höhen, sprudelnde Wildbäche, üppige Wälder und saftige Bergwiesen formen die Landschaft des Nationalparks. Und auch die Artenvielfalt der Tierwelt kann sich sehen lassen: Hirsche und Gemsen, Adler und Steinböcke, Füchse und Spechte leben hier in der unberührten Natur. Die Pflanzenwelt wartet mit Edelweiß, Gletscher-Hahnenfuß und Kohlröschen auf. In Trafoi, direkt an der Stilfserjochstraße, wurde das Nationalparkhaus "naturatrafoi" erbaut. In der Dauerausstellung werden Tiere und Pflanzen der hochalpinen Regionen gezeigt. Workshops, Vorträge, Wanderungen und Sonderausstellungen runden das Programm ab.

Steilster Abschnitt der OstanfahrtNach dem Ortsausgang von Trafoi nimmt die Steigung merklich zu, aber wirklich steil ist die Ostauffahrt an keiner Stelle. Kehre um Kehre schrauben wir uns nach oben. Zunächst liegt die Straße noch vielfach im Schatten. Allmählich erreichen wir die Baumgrenze. Jetzt brennt die Junisonne erbarmungslos auf uns herunter. Alle 100 Höhenmeter halten wir an, um Flüssigkeit zu uns zu nehmen. Während der Fahrt ist das bei den bepackten Fahrrädern gar nicht so einfach. Wir passieren das Gasthaus "Weißer Knott", das jedoch geschlossen ist. Sehr einladend schaut dieses Haus nicht aus.

Auf 2.188 m liegt auf der Ostseite das Berghotel Franzenshöhe. Das 1820 errichtete Gebäude diente während des Ersten Weltkriegs als Nachschubstation für die Truppen auf der Paßhöhe und den anliegenden Bergkämmen. Den Namen Franzenshöhe erhielt das Plateau von Kaiser Franz Joseph I, der sich mit seinem Gefolge einige Zeit hier aufhielt. Die Lage des Berghotels Franzenshöhe in der Kehre 22 bietet sich gerade an, um die Aussicht zu genießen und um sich auf der großen Terrasse mit einem kühlen Getränk und einem kleinen Imbiß zu regenerieren. Wir genießen die Mittagssonne, hier oben ist es nicht mehr so heiß. Man muß aufpassen, daß man sich keinen Sonnenbrand holt. Sollen wir weiter? Oder bleiben wir noch ein bißchen sitzen? Es sind ja nur noch 21 Kehren.

Wir entscheiden uns für den Aufbruch. Leider sind jetzt auch schon recht viele Motorradfahrer unterwegs. Es sind nur wenige, die umsichtig und rücksichtsvoll fahren. Die meisten rasen, schneiden die Kurven und halten einen viel zu geringen Seitenabstand zu den Radlern ein. Ganz zu schweigen, von dem unsäglichen Lärm, den sie verbreiten. Leider kontrolliert die italienische Polizei nicht sonderlich, so daß die Raser meinen, einen Freibrief zu haben. In der Schweiz kann man sich diese Raserei nicht erlauben, schnell ist man die Fahrerlaubnis für eine befristete Zeit los. Die italienische Polizei sollte sich daran ein Beispiel nehmen.

Phantastischer SchlußanstiegDieser Schlußanstieg an dem 6 Kilometer langen, furchterregende Steilhang ist sehr kurzweilig. Es bieten sich immer neue Ausblick. Bald liegt das Hotel Franzenshöhe weit unter uns. Die Fotostops häufen sich. Bei der Auswahl der Fotos für diesen Reisebericht bestand die Qual der Wahl.

Kehre um Kehre geht es schier senkrecht in den Himmel, eine scheinbar senkrechte Felswand muß bezwungen werden. Bald sind wir bei den Kehren mit einstelliger Zahl angelangt. Die Tibethütte oberhalb der Paßhöhe ist bereits sichtbar. Die Ausblicke auf die Runde der Dreitausender und der vielen Gletscher lenken etwas von einer möglichen Höhenangst ab. Bei den Rückblicken auf die gerade gefahrene Strecke glaubt man nicht, daß man das geschafft hat. Die restlichen Kehren ziehen sich schier endlos, bis man an der Passhöhe angekommen ist.

KehrenserieNach einer leichten Rechtskurve erreicht man die Paßhöhe. Bei der Auffahrt herrschte majestätische Ruhe - wenn gerade kein Motorrad vorbeibrettert -, mit einem Schlag ist man mitten im Trubel: Andenkenläden, Imbißbuden, Restaurants, Bars und viele, viele Menschen. Die Paßhöhe ist voll. Gut, daß wir mit den Fahrrad hier oben sind, Parkplätze sind Mangelware. Insbesondere die Wohnmobile sind die Ursache für den Platzmangel, sie müssen wohl von der Westseite heraufgekommen sein. Wir haben bei unserer Auffahrt über die Ostrampe nur zwei oder drei bemerkt. Die abgestellten Motorräder machen die Durchfahrt auf der Silfserjoch-Straße ziemlich eng. Wohin auch mit den Mopeds?

Wir kaufen uns als Andenken für die Überquerung des Stilfserjochs Radtrikots mit aufgedrucktem Paßnamen in deutscher und italienischer Fassung.

Ankunft auf dem Passo dello StelvioVon der Paßhöhe führen Skilifte hinauf zu den Hotels Nagler und Ortler. Von dort aus gibt es weitere Lifte in das Sommerskigebiet auf dem Ebenferner. Allzu lange verbleiben wir nicht hier oben. Wir wechseln noch die Radunterhemden, um mit trockener Oberbekleidung die lange Abfahrt nach Bormio antreten zu können.

Die Westrampe des Passo dello Stelvio ist längst nicht so spektakulär wie das östliche Pendant. Immerhin weist sie 36 Kehren auf, auch einige kürzere Tunnel und längere Gallerien sind zu durchfahren. Nach ca. 3 Kilometern zweigt nach rechts die Straße zum Umbrailpass ab, auch Wormser Joch genannt. Die Anstieg zu diesem Grenzpaß zwischen Italien und der Schweiz beträgt nur wenige Höhenmeter. Da wir aber alle drei schon dort oben waren, verzichten wir auf den Abstecher..

Die Abfahrt auf der gut ausgebauten Straße mit überwiegend guter Oberflächenbeschaffenheit macht Spaß. Leider zieht sich der Himmel zu. Wir hoffen, daß wir noch trocken in Bormio ankommen werden.

Wir haben es geschafft. Jetzt müssen wir nur noch eine Unterkunft finden. Auch das gelingt im dritten Anlauf. Nach der Dusche schlendern wir noch ein wenig durch den Ort und genehmigen uns ein Bierchen. Nach dem Abendessen bleiben wir nicht mehr allzu lange auf. Die vorausgegangen Nacht war kurz und der Tag anstrengend.


2. Tag         (Tabelle)       (Seitenanfang)           16.06.2006

Höhenplan 2. Tag

Aufbruch in BormioDer Himmel ist verhangen, als wir in der Frühe aus dem Hotelfenster schauen. Es ist aber trocken. Wir hoffen, dass es heute so bleiben wird. Wir starten langsam in die Richtung, woher wir am Vortag gekommen waren. Nach wenigen Kilometern ändert sich die Fahrtrichtung. Livigno ist jetzt angesagt. Die Strecke ist heute nicht sehr attraktiv, zwei Pässe, jeweils über 2.000 m stehen an auf dem Weg nach Livigno. Keinen kann man als landschaftlich schön bezeichnen, reine Routine. Wir strampeln halt, um anzukommen. Sportlich wird doch schon etwas abverlangt, es sind immerhin 1260 Höhenmeter bis zum Ziel. Dieser Foscagno - wir hatten ihn schon ein einemmal mit den Auto bei äußert schlechtem Winterwetter befahren - hat in Arnoga noch eine letzte Kehre, dann zieht er sich am Hang entlang - zwei Galerien müssen wir passieren - bis hinauf zur unspektakulären Paßhöhe.

Langsam steigen wir am Hang entlang. Die Orte, die wir passieren, sind eher nichtssagend. Da muß man durch. Langsam steigt es konstant zum Passo die Foscagno kontinuierlich an.. Der Paß kann nichts dafür, landschaftliche Höhepunkte sind nicht dabei. Auf der Paßhöhe befindet sich eine Tankstelle, der Sprit ist besonders billig, denn Livigno ist eine zollfreie Zone Italiens.

Es folgt eine kurze Abfahrt bis zur Ponte des Rezz auf 2021 m s.l.m. In der Frazione Trepale reiht sich eine Parfümerie und ein Schnapsladen an den anderen. Es ist nur ein kleiner Vorgeschmack, was uns im Hauptort Livigno erwartet. Uns ist aber nicht nach Düften und Schnaps zumute, wir haben Hunger. Wir stärken uns mit eine leckeren Pasta. Wir können uns bei dieser Mittagsrast Zeit lassen. Uns erwarten nur noch ca. 100 Höhenmeter Anstieg zum Passo d'Eira und dann die Abfahrt nach Livigno.

Passo di FascagnoGestärkt erklimmen wir den Passo d'Eira. Paßschild, Fehlanzeige! (In 2011 war wieder ein Paßschild da.) Es fegt ein kalter Wind über die Paßhöhe. Schnell noch die Windjacken angezogen und wir rauschen hinunter nach Livigno.

Wir suchen zuerst ein kleines Hotel-Restaurant auf, in dem wir vor vielen Jahren während eines Skiurlaubs gewohnt haben. Leider hat das Camana Veglia noch geschlossen, erst eine Woche später wird es für die Sommersaison öffnen. Wir finden im Hotel Helvetica eine Bleibe für die Nacht.

LivignoNach dem Duschen und Umziehen starten wir zu einer Shoppingtour: Parfümerien, Elektrogeschäfte und Sportshops, nichts ist vor uns sicher. Unser Yellow bekommt seine langersehnte und versprochene gelbe Radhose, dazu auch gelbe Handschuhe. Ansonsten ist das Ergebnis der Einkaufstour eher mäßig. Ein Bremser für eine üppige Einkaufstour sind unsere beschränkten Transportkapazitäten, wir müßten ja noch all die möglicherweise gekauften Güter über fünf Pässe bis zu unserem Auto in Glurns transportieren. Aber wir wissen Bescheid, was es an neuem gibt und wie die Preise in Livigno sind.

Jetzt kommt der beste Teil des Abends: bei einem Bier draußen vor den Lokal die Passanten beobachten und kommentieren. Die Tagesetappe wird noch einmal durchgehächelt. Es war heute ein kurzer Trip, der in keinster Weise an das Highlight des Vortages anknüpfen kann. Pannen waren an beiden Tagen glücklicherweise Fehlanzeige.

Wo zu Abend essen? Möglichkeiten gibt es hier in Livigno viele. Wir entscheiden uns für das Restaurant unseres Hotels. Was wir gespeist haben? Daran kann sich der Chronist nicht mehr erinnern, und Teilnehmer, die es sicherlich gewußt hätten, leben nicht mehr.

Nach dem Abendessen nehmen wir noch einen Absacker an der Bar gegenüber von unserem Hotel. An einem Freitagabend ist der Auftrieb groß in diesem Livigno.


3. Tag        (Tabelle)        (Seitenanfang)           17.06.2006

Höhenplan 3. Tag

Yellow rüstet aufHeute wollen wir bis Davos fahren. Es gibt aber von vornherein den Plan, wenn es eng wird, daß wir für die 34,5 Kilometer von Filisur bis Davos die Rhätische Bahn in Anspruch nehmen. Drei Gründe gibt es hierfür: Die Straße ist stark befahren, es gibt mehrere längere Tunnels und es ist landschaftlich nicht unbedingt interessant.

Nun erst einmal zum Start in Livigno. Wir nehmen die Straße nach Süden zur Forcola di Livigno. Ganz langsam ist dieser Anstieg im Hochtal von Livigno. Irgendwann, so ungefähr ab Ponte del Verde nimmt die Steigung zu. Richtig steil wird es bis zur Forcola di Livigno nicht. Einige Galerien tragen zur Wintertauglichkeit des Passes bei, die Landschaft wird aber dadurch nicht verschönert. Wir sind einfach verwöhnt ob der Schönheit des Stilfserjochs. Langsam kämpfen wir uns das Valle della Forcola hinauf. Irgendwann nach einer kurzen Rechts-Links-Kombination sind wir oben auf der Paßhöhe. Wieder ein Schlagbaum im Europa fast ohne Grenzen, aber es ist eine EU-Außengrenze, dazu noch zu einem zollfreien Gebiet. Wir Radler können diesmal ungehindert passieren, aber die schweizer Zöllnern kommen ja noch. Die Schweiz, die von der EU umbordete Insel, es erinnert an das kleine Dorf von Asterix und an die Römer.

Forcola di LivignoDie Paßhöhe ist unspektakulär eine Baracke für den italienischen Zoll und ein Schlagbaum, der nach oben gerichtet ist. Anscheinend ist derzeit kein Personal von Zoll oder Grenzpolizei anwesend.

Das Wetter ist am heutigen Vormittag wechselhaft, ein böiger Wind treibt die Wolken über den Himmel. Wir ziehen für die kurze Abfahrt die Windjacken an. Am schweizer Zoll ist die Abfahrt zu Ende. Als Nichtschweizer werden wir vom Zoll in Ruhe gelassen. Schweizer Bürger werden streng kontrolliert, die Autos werden durchsucht, der Kofferraum muß geöffnet werden Ein paar Meter nach der Zollstation erreichen wir die Bernina-Paßstraße.

Uns steht ein kurzer Anstieg mit knapp 300 Höhenmetern bevor, dann sind wir am Passo del Bernina. Im Westen zeigt sich etwas wolkenverhangen der mächtige Piz Bernina mit seinen 4050 m Höhe. Er ist der einzige Viertausender der Ostalpen und der höchste Berg Graubündens. Westlich des Piz Bernina verfehlen der Piz Roseg mit seinen 3936 m und im Osten der Piz Zupó mit 3996 m nur knapp die 4000er Marke. Bekannt geworden ist auch der Piz Palü durch den Stummfilm »Die weiße Hölle vom Piz Palü« von Arnold Fanck mit Leni Riefenstahl aus dem Jahre 1929.

Der Passo del Bernina steht auch auf dem Tagesplan einer Anzahl von Motorradfahrer, die auf Paßhöhe erstmals eine Zigarettenpause machen. Wir machen eine Bananenpause. Die zollfreien Bananen haben wir aus Livigno in die Schweiz eingeschmuggelt.
Abfahrt von der Forcola di Livigno Passo del Bernina
Bernina-Express Yellow

Ein lange Abfahrt mit über 1600 Metern Höhendifferenz steht uns bevor. Ausgebremst werden wir kurz nach der Diavolezza-Talstation durch eine geschlossen Schranke. Es dauert einige Minuten, bis der Bernina Express aus Richtung Tirano vorbeizuckelt. Die Schranken werden geöffnet. Wir sind bemüht, mit der Geschwindigkeit des Zuges mitzuhalten, was uns auch eine Zeit lang gelingt. An der Station Morteratsch muß der Zug halten, wir fahren zügig weiter.

Im Ortsgebiet von Pontresina verlangsamt sich die Fahrt. Der Ortsansicht ist von Häusern im Engadiner Stil geprägt, von denen viele Wandmalereien und geschmückten Erkern versehen sind. Aus dem 12. Jahrhundert stammt der Burgturm Spaniola. Sehenswert sind auch die Kirche «Sta. Maria» aus dem 12. und 13. Jahrhundert, deren Inneres zahlreiche Fresken schmückt. Es herrscht reger Einkaufsbetrieb im Ort, ein- und ausparkende Autos sowie viele bepackte Fußgänger. Noch ein paar Kilometer Abfahrt bis Samedan, das auf breiter Straße erreicht wird.

Wir werden von einem Regenschauer überrascht. Wir beschließen, die Regenpause zum Mittagessen zu nutzen. Wir können die Fahrräder einigermaßen gegen den Regen geschützt am Restaurant abzustellen. Als wir mit dem Essen fertig geworden sind, hat es aufgehört zu regnen.

Bis La Punt Chamues-ch folgen wir dem Lauf des noch jungen Inns (rätisch En). Wir biegen nach links zum Albulapaß ab. Noch im Ortsbereich von La Punt beginnt der Anstieg zum Albula. Nach der achten Kehr haben wir bald wieder die 2000-Meter-Marke wieder erreicht. Es folgen noch zwei Kehren kurz hintereinander. Dann befinden wir uns schon auf 2100 m Höhe. Kurz danach nimmt die Steigung merklich ab. Es hat wieder zu regnen begonnen. Wir machen unseres Taschen regendicht und ziehen die Regenjacken über. Die Steigung nimmt jetzt im Verlauf weiter ab und ändert sich an einem kleinen Bergsee vorbei sogar kurzzeitig in ein geringes Gefälle, dann sind es noch einige hundert Meter bis zum Paß.
Auffahrt zum Albulapaß Blicke werden gewechselt
Am Albulapaß Abfahrt vom Albulapaß

Auf der Paßhöhe regnet es noch, aber die Sonne kommt schon wieder kurzzeitig zum Vorschein. Auf dem Albulapaß (Rätisch Passo d'Alvra) steht einsam das Berggasthaus Albula Hospiz. Heute ist hier oben alles leer, kein Fahrzug ist zu sehen. Die Straße ist aber schon durchgehend naß, wir ziehen auch die Regenhosen und die Überschuhe an. Bei Preda hört der Regen endgültig auf. Bei der Abfahrt stört uns die Regenbekleidung nicht weiter und so lassen wir sie noch an.

AlbulabahnVorsichtig lassen wir es auf der nassen Straße angehen. Die Sonne kommt immer häufiger durch. Dadurch trocknet die Straßenoberfläche rasch ab. Zwischen Preda und Bergün befindet sich der Toua-Kehrtunnel und das Albula-Viadukt III, weiter oben befindet sich noch der Zuondra-Kehrtunnel. Die Albulabahn überwindet zwischen Bergün und Preda in 4 Kehrtunnels 416 Höhenmeter auf 12,6 km Strecke; die Luftlinie beträgt weniger als 6 km. Die Albulabahnstrecke ist ein Meisterwerk der Eisenbahntrassierung.

Plötzlich ein Fluch von hinter: eine Reifenpanne. Das Ventil am Hinterrad ist abgerissen, eine Folge der langen Bremsstrecken. Packtaschen runter und das Hinterrad herausnehmen erfolgt in Teamarbeit. Wir haben einen Ersatzschlauch dabei und können die Panne rasch beheben. Das Aufpumpen mit unseren kleinen Pumpen ist allerdings recht anstrengend. Die Packtaschen werden angehängt und weiter geht's. Wir müssen uns beeilen, denn wir wollen in Filisur um 17:03 Uhr den Zug nach Davos erreichen.

Bald ist das kleine Bergdorf Bergün erreicht. Jetzt wird es kurzzeitig etwas flacher. Wir müssen mittreten. Dann nimmt das Gefälle wieder zu und wir lassen es rauschen.

AlbulatalWarum wollen wir ab Filisur die Rhätische Bahn in Anspruch nehmen? Die Straße von Thusis nach Davos ist stark befahren. Es befinden sich mehrere Tunnels auf dieser Strecke, einige sind für Radfahrer verboten. Letztlich ist eine Tagesetappe über drei Pässe mit 83 Kilometern ausreichend.

Wir erreichen Filisur 20 Minuten vor Abfahrt des Zuges. Der Bahnhof liegt etwas oberhalb des Ortskerns, ein kurzer, knackiger Anstieg und wir befinden uns vor dem Bahnhofsgebäude. Schnell zum Fahrkartenschalter. Drei Leute stehen in einer Schlange vor dem Schalter. Die erste Person hat wohl etwas Langeweile und verwechselt die Fahrplanauskunft mit einem Unterhaltungsprogramm. Sie erfragt immer wieder neue Zugverbindungen. Wenn sie darüber Auskunft erhalten hat, verwirft sie diese Fahrt und fragt nach einer neuen, vollkommen anderen Verbindung. Das geht so mehr als zehn Minuten lang. Bei den nächsten beiden Personen geht es zügig voran. Endlich haben wir die Fahrkarten und eilen auf den Bahnsteig, wobei wir die Räder mit vollem Gepäck noch treppab und treppauf tragen müssen. Es ist geschafft!

Am Bahnhof FilisurNach zwei Minuten fährt der Zug ein. 30 Minuten dauert die Fahrt über die 19,3 Kilometer lange Strecke bis Davos Platz. Der Zug hält an jeder Milchkanne und davon gibt es in der Schweiz bekanntlich viele. Radprofis schaffen das auch mit dem Fahrrad.

In Davos-Platz steigen wir aus. Wir können ebenerdig unsere Räder auf den Bahnhofsvorplatz schieben. Ein älterer Herr spricht uns an, er war uns schon in Filisur auf dem Bahnsteig aufgefallen. Der Herr fragt uns, ob wir eine Unterkunft suchen. Er besitzt ein Hotel direkt gegenüber vom Bahnhof, also keine 20 m entfernt, das Hotel Terminus. Der Preis stimmt und Abstellplätze für unsere Räder seien auch vorhanden. Als folgen wir dem Herrn zum Hotel.

Nach einer erfrischenden Dusche sitzen wir an der Bar beim verdienten Bier. Später im Restaurant gönnen wir uns typisch schweizerische Gerichte.

Allzu alt werden heute Abend nicht, die heutige Etappe hat einiges von uns verlangt. Am morgigen Tag stehen wieder zwei 2000er Pässe auf dem Programm. Vor dem Schlafengehen ein letzter Blick auf den Himmel, es ist sternklar. Wir können für morgen auf schönes Wetter hoffen.


4. Tag               (Tabelle)            (Seitenanfang)           18.06.2006

Höhenplan 4. Tag

Auffahrt zum FlüelapaßWie erwartet brezelt die Sonne vom Himmel. Gut gelaunt brechen wir in Davos auf. In Davos (Dorf) biegt nach rechts die Flüelastraße ab. Es ist gegen 10 Uhr morgens schon recht warm. Die Etappe heute wird schweißtreibend werden. Kilometer um Kilometer pedalieren wir nach oben. Es sind nur wenige Kurven auf dem Weg zum Paß. Dörfji, eine kleine Ansammlung von Häusern, haben wir von einem früheren Skiurlaub noch gut in Erinnerung. Hier liegt die Talstation der Seilbahn zum Pischa-Skigebiet. Es ist Sonntag heute, also man muß mit viel Ausflugsverkehr rechnen, der dann auch tatsächlich unterwegs ist. Es sind nicht nur unsere geliebten Motorradfahrer, auch andere Sonntagsausflügler sind unterwegs.

Nach ungefähr zwei Stunden haben wir die Paßhöhe erreicht. Sie ist - ähnlich wie der Albulapaß - relativ flach. Sie kleinen Seen und Tümpel sind noch teilweise eisbedeckt. Schneefelder umgeben die Paßhöhe. Im Gegensatz zum Vortag am Albula sind Parkplätze hier gut belegt. Jeder Paß hat so seine eigenen Reize, in vielerlei Hinsicht. Seien es sportliche oder landschaftliche Reize. Mal ist eine der Auffahrten sportlich oder landschaftlich besonders ansprechend, ein anderes Mal spricht die Paßhöhe besonders an, letzteres gilt für den Flüela. Die dem Bericht beigefügten Bilder unterstreichen die landschaftlichen Reize dieses Passes.

Die Strecke über den Flüelapaß verläuft durch lawinengefährdetes Gebiet. Es war in der Vergangenheit nur mit großem Aufwand möglich, diesen Paß ganzjährig offen zu halten. Immer wieder waren Sicherheitssperren nötig. Seit der 1999 erfolgten Eröffnung des unter dem Paß verlaufenden Vereinatunnels (Eisenbahn mit Autoverladung) wird er daher über die Wintermonate gesperrt.

Hochalpines beim Flüelapaß Es liegt noch Schnee neben dem Flüelapaß
Gruppenbild am Flüelapaß Mittagessen in Zernez

Bei der Abfahrt nach Susch kommen uns viele englische Roadster - historische Fahrzeuge von Triumph und MG und andere - entgegen. Solche Tage werden von den Autobobil-Oldie-Clubs zur gemeinsamen Ausfahrt genutzt, wir hatten ähnliches schon in 2001 in Frankreich am Col des Aravis erlebt. Es ist ein rasante Abfahrt hinunter nach Susch. Auf unseren Vielfotografierer müssen wir wieder warten, er hat Dutzende von diesen Oldtimern fotografiert, aber nicht nur die.

Im Hotel Baer-Post in Zernez essen wir zu Mittag. Hier war der Verfasser zum erstem Mal in 1988 mit seinem Freund Hans Holzer auf der gemeinsamen Fahrt von München nach Mailand. Wir hatten hier auch zu Mittag gegessen. Wir sitzen auf Terrasse vor dem Hotel und sind froh, daß uns der Sonnenschirm Schatten spendet. Die Temperaturen hier im Tal (wohlgemerkt auf knapp 1500 m Höhe) liegen bei 28° C.
Gewitter am Ofenpass Klatschnass
Abfahrt nach Val Müstair Die Straßen sind noch nass

Der Anstieg zum Ofenpaß (Passo dal Fuorn) ist in dieser mörderischen Nachmittagshitze sehr anstrengend. Die Sonne knallt von Westen genau auf unsere Aufstiegsroute, unsere Rückenpartieen liegen voll in der Sonne. Am Ova Spin endet der erste Anstieg. Ein strategisch wichtiger Ort, aber kein Paß. Nach der ca. 150 Höhenmeter langen Abfahrt befinden wir uns in Punt la Drossa, hier geht nach rechts durch einen einspurigen Tunnel in Richtung Livigno ab.

Dann zieht sich sehr plötzlich zu. Es beginnt sehr heftig zu regnen, Blitz und Donner kommen hinzu. Auf den letzten drei Kilometer vor der Ofenpaßhöhe sind wir voll dem Gewitterregen ausgesetzt. Unterschlupf findet sich nur im Gasthaus auf der Paßhöhe. Wir betreten triefend naß die Gaststätte. Nach kürzester Zeit ist nichts mehr unter unseren Stühlen und unserem Tisch trocken. Ein heißer Tee bringt innere Wärme zurück. Wir holen bereits getragene Radkleidung aus unseren Radtaschen, sie riechen zwar ein bißchen, aber sie sind trocken. Eine(r) nach de(r/m) anderen verschwindet auf der Toilette, um sich umzuziehen.

Der Regen hat mittlerweile aufgehört, die Gewitter sind weitergezogen. Wir können zur letzten Abfahrt in Richtung Glurns aufbrechen. Auf regennasser Straße starten wir. Der Blick auf die phantastische Landschaft des Val Mustair ist uns wegen der Nässe etwas verleidet.

Ohne weitere Regenschauer kommen wir in Glurns an. Im Hotel Post können wir im Wellnessbereich duschen und uns umziehen.


Auf der Rückfahrt nach München gibt es keine besonderen Vorkommnisse zu vermelden.


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Stand: 19. August 2013

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